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SamStag, 22. Januar 1921.

- Fuldaer Heilung

*2* Druck der Fuldaer Leticudruckerei in 8«ld»

Sie war doch nicht ganz und gar eine wahnwitzige

praktische Einführung in die soziale Arbeit erhalten.

Prospekte versendet aus Wunsch (unter Beifügung Portos) die Geschäftsstelle der sozialen Frauenschule katholischen Frauenbundes Deutschlands. Berlin W. Winterfeidtstraße 5.

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Die

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be- des

Zalscher Wert

Roman von S). Abt.

Kein Baluia-Opttimismus.

Die M a r k ft e i g tEs wird gut sein, wenn daran nicht allzu große Hoffnungen knüpfen.

tete war doch nrcht ganz uno gar rate wahnwitzige Franz Lützenkirchen mit seinem Weibe den Einzug in Tonn gewesen. Erwas m ihm war gewesen, das ihrem 1 sein Haus. 6 d

fünfzehn Jahren innerhalb des Lammerbezirks wählbar gewesen sind.

Zu den in den Wahlbezirken gewählten Kammermst- gliedern treten in jeder Kammer auf je volle zehn Mit­glieder ein weiteres Mitglied durch Zuwahl hinzu hier­von wählt die Kammer: ein Drittel aus der Zahl der im Kammerbezirk tätigen Landfrauen, gegebenenfalls nach Anhörung der dort vorhandenen Landorganisatio­nen: ein Drittel nach Anhörung der im Kammerbezirke vorhandenen Organisationen der landwirtschaftl. B e- triebsb eamtrn und der landwirtschaftlichen Fach-

Mark ist schon oft gestiegen und ebenso oft wieder ge­fallen Eie wird das auch in Zukunft tun, d. h. Hefti- gen Schwankungen ausgcsetzi sein, roenigftens so lange, bis es gelungen ist, das europäische Geldwesen wieder gesund zu madjen.

j Der Notenumlauf in Deutschland hat 89 Milliarden Mark erreicht. Er 'st weder in banktechnischem Sinne gedeckt, noch entspricht seine Höhe irgendwie der Er­zeugungskraft der deutschen Wirtschaft. Diese künstliche Geldschöpfung muß notwendig zur Entwertung des Geldes führen. Stuf dem inneren Markt kommt das in der sogenannten Steigerung aller Preise zum Aus- druck, auf den ausländischen Märkten in der niedr'gen Schätzung der Mark, die sich in den Wechselkursen wiederspiegelt Es ist klar, daß eine dauernde 'Besse­rung der Wechselkurse ebensowenig möglich ist, wie ein Preisabbau tm Innern, so lange eben so viel Geldzei­chen auf dem Markt schwimmen. Geldzeichen sind kein Ding an sich, sondern von der Warenerzeugung und sodann von den. Umtaufprozeß der Waren ab­hängig. Den Wert des Geldes stellen immer nur die Waren oder wirtschaftlichen Güter dar, für die das Geld dann di; Rolle des Tauschmittels spielt. Der Wert der Geldzeichen kann also auch nicht zwangsweise geschaffen werden. Wohl ist es möglich, den Geld­zeichen Zwangs kurvzu verleihen, d. h. den Einzelnen zur Annahme zu verpflichten, aber man kann nicht an­ordnen, daß so und so Dici Ware für eine bestimmte Menge Geldzeichen geliefert werden muß, daran ist auch die Rutsche Höchstpreiopclstik gescheitert, da sich die Ware aus dem gewöhnlichen Umlausprozeß in den Schleichhandel flüchtete.

Erinnern wir uns, daß im Auslande erhebliche Be­träge deutscher Rei be mark auf gestapelt sind. Es tut nichts zur Sache, ob diese Aufstapelung aus Waren­lieferungen ober aus Kapitalverschiebungen stammt. Je­denfalls find nach der Antwort der deutschen Reg'erung auf die 31 Brüsseler Frage etwa 25 bis 30 Mil­liarden Papier mark im Auslande vor­handen. Sie werden täglich in größeren oder in ge­ringeren Mengen angeboten. " Besteht keine Nachfrage, so muß das auf die Wechselkurse drücken. Steigt aber die Nachfrage, so tritt eine Besserung der Kurse ein. Wenn also ein Ring ausländischer oder auch inländischer Spekulanten an Auslandsbörsen deutsche Markbeträge aufkauft, steigt der Markkurs sofort. Dieser Aufkauf kann verschiedene Ursachen ha- ben. Es ist noch immer möglich, auf deutschen Märk­ten große Warenmengen zu kaufen, mehr sagar, als das Ausland aufzunehmen gewillt ist. Der Ausländer, der in Deutschland kaufen w'll, handelt wirtschaftlich vorteilhaft, sich Markbeträge zu sichern. Das kann er im Auslande besser, als in Deutschland. Der Tiefstand der Wechselkurse wirkt also f ö r d e r nd auf die Aus­fuhr. Steigen dann infolge der Nachfrage nach Mark d>e Kurs-, so :ft die Folge, daß Deutschland, weil sein Geld mehr wert geworden ist im Ausland billiger kau­fen kann. Da ober unser Ciirfuhrbedürfnis größer ist. als unsere Slusfuhrmöglichkeit es fein kann, wird bald so viel deutsches Geld dafür ins Ausland strömen, daß es rrti der Maste wieder weniger wert fein wird. So muß sich bald eine rückläufae 'Bewegung der deut­schen Wechselkrrrie einstellen Das zeigt.'daß nicht'nur die Ordmmg des Geldwesen? die Wechselkurse entschei­dend beeinflußt, sondern auch der Außenhandel.

WeserMain-Berbindirikg.

Wie wir bereits kurz mitteilten, haben die vereinigten Hardttskamennn Frankfurt-Hanau auf den 19 d Mts im Sitzmmsfaafe ihrer Hauptgeschäftsstelle Frankfurt a'M' eine Befpr-chuno wegen der Main-Meserverbindung an- beraumt. Bon -er Handelskammer Fulda nahmen teil d:e Herren C. Arnü, Direktor Dux und der Geschäftsführer

lehrer aus deren Reihen, ein Drittel aus der Zahl der Vorsteher der landwirtschaftl. Genossenschafts­verbünde oder sonstiger um die Landwirtschaft sonders verdienter Persönlichkeiten Kammerbezirkes.

Hoffen Grund und Ursache gab. Und warum nun der Schlag, der sie vernichtete?

Als müße sie hier die Antwort finden, so starrte sie empor zu Anton Weibrechts Hochzeitsgeschenk, das noch nicht nach Lützenburg gebracht worden war. Und plötz­lich war es ihr, als steige neben dem weißen Marmor- Haupt ein anderer Kopf empor, atmend, lebend __ ein

holdseliges Gesicht, unschuldig und jung . . . jung!

Frau Klara taumelte zurück, als sei ein Blitzstrahl | vor ihr niedergefahren, so war ihr jäh die Erkenntnis | aufgeflammt . . .

Warum? Darum . . . darum I"

Ihre Hände hatten ein paar Photographien emvor- gerisien, ihre funkelnden Augen starrten daraus nieder. Da sah sie es: die reife, überreife Schönheit und die holde Jugend!

Mit einem krampfhaften Auflachen, das mehr wie ein Schluchzen klang, schleuderte Frau Klara die Bilder zu Boden.

Rach einer wilden Nacht hatte sie sich Ruhe erzwun­gen. Das Uebermaß der in ihr tobenden Enttäuschung hatte sie stumpf gemacht. Und wie nun ihre Gedanken von ihr selbst hinweg zu Lützenkirchen gingen,, zu bet von ihm erwarteten Mitgift, da zuckte sie kalt die Sch ck- tern. Er würde sich abfinden muffen damit, so wie sie sich abfinden mußte.

An Gertrud denken wollte sie nicht. Und wenn sie sich auch sagen mußte, daß ihr anklagender Groll sich ge. gen eine völlig Unschuldige richte, so vermochte sie es wohl, ihn damit danieder zu halten, ihn aber nicht völlig zu ersttcken.

Bier Wochen später kehrte das neuvermählte Paar aus Italien zurück. Aus dem Kranze verschneiter Lin­den leuchieten ihnen die Lichter von Lützenburg entge­gen. Freundlich wegweisende Sterne, die die Ankom­menden zu grüßen schienen.

Die Schar der Gutsleute hi»lt es weniger schweigend mit ihrem Willkomm. Schüße knallten, Trompeten schmetterten, Absprachen wurden gehalten, und unter Hurrarufen und Musik hielt zwi'chen den türbekränzten Tannengewinden hindurch über gestreutes Grün hinwez

Don Frau Klara war mit einem Bukett eine Karte I gekommen des Inhalts:

Segen Eurem Eingang! Ich kann leider nicht per. fönlich Cure Ankunft vorbereiten, da ich durch Unwohl­sein an das Haus gefeffett bin. Ihr seht wohl bald nach ®urer treuen Mutter."

... Ann in Arm schritten sie durch die Stuben. I überall geöffnete Türen, brennende Lichter, trauliche I Wärme. Wohl war auf Frau Klaras Veranlassung teure. Neumöblierung der Wohnräume erfolgt, aber im ! Geheimen hatte Lützenkirchen doch allerlei Ergänzungen und Ausbesserungen vorgenammen, die nun unauffällig stch bem alten Rahmen einfügten und doch nicht mehr ein abgenütztes, sondem nur ein anheimelnd gemütli­ches Bild gaben. Im saalart'gen Besuchszimmer schim­merte in weißer Marmorschöne der Genius des Frie­dens.Unser Schutzgeist." sagte Lützenkirchen, die an seinen Arm geschmiegte fester umfastend.

Llm Nacbmittan des folgenden Tages fuhren sie nach der Stadt. Frau Mengers zu begrüßen. Er hätte Ger- truds Bitte darum nicht erst bedurft, die sich durch der Mutter Unwohlsein geängstigt fühlte auch Lützen'ir- chen lag daran. Frau Klara zu sehen. Die Hochzeits­reise hatte sich um eine Wcche länger ausgedehnt, als beabsichtigt gewesen und als es der Fall hätte fein dür­fen. Nun drängte allerlei zu Erledigendes auf ihn ein.

Frau Klara kam ihnen mit ausgebreiteten Armen ent­gegen, aber ihre Bewegungen waren matt, ihre Stimme leise und angegriffen, und sie bat um Verzeihung we­gen des bequemen Morgenkleides, das ihr Befinden ihr ausnötigte.

Es wurde hauptsächlich von der Reise gesprochen: Gerttud bemühte sich mit zärtlicher Sorgfalt um die Mutter, und während sie einmal ins Nebenzimmer eilte, um da etwas zu deren größerer Bequemlichkeit zu holen' sagte Frau Mengers halblaut zu ihrem Schwiegersohn:

Sie kommen wohl morgen allein zu mir.*

Er nickte. Don Geschäften mar nicht die Rede.

Als er am nächsten Tage wieder bei Frau Klara erschien, empnng ihn diese im halho-rdun ketten Zimmer, auf der Chaiselongue liegend, in Decken gehüllt.

Ich fühle mich besonder, leidend heute.* sagte sie noch kurzer Begrüßung:aber da unsere Unterredung keine» Aufschub mehr duldet und zudem im engen Zu-

Das Gesetz Über die

Landwirtschaftskammerrr.

ImReichsanzeiger* wird nunmehr das Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über die Landwirtschaftskam­mern vom 30. Juni 1891 verkündet.

Die Mitglieder der Landwirtschaftskammern werden in unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Wahl­berechtigt ist ohne Unterschied des Geschlechts jeder Deutsche, der das zwanzigste Lebensjahr vol- lendet hat, die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt und seit mindestens einem Jahr entweder

1. als Eigentümer, Nutznießer oder Pächter land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke in Preußen die Landwirtschaft im Hauptberuf ausübt; als Haupt­beruf gilt die Betätigung, auf der hauptsächlich die Le- bensstellung beruht und die gleichzeitig die Hauptein- nahmequelle für den Lebensunterhalt bildet, oder

2. als Eigentümer, Nutznießer ober Pächter land- unb forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke in Preußen die Landwirtschaft im Nebenberuf ausübt, wenn dies nicht überwiegend zur Befriedigung des eigenen haus- wirtschaftlichen Bedürfnisses geschieht.

Den Eigentümern, Nutznießern und Pächtern stehen die tm landwirtschaftlichen Berufe mitiätigen Ehegatten dieser Personen gleich.

Auch Personen unter zwanzig Jahren vsb juristi­schen Personen steht das Wahlrecht zu, wenn sie die Dor- aussetzungen des Abs. 1 erfüllen; sie üben ebenso wie Personen, die abgesehen von ihrem Lebensalter, ge­schäftsunfähig ober in ber Geschäftsfähigkeit beschränkt sinb, ihr Wahlrecht durch einen gesetzlichen Vertreter aus.

Dom Wahlrecht ausgeschlosten sind Personen, über deren Vermögen ber Konkurs eröffnet ist. ober deren Grundstücke der Zwangsversteigerung ober Zwangsver­waltung unterliegen.

Wählbar sind alle Personen, die das aktive Wahl­recht haben, die bas 25. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens einem Jahre ununterbrochen im Kam. merbezirk wohnen, sowie ehemalige Eigentümer,, Nutz- nießer ober Pächter land- ober forstwirtschaftlich genutz­ter Grundstücke, die während eines Zeitraumes von

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Sie müssen heute abend Zu mir kommen. Sie müs- sen! Sie sind es mir schuldig! Sie hoben mich an ihre "Freundschaft glauben lasten und Freundschaft hat Pflich­ten. Sie mästen kommen!* . . . Und wie ein ungestümes Schreien fast:Denken Sie nicht daran, wie verlasten ich bin?!*

Er sah sie an, verwundert, ungläubig, und schüttelte langscm den Kopf.

Verlassen ... da Ihre Tochter mit Herrn Lützen- knchen auf Lützenburg verheiratet ist . . . Ich vermag es nicht. Sie nochmals in Ihrer Wohnung aufzusuchen. Leben Sie wohl, Frau Mengers.*

. Fünfundzwanzig Pfennig das Meter . . . fünfundzwanzig Pfennig . . . fünf . . . und . . . zwanzig."

W>» oft schon hatte sie es sich wiederholt, wie lange schon stand sie hier, vor sich hinmurmelnd, mit eiskalten Lippen und leerem jiirn? Niederstarrend auf den Hau- fen bunter Seidenbänder hinter dem kleinen Schau- fenfter, auf den daraus liegenden Ztttel . . .

Gelegenheitskauf . . . sünsundzwanzig Pfennig das Meter . . . fünfundzwanzig . . . billig ... wer da was brauchte . . .*

Mit beiden Händen fuhr sie nach der Stirn. War si- oaran, den Verstand zu verlieren, hier, auf diesem Flecke, der sie nicht losließ, auf dem sie festgewurzelt schien, seit . . . feit?

Heim . . . Heim!

Die Menschen fohen ihr nach, wie sie die Straße da- yinstürmie.

Und nun war sie daheim. Aus einem Sessel zusam- mengefauert, starrte sie zu Boden. Ihr roar es. als sehe sie Scherben. Ihr goldener Becher . . . irdener Trug, zerbrochen, zersplittert!

lind warum . . . warum? Ja, da war's. Diese Frage, auf die sie nicht Antwort sand, die sie wieder em. portrieb, rastlos umher durch die Stuben.

Sine «ene Prüfungsordnung für Wohl- fshrtspflegerinnen.

RpfKeTeS Persönlichkeiten geltend machtt, ab- helfen. Die ersten Gründungen gingen denn auch von Personen au- die in der praktischen sozialen Arbeit stan- den ihre Bed'ürfnisse kannten und die bet ber Einrichtung ihrer ersten meist einjährigen Kurse wohl nicht daran Achten eine neue Art von Fachschulen ins Leben gerufen jtu haben. Ws aber die staatliche und kommunale Wohl- frärtsfüriorge zunahm, als die Zahl ber auf dem sozialen ©ebiet beruflich Arbeitenden und bie Zahl ber Ausbil- imnasstötten wuchs, erschien es manchen Kreisen wün­schenswert, eine staatliche Regelung ber Vorbildung anzu- ftreben und nach langen Verhandlungen kam denn auch im September 1918 eine Prüfungsordnung zustande, die, aus einem Kompromiß zwischen ber Medizinalabteilung utb dem Kultusministerium entstanden, niemmtb befrie­digte, da sie einseitig die Gesundheitsfürsorge und deren Bedürfnisse berücksichtigte.

Dem gegenüber betonte besonders bie Konferenz ber sozialen Frauenschulen bie Wichtigkeit ber sozialpädago­gischen und sozialwirischaftüchen Fürsorge und verlangte deren stärkere Berücksichtigung im Lehrplan und in ber Prüfung.

' Die neue Prüfungsordnung vorn 22. Oktober 1920 an­erkennt die Berechtigung dieser Forderung und stellt Iugendwohlfahrtspflege und allgemeine und wirtschaftliche s Fürsorge als gleichwertige und gleichwichtige soziale Sir. betisgebieie neben bie Gesundheitsfürsorge, ohne jedoch , dadurch eine chernatisisvenbe Dreiteilung durchführen zu wollen.

Erfreulich ist die weitgehende Berücksichtigung der Lehr, ckräfte ber Schulen, denen durch die neue Prüfungsordnung ein erhöhter Einfluß auf ben Verlauf ber Prüfung ein- geräumt und denen vor allen Dingen das Urteil über 'die Bewährung der Schülerinnen in ber praktischen Ar­beit, von dem die Zulassung zum Examen abhängt, über­lasten wird. Dornst fällt bie in ber Prüfungsordnung ,von 1918 geforderte praktische Prüfung, bie von zweifel- t Haftern Werte war unb deshalb besonders stark ange­griffen war.

Neu ist die Zulassung von Dolksschülsrinnen Äs voll­berechtigten Schüler und Schülerinnen nach Ablegung einer schulwifsenfchastlichen Vorprüfung, neu auch bie Dreiteilung der rejaarten Sozialarbeit in Gesundheitsfürsorge Jugend- Wohlfahrtspflege und allgemeine und wirtschaftliche Für­sorge, sowie die stärkere Berücksichtigung ber bafür wich­tigen Gebiete in ber Ausbildungszeit. Hier liegt auch die bedeutsame Verbesserung gegenüber der Prüfungsord­nung von 1918, da nicht mehr zwei ganz verschiedenartige Vorprüfungen verlangt werden (pflegerisches unb päba» Logisches Examen), sondern bie fachliche Berufsschulung von dem gewählten Hauptfach, bezw. bem späteren Ar­beitsgebiet ans bestimmt wird. Auch hier ist man groß­zügig Dorgegangen und hat neben den verschiedenen Aus­bildungsarten mit nachfolgender Abschlußprüfung auch bie praktische Berufsarbeit als Berufsvorbereitung voll ge­wertet. Die Fülle ber Vorbereitungsmöglichkeiten für die einzelnen Hauptgebiete wirkt fast verwirrend. Als De- rufsftfjulung für die Gesundheitsfürsorge wird mit Recht die, staatliche Prüfung als Kranken- ober Säuglingspsle- gerin verlangt. Für bie übrigen Gebiete der Sozialarbeit verzichtet die neue Prüfung zu der von 1918 ganz aus die pflegerische Ausbildung. Für bas Hauptfach Jugend- Wohlfahrtspflege wird irgend ein pädagogisches Examen oder ber Besuch ber Frauenschule in den Formen B 1 ober B 2 ober ber Besuch einer einjährigen Frauenschule mit nachfolgender einjähriger Berufstätigkeit in ber Wohl­fahrtspflege ober breijährige erfolgreiche Tätigkeit in ber Wohlfahrtspflege verlangt. Außerordentlich westherzig sind di« Zvlaffungsbest-immungen für das Hauptfach Allge­meine und Wirtschaftliche Fürsorge; denn außer all den Borbereitungsmöglichkeiten der 2. Gruppe gelten auch der Besuch einer wirtschaftlichen Frauenschule, die Ab­legung eines Gewerbeexamens. der Besuch einer Han- dÄsschnle unb einjährige Berufstätigkeit oder vierjährige Berufstätigkeit, gleichwohl welcher Art als fachliche Be- rufsschulung.

Di« Ausbildungszeit in der Wohlfahrtsschule wird mit Rücksicht auf die Gründlichkeit der Ausbildung sund die stetig wachsenden Anforderungen der Wohlfahrts- i pflege auf zwei Jahre verlängert. Diese Verlängerung der eigentlichen Fachausbildung und bie Verkürzung der vorbereitenden Berufsschulung sind im Interesse einer ver- i tieften sozialen Allgemeinbildung und Fachausbildung unbedingt zu begrüßen. In ber Prüfung, bie in bie Prü­fung in den allgemeinen Fächern der Wohlfahrtspflege und in die Prüfung in ben Hauptfächern z-rlällt, muß in Letzterem ein umfassendes unb vertieftes Willen nach- . gewiesen werden; und zwar gelten als .Hauptfächer für bas Gebiet ber G-simdheitsfürforge soziale Gestmdhefts- > lehre und soziale Gesundheitsfürsorge, für bie sozialpäda- Logische Arbeit Jugendpflege, Jugendfürsorge. Kleinkinder- und Schulkinderfürsorge, für das sozialwirtschaftliche Gebiet endlich Sozialpolitik, Wirtschaftsfürsorge, Arbeiis- und Be­ruf sfragen.

Bei entsprechender Vorbildung kann das Examen auch m mehreren Hauptfächern abgelegt werden, doch so, daß die Prüfung für das zweite Hauptfach erst ein halbes Jahr I

später gemacht werden tarnt Die Zulassung zur Prüfung ist an kein Mindestalter gebunden. Die staatliche Aner- tennung als Wohlfahrtspflegerin, bie nach einem Jahr aus­gesprochen werden tonn, wird aber der Bewerberin erst mit dem vollendeten 24. Jahre erteilt

Durch diese Bestimmung soll natürlich ein früherer Ein­tritt in bie Berufsarbeit nicht verhindert, sondern nur das Einrückern allzu junger Kräfte in die Kreisfürsorge oder in andere leitenbe Stellen, bie eine größere Reife des Charakters und längere praktische Bewährung in der So- ziakarbest erfordern, verhütet werden.

Die neue Prüfungsordnung bildet den Abschluß einer längeren Entwicklung unb ist damit ber Niederschlag einer mehrjährigen Erfahrung. Sie nimmt klug Rücksicht auf die Bedürfnisse ber Zeit und ist möglichst großzügig in ihren Ausnahmebestimmungen, um möglichst weiten Krei­sen ben (Antritt in die WohlfahrtsschrÄe zugängig zu machen. Ob freilich bie Dolksschülerinnen dem Unterricht folgen unb ben an sie gestellten Anforberungen voll ge­recht werden können, muß erst die Zukunft lehren. Je- denfalls aber bedeutet die Prüfungsordnung einen gewal- tigen Fortschritt.

So haben wir denn allen Grund, uns über den Erlaß zu freuen. Es ist eine Klärung eingetreten in der Frage ber Aufnahmebedingungen und in der Teilung in soziale Allgemeinbildung und soziale Fachausbildung, und die in Aussicht gestellten Richtlinien über den Lehrstoff in ben einzelnen Fächern werden wohl auch eine größere Ver­einheitlichung ber bis jetzt noch recht verschrienen Lehr- plane der einzelnen Schulen herbeiführen .

Was nun die Anftelüungsaussichten der Wohlfahrtspflegerinnen betrifft, so ist auf dem Gebiete be^ Gesundheitsfürsorge bie Nachfrage nach voll ausgebilbeten Kräften größer als das Angebot. Durch das zu erwar­tende Iugenbwohlsahrtsgesetz unb die Einrichtung von Pflegeämtern werden auch sozial-pädagogisch geschulte Kräfte in größerem Umfange als bisher erforderlich fein. Wie die Verhältnisse liegen, kann jungen Mädchen zur Wahl des sozialen Berufes geraten werden, und es wäre sehr wünschenswert, daß mehr Katholikinnen als bis­her sich diesen Berufen zmvendeten. Wichtig ist aber, daß sie fast auf dem Boden ihrer Weltanschauung stehen, und fest begründet sind in ihren katholischen Grundsätzen. Eine K" Erziehung und Ausbildung im Sinne der katho- Lehensaufsasiung und Lebensbewertung wird aber am sichersten gewährleistet durch unsere katholischen Frauen, schulen; es gibt deren zwei staatlich anerkannte in Aachen unb Berlin, unb katholische Eltern sollten diese aus ka- cholischer Grundlage aufgebauten Schulen bei ber Wahl ber Ausbilbungsstätte für ihre Töchter in erster Linie berücksichtigen, zumal diese Schulen dieselben Vorteile bieten wie bie interkonfessionellen; Berlin empfiehlt sich besonders als soziale Ausbildungsstätte durch zahlreiche großzügig organisierte, gut geleitete städtische unb private Woksifahriseinrichtungen, an denen bie Schülerinnen ihre

2)r. SSBegmar, der Magistrat war durch die Herren Forst» merster Emmelhainz und Stabtbaurat Eberlein vertreten.

2)ie große Bedeutung einer Verbindung der Weser mit dem Main unb durch ben Main-Donau-Kanal mit der 2on<su steht wohl außer Frage, insbesondere bie Wichtig­keit eines Groß-Schissahrtsweges von Oesterreich-Ungarn und ben Lalkanländern mit ben deutschen Seehäfen, Hamburg, Bremen, Lübeck als Gegengewicht gegen ben Verkehr von ber Donau nach bem Rhein, be- in ber Aus­fuhr hauptsächlich ben ausländischen Rhein .Höfen Airt- werpen unb Rotterdam zugute kommt. Bekannt ist ja wohl ber Plan des Werra- Mainkanoles, ber von dem Werra-Kanolverein geförbert wird und namentlich In den Thüringischen Staaten Unterstützung findet. Diese Was- serstraße geht von der Weser, die für Fahrzeuge mittlerer Größe bereits kanalisiert ist und für die Großschiffahrt verbessert werden soll, von Hannover'sch-Münden aus, zieht burd) bas Tal ber Weser, durch bas Tal der Itz und erreicht den Main nördlich von Bamberg, wo ber Anschluß an den Drmau-Main-Kanal stattfindet. Eine andere Ver­bindung zwischen Weser und Main liegt etwas westlicher, sie steigt von H-amtovsr'sch-Münden in dem Tal ber Fulda herauf und erreicht den Main bei Hanau.

Während ber Werra-Jtz-Kanal fast ausschließlich aus den Verkehr mit der Donau eingestellt ist, berücksichtigt der Fulda -Kinzig.Kanal gleichzeitig noch eine Reihe von anderen Verkehrsanschlüssen, nämlich euerseits den Obevrhein. den Neckar, ben Mittelrhein oberhalb Koblenz und bie Mosel; andererseits bie Seehäfen Hanrburg, Bre­men und Lübeck unb ferner über ben Mittellandkanal die Elbe, bie Oder unb bie Wasserstraßen bei Berlin. Der Kanal stellt also nicht nur eine Norb-Südoerbindung, son­dern auch eine Diagonolwasserstraße durch ganz Deutschland bar. An sich könnten ja die bei­den Linien Werra-Itz und Fulda-Kinzig neben einander bestehen, allein durch eine Abzweigung von Schlüchtern südöstlich durch bas Tal der Sinn nach Gemünden a. M wird eine direkte wesentlich kürzere Mmn-Deser-Donau- verbindung hergestellt.

Diese Verbindung hat allerdings jetzt erst Bedeutung gewonnen, da der groß« Umweg über die Ochsenfurter Mainschleife, ber in ben früheren Plänen des Main- Donau-Kanales bestand, durch die Abkürzung burd) dar Werratal beseitigt wurde.

Der Weser-Fulda-Kinzig-Mainkanal einschließlich bei Abzweigung hat eine Länge von 259 Km. gegenüber 279 Km. des Wera-Jtz-Kanales; bie Scheitelhaltung liegt auf 4- 272 N. N. und hat einen sechs Kilometer tanger Tunnel, während bie Scheitelhöhe bes Werra-Itzkanale- auf 310 N. N. liegt und die Tunnellänge dort 9 Kilo­meter beträgt. Die Wasserfuhrungsoerhältnisie find ir beiden Fällen annähernd gleich. Desgleichen spielt die Was fertraftgeminnung für keine ber beiden Linien-Führunger eine besondere Rolle. In technischer Beziehung besteher also zwischen den beiden Linien keine großen UnterschiSbe Dagegen sind in wirtschaftlicher Hinsicht auf Seiten be« Fulda-Kinzig-Kanales wesentliche Vorteile zu verzeichnen Nicht nur Oberfranken und bas Nürnberger Wirtschafts gebiet werden an bie Weser-Donau-Straße angeschlossen auch noch ganz Unterfranken mit Schweinfurt, Ditzingen Marktbreit, Ochsenfurt, Würzburg, Karlstadt und das ba­dische, hessische und preußische Hinterland mit den Städte« Mainz, Höchst, Frankfurt a. M., Offenbach. Hanau, Wies baden werden an diese Wasserstraße angeschlossen. Ins besondere bie letztgenannten Städte können wohl nicht qm dem Umweg über Bamberg noch ber Weser verwiese! werden, da dieser Umweg zwischen Hanau und Hon- nver'sch-Münden nicht weniger als 286 Km. betraget würde, zudem mutz man sich stets vor Augen halten, das bie Weser z. Zt. der einzige deutsche Strom mit deutsche, Nordseemündung ist,'do ja ber Rhein unter interalliierte, Kontrolle steht.

Der Werra-Itzkanol berührt hauptsächlich die Wirt­schaftsgebiete Koburg, Meiningen und mittelst eines Sri» tenkanoles. bas von Eisenach, wo sich allein große In- bustrie-Anstedlungen befinden. Holz und Kali sind b« Hauptausführung sortikel. Der Fulda-Kinzig-, bezw. Fulda-Sinn-Mainkanol, weist außer Hanau noch die m dustriellen Orte Gelnhausen, Fulda, Melsungen, Kassel auf Anher Holz und Basalten bilden besonders Braunkohler und Kaki bie Hanptoerkehrsprodukte.

Daß auch die norddeutschen Hansastädte warm eine Verbindung ber Nordsee und Ostsee mit bem Mair eintreten, ist klar. Für Fulda ist die Linienführung durck das Fulda- und Kinzig- bezw. Sinntal von großer wirt­schaftlicher Dcdeirtmig. Es sei nur auf die Rrichhaliigkeit an Basalt und Braunkohlen unb bes Kali-Reichtums ir ber Fuldaer Gegend unb auf die große Bedeutung bei Holzverfrachtung hinaewiesen. Frankreich hat nach ben verlorenen Krieg 1870/71 sofort mit allem Eifer der Ausbau des Kanalnetzes gefördert, in richtiger Erkennt nis, daß nur auf diese Weise ein wirtschaftlicher Aus schwung möglich ist.

Gerade bei dem Bau von Kanälen finben eine ganz» Reihe von erwerbslosen Bauhandwerkerr Beschäftiguna. hier also kann praktische, produktive Er werbslosen-Fürsorge getrieben werden. In erster Linii aber ist es erforderlich, daß bie Wasserkräfte ausgebaut werden, um so die Finanzierung zu sichern.

vermischtes.

* Ein Dieb im Teppich ciitgcnäfjt- Bei eine» Kölner Familie erschien an einem der letzten Abend,

sammenhang mit meinem Befinden steht, so wollen wir so schnell als möglich zur Sache kommen.* Sie fuhr sich über bie Stirn und sagte mit scheuer Hast:

Ich muß Ihnen bie für mich furchtbare Eröffnung machen, baß ich meinen Ihnen gegenüber eingegangenen Verpflichtungen nicht nachkommen kann . . .*

Unb als fürchte sie schon, baß er aufspringen könnte unb sie packen, so duckte sie sich tief in die Kissen hinein.

Aber Franz Lützenkirchen saß ruhig auf seinem Stuhle. Nur sein Kopf hatte sich steif aufgereckt unb seine Stimme klang kalt unb energisch.

Ich bitte, baß Sie sich verständlicher ausdrücken wol- len!*

Es war, als ringe sie eine Weile nach Kraft und Mut. Endlich sagte sie tonlos:

..Ich vermag es nicht. Ihnen bie vereinbarte Mitgift ouszuzahlen. Eine Verkettung unglückseliger Umftänbc . . . macht es mir vollkommen unmöglich . . .*

Lützenkirchen gab nicht sofort Antwort. Aufstehend ging er mit schweren wuchtigen Schritten hin zum Fen. fter unb schob bie (Borbtnen zurück.

Welche nnglück'eligen Umstände waren das?*

Er stand aufrecht Frau Klara gegenüber, sein Ge­sichtsausdruck war hart und starr.

Sie stöhnte auf.Verluste, unsolide Papiere . . Ich bin eine arme Frau . . . eine kleine Leibrente ist alles, was mir geblieben ist . . .

Und . . . all bas Unglück hat sich ereignet . . . nach meiner Verheiratung mit Ihrer Tochter?*

Ich wußte es vordem nicht so . .*

Sie stotterte, suchte nach Worten; Lützenkirchens un­heimliche Ruhe wirkte beäniftigenber auf sie, als wenn er in wilder Heftigkeit getobt hatte.

Ich hoffte, glaubte o, wie felsenfest glaubte ich'.*

Er war noch einen Schritt näher an sie herangetrc. ten, stand hart an dem Ruhebett.

Also . . . betrogen . . .!*

Mit ber schmetternden Wucht der Verachtung fiel da. Wort auf sie herab. Unb der Schlag traf. Frau Men- gers richtete sich aus ben Kissen empor und streckte bi* gefalteten Hände gegen Lützenkirchen aus.

(Fortsetzung folgt.)