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Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.
Bezugspreis: Monailtch 3,00 211t ohne Zustellgebühr. In Fu.öo
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Donnerstag- 27. Januar )92J
Nr. 21
(textbreite* 1.80 Zlit, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt.
17)
Zolscher Wert
Roman von f). Abt.
Der Standpunkt der deutschen Regierung Mr Entschädigungsfrage.
Halbamtlich wird über eine Besprechung des Reichskanzlers mit dem Außenminister und dem Finanz- Minister ein Bericht vctöfsentlicht, der über die Voraussetzungen und Erwartungen in der Entschädigungs- fragr Auskunft gibt.
Unsere Negierung hat sich bekanntlich bereit erklärt, auf das Recht zu verzichten, das uns aus dem Friedensvertrag zustchl, bis zum 1. Mai d. 3. die Festsetzung der Entschädigungssumme zu verlangen. Nach wie vor ist es zwar ein dringendes Interesse Deutschlands, die Höhe dieser Summe sobald als möglich kennen zu lernen. Deutschland erkennt aber an, daß zur Zeit die Festsetzung der Summe und eine Verständigung über die Festsetzung schwierig wäre. Die Regierung hat deshalb den Seydourschen Plan als Grundlage für weitere Verhandlungen angenommen. Der Plan sieht vor, daß Deutschland fünf Jahre lang jährliche Leistungen in Höhe von 3 Milliarden Goldmark mach, und daß die Jahresleistungen nicht durch Geldzahlungen. sorL-ern durch Sachlieferungen erfüllt werden. Die Annahme dieses Planes ist jedoch an eine Reihe von Bedingungen gebunden. Ucber diese erfährt man aus der vorliegenden halbamtlichen Veröffentlichung folgendes. Unsere Regierung verlangt:
1 Die zahlenmäßige Höhe der Jahresleistungen für die einzulegende Zwischenzeit soll einstweilen Vorbehalten bleiben.
2. Zunächst soll verhandelt werden über die Art und Weise der Sachleistungen, die zur Verminderung der deutschen Geldzahlungen möglichst weit in den Vordergrund treten sollen.
3. Ferner soll zunächst entschieden werden über die fünf Anträge zur Sicherung der deutschen Leist u n g s s ä h i g k e i t, die unsere Sachverständigen in Brüssel gestellt haben. Es handelt sich da um Obersch l e s i e n, um die Verminderung der B e s a tz u n gs- k o st en, um die Gleichberechtigung des deutschen H a n- dels, die Sicherstellung des deutschen Eigentums im Auslande und die Verstärkung unserer Handelsflotte.
4. Wenn die bezeichneten Vereinbarungen zustande kommen, so soll die Höhe der Gesamtschuld nicht erst nach fünf Jahren, sondern so bald als wie möglich festgestellt werden.
5. Unsere Negierung verzichtet also nicht auf die iAirtsetzimg der Brüsseler SachverständigenkoTisbrenz und cbensowentg cttf die in Spaa zugesagte Genfer Konferenz. Das hat zu bedeuten, daß wir die einseitige Lösung dieser Fragen durch die Machthaber aus der Gegenseite ablehnen und Beteiligung der deutschen Minister an den entscheidenden Beratungen verlangen.
Man ersieht hieraus, daß bei unserem Entgegenkommen die gebührende Vorsicht gewahrt worden ist. Unsere Regierung hat sich noch nicht gebunden, son- dern behält für den Fall, daß die Gegenseite das nötige Entgegenkommen verweigert, die freie Hand. Sm wird sich auf keinen endgültigen Verzicht einlaffen, so lanae nicht unsere Sachverständigen und die deutschen Minister selbst an den Verhandlungen gebührend und wirksam beteiligt gewesen sind.
Wir können die Lösung der hochwichtigen Entschä- dtgungssrage in Ruhe abwarten, da unsere Position «tf diesem Gebiete außerordentlich st a r k ist.
Die fortgesetzte Pariser Konferenz.
Heber die gestrige Vormittaqssitzung der inter- allnerten Konferenz wird gemeldet: Der französische Jinanzmimster berichtete über die Finanzlage Frankreichs. Der französische Staatshaushalt sehe für dieses Jahr 16 Milliarden Franks für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete ''owie für
Deutsches Reich.
** Berlin, 26. Jan. Gemäß dem Beschluß bet Landesversammluna, der den weiteren Bezug der .Deutschen Allgem. Ztg/ durch die amtlichen Stellen beanstandete, wird die preußische Regierung den Bezug des Blattes ab 1. April einstellen. Es handelt sich um etwa 5000 Exemplare, für die bisher eine Summe von 700,000 Mark ausgegeben wurde. — Neichsverkehrsmimster Groener erklärt» in einer Besprechung über neue Verkehrsmaßnahmen,' er plane die Einrichtung ganzer Schlafwagen« zöge zwischen den großen Verkehrszentren.
c Landesliste der preußischen Zenkrumsparkei. Durch einen Teil der Presse, auch der des Zentrums, gingen Veröffentlichungen über die Kandidaten der Landes, liste der preußischen Zentrumspartei. Wie wir zuverlässig erfahren, sind die bisherigen Veröffentlichungen im wesentlichen unzutreffend, da man bis jetzt über die Landesliste noch verhandelt.
* Sinnlose Zerstörungen. Tie sächsische Landeswetterwarte, das Aeronautische Institut in Liebenberg und die Geophysikalische Anstalt in Leipzig und Frankfurt hatten die Internationale Kontrollkommission gebeten, Entfernungsmesser aus den militärischen Beständen, die ihnen nach dem Friedensvertrage zur Zerstörung abaeliefert werden müssen, ihnen für wissenschaftliche Zwecke zu überlassen. Die Kontrollkommission hat diese Ritte abgeschlagen und die Zerstörung der wertvolles Instrumente angeordnet.
* vefferstrllnng der Kriegsbeschädigten. Im Reichs, tagsausschuffe für die Kriegsdeschäbiaienfragen erklärte ein Regierungsvertreter, die Regierung erkenne an, daß seit dem Erlaß des Versorgungsgesetzes dieTeuerungs- verhältnisse sich geändert haben. Die Regierung habe deshalb verschiedene Maßnahmen in Aussicht genommen, um namentlich die Scywcrbeschädigten bester zu stellen. Die Ruhegrenze solle um etwa 2000 Mark heraufgesetzt und auch die Elternrente erhöht werden. Zur Fürsorge für die Kinder der Kriegsbeschädigten seien bereits 100 Millionen Mark genehmigt. Die Teuerungszulage solle einer Nachprüfung unterzogen und Härten sollen ausgeglichen werden. (Unter Ruhegrenze ist folgendes zu verstehen: diejenigen Kriegsbeschädigten, die noch arbeiten können und gegen Entgelt beschäftigt werden, erhalten, wenn ihr Einkommen eine gewisse Höhe erreicht, nicht mehr die volle Rente, sondern nur einen Teil. Erreicht das Einkommen eine gesetzlich sestgelegte Grenze, die bei den einzelnen Klassen der Kriegsbeschädigten verschieden hoch ist, so hört eine Auszahlung der Rente überhaupt auf, d. h. die Rente ruht.) Es wurde ein gemeinsamer Antrag der Parteien eiugebracht, wonach die Teuerungszulage um 10 Prozent erhöht und die Unterstützung von 1500 auf 3000 Mark gebracht werden soll.
* Neuwahlen in Mcckl-nbnrg. Ter Landtag von Mecklenburg-Schwerin beschloß einstimmig, die Wahlperiode mit dem 15. März zu beenden und Neuwahlen am L3, Mürz abznhcilten. Tie Auf- lösung des Landtages wurde bedingt durch den Umstand, daß eine ausschlaggebende Mehrheit nicht vorhanden ist und so ein positives Arbeiten nicht möglich war. Der bisherige Landtag wurde am 13, Juni 1920 gewählt.
Er sah es nicht, hatte sich von ihr abgewendet und starrte in das Wetter hinaus. Die Kraft des Hagels war gebrochen, nur noch in einzelnen Körnern fiel er her- nieder. Aber noch drohte unheimlich der Himmel. Weiß umsäumte schwarze Wolkenmassen jagten von Osten und Süden her gegeneinander an wie zwei feindliche Heere. Dann standen sie still sich gegenüber, in sich hineingeballt» Und jetzt . . .
Der Himmel öffnete sich, ein Feuermeer glühte auf, flammte hernieder mit einem breiten, zuckenden Strahl, ein knatternder Schlag wie eine Gewehrsalve ließ das Haus in seinen Grundfesten erschüttern.
Mit einem wilden Sprung war Lützenkirchen vom Fenster nach der Tür gestürzt.
Da hatte Gertrud mit aller Kraft ihres Leibes sich an ihn gehängt.
"Franz, um Gottes Barmherzigkeit willen, fag", daß Du mir das nicht zum Vorwurf machst. Sag', daß Du mich noch liebst!"
Unbekümmert ob er ihr wehe tat, stieß er sie zur Seite.
"Geh', es hat eingeschlagen auf dem Hof!"
Die Knechte hatten die Stalltüren aufgeriffen. Flam, men schlugen daraus hervor. Furchtbar klang das Gebrüll des geängstigten Viehes, das stoßend unb schlagend in scheuer Wildheit sich gegen die zupackenden Hände wehrte, die es von den Ketten lösen wollten.
„Die Spritze vor . . kommandierte Lützenkirchen und griff als erster in die Radspeichen, die Feuerspritze aus dem Schuppen hervorziehend. Er wußte es war ein unnützes Beginnen, doch richtete er aus dem Schlauch den dünnen Wasserstrahl auf die allerorten hervorleckcn- den Flammen. Da kam der Himmel dem Löschungswerk zu Hilfe. Aus den Wolken, die bisher nur Blitz um Blitz herniedergesandt, fiel plötzlich der Regen herab, ergoß sich wie ein wildrauschender Sturzbach hinein in die Feuerlohe. Eine Stunde etwa währte der Kampf der beiden feindlichen Gewalten. Dann hatte das nasse Element den Sieg davongetragen. Erdrückt, nur noch in stickigem Rauche schwelend, laaen die Flammen. Und unaufhaltsam strömten aus den Wolken die Wasser- engen nieder.
Vortschung folgjtj
Rentenzahlungen an die Kriegswitwen und Kriegs- beschäoig'en vor. Diese Summe müsse auf Deutich- lands Rechnung kommen, wenn der Staatshaushalt im Gleichgewicht bleiben solle. Lloyd G eo rge richtete mehrere Fragen an Toumer. Schließlich wurde Doumer um nähere Einzelheiien eriucht und ver prach, diese beizubringen. Sobald die Mitglieder der Konferenz Kenntnis von diesen Einzelheiten genommen haben, wird die Frage wiederum auf die Taoesordnung Oer Konferenz gesetzt werden.
In der Nachmittagssitzung vom Tage vorher hatte man sich mit dec orientalischen Frage beschäftigt. Man beschloß, am 21. Februar in London eine Konferenz zusammentreten zu lassen, an der außer den Vertretern der Alliierten auch solche Griechenlands, der türkischen Regierung und der türkischen Nationallisten teilnehmcn.
Der Spruch der Sachverständigen.
Die mMänschen Sachverständigen, die beauftragt waren, unter dem Vorsitz von Foch eine Liste derjenigen Punkte aufzustellen, in denen Deutschland den Versailler Vertrau verletzt habe, sowie Maßnahmen vorzuschlagen, die zu treffen sein würden, haben die Frage in Unterkommissionen behandelt und Haden jetzt ihre Vorschläge formuliert, lieber die Auflösung der Einwohnerwehren und die Ablieferung des Kriegsmaterials wurden verschiedeneFri sten festgesetzt, die sich zwischen einem unb vier Monaten bewegen. Es wirb vorgefchlagen, die Erfüllung der Forderungen durch Zwangsmaßnahmen zu fordern.
hatte, als er schon mit einem Satze emporgesprungen und an das Fenster getreten war. Weit beugte er sich hinaus. Die weißdunstige Hitzeschicht, die über dem Aetherblau geflimmert,, hatte sich schon in Grau verwandelt. Gleich einer BIciglvcke hing der Himmel dicht und schwer über der Erde.
„Ein Gewitter kommt!"
Lützenkirchen stteß es hinaus, bann stürmte er, ohne nur erst nach der Mütze zu greifen, auf be.n Hof.' Die Leute waren bereits dabei, die Scheunen zu schließen, der Hirte trieb das auf der Weide gewesene Jungvieh in die Ställe ein.
»Das kommt böse. Herr, roenn’s nur nicht Schaden tut," sagte der alte Hofmeister.
Lützenkirchen gab keine Antwort. Hierhin, dorthin trieb ihn seine Hast. Was er wollte? Mw Türen auf dem Hose waren fest geschlosien, es gab nichts mehr zu tun. Warten . .. warten . .
„Wenn's nur nicht Schaden tut . . .*
«Das immer schwärzlicher werdende Himmelsgrau, über das schwefelig fahle Schwaden sich hinzuziehen begannen, das bedeutete nicht ein paar zuckende Blitze, ein bißchen Donnergeroll und einen tüchtigen Gewitterguß --das war der Vorbote von Unheil. Und draußen auf den Halmen stand die reife Ernte!
Da klang cs schon, das dumpfe Brüllen, das zum wütenden Geheul ward, unb nun ein Stoß, ein Wirbel, der ihn seitwärts schleuderte, ihn cinhüllte in eine Wolke erstickenden Staubes.
„Franz!" Die Stimme Gertruds klang, von dem wilden Heulen fast verschlungen, undeutlich herüber. Dom Fenster aus hatte sie ihn beobachtet, wie er ratlos über dcnHof hin- und herhastete, und nun stand sie, nach ihm rufend, in der Haustür und mühte sich mit aller Kraft, diese gegen den Sturm offen zu halten. Langsam flieg er die Hausstufen hinan.
„O, Franz, ob das schlimm wird? Ich habe solche Bange."
Er schob sie, die sich brinnen im Hause an ihn schmiegen wollte, van sich.
„Ja, mit deiner Gewitterfurcht mußt Du schon suchen, fertig zu werden. Ich kann Dir nicht helfen."
Seine Stimme klang rauh. Mit großen Schritten ging er ihr voran ins Zimmer. Ihre Augen starrten
So ging die Zeit dahin. Draußen auf den Fluren schaffte die Frühlingsfonne ihr Werk. Ueppig hervor- gesproßt stand die junge Saat, schon wogten leis die saftgrünen Halme, und sorgenvoll ging Lützenkirchens Blick über die Aecker hin. Wenn nur dieses Jahr ein gesegnetes würde! Der grüne Teppich ringsum war seine ganze Hoffnung. Wuchs diesmal der Ernte Gold in glücklicher Fülle darauf empor, fo ließ sich noch vielleicht der schwache Boden, aus dem er sich fühlte, noch einmal festigen.
Unb seine Hoffnung sproßte mutiger empor, wie an Halmen draußen sich die Lehren ansetzteu, die sich muten, sich goldig bräunten und die segenschwere Last dem Schnitt entgegenneigten.
Iulisonne glühte. Heudust wehte Lützenkirchen ent« K’o^einr'itt 3)Htto9 oom Felde heimkehrend in
Froher als seit langem setzte er sich zu Tisch nieder, und als er den glücklichen Ausdruck in Gertruds Gesicht gewahrte, durch den ihn zum Bewußtsein tarn, wie wenig er sie in oll der Zeit verwöhnt halle, da kam rhn em Bedauern an mit ihrer Jugend, die wohl etwas anderes vom Glück der Ehe sich erträumt, und ihr zunickend sagte er: ’ 0
„Wenn die Ernte glücklich vorüber ist, bann wollen wir em wenig geselliger werden".
, n’oactI wir ein wenig mehr uns selber „ ” • • • , .a“enfr äas gesagt wie glückselig würde sie sich an seine Brust geworfen haben. Aber sie war scheu geworden mit ihren Zärtlichkeiten, seit sie zu ver- schiedenen Malen hatte empfinden müssen, wie er diese nicht unfreundlich, aber doch kühl ablehnte
Ein Luftzug ließ die geöffneten Fenster erklirren Gertrud trat hinzu, die Holzteile fester zwischen die Rahmen zu schieben. Dabei blickte sie hinaus, zum Him- mel empor.
„O, es sieht fast so aus, als wollte ein Gewitter kommen."
Kaum, daß Lützenkirchen, der sich zu kurzer Rast auf tas Sofa gestreckt, den Klang ihrer Worte vernommen
zur Ordnung, was dieser mit der Bemerkung quittierte: „Rufen Sie lieber Hörsing zur Ordnung. Lassen Sie den Betrunkenen doch binausbrimgen!" Endlich war bas wir berroärtige Schauspiel zu Ende.
Der Etat wurde angenommen, desgleichen ein Antrag ber Sozialdemokraten, die Reichsrsgierung um Vorlegung von Metteljahresübersichten über die Verfolgung der Kriegsverbrecher zu ersuchen und der interfraktionelle Frauenantrag, der die Reichsregierung um schleunige Vorlegung eines Gesetzentwurfes ersucht, durch den die Frauen zu den juristisch«! Prüfungen unter den gleichen Voraus- sttzmigen wie die Männer zu gelassen werden.
Donnerstag: Kleine Vorlagen, Etat des Reichswehr»- Ministeriums.
Deutscher Reichstag.
Bei sehr mäßig besetztem Hause nahm bk- Beratung des Justizetats am Mittwoch ihren Fortgang. Als erster sprach dazu Graf zu Dohna von der"deutschen Volksportei unb versicherte dem Minister die volle Unterstützung seiner Partei zur Durchführung seines Programmes. Aufs schärfste verurteille der Redner die sozialistischen Machenschaften, einen künstlichen Gegensatz zwischen 'Bürgertum unb Arbeiterschaft zu konstruieren rmb zog auch sehr stark in Zweifel, daß der größte Teil der Arbeiterschaft damit einverstanden sei, sich mit den Hetzern, die sich auf Kosten ihrer Stcmdesgrnossen durch die Welt schlügen, zu identifizieren. Nach ihm nahm die Frau Abg. Dr. Lüders von den Demokraten die Gelegenheit, den Standpunkt ihrer Partei im allgemeinen unb den Standpunkt der Frauenwelt im besonderen barzulegen. Was ihre Forderung anlangt, die Frauen als Schöffen unb Geschworene zuzulassen und ihnen auch die Möglichkeit zmn Richter-, Staats- und Rechtsanwallberuf zu eröffnen, so läßt sich darüber reden Etwas verwunderlich muten dagegen die Gedarckengänge an die sie über die Erleichterung der Ehescheidung äußerte. Gerade weil es eine Frau war. die hier gewissermaßen als Vertreterin ihres Geschlechtes sprach, ist man um so erstaunter zu hören, baß die Heiligkeit ber Cho untergraben würbe, wenn nicht eine Erleichterung ber Ehe- scheibung geschaffen wirb. Diese Auffassung wirb immer
nur ein sehr kleiner Teil ber deutschen Frauenwelt ver- tr-ten, unb es sind sicherlich nicht die schlechtesten, die ihn ablehnen. Nachdem Minister Dr. Heinze noch einige kleine Erörterungen zur Fraueusrage gemacht halte, worin er die Unvereinbarkeit der Beamteneinschränkung einerseits unb der Zulassung der Frauen andererseits betonte, trat der Abg. Saurrbrcy von den Unabhängigen auf. Es war natürlich klar, daß sich der Justizminisier von dieser Seite mit seiner Iustizresorm nicht besonderer Sympathien erfreuen würbe. Ein und alles der Sauer- breyschen Ausführungen war die Forderung, dem Proletariat bas Richteramt zu übertragen unb die gelehrten Richter abzuschaffen. Man kann dies den Unabhängigen ncichfühlcn. Die heutige Justiz unb der heutige Richterstand sind ihnen längst ein schweres Hindernis für ihre umstürzlerischen Pläne. Seine anmaßende, sogar fchwer- verletzende Kritik an allen den politischen Nechtsfäklen der jüngsten Zeit endete mit der Drohung, daß bas Proletariat allen Widerständen zum Trotz dennoch die Macht ergreifen müsse. Dadurch sah sich Minister Dr. Heinze veranlaßt, sofort zu erwidern, und der ganzen Linken die energische Versicherung zu geben, daß sie schmähen könnten so viel sie wollten, mit demselben Moment aber, wo sie daran gehen würden, ihre dunklen Pläne zu verwirklichen, würde mit unerbittlich fester und unnachsichtlicher Energie zugegriffen werden, um ihrem Treiben ein Ende zu machen und den Bestand des Staates zu sichern. Nach diesem Angriff der Linken unb feiner Abwehr durch den Minister, dem vom ganzen Haufe mit Ausnahme ber Gescholtenen Stürme leb- hasten Beifalls erzeugten, schien zunächst der Höhepunkt der Sitzung überschritten.
Cs kam im weiteren Verlaufe aber noch zu großen Lärmszenen. Nach belanglosen Schimpfereien des Kommunisten Levi beschäftigte sich ber Sozialdemokrat Bock mit dem Urteil im Marburger Zeitfreiwilligeuprozeß. Als er dabei das Wort eines hannoverschen Königs über di« Professoren, bas schon einmal in einer früheren Sitzung Anlaß zu heftigen Konflikten geworden war, erwähnte, erhob sich ein minutenlanger Lärm bei der Deutschen Dolks.pattei. Der Redner vermochte es trotz Anstrengung nicht, sich Gehör zu verschaffen. Auch der Appell des Vizepräsidenten, die Rede stechest zu achten, chatten lange fernen Erfolg. Als von der Rechten Zwischenrufe sollen, rügt das der Präsident, erregt aber dabei bei der Deutschen Voikspnrtei stärksten Wi-derspruch, die stiirnüsch verlangt, daß auch dem Redner eme Rüge erteilt werde. Auch das Schlußwort des Redners bleibt bei der allgemeinen Unruhe unverständlich. Reichsfustizminister Dr. Heinze sah sich abermals veranlaßt, die deutsche Justiz zu verteidigen. Als der Minister den Fall der Ermordung des Leutnants Schröder schildert, unterbrich: ihn die Linke fortwährend, während die Rechte ihre Zustimmung bekundet. Als der Minister erklärt, wer das Volk vor solchen Verbrechern schützt, wie sie an Falle des Leutnants Schröder in Tätigkeit getreten feien, dem könne das Volk nur dankbar fein, spendet ihm die Rechte stürmischen Beifall: die Linke gerät in ine größte Aufregung und schreit laut protestierend dazwischen. Abg. Rosenseid von den Unabhängigen ergeht sich in leidenschaftlichen Angriffen auf den Justrzminister. Die Deistfche Volkspartei unterbricht den Redner, und als ber Präsident bittet, den Redner anzuhören, ertönen Rufe aus ihren Reihen: „Wir wollen ihn gar nicht hören." Abg. Hoffmann rüst: „Sorgen Sie dafür, daß der Stall Strese- mann ruhig fft!" In dem Lärm geht em Teil der Rede Rosenfelds vollständig verloren. Don rechts unb links hagelt es nur so an Beschimpfmi gen und Zwischen r ufen. Präsident Loche, der inzwischen wieder die Leitung übernommen hat, erinnert an seine Bitte um Unterstützung des Hauses, dis er bei feinem Amtsantritt ausgesvrochcn habe. Auch bas tut nur für ganz kurze Zeit ferne Wirkung. Der Reichsfustizminister steigt zu verschied ei ren Malen von feinem Platz vom Regierungsiisch herunter und verhandelt mit seinen Parteifreunden. Inzwischen lief ein Antrag auf Schluß der Debatte ein, der angenommen wird. Merkwürdigerweise erhält der Kommunist fioenen noch einmal bas Wort, während die bürgerlichen Parteien fluchartig den Saal verließen. Er griff den Minister unb die deutsche Justiz mit den maßlosesten Ausdrücken an. Während seiner Rede tarn es zu einem Zwischenfall auf den sozialistischen Bänken. Zwischen bem Abg. Hörsing von den Mehrheitssozialisten, der den Unadhängiaen und Kommunisten anscheinend das Ungebührliche ihrer .Haltung klarzumachen suchte, entsteht ein lebhafter Wortwechsel. Dabei ruft ber Abg. Adolf Hoffmann: „Hörsing ist besof- fen!" Präsident Loebe ruft den Abg. Hoffmann dafür
yerantwonlitt) iüi Öen .eoamonelkn Teil: KarI Schütte. " für dü Anzeigen: I. Parzei!er-Fulba. :: iRotattonsbrud u. Verlag ber Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, germpiecher Nr. 9. Telegr.-Adrelle: Fuldaer Zeitung
hinter ihm drein. Für sich selber, konnte er meinen, habe sic Bange, an sich selber nur denke sie . . .? Leise ging sie ihm nach. Er war an bas Fenster getreten unb starrte hinaus. Dom schwarzgrauen Himmel ging ein gelbliches Leuchten aus, das doch kein Blitzzucken war. Er wußte, was bas bedeutete. Und die Fäuste geballt, dachte er daran, wie er ein paar Tage zuvor gemeint hatte, nun eine gute Gelegenheit zum Sparen zu haben. Die Police der Versicherung gegen Wetter- schaden war abgelaufen, und mit der so gut wie eingeheimst dünkenben Ernte hatte er gemeint, für die leeren Felder die hohe Versicherungsgebühr ein halbes Jahr sparen zu können. Das Zimmer hatte sich verfinstert, als fei es jähe Nacht geworben. Ein paar Sekunben war es wie ein Atemstocken in der Natur, bann brach es los, klirrend und knisternd, prasielnd und klatschend, vom Sturm umhergepeitscht wie mörderische Wurfgeschosie, ging in faustgroßen Stücken Hagelschlag nieder.
Da fühlte er sich von zwei bebenden Armen fest umschlungen; in Herzensangst stieß Gertrud hervor:
„Um Gottes willen, Franz, die Ernte!"
„Ja ... für die braucht's nun keine Arbeit mehr." Die eistgkakte Ruhe wirkte unheimlich auf Gertrud. Leidenschaftlicher umklammerte sie ihn.
„Ich weiß, wie Du darauf gehofft, damit gerechnet haft. Ich weiß. Du hast Sorgen. Du hast so wenig Glück gehabt feit unserer Verheiratung . . ."
Langsam drehte er ihr das Gesicht zu, sah sie an. „Meinst Du, hast Du etwas gemerkt davon?" Ein heftiges Zittern durchlief sie. Eine furchtbare Angst, die noch nicht klare Gestalt gewrn-en, stieg kn ihrem Herzen empor.
„Franz, was willst Du sagen? Trifft mch ein Vorwurf? Gibst Du mir, weil ich arm zu Dir kam, eine Schuld?"
„Dir eine Schuld? Was kannst denn Du dafür, daß Deines Vaters Bankgeschäft nicht einträglicher war?"
„Franz!"
Als habe der furchtbare Donnerschlag, der Hagel- qeprassel unb Sturmestosen verschlang, sie selber getrok- en, so taumelte Gertrud zurück. Sie vermachte nicht zu reden, nur die Hände streckte sie gegen ihren Mann aus wie ein Ertrinkende«.
Kerne Steuer über den Abzug hinaus.
Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich aus Anlaß der Beratung der Novelle zum Einkommensteuergesetz auch mit dem Steuerabzug. Der Deutsche Volksparteiler Riehcr forderte, daß der Abzug sich auf Einkommen unter 5000 Mark beschränken solle. Der Unabhängige Ryssel trat für volle Nachveranlagung bis zum Jahre 1915 ein, weil viele kapitalkräftige Leute immer noch Steuern nach dem viel zu niedrigen Durchschnitt der Jahre 1915. 1916 und 1917 bezahlen, während die Lohn- und Gehaltsempfänger voll hcrcmgeza- gen werden Dr. Helfferich hielt es für zweckmäßig, baß der Gehaltsabzug stets auch bem endgültigen Steuerbetrug entspricht. Im Anschluß baran stellte ber Zentrumsabgeordnetc H e r o l b als die einmütige Auffassung bes Ausschusses fest, daß der Steuerabzug der wirklichen Steuer entsprechen muß. Auch die Regierung ließ durch Staatssekretär Zapf die Erklärung abgeben, sie erstrebe, daß künftig durch den Lohn- abzug auch die Steuerpflicht als erfüllt gelten soll. -------- ---
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