Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadi Fulda.
Bonnerstag, 20. Januar 1921
48. Zahrg
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Bezugspreis; Lionmlich 3,Uv ziU. ogne <juiteugeDui)t. jn yu.Oo bei unsabgetjoil3,15 ZRu ’llnjeigeapreis; DieKieinzetle tloioneimab) 60 J5|g., u. 10°ie Zujchlag, die Retlamezeile (lenhrettet 1.80 Ulk., u. 10°-o Zuschlag. Bei Wiederboi. Rabatt.
tierunttooaiitt) tüi den itoauwneUen Teti: Kari Schütte. - <ü: dir Anzeigen: I. Parze« ier-Fuida. n
Rorationsürnä u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ernipiecber Nr. 9. Telegr.-Adrefse: Fuldaer Zeitung
Französische Unterdrückungspläne.
Der neue französische Minister für die „befreiten Gebiete", Lauch eur, äußerte sich Pressevertretern gegenüber über die Fragen der deutschen Entschädigung. Er führte aus, Deutschland wolle seinen Konkurs anmelden. Er sei der Ansicht, daß man das nicht erst abwarten solle. Die Entente solle die Zwangsoerwaltung in Deutschland übernehmen. Die deutschen Steuern, Post- und Eisenbahngebühren usw. würden von Frankreich und seinen Genossen diktiert, die gesamte Finanzwirtschaft in die Hände der Sieger genommen werden.
Das klingt ganz erschrecklich; aber diese Granate krepiert nicht. Die Drohu:tg ist ein Blindgänger. Ihre Undurchführbarkeit ergibt sich sofort bei näherem Zusehen.
Die Entente hat schon allenfalls so viel Truppen und Beamte zur Verfügung, daß sie das Ruhrgebiet (wenigstens zum großen Teil) besehen oder auch einen Vorstoß in Bayern hinein machen kann. Ob sie freilich bei dem Eindringen in das Ruhrgebiet die gewünschten Kohlenmengen erhält, das hängt nicht von ihren Streitkräften ab, sondern vielmehr von der Haltung unserer Bergleute. Wenn die den Frondienst in den Zechen nicht leisten wollen, so müßten die Eindringlinge zunächst eine außerordentlich große Truppenmasse zur Sicherung der Betriebe aufbringen und dann auch noch zur Ausbeutung der Gruben unzählige Bergleute aus Frankreich und England herüberholen und verpflegen.
So wäre es schon ungeheuer schwierig, zeitraubend und kostspielig, diesen verhältnismäßig kleinen Teil Deutschlands in Zwangsverwaltung zu nehmen. Welch ein Kräfteaufgebot wäre aber erforderlich, wenn diese Fremdherrschaft auf ganz Deutschland erstreckt werden sollte?
Man muß doch damit rechnen, daß das deutsche Volk mit Einschluß seiner Beamtenschaft zum passiven Widerstand sich entschließen werde. Zum aktiven Widerstand haben wir freilich nicht die Kraft mehr, aber wenn man ims zur Verzweiflung treibt, dann können und werden wir in fatalistischer Ergebenheit die Hände in den Schoß legen und sagen: „Macht, was ihr wollt, wir tun in keiner Weise mit!"
Wenn die Eroberer bis Berlin vordringen, so können sie allenfalls auf dem beschlagnahmten Akten- lapier Steuergesetze aufschreiben und durch das '«ergewaltigte Gesetzblatt veröffentlichen lassen. Aber per beforgt die Lieranlagung, die Zustellung an die Steuerpflichtigen und die Eintreibung der fälligen Gelder? Wenn kein Deutscher bei der Arbeit hilft, und die große Mehrzahl es auf die Zrvangseintreibung an- ßommen läßt, dann müßten ausländische Beamte aller Rangklassen bis zum simpelsten Botendienst herunter zu Dutzenden von Mllionen aus dem Auslande her- Lbergeholt und in Deutschland dauernd eingestellt werden. Das geht nicht, weil die Herrschaften nicht so viel Hilfskräfte mobil machen können, wie zur Erhaltung des Betriebes in allen deutschen Gemeinden not- wendig wären. Auch das verstümmelte Deutschland hat noch anderthalb mal so viel Einwohner, wie Frankreich. Es ist also nach ollen Regeln der Rechenkunst einfach unmgölich, neben jeden streikenden Deutschen einen fremden Sklavenvogt zu stellen.
Was der Pariser Minister androht, würde in Deutschland einen General st reikderVerzweif- l u n g Hervorrufen. Was wolltte nun die ftemdländi- sche Regierung machen, wenn die gesamte Bürgerschaft in einen politischen Generalstreik tritt, der außer den wirtschaftlichen Betrieben auch die ganze Verwaltung in Reich, Staat und Gemeinden zum Stillstand bringt?
Allzu schatf macht schartig. Dmch überspannte Drohungen lasten wir uns nicht bange machen, sondern sehen erst zu, ob hinter den grimmigen Worten auch die Kraft zur Durchführung steckt.
falscher wert.
Roman von H. Abt.
12) -----------
Frau Klara blieb auf ihrem Platze sitzen, nachdem er sich von ihr verabschiedet. Ihre Augen waren geschlos- fen Ah . . . nicht viele solcher Minuten, sie griffen an! Jener Augenblick, da sie lächelnd gefragt: .
Wollen wir die Hochzeit auf vier Wochen hinausschie- ven?" ... und dann ihre letzte Frage: „Also vier Wochen nach der Hochzeit?" Das waren Schachzüge gewesen, schwer, als lenke sie eine eiserne Last. Aber ihr Zug war geglückt ... sie hatte das Spiel gewonnen!
Ihre Hand legte sich wieder um die Brieftasche und schob sie in den Schreibtisch zurück. Was sie da erspart — vielleicht kam das noch einmal einer andern Lebenstage zugute!
7.
Mann und Frau — durch das Gesetz gebunden, vor Gott einander angelobt!
Die beiden, denen es galt, fanden, Laß dey Tag, der fi« so rereinigt. .keiner fei, um ihn unter ausgelassener Lust mit anderen zu leben Hand in Hand stand das junge Paar und feierte in großem, heiligem Schweigen fein erstes Miteinander. . . . Mann und Frau!
Nur ein kleines Mahl wurde im engsten Kreise eingenommen. Während des Speisens kam eine große Kiste an, für „Fräulein Gertrud Mengers". Der Absender war nicht genannt. Auf grau Klaras Drängen ward geöffnet. Eine sorgsame Verpackung und aus 'hr kam «in herrliches Kunstwerk zutage. Eine weiße Marmorstatue. den Genius des Friedens darstellend. Zwischen den Blättern des Ölzweiges, den die eine Hand emporhielt, steckte eine Sorte.
Ein gestochener Name - Dr. Anton Weibrecht. Und darunter handschriftlich em einziges Wart — Glück!"
Mit gefalteten Händen stand Gertrud davor
,D wie schön, wie wunderschön!"
„Seid ihr so befreundet, daß er Dir solch kostbares Beschenk machen kann?" fragte Lützenkirchen.
Die Enschädignngssnmrne.
Bekanntlich gehen in der Fortführung der Konferenz in Brüssel Verhandlungen m Paris ovr- aus, die lediglich zwischen deutschen und französischen Vertretern geführt werben. Als Grundlage für dre Pariser Verhandlungen sollen die Vorschläge des französischen Unterstaalssekretärs Soydoux genommen werden. Dessen Vorschläge lausen im wesentlichen auf den schon mitgeteilten Plan hinaus, daß zunächst einmal für fünf Jahre ein bestimmter Betrag vereinbart wird, der durch Warenlieferungen oder sonstige Leistungen. nicht aber dmch Geld abzubürden wäre Soydoux hat die Höhe der jährlichen Raten mit drei Milliarden Eoldmark oorgeschlagen.
Es verlautet, die Re chsregierung fei bereit, unter der Voraussetzung einer Verständigung über das Schicksal Oberschlesiens, das deutsche Eigentum im Auslande, d'e Kosten der Besatzung, die Freiheit des Handels und Rückgabe der Schiffe, sich gegenüber den englisch-französischen Plan nicht gänzlich abweisend zu verhalten, wobei aber daran festzuhalten sei, daß drei Milliarden Goldmark iährlcher Zahlung eine Summe darstellen, die unerschwinglich ist. lieber die Höhe der Jahreszahlungen sei erst noch zu verhandeln; zunächst müsse erst die Festststellung der faktischen Leistungsfähigkeit Deutschlands abgemartet werden.
Aus der Einwilligung m die Festlegung der Jahresraten für die Dauer von 5 Jahren darf wohl nicht der Schluß gezogen werden, daß Deutschland mit der Aufschiebung der Verhandlungen über d'e endgültige Summe feiner Verpflichtungen bis zum Ablauf der 5 Jahre zu warten gewillt ist.
(In dem gestrigen Leitartikel fft am Ende der ersten Spalte bei der Umrechnung der 3 Milliarden ©oP'mart in Papiermark statt „rund 140 Papiermilliarden" richtig zu lesen „rund 4 0 Papiermilliarde n.")
Eine deutsche Rheinschiffswerst für Frankreich?
Nachdem durch den kürzlich ergangenen Schiedsspruch Frankreich 253 000 Tonnen Schiffsraum an Rheinkähnen und Schleppdampfern, sowie alle Einrichtungen, Docks und Löschanlagen der deutschen Binnenschiffahrt in Rotterdam zugesprochen worden sind, hat der französische Minister der öffentlichen Arbesten die Ueberlassung der bekannten Meiderichschen Werft in Ruhrort an Frankreich gefordert. Für diese Forderung besteht kein Anhalt im Friedensvertrage.
Die Brüsseler fragen.
In Brüste! ist der deutschen Regierung ein Fragebogen mit 41 Fragen überreicht worden, die sich durchweg mit der finanziellen und wirtschaftlichen Sage des Reick)es befassen. Ser Zweck ist klar: die Sachverständigen des Verbandes m Brüssel wollen eine Darstellung der deutschen Regierung, da nur diese über das Material verfügt, das ein Urteil ermöglicht. Es gibt zwar auch Agenten des Verbandes, die Material über die wirffchastliche und finanzielle Lage Deutschlands sammeln, um es den Regierungen in London und Paris zu übermitteln. Aber dies war und ist einseitig gefärbt, da es den Agenten mcht auf die Tatsachen selbst 'ankam. Besonders die französische Presse hat viel unwahres und lächerliches über die deutschen Finanzen geschrieben. Wenn der „Matin" z. B recht hätte, dann müßte Deutschland heute im Reichtum seiner Milliarden ertrinken. Es sollt aber dem Verband garnicht ein, auch nur eine einzige Mill-on in deutscher Papiermark in Zahlung zu nehmen. Jndesien die öffentliche Meinung, welche die Dinge nicht zu beurteilen vermag, oder nicht richtig b-mrteilen will, gefällt sich in der Vorstellung, daß die Milliarden, welche die Halbjahres-Abschlüsse der deutschen Banken und Jndustriegesellschaffen aufweisen, greifbare Goldmark feien. Und diese öffentliche Meinung versteht nicht, nxtntm der Verband da nicht ’ugreift
Die 11 Fragen und ihre Antworten können deshalb dazu beitraaen, falsche Auffostunoen und Voraussetzungen zu zerstreuen: sie können, aber sie müllen es nicht Die 41 Fragen sind in erster Lime zum Gebrauch der
Gertrud sah ihn ein wenig betroffen an. Sie hatte nur die Schönheit des Werkes, nicht besten Kostbarkeit erkannt.
„Er kam öfters zu uns . . . ich war ihm gut."
„Er ist ein treuer Freund unseres Hauses," beeilte sich Frau Klara zu sagen. „Und er nahm lebhaften Anteil an Gertruds Verlobung. Nur mußte er gerade tags darauf verreisen. Ein wenig Sonderling, bei besten Reichtum übrigens dieser Kostenpunkt nicht so schwer ins Gewicht fällt."
Anton Weibrechts Hochzeitsgeschenk für Gertrud Mengers war erledigt. Draußen pfiff der Novemberwind, wirbelten die ersten Schneeflocken. Im Kupee des dahinsausenden Zuges, aneinander geschmiegt saß das junge Paar und eilte dem Reiche der Sonne, dem Lande des ewigen Frühlings entgegen — dem Süden zu!
Bei den Resten der Hochzeitstafel, vor Anton Weibrechts kostbarem Geschenk stand Frau Klara. Hier die Antwort auf ihren Bries, fein erstes Lebenszeichen wieder .. . am Tage der Hochzeit! Und bald, bald würde er selber kommen. Bold hatte sie das Z>el erreicht! Ihre ganze Gestalt schnellte empor, ihr Atem ging rascher.' Das Ziel . . .!"
Und wartend verbrachte sie die Tage. Eine Woche war dahingegangen. Da, Weibrecht war zurückgekehrt. Sie hatte es erfahren, hatte all die Tage nichts anderes getan, als heimlich nach ihm zu kundschaften. Aber warum kam er nicht, warum eilte er nicht als erster zu ihr? Wartete er, daß sie ihn rief?
Sie schrieb ihm eine Karte, sprach ihren mütterlichen Dank aus für sein herrliches Geschenk, erwähnte, daß das junge Paar auf Reisen sei, und bat ihn, sich ihrer Einsamkeit zu erbarmen.
Und zwei weit-re Tage saß sie und roarfefe . . . hatte sich gerüstet, sich schön gemacht für Anton Weibrecht (fr kam nicht. Sie ertrug das Warten nicht länger. Um die Mittagszeit kleidete sie sich zum Ausgehen an, suchte die Straße auf, in der das Gasthaus lag. wo er feine Mahlzeiten zu nehmen gewohnt war. Indem sie de« Eingang des Speisesaales stets im Auge behielt, schritt sie auf der gegenüberliegenden Seit- vor den Läden
Sachverständigen bestimmt. Es ist wenig wahrscheinlich, daß die französischen Zeitungen die deutschen Antworten abdrucken. Und daraus kommt es für uns in erster Linie an. Wir haben keine Ursache, irgend etwas zu verbergen. Aber wir müssen auf der unteren Seite so v'el guten Willen verlangen, die Dinge ausschtieß- lich so zu sehen, wie sie in Wirklichkeit sind. Aus den beutfdjen Antworten geht hervor, daß die steuerliche Belastung in Deutschland d e Grenzen des Erträglichen erreicht hat Sie geht bei den direkten Steuern soweit, daß neue Kapitalbildung aufs Aeußerste erschwert wird. Kap tal bedeutet Erzeugung! mittel, welche zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft schlechthin unentbehr- lich sind. Die Finanzlage des Reiches fft jedenfalls weit ungünstiger als d'e Frankreichs. Aber die französische Presse gerät außer sich, weil im französischen Haushaltsplan die Ausgaben die Einnahmen um 16 Milliarden Franken übersteigen. Sie verlangt deshalb von Deutschland Ersatz, obschon der deutsche Haushalt für 1920-21 mit einem Fehlbetrag von rund 7 5 Milliarden rechnet.
Overschlefien.
Zur Abstimmung.
Von interalliierter Seite wird mifnefefTt, daß eine Verlängerung der Fristen, die im Ab- ftimmungSreglement vorgesehen sind, nicht zu erwarten ist. Das vorliegende Abstimmunosreole. ment, so wird erklärt, ist unabänderlich, Ebenso ist es unzutreffend, daß die Abstimmung am 13. März statt finden soll. Der Botschajterrat in Paris wird den Termin festsetzen.
pro'esk gegen die Abstimmnngsoorschriflen.
Die deutsche Regierung hat gegen die von der interalliierten Kommission in Oppeln erlassenen Vorschriften für die Abstimmung in Oberschlesien bei der Botschasterkonferenz und den Regierungen in Paris. London und Rom eingehend begründeten Einspruch erhoben.
In der Note wich zunächst darauf hingewiesen, daß die unter dem 30. Dezember 1920 erlassenen Vorschriften dem deutschen Bevollmächtigten in Oppeln erst am 4. Januar 1921 übergeben worden sind. Diese Vorschriften seien erlaflen worden, ohne daß über ihren Inhalt mit dem deutschen Bevollinächtiofen in Oppeln oder einer der in Oberschlesien vorhandenen Organisationen der Deuffch- lamd zuneigenden Abstimmungsberechtigten in Verbindung getreten wäre. , Auch der vom interalliierten Ausschuß : f 'nehmbfte paritätische Beirat sei wider Erwarten bei der Ausstellung der Abstimmungsvorschristen nicht beteiligt worden, während nach zuverlässigen Mitteilungen den Polen Gelegenheit gegeben worden sei, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen.
Die Note hebt hervor, daß die Abstimmunasvorschris- ten einmal unmittelbare Verletzungen des Frie- den svertrags enthalten, sodann Bestimmungen, die sich als unbillig einseitig gegen dm deutschen Teil der Stimmberechtigten darstellen und endlich solche, die technisch undurchführbar sind. In Anlagen wird eine Zusamenstellung der deutschen Forderungen zu dm einzelnen Artikeln der Abstimmungsvorschriften nebst einer Denkschrift überreicht, in der die wesentlichsten gegen di« Abstimmungsrorschriften zu erhebenden Anstände dargelegt werdm. Verletzungen des Friedensvertraas zum Nächtest der deutschen Interessen erblickt die deutsche Re- Oieninxi darin, daß die Mehren Gutsbezirke nicht als selbständige Wahlbezirke anerkannt werdm und daß den Gemeinden Haatsch, Owschütz und Sandau im Kreise Ra- tibor die Abstimmungsberechtigung versagt wird. Eine weitere Verletzung des Vettnmes würde es bedeuten, wenn ohne Zustimmung der beterliatm Mächte verschiedene Wahltage festgesetzt werden sollten, da hierdurch die nach dem Friedensvertrag zu fordernde Einheitlichkeit des Wahlaktes beseitigt werden würde. Dem Grundsatz der Billigkeit und dem Geist des Friedensvertrags widerspricht
1. die Vorschrift, wonach diasmigen Personen, die auf Grund ihres Wohnsitzes zur Abstimmung berufen sind, nur dann stimmberechtigt sein sollen, wenn sie mindestms seit dem 1. Januar 1904 im Abstimmungsgebiet rmunterbrotben mahnen. Diese Bestimmung bem"nftiat
hin und her. Sie war entschloffen . . . traf sie ihn nicht, so suchte sie ihn in seiner Wohnung auf.
Doch er kam. Gesenkten Hauptes trat er aus dem Wirtshaus heraus und schritt die Straße hinab.
Ein paar hundert Schritte ging sie, von ihm unbemerkt, hinter ihm drein. Sie wußte, wann er die Straße überschreiten mußte, würden sie von ungefähr sich begegnen.
Anton Weibrecht bog über den Damm. Und jetzt hob sich sein beharrlich gesenkter Blick, und er wurde ihrer gewahr. Seine Augen sahen sie groß an, fast schien es, als wolle sein Fuß sich wenden — da stand Frau Klara schon vor ihm, beide Hände ihm entgegen- gestreckt, das Gesicht strahlend in Wiedersehensfreude.
„Ah . . . endlich!. Der Zufall meint es besser mit mir, besser als Sie selber, Sie treuloser Freund!"
Er murmelte etwas Unverständliches, berührte flüchtig ihre Hand und schwieg.
Sie fühlte, wie das Blut ihr bis zum Halse herauf- schlug. Ihre Augen suchten in ihn hineinzudringen, und sie gewahrte dabei, daß sein Gesicht noch hagerer, noch fahler geworden war als vordem. Aengstliche Besorgnis klang aus ihrem Ton.
„Mir scheint, Sie sehen ein wenig angegriffen aus, lieber Freund. Waren Sie krank?"
Er wandte den Kopf vor ihrem Blick zur Seite. „Ich war nicht krank. Ich habe viel zu tun. Heute nachmittag wird der Verkauf der Fabrik abgeschloffen und . . . . . . morgen ziehe ich fort von hier."
Stürzt die Erde ein unter ihr? . . . Sie hatte seinen Arm gepackt.
„Fort . . .?*
Die Lippen vermochten es nicht zu stammeln, aber aus ihren entsetzten Auaen schrie es ihm entgegen.
Weibrecht schien nichts von ihrer furchtbaren Aufregung zu bemerken. Don ihr hinwegdrängend, sagte et: ,Zch darf mich keinen Augenblick versäumen, leben Sie wohl!"
Sie hatte die Sprache, die Kraft wiedergefunden, eine wilde, verzweifelte Kraft, die rücksichtslos sich zu be- IjaunteM lucht.
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offensichtlich die Polen und benachteiligt viele Zehntausende von Deutschen.
2. Di« Vorschrift über die Eintragung in die Stimmlisten. Die Voraussetzungen, an di« hier die Eintragung der in Oberschlesien geborenen, aber außerhalb wohnenden Stimmberechtigten und der in Oberschlesien wohnenden, aber außerhalb geborenen Stimmberechtigten geknüpft wird, können kaum anders gefaßt sein, wenn man es darauf abgesehen hätte, einen Teil der Stimmberechtigten von der Abstimmung a u s z u s ch l i e ß e n.
3. Die für di« verschiedenen Dorbereitungsarbeiten zur Volksabstimmung vorgesehenen F r i st e n, die völlig unzureichend sind.
4. Die Vorschrift, daß alle Beamten von jeder Mii- wirkung an den zu bildenden Abstimmungsbehörden aus- geschlosien werden. Sie ist ausschließlich gegen die deutschen Interessen gerichtet.
5. Die Strafbestimmungen.
Die Note schließt: Die deutsche Regierung kann di« „Vorschriften für die Abstimmung" nicht als Grundlage für die Volksabstimmung in Oberschlesien ini Sinne des Friedensvertrages anerkennen. Sie bittet, daraus hinzuwirken, daß sie einer Revision unterzogen werden.
Der Bcmdenüberfall in Karlssegen.
lieber das Blutbad, das sich am Sonntag in de kleinen bei Mnslowitz gelegenen Orte Karlssegen abge. spielt hat, erfahren wir noch folgendes: Arn Sonntag gegen stchs Uhr abends erschien in der Fleischerei von Kasinski eine Bande von 25 bis 30 Mann. Fünf drangen in das Haus ein und verlangten von der Frau Wurst. Bor der Fleischerei wurde eine Hochzeitsluhre angeholten und der Kutscher aufgefordert, den Raub aus der Fleischerei zu befördern. Als er dies verweigerte, wurde er auf dem Bocke zusammengeschos- r e n. Währenddessen hielt der Anführer der Bande einer im Kreise von sechs Kindern stehenden Frau mit einem Säugling auf dem Arm einen Revolver vor die Stirn und forderte Geld. Die Frau brachte 20 000 Mark. Als sie erklärte: Warte, ich kenne Sie! wurde sie durch drei Schüsse erschossen Ibr Mann holte drei Polizeibeamte und Zivilisten zu Hilfe. Der Wachtmeister Ogorok, Vater von drei unmündigen Kindern, wurde erschossen, als er den Laden betrat. Dasselbe Schicksal ereilte den Grubenarbeiter Lelonek. Die Banditen eröffneten ein wahnsinniges Feuer aus Pistolen und Ha dgranaten, wobei noch vier Personen verletzt wurden, zum Teil schwer. An dem Aufkommen zweier Personen wird gezweifelt. Der Vräutiaar» erhielt einen Schuß durch den Hals und starb Di- Banditen sind trotz der Verfolgung entkommen.
Deutscher Reichstag.
Am Mittwoch fand sich der Reichstag zum ersten Male im neuen Jahre zu weiterer Arbeit zusammen. Es kam gleich zu Beginn der Sitzung zu einer häßlichen Skandalszene. Präsident Loebe gedachte in einer Begrüßungsansprache der gestrigen 50-Jahrfeier des deutschen Zusammenschlusses und widmete dann dem kürzlich verstorbenen Reichskanzler v. B e t h- mann Hollweg einen Nachruf. Mit Ausnahme der Kommunisten hatten sich sämtliche Fraktionen von d«n Plätzen erhoben. Nicht genug damit, unterbrachen die Kommunisten, besonders Adolf Hoffmann, den Präsidenten bei seinem Nachruf für Bethmann Hottweg fortgesetzt mit schmähenden Zwischenrufen. Auch der Abg. Breitscheid von der Unabh. Sozialdemokratie konnte sich nicht versagen, an der unwürdigen Szene mitzvw'rken. Als Loebe geendet hatte, erhob sich der Kommunist L e- vin zum Protest gegen die Erklärung des Präsidenten über die 50-Iahrseier am 18. Januar Das Haus brach in laute Empörung aus und ließ den Linksradikalen nicht weiter sprechen. Pfu-rufe von allen Seiten ließen seine Worte untergehen. Präsident Loebe bemerkte auf die Ausführung des Kommunisten mit Gelaffenheit: Niemand in diesem Hause aedenkt Notiz von diesem Protest zu nehmen. Danach trat man in die eigentliche Tages. Ordnung ein.
Die ersten drei Punkte, kleinere Gesetze: Auslands- fchädengesetz, Kolonialschädengesetz, Verdräncumgsschä-- dengesetz wurden ohne Debatte an einen Ausschuß verwiesen. Erst bei dem nächsten Punkt, der sich mit einem Anfrage der Unabhängigen über die Außerkraftsetzung des Ausnahmezustandes in Bayern befaßte, plattten die Geiste« aufeinander Der Unabhängige Solfmann zog sämtliche Register seiner nicht sehr um. fangreichen Redekunst, um ein Schreckgesvenst von Reaktion und Wiederaufrichfung einer Monarchie in Bayern wirkungsvoll darzustellen. Seine Ausführungen waren weder interessant noch brachten sie gedanklich Neues, was man von dieser Seite des Hauses, bezüglich Bayerns nicht schon gehört hätte. Nach ihm ergriff der Reichsinnenminister Koch zu einer Regierungserklärung das Wort, die ganz kurz eine Einmischung in die bayerischen Derhältnifle als Angelegenhett des Landes Bayern ablehnte. Als Vertreter Bauerns sprach nach ihm der Staatssekretär Dr. Schweyer, der die Maßnahmen Bayerns als in den örtlichen Verhältnissen seines Landes begründet, verteidigt. Da der Ruhm seines bayerischen Genoffen den Abg. Vogel von den Unabhängigen nicht schlafen ließ, stieß er nochmals in das Horn wie jener, nur, wenn es überhaupt möglich war, eine Schattierung lebhafter. Erst als der bayerische Dolks- parteiler Emminger das Wort ergriff, konnte man wieder sachliche Erwiderungen vernehmen. Der Redner wundert sich, daß man es Bayern, das doch den Ausnahmezustand nach dem Kriege gründlich kennen gelernt habe, es verdenke, wenn es setzt erleichtert aufatme, wo seine Landstraßen endlich von den Lastautos mit Maschinengewehren und von den roten Bestien in Menschengestalt befreit seien. Von dem Ausnahmezustand sei jetzt herzlich wenig zu spüren. Der Wucherparagraph sei eigentlich die einzige Folge des Ausnahmezustandes gewesen und dies sei doch gewiß im Intereffe der Festhaltung der Ernte zu begrüßen. Abg. Dr. Slmkhmann (Dnat. Dp.) betonte, daß in keinem Lande so zielbewußt an der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung gearbeitet werde, wie in Bauern. Das soll durch den Antrag erschwert werden. Die bäuerische Regierung will und die Produktton und die regelmäßige Arbeit schützen. In Berlin, wo ein solches Ausnahmegesetz nicht besteht, ist es erst kürzlich bei zwecklosen Demonstrationen wieder zu Blutvergießen gekommen. Das kommt bei uns dank unsere« Dorbeugunasmaßnahmen nicht vor. (Lärm.l Wer die Gefahr des Blutvergießens vergrößern will, der hebe den Ausnahmeparagraphen auf. Gegen die weitere Erklärung dieses Redners, daß die bayerische Regierung^ den Anordnungen der Reichsregierung in verfaffungsmäßigen Fragen nur insoweit Folge leisten werde, als lebenswichtige Interessen des bayerischen taates nicht berührt würden, nimmt Minister koch Stellung, indem er erklärt, dos fei eine glatte Anrei- zung zum Berfaffunasbrmb. In solchen Fragen lieg«