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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 14.

üerantworilid) tür öen ^oauwnellen Teil: Karl Schütte.

- . tüt bk Anzeigen: I. Parzen er- Fulda. ::

Rorationsdruct u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. 'ern>,"lecher Nr. u. Tetegr.-älbre'fe: Fuldaer Zeitung *

Mittwoch, 19. Januar |921.

Lezngsprers. Monatlich 3,00 ttlc. ogne Zustellgebühr. Zn yu.Ou bei unsabgeyoii3,1b Mr. Anzeigenpreis: LieKletnzeilr eoioneimaß) 60 p,g u. 10°u> Zuschlag, die Reklamezeile lTerrvie'iel 1.80 Zl(t u. 10% Zuschlag. Sei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Die deutsche Enlschädigungsschuld.

Das verflosiene französische Ministerium Leygues gatte in der Erkenntnis, daß die Alliierten bei der Fest­setzung der deutschen Kriegsentschädigung nicht einig werden können und daß es für Deutschland unmöglich fei, eine den französischen Erwartungen auch nur an­nähernd entsprechende Summe zu zahlen, in der aller­letzten Zeit den Beschluß gefaßt, die Vertagung der endgültigen Festsetzung anzuregen. Es ist, und zwar amtlich, der Vorschlag gemacht worden, vor- 1 äufi g a u f die Fe stse tzu ng zu verzichten und zunächst fünf Jahresleistungen von drei Gold Milliarden zu verlangen. Die neue Regierung hält an diesem Plane fest. Nach den neuesten Nachrichten ist anzunehmen, daß die Re­gierung Briand auf der Konferenz der Ententeminister am 24. Januar sich mit ganzer Kraft hierfür einsetzen will. Erst nach der Probezeit von fünf Jahren soll Deutschland erfahren, was und auf welche Weise es noch weiter zu fronen und zu zahlen habe.

Für diesen Plan gilt es jetzt Lloyd George zu ge­winnen und Deutschland gefügig zu machen. In der französischen Presse wird behauptet, daß England bereits seine Zustimmung zu dem Plan gegeben habe. Das entspricht wohl mehr den Wünschen als den Tat­sachen. Wahrscheinlich hat Lloyd George gesagt, daß die Sache sich mal prüfen und üderleaen ließe. Er wird schon klug genug gewesen fein, um sich die freie Hand zu wahren, damit er die britischen Interessen sowohl in der deutschen Anaelegenheit als in den an­deren schwebenden Fragen in die Wac schale werfen kann. Die Nachgiebigkeit Deutschlands sucht man zu erreichen mit den altbekannten Mitteln vonZucker­brot und Peitsche". Man rechnet uns vor, daß bei der Einwilligung Deutschlands in das fünfjährige Pro­visorium eine Annäherung der beiden Länder statt- sinde, den Deutschen die Schuldabtragung durch Natu­ralleistungen weithin erleichtert werden und überhaupt eine Menge wirtschaftlicher Vorteile geboten würden. Dahinter folgt dann die Drohung, wenn Deutschland auf die sofortige Schlußrechnung bestehe, so werde man das als Böswilligkeit betrachten und mit den äußersten Kraftmitteln bekämpfen. Zu den alten Drohungen mit der Besetzung des Ruhrgebietes usw. gesellt sich der neue Schreckschuß, man werde ganz Deutschland in Zwangeverwaltung nehmen und die Steuern sowie die ganze deutsche Finanzpolitik durch die Ententein Ordnung bringen lassen". Der neue französische Wnifter Loucheur, der als Großindustriel­ler den wirtschaftlichen Führer spielen möchte, soll so­gar erklärt haben, man werde aus Deutschland jährlich für 8 Milliarden Kohlen herausholen.

Der nächste Zweck der Hebung ist, daß unsere Regierung auf die sofortige Festsetzung der Schuld­summe verzichten und ihrerseits sagen soll, was sie in den nächsten fünf Probejahren leisten will. Wollte Deutschland so handeln, so würde es erstens auf ein Recht verzichten, das ihm der Verfa'ller Frie­densvertrag zuaeftanden hat, und zweitens würde es ine Bedingungen preisgeben, von denen wir bei den bisherigen Verhandlungen in Brüssel unsere Leistungen abhängig gemacht haben.

Der Versciller Vertrag bestimmt, daß bis zum 1. M a i 19 21 die Gesamtsumme unserer Entschädi­gung festgestellt werden soll. Das entspricht auch un­seren Interessen, da mir aus der Ungewißheit heraus müssen, um unser Finanzwesen gründlich in Ordnung zu bringen. Jede Verzögerung bringt uns in die Gefahr, daß mir uns weiter abguölen in dem Frondienst, ohne ein Ende der Lohnsklaverei abzu- sehen, und daß unsere Opferwilligkeit keinen weiteren Erfolg hat als den, daß die Sieger ihre Ansprüche noch mehr steigern.

Von deutscher Seite ist auf die Undenkbarkeit hin­gewiesen worden, die ungeheure Summe von drei Milliarden Mark, d. i. rund 140 Papier­

milliarden fünf Jahre lang jährlich zu leisten und dann immer noch vor der Festsetzung zu stehen. Es ist ferner daraus hingewiesen worden, daß mir an den in Brüssel vorgelegten Voraussetzungen für jede von Deutschland zu leistende Kriegsentschädi­gung festhalten müssen. Diese Voraussetzungen sind in der Hauptsache die Belasiung Ob ersch lesi ens bei Deutschland, die Aushebung der Liquidationen des im Ausland beschlagnahmten deutschen Eigen­tums, die Zulasiung deutscher Kaufleute zu dem Außenhandel unter denselben Bedingungen wie andere, die Herabsetzung der Besatzungskosten auf das mögliche Minimum und endlich die Gewäh­rung ausreichender Handelstonnage.

Diese Punkte müssen erst behandell und geregelt werden, ehe Deutschland erklären kann, was es über­haupt zu leisten vermag. Wenn schon vorher eine Jahresschuld beziffert werden soll, so könnte das .zu bitteren Enttäuschungen und den schlimmsten Konflik­ten führen, da bei dem Versagen der deutschen Kraft die Gewaltpolitiker den Vorwand hätten zur Aus­dehnung der Okkupation oder zur Zwangsverwaltung.

Daraus erkennt man die schwierige Sage, in der sich unsere Regierung gegenwärtig befindet. Sie muß diplomatisch vorgehen, aber sie braucht deshalb noch nicht schwach zu werden oder sich zu Ueberrihmgen hinreißen zu lassen. Wir haben das Recht und die gesunde Vernunft auf unserer Seite.

Der 18. Januar.

Eine Erinnerungsfeier an den 18. Januar fand gestern in der Berliner Unioerfität unter gewalti­gem Andrang der Studentenschaft statt. Der Rektor Professor Seckcl mahnte die Studentenschaft, auszu­harren und mit neuem Mut und neuer Spannkraft an den Wiederaufbau des Vaterlandes zu gehen. Auch in den anderen Hochschulen fanden Feiern statt.

Der Chef der Heeresleitung General der Inf. von Steif* verwert in einer Kundgebung darauf, daß vor 50 Iah!en das Zusammenwirken der deutschen Waffen das Zustandekommen der deutschen Einigkeit der deutschen Stämme ermöglichte. Gemeinsame Frwdensarbett und gememsame Kriegsjahre hätten das Band enger geschmiedet. Heute sei das festverbundene Heer ein Wahrzeichen der imauslöslichen Reichse nhrit, ein Unterpfand dcp Zukunft, die nur in Einheit und Einigkeit leicht fern werde

Die Ber! ner Parlamente sind nicht versammelt, konnten also des Tages noch nicht gedenken. Dagegen hielten der badische Landtag und der sächsische ßanfrag feierliche Sitzungen ab.

Große Knndeebunq in Wien.

Gestern vormittag veranstaltete die Wiener Studen­tenschaft eine große Kund eburta für den Anschluß an Deutschland. Sie zog im Anschluß von Veranitaltunaen in der Universität und m den anderen Hochschulen unter Führun: der Rektoren zum Parlament, wo eine Abo dnuna dem Bundeskanzler Dr. Mayr eine (Ent- schließung überreichte, in der neforbeit wird, das; die Reneruna die zur Durchführung des Anschlusses an Deutichland geeigneten Maßnahmen unverziwl'ch treffe. Dr. Mahr erwiderte, daß er zur Sache im Au endlich mit Rücksicht auf die internationale Laa» nicht Stellun > nehmen könne, doch versicherte er, daß er gleidfalls sehr warm national fühle, sowie den Standpunkt des ganzen Volkes in dieser Frage wohl zu würdigen verstehe

Was Deulschsanv bisher bezahlt.

Eine deutsche amtliche Denkschrift für die Repa- rationskommission gibt folgende Zusammenstellung der vom Deutschen Reiche bisher getätigten Lieferungen und Leistungen aus dem Friedensvertrag und feinen Vorverträgen, die Deutschland auf feine Wiederherstel­lungsverpflichtungen anzurechnen sind. Die Gruppe A umfaßt die nach dem Friedensverirag übergebenen Ma­terialien und Güter, wie Eisenbahnmaterial. Handels-

Zalscher Wert.

Roman von H. A b t.

11) --

Er kam nicht dazu, ihr mit Worten zu danken, denn Gertrud erschien wieder im 3 mm er und bat zu Tisch. So mußte er sich begnügen, stumm Frau Klaras Hand zu küssen.

Sie atmete heimlich auf. Gottlob, der kritische Augen­blick war wieder einmal vorüber. Wohl war da eine geringe Summe auch der Fürsorge ihres verstorbe­nen Gatten zu verdanken, der Gertrud für die Aussteuer mit einer Kleinigkeit eingetauft hatte. Aber mit diesem betrag hätte es sich nicht ermöglichen lassen, eine eini­germaßen gediegene Wohnungseinrichtung zu beschaffen. Sie hotte daher weidlich hin und her überieat. wie wohl Lützenkirchen zu veranlassen sei, von einer Möbekausstat- tung abzusehen. Nun war das auf die unauffälligste Scifc-geregt, und noch an demselben Abend brachte sie es durch kluges Manövrieren dahin, daß Lützenkir­chen haw scherzend an Gertrud die Frage richtete, ob ibr woyl Lützenburg in feiner gegenwärtigen Gestalt a!s He.m behcwen könne. Von der Mutter gle'chfa'is heimlich gtccuent precheud vorbereitet hatte sie fast be­geistert zugestimmt, und er, in der Meinung, ihr eint Sreube zu bereiten, empfand nun selbst eine eigene daran.

2hn anderen Morgen war Frau Klara darangeoan- gen, einen kurzen, wohl durchdachten Brief zu schreiben, bischt an den von ihrer Phantasie ins Leben gerufenen Sachwalter, fend-rn an Dr. Weibrecht. Sie teilte dem Freunde den festgesetzten Taz der Hcichz-tt mit und rich­tete den Brief an feine Stadtadresse mit dem Postver- tnert, ihn nachzusenden.

Und nun wartete sie, wartete Tag um Tag auf eine Antwort, doch zwei Wochen veroingen, und keine traf 0i. Sie ertrug die fürchterliche Ungewißheit nicht län­gt und suchte unter einem Verwand die chemische Nbrik Weibrechts atü. Der Ge'chtt sführer machte ihr eii Mitteilung, die i n Attm, stocken ließ: Un'e-band- lu^en zum Verkaufe der Fabrik waren eingeteiitet

Und Herr Doktor Weibrecht . . . wann wird er zu­rückkehren?"

In vier bis fünf Wochen, um die letzten Abschlüsse persönlich zu treffen."

In vier bis fünf Wochen . . . Die Erde stand wieder fest. In vier, fünf Wochen . . . wenn die Hochzeit vor­über war.

Die Hochzeit . . . Franz Lützenkirchen war gekom­men, um das standesamtliche Aufgebot mit Frau Men­tzers zu besprechen. Die beiden waren allein.

Vor ihrem Schreibtisch sitzend, begann sie die Unter­haltung, indem ihre Hand auf einer kleinen Brieftasche ruhte, aus der ein wenig jene Banknoten heraussahen, die sie für Gertruds Ausstattungsgeld zurückzubehalten für nötig befunden hatte.

Lassen Sie mich zunächst erst mit etwas Nebensäch­lichem kommen, lieber Franz. Es war bis jetzt ange­nommen, daß Sie feiert nach der Hochzeit Gertrud nach Lützenburg führen. Wie wäre es jedoch, wenn sie be'de eine klein- Hochzeitsreise anträten? S'e sind wohl jetzt ein paar Wochen abkömmlich und würden, wie ich weih, Grtrud eine große, große Freude machen. Die Reise- billette würden Sie mir selbstverständlich nur tm'er uns beiden wohl zu lösen g-statten, und ich möchte Sie Bitten, daß wir diesen Punkt jetzt gleich endgültig erledigen."

Mit ihrem anmutigsten Lächeln schob sie N-m die Brieftasche zu, allein er machte eine ablehnende Be­wegung.

Nicht doch, liebe Mama, obgleich Ihr Vorschlag merkwürdig mit dem zusammenttifst. was !ch mir selbst im stillen zurechtgelegt. Auch ich wollte Gertrud heute mit einem Reiseplan überraschen. Nur daß ich biete Ueberralchung und Freude, wenn es ihr eine wäre, auch als wirklich von mir ausgehend empfinden möchte."

Sein Gesicht färbte sich wärmer, wie er daran dachte, was er für öiefe Reife schon alles in Gedanken vorbe­reitet. welches 3'el er ihr gegeben. Italien? . . . Unter den blauen Himmel, von dem feine Braut, die noch so gut wie nichts von der Welt gesehen, einmal sehnsüchtig geschwärmt, wollte er sein junges Weib führen 1 Er hatte gespart dafür, hatte sogar ein wenig leichtsinnig in

, flotte, landwirtschaftliche und industrielle Maschinen, Tiere, Kohle, chemische Erzeugnisse ufro. im Gesamt­wert von 10 300 641 259 Goldmark. In Gruppe B sind die Saargruben, das Reichs- und Staatseigentum in den abgetretenen und besetzten Gebieten, die Rhein­brücken, Ueberseekabsl und Rücklaßgüter enthalten, Ge­samtwert 8 130 291 267 Goldmark. Gruppe C um­faßt die Verpflichtungen aus Art. 235 des Friedens- Vertrages, die Kosten der Rheinlandbesetzuna, der in­teralliierten Kommissionen, Lebensmittelvorschüsse, ins­gesamt 2 739 464 046 Goldmark.

Nach dieser Aufstellung hat Deutschland also be­reits Verpslichtungen im Gesamtbeträge von über 21 Milliarden Goldmark oder wett über 300 Milliarden Papiermark geleistet, deren Anrechnung auf die fest- zusetzende Entschädigung es verlangen kann.

Achtung Obetschlefter!

Die Frist zur Eintragung in die Abstimmungsliste hat am 14. Januar zu laufen begonnen. Sie läuft bereits am 3. Februar, 6 Uhr abends, ab; versäume daher kein Abstimmungsberechtigter, sich rechtzeitig möglichst noch in dieser Woche! bei seiner Orts­gruppe der Vereinigten Verbände Heimattreuer Ober­schlesier eintragen zu lassen, die dann die weiteren Ein­tragungen erledigen wird.

Die weiteren einzuhaltenden Termine, die das ober- schlesische Abstimmungsreglement vorsieht, sind folgende: 6. Februar: Beginn der öffentlichen Auslegung der vorläufigen Stimmlisten; 17. Febr.: Ablauf der Ein­spruchsfrist; 3. März: Ablauf der Frist für die Ent­scheidungen des interalliierten Büros über die ein­gereichten Einsprüche. Die Fristen sind sehr kurz bemessen, es ist möglich, aber durchaus nicht sicher, daß sie noch verlängert werden. Beachte sie jeder Abstimmungsberechtigte also sehr genau und erledige jeder, was er zu erledigen hat, so früh wie möglich.

Eine neue Untat in Oberschlesien.

Schon wieder ist die Chronik der oberichlesischen Verbrechen durv eine neue Untat bereichert, bei der sechs Personen erschossen und mehrere verwundet wurden. Eine Bande von 25 Räubern übersiel am Sonntag nachmittag in Karlssegen bei Birkenthal die Be­sitzung des Fleischermeisters Kafinski, verwüstete die ganz- Wohvun iSeinricktung uns erschoß den Besitzer. Beamte der Avsiimmun.spottzei eilten zur Hilfe. Von ihnen wurde einer crui offen. Das gleiche Schicksal teilten drei Zivilpersonen, von ihnen eine Frau, die Mutter von sechs Äi Bern. Drei Zivilisten wurden lebensgefährlich verietzts Die Regierung setzte eine Be­lohnung von 15 COj Mk. für die (Ergreifung der Täter aus.

Aus dem besetzten Gebiet.

Veschlagvohme von Schulräumen Die französische Besapungsvehöroe in Lanoau in. der Pfalz tjat fünf -säte ui einer Knabenschule befchlaanahmt, um darin eine französische Schule einzurichten.

Vie Schwarzen. Die ,r..nzösifche Kommandantur in Landau gibt bekannt, daß von Mitte Februar ab wieder afrikanische Truppen zur Besetzung der Pfalz verwendet würben. Die Schwarzen würben Mitte No­vember in die französischen Winterlager abtransportiert.

DieBeendigungderEisenbahnerbeweguucz.

Das Abkommen zwischen den Eisenbahnern und der Regierung ist g e f i ch e r t. In den letzten Tagen ha­ben die Großorgaiiijalionen der Eisenbahnbeantten und E senbahnarbeiter zu den letzten Angeboten der Re­gierung Stellung genommen. Obwohl sich in einzelnen Verbänden Widerspruch gegen die Zugeständnisse der Regierung bemerkbar machte, haben die Organisationen doch d'eAniiahmederTeuerungszuschläge durchzusetzen vermocht. Der erweiterte Ver­bandsvorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes hat das Abkommen mit einer Zweidrittelmajorität anze- rrvnmien. Die Reichsgrwerkschaft deutscher E'senbahn-

den Erlös des (Ernteertrages gegriffen, um einmal ein paar Wochen aus dem Dollen heraus im Glück zu leben.

Freundlich begreifend nickte Frau Klara ihm zu.

Natürlich, wie es Ihrem Empfinden am meisten zu­sagt, mein lieber Sohn. Nun ein anderes, was mir seit gestern sehr unbehagliche Stunden bereitet. Ich bin eine geschäftlich wenig beschlagene Frau und glaubte, die Auszahlung dr Mitgift erledige sich einfach damit daß ich meinem Sachwalter die nötige Weisung gab. Ge­stern nun erhielt ich zu meinem Schrecken die Mittei­lung, daß die Verwirklichung der vorhandenen Werte ohne schweren Verlust bis zum 10. November unmöglich sei und er in meinem beziehungsweise Gertruds In» tereffe die Frage stelle, ob nicht die Auszahlung vier Wochen später angängig sei, zu welcher Zeit er die dreißigtcnllend Mark ohne Einbuße flüssig gemacht haben würde."

Sie schwieg, und Lütz-nkirchen gab keine Antwort. Vor sich niedersehend, die UnterCppe zwischen den Zähnen, saß er da. Er hätte n-cht zu feen gewußt, was es zumeist war, das ihn bei dieser Mitteilung so unruhig machte, daß ihm ein Gekühl kam, als gehe plötzlich ein Wanken durch ein Festgefügtes.

Frau Mengers hatte wieder zu reden begonnen.-

Ich würde vollkommen benre fen, li-ber Franz, wenn Sie Anstalten getroffen hätten, die Ihnen die Auszah­lung der Mitgift am Hochzeitstaae erforderlich machten. Und barvm ... da ich wirklich augenblickoch keinen anderen Rat weiß . . . wollen wir die Hochzeit auf vier Wochen hinaus verschieben?"

Ganz ruhig sagte sie es, mit einem freundlichen Lä­cheln, aber jeder Pulsschlag stockte ihr.

Er saß noch immer gesenkten Blickes da und hörte auf etwas, das in ihm rief:Aufschub . . . sag ja . . . sag ja!"

Ja, es liegen für mich allerdings Umstände vor, die mir die Auszahlung am Hochzeitstage notwendig er« cheinen laff-n würden," begann er, langsam den Kopf hebendMir ist eine Hypothek von dreißigtaufend Mark für Neisiahr gefünbW, und da ich. mit der Mit­gift rechnend, keinen Versuch gemacht habe, von andrer

beamten und Anwärter hat nach langen Besprechungen sich ebenfalls für die Aimahme der Vorschläge erilärt. Ebenso hat die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner be­schlossen, das Ablonimeu mit der Regierung inne zu halten. Die Entscheidung des Allgemeinen Deutschen Eisenbahnerverbandes steht noch aus, doch dürfte feine Entscheidung sich gleichfalls dem Beschluß der anderen Organisationen anpajsen.

Tie deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich.

Die deutschen Kriegsgefangenen in Avignon wur­den im Dezember von zwei deutschen Geistlichen be- sncht; sie haben ihre Embrücke über diesen Besuch in folgendem Schreiben medergelept:

Wir, die Gefangenen deS Depot Special d. B. D. in Avignon benutzen die Gelegenheit des Besuches der beiden Geistlichen Herren, des Herrn Dr. Paffrath au8 Piderborn und Herrn Pfarrer Hörstel aus Morgenitz. Usedom bei uns, um unserer lieben deutschen Heirnäi unseren Gruß und unseren Dank zu entbieten. Dieser Tay, der uns der Besuch der beioen Herren brachte, war einer der glücklichsten, wie selten in unserem Leben. Wir konnten wieder reden von dem, was uns am meisten bewegt, von der lieben Heimat, vom Leben dcherm, das uns seit langen Jahren verschlossen ist. Wir wissen nun, daß wir nicht vor effen find. Die versoffenen Weihnachtstage brachten uns den untiüg- tichen Beweis dafür, mit ihrem Zeichen innigster Teil­nahme uns den Gaben werktätiger Hilfe aus allen Teilen unseres Vaterlandes. Als am Weihnachtsabend bei unserer Feier die vielen Kerzen brannten, als der feine heimalttche Duft der Tannenbäume, die in einem deutschen Walde gewachsen waren, durch die düsteren Räume unseres Hauses zog, kam auch der Friede wieder in unser Herz. Wie vergaßen die Qual der traurigen Gegenwart dieser Weihnacht, die wir fern von unseren Lieber, erleben mußten Wir hatten ja wenig­stens einen Teil der Heimat, diese grünen Bäume, mitten unter uns, und wir wußten, daß ntr nicht ver­lassen traten. Treue um Treue. Aus der Feine haben wir unsere Heimat noch heißer uno tiefer lieben gelernt.

Heimat! Heimat! In Tagen tiefster Not und bitterster Qual ist uns der Sinn dieses Wortes aus ge­gangen. Mit allen Fasern unseres Herzens, sehnen wir uns nach ihr. Wir hoffen, daß der Tag unserer Ver- ehu- ung mit ihr nicht mehr allzu fern r t. Gruß und Dank der Heimat und ihren Lieben. Der Hilfsaus­schuß des Depot special in Avignon.

Die englische Wirtschaftskrise.

Die Folge der verfehlten Friedenspolitik macht sich in England immer stärker bemerkbar. Das Wirt­schaftsleben lieg' darnieder, und wenn das wahnsinnige Wort eines englischen Kriegshetzers, wenn Deutschland nicdergcworfen würde, so werde es keinen Engländer geben, der nicht um so und so viel reicher wäre, einer Widerlegung bedurft hätte, die heutige Kr'sis im eng­lischen Handel und Gewerbe würde die Kurzsichtigkeit dieses gehässigen Wortes klar darlun. Was Keynes und andere einsichtige Köpfe auf der Ententeseite schon längst vorausges.hen hoben, nrrb heute auch den we­niger Erleuchteten durch die Macht der Tatsachen klar- gen.acht: daß es nicht möglich ist, den eigenen Wohl­stand zu erhalten, wemi der Aufschwung des großen mittelkuroväischcn Wir.schaft-gebietes durch unsinnige Bertragsbest mmu.igen und künstlich errichtete Schran­ken des Geschästsbcrkehrs gehemmt oder gar unmög­lich gemacht wird. Eme gute Illustration zu dieser Feststellung liefert eine Statist'k über den Handel zwi­schen England und den Ländern Mittel- und Ost­europas, die, wie wir derFranks. Ztg." entnehmen, Wolter M e a k i n in derDaily News" gibt, nach­dem er in einer Reihe von Artikeln die Eindrücke ge- sch'ldert hat, die er von einer Reise durch Deutschland nach Hause gebracht har.

Meakin schickt friner Statistik voraus, daß Deutsche land und Rußland vor dem Kriege bet wettern die wich'tgsten Faktoren in dem englischen Handel mit Mittel- und Nordouropa gewesen seien. Für das Jahr 1913 berechnet er den Wart der Ausfuhr von

Sette ein neues Darlehn zu finden, was mir, wie ich offen gestehen muß, mub schwer fallen würde, liegt nun in der Auszahlirng der Mttgift für nüch die einzige Ge­währ. meiner Verpflichtung gerecht zu werden."

Mit unentwegter Herzlichkeit fchaute Fran Klara ihn an und nickte dabei vor sich hin.

Freilich, freilich, ich verstehe Ihre Bedenken, Ihr« Besorgnis vollkommen, obgleich, da das Kapital ja erst zu Neujahr fällig und bis dahin alles längst geordnet wäre, zu einer Besorgnis keinerlei Grund vorliegt. Trotz­dem ober möchte ich meinen Vorschlag, die Hochzeit um vier Wochen aufzuschieben, wiederholen. Cs wäre das einfachste und ändert fr-nft nichts, denn nach Italien reift es sich ja ebenso gut im Dezember."

Italien ... die Reise, auf die er sich gefreut mit ein närrischer Jüngling, im Dezember hätte er nicht reifen können . . . Weihnachten, um Neujahr muhte er unbedingt auf Lützenburg sein.

Er atmete, tief und sagte mit seinem freien, ehrlichen Blick-

Wenn es sich wirklich nur um einen Aufschub von vier Wochen handelt und die Auszahlung zum 10. De­zember völlig sicher stände . . ."

Selbstverständlich trete ich persönlich für diese völ­lige Sicherheit ein . . ." unterbrach ihn Frau Men­gers.

. . . Sv möchte ich mich damit einverstanden er­klären," fuhr er langsam fort,und bitten, daß alles andere bleibt, wie es zuvor bestimmt war."

Frau Klara neigte sich zu ihm hin, als wolle sie sicher aehen, ihn ganz verstanden zu haben.

Also . . . fein Aufschub . . . und die Mitgift vier Wochen nach der Hochzeit?"

Vier Wochen nach der Hochzeit," wiederholte Lützen­kirchen.

Frau Klara neigte sich zu ihm hin, als wolle sie sicher netzen, ihn ganz verstanden zu haben.

Also . . . fein Aufschub . . . und die Mitgift in vier Wochen nach der Hochzeit?"

Vier Wochen nach der Hochzeit," wiederholte Lützen­kirchen.

(Fortsetzung folgt.)