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Mittwoch, 2b. Januar 1921
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von Spaa zurückgreifen, d. h.diedeutschenVer- treter zu den Verhandlungen zuziehen, damit die verbündeten Minister in die Lage versetzt werden, zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen zu unterscheit»».
Das ist keine Deutschsreundtichkeit, aber Sinn für die Wahrheit und für den gesunden Gedanken „leben und leben lassen". Die französischen Machthaber arbeiten dagegen auf die Vernichtung Deutschlands hm, obschon sie sich doch bei ruhiger Ueberlegung sagen mußten, daß si > von einem vergewaltigten oder besetzten Deutschland den Tribut nicht erhalten können, den sie verlangen.
Dieser Gegensatz zwischen der Londoner und der Pariser Politik beschränkt sich nicht auf die Einzelfragen der Entwaffnung, sondern berührt die ganze Ausführung des Vertrages von Versailles und Spaa. Wenn Briand, der neue französische Ministerpräsident, wie berichtet wird, sich unbedingt gegen die Zuziehung von deutschen Vertretern ausgesprochen Hot, dann hat er die Vorsicht und Geschmeidigkeit, die ihm sonst eigen ist, diesmal verleugnet. Die Befragung der deutschen Vertreter ist ja kein greifbares Zugeständnis für Deutschland, sondern nur ein Mittel, zum Zweck der Aufklärung des Tatbestandes. Wer das schroff ablehnt, macht sich verdächtig. Vermutlich hat Briand aus Angst vor seiner nationalistischen Kammermchrheit die Kanone des Widerspruchs zu früh abgeschossen und dadurch Wc Spannung zwischen sich und Lloyd George verschärft
Die Herrschaften werden sich trotzdem wohl wieder vertragen, und bei dem Versöhnungsfest wird es für Deutschland wieder sehr schwere Bedingungen absetzen. Doch nach diesem Vorspiel darf man wohl etwas mehr Verträum darauf haben, daß die Bedingungen nicht geradezu unerträglich ausfallen, und daß die angedrohten Zwangsmaßregeln vorläufig auf dem Papier stehen bleiben. Deshalb wollen wir uns auch nicht bange machen (offen durch die Behauptung der Hetzblätter, daß die bekannten fünf Forderungen zur Sicherung der deutschen Volkswirtschaft bereits abaelehnt seien. Das letzte Wort ist noch nicht gesprvchm.
Zunahme der Arbeitslosigkeit.
Das Reichsarbeitsministerium teilt mit: Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen ist vom 15. Dezember bis 1. Januar um 43 000 auf rund 409 000 gestiegen, und zwar hat sich die Zahl der männlichen von 292 000 auf 333 000 und der weiblichen von 74 000 auf 76 000 erhöht. Der besonderen Steigerung der männlichen Erwerbslosen entspricht eine starke Zunahme der Familienangehörigen von 381000 auf 4-54 000. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die unter- stützten Erwerbslosen mit den Angehörigen nur einen Bruchteil der wirklich Erwerbslosen bildm. Tatsächlich dürfte die Zchl der Erwerbslosen und der mitbetroffenen Angehörigen das Doppelte der vorgenannten Ziffern überschreiten, wozu noch die sehr große Zahl der soMnannten Kurzarbeiter tritt. Wenn trotz der Arbeitsstreckung und trotz der Maßnahmen der produktiven Erwerbslosenfürsorge, dlirch die 200000 Arbeitern Beschäftigung verschafft wurde, die Erwerbslosigkeit zu gewaltig anschwillt, so zeigen sich damit nicht zuletzt die Folgen des Kohlenabkommens v o n S p a a, dessen drosselnde Wirkungen auf die deutsche Industrie mehr und mehr in die Erscheinung treten.
Wir Deutschen müssen nach den bisherigen Erfahrungen höchst vorsichtig fein, wenn Uneinigkeit in der Entente uns zu Hoffnungen verlocken will, und dürfen insbesondere nicht alles für endgültig und bombensicher nehmen, was der geriebene Lioyd George gerade sagt oder tut. Im vorliegenden Fall jedoch darf das Auftreten des englischen Ministerpräsidenten uns zu einer gewissen Genugtuung gereichen, da er außerordentlich vernünftige Anschauungen entwickelte, die auf die wirkliche Lage und die Bedürfnisie in Deutschland Rücksicht nehmen rmd im Gegensatz zu den französischen Heißspornen auf den richtigen Leitsatz hinauslaufen: Leben und leben lassen! Das offenbart sich auch in einigen bemerkenswerten Aeußerungen des englischen Ministerpräsidenten, die noch aus der Sitzung vom Montag nackmittag berichtet werden.
Marschall Fach, der übereifrige Wächter der „Sicherheit", hatte behauptet, m Deutschland feien noch mindestens 450 große Geschütze versteckt und unsere Einwohnerwehren nnffaßten 400 000 Mann irreguläre Truppen. Lloyd George behandelte diese Gespenstergeschichten ironisch und fragte spöttisch, warum man denn das Ruhrgebiet besetzen wolle, wenn Bayern gegen die Auflösung der Wehren sich sträube. Er fragte ferner, warum Fach als äußersten Termin der Entwaffnung gerade den 1. M a i Vorschläge, während ltoch an diesem Demonstrationstage die Gefahren von Ruhestörungen besonders groß seien. Sehr wesentlich ist, daß Lloyd George die Sicherung Deutschlands gegen die bolschewistische Wühlerei für notwendig er» Korte. Er sagte geradezu, Deutschland könne nicht ohne Verteidigungsmitte! bleiben. Daran schloß er die bedeutungsvolle Anregung, man solle auf die Methode
und daher an die italienischen Seen abgereift fei. Ihre Wohnung habe sie für längere Zeit möbliert an einen höheren Offizier vermietet. Persönlichen Abschied von der Tochter zu nehmen, habe sie unterlassen, da die bedeutenden Reifeanstrengungen ihr geboten haben, ihre geringen Kräfte zu schonen.
„Wir haben sie gekränkt, daß wir uns in ihrer Krankheit so wenig um sie bekümmerten," rief Gertrud und brach in Tränen aus.
Ein Achselzucken war Lützenkirchens Antwort.
9.
Es ging auf den Frühling zu. Der Winter war ungewöhnlich lang und hart gewesen, und besonders fühlbar mit seiner Hörte hatte er sich für Lützenkirchen gemacht. Nicht allein, daß über den Hof allerhand Miß. geschick hereingebrochen war, eine kurz vor der Hochzeit für schweres Geld angeschaffte Maschine sich als untauglich erwies und unter dem Viehstand eine Seuche arg aufräumte — draußen auf den Aeckern war durch den strengen Frost bei mangelnder Schneedecke die meiste Wintersaat erfroren Es galt, fieberhaft zu schuf, fen, und wie ein Knecht war Lützenkirchen vom Mar- gen bis zum Abend bei ollem selbst dabei. Ob er es noch einmal schaffen würde, sich herauszuwinden? Es war wenig hoffende Zuversicht in ihm, der frohe Mut, der vordem feine beste Kraft gewesen, hatte einer kalten Verbissenheit Platz gemacht. Auch seiner Frau gegenüber trat diese Kälte mehr und mehr hervor, und so- viel, so angstvoll sich auch Gertrud in ihrem Herzen dagegen wehrte, es mußte ihr doch zum Bewußtsein kommen, daß wenig mehr von der Liebe bei ihrem Gatten zutage trat, die er in den ersten Wochen ihrer Ehe ihr in so reichem Maße gezeigt hotte. Oder war es, weil das Mißgeschick des Winters ihn so quälte und bedrückte, daß alles andere dagegen nicht aufkam? Wenn er sie wenigstens hätte teilnehmen lassen an seinen Sorgen, aber er wies jeden ihrer dahingehenden Versuche so entschieden zurück, daß sie scheu davon ab= stand und sich nur Mühe gab, mit einem allzeit Hellen Gesicht, mit einem allzeit freundlichen Wort ihn nicht merken zu lassen, wie bitterlich sie oft litt.
.(Fortsetzung folgt.).
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Aus dem besetzten Gebiet.
Französische Sulfur in Saarbrücken. Aus dem Saargebiet wird geschrieben: Was einem bei jedem Besuch des Saargebietes immer wieder auffällt, ist Vernachlässigung der Sauberkeit in allen öffentlichen Gebäuden, Post- und Eisenbahngebäude sind in einem unbeschreib-. lich verwahrlosten Zustand. Mit der Straßenreinigung steht es nicht viel bester. Die Bevölkekrung selbst wandelt gleichmütig durch den Schmutz und wird erst an den Unterschied zwischen Einst und Jetzt erinnert, wenn der Besucher sie aufmerksam macht. Das ist meines Erachtens das beste Zeichen für den Seelen- oder Gemütszustand des heutigen Saarländers: Absolute Gleichgültigkeit gegen alle Dinge der Umwelt, soweit sie nicht direkt in seine Tasche greifen. Im übrigen erwartet er von außen nichts mehr. Der harte Druck der Jahre nach dem Waffenstillstand hat feinem Lebensmut einen bösen Stoß versetzt, lieber die nationale Zukunft des Saarlandes hat er eine wenig zuversichtliche Ansicht. Wenn die Abstimmung reell durchgeführt werden könnte, glaubt auch er an den Sieg des Deutschtums: aber er hält die Erfüllung der Vorbedingung nicht für wahrscheinlich. Die Franzosen, die in der Verwattung überall die Oberhand hätten, würden durch geeignete Maßnah-
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rnen dafür sorgen, daß in der Bevölkerung die genügende Stimmenzahl für Frankreich zu finden fei. Schon jetzt sollen mit den Elsaß-Loihringern über 40 000 Fran- im Saargebiet seßhaft fein!
batte er die stark duftende Mischung herge- wöhrend er dann trinkend und immer lebhafter redend an der Seite feines jungen Weibes saß, mären seine Gedanken unablässig in jenem andern Zimmer, an dessen Tür er heute als letztes geklopft, nach- dem an allen andern ihm immer das gleiche . . . 33er.- Sebcns! . . . entgegengeklungen war. Und als er eingetreten war durch diese letzte Tür und sich Frau Do- Je. c Pauly gegenüber fand, da war ihm das Serou§t= en? <• ^"er Demütigung mit solch zornigem Scham- pslnden fühlbar geworden, daß es ihm unmöglich wirklichen Grund, der ihn hierher geführt, klnzugestehen.
T>en2>^-Jeln ®in9eftcben war nicht vonnöten gewesen, rette gefQgfU.nbetoSflIi<f> Quf 'h" gerichtet, hatte Frau Do- nimiht? ?u^te/ i3a^ Sie eines Tages zu mir kämen, 8 1Inh <et ni<fÜ> daß es schon so bald fein würde." fefmonh Ji’ hohe Gestalt gegen den Geldschrank Bntnr erh,menb bcr Schein der Gasflamme, die das 6oa auf ihr hochmütiges Gesicht fiel, ™ A-nhi'n'Trf brauchen Sic für den Augenblick?" das Blut in die S^^dlichkeit ihrer Frage jagte ihm . . .. . Schlafen. Doch wie er sie dabei sah
m der tbm.berechnet dunkenden Haltung, die den Geld- schrank gleichsam z'w Unterlage, zum Kennzeichen ihres ganzen Wesens machte, da zuckte es verächtlich um feine L'ppen, und mit kurzer Sachlichkeit gab er Antwort auf ihre Frage.
Die Pariser Konferenz.
Durch den Beschluß der Ententeminister in der E n t- waffnungsfrage von den bisherigen Sachver- verstandigen die Vorlegung bestimmter Vorschläge zu »erlangen, was nun eigentlich nach ihrer Meinung geschehen soll, welche Fristen sie setzen wollen und welche Zwangsmaßnahmen sie empfehlen, ist die militärische Kommission unter Marschall Fach, wie die „Times" mit einigem Mißbehagen feststellt, in eine schwierige Lage gekommen. Um praktisch mitarbeiten zu können, müssen die Militärs mm für die Politiker gangbare praktische Wege aufzeigen. Die wahrscheinliche Lösung ist nach der Meinmig des „Daily Chronicle" eine Fristsetzung für eine Herabsetzung der Verbände bis etwa zum Sommer; doch ist die Entscheidung, da noch Tatsachen, wie die Lage in Ostpreußen, aufzuklären find, noch in der Schwebe. Vor Donnerstag wird die Konferenz die milüärischen Fragen voraus- fichllich nicht wieder behandeln. Solange bleib tauch die Entschädigungsfrage offen. Was diese angeht, so wird es sich zeigen müssen, in welchem Umfang in den nächsten Tagen die deutschen Sachoerstän- bigar der verschiedensten Gebiete herangezogen werden und wieweit es ihnen gelingt, die Alliierten von der Notwendigkeit der Annahme der deutschen Grundsätze über die natürlichen Voraussetzungen jeder Zahlungsfähigkeit zu überzeugen. Ganz aussichtslos ist die Lage in dieser Beziehung nicht. Für die politische Atmosphäre ist es vielleicht bezeichnend, daß Lloyd George bei der Behandlung der militärischen Fragen nicht nur die gute Erfüllung der Vertragspflichten Deutschlands ausdrücklich betont, sondern vorgeschlagen hat, mit deutschen Sachverstäikdigen auch über diese militärischen Dinge in Paris zu verhandeln und sich mit ihnen zu verständigen. Briand lehnte dies cnergffch ab, während Graf Sforza einen Vermittlungsvorschlag machte und empfahl, die deutschen Sachverständigen wenigstens über die Durchführbarkeit der von den Alliierten festgesetzten militärischen Regelungen zu hören. Was mit diesem Vorschlag geschehen wird, sicht noch dahin.
Als überschlage sie im Geiste eine Rechnung, so bhrfte sie mü gegene.nanber8e3Ogenen Brauen gerade •us und sagte dann: „Ich kann im Augenblick nicht alles übersehen, lassen ®te nur mit dem Entscheid Zeit bis morgen."
„ lind das morgen kam, und mit ihm die (FnHrfieihimn großer, fester Handschrift bebaute Ä^ore"te Herrn Lützenkirchen in seiner augenblicklichen rlegenheit nicht zu Diensten fein zu können
Mit starrer Ruhe nahm Lützenkirchen die Nachricht Wl- Run galt es also doch, sich an die allerletzte Hilfs-
Achtung Oberschlesier!
Me „bereinigten Verbände heimattreuer
Verantwortlich tür den redattionellen Teil: Karl Schütte, für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda, srernsprecher Nr. S- Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeitung.
schlesier" erlassen folgenden Aufruf:
Die Frist zur Eintragung in die Stimmliste läuft in den nächsten Tagen ab. Eile tut not! Wer seine Photographie noch nicht beschafft und seinen Stimmantrag noch nicht vollzogen hat, wende sich sofort an die nächste Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, falls er nicht bereits bestimmte Anweisung ermatten hat, die peinlichst befolgt werden muß. Jetzt muß vor allem zunächst das Stimmrecht gesichert werden. Wer die Frist versäumt, gibt sein Stimmrecht preis und übt damit Verrat am Baterlande.
wichtige Bestimmungen für die Oberschkesier Im Reiche.
Die Regierungskonrmiffion in Oppeln hat folgende für die Abstimmung wichtigen Entscheidungen getroffen, die den beiden Vertretern des deutschen und polnischen Plebiszit- kammistariats mit der Ermächtigung zur Veröffentlichung mitgeteilt worden sind:
1. Alle Abstimmungsberechtigten der Kategorie 5 (gebürtige, aber nicht ansässige Personen) erhalten von dem paritätischen Ausschuß eine Benachrichtigung, ob sie in die Stimmlisten eingetragen sind oder nicht, und zwar durchdiePost gegen Rückschein.
2. Für die Schreib weis e der Namen wird am besten die auf der Geburtsurkunde gewählt. Im übrigen sollen die paritätischen Ausschüsse in dieser Frage entgegenkommend sein. Es ist ausreichend, wenn durch die Schreib- weffe der Klang des Nomens wiedergegeben wird.
3. In dem Antrag auf Eintragung in die StmmMte (Kategorie B Anlage 1 der Vorschrift) ist unter Nr. 15 anzugeben das Datum, an dem der Stimmberechtigte feinen Wohnort in Dberftbfefran verlassen hat. Eine ungefähre Angabe des Zeitpunktes genügt, wenn eine genaue An gabe nicht möglich ist.
4. Der Plebiszitdienst ist damit einverstanden, daß die Anträge der Abstimnnmgsgäste durch die Organisationen des deutschen und polnischen Plebiszitkommissariats dm paritätischen Ausschüssen übermittelt werden.
Minister Simons über die Abstimmung.
Rcichsminister Dr. Simons empfing am Dienstag Vertreter des Wolfffchen Telegraphenbüros zu einer Aussprache über die Abstimmung in Oberschlesien. Der Minister sagte u. a.: Nach den letzten aus Oberschlesien eingelaufenen Nachrichten ist die Stimmung der deutschen Bevölkerung durchaus z u v e r s i ch t l ich. Ueberall herrscht die Ueberzeugung, daß bei einer dem Friedensvertrag entsprechenden, also einer freien, geheimen und unbeeinflußten Abstimmung der gesunde Sinn der Bevölkerung diese zum Votum für Deutschland führen wird. Man erwartet deshalb überall mit Bestimmtheit, daß die interalliierte Kommission sofort alle ihre Machtmittel anwenden wird, um geordnete Zustande herzu stellen. Ich hoffe bestimmt, daß die interalliierte Kommission, die ihre Rechte in Oberschle- fien stets zu wahren bestrebt war, auch diese Pflicht mit allem Emst und Nachdruck erfüllen wird. Es liegen Anzeichen dafür vor, daß sie mit schärferen Maßnahmen vorgehen wird, deren Erfolg nicht ausbleiben kann. Die
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Deutscher Reichstag.
Nach Erledigung einiger Heiner Anfragen berichtet der Geschäftsordnungsausschuß über Gesuche zur Genehmigung von Strafverfolgungen gegen di« Abgg. Düwell (Korn.), Bruhn (Dntl.) und Erzberger (Z.). Die Geneh- migimg wird in den ersten beiden Fällen versagt, zu dem Antrag betr. Erzberger beantragt der Ausschuß- berichterstatter Abg. Kahl (D. Dp.) die Genehmigung, besonders weit es der Abg. Erzberger und die Fraktion des Zentrums zur Klärung der Angelegenheit selbst so wünschten. Nach kurzer Aussprache beschriebt der Reichstag mit großer Mehrheit, die Genehmigung zu erteilen.
Dann setzt das Haus die Aussprache über den Haushalt des Justizministeriums und die unabhängige Interpellation über die Anwendung des Amnestiegesetzes fort. Den Reigen der Redner eröffnet Reichssustrzminister Dr. Heinze mit längeren Ausführungen über die allgemeinen Fragen der deutschen Rechtspflege. Nach einleitenden Worten über die Bedeutung einer geordneten Rechtspflege und Gesetzgebung für unser schwer erschüttertes Volk gerade in den jetzigen Zeiten tritt er für unseren, jetzt viel geschmähten und angefeindeten Richterstand mit warmen Worten ein. Unser Richterstand ist unantastbar. Unsere Rechtsprechung mutz nach wie vor auf einer angemessenen Verbindung zwischen gelehrtem Richter- tmn und Laienrichter beruhen. Der Minister zählt dann die von feinem Ministerium bearbeiteten neuen G e- s e tz e auf, die demnächst vorgelegt werden sollen, wie Sttafvollzugsgesetz, Reichsgesetz über die Stellung der unehelichen Kinder, Entwürfe über Einführung von Klein- aftien, über das Recht gewerblichen Eigentums, Patentrecht, Aenderung der Gerichtsoerfasiung, Jugendrecht u. a. m. Der Minister bespricht bann die Schwierigkeiten, uie sich bei dem Verkehr mit den Alliierten in der Behandlung der sogen. „Kriegsverbrecher" ergeben, doch führt er aus, daß die Verfahren beschleunigt werden. Er ist überzeugt, daß das Reichsgericht auch hier seinen Rus, Hüter des Rechts zu sein, wahren wird. Er gibt dann Auskunft über den Stand einiger aktueller Rechtsfälle, wie Murloh, Vogel, Kesiel, Marburger Studenten u. a., die auf der äußersten Linken Unruhe erregt. Zum Schluß bezeichnet er es als eine wichtige Aufgabe seines Mmffterimns, die kargen Rechte, die uns der Versailler Vertrag bietet, klarzulegen und so am Wiederaufbau unserer Wirtsä-aft mstzuarbeiten.
So sehr auch der Minister einer vollen Modernisierung unserer Rechtspflege das Wort geredet hatte, von der Sozialdemokratie muß das Thema von der Klasten- justiz, mit der man draußen Wahlpropaaanba zu tret-
Der Papst sagt weiter in seinem Schreiben, daß Wien ein Körper ohne Kops fei, der mit dem Elend und der Verzweiflung kämpfe. Einige Regierungen hätten wohl Hilfe zugesagt. Selbst wenn diese aber bald komme, könne sie doch nicht wirksam sein, denn Oesterreich fehle die Möglichkeit zu einem eigenen Leben. Ter Bries schließt mit dem Wunsche, daß di? Regierungen sich von den hoben Grundsätzen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit leiten lassen und die Mittel ins Auge fassen, um sie zu verwirklichen.
85 Goldmiüisrde« ?
Es haben gestern in Paris verschiedene Sonderverhandlungen zwischen Ententediplomateu und Sachverständigen stattgefunden, die sich mit der Entschädigungsfrage beschäftigte. Man spricht jetzt von einer Gesamtsumme von 85 Milliarden Goldmark ohne Zinsen.
lieber die Sitzung der Konferenz am Dienstag ist eine amtliche Mitteilung ausgegeben worden, die besagt, man habe sich mit den Maßnahmen beschäftigt, die ergriffen werden sollen, um in kürzester Frist der ernsten Lage, in der Oesterreich sich befindet, abzuhelfen und feine Wiederherstellung sicherzustellen. Es wurde schließlich beschlosien, eine kleine Kommission emzu- setzen, deren Ausgabe darin besteht, die sofort zu ergreifenden Maßnahmen der Mächte zu prüfen.
Nach einem Sonderberichterstatter der Havas-Agen- tur wurde der Standpunkt vertreten, daß, um die Lage Oesterreichs normal zu gestalten, es notwendig fei, ein vollständiges Hikfsprogramm aufzustellen. Die Frage sei so gestellt, daß man Oesterreich emerfefts langfristige Kredite bewilligen müsse, daß aber auch andererseits Oesterreich Garantien geben muffe hinsichtlich der Verwaltung feiner Finanzen und der Reorganisation der öffentlichen Dienste. Rach dem „Temps" müsse man Oesterreich für das laufende Jahr einen Kredit non 80 Millionen Dollar gewahrten. Im ganzen handele es sich für fünf Jahre um einen Kredit von 2o0 Millionen Dollar.
Ter Papst übet Oesterreichs Not.
Der Papst hat an den Kardinal-Staatssekretär G aspari ein Schreiben gerichtet, in dem er die gegenwärtig so traurige und vollkommen unhaltbare Lage Oesterreichs beklagt, die dem österreichischen Volk die Möglichkeit nehme, sich die Mittel zum Lebensunterhalt zu schaffen und den Kardinal-Staats- sekretär auffordert, die Aufmerksamkeit der Diplomaten auf die schwerwiegende Tatsache zu lenken quelle zu wenden, die wohl nicht versagen würde, nicht jetzt schon versagen.
Und sie versagte nicht. Am Neujahrstage kam Jakob Rosatzki an, und nachdem er die ihn her führende Angelegenheit mit Lützenkirchen in dessen Zimmer erledigt, hatte er, von diesem hinausgeleitet, in der Wohnstube Gertrud erblickt.
Mit tiefem Bückling war er stehen geblieben. „Ach, die junge, gnädige Frau. Geb' mir die Ehre, Glück zu wünschen zum neuen Jahr und Gottes reichen Segen auf alles." Damit empfahl er sich.
Verwundert sah Gertrud ihm nach, und ihrem Manne sich zuwendend, gewahrte sie in desien Gesicht einen Ausdruck, der sie erblaffen ließ.
„Um Gottes willen, Franz, was ist Dir?"
Ihr Erschrecken brachte ihm die Beherrschung zurück. „Was soll mir sein, gab er ausweichend zur Antwort. Aengstlich sah sie ihn an. „Wer war der Mann? Und was wollte er von Dir?"
Ein stahlharter Blick zuckte aus Lützenkirchens Augen über sie hin. Dann lachte er bitter auf.
„ÜBas er wollte von mir? Geld hat er mir gebracht ... eine ganz nette Summe, pünktlich auf dem Neujahrstag."
Gertrud fragte nicht weiter. Aber eine nagende Sorge blieb in ihr. Verbarg er ihr etwas? War es feine Art, fo seltsam zu fein, so herrisch abweisend zuweilen?
Nach dem Mittagessen sagte sie:
„Sollten wir nicht Mama persönlich zu Neujahr beglückwünschen?"
Er blickte nicht von der Zeitung auf, die er zur Hand genommen hatte.
„Der Wagen steht Dir zur Verfügung, wenn Du fahren willst — ich bin verhindert."
„Nein, nein, bann lasten wir es, bis Du Zeit hast," gab sie rasch zurück.
Doch um wenige Tage später kam ein Bries von Frau Klara, der jede Absicht eines Besuches bei ihr gegenstandslos machte. In drängender Kürze teilte sie Gertrud mit, daß sie ihres leidcnben Zustandes wegen auf dringenden Rat des Arztes sich entschlossen habe, den Winter in einem milderen Klima zu verbringen, j
Reichsregierung wird es jedenfalls — davon können Sie überzeugt fein — auch ihrerseits an nichts fehlen lassen, um auf die Herbeiführung geordneter Verhältnisse in Oberschlesien hinzuwirken und eine ruhige Abstimmung zu sichern. Die Pflicht der abstimmungsberechtigten deutschen Bevölkerung ist es aber, auch ihrerseits zu helfen, die Absttmmung zu einem guten Ende zu führen. Wer die rechtzeitige Anmeldung unterläßt, verliert damit unwiederbringlich die Möglichkeit, später an der Abstimmung teilzunehmen, und es wirb ihn der schwere Vorwurf treffen, seine Heimat in ihrer Schick- salsstunde im Stich gelassen zu haben.
Grenzsperre.
Wie aus Kattowitz berichtet wird, steht nuumeh- fest, baß mehrere Kompanien englischer Soldaten ans dem westlichen besetzten Gebiet in den nächsten Tagen nach Oberschlefien abtransportieit werden, um die Grenze nach Polen sorgsam abzuschließen. Die Vorbereittrngein zur Durchführung der Grenzsperre sind bereits im Gange. Auf jeden, der unbefugt die Grenze überschreitet, wird geschaffen. Bekanntlich sollen auch italienische Truppen zur Verstärkung herangezogen werden.
FuldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.