Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
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Nr. 19.
Verantwortlich für den rrdokt. Teil: L V. Dr. Joh. Kramer tut uk zm.jciaen: <j- Parze > > er - Fulda. ::
iHmattonsürucl u. Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda emiptetner Nr. Ö. Telegr.-Adreiie: Fuldaer Zei! unq
Dienstag, 25* Januar 1921.
I Bezugspreis: Llonallich 3.00 Alt. ohne Zustellgebühr. In Fu.öa bei unsabgehoU 3,15 Alk. Anzeigenpreis: Die K leinze iie Toionelmah) 60 pfg., u. 10°i» Zuschlag, die Reklamezeile (lepbreitet 1.80 2ttf„ u. 10°-o Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
Tic Pariser Konferenz.
Wie in Spa so soll auch in Paris die Entwaffnung Deutschlands den ersten Gegenstand der Beratung bittren. Das kommt uns Deutschen etwas sonderbar vor. Denn b:e Begierde der Franzosen nach deutschem Geld und Gut iäß: sich eher begreifen, als ihre Furcht vor den wenigen Leuten, die in Deutschland noch in mangelhafter Bewaffnung umhergehen. Man wird den Verdacht nicht los, daß die S t a a t s m ä n - ner da drüben selber an die Kriegsgefährlichkeit des entwaffneten Deutschland überhaupt nicht glauben, son- bem die rad-kale Entwaffnung deshalb so scharf betreiben, um der öffent lichen Meinung ihres Landes ein Beruhigungspuiver zu geben. Doch ist es wohl möglich, daß auch Minister noch Angst vor den Resten der deutschen Flinten haben, denn wir sehen ja aus den amtlichen Aeußerungen über das „Wohlergehen" Deutschlands, daß man in Frankreich bis in die höchsten Kreise hinein über die wirklichen Zustände bei uns in heillosen Irrtümern tappt.
Wir würden ja gern den Franzosen den Gefallen tun, noch weiter zu entwaffnen, wenn wir nicht unbe- dmgt zur Sicherung von Ruhe und Ordnung im Lande (vorläufig auch noch zur Sicherung der öffentlichen Grenzmarken gegen die Polen) unbedingt eine ge- unsse Anzahl von wehrhaften Leuten notwendig hätten. Hoffentlich bestätigen sich die Nachrichten, daß man diesmal sich nicht nut heißer Leidenschaft auf die Entwaffnungsfragr stürzen, sondern wenigstens uns weitere Friste» iür die geforderte weitere Entwaffnung einräumen will, um jo über diesen ersten Punkt der Tagesordnung bald himrregzukommen.
Der Kernpunkt für die begonnene Konferenz ist und bleibt doch die Frage der Entschädigung. In dieser Hmsichr ist nach dem, was zur Zeit verlautet, wenigstens keine Verschlechterung der Lage eingetreten. Wenn in der französischen Presse erörtert wird, ob rncht am Ende unser Vertreter Bergmann zu der Pariser Konferenz hinzugezogen werden müsse, so bekundet das die wachsende Erkenntnis, daß man doch nicht ins Waus hinein einfach bifiieren könne, sondern die Leistungsfähigkeit Deutschlands erforschen und berücksichtigen müsse. Das gift zunächst für die 3 Milliarden Goldmark, die man als Johrestribut von Deutschland für die nächsten fünf Jahre haben möchte. Es ist schon viel wert, wenn man sich dieserhalb bei den deutschen Sachverstärrdigcn Aufklärung holt, — m welcher Form es auch geschehen mag. Dann wird man den gründlichen Beweis erhalten für das, was von unseren Vertretern bei jeder Gelegenheit ausgesprochen worden ist, daß die Leitung eines so riesigen Tributs überhaupt unmöglich ist. und daß auch für den Fall von überwiegenden Naturalleistungen der Gesamtwert von 3 Milliarden Goldmar? (40 Milliarden Pachermark) alljährlich nicht erreicht werden kann. Danach stehen die Herren vor der Alternative, entweder sich mit weniger zu begnügen oder gar nichts zu ernten.
Die Verständigung aus der mittleren Linie wird erleichtert werden, wenn die Leistungen in natura, d. h. m Waren und Arbeitshilfc, 'm den Vordergrund geschoben werden. Die Franzosen wollen allerdings lieber bares Geld haben: aber ihre Minister und Abgeordneten müssen doch schHeßlich erkennen, daß dis 'deutsche Notenpresse nicht einfach ungezählte Milliarden fabr- zieren farm, weil diese Geldscheine schließlich gar feinen Wert mehr haben würden. Herr Bergmann hat soeben sie noch darauf hmgewiesen, daß mit der weiteren Ent- Wertung der deutschen Mark mich der französische Frank weiter sinken würde. In der vF b e r f l u t u n g m i t Papiergeld würden beide Telle ertrinken, sowohl die französische wie die deuiiche Staats- und Volkswftt- schäft. Mel mehr und viel Besseres können ro’r leisten, wenn man Sachlieferungen annimmt zur gefälligen Gutschrift auf dem Schuidkonto rn anständiger Berechnung. Und sehr heilsam wäre es, wenn die Franzosen sich endlich entschlossen, deutsche Arbeiter zu dem Wiederaulbau :n Nordfrcmkreich heranznzieben. Das würde freilich den gelchssigen und ängstlichen Franzosen einige Ueberwindung kosten. Doch schließlich mülserr sie zu der Erkentnis kommen, daß cs ohne An-
Zalscher wert.
Roman von H. Abt 15) _ _--
Er drückte flüchtig ihre Hand. Das erwartungsvoll ihm zugewendete Gesicht schien er nicht zu sehen.
»Ja so, verzeih'. Unsere Festtage sind eben vorüber."
Gertruds Lippen zuckten, als er gegangen war. Warum nur hatte sie ihn belogen vorhin, oder doch wenigstens durch ihr Schweigen einer andern Lüge nicht widersprochen? Das der Mutter gegebene Versprechen hatte sie schweigen lassen . . . Vorwürfe gegen diese wollten sich in ihr regen. Kleine, erlaubte Ausschmückungen, als was die eiteln Vorspiegelungen der Mutter ihr immer dargestellt worden, nein . . . das war es doch nicht allein. Es mar Lüge! Und vor ihrem Gatten sollte nichts fein, dos nicht lauterste Klarheit und Ehrlichkeit war. Sobald sie die Mutier wiedersah, mußte diese sie von ihrem gegebenen Versprechen entbindn. Und inzwischen wollte sie eine vernünftige Frau sein, die nicht in gefühlvolle Wehleidigkeit versank, wenn sie es verspüren mußte, daß nitch bloß die Liebe, sondern auch das Leben mit seinen Pflichten und Anforderungen ein Recht auf ihren Gatten habe.
Mit gesenktem Kopf schritt Lützenkirchen über den Hof; seine Lippen waren fest aufeinander gepreßt . . . So war es denn wirklich wahr, was ihm unmöglich gedünkt! Sie war mitschuldig an diesem Betrug? Ihr Erröten, ihr scheues Abwenden von ihm hatten es verraten, daß sie selber üch der Schuld bewußt war.
Hinter den testgeschloffenen Sippen biß er die Zähne aufeinander. Er glaubte es wieder zu hören, das ihn um Nachsicht bittende, mütterliche Wort: „Sie liebt Sie —"
Sie liebte ihn — ja doch, ja doch — man mochte dergleichen wohl so nennen und was sie getan, um dieses Zweckes willen ... Sie hatte nichts Schlimmes dabei
Näherung und Verständigung überhaupt nicht geht, weil die beiden benachbarten Länder der NaNir nach aus ein wirtschaftliches Zusammenwirken angewiesen sind.
Die (Segenfeitigtctt in Gedeih und Verderb muß zur Richtlinie werben. Wir dürfen sagen, daß von unserer Seite alles mögliche geschehen ist, nm die Erkenntnis und die Wahrung der gemeinsamen Interessen zu fördern. Auch durch das grtmdsätzliche Eingehen auf den Vorschlag der fünfjährigen Probezeit. Sollten die Keime der Verständigung wieder erfrieren, so können wir wenigstens unsere Hände in Unschuld waschen.
Der Beginn der Verhandlungen.
Montag mittag nahm die Konferenz der Ententc- Mimster im Uhrensoal des Pariser Ministeriums des Aeußeren, demselben Saal, in dsm am 10. Ian. 1920 die RattftkationsurkuiÄren der Versailler „Friedens"- Lertrages ausgetaufcht wurden, ihren Anfang. Zuerst wurde die Frage der Entwaffnung Deutschlands diskutiert. Marschall Fach faßte die Feststellungen des Berichts des interalliierten militärischen Aussckmsies von Versailles vom 30. Dezember 1920 zusammen. Er setzte alsdann die augenblickliche Lage Deutschlands hinsichtlich der Truppen und der Entwafi- nung auseinander, lieber einzelne Punkte gab General Rollet Auskunft. In der Nachmittagsitzung setzte die Konferenz die Beratung der Entwaffungsfrage Deutschlands fort. Sie hat entschieden, daß die Sachverständigen für Heer, Marine und Luftschiffahrt sich Dienstag vormittag unter dem Vorsitz von Marschall Fach zusammenfinden sollen, um die Maßnahmen festzulegen, die durch Deutschland getroffen werden sollen, umdieoälligeAusführungderFriedens- oertragsklauseln betr. die (Entwaffnung durchzuführen. Die Sachverständigen sollen der Koirferenz alsdann berichten. In der Dienstag-Sitzung wird zunächst über die Lage m Oesterreich gesprochen. Alsdann wird in die Prüfung der griechischen und der Orientfrage eingetreten. — Zu der Ministerkonferenz schreibt der „Petit Parisien", m der Entwaffnungsfrage fei der Standpunkt Frankreichs, fcharfundkräftigauf- zu tret en, von allen Teilnehmern angenommen worden.
Refchsmmister Dr. Simons über die Snlfchädigungsfrage.
Im Hauptausfchuß des deutschen Reichstags gab Reichsmmifter Dr. Simons eine Erklärung ab über die Reparativnsfrage.
Er gab die ©rürtbe, die für ein Entgehen auf den Vorschlag einer Festsetzung von A n n u i löten für fünf Jahre maßgebend gewesen feien. „Auf die Festsetzung der Gesamtschuldsumme, die Deutschland nach dem Friedensoertrag bis zum 1. Mai dieses Jahres erwarten würde, werden wir nur verzichten können, wenn wir uns vorher mit den Gegnern über dir Erleichterungen der uns auferilegten Laste« verständigt haben weiden, über die wir in SS rüffel zu verhandeln begannen." Komme es nicht zu einer Verständigung über bte bekannten Voraussetzungen unserer Leistungsfähigkeit und über bk Methode der Leistungen, so müßte es bei der Festsetzung der Ge- samtschulh 3um 1. Mai fein Bewenden haben. Aus der andern Seite dürfte die Regierung nichts versäumen, was der 3ufamimenar6eit mit den bisherigen Gegnern zur ge- nie'msamen Wiederherstellung der europäischen Finanz- und Wirtschaftskraft dienlich sein könnte. Sie muffe ebenso wie ihre Gegner sich durckchringen lassen von dem Bewußtsein der Interessensokidaritöt.
Oberschlesten.
Für die Beförderung der im Reiche wohnenden abstimmungsberechtigten Oberschlesier, von denen sich bisher 216 000 gemeldet haben, welche Zahl sich noch erheblich vermehren dürste, find dir Vorbereitungen bis in alle Einzelheiten beendet. Nieder- und Mitteischlesien werden etwa 200 Sonderzüge aus dem übrigen Deutschland passieren, dazu kommen 8 0 2 odr Verzüge für die Abstimmungsberechtigten selbst. Für jedes Bedürfnis, auch das der gebrechlichen Personen, ist gesorgt. Sämtliche schlesische Eisenbahnstationen werden als Versor- gungs- und ärztliche Etappenorte eingerichtet. In
gefunden! Nur daß er im Leben nur eines wirklich als Eemeinheft anerkannte ... die Lüge.
Sich abfinden mit seinem grausamen Irrtum, das galt's jetzt vor allem. Und dafür war's ganz förderlich, daß andere Sorge noch auf ihn eindrang und er wohl aller gegenstemmender Kraft bedürfen würde, um nicht auch da ein Zusammenbrechen zu erleiden.
Kaum, daß er in den nächstfolgenden Tagen die Mahlzellen in Gesellschaft seiner Frau einnahm, dann eilte er wieder in die Wirtschaft oder fuhr über Land. Die Abendstunden verbrachte er rechnend auf seinem Zimmer.
»Hast Du immer so viel zu tun?" fragte Gertrud, ihre wachsende Beklommenheit unter einem wehen Lächeln verbergend.
„Fürs erste wohl,," gab er zurück. „Durch die Reife ist allerlei nachzuholen. An ein wenig Langeweile wirst du dich wohl gewöhnen müssen."
So waren zwei Wochen vergangen. Den Kopf in die Hand gestützt, saß Lützenkirchen in seinem Zimmer am Schreibtisch. Es war spät in der Nacht, und in dem aufgeschlagenen Rechnungsbuch vor ihm kannte er sämtliche Ziffern des „Soll und Haben" auswendig. Dennoch säumte er, vor sich hinbrütend, den Tag zu be. schließen, zur Ruhe zu gehen. Zur Ruhe in dem Zimmer, in dem seine Frau, seiner wartend, wachte . . . wartend, daß er kam sich zu ihr beugte mit einem Kuß ihr „Gute Nacht" zu wünschen.
Sie fragte nicht mehr wie in den ersten Tagen: „Was ist Dir? Hast Du so viel zu tun?" — Aber ihr ganzes Wesen war eine stumme, bange, bittende Frage.
Und morgen war Weihnachtsabend und acht Tage später Neujahr und dann . . .
Seine Blicke schweiften finster an den Wänden umher, als seien sie Kerkergitter. Was sollte er beginnen? Wo einen Ausweg finden? In acht Tagen war die gekündigte Hypothek fällig, sollte er dreißigtausend Mark
Breslau, dem Hauptdurchgongsort für die Abstirn- mmigsfahrt, stehen sämtliche Schulen und Säle, ferne jede verfügbare Gelegenheit zu Masfenquartieren zur Verfügung.
Jlaliener zur Grenzbewachnng.
Nach einer Meldung der Vosfrschen Zeitung ans Breslau werden in den nächsten Tagen in Oberschlesien 5000 Italiener zur Grenzbewachung gegen Polen eintreffen.
Der Entwurf des Wehrgesetzes.
Dem Reichstag ist jetzt die Wehrgefetzvorlage zuae- gannen, nachdem sie vom Reichsrat erledigt und auch vom Reichskabinett nochmals genehmigt worden ist. Die Vorlaae bat auch der militärischen Kontrollkommission der Entente Vorgelegen.
Die Vorlage setzt den Umfang von Heer und Flotte wie folgt fest:
Im Reichsheer werden aufgestellt: 21 Infanterie-Regimenter zu je 3 Bataillonen und je eine Minenwerferkompanie, 18 Reiterregimenter zu je 4 Eskadronen, 7 selbständige Eskadronen, 7 Arlillerie-Regr- menter zu je 3 Abteilungen, 3 selbständige 'Artillerie- Abteilungen, 7 Pionier-Bataillone, 7 Nachrichten-Abteilungen, 7 Kraftfahr-Avteilungen, 7 Fahr-Abteilungen, 7 Sanitäts-Abteilungen.
Hieraus werden 2 Gruppenkommandos, 7 Divisionen und 3 Reiter-Divisionen gebildet.
Die Reichsmarine besteht aus den Marineteilen zur See und am Lande. Die Flotte wird gebildet aus 6 Linienschiffen, 6 kleinen Kreuzern, 12 Zerstörern und 12 Torpedobooten.
Während der Dienstzeit erhalten die Soldaten eine Beamtenausbrldung. § 22 lautet: „Jeder Angehörige der Wehrmacht kann nach Maßgabe seiner Fähigkeiten und Leistungen zudenhöchstenStellengelangen." Offiziere sollen sich auf 25 Jahre verpflichten. Zur Verheiratung bedürfen die oolbaten der Genehmigung, die in der Regel nicht vor Vollendung des 27. Lebensjahres erteilt werden soll. Innerhalb des Dienstbereiches sollen die Angehörigen der Wehrmacht sich politisch nicht betätigen.
Deutscher Reichstag.
In feiner Montag-Sitzung befaßte sich der Reichstag mit der Fortsetzung der Vesprrchunfl der Interpellation betreffend die Aufnahme der diplomatischen und wirtschafttiche-n Beziehungen zu Rußland. Das Thema übte keine Anziehungskraft mehr aus. Das Haus ist fast ganz leer und die Ausführungen der Redner gehen in den Bahnen desien, was schon am Freitag zu dem Thema gesagt worden ist. Der Abg. L.emmnlß von der Dsuffchen Volkspartei belebt dir Stimmung mit einigen humoristischen Bildern, indem er darlegt, daß der Bolschewismus Rußlands einzigster Exportartikel sei, rooraa wir vorläufig keinen weiteren Bedarf hätten, im Gegenteil wir sogar bereit wären, bei ihnen unsere Kommunisten als Gegenleistung einzuführen. Abg. Golheln von den Demokraten steht der Ausnahme der Beziehungen zu Rußland auch sehr skeptisch gegenüber. Klara Zetkin von den Kommunisten matt in glühenden Farben ein Bild von der Produktionskraft Rußlands. Ihre Ausführungen waren zu lang, um auf die Dauer auch mir noch die geringste Aufmerksamkeit des Hauses zu erzielen. Vergleicht man die Ausführungen der Abg. Zetkin mit benen des Außenministers, so kommt man zu dem Schluß, daß nur die Verra nnthsit in kommunistische Ideale es der Abg. Zetkin ermöglichen kann, die Dinge in Rußland so zu scheu, wie sie sie sicht. Wir sind von der Produksionsfülle in Rußland nicht überzeugt, eher vom Gegenteil. Wir haben ferner feinen Grund, ihrer Aufforderung, die diplo- matffchm Beziehungen zu Rußland sofort und ohne weiteres wieder aufzunehmen, Folge zu leisten. (Eine Politik des Fanatismus kann Deutschland nur schaden. Sodann ergriff der Abg. Breitscheidt (U. S. P.) das Wort, der i*en Zetkinschen Ausführungen sonderbarer Weise scharf entgegentrat und sie auf em richtigeres Maß zmiickzuführen suchte. Damit erreichte die Russendebatte ihr Ende.
Zum EtatderIustizverwaltung liegt ein An- trag Radbruch (Soz.) vor, der sofortige und viertel- jährsiche Uebersichten über die vor dem Reichsgericht schwebenden bezw. erledigten Fälle von Kriegsverbrechen verlangt; ferner einen Gesetzentwurf zur Ausführung der Artikel 109 bezw. 128 der Reichsoerfassung mbezug auf die Justiz fordert und Gewährung von Vergütungen der Referendare von den Landesregierungen erheischt. Mit dem Etat wird gleichzeitig die Interpellation der Kommu-
bezahlen! Dreißigtausend — die ihm zugesagte Mitgift, an die er geglaubt, mit der er gerechnet, wie er mit ge- gebenern Worte zu rechnen gewohnt war. Wäre er wenigstens mit dem ihm vorgespiegelten Betrug nicht hin. gehalten worden, bis es zu spät war, sich herauszuwinden. Hätte er wenigstens eine längere Frist gehabt. Aber wo sollte er in ein paar Wochen auf sein stark be. lastetes Gut ein solches Darlehn auf treiben? Sollte er gezwungen sein, jetzt bas zu tun, was er in all den er. sten, schwersten Jahren, da er oft nur mit verzweifelten Mühen seinen Verpflichtungen gerecht zu werden vermochte, stets stolz von sich gewiesen hatte — Wucherhilfe suchen . . .?
In oller Frühe des nächsten Morgens ritt er über Land. Zeitig mußte er aufbrechen, um zeitig wieder heimzukeHren — zum Weihnachtsabend. Daheim rüstete -Gertrud alles zum Feste. Stillglückliche Erwartung war in ihr, vor der das schmerzliche Bedauern nicht stand- hielt, daß ihre Mutter, die sie seit jenem einen Besuch noch nicht wiedergesehen, es abgelehnt hatte, diesen ersten Weihnachtsabend gemeinsam mit ihren Kindern zu »rieben.
Der Abend war bereits hereingebrochen, als Lützenkirchen heimkehrte, voll Hast und Eile fast die Worte überstürzend, die er zu seiner Frau sprach.
„Ich Hobe mich verspätet. Hast Du alles zugerichtet? Laß uns zunächst den Leuten bescheren und bann zu Abend essen, ich bin ganz ausgehungert."
Sie hatte sich's weihevoller, feierlicher gedacht, ihr erstes Weihnachten im eigenen Heim. Doch ihre Feier zu zweien kam wohl noch — später.
Still war sie nach dem Abendessen aufgestanden, hatte das alte Klavier geöffnet und mit ihrer klaren Stimme ein Weihnochtslied zu singen begonnen.
Vor sich niederblickend faß Lützenkirchen da, bis sie endete. Dann {prang er auf.
„Jawohl, wir wollen Weihnachten feiern und dazu einen Weihnachlspunfch uns brauen!"
(Fortsetzung folgt)
nisten wegen des Amnestiegejetzes verbunden. Abg. Rem- mele (Komm.) begründet die Interpellation und weist darauf hin, daß die Justiz die Amnestieeriasse zum Teil gor nicht beachte. Die Führer des Kapp-Putfches sollen nicht unter das Amnestiegesetz fallen. Als der Redner bei Er- örterunfl eines Falles die Justiz schmutzig nennt, ruft Vizepräsident Bell ihn zur Ordnung. Ein zweiter Ordnungsruf wird ihm zuteil, als er in Beantwortung von Zurufen erklärt, die Justiz sei schamlos. Abg. Adolf Hoffmann be» antwortet den seinem Parteifreund zudiktierten zweiten Ordnungsruf mit dem Zuruf: Deshalb bleibt die Justiz doch schamlos. Er erhält dafür ebenfalls einen Ordnungsruf. Remmele fortfahrend: Wie steht es mit der Aburteilung der Kriegsverbrecher? Das Gericht hat hier ausgerechnet Drei Arbeiter, frühere Unteroffiziere, heransge- griffen und abgeurteilt. Aber man fucht nur bei den Arbeitern, bei den Kommunisten nach Hochverrat, nicht bei der Reaktion. Aber fahren Sie nur so fort. Sie sorgen selbst dafür, daß die Arbeiterschaft sich selbst ihr Recht suchen wird.
Dienstag: Anfragen, Aenderungen der Geschäftsordnung, Genehmigung zur Strafverfolgung Erzbergers. Fort, fetzung der Etaisberatung, kleinere Vorlagen.
Deutsches Ueich.
* Berlin, 25. Ion. Der Hauptausschuß des Reichs tages begann die Beratung des Haushalts des A u s w ä r t i g e n A m t e s. — Der Ausschußdes Reichstags für auswärtige Angelegenheiten hat am Montag die am Samstag unterbrochene Beratung fortgesetzt. Dem Ausschuß ist eine Sammlung von Aktenstücken über die Verhandlungen auf der Konferenz in Brüssel vom 1. bis 22. Dezember 1920 zugegangen. — Der Staatsanzeiger veröffentlicht das Gesetz über die Bereitstellung von Mitteln zur Austresierung des Dienste^nkommens derPfarrerder evangelischen Landeskirche und von entsprechenden Mitteln für die katholischen Pfarrer.
* Dieder eine sozialistischc Mehrheit gebrochen. Bei den Wahlen zum lippischen Landtag wurden abgegeben: Für die Deutschnationalen 17 600 (bei den Reichstagswahlen 18 000), für die Deutsche Volks- Partei 15 200 (18000), für die Demokraten 8800 (8600), für den Gewerkschaftsbund 4400, für die Mehr- hsitsfozialisten 25 400 (23 000), für die Unabhängigen 2400 (6000), für die Kommunisten 3400 (—). Nach diesem Ergebnis ist die bisher im lippischen Landtag bestehende sozialistische Mehrhe t gebrochen. Ban 21 Abgeordneten entfallen auf Sozialdemokraten 7, Demokraten 2, Deutschnationalen 6, Volkspartei 4, Gewerkschaftsliste 1, Kommunisten 1. Dir Unabhängigen gehen ohne Mandat aus. Ein Mandat steht noch aus, da die Ergebnisse der brieflichen Wahl, die zum ersten Mal in Deutschland in Lippe eingeführt ist, erst bekanntgegeben werden. Das Zentrum, das im Freistaat Lippe nur schwach vertreten ist, hatte mit den Demokraten ein Wahlabkommen getroffen, wodurch die Wählerschaft der Demokraten etwas angewachsen ist.
Kurland.
* profcfiorcnfittif in Oesterreich. Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." aus Wien hat der Verband der österreichischen Mittelfchulprosessoren an die Regierung ein bis zum 31. Januar befristetes Ultimatum gerichtet, in-dem die Gleichstellung der Miftelschulpro- fessoren mit den anderen Staatsbeamten gefordert wird. Bei Ablehnung des Ultimatums soll vom 1. Februar ab in sämtlichen Mitlelfchulen Oesterreichs der Unterricht eingestellt werden. Auch die städtischen Angestellten haben unter neuerlicher Streikandrohung die sofortig Durchführung einer Gehaltsregulierung ge- forirert.
** Das spanische Ministerium Dato ist zu rück' getreten. Ursachen des Rücktritts ist eine Lohnbewegung der Finanzbeamten. In den letzten drei Aahren hat die Regierung Spaniens ein dutzend- mal gewechselt, und seit dem Sturze des liberalen Kabinetts des Ententefreundes Grafen Romanones im April 1919 ist Herr Dato bereits der fünfte Ministerpräsident, der sich an der Aufgabe versucht hat, die inneren Zustände Spaniens zu entwirren.
** Die friedliche Sowjetrepublik. Eine amtliche Kundgebung der Moskauer Regierung tritt den in Westeuropa verbreiteten Gerüchten von russischen Angriffsabfichten für das nächste Frühjahr entgegen. Sie entbehrten jeder Grundlage. Die Ausstreuungen seien nur der Deckmantel für neue Verchwörungen und Pläne einer internationalen Gegenrevolution. Die ganze Politik Sowjetrußlands sei von dem Wunsche nach Frieden und friedlicher Arbeit durchdrungen.
= Die Griechen in Kleinasien haben sich eine Schlappe geholt. Die Truppen von Mustafa Kemal Pascha haben dem griechischen Heer bei Eskeshehire eine schwere Niederlage beigebracht; man spricht von 2000 Toten und Verwundeten.
** Unruhen in Indien. Nach einer Reuter- melbung aus Delhi ist es in den bereinigten Provinzen und in Bibar zu Unruhen gekommen. Bisher konnte die Ordnung mühelos aufrechterhallen bleiben- _____________
Aus Kirche unö Schule.
4« Aus Sachsen. Zum neuen apostolischen Vikar von Sachsen ist Prälat Skala in Bautzen ernannt worden.
aus dem Nachbargelmr.
iCF N«chof. Das Privatperson en suhr- mit Poftf i» und Personenbeförderung Neu Hof- Heu b a c jor her Rhön wird vom 1. Februar an aufgehoben. An seine Stelle tritt aus der Strecke N-"tboftOberkaIbach täglich eine (Sitterpoft, die im allgerari'wn nur der Postfachenbeförderung dient. Tie Beförderung ro» Personen mit dieser Post tst widerruflich nur tn beschränktem Maße gestattet. Auf der Strecke Oberkalbach-Heub?ck> über Altrichs-