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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Bi

Nr. 28.

.berantwortiicb tut Sen ceCaiuonellen Teil: Karl Schütte. - für Xlngeigen: I. Parzeiler-Fulda. r. Rotationsdruck u. Verlag der Kulbaer Actienüruckerei in Fulda ^-nupcecher Nr. 8. Telegr.-Abresse: Fuldaer Zeitung

Freitag, 4» Februar 1921» .............

Bezugspreis: Monatlich 3.00 Bit. ohne Zustellgebühr. Jnguiba bei uns abgeholt 3,15 AU. Anzeigenpreis: DteKleinzeile Colonelmag) 60 pfg «. 10°>» Zuschlag, die Reklamezeile (Tepbreitet 1.80 Mk^ u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabau.

48. Zahrg.

Nicht Sie Kühe verlieren.

In der gegenwärtigen Krisis bildet es eine gute Begleiterscheinung, daß im gesamten Deutschland eine würdige, selbstsichere Rübe bewahrt wird.

Das Erstaunen und bk Entrüstung über die unge­heuerlichen Zumutungen von Paris sind natürlich groß, aber sie arten nicht in nervöse Zuckungen aus. Die Fassung wird bewcchrt, unb der Muk bleibt ungebrochen. Uederall, wie in den amtlichen Kreisen, so auch im ge- schäfttichen Getriebe unö im gesellsrdaftlichm Privatver- kchr sagt man sich: De? Pariser Beschluß ist wirklich unmöglich, undurchführbar; auch mit den angedrohten Zwangsmaßregeln können die Gegner ihr Ziel nicht erreichen; also muß es zu Verhandlungen und neuen Abmachungen kommen.

Die ruhige Entschlossenheit, zu der die Erklärung der Regierung den richtigen Ton angegeben hat, wird auf die Stimmung und das Verhalten der Gegenseite einwirken. Die Aeußerungen der französischen und englischen Presse sind nicht alle auf den gleichen Ton gestimmt. Es wird natürlich vielfach geprahlt, ge­scholten, gedroht, wie das noch den früheren Erfahrun­gen nicht anders zu erwarten war. Doch mehr und mehr werden auch bedächtige Töne laut, die den Wunsch nach weiteren BeryandluiMN verraten und die Hoffnung auf eine friedliche Vereinbarung dmchblik- ken lassen. So wurde z. B. in der französischen Presse betont, daß Minister Simons kein unbedingtes Nein ausgesprochen habe, also sich und seiner Regierung die Hände nicht gebunden habe. Tatsächlich hat Minister Simons mit voller S1 arbeit und Entschiedenheit aus­gesprochen,daß die nusgeführten Bestimmungen für uns in ihrem Zusammenhang undiskutabel sind." Dos ist eigentlich noch etwas mehr, alsunannehmbar", da auch die Diskussion, d h. die weiteren Verhand­lungen auf dieser Grundlage, ausdrücklich ausgeschlos- ftn wird.

Wohl oder übel werden die Sieger unsere Gegen­vorschläge doch prüfen müssen. Denn sonst kommen sie nicht zu dem ersehnten Ziel. In dieser Hinsicht ist es besonders beachtenswert, daß in der französischen Presse das Geldbedürfnis des Landes lelchaft betont wird In der Tot braucht Frankreich Oeföv und zwar in großem Umfange und möglichst schnell, um feinen zerrütteten Staatshaushalt in Gang zu halten. Es wird Zugestanden, daß auch die deutschen Milliarden, die für die ersten Jahre gefordert sind, nicht mwreichen, daß vielmehr auf Grund drr deutschen Zahlungspflicht und mit Benutzung der vorgesehenen Bons eine größere Anleihe für Frankreich erstrebt werde.

Das ist verständlich; aber kann dieser Zweck durch die anaedrohten Znangsmaßreyeln erreicht wer­den? Die Anwendung von Gewalt gegen ein ablehnen­des Deutschland würde den Franzosen neue Lasten und Kosten, aber sicherlich feinen neuen Kredit einbringen. Die ganze Wirtschaftslage in Europa würde durch die Erneuerung des Krieges heillos erschüttert werden, und die Amerikaner, auf deren flüssige Gelder man rech­nen muß. hätten dann noch weniger Lust, ihr schönes Geld in den europäischen Hexenkessel fließen zu lasten. Gan; anders stehen 'für die Franzosen die Aussichten, wenn es zur Verständigung mit Deutschland kämmt. Bleibt auch die Gesamtsumme der deutschen Verpflichtungen hinter den phantastischen Ziffern von Paris weit zurück, so würden sie doch im Verein mit der ruhigen Weiterentwicklung der Volkswirtschaft in den beteiligten Ländern fördernd wirken auf den Staatskredit und also auf die Füllung der leeren Kasten.

In diesem Eedankengange kommt man schließlich zu derselben Schlußfolgerung, die bereits Minister Si­mons ausgesprochen hat: Wenn die Entente zu Diktat und Zwangsverfahren übergebt, kann sie aus Deutsch, land nicht herauswirtschaften, was sie ha­ben möchte.

Falscher Wert

Roman von H. Abt.

22) __

"Als ich Frau Paulys Bekanntschaft machte, war sie in ihrem Anzug von unauffälliger Einfachheit, ganz damenhaft."

Gertrud sagte es mit ihrem freundlichsten Lächeln und gewahrte nicht, wie bei ihren Worten ihres Mannes umschattetes Gesicht noch finsterer wurde. Der Besucher aber, einen raschen, etwas verwunderten Blick auf sie werfend, sagte, sich Erhebend, höflich:

Sie kennen Frau Pauly persönlich, gnädige Fram Ra, ich hab« natürlich nur Scherz gemacht. Und im punkt Damenhastigkeit würde Ihr Urteil für mich UntoL.?Uen Umstünden auHchlaggebend sein."

Achtungsvoll Gertruds Hand küflend verabschiedete er sich, i-utzer.kirchen gab ihm das Geleite und kehrte mrt zusammengekniffenen Sippen wieder auf die Vor- halle zurück. Nach einigem Schweigen sagte er plötz- Vxd>- Stgarre von sich schleudernd:

"Mochtest Du Dich vielleicht, ehe Du Dich in Zu- kunft wieder einmal zum Anwalt von anderer Frauen ah n(. hi. ST?nr«.f: J. « . tfi* zuvor erst erkundi­gen ob die Persönlichkeit auch nach solchem Verlangen tragt r

Mit erschrockenen Augen sah Gertrud ihn an In seinem Ton war eine verhaltene Heftigkeit für die sie nicht sogleich die rechte Erklärung fand^ Unsicher frag e sie:Hatte ich nicht erwähnen sollen, daß ich Frau Pauly kenne? Da Du selbst davon gesprochen, daß Du ihr zu Dank verpflichtet seist, so «

"So fühltest Du Dich verpflichtet,' meiner ritterlichen Verteidigung zu Hilfe zu kommen?" fiel er ihr in die stockende Rede.

Sie senkte den Kopf. Ihre Stimme klang le'se Verzeih, ich hatte mir nichts Schlimmes dabei ge- dacht."

Wieder dieses Wort! Alles in ihm stürmte wie eine seinbliche Woge empor,, die sich gegen sie richtete. Er sprang auf, ein kaltes Spotttachen klang von seinen Lippen ...

Seit

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Er-

Driand über die Pariser Konferenz.

Der französische Ministerpräsident B r i a n b gab Donnerstag in der Kammer und im Senat über die

volle, ganze Wahrheit. Es gilt mein Lebcnsglück. gestern hatte sie die Antwort darauf:

Mein liebes Kind!

Deine Mitteilungen und das, was ich mir noch schen den Zeilen Deines Brieses herauslese, haben

Ich sah ein ähnliches Unheil über Dir drohen, unglück­licherweise, als es schon zu spät war. Dich noch davor zu bewahren. Verhängnisvolle Täuschung auf beiden Seiten. Ich glaubte Dich einem Manne vermählt, an desten Seite sich Dir kein glänzendes, aber doch ein orgenfreies, gesichertes Leben bot. Dein Gatte hinge­gen ... da er es selbst vorgezogen zu hoben scheint, Dir darüber zu schweigen, auf welche Weise er mir nach Eurer Rückkehr von der Hochzeitsreise M l cilung von seinen Erwartungen gemacht und wie er es aus­genommen, sich in ihnen getäuscht zu sehen, so macht-

. . mich tief betrübt, wenn auch leider nicht völlig überrascht.

Es liegt also im et genen Vorteil der Sieger, sich mit uns zu verständigen. Das gibt uns eine starke Position und ermöglicht uns, auch fernerhin die R u h e zu bewahren, die zugleich würdig und klug ist.

Beratungen in Berlin.

Der Ausschuß für auswärtige Ange­legenheiten trat gestern vormittag zu einer län­geren streng vertraulichen Besprechung zusammen, an der Minister Dr. Simons teilnahm.

Staatssekretär Bergmann ist gestern in Berlin angekommen und sofort vom Bahnhof ins Reichsfinanz- ministcrium gefahren, um über die Lage in Paris Be­richt zu erstatten. Staatssekretär Schröder führt in Paris die Verhandlungen weiter.

gebniffc der Pariser Konferenz Erklärungen ab, in der er die Me'muuHsverschiedenheiten der Alliierten über die Zahlungsfähigkeit andeutete. Man habe sich vor dem Un­möglichen beugen muffen und von Deutschland sofortige Bezahlung von Beträgen so hoch wie möglich verlangt, zugleich aber wolle man, wenn Deutschland sich wirt- schastlich erhole, davon profitieren, damit nicht Deuffch- tanb sich bereichere, während Frankreich ruiniert werbe. Damit Deutschland zahlen könne, muffe es sich jedes Jahr Reichtümer schaffen, indem es fernen Export erhöht und seine Einfuhr auf das Notwendigste beschränkt. Das könne es nur tun auf Kosten des Handels und der In­dustrie der Alliierten. Das ist die seltsame und schmerz­liche Konsequenz der Taffachen. Deshalb fei die 12pro- zentige Abgabe von Export vorgesehen.

Eine falsche Rechnung.

In Paris ist der von den alliierten Sachverständi­gen der Brüffeler Konferenz erstattete Berich! über die deutschen Staatsfimmzen und über das deutsche Budget veröffentlicht worden. Darin wird mit großer Sicher­heit prophezeit, daß für die industriellen deutschen Staatsmttcrnehmungen sich würde rasch ein Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben erzielen lassen. Die Einnahmen Deutschlands seien zu niedrig bemessen, die direkten Steuern könnten bedeutend erhöht werden, be­sonders die Abgaben für Tabak, Zucker, Kaffee, Tee, Alkohol, Kohle, ferner die Zölle und die Ausfuhrtaxe. Es scheint talsächltch bei diesen Sachverständigen keine Ahnung dafür vorhanden zu fein, wie es um alle diese Dinge in Wirklichkeit in Deutschland steht, daß eine Ueberspammng öer genannten Genußmittel für den allergrößten Teil des Volkes und keine Mehreimiahme zur Folge haben müßte. Am schwersten würden da­durch nur die arbeitenden Schichten des Volkes getrof­fen, die die Erhöhung der Produktion auf ihre Schul­tern nehmen sollen. Die Sachverständigen glauben auch, daß bei entsprechender Revision der Einnahmen und Ausgaben in kurzer Zett auch ein Ausgleich des ordentlichen Budget-, sogar ein Ueberschuß der Ein­nahmen zu erwarten sei. Sie außerordentlichen Aus­gaben, sagen die Sachverständigen weiter, müßten ganz beseitigt werden. Wie sie sich das vorstellen, ist uner» findtich bet dem riesigen Defizit, das wir haben. Wenn auch wir der Ansicht sind, daß vielleicht da und dort gespart werden könnte, so rönnen wir an solche Milliar- dmersparungen, die ein Gleichgewicht des Budgets Her­stellen oder gar einen Ueberschuß der Einnahmen er­geben sollen, nicht glauben, dazu braucht es sicher, wenn man nicht außerordentlich schmerzhafte und fragwürdige Eingriffe in das staatliche Leben auf sich nehmen will, mehrere Lahre.

Die graue Wirklichkeit.

Nach dem Pariser Abkommen hat Deutschland von 1921 bis 1932 Icchreszahlungen zu machen, die sich von 2 Milliarden Goldmark bis auf 6 Milliarden Gold­mark steigern sollen. Daß Deutschland am 1. Mai 1932 in der Lage sein wird, jährlich 6 Milliarden Goldmark an die Alliierten abzuführen, ist selbstverständlich völlig ausgeschlosien. Es besteht aber auch keine Möglichkeit

Freilich, freilich, ich weiß ja. Glückselige Natur, die sich nichts Schlimmes dabei denkt, ob sie redet ober schweigt." Sein Schritt bröhnte, als er die Borhalle oerließ. Gertruds unaufhaltsam hervorbrechende Trä­nen gewahrte er nicht mehr.

Er sollte sie nicht sehen, die heißen Tropfen, die da aus tiefwundem Herzen emporquollen, einem Herzen, das sich verzweifelt wehrte, dem zu glauben, was doch jeder neue Tag mit immer zwingenderer Gewalt ihm zum Bewußtsein brachte.

Da draußen auf dem Hofe bauten sie von neuem auf, was der Wetterschlag vernichtet, wo aber war die Hand, die das wieder emporrichtete, was jener gleiche Blitzstrahl in ihr niedergefchlagen? War es nicht an ifjr, mit unablässigen Mühen die Steine zusammenzu­tragen. die dem Bau ihres Glückes wieder Festtgkeir gaben? Aber wie sollte sie es beginnen, was tun? Sie stand im Dunkel, selbst da im Dunkel, wo sie doch volle Klarhett hätte haben muffen, ob ihr Mann in Wahrheit begründete Ursache habe, einen Vorwurf zu erheben, ob wirklich durch falsche Vorspiegelungen und Angaben em Betrug an ihm verübt worben war, ober ob er zu­meist nur sich selbst betrogen, inbem er aus Aeußer- lichkeiten hin unzutreffenbe Erwartungen in sich graß- gezogen. Sie hatte ber Mutter geschrieben. Eine leiden­schaftliche, flehende Bitte:Sag mir die Wahrheit, die

in den nächsten Jahren 2 Milliarden Goldmark aufzu­bringen.

Um dieses deutlich zu machen, werden von gut un­terrichteter Seit» folgende Zahlen mitgeteilt:

Der Werl der deutschen Ausfuhr betrug 1919 im ganzen 2,87 Milliarden Goldmark und im ersten Halb­jahr 1920 1,77 Milliarden Goldmark. Bisher konnte jedoch Deutschland von dem Mangel cm Ware in der ganzen Welt profitieren, während jetzt und für die Zu­kunft auch auf dem Weltmarkt wegen Ueberproduttion eine Krisis ausgebrochen ist. Will man die deutsche Ausfuhr für die nächsten Jahre bestenfalls auf 3,5 Mil­liarden Goldmark veranschlagen, so darf nicht vergessen werden, daß dieser Ausfuhr ein Einnchrbedarf an Nahrungsmitteln von mehr als 4 Milliarden Goldmark gegenübersteht. So deckt also der Betrag der Ausfuhr kaum dan notwendigsten Einfuhrbedarf an Nahrungs­mitteln. Dazu kommt die erforderliche Einfuhr von Rohstoffen, die i mJahre 1913 sich auf 4,725 Mi- liarden Goldmark belief, heute aber auf das Doppelte zu bewerten wäre, vorausgesetzt, daß eine so unwahr­scheinliche Steigerung der Produktion einträte. Aus all dem ist zu ersehen, daß in den nächsten Jahren mit einem Aussuhrüberfluß überhaupt nich tzu rech­nen ist.

Der Deutsche Gewerksschsktsvnnd

zu den Pariser Beschlüssen.

Der 41. Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenver­band der christlichnationalen Wirtschaftsbewegung um­faßende Deuffche Gewerkschaftsbund nahm in einer Vertreterkonferenz am Dienstag abend, den 1. Febr., Stellung zu den Kriegsentschädigungsbeschlüssen der Alliierten in Paris. Einmütig erblickte die Versamm­lung^ darin das Bestreben, unter dem Namen und Scheine der Wiedergutmachung die völlige Verskla­vung des deutschen Volkes herbeizuführen. In der kurzen Zett des Bestehens bereits ungezählle Male von Deutschlands Gegnern überfdjritten, werde der Vertrag von Versailles nunmehr offen beiseite ge­schoben, Verpflichtungen aus ihm für die Entente würden mißachtet, selbst auf den Anschem, den sog. Friedensvertrag als ein Instrument des Friedens an- zuschen, komme es den Gegnern offenbar nicht weiter an. In der angenommenen Entschließung heißt es:

Angesichts ber auf die Dauer unerträglichen Folgen, die schon zahlreiche Bestimmungen des Versailler Ver­trages für unser Volk mit sich bringen werden, wird die Reichsregierung alle neuen, aus dem Vertrage nicht her« vorgehenden Ansprüche der Gegner unbedingt zurückweisen müssen, lieber eines abermaligen Diktates gewärtig, als burtp ihre Unterschrift irgend eine moralische Anerkennung gegenüber der Entente und eine garnicht zu tra = «ende Verantwortung vor künftigen deutschen Geschlechtern auf sich zu nehmen.

Vom Standpunkt der schaffenden Arbeü. insbesondere der lediglich auf die Anstrengungen von Kopf imb Hand für ihren Unterhalt angewiesenen Arbeitnehmer, gibt es mif die wirtschaftlichen Erdrosselunasversuche des Pariser Reparationspfanes mir die eindeutige Antwort: Nein! Das gilt von veriragwidrigen Zumutungen wie dem Ver­langen 42jähriger Zahlungen für Summen, die in der vertraglichen 30jährigen Höchstdauer ber Belastung aus Deutschland herauszuholen sogar die Entente für intet- füDbar ansieht; es gilt allgemein von der willkürlichen Festsetzung ber Summen ohne Rücksicht auf die Verttags- verpslichtung sie dem Deutschen Reiche auf Grund wirk­licher, im einzelnen nachzuweisender Schaden­ersatzansprüche zu bemeffen. Dor allem gilt es, von dem Verlangen einer lSprozentigen Ausstchrabgabe zugunsten der gegnerischen Staaten, welche die deutsche Volkswirtschaft in einen Frondienst für das feind­liche Ausland, bk deutsche Ausfuhr zum toerttoen Schatten einer solchen und die Ernährung weitester Kreise unseres Dolles zu einer» unabsehbaren Hunger­dasein herabzudrücken droht. Der im Verein damit erhobene Anspruch auf Zollkontrolle einschließlich der Er­mächtigung für den Wiederherstellungsausschuß gegebenen« fa!Ts Zollerhöhungen vorzuschreiben, würde, von der darin liegenden Herabwürdigung eines Kulturvol- k e s zu einem afrikanischen oder asiatischen Bersallentum auch ich über diesem unerquicklichen Vorgang den Schleier belasten. Die wohl nicht mehr gutzumachenbe Entfremdung zwischen Deinem Manne und mir, die Dir ja kein Geheimnis mehr fein kann, ist das Ergebnis jener Stunde. Daß diese in Dein Dasein nicht nach schwärzere Schatten hineinziehen möge, wünsche ich von ganzem Herzen. Ich möchte Dir gern einen positiven Trost geben, allein ich wage es nicht, auf etwas hin, was vorläufig nur erst ein unbestimmter Schimmer am Horizont ber Möglichkeit, schon eine Hoffnung in Dir wachzurufen. Glaube inbes, daß, wenn je das Gluck noch einmal über meinen Weg schreiten sollte, ich mich ebenso meiner Mutterpflicht gegen Dich erinnern mürbe, wie ber Genugtuung, die es mir gäbe, Dein-m Gatten auf seine zu mir gesprochenen klingenden Wort» doch noch jenes andere Klingen antworten lassen zu können, desten Goldton er in ber Stunde gegenseitiger Aufklä­rung so schwer vernüßte. Möchte diese Genugtuung mir eines Tages noch vergönnt sein, das wünscht für sich und Dich

Deine treue Mutter.

Ein klug abgewogener Brief, den zur Not auch Franz Lützenkirchen hätte lesen können. Frau Klara hatte befriedigt vor sich hingenickt, als sie ihn nochmals burchgesehen. Bei ber Stelle von dem unbestimmten Schimmer am Horizont ber Möglichkeiten war ihr Atem noch rascher gegangen. Dieser Schimmer sorgfältiger noch wie die klugen Jungfrauen über ihren Lampen hatte sie seit einem halben Jahre darüber gewacht, daß er nicht verlösche, daß er zu immer hellerm Aufglühen entfacht werde. Und wahrlich, es lohnte sich ber uner­müdlichen Wachsamkeit, lohnte sich, daß sie, wenn keiner es sah, kargte und darbte, um sich den Reiseaufenthalt zu ermöglichen, lohnte sich, baß sie zuweilen selbst die Hanb an ben Rollstuhl legte, in dem bie armselige Men­schenruine auf ber eleganten Kurpromenade hin- und hergefahren wurde. Rustische Exzellenz und Graf, reich und ohne Familie, Exzellenz und Graf und reich . . . und alt und krank ... So hoffnungslos krank, daß elbst die aufopferndste Pflege kein Iährlein mehr zu den gezählten Tagen hatte hinzufügen können.

.(Fortsetzung folgt)

ganz abgesehen, vollends jede wirffchastliche Lebensmög­lichkeit unserer Nation in die Hände ber Entente geben.

Sklavenarbeit will der Deutsche, werden unsere deutschen Arbeiter und Angestellten niemals tunt Lasten in der sinnlosen, nicht einmal durch Deutschlands gesamtes N.Hchnalvermögen zu denkenden Höhe sowie unter Bedingungen, welche Schweiß und Muhe deutscher Arbeit fiir alle Zeit zur Hoffnungslosigkeit verdammen würden, baff kein Volk übernehmen, bas für seine Pflich­ten noch Ehre und sittliche 'Begriffe anerkennt. Namens ber zwei Millionen im deutschen Gewerkschaftsbund ver­einigten Arbeiter, Angestellten und Beamten fordern wir daher alle Parteien, Berussverbände und sonstigen für Deutschlands Zukunst mitverantwortlichen Organisationen auf, die Regierung in ihrem schweren Abwehrkampfe nachhallig zu unterstützen und in dieser höchsten Not Schicksalssragen der Nation endlich über alle inneren Gegensätze, über die Rücksicht auf Wahlen und kleinliche Tagesbödörsniste zu stellen."

Eine amerikanische 20 Millionen-Spende

für die deutsche Bevölkerung

Für 20 Millionen Mark amerikanische Textilien, insbesondere Flanell, Unterzeug, Garne und Kleider- ftoffe werden in den nächsten Tagen, wie der .Kon­fektionär mitteilt, mit Genehmigung des deutschen Zentralausschusses für Auslandshilfe Über das ganze Ruhrgebiet verteilt.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Sine araent nische vfitschrist an den Papst. Die argentinische Presse veröffentlichte eine von Cen ersten und einflußreichsten araentrnrschen Damen, oaruntex auch solchen französischen und en irischen Ursprungs, unterzeichnete Bittschrift an den Papst, in der dieser btingenb um seine Vermittlung gebeten wirb, um Frankreich zur Zurückziehung ber schwarzen Bo satzungstruppen in Deutschland zu veranlassen.

* von ben Zchwarzen eingeshleppte Krankheiten. Aus St. Ingbert wird gemeldet: Aus der Pfalz wurden bisher drei Fälle von Schlaskranrheit gemeldet. Dieser Tage würbe wieder eine Frau ins Krankenhaus ein ge­liefert, bie seit 6 Tagen dieser Krankheit verfallen ist. Auch in Saarbrücken und in anderen Orten des Saar­gebietes ereigneten fit) einige Fälle. Die Seuche stammt von ber schwarzen französischen Besatzung.

Deutscher Reichstag.

Nach den beidengroßen" Sitzungen ber letzten Tage begann nm Donnerstag wieder bie Kleinarbeit, was sich besonders dadurch bemerkbar macht, baß schon wieder bas Haus fast teer ist. Als erster Punki steht auf ber Tagesorbnung bie Vorlage über einen Reichs, zuschuh an bie Parteien für bie diesen entstehenden Kosten für bie Stimmzettel (für jeben abgegebe­nen Stimmzettel 15 Psg. I!) die nach kurzer Aussprache angenommen wird.

Dann wendet man sich ber ersten Beratung des Reichswehrgesetzes zu.

Den Mehrheitssozialisten wie der Linken überhaupt ist ber Entwurf nicht demokratisch genug. Nach ihrer Uebergeugung ist den Offizieren zu viel eingeräumt, wäh­rend man die Rechte ber Mannschaften wesentlich ein- gebämmt hat. In seiner Erwiberung glaubte ber Mini­ster Gehler feststellen zu können, baß man in An betracht der ungeheuren Schwierigkeiten der Aenderungen un­serer früheren Wehroerfassung, bie durch dieses Gesetz den neuen Verhältnissen angepaßt werden soll, immer­hin in dem Entwurf bie gotbene Mittelstraße gefunben habe. j

Nach weiterer Debatte geht bie Vorlage an einen Ausschuß. Eine Anzahl weiterer kleiner Vorlagen wer­den gleichfalls an Ausschüsse überwiesen.

Dann wendet sich die Beratung einem von allen Por»»ien mit Ausnahme der Unabhängigen und Kom­munisten eingebrachten Gesetzentwurf zu. der die Län­der verpflichten will, zur Förderung des Woh­nungsbaues mindestens 30 Mark pro Kopf ber Be. völkerung aufzmvenben. Zur Deckung dieser Ausgaben sollen die Länder eine Abgabe von den Nutzungsberech- tigten aller vor dem 1. Juli 18 errichteten Gebäude er­heben, bie Gemeinden sollen zu dieser Aufgabe Zuschläge erheben. Anstelle ber Abgabe können auch Zuschläge zur Grundsteuer u. a. treten.

Das Gesetz erfreut sich im allgemeinen der Sym. pachten aller Parteien, was auch die nachherige An­nahme des Gesetzes bewies. Nichtsdestoweniger wurde versucht, auch hier ein Parteisüppchen zu kochen. Die Vertreter der Linken, Abg. Höll ein (Korn.) und Frau Ziegler (Unabh.) ließen natürlich wieder ihr Sprüchlein über dieVerrottung der kapitalistischen Gesellschaft" los. Sie hatten allerdings damit insofern wenig Glück, als der Sprecher des Zentrums. Abg. Decker-Arnsberg, chnen an Hand ihrer eigenen Presse dringend empfeh­len kannte, erft einmal im eigenen Hause auszukehren, ehe sie fremde Stuben auf Reinlichkeit untersuchen. Ebenso sanden die SIbänberunasanträqe der Rechten als eine unnötige und den Kommissionsbeschlüssen foaar völ­lig zuwiderlausende Belastung dieses nur als Notgesetz edvchten Entwurfes keinen Anhang bei der Mehrheit.

Das Gesetz wurde bei ber Abstimmung in erster und zweiter Lesung mit zwei Drittel Mehrheit angenommen.

Zum Schluß tarn noch die Hafer-Interpel­lation zur Sprache, bie eine Aufhebung ber Verord­nung über die Mindestablieserungspslicht "verlangt. Cs wurde hierbei allerhanb Kritik an ber Regierung geübt, bie ben Sanbroirten 67 Mark für ben Hafer bewillige und ihn für 180 Mark wieder abgebe.

Freitag: Kleine Vorlagen.

Das Ende -er Christlichen Volkspartei?

Bekanntlich hatte sich vor den letzten Reichstags­wahlen im Rheinland aus Nörglern und Unzusrie- denen durch Abfall vom Zentrum die Christliche Bolkspcirtei gebilde', die aber nur ein sehr kümmer­liches Ergebnis bei den Wahlen erzielte. Bei den Laikdtagsmahlen wollte diese Pa>tei abermals als Gegnerin des Zenir-ins auftreten. Jetzt veröffent- lichen dieChristin Volkspariei" und dieRyein. Vereinigung" fola Erklärung;

Die Rheinische Dolksveremigung und die Ehrifttiche Dolkspartei haben bisher chrlich versucht, eine Dolkerver- ftänbifiimg und -Versöhnung cmzubahnen und besonders hkr im Westen die Brücken zu bauen, bie bas ganze Deutschland und ferne ehemaligen Gegner wieder ver­einigen sollten. Diese Bemühungen sind durch das Der- halten Preußens und die Beschlüsse der Pariser Konferenz endgulllg vernichtet worden. Jetzt kann es für alle beut, fegen Bolksjtamme nur fine Losung gehen: Fort m i I