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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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Nr. 24

LerantwottUch für 6en rtwntor.eilen Stell: Kari Schüft«, für die Lnzeigen: F- Porzellek-Fulda. = Rotationsdruck u. Verlag bet «iuldaer Ädtenbroeterei in Fulda, ^tmiptedfer Nr. 9. Telegr.-Sbrelfe; gu'.baet Zeitang

Montag, 3|. Januar )92|,

Sezvgaprei»: Msnatlich 3,00 Ulf. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: ÄieKleinzetie Lnlonelmatz) SO Vtg, u. irr'!. Zuschlag, die Nekiamrzeile (Terrdreir») 1.80 2ltf., n. 10'-. Zuschlag. Del Wiederhol. Rabait.

48. Zahrg.

BMionenwahnfiun.

Die Pariser Konferenz hat am Samstag in einer Vollsitzung den Derschlag des Ausschusses über die deutsche Kriegsentschädigung angeiwmmen, mit einigen kleinen Aenderungen, die Lloyd George wünscht", wie es m dem amtlichen Bericht heißt. Der Beschluß soll allen Regierungen gleichzeitig mitgeleilt werden, wahrscheinlich zugleich mit der Einladung an die Vertreter des Dsutfchcn Reiches, sich zu der Kon­ferenz einzufinden, die am 28. Februar in Lon­don ftottfmten soll zur Besiegelung des Abkommens. Vorher soll, nach demJournal des Debats", noch die Beratung der Sachverständigen in Brüssel ft-attsinden, bei der die Durchführung des Abkommens besprochen werden mußte.

Die Verbündeten haben jetzt schon Strafmaß- nahmen festgelegt, die zu treffen wären, falls Deutschland sich weigern sollte, seinen Verpflichtungen für die Kriegsentschädigung sowie für die Abrüstung nachzu-kommen. Jn der Adrüstungsfrage wurde Deutschland Frist bis zum 1. Juli bewilligt. Zur Si­cherung der Durchführung sind vorgesehen: 1. Auf- hebmrg der Räumungsstist für die Meiulande, 2. Be­setzung neuen deutschen Gebietes, 3. Errichtung eines besonderen Zollregimes in den Rheinlanden, und end­lich, auf Antrag von Lord Curzon, 4. Einspruch gegen die Aufnahme Deutschlands in dm Völkerbund.

Die Konferenz ist Samstag abend geschloffen worden. z

Es ist noch nicht tauge her, da rechnete man, wenns hoch kam, mit Millionen, feit dem Kriege haben wirs gelernt, mit Milliarden Fußball zu spielen, jetzt sollen wir uns auch noch an die Billionen gewöhnen. 226 Milliarden Eoldmark will die Entente von uns for­dern. Eine Goldmark sind rund 13 Papiermark. Gold haben wir nicht, wir müssen mPayierrnark leben, arbeiten und bezahlen, also wird unsere Schuld nicht 226 Milliarden, sondern noch 13mal so viel, d. i. un- aefähr drei Millionen mal Millionen ungefähr drei Billionen Mark betragen. Man meint, wenn man das liest, eine Rechnung aus den unermeßlichen Fer­nen des Sternenraumes vor sich zu haben, aber nicht Wirklichkeiten dieser Erde. Hat es überhaupt Zweck, über diese wahnsinnigen Ziffern, die man sich über­haupt nicht vorstellen kann, noch einen Ton zu reden? Man will DoutschlanH jede Möglichkeit nehmen, Ein­nahmen zu emitfien und das Land, io künstlich in einem ewigen Defizit halten und von diesen Schulden sollen dann noch gigantische Zahlungen gemacht wer­den! Das ist allerdings ein Kunststück, das selbst die Deutschen, denen die Entente viel zutrauh nicht fertig bringen können. Wenn wir bedenken, daß die Hin- crcbe unserer ganzen Flotte, des größten und besten Teils unserer Lokomotiven und Waggons, unseres Eigentums in den Kolonien, fremden Ländern und ab­getretenen Gebieten, unsere ungeheuren übrigen Lei­stungen seit Friedensschluß erst etwa zwanzig Milliar­den betragen, Abgaben, die uns fast engrnmde gerichtet und unser Geld wertlos gemacht haben, so kann man den Hohn ermessen, mit dem wir das gnädige Ver­sprechen empfinden, daß man uns einen Diskont ge­währen will, wenn wir die unenneßlühe uns auf-ge­ladene Schuld früher bezahlen, als in 42 Jahren. Dazu kommt noch die Belastung der bcrttscken Ausfuhr mit einer besonderen Steuer, das Sinnloseste an der Sinnlosigkeit der ganzen Forderung. Wenn Deutsch­land was ausgeschlossen ist überhaupt solche Summen bezahlen könnte, so könnte es das nur durch einen unerhörten gänzlich unwahrscheinlichen Auf­schwung seiner Exportindustrie tun. Und dieses ein­zig mögliche Zahlungsmittel, den Exportüberschuß, will man noch besonders besteuern.

Es ist ja ofsenkund'g. daß das, was man Deutsch­land zumutet, über die Grenzen seiner Leistungsfähig»

scher Wert.

Roman von H. Abt.

19) --

Das also ist Ihre Frau."

Es war, als wachse Frau Dorettsns Walkürengestalt zn noch ragenderer Höhe empor, wie sie mit ihrem hoch­mütigsten Gesicht auf Gertrud niederschaute. Die ihr bar- gebotene Hand ergriff sie nicht, sondern sah nur, ohne danach zu fasten, darauf bin und dann von dieser auf die herabhängende Linke, die mehr noch rote die Rechte große Brandwunden trug. Ihre Sippen schürzten sich.

Haben Sie denn gestern so heftig beim Löschen mit Mgefaßt?"

Leise Röte trat auf Gertruds blasses Gesicht. Sie schob die Hände in die Falten ihres Kleides und sagte ohne Aufhebens:

Die Schafe waren fo ganz verschenk rom Feuer, namentlich die jungen Lämmer. Da bin ich wohl ein bißchen an die brennende Wolle gekommen."

U ®.Dre*ttn3 Sippen wölbten sich noch höher em­por, ih" Blick maß jeden Zug in Gertruds Gesicht gleich, fam ct!f3en "b.Ein junges Lamm, das hat doch wohl keinen Wert.

Rein, aber es hat ein Leben." Ganz einfach war's gesagt, ganz selbstverständlich, aber Lützenkirchen sah sie jählings -m und tn ihm quoll cs warm empor. Rur eine Sekunde lang, da hatte ein nüchterner Stimmen- klang sich erkaltend darüber gelegt. Frau Pauly sagte langsam:

Ja, man sieht es Ihnen an, daß Sie sehr gefühlvoll sind."

Dann wandte sie sich an Lützenkirchen.Ich werde setzt gehen. Ich bin mit mir ins Klare gekommen. Wenn Sie dann nach Langenau kommen, denke ich, werden wir weiter zusammen reden."

Eie kehrte sich wieder zu Gertrud zu, und noch ein- mal den Blick langsam abwagend über sie hingehen lastend, sagte sie:Die Bekanntschaft war mir er­wünscht."

Gertrud trat einen Schritt zurück. Das Lächeln, das «inen Augenblick in ihr sich regen wollte über diese

feit hinausgeht und wir können uns zur BeruhiAmg sagen, daß an der Unmöglichkeit der Durchfüh­rung auch dieser Beschluß der Pariser Konferenz schei­tern muß.

Einige lagen, Lloyd George sei wieder einmal nm- gefallen u:ti> habe sich vor der srmrzSsffch-m Leidenschaft gebeugt. Das sieht freilich so aus, doch ist zu beachten, daß Lloyd George den Pariser Beschluß coolst eben­sowenig als das letzte Wart betrachtet, wie seinerzeit den ähnlichen Beschluß von Soulogne, und vielleicht darauf rechnet, daß bei den Verhandlungen mit Deutsch­land über int Ausfichrm^ des Bc'chtasses sich schon die notwendigen Abänderungen ergeben würden. Die Entsche-dur^ der Pariser Kouferertz bedeutet nämlich, wie aus Paris gemeldet wild, noch kein Diktat gegen Deutschland, fonbern zunächst nur ine Festlegung einer Grundlage der Alliierten selber für die Verhand­lungen der kommend«: Konferenz mit den deutschen Vertretern.

Es scheint, daß die größere Nachgiebigkeit die Franzosen haben beweisen muffen. Sie haben ihre ersten Forderungen wesentlich herabfetzen wüsten, statt der 12 Milliarden jährlich auf 42 Jahre: das Doppelte von dem Boulogner Deschlusse, sollen zwar die 42 Jahre bribrhalten, aber der Tribut auf zwei bis sechs Milliarden jährlich herabgefetzt werden.

Vielleicht rechnen Sir. Franzosen damit, daß es so gut wie bares Geld fei, was die Herren der Welt in Paris beschlossen Haden Sm denken immer noch, die Sachr taffe sich einfach und endgültig durch ein Diktat regeln. Sie werden bald erfahren, daß es auch auf die Zustimmung Deutschlands ankommt und auf die Leistungsfähigkeit Deutschlands.

Wmn unsere Regierung an ihrer neulich kundge­gebenen Taktik festhätt, fo wird sie ihre Stellungnahme zu dem Plan der Entente abhängig machen von der gemeinsamen Ministerkottferenz, die für Genf verspro­chen war und anscheinend jetzt nach Loudon verleg! werden soll. Dabei werdet: zunächst die bekannten fünf Anträge zur Sicherung der deutschen Volkswirtschaft (OdrrMesten, Okkupakionskosten, Handelsparität, Pri­vateigentum und Schiffsraum) zur Erledigung gebracht werden mirffen. Dann wird zu prüfen sein, was Deutsch­land unter diesen verbesserten Umständen überhaupt zu leisten vermag.

Man sieht, daß der gegenwärtige Beschluß von Paris den Anfang eines Weges bildet, ber noch sehr lang und voller Steine ist. Wir haben doch noch mitzureden, wenn auch die Franzosen uns den Mund verbinden möchten undTn* mr-k»" dann ih-en Rauschträumen die nüchterne Wirklichkeit gegenüber« stellen. Die Herrschaften auf der Gegenseite können ihren Tribut nicht erhalten, wenn nicht die deutsche Regierung ctnwilligk und das deutsche Volk zur Arbeit 'ich cntschlosten zeigt. Das Zwangsverfahren nach dem Sinn von Foch tmb Poineare kann mir zur Zerstörung, aber nicht zur Beschaffung der ersehnten Güter führen.

Der österreichische Jammer.

Mit Oesterreich sicht es herzlich schlecht, die Teue­rung schreit zum. Himmel, und die Ankimdigungen vom nahen finanziellen Zusommenbrtrch lähmen alles wirt­schaftliche Leben. Zur Zeit berät man eifrig über den Preisabbau". Es gibt in Oesterreich immer itoch Leute, die meinen, die ganze Teuerung sti hauptsächlich ein Werk gewissenloser, profitgieriger Preistreiber, könnte also durch strenge Verordnung«: der Regierung ober, wie andere wollen, durch energische Selbsthilfe des Publikums kurzerhmck» aus der Wett gefHofft wer­den. So wahr es leider ist, daß in Oesterreich der wilde Handel beinah- jeden Begriff von Recht imb Billigkeit verloren ha!, fo töricht ist der Glaube, daß man der Teuerung mit Hilfe von Preisgesetzen ober auch durch Anwendung der Lynchjustiz für Preistreiber erfolgreich an den Leib rücken könnte. Man kann die großspurige Frau, trat nicht auf ihre Sippen. Sie neigte leicht den Kopf.

Hätte ich gewußt, daß Ihre Anwesenheit so aus­schließlich einer Unterredung mit meinem Mann« galt, so mürbe ich mir keine Störung erlaubt haben "

Steifen Kopses sah Frau Dorette sie noch ein paar Sekunden an, dann schritt sie aus ihren Wagen zu.- tzenkirchcn folgte ihr und war ihr beim Aufsteiger, be­hilflich Don ihrem Sitz aus reichte sie ihm nochmals die Hand, und die seine fefthaltend, sagte sie nachdrück­lich:

Sic misten ja, wo ich zu finden bin. Und für mich ist jetzt der rechte Augenblick gekommen."

Mit einem Zungenschnalzer brachte sie die Pferde in Trab.

Das plötzliche scharfe Dahinrollen der Wagens gab Gertrud ein jähes Schr-ckgefühl. Ohne zu überlegen, ging sie hastig zu ihrem Mann hin. der gesenkten Haup­tes nach der anderen Seite meiierfchreiten wollte.

Franz, in welcher Beziehung stehst du. zu dieser Frau Pauly, Bist Du ihr Schuldner?"

Seine Stirn furchte sich.Was fällt Dir ein!" fuhr er sie an.

Sie hatte eine Art, als habe sic Rechte hier . .

Er sah an ihr vorüber, hin nach den Sranbturmen.

Und plötzlich lachte er kurz und scharf auf.

..Ja, ihre Art . . . sehr gefühlvoll ist sie nicht."

Mit großen Schritten ging er weiter.

An die brcmbgeschmärzt« Mauer gelehnt stand Ger­trud. Trümmer ringsum . . . Ihre Finger waren fest umeinander gekrampft. Sie fühlte nicht den Schmerz, den sie selber ihren armen, verbrannten Händen zufügte-

11.

Ich muß mit Dir sprechen, Franz."

Lützenkirchen, ber in seinem Zimmer untätig am Schreibtisch gesessen, wandte hastig den Kopf nach Ger­trud herum, habet schob feine Hand ein paar seitwärts liegende Schriftstücke zusammen, als wolle er damit an­beuten, baß er in einer Beschäftigung gestört werbe.

Aber Gertrud, dichter zu ihm herantretend, schüttelte leidenschaftlich den Kopf. *

Teuerung unmittelbar ebensowenig bekämpfen, mit man etwa den Aussätzigen dadurch heilen kann, daß man die schrecklichen Zeichen seine: Krankheit mit Pu­der überdeckt. Die Teuerung ist ein Symptom der Krankheit Oesterreichs, und erst mit der Krankheit selbst wird sie verschwinden oder wenigstens milder werden.

Oesterreich ist nur für den atmen Oesterreich« teuer, für alle anderen Menschen, selbst für die in dieser Zeit gewiß nicht auf Roftn gebetteten Deutschen ist cs das billig st eLand der Wett. Kein Amerikaner fännte, wie in Wien, m feiner Heimat für 50 Cent im fernsten Restaurant vortrefflich und ausgiebig speisen, fein Eng­länder für Six-Pence eine große Zeitung für einen Mo­nat abonnieren. Aber der Durchschnittsösterr«cher kann natürlich nicht für ein Mittagessen ober für ein Kilogramm Butter 360 Kronen ausgegeben, weil fein Einkommen, das er in Kronen bezieht, in andere Wäh­rungen umgerechntt lächerlich gering ist. Die letzte Maschinenfchreibcrin in Rewyork wäre entrüstet, wenn man ihr ein Monatsgehalt von 35 Dollar anbieten wollte. Soviel aber be§ief)t, in Kronen umgerechnet, der österreichische Bundeskanzler! Hier steckt die Krankhsit, an deren Herd keine Preisabbau-Enquete herankowmen wird, und deren Symtomr sich auch dann nicht wefentlich ändern werden, wenn, was an sich durchcms diskutabel ist, ein paar ganz befonbers skrupel­lose Schieber an bie Bäume der Ringstraße gehängt würden, wie es mährend der Enquete von einem Ar- beitervertreter versprochen wurde.

Die Krankheit Oesterreichs, zunächst verursacht durch den unglückseligen, auf falschen Theorien und Infor­mationen auf gebauten Vertrag von Saint Germain, ber Oesterreich fast aller natürlicher Hilfsquellen be­raubte und überdies seinen Nachbarn gestattete, es nach Beiirüen abzufperrrn und ouszuhunpern, ist zu eurer gefährlichen, aber gewiß nicht unheilbaren Krankheit des österreichischen G - lde: geworden. Hier ist der Hebel anzusttzm, man muß endlich überall, besonders aber in den Kreisen der volkswirtschaftlich leider sehr naroen Arbeiterschaft, einschen lernen, daß in Oesterreich nichts teurer, sondern nur das Geld wertlos ge­worden ist. Für den, der mit feinem CSnfomnren nicht mehr leben kann, mag das ein magerer Trost fein. Für jene, die sich um Besserung bemühen, ist es die wichtigste Erkenntnis.

Die Valuta-Abenteuer, bie der Oesterrercher jetzt auf Reifen erlebt, kömtten chn schnell aufklären. Er kauft sich, wenn er in die Schweiz will, in ber österreichischen Grenzstation Feldkirch eine Flasche Mineralwasser. Sie frfkt fünf K7--.fr:,. Ein Sktitiftttube weitet in Buchs in der Schweiz, ist dieselbe Flasche mit gleicher Etikette mit 1,50 Schweizer Frank angeschrieben. Er rechnet bestürzt nach: während er 15 Kilometer nach Westen gefahren ist, hat sich der Prris verdreißtafacht. Für eine leere Flasche fann man in Buchs mehr be­kommen, als man am selben Morgen in Innsbruck für bie mit Drin gefüllte bezahlt hat, wie sehr man auch dort über den Preis stöhnte.

Marr klammert sich in Oesterreich in den letzten ferneren Monaten verzweifel? an die Hoffnung auf ausländischen Kredit, der das Land in letzter Stunde retten soll. Sicher ist di« Rettung ohne fcltfe Kredite schon unmöglich. Oksterreick brau äst ausrei­chende und langfristige Barkredite, um für bie auf e'ma fünf Jahre veranschlagt« Uebcrgangszest bis zur Er­reichung halbwegs geklärter Wirtschoftsverhäktmsse. ein langfristiges Einkaufsprogramm durchführen zu können. Die Enteritestaaten aber wollen Staatskrsbite nicht ge­währen und verweis«, aus den Privatkredst, zudem er­klären sie. ohne Amerika nichts tun zu formen. Aber schließlich macht Amerika genau so eine Absatzkrise durch wie England imb Frankreich, well der hohe Stand der Valuta den Export unterbindet Die Folge ift, daß das arme Oesterreich non beiden Seiten leidet burrf) bie zu schlechte Valuta in ber Heimat und durch die zu gute in der Fremde.

»Stein, nein,. Du darfst mich jetzt nicht abroeifen. Ich ertrag s nicht länger, es allein in mir herumzuschlepven Franz."

Mit einem erstickten Schluchzen in der Stimme streckte sic bie Hände nach ihm aus. Doch er sprang von feinem Stuhl empor:

Um Gottes willen, nur jetzt keine Rührszenen. Mir steht ber Sinn nach anberen Dingen als nach Gefühls- seligkeiten."

Ihre erbtelchenben Lippen schlossen sich, aus großen, angstvollen Augen sah sie ihn an. Dann sagte sie haslia. mit einer Stimme, bie völlig klanglos war vor dem Bemühen, ruhig zu bleiben:Ich will Dich nicht quälen, aber Du hast mit Deinen Worten gestern etwas ausge­sprochen, was schon ein paarmal als heimliche Furcht in mir laut geworden war und worauf ich doch nicht hören wollte. Ich fühle es ja doch feit langem schon, wie sich Dein Herz erkältet hat gegen mich. Sei barmherzig. Franz, sag' mir bie Wahrheit, ist's barum, weil ich Dir nicht helfen fann, ein wenig von deinen Sorgen fortzunehmen, weil Du nicht geglaubt hattest, so ein­ganz arme Frau zu heiraten, wie ich es bin?"

Mit zusammengezogenen Brauen sah er Zu Boden.

»Laß das jetzt," sagte <r entschieden, doch nicht un­freundlich.Der Augenblick für solche Auseinandersetz­ung ist wohl nicht gut gewählt"

Aber Du hattest doch andres erwartet," fiel sie ibm wieder leidenschaftlicher ins WortUnd Du hattest Grund dazu, ich sehe ja jetzt um so viel klarer. Die Du es immer fandest, wenn Du zu uns kamst, tmb Mamas Reden und ich selber . . . o Gott, ich selber trug wohl mit Schuld daran! Das mit Papa . . . ich hätte reden muffen, Dir bie Wahrheit sagen. An nichts anderes hätte ich denken dürfen als nur daran, daß ich Dir in allem bie lautere Wahrheit schuldig sei. Aber glaub's mir doch, Franz ich hab« mir nichts Schlimmes dabei gedacht. Und ich habe Dich ja so lieb!"

Sie hatte sich nichts Schlimmes dabei gedacht . . . bas war kein glücklich gewähltes Wort zu dieser Stande. Es rief jene andere zurück, wo mit dem gleichen Aus­druck Frau Klara vor ihm der Tochter Mitschuld hatte beschönigen, entschuldigen, wollen. Abwehrend erhob er der Hand. , (Fortsetzung folgt.)

In den Tagen, als bie Sozialisten zu der wirt­schaftlichen Krise noch eine politische Krise heraufbe­schworen rnrb ber Rücktritt der gegenwärtigen öster­reichischen Regierung nur an einem Haar hmg und die völlige Anarchie sozusagen vor der Türe stand, schien man in dm Kreisen ber Wiener Ententekommission sich zur Nebernahrne ber Verwaltung Oesterreichs vor­zubereiten. Als aber der 20. Januar, für den die kom- nmnifttfchen Unruhen angrfagt waren, störungslos vor­über ging, ferne man ton diesem Plan wieder ab und wollte sich lediglich eine Art Finanzkontrolle über Oesterreich sichern: wie man erklärt, nicht nach türkischem Muster, sondern solcherart, daß die Em- pfindüchkeit«i des österreichischen Volkes als, Kultur­volk nicht berührt werden. Es ist kein Zwrifri, daß bie Verzögerungen in der Kreditfrage mit jenen Schwie­rigkeiten zusammenhängen, die aus einer Minderung der österreichischen Souveränität zugunsten mehrerer Mächte sich ergeben.

Um nicht zu verhungern, wird Oesterreich auch diese bittere Pille schlucken müssen. Sein Streben nach Auf­erstehung tmb Wiederaufbau wird dadurch nur verstärkt werd«?.

BuS Dem besetzten Gebiet.

3n kandas wurde der Ober-RrgierungSrat Vochm von Cer RcichSvcrmöaenSverwaltung vom französischen Kriegsgericht zu acht Tagen Gefäncnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er es pflichtgemäß abgelehnt hatte, eine Schule für französische Soldaten zu errichten.

3«t Asch«» wurde bei dem belgischen Kriegsgericht über Vie gegen die Verurteilung der Landrates Freiherrn v. Lueninck (Neuß) eingelegte Berufung verhandelt. Die Strafe wurde in der BerufunßSinstanz noch ver­schärft. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis und 10 000 Marl Geldstrafe. Der Landrat war beschuldigt, mehrfach militärischen Befehlen nicht sofort und wider» spruchsloS Folge geleistet zu haben.

Ter Zwischenfall in EScrbach.

Ter amerikanische Oberst Brücker aus Koblenz ist in Eberbach eingetroffen, um im Auftrage des amerikanischen Generalkommandos dem Unter- strchunqSrichter den Vorschlag zrr machen, die beiden verhafteten amerikanischen Polizisten auszuliefern. Der Oberst stellte ein Verfahren vor einem ameri. konischen Kriegsgericht gegen sie in Aussicht. Der UnterfuchungSrtchler hat die Auslieferung der ameri­kanischen Polizisten mit der Begründung abgelehnt, daß nur ein deutsches Gericht zuständig sei, in dieser Sache ein UrteU ;«r fällen.

Deutscher Reichstag.

Die Samstogsitzung des Reichstages trug unverkenn­bar den Stempel an sich, daß die allerdings nur wenigen Abgeordneten entschieden bemüh! waren, durch fachliche Behandlung der zur Beratung stehenden Fragen schnell zu Ende zu kommen. Trotzdem mar allerhand Kon­fliktsstoff gegeben. Zunächst verwies man das W o h- nungsbaugesetz an die Kommission zurück und verband die Beratung des N o t e t a t s mit dem Etat des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Di« Frage der Ernährung ist fo oft der Tummelplatz für parteipolitische Auseinan­dersetzungen gewesen, bah es auch heute bei aller Sach­lichkeit nicht ohne solche abgina. Der Unabhängige Dr. Hertz begann. Seine scharfe Rede wandte sich oeqen bie Frühbruschprömie, gegen bie ausgeworfenen Millionen zur Verbilligung des Brotgetreides tmb zur Beschaffung der ausländischen Futtermittel, Ausgaben, die nach sei­nermaßgeblichen" Ansicht nur der Bereicherung der Landwirte dienten. Der Deulschnatisnale Dellenbäck sah in der so weit noch bestehenden Zwangswirtschaft den Ruin der Landwirtschaft und hatte euch sonst noch man­ches zu kritisieren. Dem Mittelweg zwischen beiden Ex« tremcn näherte sich der Abg. Dusche von der Deutscher« Dolkspartei, der die Politik des Reichsernöhrungsmim- fters anerkannte und ihm für feine Maßnahme Dank sagte. Der Demokrat Kerschbaum und der Bayerische Bolksparieiler Dlernreiler wollten dies und jenes an­ders, doch blieb ihre Kritik erträglich. Scharfe Töne schlug dagegen wieder der Mehrheitssozialist Robert Schmidt an. der feine Politik gegen die Angriffe zu ver. leidigen suchte durch das Motto: Die beste Abwehr ist b«r Angriff. Er verfuhr danach, doch mit negativem Erfolg, denn der Reichsernährungsministcr blieb ihm die Antwort nicht schuldig.

Vorher sprach noch der Abg. Dieh vom Zenttum, de« die Tatsachen so nahm, wie sie liegen, und auch btt richtigen Folgerungen daraus zu ziehen wußte: Da wir in der Lage sind, unfern Getreide- und Fleischbebarf aus inländischer Produktion zu beliebigen, muß trotz aller Schwierigkeiten unser ganzes Streben darauf ge­richtet fein, die Einfuhr möglichst einzuschränken und bis inlänbische Produktion um so mehr zu steigern. Eine Verbilligung der Produktionsmittel aus Reichsmitteln aber ist eine Maßnahme, die letzten Endes eine Ver­teuerung der allgemeinen Produktion und Lebensweise zur Folge haben muß, denn je größer die ungedeckten Reichsausgaben, um fo größer die Geldentwertung und damit auch di- Preise.

Reichsernöbrungsminister Hermes erklärt, daß die Mindestpreise für die nächst- Ernte noch nicht sestgcfetzt seien, es müßten aber cmgero.sienc Preise bestimmt wer­den. $s seien bisher 780 (XX) To. Brotgetreide und 231 000 To. Gersie abgetefer. worden, man könne also nicht von schlechter Ablieser ng sprechen. Diie BrÖl­versorgung s« in dem bisherigen Umfang voraus­sichtlich bis Ende des gegenwärtigen Wirt­schaft s j a h r e s g - siert, rem 15. Februar an werde di- Kochmehlra",n aes 200 Gr. er­höht. Der Mirister stellt )wit bie Erfolge bar, bie der allmählnü« Adbcv. >er Zwmegswirtfchaft gezeigt Hal. C- »erd: * die die Inlandsprobuktion Hede und uns mm "turanb unabhängig machen fall, roeiterfCbren und hofft von ihr Erfolg

Nach Ausführungen des .-'ommunifte- Diiwell und de. Unabhängigen Simon-Oranten in bekannter Tonart, wurde der Not- und Eraänzungs-tat angenommen.

Die Beraiting des Marineetats brachte noch em'g« Wortvlankeleien zwischen den Sozialisten tmb Munster Setzker, boch ward- auch der Wehr «tat und M a r i n e c t a t g en ehmigt mit Ausnahme der Kapuest zu denen Abänderungsanträge vorlagen.

Montag wud sich bcs Haus mit der dritten Lesum» £c® -10tL uI*b Rctchlrag-etats beschäftigen, ferner mit kleinern Vorlagen und mit ber Interpellation aller Par- in ufteT Ötr ®0^Rttn' "der die Dorzcmg«