48. Zahrg.
Samstag, 29. Januar 2921
Nr. 23
Bezugspreis: Plonallich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In üuiöo bei uns adgeholl 3,15 Zill. Anzeigenpreis; LieKieinzeile Colonelmatz) 60 Pjg, u. 10°. Zuschlag, die Reklamezelle (3Lejp breite) 1.80 u. 10°-» 3ui*lag. Sei Wiederhol Rabatt
Verantwortlich für den ceüamoneUen Teil: Kar! Schutte. - für die Anzeigen: I. Parze!Ier-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei m Fulda, rernwtecher Nr. 9. Telegr.-Adrefse: Fuldaer Zeitung
Srage jeden
Oberschlesier, den du kennst,
—-------- ob er feine vaterländische pflicht erfüllt und seinen Stimm*Antrag vollzogen Hal.
Sonst muß er sich sofort an die nächste Ortsgruppe der vereinigten verbünde heimatstreuer Oberschlesier wenden.
Tie Pariser Konferenz.
Das Äompromi») <n dec Frage der Entschädigung.
Der Ausschuß, der die Aufgabr erhalten hatte, die verschiedenen Meinungen der Konferenz über die von Deutschland zu zahlende Kriegsentschädigung unter einen Hm zu bringen und einen neuen Vorschlagstext aus- zuarbeiten, ist zu einer Verständigung gekommen. Es wird uns genlkidel:
wib Paris, 29. Ian. (TA.) Der Unterausschuß hat in der heute nacht beendigten Sitzung beschlossen, daß D. --'.Zand folgende Jahreszahlungen zu leisten Hal. In den ersten zwei Jahren je 2 Milliarden Goldman, in den folgenden drei Jahren je 3 Milliarden, in den nächsten drei Jahren je 4 Milliarden und in weiteren drei Jahren je 5 Milliarden. In den folgenden 31 Jahrpn soll Deutschland je 6 Milliarden GEniark, insgesamt in 42 Jahresraten 2 26 Milliarden Goldmark und außerdem noch eine Steuer von 12% Prozent des Wertes sei-, ner Ausfuhr zahlen.
Es bleibt abzu warten, ob Lloyd George unö die Vollkonferenz dem Vorschläge des Ausschusses beitreten Md die Kriegsentschädigung festsetzen, ohne Deutschland zu hören. Das Kompromiß ist nicht so phan- lastisch übertrieben wie die lächerliche Forderung, die der französische Finanzminister Doumer in der Kon- erenz erhoben hotte, muß aber immer noch als unerfüllbar bezeichnet werden. Es nützt nichts, die Entente wird sich endlich doch von ihrem Aberglauben, daß „der Boche alles zahlt", frei machen müssen. Auch die neue ermäßigte Forderung verlangt von dem ierrütteten, verarmten Deutschland eine monatliche Ablieferung von fast einer halben Milliarde Goldmark, d. i. rund 6% Milliarden Papiermark auf fast ein halbes Jahrhundert. Anfänglich ist die Zahlung geringer, um so höher steigt sie in den letzten Jahren an. Es ist eine glatte Unmöglichkeit für Deutschland olche Summen aufzubringen. Wenn man die Zu- iurrftsleistungen auf die Gegenwart umrechnet, wird -er Entwurf des Ausschusses ungefähr der Vereinbarung von Voulogne mit ihren 112 Milliarden entsprechen. Verschärft wird aber die Lage für Deutschland noch dadurch, daß wir auch noch eine lusfuhrabaabe von 12% Prozent leffk n sollen. Je mehr man Deutschlands Ausfuhrmöglichkeit ein- schränkt, umsoweniger wird man von ihm die erhofften Milliardenabgaben erwarten dürfen. Deutschlands Leistungsfähigkeit ist begrenzt, und Frankreich wird umso-weniger erhalten, je gewalttätiger es in den deutschen Besitzstand und Arböitsfleiß eingreift.
Die Ernüchterung hat bereits Fortschritte gemacht auf der Feindesseite, aber die Vernichtungstriebe sind roch nicht kuriert.
Was heißt wievergirturachen?
Die Verhandlungen in Paris über die Kriegs- e n t s ch ä d i g u ng, die Deutschland zahlen soll, nähern sich dem Ende. In Paris spricht man nicht von Kriegsentschädigung, sondern von Wiedergutmachung, es ist aber nur ein anderes Wort für dieselbe Sache.
Angesichts der Tatsache, daß, trotzdem wir die Mr- kungen des Friedensvertrages täglich zu spüren bekommen, es noch weite Kreise gibt, die sich über das Ausmaß der einzelnen Friedensbedingungen immer noch im unklaren sind und sie in ihren innersten Wesen noch nicht begriffen haben, ist es angebracht, die Tragweite und Schwere der in Frage stehenden Artikel des Eriedensvertrages nochmals vor Augen zu führen. In Y* Artikeln und 6 erläuternden Anlagen wird im Ser« von Versailles festgelegt, was Deutschland an ..-Wiedergutmachung" zu leisten hat, was darunter im zu verstehen ist, und 14 weitere Artikel s -m.’9cn sich ausschließlich mit der finanziellen Frage eer ^Wiedergutmachung.
, hatte Deutschland in UÜbereinstimmung
mit Wilsons Botschaft sich zur Wiedergutmachung der Belgiens^und Nordfrankreichs Zivilbevölkerung zugefügten Schäden bereit erklärt. Aber bar« über hmcm- fordert die Entente in den Artikeln 231 mrd 242 auch eine Schadenersatzpflicht gegenüber den Negierungen und eine Verpflichtung zur Entschä- crming der <>rvilbeoölkerung der anderen allnerten und assoziierten Staaten.
Danach gelten als schadenersatzpflichtig alle Pen- fronen usw. an Verwundete und Kranke der gesamten gegnerischen Wehrmacht, for:e an Personen, deren Ernährer im Kriege Befalle n ferner die Kosten der Unter st ützung der gegnerischen !HemerunOen an ihre Kriegsgefangenen. deren iiamihen, weiter dieFamilien- unterstüung en an die während des Krieges Ein- Syogenen. Für die Verletzung der Neutral'töt Belgiens werden Deutschland die RückzalKmg aller jener ^mmen auserlegt, die Belgien bis .zum November ,. ° von den alliierten und offerierten Mächten zu »XV ^Kriegsführung, msgesamt 22 Milliarden Mark
-At 5 Prozent Zfiffen, ausgenommen hat, gefordert.
. Es rechnen weiter zur »Wiedergutmachung" auch , gesamten Unterhaltungskosten für das B c - lvtzungzheer, die Masse der Materialien, die zum
Wiederaufbau in Nordfrankreich und Belgien dienen, und die Deutschland den deutschen oder ausländischen Lieferanten in bar ersetzen muß, die Abüeferung von dem Vieh aller Art, die jeden Monat zu liesernden 2 Mill. To. Kohlen, die Ablieferung von 35000 Tonnen Benzol, von 50 000 To. Steinkohlen, von 30 000 To. fchwefelsauren Ammoniak dis zum Jahre 1923, das Recht auf den Bezug von Färbst o f f e n und chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen bis zum 1. Januar 1925 bis 25 Proz. der gesamten deutschen Produktion und nicht zuletzt muß Deutschland auch Ersatz aller durch Kriegsereignisse verlorenen ober besäMigten Handels- und Fischereisahr- Zeugnissen lei sten.
Die Zahlungen für alle diese Lieferungen muß Deutschland an die betreffenben Lieferanten in bar ersetzen, 400 000 To. Schiffsraum sollen auf Rechnung der deutschen Regierung bis 1922 abgeliefert werden, weitere 600 000 To. in den folgenden drei Jahren. Um den sofortigen Wiederaufbau in den zerstörten Gebieten tn die Wege leiten zu können, hat Deutschland bereits 20 Milliarden und dann nochmals 40 Milliarden Goldmark in Schuldverschreibungen emittieren müssen. Eine weitere Zahlung von 40 Milliarden Goldmark in Schuldverschreibung mit 5 Proz. Zinsen steht noch in Aussicht.
Der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen des Reiches und der Einzelstaaten h a f t e n an erster Stelle für die Bezahlung der „Wiedergutmachung". Die Wiedergutmachungskommifsion hat bas Recht der roei- testgehenben Kontrolle und der Auslegung aller einzelnen Bestimmungen. Hinzu kommt aber schließlich noch, daß Deutschlands Angehörige auf jede Vertretung ober Teilnahme an Staatsbanken feiner Verbündeten, sowie an allen öffentlichen Unternehmungen in Rußland, China, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, der Türkei, sowie deren Besitzungen haben verzichten müssen, andererseits aber mußte Deutschland seine gesamten Forderungen an diese Mächte der Entente übertragen. Diese Summe beläuft sich wiederum auf mehrere Milliarden.
Eine letzte Mahnung.
Oberschicsiec, vergeßt (Eure Pflicht nicht!
In weiten Kreisen des Volkes scheint die Erkenntnis immer noch nicht genügend Boden gewonnen zu haben, wie unentbehrlich Oberfchlesien für Deutschland ist. Ohne Oberschlesien ist ein Wiederaufbau Deutschlands unmöglich, Nicht ohne Grund hat die Reichsregierung bei den Pariser Verhandlungen die Zugehörigkeit Oberschlefiens zu Deutschland als eine der Voraussetzungen bezeichnet, ohne deren Erfüllung überhaupt eine Erörterung der Entschädigungspflichten sum- und zwecklos wäre.
Oberschlesien ist deutsch. Nur deutsche Arbeit hat es zu dem gemacht, was cs jetzt für uns ist. Polnische Wirtschaft wird auch dies blühende Land zugrunde richten, wie sic es ja schon jetzt in Posen und West- preußen tut. Unter polnischer Wirtschaft wird Oberschlesien nicht nur für Deutschland verloren sein, sondern es wird selbst zugrunde gehen, es verliert feinen Anschluß cm sein Hinterland und Absatzgebiet und kommt in die Hände eines Staates, der es völlig aus- faugen wird, ihm dagegen nichts bieten farm.
Um Oberfchlesien deutsch zu erhalten, muß daher jeder Oberschlesier, ja jeder Deutsche fein Alles daran setzen. Nicht nur der Oberschlesier verliert seine Heimat, nein, w i r alle, werden durch den Verlust dieses Landes schwer getroffen.
Die Entscheidung über ihre Heimat siegt tn den Händen der Oberschlesier. Ihre Abstimmmungsbershti- gung ist für sie eine heilige Pflicht, deren Versäumnis derärgsieDerratanberHeimat, Verrat am deutschen Vaterland ist. Jetzt ist es cm der Zeit Wer seine Eintragung in die Stimmliste noch nicht bewirkt bat, tue es sofort. Am Dienstag abend läuft die Frist ab. _ Wer die Frist versäumt, versiert jede Möglichkeit, in der entscheidenden Stunde feine Pflicht zu tun. Wer sie wohrnimmt, tarnt immer noch, wenn er irgend welche Abhaltungen oder Bedenken hat, daraus verzichten, nach Oberschlesien zu reifen Um was cs sich jetzt handelt, ist lediglich die Erfüllurm einer Formalität, die unter allen Um ständen erfolgen muß, die keinerlei Risiko, keinerlei Beschwerden mit sich bringt. Es gibt deshalb keine Entschuldigung für einen deutschen Mann ober eine deutsche Frau, die es Unterlasten, in den Meldestellen der vereinigten Verbände heimatstreuer Oberfchlesier noch beute den Antrag zu stellen, der die Wahrung der Frist sichert.
Man darf sich nicht von den terroristischen Versuchen der Polen abschrecken lasten. Damit hätten diese ja erreicht, was sie wollten. Neuerdings stimmen alle Berichte darüber überein, daß die Abstimmungskommission mit verstärktem Nachdruck allen Ausschreitungen entgegentritt. Die Grenze gegen Polen wird durch alliierte Truppen überwacht, die durch Engländer und Italiener noch weiter verstärkt werden sollen. Je näher bet Abst'mmungstag rückt, desto enger wird der Abschluß der Grenze fein und um so vollständiger auch
die Verhinderung jeder Möglichkeit eines störenden Eingriffes von außen. Es wäre ganz falsch, wenn im Reich der Eindruck entstanden sein sollte, als riskiere man Leib und Leben, wenn man nach Oberschlesien gehe. Das ist nicht der galt. Auch der große Mund des Herrn Korfanty wird niemand gefährlich, außer letzten Endes ihm selbst. Man muß sich nur nicht bluffen lasten. Jeder Abstimmungsberechtigte darf sicher sein, daß er feiner Pflicht genügen kann, ohne irgend einen Nachteil zu erfahren. Er wird für sich und seine Kinder, für das Deutsche Reich und das deutsche Volk ein Opfer bringen, bas sich reichlich lohnt, ein Opfer, das mit keiner Gefahr und mit feiner Schädigung verbunden ist, gber tausend Gefahren, tausend Schädigungen für die Zukunft verhindert.
Aus dem besetzten Gebiet.
* Heldentaten gegenüber Schulkindern Bor kurzem wurde auf der elektrischen Bahn Biebrich-Wiesbaden an frühem Morgen, als hauptsächlich Schulkinder die elektrische Bahn benutzten, ein Wagen angehalten und die Insassen von französischen Posten auf ihre Ausweise geprüft. Die Personen, darunter eine große Anzahl Schulkinder, muhten den Weg nach Wiesbaden zu Fuß zurücktegen und wurden dort von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags eingesperrt, ohne daß ihnen fifjen oder die Möglichkeit, die Angehörigen zu verständigen, gegeben worden wäre. Unter den Eltern der sefteehaltenen Kinder, die gerüchtweise von dem Vorfall hörten, herrschte natürlich eine ungeheure Erregung über' das Schicksal der Kinder. Wenn auch den französischen Behörden zweifelsohne das Recht der Paßoder AusweiskontroUe zusieht, so kann doch gegen die Art der Behandlung von größtenteils Schulkindern nicht nachdrücklich genug protestiert werden.
Neue llebergrlsfe der Rhelnlaudkommlstlon. Die Jn- tera(liierte Rheintanbkommissicm hat neuerdings eine Verordnung 69 erlassen, die große Beunruhigung hermiszu- beschwöreu geeignet ist. Nach der neuen Verordnung wird in Füllen, in denen den „Leistungsbefehlen der Militärbehörden" nicht hi der festgesetzten Frist nachgekommen wird, dm Militärbehörden bas Recht zuerkannt, die verlangten Leistungen, gleichgültig ob es sich bei der Forderung um unbewegliches. öffentliches oder privates Gut lKajsrnen, Wohnhäuser, Gelände) oder bewegliches, öffentliches oder privates Gut kWohnungseinrichtungen, Transportmittel usw.) handelt, durch Besitzergreifung (Beschlagnah me) in den Besitz zu nehmen. — Noch ungeheuerlicher aber ist die Bestimmung, daß das deutsche Personal unter Androhung schwerster Strafen dazu gezwungen werden soll, den Militärbehörden in solchen Füllen Hand - langerdienste zu leisten. — Das Maß macht aber den Artikel 3 voll, der nicht mehr oder weniger vorsieht, als daß die Zahlung aller Ausgaben, die durch solche eigenmächtige Beschlagnahmungen der Beiatzungsarmeen entstehen, die deutsche Regierung innerhalb einer bestimmten Frist, nämlich innerhalb drei er Monate, lefften muß. Sollte dies nicht geschehen, so gibt die Verordnung den militärischen Besatzungsbehöbden das „Recht", öffentliche Soffen zu beschlagnahmen, aus denen dann die Zahlung erfolgen soll.
Eine solche Maßnahme läßt sich nicht allein durch das Rheinlan-dabkonnnen in keiner Weise rechtfertigen, sondern sie bedeutet auch einen Eingriff in die primitivsten Rechte des Staates. Damit würde eine Militärgewalt wieder aufgerichtet, die mit dem feit dem 10. Januar 1920 auch im besetzten Gebiete bestehenden Friedenszusiond in scharfem Widerspruch steht.
Deutscher Reichstag.
Die Linke will immer eine Extrawurst gebraten hoben. Als nämlich in der Freitagssitzung des Reichstages nach Erledigung einiger kleiner Anfragen der Präsident den Arbeitsplan der kommenden Tage bekannt gab, knüpfte er daran die Bitte, daß sich die Redner aus dreiviertel Stunde Redezeit beschränken möchten. Den Abgeordneten aller Parteien, schien dieses recht und jeder hatte wohl den Vorschlag des Präsidenten als das ausgesaßt, was er sein sollte, als eine Bitte. Nm der Kommunist Geyer konnte und wollte es nicht verstehen und glaubte, gegen diesen Vorschlag als eine Vergewaltigung protestieren zu müssen. Der Präsident Lobe mußte ihn erst aufklären, daß er nur einen Wunsch ausgesprochen hab-. Man wandte sich botm der Fortsetzung der Benotung des Reichswehretats zu, zu dem als erster der Redner der Dolkspartei Drüoinghmw sprach. Im allgemeinen kann festaestellt werden, daß die Debatte am Freitag auffallend fachlich verlief, was o-rade in Hinsicht bestimmter Parteien des Hauses zur Wehrmacht einigermaßen verwunderlich erscheint. Eve wie die anderen Redner bedauerte Brü- nmghaus der. Umstand, daß unser kleineres fieer mehr Kosten verursache, Äs früher em größeres, verstand ober auch die Ursache dasirr, die darin liegt, daß die Ver- wÄtungskosten bei einem kleineren Mannschastsbestande nicht enffprechend geringer sind. Auch die Fahnensrage kam zur Sprache. Der Redner wo- imar diese Frage nicht zu einer politischen machen, fr : aber nickst umhin, die alte Reichsfahne als die Fahne C«t Zukunft zu bezeichnen. Reichswehrminiiter Gefiler erwiderte auf ver- fchivdene in_ der Debatte bisher Dorgebradjte Klagen. Er nahm es für fein Ministerium in Anspruch, daß es gelungen sei. die Reichswehr aus dem Bürgerkrieg heraus- zuziehen und die Disziplin wieder zu festigen. Ferner gab der Minister der Hoffnung Ausdruck, daß der Verlust der Souveränität bezüglich der Militärmacht nur als ein Ausnahmezustand, der durch den Vertrag von Versailles hervcngerusen sei, anzusehen ist. L übrigen sei auch er bestrebt, den Friedenevertrag in' -i hallen und die Reichswehr zu einem Jnktnumeni zu machen, dos nicht dem politischen Spiel der Kräfte zu folgen habe, sondern dem Schutze der besteherHen Ordnung dienen müffe. Die Un
abhängigen schickten daraus den Abg. Künstler vor, einen denkbar ungeschickten Sprecher, der alles von seinem sorg" fällig vorbereiteten Manuskript mit theatralischer Pole beiatoonnerte, und damit das ganze Haus in die Much: jagte. Dabei brachte dieser es fertig, eingangs feiner Rede das Haus zu rüffeln, weil die Debatten zum Heeres-, etat „noch nie jo inhaltlos gewesen wären"! Er spottet seiner selbst und weiß nicht wie! Es gibt feine drastischere Kennzeichnung der völligen Unvernunft der radikalen Kampfweise als die Tatsache, daß sich der Reichswehrminister Geßler gezwungen sah, den „Kollegen" Trotzki als Zeugen dafür anzuruseu, daß ohne unbedingte Disziplm ein Heer eine glatte Unmögkchkeit ist und daß auch die Role Armee nicht ohne das auskommen kann, was die deutschen Anhänger Moskaus so gern achselzuckend abzu- tun pflegen mit der Redensart von ^Kadavergehorsam". Abg. Dr. 9aas von den Demokraten verteidigte den Etat und sprach einer Ueberbrückung der Kluft zwischen Arbei- terfchast und Reichswehr das Wort, was den Kommunisten. Däumig veranlaßte, die Armee Äs ein „Instrument des Arbeitermordes" zu loben.
Eine zweite Sitzung wurde auf 7 Uhr abend» cmbe» räumt, in der man über den Marineetat verhandelte. Minister Geßler nahm hierbei Veranlassung über die ge-, sorderte „Reinigung des Marineoffizierkorps" zu sprechen und in diesem Zusammenhang zu erklären, es seien bereits zehn Prozent der Offiziere aus dem Mannschaftsstande hervorgegcmgsn. Nach einem starken Ausfall des Unabhängigen Kuhn, der das Marinrofsizierkorps als Hort der Reaktion hinstellte (seine Ausführungen veranlaßten die Regierungsvertreter und die Bürgerlichen, den Saal zu verlassen) und einem geharnischten Protest des Abg. Srü- ninghaus (D. Dp.) gegen diese Verunglimpfung des Hause- wurde die Weiterberatlmg auf Samstag vertagt.
Ein bischöfliches Ma hnwortzu -en Wahlen.
Die Oberhirten der Diözesen im Westen Preußens wenden sich in folgender Kundgebung an ihre Diözesanen:
Geliebte Diözesanen!
Wiederum ergeht an Euch der Rus, Euer Wahlrecht auZzuuben. Am 20. Februar finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, zu den Provinziallandtagen und Kreistagen statt. Die Beschlüffe dieser wichtigen Körper- schäften können von weittragender Bedeutung für den Bestand und die Ordnung unseres Staatswesens, für die Rechte und die Freiheit unserer hl. Kirche, für die Erhaltung der konfessionellen Schule sein.
Wir erachten es darum als eine ernste Obliegen-, fieit unsere? oberhirtlichen Amtes, Euch zu mahnen, daß Ihr bei den bevorstehenden Wahlen Eurer Pflicht als Bürger des Staates und als' treue Kinder der Kirche eingedenk seid. Ihr alle, katholische Männer und Frauen, müßt an d er Wahlurne erscheinen. Vergesset nicht, welche 83 er» cmtwortung Ihr auf Euch labet, wenn Ihr von ber- Wahl zurückbleibt und dadurch einem unglücklichen Ausgang Vorschub leistet. Gebet nur solchen Vertretern, und Vertreterinnen Eure Stimme, welche die stcherck Gewähr dafür bieten, daß sie für die Verteidigung üer Religion und (Sittlichkeit in unserem Staate eintreten und sich entschieden allen Bestrebungen widersetzen, die der Kirche ihren \e cnS reichen Einfluß im Staat, in der Schule und in der Familie rauben wollen. Wählet so, daß Ihr vor Gott und Eurem Gewissen bestehen könnt!
Dr. Crone und die Landesliste der Zentrumspartei.
Dr. Crone, Generalsekretär der christlichen Bauernvereine, stand für die kommenden Wahlen sowohl auf der Landesliste der Zentrumspartei wie auch auf der Zentrumsliste für Düsseldorf- West. Da er hier an durchaus sicherer Stelle steht, ist auf die Reichsliste an seinen Platz der seitherige Abgeordnete Generaldirektor Dr. Hager gekommen, eine bervorragende Arbeitskraft der seitherigen Zen- trumssrakiion. ______________________
Deutsches Keich.
§* Berlin, 28. Jan. Das preußische Staaksministc- rhim hat, wie wir erfahren, den Staatsminister a. D. Dr. Drews zum Präsidenten des Oberverwaltungs- grrichts ernannt. — Die gesetzliche Regelung der Hausange st elltensrage befindet sich, wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, in Vorbereitung. Der Gesetzentwurf ist bereits so weit gediehen, daß er in absehbarer Zeit fertig gestellt sein wirb.
(c) Zur Parlrimenlsrcsorm. In Uebereinstimmung mit den übrigen Regierungsparteien liegt von Seiten der Demokraten ein Anlrag vor, der ein Gesetz, be- tresfend die Oteschästsordnung des Reichstages verlang!. Zunächst wird darin der A e l t e st e n r a t, der aus 28 ÜDlitgliebem gebildet wird, befugt, den Präsidenten bei der Führung der Geschäfte zu unterstützen und selbst die "ch Gesetz und die Geschäftsordnung zugeunesi Scheidungen zu treffen. Auch soll die Mögl: ben fein, daß Gesetze und auch
ander? Emgäiu ich: vcn besonderer Bedeutung
sind, von einem Ausschuß des Reichstages beschlossen werden können. Für den H a u s h a l t s p l a n ist der 3. Januar jedes Jahres als Termin für die Vorlage beim Reichstag frstgesetzt. Ist er bis zum 15. März nicht erledigt, so können die ftaglichen Teile ohne weiteres durch Abstimmung erlkdigt werden.
(ss) Die Tcnerunpszufchkögr für die Beamten. Der preußische Finanzminister Lübelnann hat, wie wir erfahren, an das preußische Staatsministerium den Antrag gestellt, die neuen Teuerungszuschläge der Becnn-