'Ren dke Hoffnung noch nicht aufgibt, abgewandelt werden. Die juristische Leute der Partei, der Kieler Pro. fessor Radebruch, tut das mit stundenlanger Gründlichkeit. Ihm tritt der Abg. Bell vom Zentrum entgegen, der bei aller Kritik an der Justizpflege im einzelnen ihre Unparteilichkeit feststellt und die Verdächtigung der Klas. senjustiz zurückweist. Dr. Bell erörtert auch die Dringlichkeit der Reform des Erfinderschutzes und wünscht, daß Studenten, die in Kriegsgefangenschaft waren, die Möglichkeit das Examen zu machen, erleichtert werde. Redner erörtert weiter die schwarze Schmach in den be. fetzten Gebieten und weist darauf hin, daß in Landau am ftanzöfischen Polizeigericht im November und Dezember cm sieben Sitzungen ein Negeroffizier als Beisitzer teilgenommen hat, daß er auch nach seiner Versetzung nach Speyer als Berufungsrichter an den Sitzungen teilnimmt und keine Gelegenheit versäumt, über die weißen Angeklagten seinen Spott und seine Verachtung auszuiprechen. Das find unerträgliche Zustände, und eine Kulturnation, die so etwas zuläßt, spricht sich damit selber das Urteil. Die Regierung hat alle Veranlassung, diesen Dingen nachzugehen und bei der Entente Vorstellungen zu machen, damit diesen Zuständen ein Ende gemacht wird. Redner verteidigt das Reichsgericht in der Frage der Anwendung des A m n e st i e-E r l a s f e S. In Zukunft wird man bei allen Amnestien vorsichtiger zu Werke gehen müssen. Eine Verbilligung der Rechtspflege ist wünschenswert, aber sie darf nicht auf Kosten der Güte erfolgen. Im übrigen darf die Selbstän- diokeit und Unabhängigkeit des Richters nicht anqetaftet werden. Die Einführung der Berufung gegen die Urteile der Strafkammern ist so notwendig, um das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Justiz zu erhalten, haß wir damit nicht bis zum Abschluß des großen Reformwerkes warten können. Wir bitten um eine Sondervorlage. An den Laienqerichten dürfen wir nicht rütteln, im Gegenteil, sie müßten auf die Ziviljustiz ausgedehnt werden. Mit den Sondergerichten haben wir gute Erfahrungen gemacht. Zum Schluß spricht nach der Abg. Barth (Dnat.), der die Beibehaltung der Sondergerichte fordert und unter Protest der Linken die bayerischen Volksgerichte verteidigt.
Mittwoch: Weiterberatung, kleinere Vorlagen.
Deutsches Reich.
** Berlin, 25. Ian. Der neue italienische Botschafter, Senator Frassati, ist am Montag in .Berlin eingetroffen. — Das bayerische Kultusministerium errichtet im ganzen Lande Beratungs» .stellen zur Erhaltung des heimischen Kunftbefitzes an Altertümern. — Der Reichsetat für 1921 soll, wie wir erfahren, in vereinfachter, das heißt im wesentlichen die Einsätze für 1920 enthaltender Form io rasch wie möglich dem Reichstage voroelegt werden und zwar dergestalt, daß die Zustimmung zu diesem Etat noch bis zum 1. April ermöglicht werden könnte. Voraus etzung dafür ist natürlich, daß der Etat für 1920 vom Reichstag so schnell wie möglich erledigt wird, da er ja die Grundlage für den neuen Etat bilden soll.
* Das letzte Mandat in Lippe. Das noch ausstehende Mandat zum Lippe'schen Landtag hoben die Mehrheitssozialdemokcaten bekommen, sodaß diese Partei acht Mandate gegen elf im alten Lippe'schen Landtag besitzt.
Ausland.
** Italien. Auch die stalienische sozialistische Partei hat sich jetzt aus ihrem Kongreß in drei Parteien geteilt, in die „reinen" Kommunisten, in den gemäßigten Kommunisten und in die Sozialdemokraten.
Aus Airche und Schule.
4« Mainz. Der Bischof von Mainz, Dr. Heinrich Kirstem, ist nunmehr schon länger als ein Jahr schwer erkrankt. Zur Unterstützung des erkrankten Bischofs ist nun der Regens des Speyerer Seminars, Hr. Dr. Ludwig Hugo, Profeflor der Moral, Pastoral- und Kirchengeschichte, zum Koadjutor mit dem Rechte der Nachfolge ernannt worden.
* Der bischöfliche Stuhl in Sachsen. Prälat Sca la in Bautzen ist zum zeitweiligen Administrator des Apostolischen Brkarials von Sachsen, nicht, wie zuerst gemeldet wurde, zum apostolischen Vikar ernannt worden.
Ans dem Aachdargeviet.
— Schweben (fit. Fulda). Wie groß die Begeisterung kn hiesiger Gemeinde für den geplanten Kirchenbau ist, der noch in diesem Jahre begonnen werden soll, beweist die Zeichnung großer Geldbeträge, die dieser Tage hier erfolgte. Es wurden annähernd 70 000 M gezeichnet. Es entfallen auf eine Familie durchschnittlich 1000 <M, was große Opferwilligkeit von feiten der hiesigen Einwohner beweist. In bar haben wir über 30 000 <«. Dazu kommen noch zweimalige Geldsendungen aus Amerika. Es zog vor ungefähr 25 Jahren ein gewisser Ferdinand Belz, Sohn des verstorbenen Schuhmachermeisters Emil Belz nach Amerika, der uns die Summe von zirka 7500 M in Dollars zusandte. Hundertfältigen Dank dem gütigen Spender. Wir können nun mit einem Kapital von 100 000 rechnen. Gewiß wird bei dieser teuren Zeit der Betrag noch bei weitem nicht ausreichrn, aber wir haben dock) auch schon einen kostenlosen Bauplatz von Franz Joseph Auch dahier. Weil dieser Platz nicht flut geeignet ist, gibt der Landwirt Joseph Röhrig einen Platz in der Mitte des Dorfes imb nimmt Besitz von dem gestifteten Platz. Derselbe ist somit entschädigt. Die nötigen Sandsteine zum Bau bekommt die Gemeinde kostenlos durch Vermächtnis des verstorbenen Maurermeisters Joseph Sauer aus dem in der Nähe des Dorfes gelegenen Steinbruch. Die Fuhren werden wohl die hiesigen Sauern gratis ausführen. Auch soll in den Nachbardörfern nach eingeholter Erlaubnis von festen der maßgebenden Behörden eine Haussammlung abgehalten werden.
— Hünfeld. Die Zentrumsversammlung am Montag abend war sehr gut besucht. Parteisekretär Müller-Marburg sprach über die politischen Fragen und die Bedeutung der Wahl Lebhafter Beifall bewies die Anerkennung, die der Vortrag bei allen Anwesenden gefunden. Herr Dechant Ley dankte dem Redner für seine von gründlicher Sachkenntnis zeugenden Worte und ermahnte auch seinerseits zu treuem Festhalten am Zentrum. In der Diskussion stellte Herr Joseph L ü h n die Frage nach der Kandidatenliste und konnte die be» friedigende Auskunft erhalten, daß an dritter, also sicherer Stelle, sich ein Landwirt befinde. Hierauf wurde die Versammlung vom Vorsitzenden mit einigen freundlichen Dankesworten geschlossen.
)( Hanau. Das Staatliche Gymnasium zu Hanau wird zu Ostern d. I. in eine Reformanstalt nach Frankfurter Lehrplan (Realgymnasium mit angeschlossenem Gymnasium) umgewandelt. Die Sexta der neuen Reformanstalt wird schon Ostern d. I. eröffnet. Die bisherigen Gymnasialklaffen werden von der Umwandlung nicht betroffen.
mc. Frankfurt a. M. Der Frankfurter Polizeipräsident hat nunmehr auf Anordnung des Regierungspräsidenten in Wiesbaden auch sämtliche privaten und geschlossenen Karnevalfestlichkeiten verboten. Zu privaten Tanzveranstaltungen soll nur unter Beobachtung des Nachweises, daß keine Faschingsfeiern dabei stattfinden, die Erlaubnis gegeben werden. — Der Magistrat hat den Schiedsspruch, der den städtischen Arbeitern eine Erhöhung der Teuerungszulage um 50 Proz. zubilligte, ab gelernt. Er hat sich an das Reichstarifamt nach Berlin zur endgültigen Entscheidung gewandt.
„ »l. Aschaffenburg. Zwei junge Leute von auswärts spielten mit einem Reoolv er, der sich plötzlich entlud. Einem der Beteiligten drang die Kugel in den Unterleib und verletzte ihn schwer.
Lokales.
Fulda, 26. Januar 1921.
* Personcnnachrichten. Die Katasterlandmesser Birkefeld, Ahrens, Becker, Schneider, Schwanke und Mittelstaedt wurden zu Ka- tasterkontrolleuren ernannt und mit der anteiligen Verwaltung der Katasterämter Witzenhauien, Ziegen- bain, Rinteln, Schmalkalden, Fulda und Frankenberg beauftragt.
= Neue Innungen. Am 1. März tritt die Zwangsinnung für das Zimmerhandwerk in dem Bezirk des Kreises Hünfeld in Kraft, gleichzeitig die Zwangsinnung für das Schuhmacherhandwerk im Kreise Hünfeld. Weiterhin ist die Errichtung einer Zwangsinnung für das Räcker- handwerk im Kreise Hünfeld beantragt worden.
----- Die Gesundheitsverhältnissc im Kreise Fulda. Im Jahre 1919 ist von gemeingefährlichen Krankheiten nur ein Fall, und zwar"Fleckfieber, vorge- kommen. Die Zahl der übrigen übertragbaren Krankheiten hat sich in mittleren Grenzen gehalten. Zeitweilig traten Grippenfälle, auch Scharlachsälle, Diphtherie und Masern auf. Von Epidemien konnte man da nicht sprechen. Die Geschlechtskrankheiten haben, wobl eine Folge des Krieges (aber auch der wachsenden Zuchtlosigkeit der Jugend) eine erhebliche Zunahme erfahren. Die Erkrankungen an Tuberkulose haben erheblich zugenommen, eine Folge der mangelhaften Ernährung und der großen Teuerung. Das Auftreten von Krätze wurde ziemlich häufig beobachtet. Trotz der Freigabe der Seife? — Geimpft wurden 1629 Kinder zum zweiten Male und 770 Erftimpflinge mit Erfolg. — Schlußdesinfektionen wurden 180 vorgenommen. Das Desin- fektionswesen im Kreis, das infolge des Krieges gelitten hatte, hat sich wieder gehoben. — Die Nahrungsmittel-Hygiene wurde durch die Versuchsanstalt in Harleshausen für 119 Proben ans der Stadt und 135 Proben von Nahrungs- und Genußmitteln, sowie Milch, vom Lande wahrgenommen. Beanstandet wurden 9 Proben aus der Stadt, 7 Proben aus dem Landbezirk. — Auf Kosten des Kreises wurden 1919 in der Landesheilanstalt Marburg usw. 20 Geisteskranke verpflegt, 13 von Fulda, 7 ans den Landbezirken. In der Tau b- ftummcnanftalt Homberg befinden sich 3 Kinder aus dem hiesigen Kreise, im Anroniusheim 16 Kinder, in der Blindenanstalt Frankfurt a. M. 2 Personen.
!:! Die Koinmnnavandtagswahl. Im Kreis Gersfeld ist als Kandidat für den Kommunallandlag aufgestellt woiden der seitherige Vertreter Herr Kaufmann Wehner-Poppenhausen; im Kreis Gelnhausen Herr Geheimrat von Sa- vigny (auf Hof Trages).
— Zentrum und Handwerk. Zur Ergänzung unseres gestrigen Berichtes unter obiger Spitzmarke wird eine Meldung ans Bielefeld interessieren, die in einem rheinischen Blatte zu leien ist:
Auf der hier ftattgefunbcnen GründungSveisamm- lung einer Kreisgruppe des westfälifch-lippischen Hand- werkerbundes wurde herborgehoben, daß die Zen- trumsparter als einzige Partei den Vorschlägen des Bundes in Handwerkerkandidaturen in weitestem Matze entgegengekommen sei. Für den Wahlkreis Westfalen-Nord sei Baugewerksmeister Köthenbürger (Paderborn) und für Westfalen-Süd Malermeister Altengoer (Bochum) an unbedingt sichere Stelle gesetzt. Dies könne den anderen Parteien zum Vorbild dienen, die sich mit Vorliebe Volksparteien nennten.
In Hessen-Nassau steht bekanntlich Schreiner- meisler-Fink für den Landtag an unbedingt sicherer Stelle der Zeulrumsliste und für die beiden anbeten Wahlen des 20. Februar ist dem Handwerkerstand bei der Kandidatnraufstellung soweit Rechnung getragen, als es nach Lage der Dinge möglich war.
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Wer Wter 8. J.
----—..............' tm hohen Tome für die Männer und Jünglinge der Stadt Fulda. Wie die Männer und Jünglinge an der Mission sich zahlreich beteiligt haben, so werden sie gewiß auch bei dieser Veranstaltung vollzählig zur Stelle sein Alles was katholisch denkt und fühlt in der Fuldaer Männerwelt, mutz heute Abend um die Domkanzel versammelt fein.
** Handelskamu,erwähl. Für den Bezirk Gersfeld wurde anstelle des wegen Wegzugs ans der Handelskammer ausgeschiedenen Kaufmanns S. Vasen-Gersfeld, Kaufmann Joseph Wehner- Poppenhausen gewählt.
[] In der Wahlversammlung der deutschnatio- natcn Volkspartei, die gestern abend bei sehr gutem Besuch int evangelischen Gemeindehaus stattsand, sprach Pfarrer Dr. Ritter-Berlin in sachlicher Weise über das detitschnalionale Wahlptogramm. Die Versammlung nahm einen ruhigen Verlaus. Von der Gelegenheit zur Aussprache wurde von Anhängern anderer ^arteten fein Gebrauch gemacht.
= Sleuerzahlungslechnik. Von einem Praktiker wird uns mit geteilt:
Nach den Zuwachssteuerbescheiden ist dir Abgabe zur Halste binnen 3 Monaten, zu einem Viertel binnen 6 Monaten und das letzte Viertel binnen 9 Monaten nach Zustellung des Bescheides zu entrichten. In der aufgedruckten Belehrung steht: Bei Zahlung in barem Gelds vor Ablauf der festgesetzten Zahlungsfristen werden 6 v. H. Zürich enzinsen abgezogen. Darnach sollte man meinen, daß bei ofortiger Barzahlung der erster Hälfte die 6 Proz. Zin- en bis zum Ablauf der 3 Monate, für das dritte Viertel ür 6 Monate und für das letzte Viertel für 9 Monate angerechnet würden, abzüglich der Tage, die seit Zustellung des Bescheides bis zur Zahlung verstossen sind. Also z. B., die Zustellung ist am 5. Ian. erfolgt. Zahlung geschieht am 25. Januar. 90 Tage (3 Monate) — 20 — 70 Tage, oder 180 Tage (6 Monate) — 20 Tage — 160 Tage oder 270 Tags (6 Monate — 20 — 250 Tage. Das Finanzamt rechnet aber anders. Dasselbe stellt sich auf den Standpunkt, daß die Fälligkeit mit dem ersten Tage des Vierteljahrs vor Ablauf der Zahlungsfristen eintritt und rechnet für die erste Hälfte gar keine Zinsen, für das dritte Viertel nur für 3 Monate und für das letzte Viertel nur für 6 Monate. Ob diese Auslegung im Sinne der gesetzt. Bestimmung ist, möchte bezweifelt werden. § 24 des Gesetzes sagt: Bei Zahlung in barem Geld vor Ablauf der festgesetzten Zahlungsfristen werden 6 vom Hundert Zwischenstufen abgezogen. Wenn man sich nicht en ent. streiten will, tut man gut, erst am Ende des ersten Vierteljahrs zu zahlen, wenigstens wenn größere Beträge in Frage kommen: man hat dann noch den Genuß der Bankzinsen bis dahin. Wer sÄbstgezeichnete Reichsanleihe in Zahlung gibt, hat auf diese Zinsverrech- nung keinen Anspruch und kann darin eine Entschädigung finden, daß sie zum Nennwert angenommen wftd. Es werden aber die Zinsscheine vom 1. Oktober 1919 an abgezogen und die bis zum 2. Januar 1921 fälligen Zins- scheine werden nicht mit angenommen. Man bekommt dieselben zwar eingelöst, hat aber davon auch die 10proz. Ertragssteuer zu zahlen. Auch nicht selbstgezeichnete Reichsanleihe kann in Zahlung gegeben werden, wird aber nur zum Kurs von 77 Rroz. angerechnet. Vorteilhafter dürfte es fein, da der Böffenkurs heute 77,5 Proz. beträgt, solche, wenn Geld flüssig gemacht werden mutz, bei
einer Dank zu verkaufen, und bei der Flnanzkasie bar zu bezahlen.
W Ter Wertbriefverkehr zwischen Deutschland und Italien wird vom 1. Februar an wieder aufgenommen. Der Höchstbetrag der Wertangabe beträgt 10 000 Franken. Wertkästchen werden vorläufig noch nicht wieder zugelassen.
rotb (Eine Riesenspende aus Amerika. Der Deutsche Zentralausschuß für die Auslandshilfe hat in der letzten Sitzung seines Arbeitsausschusses einen Verteilungsplan für eine RiesensperÄe des amerikan-schen Roten Kreuzes genehmigt, deren Wert auf etwa 200 Millionen Mark veranschlagt werden kann. Es handelt sich um rund % Million Ellen Flanell und zahlreiche Kisten mit Unterzeug, Kleider, Garn und Flanellstücken. In Hessen-Nassau wurden bedacht: Kassel, Witzenhausen, Marburg, Fulda, Hanau, Ober- westerwald, Westerburg, Unterwesterwald, Wiesbaden, Homburg.
x^^Lchöffcnqericht. Ein hiesiger Viehhändler, der einen Schlußschein .über 2 Fahrstiere nicht ordnungsmäßig ausgestellt hatte, erhielt 300 Mark Geldstrafe. — Weil er an einem Sonntag Na chmitlag 2 feiner israelitischen Lehrlinge im Büro befdjäftigt hatte, erhielt der Kaufmann O. N. hier 300 Mark Geldstrafe. — Wegen Sachbeschädigung tn einer Gerichtszelle des Gefängnisses erhielt der Handelsmann H. M. eine Woche Gefängnis. — Ein hiesiger Kellner war wegen Wucher angeklagt. Er hatte gelegentlich zweier Darlehen an einen Offenbacher Fabrikanten- sohn Schuldscheine über wesentlich höhere Betröge akzeptiert. Er erhielt eine Woche Gefängnis und 60 M. Geldstrafe bei 2jähriger Bewährungsfrist. — Ein ehemaliger Kanonier des hiesigen Regiments aus Tauberbischofsheim, der eines Tages „getürmt" war und die Uniform mitgenommen und behalten hatte, erhielt einen Monat und eine Woche Gefängnis, die er aber nicht abzufitzen braucht, wenn er in den nächsten 3 Jahren ordentlich ist.
△ Wildschweine in der Rhön. Der Forstaufseher Saß aus Ziegelhütte bei Gersfeld erlegte in der „Nasse" ein fckwe>es W'ldschwstn.
= Ralurhellvereln. Den ersten Vortrag im neuen Jahre hielt Herr Paul Schal z-Gteßeu im Saale der „Harmonie". Das Thema war „Die Bedeutung naturgemäßer Gesundheitspflege für die Familie". Redner führte aus, daß die Familie die geeignetste Stätte sei zur Ausführung naturgemäßer Gesundheitspflege. Werde letztere in richtiger Weise schon in der Jugend betrieben, so gebe sie die Anwartschaft auf ein sonniges Alter. Im zweiten Teil erklärte der Redner, was die Naturheiltehre unter Gesundheitspflege versteht (Hautpflege, Waschungen, Packungen und sonstige Wasser-Anwendungen, Luftbäder, zweckentsprechende Abhärtung und bergt). Er besprach auch die Wohnungs- und Ernähmngssraae, die ebenfalls das Wohlbefinden entscheidend beeinflussen. Für di« klaren, leicht verständlichen Ausführungen spendeten die Zuhörer reichen Beifall. Der Verein gewann mehrere neue Milglte- der. Der Vorsitzende wies noch darauf hin, daß Mittwoch den 26. Ian. in der Stadtschute eine Tagung der Frauen- flruppe mit einem Vortrag über „Küchen-Reform" stattfinden wird.
8 Die menget - Bereinigung der Kreise Fulda, Hünfeld und Gersfeld hielten gestern Nachmittag ihre sehr gut besuchte General-Versammlung unter Vorsitz des Herrn Metzgermeisters Kramer-Eichenzell im hiesigen Gesellenhaus ab. Eine besonders eingehende Debatte entwickelte sich über den Schlußscheinzwang und die bestehenden Richtpreise für Schlachtvieh. Beschlüsse sollen in der Februar-Versammlung gefaßt werden.
= Volkshochschule. Die Arbeitsgemeinschaft von Herrn Studienrat Dr. Elasten über „Volkswirtschaftslehre" fällt heute, Mittwoch, den 26. Januar, aus. Sie wird am Freitag, den 28,, von 7 Uhr 30 bis 8 Uhr 15, nachgehalten werden.
vermischtes.
* (Ein Aebersall. Die badische Stadt Eberbach ist zum Schauplatz Aufsehen erregender Vorkommnisse geworden, worüber die „Eberbacher Zeitung" berichtet. Seit kurzem leben dort zwei in Nordamerika geborene Söhne von Deutschamerikanern, die in treuer Anhänglichkeit an ihr Deutschtum sich geweigert hatten, gegen Deutschland Kriegsdienst zu leisten und die in gefahrvoller Weife der amerikanischen Verfolgung entronnen waren und Zuflucht im Heimatland ihrer Eltern gefunden hatten. Die beiden Männer waren als Gäste zu einer Eberbacher Hochzeit eingeladen. Als sie sich abends zur Bahn begaben, um Hochzeitsgäste abzuholen, wurde ihr Kraftwagen von einem anderen Kraftwagen überfallen, aus dem fünf männliche Gestalten den Hochzeitswagen u m - stellten, als die Brautleute aus dem Bahnhof heraus- kamen. Der im Hochzeitswagen sitzende Deutschamerikaner faßte sofort Verdacht, machte seinen Wagen fahrbereit und veranlaßte die Hochzeitsgesellschaft zum raschen Einsteigen. Als er den Wagen in Bewegung setzen wollte, trat einer der um den Wagen herumstehenden Fremden vor ihn hin, hielt ihm den Revolver vor und rief: „Halt! oder es kostet das Leben!" In rascher Geistesgegenwart schlug der 2(nqegrrffene den Revolver des Angreifers in die Höhe und kurbelte den Wagen an. Der Angreifer sandte dem davonfahrenden Hochzeitswagen einige scharfe Schüsse nach, wodurch eine Verwandte der Braut verwundet wurde. Der Schütze mit seinen Begleitern bestieg den Wagen und nahm die Verfolgung des Hochzeitswagens auf. Beherzte Männer {prangen auf den Wagen, brachten ihn zum Stehen und nahmen drei von den Insassen f e ft. Auch die Gendarmerie war sofort zur Stelle. Der Wagen war von Speyer gekommen unter Führung von zwei der amerikanischen Besatzungsbehörde unterstellten Beamten, nämlich einem Polizeidetektiv und einem Sergeanten, und von vier gedungenen Helfern, die beauftragt waren, die beiden Deutschamerikaner in, das besetzte Gebiet zu bringen. Die amerikanische Expedition hafte eine Menge Handschellen bei sich. Die amerikanische Regierung hafte für die Ergreifung der beiden Deutschamerikaner ein Kopfgeld von 60 000 Dollar ausgesetzt. Der Bevölkerung hat sich eine tiefgehende Erregung und Empörung bemächtigt. Die verhafteten Amerikaner gaben an, einen direkten Auftrag, die Leute zu verhaften, hätten sie nicht gehabt, sondern lediglich nach ihnen ju fahnden. Obwohl der Detektiv angibt, daß ihm persönlich aus der Verhaftung kein Vorteil erwachsen wäre, ist anzunehmen, daß er auf eigene Faust die Leute ins besetzte Gebiet bringen wollte, um sich die Prämie zu verdienen.
* Erschossener Einbrecher. In Binau bei Heidelberg brachen beim Hirschwirt vier Männer ein und entfernten sich nach der Tat in der Richtung Neckars Scr 19 Jahre alte Eastwirtssohn ©treib nahm die Verfolgung auf und gab auf den Bahnarbeiter Friedrich Sporer fünf Schüsse ab, durch die Sporer nicbergeftredt wurde. Streib wurde verhaftet. „ __,,
* Die Grubenerplosion in Oelsmtz. Während der Beraungsarbeiten in Oelsnitz im Erzgebirge spielten sich auf hem Schacht erschütternde Szenen ab. Auf die erste Nachricht von dem Unglück waren die Angehörigen der Bergleute nach dem Bergwerk gestürzt und standen in banger Erwartung vor dem Unglücksschacht. Die Bergleute waren teilweise durch die Explosion erstickt und durch die Flammen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Man nimmt an, daß das Unglück durch eine offene Grubenlampe, die im Schacht gefunden wurde, herbeiaeführt worden ist. Nack amtlichen Feststellungen hat das Unglück bisher bereits 52 To te gefordert. Bei zwei Schwerverletzten ist es fraglich, ob sie noch ge- rettet werden können. Das Personal und dte Aerzte des Holpitals arbeiten seit 30 Stunden ununterbrochen mit Sauerstoffapparaten. Allein es war ihnen trotz aller Anstrengungen nicht möglich, die durch Gas Vergifteten am Leben zu erhalten. ?zur sämtliche Tote findet eine gemeinsame Trauerfeier statt.
• Furchtbare Explosion. Noch einer Reutermeldung aus Memphis im nordamerikanischen Staate Tennesfee
kam es dort zu einer furchtbaren Explosion eines P e- troleumbehälters, wodurch 20 Personen ge- tötet und zahlreiche Personen verletzt worden sind.
Handel und Wirtschaft.
— Ein geradezu ungeheuerliches 2Nünz-Exemp«l ergibt sich durch den Tiefftand der österreichischen Krone, deren Friedenswert gleich dem Franken 80 Pfennige war. Heute sind etwas über 10 Frank in Zürich gleich 100 Reichsmark, aber auch gleich 1217 Kronen. EM Frank ist also gleich etwa 120 Kronen. Das ist nicht viel anders als Makulaturpreis.
Eingesandt.
Zur Äriegerbentmatfrage. Wie Pilze schießen allenthalben die Kriegerdenkmäler, mit mehr oder weniger Geschmack angelegt, aus dem Boden. Morgen solle» sich unsere Stabtoäter und »mutter hier in Fulda auch mit dem Anträge zur Errichtung eines solchen befassen. Die Ehrung der gefallenen Helden ist eine Bürgerpflicht, die aber in verschiedener Weise erfolgen kann. Nicht immer wurden Denkmäler gewählt. So haben wir von den Besteiungskriegen her nur selten ein solches. Damals war Deutschland verarmt und brauchte seine Gelder zu anderen Maßnahmen. Aeußerste Sparsamkeit war am Platze; und heute —? Daher sind verschieb bene Stabte zu einer Ehrung der Krieger übergegangen, > die zugleich eine bauernde Verzinsung zum Volkswohle \ bringt. Man legte „H e ld en h ai n e" an, die dazu be- s stimmt sind, der Jugend, also dem Nachwuchse des deutschen Volkes, die nötigen Spielplätze zu bieten, um fe' dem Wohle des Volkes und damit dem Ziele unserer Helden zu dienen. Fulda ist reich an öffentlichen Anlagen, wie selten eine Stadt in gleicher Größe. Daher wäre der zwefte Vorschlag vielleicht eher zu berücksichft- gen. Man legte D b ft g ü t e r ober mit Obstbäumen bepflanzte Straßen ober Plätze an und pflanzte soviel Bäume als Einwohner der Stadt gefallen waren. Der Ertrag dieser Bäume soll den Hinterbliebenen oder den Stabtarmen zu mäßigem Preise ober gratis zugute kom- men. Die Möglichkeiten lassen sich nach Belieben ver. mehren. In diesen Anlagen, die entsprechend zu denen- nen wären, könnte dann eine Tafel mit den Namen de« gefallenen Helden aufgestellt werden. Vielleicht tritt die Stadtverordnetenversammlung diesen Vorschlägen näher und zieht dieselben in Erwägung. A. Kircher, ftaati- geprüfter Gartenbautechniker.
Letzte Nachrichten.
W Berlin, 26. Jan. Wie das ,.Berl. Tageblatt" von unterrichteter Seite hört, haben sich die Behörden mit Getreide für die B r ot v e r s o r g u n g bis Anfang Mai bereits eingedeckt. Das Sinken des Dollarkurfes ermöglichte den Bezug ausländischen Getreides zu günstigeren Preisen. Eine Krisis in der Brotversorgung ist in diesem Jahre nicht zu befürchten.
W Berlin, 26. Jan. Nach einer Meldung des „Berk, Lok.-Anz." aus Breslau ist ein großer polnischer Waffen- und Munitionstransport von der Ab- stimmungspolizei in Oberschlesien auf der Straße bei Kreschow, Kreis Oppeln, angehalten worden Es wurden beschlagnahmt: 48 Maschinengewehre, über 1000 Schuß Munition und 45 Gummiknüppel. Von den zehn Begleitern des Transportes tonnten nur vier festgenommen werden.
W Berlin, 26. Jan. Auf Anordnung des Finanz» amtes 9 in Berlin wurde das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen des städtischen Verkaufsvermittlers" und Großhändlers Ienicke in Berlin wegen Steuerhinterziehung mit Beschlag 'belegt. Der Wert des beschlagnahmten Gutes beläuft sich auf mehrere Millionen Mark. Janicke hat sich vor kurzem unter Mitnahme bedeutender Barmiftel ins Ausland begeben.
W Derlln, 26. Ian. Nach einer Mitteilung des „Vorwärts" hat sich das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft entschlossen, für die näch ste Ernte folgende Mindestpreise in Vorschlag zu bringen: Roggen 2050 Mark (bisheriger Höchstpreis 1130). Gerste und Hafer 2050 dl (1380 dl) und Weizen 2205 dl (1570 M) pro Tonne. Sollte sich eine weitere Erhöhung der Selbstkosten Herausstellen, so werden die Preise unmittelbar vor der Ernte wefter erhöht und gelten dann als Höchstpreise. Der Vorschlag wird demnächst den Emähnmgsministern der Länder unterbreitet werden.
EjßzilWB der MMen WMMMeWe.
26. Januar 1921.
In dieser Woche werden sowohl die Kranken-, wie auch die Säuglings- und Alters-Feftkarten mit Boller bedient. Die Ausgabe findet am Donnerstag gegen Vorlage der Fettkarte dieser Woche (Nr. 4) in der Molkerei statt. Tier Lebensmittelausweis ist auf Verlangen vorzuzeigen. Preis 17 M bezw. 14 M das Pfund.(70
MteilNW der Wramtes.
Gaskoksavgave.
Donnerstag und Freilag, den 27. und 28. Javaur a, für folgende Straßen: Bahnhofftraße, Hernnchstratze Lte denstmße, Nikolausstraße, Petersgaffe, Rhabanusstraß». Rhönstraße, Rupprechtstraße, Stzmmmsftraße, Diehmarkt^ platz, Zieherserweg. __________
Die liofroenbigfeif der Kalidüngung! Neben Stickstoff und Phosphorfäure haben alle Pflanzen viel Kali nötig: sie gebrauchen auf 50 Psd. Phosphorsäure etwa 100 Psd Stickstoff und 150 Pfd. Kali, also weitaus am meisten Kali. Die Kalisalze sind billig und überall wie-, der in beliebigen Mengen zu haben. Ihre ausgiebigste Verwendung auf allen Siedern, Wiesen und Weiden liegt: ebenso sehr im Interesse unserer ganzen Dolksernährung' wie auch unserer ganzen Volkswirtschaft, am meisten s aber im Interesse eines jeden einzelnen Landwirts, denn besser als jetzt hat sich die Kalidüngung noch niemals rentiert. Die Kalisalze sind in Wirklichkeit nicht teurer, sondern verhältnismäßig billiger als vor dem Kriege.
An die dringend notwendige Verbesserung der Er., nährungslage Deutschlands durch ausgiebige Bodendüngung mit Stickstoff erinnert ein Inserat in der heutigen, Ausgabe unseres Blattes Ergänzend wird mitgeteilt,' daß die Nachfrage nach schwefelsaurem Ammoniak so stark ist und die auf den Werken liegenden Aufträge tni diesem Erzeugnis so umfangreich sind, daß sie nur nach und nach bis zum Frühjahr erledigt werden können. Es wird daher auf die zur Frühjahrsdüngung besonders ge-', eigneten Dünger Ammonsulfatjalpeter, Kaliammonsal-^ peter und Kalkstickstoff hingewiesen.
regelt den S be' Erwachsenen