Amtlicher Anzeiger für den kreis und.die Sladi Julda.
Nr. 22.
BeronuvorUlch lür den rrüauwnellen Teil: Karl Schürt«, füt Du Anzeigen: I. Parze! >er-Fulda. " Rorationsdrnrl u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei !n Fulda. .T-emipredjet Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Freitag, 2S. Januar 1921.
Bezugspreis: Monarlich 3,00 Mt. ohne Zustellgebühr. In FuMo bei uns abgehalt 3,15 Zllt Slnzeigeapreis; DieKleinzetle Colonelmag) 60 pfg, u. 10’;« Zuschlag, die Rekta meze Ne (Texibrenet 1.80 2Tif„ u. IO*-« Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
Oberschlesier!
Das Vaterland fragt dich:
tzast du deinen Stimm - Antrag eingereicht 7 wenn nicht, wende dich sofort an die nächste Ortsgruppe der vereinigten verbände heimatstreuer Oberschlesier.
Landeswahlvorschlag der
Preußischen Zentrumöpartei.
Son der Leitung der Preußischen Zentrmnspartei ist nachfolgender Landesvorschlag aufgestellt worden:
1. Dr. P o r s ch, Felix, Geheimer Iustirat, Breslau.
2. Wronka, Gertrud, Oberlehrer in, Allenstein.
3. Dr. H a g e r, Paul, Regierungsrat a. D., Berlin.
4. Linz, Wilhelm, Staatssekretär im Mniste- rium des Innern, Berlin.
5. Maiß, Georg, Geheimer Justizrat, Reichenbach, Schlesien.
6. Dr. Beusch, Paul Ministerialrat im Reichs- finanzministerium, Berlin.
7. Sauer, Wilhelm, Berbandssekretär, Berlin.
8. Dr. Sonnenschein, Karl, Leiter des Sekretariates sozialer Studentenarbeit, Serfin.
9. Badenberg, Albertine, Lehrerin, Steele, a. d. Ruhr.
10. Dr. Schmidt, Hermann, Kammergerichtsrat, Berlin.
11. Wenig, Marcha, Geschäftsinhaberin, Liegnitz in Schlesien.
12. Eckers, Heinr., Parteisekretär, Magdeburg.
Das Kennwort des Landeswahloorschlages loutet- Z ent rum spart ei. Die in den Wahlkreisen oder Wahlkreisverbänden bei der Mandatsoerteilung unverbrauchten Stimmen (Neststimmen) müssen bis auf die allerletzte der Partei gesichert werden, damit möglichst viele Kandidaten der Landesliste aus der Wahl bervorgehen. Das geschieht dadurch, daß die Wahlvor» schlüge der Wcchlkreise dem Landeswahloorschlag att- geschlossen werden durch eine schriftl. Erkläruno die der Vertrauensmann des Wahlvorschlages eines je- dm Wahlkreises bis spätestens bis zum 10. Februar dem Kreiswahlleiter einzureichen hat.
Pariser MiMarven-Phantasten.
lleber den Bericht des französischen Finanzministers Doumer vor der Pariser Konferenz machen die französischen Blätter noch nähere Angaben. Pertmax teilt im „Echo de Paris" mit, daß der französische Finanzminister auf Grund der Schätzungen der Reparotionskmmnission di« vorzulegend« Forderung an Deutschland mit 212 Milliarden Goldmark angab, einschließlich Zinsen und Ainortisation. Diese Ziffer sei zweimal so groß wie die, die in Boulogne genannt worden sei. Sie gehe über alles hinaus, was man bisher über die Höhe der Gesamtsumme gesagt habe.
Nach dem „Motin" soll der französische Fmanzminister ettiärt haben, Deutschland solle den Alliierten die Gesamtschuld mit 5 Proz. verzinsen und in SO oder mehr Jahreszahlungen abzahlen. Bei 42 Iahreszchsiungen würde die Jahreszahlung 12 Milliarden jährlich betragen. Nach dem Bericht Domners hat Deutschland im 2-chre 1913 für 10 Milliarden Waren ausgeführt. Da der Wert der Waren unabhängig von dem Geldkurs um 70 Proz. gestiegen ist, könne Deutschland leicht für 17 Milliarden Mark Waren eusführen. Die Einfuhr noch Deutschland muffe dagegen auf das dririgendste beschränkt bleiben und könne auf 5 Milliarden Mark herunter gedrückt werden. Auf diefe Art würde also ein Exportüberschuß von 12 Mil- Karden Mark erzielt werden, ten Deutschland dazu oer- wenden müsse, die Alliierten zu bezahlen. Als Garantien faßt Doumer nicht militärische Maßnahmen ins Auge, Dorimmdschaften, wie man sie sonst ohmnächtigen AeMMüber angewandt hab«. Der Finanzminister vewnte, Frankreich sei am Ende seiner Krefi imd könne wcht lon^Ei mehr für Deutschland bezahlen.
, -ueüinax schreibt im „Echo de Paris", die alliier- »- Trtreter l)ätten sich über diese Theorie sehr e r- !*.” . gezeigt. Man hätte auch festftellsn können, daß
T^.Etglieber der englischen Delegation nunmehr ein« ™~ . Tprachc sprechen. Einer von ihnen habe sogar Turmbau zu Babel gesprochen, an dem ^N arbeite. @s fei Zeit, daß Millenmd und Bvianö E gsnemsame Marschroute aufstellt«,.
.w'SÄ?", Breffemeftungen hat Lloyd George die ^>r ichors kritisiert und gesagt, 0 Deutschland jeder Zahlungsmöolühkeit bc»
fordert« neue, bester stichierte, diskutablere Vorichloge. Des „Journal" schreibt, daß Lloyd George «v Ausführungen Domners erklärte, daß man Deutschland mcht^zu große Lasten auf erlegen dürfe, weil e9..”e °,e aus seiner Ausfuhr bezeche, zum
-LEli .?ur Bezahlung seiner Einfuhr verwende.
ÄdÄ 7° EUen. [,ie6e’ 6tn deutschen Außen- wohl nicht irren, wenn man annimmt, daß Qi« Konferenz von Paris, deren Ende am Samstag zu «»örkn ist, eine en^u!hge Lösung der schwierigen Entschahrglmgsfrage nicht zustande bringen wird
Auf dem Wege zur Sinignng?
„ Urber die gestrigen Verhandlungen der Pariser Konferenz wird berichtet: Der Vormittag wurde ausgefüllt ÄLr ’<£? tcnDesprechungen zwischen den ein- Delegationen, dre auf diesem Wege zu einer ndigung m der Entschädigungsfrage zu ^"9en suchten. Hooas Mvlge scheint es?als ob bie Delegation den französischen und englischen Standpunkt eimn6cr naher bringen wolle.
?„«?5chmittagssitzung der Konferenz behandelte ^s-ntfcharsigungsfrage weiter. Es wurden zahlreiche Sachverständig zugezogcn. Die Konferenz erteilte
einem klemm Ausschuß den Austrag, die im Lause der Sitzung vertretenm Meinungen zufammenznfassen und einen ausgearbeiteten Text der Konferenz vorzulegen.
In der Nachmittagssitzung vom Tage vorher beschloß man: die völkerrechtliche Anerkennung Estlands und Lettlands, Litauen soll anerkannt werden, wenn die Wilnaer Frage durch den Völkerbund geregelt ist, Georgien, wenn es selbst darum ersucht.
An die Oderschlefier.
Die Eintragung in die Stimmlisten.
Die Bereinigten Verbände heimattreuer Obei- schlesier erlassm folgenden Aufruf:
Wer den Formularantrag auf Eintragung in die oberschlesischen Stimmlisten noch nicht ausgefüllt hat, muß sich sofort in tert Meldestellen der Vereinigten Verbände beimattreuer Oberschlesier melden. Dort erhält er einen Gutschein für Anfertigung der Photographie. Dann sofort zum Photographen gehen! Dann nochmals zur Meldestelle, um den Antrag zu unterzeichnen!
Anträge, die nicht spätesten« am 30. b. M. hier abgehen, haben keinerlei sichere Aussicht, bis zum Schluß der Anmeldepflicht (3. Februar) rechtzeitig bei der Abstimmungsbehörde in Oberschlesien einzutreffen.
Wer sein Stimmrecht durch rechtzeitige Stellung des Antrags nicht sichert, verrät die Heimat.
Ein holländisches Urteil über Korfanty.
Die führende katholische Zeitung Hollands ,Tid' gibt in einem Aufsatz folgende bemerkenswerte Charakteristik des Bolschewistenführers Korfanty, der ja jetzt in Oderschlesien Dank der stanzösischen Unterstützung die entscheidende Rolle spielt. ,$ib' schreibt:
„Korfanty ist ein fanatischer Nationalist. Bor oiefer Tatsache muß olles weichen, auch das menschliche Gefühl der Dankbarkeit. Korfanty ist Oberschlesier und Sohn eines Bergarbeiters. Zwei deutsche Geistliche er- zogen ihn und schickten ihn auf eigene Kosten aufs Gymnasium und an d,e Universität. Sein Dank bestand darin, daß er, als er fein Studium beendet hatte, und die Hilfe der« Geistlichen nicht mehr benötigte, die Deutschen mit wütendem Hatz verfolgte und besondere die Geistlichkeit angriff und in jeder Weise verlästerte. Der verstorbene Kardinal Kopp von Breslau und verschiedene Geistliche waren gezwungen, wiederholt gegen ihn zu prozessieren wegen der Beleidigungen und der Lästerungen, die er gegen den Kardinal und den Klerus in Wort und Schrift äußerte. Wie bereits erwähnt, wurde et schließlich exkommuniziert. Jetzt aber spielt et wieder den Katholiken und stirbt vor Achtung vor dem Klerus, aber natürlich bot dem polnischen, der früher mit Korfanty auch nichts zu tun haben wollte. Ein solcher Mann spielt in der Avstimmungsfrage die Hauptrolle, und die Deutschen geben selbst zu, daß sie ihm gegenüber eine gleichwertige Kraft nicht berfügbat haben. Dieser Mann ist Haupt und Seele der polnischen Aktion, er ist noch mehr, oenn er hat diese Aktion ins Leben gerufen. Korfanty hat die Bewegung in Ober- schlesien geschaffen und die giftige Atmosphäre hervorgerufen, die jetzt dort herrscht. Tie Franzosen helfen ihm dabei, wie die Lsid' hervorhebt, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln."
Skautsty nimmt zurück!
Karl Koutsky, der an der Durchsicht der Akten des Auswärtigen Zimts über die diplomatische Dor- geschichte des Weltkriegs mit gearbeitet hat und dann eine höchst einseitige Darstellung veröffentlichte, gibt jetzt zu, der deutschen Regierung mit dieser Veröffentlichung Unrecht getan zu haben. Nach Einsicht der Akten kömie er seine frühere Ansicht, Deutschland habe planmäßig auf den Weltkrieg hingearbeibet, nicht mehr ausrechter- halten, ländern müsse zugeben, baß es alles getan habe, um den Weltkrieg zu vermeiden.
Man soll sich auch über einen reuigen Sünder freuen und daher die spät* Erkenntnis des Herrn Kautsky begrüßen. Leider schafft sie den ungeheuren Schaden nicht aus der Welk, den bk völlig ungerechtfertigten Beschuldigungen Koutskys angerichtet hoben. Die Arlst für die Cinfrcgung läuft am Z. Febr. ab.
Es darf keine Stunde für die Anmeldung verloren gehen. Sollte durch die Nachrichten über fchwebende Verhandlungen betreffend die Abstimmungsformen und über die augenblicklichen ZustäiSe in Oberschlesien da und dort eine Ungewißheit entstanden fern, so darf diese doch niemand von sofortiger Anmeldung abhalten: denn nur dadurch kann sich jeder Oberschlesier das Abstimmungsrecht wirklich sichern. Wer die rechtzeitige Anmeldung unter(ä6t verliert damit tmwider- brmgkch die Möglichkeit, später an der Abstimmung teilzunehmen, vnd es wird ihn der schwere Vorwurf treffen, seine Heimat fn ihrer Schicksalsstimbe im Stich gelosten zu haben.
Die Berliner Stadtverorvnetenwahlen ungüliig.
Die vor dem Bezirksausschuß Bersin gestern verhandelte Anfechtungsklage der Deutschen Volkspartei gegen die Berliner Siadtverrrdnetenwahlen haben zu einem bedeutungsvollen und für die Zukunft der Reichs- haupiftadt vielleicht entscheidenden Ergebnis geführt: der Bezirksausschuß hat als Berwaltutigsgericht die Stadtverordnetenwahlen als u n g ti 11 i g erklärt.
Der Klage lag folgender Tatbestand zugrunde. Bei der Stadtverordnetenwahl waren 4081 Stimmen der Deutschen Volkspartei ursprünglich für ungültig erklärt worden. Bei der Nachprüfung stellte die Stadtoerord- netenversamir.lung fest, daß diefe Maßnahme zu unrecht erfolgt war. Die rvlksparteisichen Stimmen wurden darauf für gültig erklärt, das Wahlergebnis korrigiert und es zog ein Volkspartciler mehr in die Stadioerord- netenverfanimltmg ein. Dennoch focht die Deutsche Bolkspartei die Wahl aus formalen Gründen an. Der Bezirksausschuß schloß sich diesen an und erklärte die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung für ungültig.
Das Urteil wird wohl noch durch die Berufung an das Berwaltungsgericht angefochten werden. Wenn letzteres auch die Ungültigkeit ausspricht, so sicht Neu- Berlin ohne Haupt und Hand da. Die alten städtischen Behörden sind befestigt, der neue Magistrat ist ein Geschöpf der neuen Stadtverordneten und verfällt alfo der Vernichtung.
An und für sich wäre eii-e solche Befestigung der neuen Ordnung (ober vielmehr Unordnung) von Berlin sehr gut, da alsdann Neuwahlen für die Stadtverordneten erfolgen müßten und dabei die Beseitigung der verhängnisvollen roten Mehrheit möglich wäre. Denn man darf annehmen, daß die Wähler durch die bisherige Mißwirtschaft hinreichend aufgeklärt und aufgerüttelt sind, um eine bessere Mehrheit zu schaffen, lieber bi es ist die Freundschaft zwischen bett Mehrheitssozial'.sten und ihren radikalen Nachbarn inzwischen schon so weit gelockert worden, daß wahr'cheinlich auch widerstandsfähige Kandidaten auf bte Liste der Mehrheitssozialisten kommen würben.
Andererseits hat es auch unangenehme Begleiter- ftpeinungen, wenn de Heilung des Uebels gerade durch die Erklärung der Ungültigkeit erfolgt. Viel glatter ginge es, wenn die gegenwärtige Stadtverordnetenversammlung einfach oojgelrst werden könnte, so daß he Neuwahl erfolgt ohne Zusammenbruch der bestehenden Verwaltung Aber die Berliner Bürger würden (abgesehen von den eingefchworenen Radikalen) die Uebergangsschmerzen gern in Kauf nehmen, wenn sie nur die schreckliche Pcnteibikratur im Rathause los werden könnten
Die Erfahrungen, die die Berliner mit ihrer roten Stadtvertretung und Stadtverwaltung machen, müßen allen Wählern im ganzen Lande zum Bewußtsein bringen: der Wahltag bringt eine Entscheidung von unabsehbaren Folgen, und wir müssen alle Kraft daran setzen, daß wir die Blldung etner roten Mehrheit verhindern! Sonst gerät das ganze Land in dieselbe Verwirrung und Drangsal, wie die vier Millionen Berliner sie jetzt durchwachen müßen. Mit einer Rettung durch nachträgliche Ungültigkeitserklärung darf man nicht rechnen. Also mit Volldampf an di« Arbeit, um in der Wahl ein günstiges Ergebnis z.i erzielen!
Deutscher Reichstag.
Roch den Stürmen der Mittwoch-Sitzung, in betten die bsnfe sich wieder einmal oon ihrer besten Seite gezeigt bat. begann di« Donnerstag-Sitzung des Reichstages mtßsrft still und ruhig. Die Interpellation über das Usi.chsiust**ubwohlsahrtsgefetz, di« von den weUicheri Abgeordneten aller Parteien eingebracht worden war, ließ den Damensior des Reichstages auf dem v&m erscheinen. Die Interpellanten fordern die schleunige Inangriffnahme eines Reichsrohmengesetzes für die 3u- genbwohlsirhrtspflege. Nach den Bertreterinnen der Demokraten, Sozialisten und der beutfäen Volkspartei sowie nach dem Sprecher der Unabhängigen, die alle einmütig darin waren, Schäden, di» durch Krieg und Revolution der Jugend an Leib und Seele entstanden sind, zu beseitigen. nahm die Zentrum srÄmerm Frau Neuhaus das Wort, bie besonders für größte Beschleunigung dieses Gesetzes eintrat. Hier am dieser Stelle dürfe unter keinen Umständen gespart werden, einmal, weil die Not bis zum höchsten gestiegen ift und die Jugend die Saat'der künftigen Generation darstellt, btt sich fürchterlich ouswachsrn muß, wenn nicht alsbald und gründlich Abhilfe geichasten wird. Dabei dürfe man nicht Über materielle Gesichtspunkt« und Kompetenzstreittgkeilen stolpern, sondern solle neben den anderen Erwägungen auch bedenken, daß das für die Jugend aufgewandte Geld eine produktive Kapitolsanlage darstellt. Im Verlauf der Debatte fetzte sich auch die Kommunistin Frau Zetkin für bas Gesetz ein, was allerdings nicht ohne Hinweis auf russische Verhältnisse abgeht, die, noch Behauptung der Rednerin, in der Jugendfürsorge vorbildlich gearbeitet haben sollen.
Nach schneller Erledigung der dritten Beratung der Verordnung für di« Zwecke der Uebergangsroirtschost, deren Kernpunkt die Frage noch dem Weiterbestehen oder der Aushebung der Zwangswirtschaft ist, kam man
unter Zurückstellung der endgültigen Abstimmung über dieses Gesetz endlich 3um Etat des Reichswehrmini- st e r i u m s. Es war der Mehrhoitssozialift Schöpflin, den die MehrhMssoziasisten als langjährigen Spezialisten für Miliiärfragen henrusgeftellt hatten. Zunächst waren jene Töne fehr sachlich- Er bemängelte dies,. er bemängelte bas, wollte mehr gespart wißen bei den einzelnen Materialanschaffungen und wünscht« sich auch ein« rationellere Ausnützung der militärischen Baulichkeiten. Dann aber werden feine Töne etwas gereizter, als er glauben machen zu müßen vermeinte, daß der Reichswchrmilmster sich zu sehr in di« geistige Leitung feiner beigeorbneten militärischen Instanzen begäbe. Ist Dehler der starke Monn, der den reaktionären Stimmen im Ofszierkorvs gegenüber bi« Oberhand behalten wirb? Das war bet Tenor seiner Kritik an dem Reichswehrminister. Mit dieser mehr ironisch als aggressiv geführten Art führte Schöpf- lin die Debatte weiter.
Nach ihm spricht der Z-mtrumsobg. Ersing. Et spricht dem Minister bas Vertrauen feiner Fraktion aus. Er fei feiner Aufgabe wohl gerecht geworden und habe alles getan, um uns eine erträgliche Wehrmacht zu schaffen. Wenn einzeln« Offiziere pflichtvergefsen gewesen fein sollten, ist das kein Grund, den Stand in feiner Gesamtheit zu verurteilen. Das Bestehen aller möglichen Verein« in der Reichswehr kann zu einer schweren Gefahr für das Heer und das Volk fuhren. Mit Wehmut erfüllt uns der Umstand, daß unser altes großes Dolksheer nicht mehr besteht und die allgemeine Wehrpflicht verschwunden ist. Trotzdem haben wir Vertrauen zu dem heutigen Berufsheer. Wir verlangen nicht, daß in der Reichswehr nur solche Offiziere bleiben dürfen, die dem rnonarchßchen Gedanken abae'chmoren toben. Das muß zur Gesinnungsrumperei führen. Aber wir verlangen, daß die Offiziere den Eid, den sie auf die Verfassung geschworen haben, auch balten und die Hoheitszeichen der Republik achten. Besonderer Rücksicht bedarf bte Seeffarge beim Heere. (Beifall recht, und im Zentrum ) Zum Schluß bringt d«r Abg. 0. Gsllwih (D. Natl.) eine Reihe von Wünschen für die Stellenbefetzung in der Reichswehr vor .und empfiehlt den Komvromißantrag, die Stellen der Hauptleute unter Verminderung der Oberleutnants und Leutnant zu vermehren im Intereße des Avancements.
Freitag: Fortsetzung
Deutscher Reich.
*• Berlin, 27. Ian. Am 22. Februar wird in München eine neue Konferenz der deurschen Er- nährungsminister zusammentreten, die über das künftige System über die Getreideersassung und über die Gestaltung der Gelreideprrise entscheiden wird.
(ss) Der parlameniarlfche Untersuchungsausschuß hat seine Arbeiten, zunächst allerdings in geschlossenen Sitzungen, wieder oufgenommen. Als Sachverständiger des ersten Unterausschusses ift Graf Mont» gelas tätig, der dem Ausschuß eine Darstellung über die Heercsstärke bei uns, bei den Mitteimächten und der Entente gab, unb dabei den deutschen Operationsplan des Näheren schilderte. Es steht noch nicht fest, ob diese Dinge demnächst auch in öffentlichen Sitzungen zur Verhandlung kommen sollen.
(c) Die Prioalschulen. Mitglieder der Zen» trumsfraktion befaßten sich am Donnerstag in eingehenden Verhandlungen mit der Privatschule. Alle Redner brachten mit Entschiedenheit zum Ausdruck, daß man die Privatfckmle als ein hohes Kultur» g u t betrachte, das unter keinen Umständen aufgegeben werben dürfe, und daß die Fraktion alles tun müße, um die Bereitstellung der notwendigen öffentlichen Mittel 311 ihrer Finanzierung zu erreichen.
* Der dritte Vismarck Vand. Zwischen dem Verlag Cotta und dem früheren Kaiser schweben Vergleichs Verhandlungen wegen Herausgabe des dritten Bandes der Bismarckschen Erinnerungen. Im Aus- lanb wirb der dritte Bond in den nächsten Tagen erscheinen, weil sich die ausländischen Verleger an die mit Cotta getrosfene Vereinbarung, daß der dritte Band zunächst in Deutschsond und erst dann im Ausland erscheinen dürfe, nicht mehr halten.
* eine halbe Milliarde DermaltuntthoRen Der Aus. schütz des Reiches für Kriegsbeschädigtenfragen beschäftigte sich am Mittwoch mit dem GcschäftSgebahren der Derforgungsämter und ihren fehr hohen Kosten im Betrage v»n mehr als einer halben Milliarde Mark, sowie mit dem Verhalten eines Teils der Angestellten und Beamten. Ein Äbgeordueter verlan-ite, daß die Regierung das Material über ganz unerhörte Vorkommnisse öffentlich bekannt geben solle. Es fei boriefommen, daß Beamte der VerforgungSämter mit dem Verbrennen bet Akten gedroht hätten. Dre Kriegsbeschädigten und Hinterbliebeuen wären dabei die Leidtragenden. Die Versorgungsämter dürften nicht Versoroungsanstalten für die bet ihnen tätigen Beamten und Anaestellten fein, sondern mutzten den Jntereffen der BersorgungS, berechtigten dienen.
** Gas sich Sachsen alles leistet! Die Zen» trumsabgg. Hosmann-Ludwigshasen, Rheinländer, Frau Dransfeld, Dr. Lauscher, Burlaqe, Dr. Kaas- Trier, brachten im Reichstage folgende An frage ein:
Der sächsische Kultusminister hat unterm 8. Januar 1921 eine Verordnung über Anmeldung von Kindern zum Religinnsumernch! in der Volksschule nach folgt»-: