Jt$ 25.
Diettstag, L Februar t92L
Fuldaer Leitung
Druck der Fuldaer «etieadruckerei in Fulde
der deutschen Lusisriedenskommission von den Unterton» Missionen der interalliierten Lufifohrtübcrwachunc'skommis» |ton bei den Besitzern ang-forderi werden, dieser gegen Empfangsbestätigung ausgehändigt werde».
Mit der Durchführung der Auslieferung der befchtag» nahmten Gegenstände einschl'cßlich der vorläufige« Feststellung ihres Zustandes ist die Reichstreuhandnes'llschoft A.-G. beauftragt, die mich di« im Einzelsalle notwendigen Vereinbarungen treffen wird und der nach § 4 des Gesetzes vom 31. August 1919 di« geforderten Angaben zu machen sind. Di« etwa notwendig werdende Enteignung erfolgt durch das Reichsschatzinrn'steriwn vorbehaltlich der gesedlich vorgesehenen Entschädigung.
Für den Kreis Fulda ist die Zw-nnstelle der Reichs- treuhandgesrllschaft zu Frankfurt o. M. zuständig. Jedermann ist verpflichtet, unter eingehender Darlegung der Eigentumsverhältnisse und der Lagerorte der Zwei--stell« der Neichstreuhandgesellfchoft das in fernem Besitz befind» l'che Lustfahrzeuggerät listenmäßig bis zum 31. Januar 1921 anzugeben, sofern eine Anmeldung bisher noch nicht erfolgt ist.
F u l d a. den 31. Januar 1921.
Der Landrot. Frhr. v. Doernberg.
Die nach 8 8 der Derorünung vcm 19. September 1920 beim Dlehhandei mszrfertigeriden Schlnhscheine sind lediglich beim gewerbsmäßigen Ankauf vom IlrrWlcr, nicht aber beim Weiterverkauf vom fiänMer zu Händler oder Metzger cmszust'ellen. Beim Transport von Vieh braucht der Schlußfchein n'chi mitgeführt zu werden.
Fulda, den 24. Januar 192L
Der Landrat. Frhr. v. Doernberg.
Ausgebrechen: Die Maul- und Klauenseuche in de« Gemeinden Dorndorf und Reldharlshausen, Le.zwksdirek- tion Dermbach.
Fulda, den 28. Januar 1921.
Der Londrat. 3. 93.: Köhler.
Die Landwirte Theodor Vogel und Wendelin DrSh- ler von Lüdermünd sind wegen schlechker RUlchllese- rnng vom Amlsgerlchl Fulda zu 1000 Mark bezw. 306 2Rsr? Geldstrafe vernrleUk worden.
Fulda, den 29. 3anacr 1921.
Der Landest. Frhr. e. Doernberg.
Die Frist für Abgabe der Umfatzstguererklänmaen für das Kalen-dersahr 1920 wird bis 15. Februar d. 3. verlängert. Steuerpflichtige, welche die Erklärung bis zum gena-mten Tage nicht eingereicht haben, wird noch § 170 der Abgabenordnung ein Zuschlag zu der endgültig veranlagten Steuer auserlegt. (83
Fulda, den 27. Januar 1921.
Finanzamt. Klöckner.
Falscher wert.
Roman von $). Abt.
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„Sdj mache Dir ja feinen Dorwurf. Laß uns nicht wieder davon reden."
Eine Pause entstand. Dann, aus dem Dunkel her. aus, in dem sie stand, fragte sie scheu und leise: Und hättest Du's gewußt, wie arm ich war, so würdest Du mich . .. nicht gewählt haben?"
Er war an das Fenster getreten, sah aus den hinaus. Alles, was in fieberischer Nachwirkung des gc. strigen Tages ihm körperlich und seelisch noch Spann» traft gegeben, begann van ihm zu weichen, und eine riübe, stumpfe Schwere lastete auf ihm Mit einem Aechzen gequälter Ungeduld wiederholte er: »Laß — — wozu da, alles setzt."
komme Dir nicht wieder damit. Nur dieses eine Mal sprich, fag mir die Wahrheit — Du hättest es mcht getan?"
sein Ohr. als ob ihre Stimme seltsam klinge, fr”™/ b0* es strich an ihr vorbei. Nur daß sie sprach, mü ihren Fragen ,hn brä -gte, peinigte, reizte ihn Und al, sie es.noch einmal wiederholte: „Du hättest es nicht getan, da gab er, kaum im k'aren W ffen, nur im Wollen, >hr "e^en zu enden ihr die Antwort'
„3dj hätte es nicht gekonnt."
Es blieb still. Lützenkirchen ließ den Blick durch das Fenster auf den fiof hm und her irr-a. Rach einer Weile kehrte er sich rasch herum. Das I mmer war leer
Gr sah sich ™ie suchend um. Es war ihm a's muffe er nun etwas tun. Seine Frau austuchcn. vielleicht — ffe trösten: denn natürlich fa6 Re nun j^enowv und »einte sich fast. Er schritt ein paarmal in der Stube hm und her. dann batte er sich wie zuvor w eder an fernen Schreibtisch niedergefetzt. Die furchtbare Frage
feine ganze Exltevz bedräng,.. katte mj( g "Eckenden Schwere sich wieder a-ch alles andere ge egt.
Gertrud weinte nid)*. Das S tb ihrer Mut,er in Mn «anben haltend starrte sie nieder auf des lächelnde Ge. IW . . . traf sie die Fatte sie nur in ihrer
gewohnten Weife mehr schönen lassen, al, wirNich «ar, »der hatt, sie in bestimmter F"^w l’nroahr-s gesprochen l Betrogen . . . mflr er, der absichtlich Bttrogen«? Mußte ► nicht vor ihm niederstürzen — .Verzeih — vergib!"
Sus dem Nachbargebiet.
«= Steinau, In ei^er am Sonntag hier abgehafienen sehr gut oeiuftcn Votksvereinsversammiun^ gedachte der Leiter der Versammlung, vert Lebrer Fisct> er, in ehren een Worten des eoldenen Zcntiums- iubiiäume. f-err Cblatrnpatrr Pielsch sprach über d,e Pflichten der Kat o iken nur kulturellem Gebiet und Herr Gerne kfcbafttfekictär Schmitt über die cbrist. lichen Gewerkschaften Im Süllutzwort resümierte der Ort pfarrer das Gesa te und forderte aus zum Anschluß an bie chiistlicben Gcwer scl niten, zur Treue gegenüber dem Voi'soerein und dem Zentrum am 20. Februar.
X Schmalnau. Die hiesige Jungfrau en-Kon- gregation veranstaltete am 23. und 30. Januar einen Untcrhal'ungsabend. Zur Ausführung gelangte bas religiöse Schauspiel „Hedwiais" von Hennig von Haza-Radlitz Das Stück begleitet die im Jahre 1243 gestorbene hl. Hedwig von ihrer Kindheit bis in die Z it ihres Herrrfchens als Fürstin und Herzogin vv.n Do'en und Schlesien. Die Liebe der Fürstin zu den Armen und Kranken üb-rrohbet den Haß und Neid einer ihrer Edeldamen, der sie zuletzt noch großmütig verzeiht. Das Stück selbst wurde vortrefflich wiederqegeben. die einzelnen, teils recht schwierigen und undankbaren Rollen lagen in den besten f'änbcn. Der endlose Beifall der an beiden Abende, zahlreich erschienenen Zuschauer bestätigte nur dieses Urteil. Ein humoristischer Einakter .Erdäpfel in der Montur" besch oß den überaus schön und würdig verlaufenen Abend, auf den die Jungsrauen- Kongregasion, vor allem die Spielerinnen und die rührige Präfektin. Frl. Lehrerin Detig von hier, die der müh*amen Arbtti des Einübens sich unterzogen hatte, mit S*o*z zurückblicken können.
= Schwarzbach Kr. Hünfeld.) Um sich ein volles Haus zu sichern, schließen die meisten Theateranzeinen mit „Bafi". Dieses zieht, und man erreicht seinen Zw-ck. Untre Junifrauenvereinigung war aber durch die ergreifenden Vri-diafm der *etzten hl. Mission und der überaus ernsten Zeit anderer Ansicht. Sie veranstaltete Theatervernniigm ohne Ball und lvirste vor ü^erfüH^m Hause in wirklich schöner und meisterhaften Wei'e Zu. erft die Jungfrauen aus dem B'arrdorf dann die Jungfrauen aus der hierher gehörigen Filiale Gotthards, hierauf die Jungfrauen von Obernüst, ie ein Stück. Die ganze Veranstaltung, von Fräulein Brigitta Nüdling, Schwarzbach, geleitet, verlief in glanzvoller Weise. Der Steinertrao ist für oute Zwecke bestimmt.
△ Aus dem $*fiherlanb. Der Schaden, den das Schwarzwild in den Gemarkungen des Seblitzer- Landes angerichtet, wird immer größer. Für Wildschaden wurden bereits insgesamt 10 000 M. vergütet. Ganze mit Roggen bestellte Aecker, in welchen im Borsahr Kartoffeln waren, wurden umgewühlt. Nun soll eifrig d'e Jagd auf die Tiere betrieben werden. Wie man hört, sollen allwöchentlich größere Streifen fein, auf deren Erfolg die Bauernschaft allgemein gespannt ist.
= Hersseld. Durch das entgegenkommende Derständ» nie der Herren Kommerzienrat R-chberg und Fabrikant Braun war es im vergangenen Jahre möglich geworden, auch im Kreise Hersfeld mit lyst-ma sichen Aus. grabungen zu beginnen. Di: Erfolge sind sehr et« treulich. Bei Ausgrabungen bei Unterweisen, v o r n am Fuße des Rinqberges wurden Funde aus der römischen Kaiserzeit gemacht. Am Hofe Weißen- b o r n bei Mokseld ist ein Totenbrett aufgefunben mor. den. Ebenso ließen sich dort Spuren eines chattischen Wohnhauses feststellen. Ein Bronzeschwert ward bereits im Ok'ober 1908 gefunden und befindet sich im chersfel- der Museum. Große Hügelgräber wurden bei Wil- Oti«»i>«ln frviirfegt. Ein Kindergrab wurde am Eisenberg geöffnet. In ihm befanden sich u. a. noch zwei Arnsipitalen und ein Armring. Es handelte sich um fine Bestattung aus der jüngeren Steinzeit (3000 u. Ebr). Die letzten Ausgrabungen waren zwischen Niederaula und Nieberjosfa am Z'egenrück. Bei den hier freigelegten Gräbern gelangte man zu der Annahme von Hausbestattungen. Weiter konnte man auch den Fund e-nes Dolches aus der Bronzezeit buchen.
(!) Gelnhauf-n. Der Kreisausschuß der Zentrumspartei im Kreis Gelnhausen hat für den Provinziallandtag in Kassel als Raubt» baten aufgestellt: Geheimrat v. Saowny, Trages b. Somborn, Sanitätsrot Dr. Scherf, Bad Orb und Stat-onsvorsteher Wagner, Gelnhausen. Der Wahl- oorschlag für den Kreistag enthüll folgende Na- men:
Michael Brückner 2, Kalkbrenner und Landwirt in Sombonn Ludwig Schwank. Lehrer in Bad Orb: Bürgermeister Joseph Jäckel. Müller und Landwirt in Kassel: Hieronymus König, Landwirt in Mernes: Ad. Bilz 4. Bürgermeister und Landwirt in Altenmittlau: Lor. M ei st er. Bergmann in Bieber: Mart. Flecken- stein 2, Kriegsbeschädigter. Neuses: Ignaz Böhm, Kaufmann. Höchst: Jakob Weigand. Bürgermeister Benchach: Hermann Strecker. Fabrikant. Somborn; Karl Mühl. Schreinermeifter. Bad Orb: Jakob Hage- mann, Kaufmann, Oberndorf: Friedrich Kunkel, Eisenbahner, Wirtheim: Peter Seikel, Landwirt, Horbach: Hrinrich Winkel, Schornsteinfeoerm-ister,
Bad Orb: Adolf Freund, Landwirt, Aufenau; Aug. Pfahls, Landwirt, Pfaffenhausen; Alb. Kaufe- mann, Spinnereibesitz-r. Birftein: Phisivv D e f ch, Landwirt, Burgjoß; Anton Wolf 1, Kath. Willenroch.
Bei regster Wahlbeteiligung aller Zentrumswähler im Kreise Gelnhausen ist die Hoffnung berechtigt, daß ihre Stimmenzahl sich im Vergleich zu den letzten Wahlen noch bedeutend steigert, und daß die Partei auch ihre sechs Sitze im Kre'stag und zwei im Kreis- ausschuß nicht nur hält, sondern noch um zwei ver- mehrt. Darum, Zentv"m?wöhler. nun ausgemacht und Ernst gemacht, auf daß in uns die reine Freude lacht, wenn der Großwahltag guten Erfolg gebracht. Wir kämpfen und streiten, wie unsere Führer und Vater schon seit 50 Jahren, mutig weiter für Wahrheit, Recht und Freiheit.
(mc) AranlsiM a. Zil Der Profesior für Mathe- mat.k B i e der b a ch hdt einen Ruf an die Berliner Universität angenommen, wahrend Professor Max W e- bcr. der bekannte Valkowirtschaftler, nun doch dem Rufe nach München folgt. Damit verliert die Frankfurter Uninetfiföt ?wet ihrer besten Gelehrten, die fchlechthin kcmm zu ersetzen sind. Man hat in der letzten Zeit die Beobachtung gemacht, daß zahlreiche bekannte Dozenten Frankfurt den Rucken kehren tmd nimmt an, daß dies »n den unsicheren finanziellen Verhältnissen begründet ist, die augenblicklich an der Frankfurter llnioersi öt herrschen.
).( Wi-sba^on. Die aufgehobene Verlobung. Wir lesen im „Wiesb. TogebL": In einer Stadt des besetzten Gebietes — nicht W'es' a^en — werden gegenmärfa die folgenden, im Zttira^m von etwa 14 Tagen erschienenen Zeitungsa"zei^en viel belacht: Kurz vor Weihnachten brachte dos Dr'sTatt eine Sfntünt'i-'ung mit diesen Worten: „A's Verlobte empfehlen sich Erna P.. Direktrice — Gottfried E., städtischer Beamter." An dieser Verlobung nahm niemand Anstoß. Auch die Stand^sbezeichmmg störte niemand. 5ßari'm sollte ein ftäbt-fther Beam er nicht eine Direktrice freien? Warum sollte sich ei»e Direktrice nicht m’t einem stödti'chen Beamten vsrio'en. Kurz nach Neufobr. vielleicht gar noch im alten Jahr, schien aber e'n Zwist im Lager der Verlobten aus^e- brochen zu sein, dieselbe Zeitung brachte kolg°n^e Ent- I o b u nq und — Enthüllung: . Meine Berlob-ng m t der Ladnerin Erna P. erkläre ich für aufgehoben. Gottfried E städtischer Beamter." Und unmittelbar barunfer: „Meine Verlobung mit dem Latrinen- reiniger Gott rieb E. habe ich gelöst. Erna P., Direktrice." — Oh! oh!
Aus Oberheffen nnv de» Hess. SYetttfetit.
— Ziegenhain. Um den im Kreile Ziegenhain zer- streut wohnenden Zentrumswählern Gesegen- heit zu pol'ttschcr Ausspache zu geben, hielt Parteisekretär Müller-Marburg am Sonntag, den 30. Ja- nuar, einen kurzen Dortrag über die Arbeit des Z n- trums im Reichstag und im La dtag. Hierauf wurde die wlrtfchaftUche und kulturelle Stellung des Zentr« ms im Provinziallandtag und Kreistag besprochen. Mit einem Dankeswort des Herrn Pastors Ramb wurde die anregende Sitzung beendet.
Auszug aus den Registern des Standesamts Fulda
Sterbefälle vom 14.—28 Januar 1921.
15. Januar. Erich Emil Reichardt, 6 M. 28 T. 16. Ehefrau Anna Ackermann aus tterzell, 28 I. 8 M. 9 T. 17. Schäfer Johannes Röhler aus Rasdorf, 38 I. 5 M. 3 ■£. 18 Elisabeth Backe, 9 M. 18 T. 21 Le'nwebcrS-Wltwe Sufanna GieS aus Großenmoor, 63 I 8 M. 23 T. 22. Johanna Fäth, 8 M. 9 T. 23. Marianna Babette Josefine Füller, 6 T. 24 Adalbert Schultheis, 12 I. 10 M. 2 f. 24. Dienst, mädchcn Berta Kannueßer, 22 I. 2 M. 1 ?. 25. Balmherzi e Schwester Theiesia Röbi', 71 I. 10 M. 17 T. 26. Oberlehre, S-Witwe Anwnia Hetnbach, 55 1.2U T.
binaesandt.
Mus dem Vogelsberg. Zu den beiden Artikeln: Aus dem Dogelsberg in Nr. 15 und 19 der „F. Ztg." ei noch einiges bemerkt: Wahr ist's. daß unsere heutige Land- iuge.nd infolge der langen Kriegsdauer und dank des herrlichen Dorbildes der Stadtjugend in eine Vergnügungssucht geraten ist, die nicht gerade von DorteU ist. Wahr ist's, daß es auch einmal oorkornrnt, daß die an- gesetzte Polizeistunde übertreten wird, weil der Land- mann erst von 7 bzw. 8 Uhr von Hause fortkann, weil wichtige Arbeiten vorhanden waren. Wahr ist's, daß für den Bauern bezw. Landbewohner noch heitte und für immer der Sstündige Arbeitstag eine hohle Phrase blci- ben wird. Wahr ist es. daß der Landmann im ganzen Jahre kaum einmal auf kurze Zeit in die Wtttschaft jum „Vergnügen" geht. Wahr ist's, daß in den Groß, ftäbten an einem einzigen Abend in den K'nos, Kabaretts, W instuben und Dielen viel mehr Licht und Heizmaterial ve-braucht wird, als in unseren Dorfgast, wirtschaften in Jahren. Wahr ist es. daß gerade unsere Dorfwirtschafien, wenn einmal Säfte nach 10 Uhr sitzen
Und sie selber. . . die er nicht gewählt haben würde, wenn er es anders gewußt hätte... die er nie geliebt hätte, wenn . . .
Betrogen! — Wer hatte sie selber zur Betrogenen gemacht? . . . Nicht er — er nicht. Nur sie sich selbst, ihr eigenes, ihr törichtes Herz. Und das Herz tat ihr weh, als ob es am Brechen fei.
Drei Tage Frist . . . eine großmütig bemessene Zeit, dreimal so viel, als man gemeinhin einem Der. urteilten zugestand, sich mit dem Gedanken an den Strick ober das Fallbeil vertraut zu machen. Drei Tage . . . nur daß es Lützenkirchen bereits in dieser ersten Stunde' wußte, daß die lang gewährte Frist nichts weiter be. beutete als eine verlängerte Henkersgual. Denn so wenig wie heute würde er in drei Tagen imstande sein, ben faffiten Wechsel einj’ilöfen. In drei Tagen a'so die Gcrichtssiegel auf Lützenburg. Um dreißig!«,send Mark.
Wohl sah er die Möglichkeit vor sich, fast die Gewißheit, sich noch einmal Hilfe zu verfchaf'en. Frau Do- rette Pauly würde diesmal zu feinet Bitte nicht nein agen. Und doch stemmte sich alles in ihm dagegen an, diesen Ausweg zu suche«. Mochte es herankommerh was er aus eigener Kraft nicht länger aufzuhatten vermochte. Ein finsterer Trotz war über ihn gekommen. So wartöte er dem Aergsten entgegen. — —
Drei Tage waren vergangen, die Frist abgeTaufen. Um Morgengrauen schon war er aufgestanden und auf Hof und Feldern umhergeirrt.
Worauf würden sie zuerst die Hand legen, rormit die Pfändung beginnen? Und auf wann würden sie den Termin ansetzen, wo sie alle kamen, seine Gläubiger, überall umhergingen, ab'chätzten und die Köpfe schüttelten und laut und leise Worte sprachen, von b-neq jedes e'nzelne wie Skorpicnstachel in feinen Stolz sich bohrte! Und wann — wann würde er den erhobenen Hammer in der Lust schweben sehen und es hören: „Sudenburg zum ersten — zum zweiten — u^b — zum dritten..."
Seine Frau kam ihm entgegen, als er wieder auf ben Hof trat Sie trug ein Schreiben in der Hand.
.Hier, der Brf-f wurde von einem Boten für Dich gebracht. Er sei sehr eilig. Ich wollte Dich eben suchen."
Er hatte ihr bereits bas Kuvert aus der Hand ge- nommen. Der Geschästsstempel der Firma Pauly. Und
I bleiben, pü ktlich den Strafzettel erhalten. Wahr ist's, daß Orispolizci und Landjäger ihre Pflicht tun und keiner Scharfmachung gegen die Dorfbewohner bedürfen- Wahr ist's ferner, daß trän es auf den Bauern wieder einmal abgesehen hat. Ja, Bauer, wie kannst du auch so etwas tun? Sch Sch. B.
Amtliche Anzeigen.
Gesetz
betreffend Anmeldepflicht des zur Durchführung des Artikel 2VL des Friedensvertrags beschlagnahm en Luftfahrzeuggeräte. Bom 30 Dezember 1920.
Der Reichstag hat das folgende Gesetz bcschloffen, das mit Zustimmung des Reichsrats hiermit verkündet n nb:
§ 1. Wer Luftfahrzeuggerät, das nach Artikel 202 des Friedensvertrags der Auslieferungspfacht ununirgt, noch im Besitz oder Gewahrsam hat, ist verpfi-chttt. es bis zu einem von dem Reichsfchatzmmister festzusktzenden Zeitpunkt bei den von ihm zu bestimmende« Stellen an- zumelden.
§ 2. Für Zuwiderhandlungen gegen die ht der Be- kanntmcchuria des Reichsschatzmimsters vom 24. Ium 1920 (Deutscher Reichsanzeiger Nr. 137 vom 24. Juni 1920) festgesetzte Anmeldepflicht wird Straffre'heii gewährt, wenn die der Anmeldepflicht unterliegenden Gegenstände bis zu dem nach § 1 festzufetzcnden Zeitpunkt nachträglich ange- rr.dfr't w"rden.
Für Zuwiderhandlungen gegen die in der genannten Bekanntmachung des Reichsschatzminist-rs angeordnete Be- schlagnahme wird Straffreiheit gewährt, wenn die be« schfagnahmten Gegenstände bis zu dem nach § 1 fest- zufetzcriden Zeitpunkt an das Reich abgeliefert sind.
Soweit Straffreiheit gewährt wird, werden die vor- hängten Strafen nicht vollstreckt, die anhängigen Verfahren eingestellt und neue nicht eingeleitet
f 3. Tas b's zu dem rsch 8 i fcst--,efeftten Aestpuntt nicht gemeidete. der Beschlagnahme unterliegende Lust- sahrreugaerSt ist durch den Reichsfchatzmmister zuaunsten des Reicks für verfallen zu erklären. Eine Entschädigung wird in diesem Falle nicht gewährt
§ 4. Mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis' zu einhunderltaufend Mark ober mit einer dieser Strafen wird, sofern nicht nach den allgemeine« Sirafnesetzen höhere Strafen verwirkt sind, bestraft, wer vorsätzlich
aj die im 8 1 dieses Gesetzes geforderte Anmeldung unrichtig, unvollständig oder nicht bis zu dem festgesetzten Zeitpunkt bewirkt,
b) der Beschlagnahme unterliegendes Lustfahrzeugocrät anbietet, seilhält, veräußert, erwirbt oder seine Veräuße- rung und seinen Erwerb vermittelt.
§ 5. Wer die im § 4 genannten Handlungen fahr- lässig begeht, wird mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft.
Berlin, den 30. Dezember 1920.
Der Reichspräsident. Ebert.
Der Reichskanzler. I. V.: Du Heinze.
Dorstehendes Gesetz bringe ich hiermit zur öffentlichen Kennlnis.
Auszulieferndes Luftfahrzeuggerät sind folgende Ge- genftänd«. soweit sie
a) vor. während oder nach bem Kriege im Auftrage des Heeres- oder Marineoerwallung gebaut worden stich,
b) m militärischem Gebrauche gewesen sind oder für dielen bestimmt waren, auch wenn sie sich im Pvivatbelltz befinden, und
_c) aus Halbfabrikaten hergestellt sind, welche vor, wahrend oder nach dem Kriege im Auftrage der Heercs- mch Marineverwaltung gefertigt worden ober für militä- nfche Zwecke bestimmt gewesen sind:
1. Flugzeuge jeglicher Art, flugfähige und nicht flug-
2. Höhen-, Zett- und Gefchwindigkeitsmeffer für Bord- zwecke. Flugzeugkompasie,
3. Flugzeugzellen, -flächen und -rümpfe,
4. Spezialwagen, Flugzeugtransportwagen, Flächen- transportwagen,
5. Luftfahrzeugmotore, gebrauchsfähige oder nicht ge- brm'chsföhige jeglicher Art,
6. Lustfahrzeugmotoren-Erfatztelle. nämlich Zylmder- und Kurbelgehäuse, Vergaser, Zündungen,
7 Speiallichtbildkammern für Luftfahrzeuge mit den dazu gehörigen Kasittten,
8. Bord-F-T-Geräi.
Hierdurch werden weiter beschlagnahmt:
9. Fesielballone, Motorwmden für Fesselballone mit Kabeln,
10. Lustschiffergasflaschen.
Die Beschlagnahme hat die Wirkung, daß ohne Zustimmung des Reichsschatzministeriums die Vornahme von Veränderungen an den von der Befch'agnahme betroffenen Gegenständen verböte« ist, und daß rechtsaeschästliche Verfügungen über sie verboten und nichtig sind. Den rechts- geschöMichen Verfügungen stchen Verfügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung oder der Arrestvollzie- hung erfolgen.
Die befchlagnahmten Gegenstände sind pflegstch zu be- handeln.
Unbeschadet der Beschlagnahme dürfen biejenigen Ge- genstönde, welche auf Grund der allgemeinen Anweisung
er las und las . . . eine ganze Weile, obwohl es doch nur wenige Z ilen waren:
„Ich habe in Erfahrung gebracht, baß heute eme Wechfelfchuld gegen Sie eingeklagt werben sollte. Ich habe Jakob Rosatzky abgefunden. Auf welche Weise wir nun ben an mich übergegangenen Wechsel hypo- thekarisch fcftlegcn wollen, dafür werden wir wohl mündlich Verständigung finden.
Dorctie Pauly." Gerettet . . .
Franz Lützenkirchen blickte um sich ... es broufte und hämmerte vor feinen Ohren, wie ein Schwindel hatte es ihn gepackt. Der Schwindel jäh entfachten neuen Lebensmutes. Ein Stöhnen der Erleichterung hob feine breite Brust.
„Franz, was enthält der Brief, von welcher furchtbaren Last befreit er Dich?"
Gertrud fragte es. Und da er nicht Antwort gab, wiederholte sie nach einmal:
„Was steht in dem Brief, Ich bin Deine Fran, ich habe ein Recht darauf, zu wissen, was Dich so erschüt- tert."
Er sah sie an und sah sie doch nicht in diesem Augenblick. Sah statt fwer eine hohe, breite Gestatt mtt hochmütig kaltem Gesicht. Und Härte von irgendwoher ein Svottlachen:
„Sch apsdorchep . . ."
Und ihm zuckte etwas in der Faust, als müsse er den. der diesen Name« noch einmal vor ihm aussprach, zu Baden schlagen.
„Was der Brief enthält? Nlch's weiter als die Mitteilung, daß der Gerichtsvollzieher — heute nicht nach Lützenburg iemm-n wird."
„Franz, um Gottes wAen, Franz — fo furchtbar steht es mtt uns? Und solche Sorgen hast Du mir ver- schwl-qen?"
„5a, so stcmb's. Aber es wird wieder anders stehen hinfort."
Er ging ra'chen Schrittes nach dem bakbzerstörten Stalle hin, in drm der Rest des gerettetea Viehs unter, gebracht war. Ein befrrunH-r Gittrnech' ar hatte ihm nestern leihweise zur Aushilfe zwei Pferde getankt. Eines davon zog er jetzt hervor, sattelte es selbst tn fliegender Hast, schwang sich hinauf und sprengte da- von. 1
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1. Kür Männer vom 5.-9. Februar
2. Für Frauen vom 14.-18 Fevruar
3. Für Jünglinge (nicht unt 16 Jahr ) 6.19.-22 Febr
4. Kur Psarr auShälteriune« v. 28. Kebr.—4. März
5. Für Teiziarinnen vom S.-9.März
6. Kür Jungfrauen (n unt 16 Jahr.) v. 18.-22.März
7. Kür Lehrerinnen vom 23 —26. März (nachm.)
8. Für Lehrer vom 29. März—2. April.
Die Exerzitren werden von einem hochw. KranziSkaner- pater geleitet
Beginn stets nachmittair 6 Uhr am ersten Tage, Schluß am letzten Ta^e morgens (außer bei ben Lehrerinnencxerz ticn)
Fehrgetegenheit Ankunft in Salmünster von Richtung Fulva 4al Uhr, v Richtung Frankfurt 4”, Abfahrt nach Fulda 6“ oder 1*° Uhr, nach Frankfurt 7 63 oder 1006 Ulir.
Anmeldungen und Anfragen richte man bald, ncfälliaft an ehrw. Schwester Oberin in Soden, Kr. Schlüchtern.
NB. Es wird freundlichst nebetem, auf die Ad» Haltung diejer Exerzitien anjmertfnm machen zu woll n.
Frau Dorette Pauly hatte Franz Lützenkirchen in das Wohnzimmer bitten lassen. Nun stand er da und wartete auf ihr Erscheinen. Die heftige Erregung, die der Empfang ihres Schreibens ihm gegeben, hatte sich während des Rittes gelegt; er war ruhig geworden.
Aber sie schien sich lange Zeit lassen zu wollen, und er hatte Muße, sich in dem großen Z mmer gründlich umzusehen. Cs war geschmackvoller in feiner reichen Gediegenheit, als er es zu finden erwartet hätte. Nur auf bem großen Büfett stach die Uebermenge schweren Silbergeschirrs aufdringlich m die Augen — gleich den übergroßen Brillanten, die Frau Dorette zu ihrem sonst unauffaKgen Anzug zu tragen liebte.
Unauffällig —? Eine Seitentür hatte sich geöffnet, sie wax eingetreten und fern gemessenen Schrittes auf ihn zu. Aber erstaunt blickte er ihr entgegen, wie einer Fremden. Eine Art loses Mcrg.nkle-d von purpurrotem Sridenplüsch fiel in leuchtenden Falten an ihr herab. Sie sah schön aus, und es lag nichts eigentlich Unfeines in diesem Prangen, es stimmte zu ihrer ganzen Wesensart und dennoch — da klang es wieder vor feinem geistigen Ohr auf, der Spottname — »Schnaps, dorchrn."
„Sind Ihnen ein paar Meter Samt ein fo vertvun. berliner Anblick. Herr Lützenkirchen? Cs ist der ein. zlqe Stoff, ben ich liebe. Und da ich ihn nicht auf der Straße anz'ehen mag, fo trage ich ihn, sobald ich aus dem Kontor komme, in meiner Wohnung für mich allein."
Für sich allein ... Nicht für ihn, wie er ein paar Sekunden lang mit heftigem Mißbehagen gewähnt hatte. Das plötzliche Schämen vor ihr, g^m scht mit der Dankbarkeit, die ihn hergekührf. ließen ihn etwas tun, was er wohl sonst unterlassen hätte. Er führte Frau Da. rettes Hand an die Lippen.
„Lassen Sie mich danken, Frau Pauly."
Sie sah ihn groß an, ohne vcn selber die Hand zurückzuziehen, die er nun mit nochmalig m leichten Druck wieder fre'gab. Die seltsame Stetigkeit dieser großen, schwarzen Augen gab ihm ein Gefühl leiser Befangen- Helt
Fie bot ihm Platz an und setzte sich selber. Dann sagte sie gelassen:
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