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fir. 13.

ötjuaspreis; uionatuo) 3,uu als. oyne Zujtellgeduyl. Zn yu.Ou oei unsadgeyott Z.lo Alk. Anzeigenpreis: DieKieinzeUe iSoioneimaß) 6u u. 10"» Zuschlag, die Steklamezetie (lei 1. 'iiL, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt.

tietuntwonittt) tlit üen .itamonellen Teil: Karl Schütte. » für Dti Anzeigen: I. Parze- ei - Fulda. z Sioiaftonsoruü u. Verlag der Fuldaer Aciiendruckerei in Fulda ern xelver Nr. 9 kelrgr.-Adre e: Fuldaer . n n->.

Dienstag, 18. Januar 1921.

48. Zahrg.

Fünfzig Jahre veutfches Reich.

Wie ein gewaltiger Feier klang zog es vor 50 Jahren ^ch die deutschen Lande und das ganze Volk sang in »roher Begeisterung das hohe Lied von der wicderge- ftmdenen deutschen Einigkeit.

Was die edelsten Kräfte deutschen Stammes zäh er­strebt, was den Traum von Jahrhunderten gebildet, es war in Erfüllung gegangen, die deutschen Staaten von Nord und Süd und Ost und West, sie hatten sich die Hand zum Bunde gere cht und die Kaiserkrone, welche sich auf das Haupt Wilhelms I. senkte, sollte das Sym­bol diese- deutschen Einigkeit sein. Ein beispielloser Aufschwung begann. Deutschland wuchs wie ein stolzer Neubau in die Höhe, sein Ansehen und seine Mach! reichten bis in die fernsten Zonen der Erde. Deutsche Schiffe trugen den deutschen Namen in alle Meere, überall bahnte sich deutscher Fleiß und Unternehmungs­geist den Weg zum Wohlstand. Eine innere Gesetz­gebung machte uns auf den wichtigsten Gebieten zum Borbild für die ganze Welt.

Heute steht das deutsche Volk vor einem Trümmer­feld seiner Hoffnungen. Ein mitleidloser Sieger hält feinen Fuß auf dem Nacken des in zähem Heldenkampfc unterlegenen Deutschen Volkes und statt Jubelweisen strömen Derzwciflrmgsschreie aus dem Munde unseres gepreßten und gequälten Volkes. Aber verzweifeln wol­len wir doch nicht. Ganz haben uns die Feinde trotz oller Abgefeimtheit und alles abgrundtiefen Hasses bis jetzt nicht zu vernichten vermocht. Geblieben ist uns doch die Einheit und Einigkeit unseres deutschen Volkes, das Reich, zu dem wir uns trotz alles Elendes und aller Not heute freudig und stolz bekennen. Das Beste und Schönste, das die Patrioten in vergangenen Jahr­hunderten ersehnt haben, die Einheit und Gemeinsam­keit der deutschen Stämme, haben die Feinde, so sehr sie es erstrebten, nicht zerschlagen können. Das Deutsche Reich ist unerschüttert aus den Stürmen des Krieges und der Revolution hervorgegangen und darum können wir trotz aller augenblicklichen Bedrängnisse, hoffend und vertrauend in die Zukunft schauen. Deutschland hat seine Lebenssähiakeit erwiesen im schlimmsten Un­glück imb in der Biitternis tiefsten Elendes. Der Tag der Gerechtigkeit wird ihm auch wieder zurück- geben, was gehässige Feinde ihm mitleidlos ge­raubt haben. Auf diesen Tag wollen mir vertrauend schauen.

Wir wollen aber nicht vergessen, daß das Elend und te Not unserer Tage zu einem Teil auch von dem moralischen Verfall unseres eigenen Volkes kommt. Darum ist vor allem Selbsteinkehr und innere Erneue­rung notwendig. Wenn wir wieder zurücklehren zu den S-'tten unserer Väter, zu Treue und Einfachheit, zu Ehrlichkeit unh Strebsamkeit, zu christlichem Glauben und sittlichem Leben, dann dürfen wir getrost erwarten, daß auch wieder Tage des Aufstieges und des ankeren Glanzes kommen. Und alles, was uns heute übermütige Gee.ner Unrechtes tun, wird sich an ihnen zweifach rächen. Vertrauen wir aul Gott, leben wir nach seinen Geboten, so wird uns die Gerechtiakcit, welche man uns jetzt verweigert, von Gottes Strafgericht zuerkannt werden.

Ein innerlich gesundes Deutsches Reich vermag rocht nur die Feindesnot zu überwinden, es wird auch An­ziehungskraft genug besitzen, die durch Feindeshand von uns getrennten und durch Gewalt von uns noch fern- gehaltenen deutschen Länder an uns zu ziehen. Und das ist am heutigen Gedenktag unsere Sehnsucht und Hoffnung: ein größeres Deutschland, in dem alle deut­schen Stämme in brüderlicher Eintracht und friedlicher Arbeit glücklich Zusammenwirken.

Eine Kundgebung des Reichspkäfwenleir.

Der Reichspräsident bat aus Anlaß des Gedenk- taoes der Reichsgründung folgende Kundgebung er­lassen :

Am 18 Januar sind 50 Jahre seit der Einigung ner deutschen Stämme zu einem einheitlichen StaatSaebilde vergangen. Die Sehnsucht unserer Vormbreri und da? beiße Verlangen weiter

Salschsv Werf.

Roman von H. A b t.

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»Gewiß gewiß. Und Sie haben ein volles Recht, riese Jugend genießen zu wollen."

Er hatte es hastig geantwortet, nur um irgend etwas zu sagen. Immer weniger fand er sich darin zurecht, ob dies alles nur ein Sichaufsvielenwollen bedeute ober ob da eine starke Natur in voller, rücksichtslos unbeküm- tnerter Wahrhaftigkeit sich nab.

.Genießen ... ja freilich." Ein kaltes Höhnen war tn ihrem Ton, während sie abgewandten Hauptes e:ne Bewegung hin nach der Krä-z-bentofel machte.Jede Wock>e einmal zum Schützenkränzchen."

Sie reckte sich steifer auf.Ihren Begriffen von dem. .oas man so an einer Frau anziehe''b findet, entspricht meine Sorte von Leben nicht, von früh bis suät am Rechenyuft sitzen nicht wahr. Herr Lützenkirchen'"

Und ohne ihm Zeft zu lasten, auf ihre herausfor­dernde Frage zu antworten, fuhr sie fort:

.^ch brauche etwas, was mir ernsthaft meinen Tag ausfüllt, und zur vornehmen, nicb'sttierifchen Puppe konnte ich nie m^-ben. Aber es komm' dabei wohl zü­rne st a"f den Rahmen an. in dem ein-w sich betätigt. Mein Mann bat m ch zur alleinigen Erbin gemach», und wenn ich eines Taues das aarn- Mftckiäft v-rka-fte würden fo rund herum anderthalb Millionen h-wau-k-un' men. Das ist fein Königreich, aber ein stolzes Sftick Herrschaftönrte sich einer schon damit schaffen, wenn er es recht in die Hände nimmt."

Sie lchwi-g als hätte sie alles zu Ende nerebet. Und Lützenkirchen hörte ihre Worte in sich nachklingen.

Anderthalb V.llwnen . . . njenrt es einer jo recht in die Hände nimmt . . ."

Und sie. gegensibersitzenh. selbstbewußt und ernsthaft, die von sich gestreckten Hcmde mit her^enfläche" auf den Tifd) oeseot. die Finger hftk> nach innen ge­bogen, als vm'ch'össen diese etwas, das sie darbot . . . ihm darbot . . .

Schichte» ocs volles in allen deutschen Gauen fanden hierdurch i re ;puic ijifufluni. Unb bie;e iSrfü ttnii g blieb von Dauer. In allen schmeizlichen Vcr ujten, die uns jetzt durch den fiiieg und Frieden cctroffen Haven, ist uns fast als einzi es das eine groze Unglück er)part geblieben, daß die deutschen Lander wieder auseinandergefallen sind. Sie halten aneinan­der fest. Darüber wollen wir uns freuen, wenn wir auch mit besonderer Trauer an diesem Tag zu allen deutschen Landesteilen hinüberblicken mutzen, die gegen ihren Willen von ihrem stammverwandte» Lande getrennt worden und, und auf das besonders I dimer leidende Oesterreich, das mit dem Herzen zu uns strebt, wie wir zu ihm. Unsere innere staat­liche Einheit weiter zu erhalten uns zu festigen, m-.tz unser aller fester Wille sein. Wenn uns auch politische und wirtschaftliche Anschauungen mehr als gut ist trennen, in einem sind wir einig: Grenzen 1 ollen uns niajt trennen. Die Einheitlichkeit unseres deutsche» Vaterlandes ist für uns alle ein Stuck unseres Glaubens, nuferer Liebe und unserer Hoffnung.

(lieg.) Ebert, Reickspräsident, (gez.) gehrenbach, Reich-kanzler.

Das Kabinett Briand.

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter.

Es gibt wohl keinen vielseitigeren Politiker in Frankreich und keinen, der schon so viele Mimsterposten mne halte, w:e Brand. Er war schon vor dem Kriege nicht weniger als drei Mal Ministerpräsident: im ganzen hat er sechs Ministerien geleitet, und war Minister mit den verschiedensten Porteseuillen. In den Jahren 1915=16 vereinigte er mit dem Amte des Mini­sterpräsidenten auch noch das des Ministers des Aor- ßem

Briand ist kein ausgesprochener Mann der scharfen Richtung. Als französischer Patriot hat er 'selbstver­ständlich cinzio und alle n Frankreichs eigene Interessen im Auge. Aber Briand ist doch ein viel zu kluger Poli­tiker, als daß er n-cht wüßte, daß einstarker Mann" unter den heutigen Verhältnissen ein sehr begrenztes Wirkungsseld hätte. Nicht ausschließlich die Rücksicht, gegen Deutschland stärker als bisher aufzutrumpfen, als vielmehr das Bestreben, sich gegenüber dem in immer größerem Umfange sich die Oberhand sichernden Eng­land und seinen Staatsmännern durchzusetzen, war ja der tiefere Grund der jetzigen Kabinettskrise Ein Poincare würde die Situation Frankreichs gegenüber England nur noch verschärft haben, das mußten selbst die Anhänger des nationalen Blocks einsshen, bei denen sich allgemach eine große Ernüchterung zeigte. Briand soll nun den Äu.-gleich nach der einen wie nach der anderen Serie hin darstellen. Mit einer milderen Poli­tik gegenüber Deutschland wird man noch nicht rechnen dürfen, schon well Briand um die gegenwärtig unent­behrliche Unterstützung des nationalen Blocks zu erhal­ten. an emc bestimmte Marschroute sich gebunden fühlen wird. Aber andererseits ist doch gerade Briand e>ne gewisse Gewähr dafür, daß er den Bogen nicht überspannt. Jedenfalls ist er, der nunmehr das Prä­sidium abermals mit dem Ministerium des Aeußeren verbindet, der führende Kopf im narren französischen Mimsterium.

.sw' man in Briand den führenden Politiker be­stellt. fo m Loucheur, der zum zweiten Male das Ministerium für die befreiten Gebiete übernimmt, einen hervorragenden und durch den Krieg sehr reich ge­wordenen Wirtschaftler. Was Briand an Wrtschafts- kenntnisfen mangelt, ersetzt ihm die Wissenschaft des Schwerindustriellen Loucheur. Man wird nach der ganzen Lage der Dinge in dieser Verbindung Br'cmd- Loucheur überhaupt die maßgebende politische Idee ver­wirklicht finden. Nicht so sehr die hochpolitischen, wie vielmehr die wirtschaftlichen Fragen wer­den jo diesem Kabinett entscheidend zu gestalten Vorbe­halten sein Man braucht nur an die großen Tages- orduungsprmkte der nächsten Allnerten-Konferemen zu denken, an den Wiederaufbau der zerstörten Gebift» vor allein mstielst deutscher Warenliefenrngen und Ar-

Fast daß Franz Lützenkirchen jählings von seinem Sitz empvrgesprungen märe, fo hatte das plötzliche Ver­ständnis ihm einen Ruck gegeben. Nun zog er die Uhr rasch hervor, als besänne er sich auf die Zeit, und sagte mit einer entschuldigenden Verbeugung:

S'e müssen verzeihen, Frau Pauly, ich habe mich über Gebühr verspätet und muß eilen, noch eine kleine Besorgung für meine Braut zu machen."

Noch ehe Lützenkirchen sich erhoben, hatte sie bereits ihren Stuhl zurückgeschoben und stand vor ihm.

Sie hätten mir das früher sagen sollen, und ich würde Sie nicht aufgehalten haben."

Nichts Verändertes war in ihrem Stimmenklang, nur der Kopf schien noch hochmütiger herausgehoben.

Er bot ihr die Hand und neigte sich andachtsvoll über die ihre.

Leben Sie wohl, Frau Pauly. Es war mir eine Ehre . . ."

Ein paar S künden ließ sie stumm ihren Bück in dem feinen ruhen. E>n kalter, fester Bück, der kein Verstecken spiel'e. Dann safte sie bedeutungsvoll:

Vielleicht komm' es Ihnen eines Tages, sich der Ehre zu erinnern. Lehen Sie woA."

Mit k"rzem Konfneigen hatte sie ihn en'laüen.

Entlassen . . . Lützenkirchen fand keine andere Be­zeichnung dafür als er auf hem Heimwe-i Wort für Wort die Szene mit Bereite Pauly sich zurief.

Und so groß auch fein Uvhehaaen mar, sie n:rf>t schneüer erraten zu Huben, nicht früher ihn die Rebe abgefchnftten zu haben, fo sehr ihn auch ihre unweiblich hochmütige Art abstieß, eines doch hatte sie Gm aufae- zmungen bas mar eine Achtima. wie er sie bisher in der gleichen Weise nur dem Manne. gegenüber em­pfunden.

6.

Die Ernt-zeit hotte bego"mn. Lütze'-'s-ch-n mar rom frühen Körnen bis in die sinkende Nach' auf Ho' und Feld in Anspruch genommen. Da er bisher nur einen Drbettsanfseher und keinen Ift"<ck'vr beschäftigt hatte, war er allerorten selbst vonnöten. Die Besuche

beitsleistungen tm Zusammenhang mit der Festsetzung der Demstnanb aujzuerlegenden Entschädigungssumme.

Ein Kabinett Briand als Ministerpräsidenten bietet in Vttrachwng des Umstandes, daß in diesem Zeitpunkte Miller and das Amt des Präsidenten der französischen Republik bekleidet, für die gegen­wärtige französische Politik eine gewisse Garantie für die innere Harmonie. Das freilich aber nur, soweil die führenden Persönlichkeiten in Betracht kommen. Denn da- französische Parlament ist in seiner ge­genwärt gen Zusammensetzung unberechenbar.

Wir werden uv Deutschland das Wirken des Ka­binetts Briand mit der gleichen Ruhe verfolgen müssen wie sie erfreulicherweise tn der deutschen Oeffcntlichkeit 'm großen und ganzen gegenüber dem Verlaufe der -anzöfischen Krise zu beobachten war.

Allnerlenkoufrrenz cm 21. Januar.

Die alliierten M nisterpräsidenten werben nach den treuesten Meldungen am 21. San uar in Paris zu einer Konferenz zusammentreten.

Die Brüsseler Konferenz.

Die Spezialverhandlungen seit der Vertagung der Brüsseler Sachverständigenkonferenz haben ergeben, daß der Frage der Durchführung der Sachlie fe­it u n g e n für die Lösung des Reparationsproblems be­sondere Bedeutung zu komme.. An den weiteren Ver­handlungen werden daher im Auftrage der Reichs- reg'erung Herr Hugo Stinnes und drei weitere Ver­treter der Arbeitnehmer, daunter Herr Löffler als Vertreter der Bergarbeiter, teil nehmen.

Oberschlefien.

Die Meldung, daß die oberschlesische Abstimmung am 13. März stattfftden soll, wird jetzt von englischer Seite bestätigt.

Aus den Kreisen der interalliierten Kommission ver­lautet, daß dem Wunsche des oberschlcsifchen Volkes nach einer Verlängerung der im Abstrmmungsreglement festgesetzten Frist stattgeoeben werden würde, da auch die interalliierte Kommission sich davon überzeugt habe, daß die ursprünglich festgesetzten Fristen eine Vorbereitung zur Abstimmung und die rechtmäßige Eintragung der Stimm* beredrtiaten nicht gestatte.

Nach in Berlin vorliegenden Berichten plant die pol­nische Regierung den in den abgetretenen Gebieten woh­nenden gebürtigen Oberschlesiern, soweit sie im Verdacht stehen, für Deutschland stimmen zu wollen, die Abstim­mung unmöglich zu machen. Bereits jetzt erschwert ihnen die polnische Regierung die Erlangung von Legi- timationspapieren unb ebenso die gesetzmäßige Propaganda für die Erhaltung Oberschlesiens beim Reich. Die Reichs- regierung hat dagegen bet der polnischen Regimmng, wie bei der Botschafterkonferenz, dementsprechend Borstel- lungen erhoben.

VeibehailunZ der Raffoniernng für Vro'gekreid«.

Das (Ergebnis der Ernährungsministerkonferenz ist in einer Entschließung zusammengefaßt, in der betont wird, daß die öffentliche Bewirtschaftung des Brotgetreides, der Gerste und des Hafers aus der Ernte 1921 aufrecht erhalten werden muß. Was die Festsetzung der Preise betrifft, fo wirb zum Ausdruck gebracht, daß das bisherige System der Bewirtschaftung nicht weiter geführt werden kann und anstelle dessen an erster Stelle das Umlagesystem in Erwägung gezogen werden muß, wobei die Einzelheiten noch einer näheren Regelung vorbehalten sind. Falls dieses Sy­stem gewählt wird, müßten Kreise und Gemeinden Träger der Lieferung werden und der Reichsgetreide­ordnung eine Bestimmung eingefügt werden, bah für Ablieferung der geforderten aber nicht zur Ablie'erung gelangten Mengen im Vertragswege Barzahlung in Höhe des mehrfachen Höchstpreises, mindestens des Weltmarktpreises, verlangt werden kann. Ueber Mais­abgabe zur Schweinemast und Maisabgabe zu Aus­tauschzwecken gegen Brotgetreide wird verhandelt. Die Einführung von Rohstoffen zur Margarinebereitung, von Schmalz, kondensierter Milch und Trockenmilch wird freigegeben.

bei seiner Braut waren auf die Sonntage beschränkt, und auch da mußten sie noch häufig hinter der drängen­den Pflicht zurückstehen.

Frau Klara mar wohl zufrieden, daß diese Dräuti­gamsbesuche nicht häufiger und nicht von ausgiebigerer« Dauer roaren. Es war ihr dadurch bisher gelungen, sich auf diplomatischem Wege über die Lage hinwegzuhelfen, indem sie Lützenkirchen gesagt hatte:

Die endgültige Erledigung oermögensrechtlicher Fragen sparen wir uns wohl für den Tag auf, an dem der Tag der Hochzeit festgesetzt wird, lieber Sohn. Ueber die in Fragen kommenden Ziffern bin ich mir ja ohne­dies im klaren."

Der Tag der Hochzeit . . . ach, daß sie ihn hätte be­schleunigen können oder daß sie es wenigstens hätte schaffen können, irgendein Lebenszeichen von Amon Weibrecht zu erlangen. Aber sie wußte nicht einmal feinen augenblicklichen Aufenthalt, hatte ihn feit dem Derlobungslage nicht wieder gesehen Ohne noch ein letztes Abschiedswort zu hinter'affen, mar er kurz noch her verreist und noch nicht wieder zurückaekehrt. Sich aff Geratewohl in briefliche Verb nbnng mit ihm zu fetzen, hatte sie bisher »ermüden, da sie nichts tun wollte, was fernen eigenen Wünschen entftng, und he Gedanke, er werde sich ihr erst ro'eber nähern, wenn Gertrud verheiratet war, immer tiefer zur abergläubi­schen Ueberzeugung in ihr ward, ja mehr in ihr die heimliche Angst und Unruhe zu fiebern begann.

Und endlich war es so weit, bah auf den IE N=""'m her die Hochzeit festgesetzt werben tofnnte. Sechs Wo­chen noch! Aber sie werben oorübergehen. Nur bie Er­örterung mit Lützenkirchen ließ sich jetzt n'cht länger hin- ausschieben. Und mährend G rtrub auf ihr Geheiß im Eßzimmer den Abendtisch richtete, winkte sie Lützenkir­chen in sich heran.

Wir wollen doch jetzt die Mi'qütfrage klarstellen lieber Franz. Zunächst aber möchte ich mich betreffs der Ausfteuer in etwas mit Ihnen oerstöndmen. Das heißt im Punkt der Möbelftoge, denn in W lUch-ang-l"-'^^- ten und dergleichen haben Sie natürlich nichts dreinzu­reden."

Die hessischen Frauen an die Müller im Ausland.

Die Frauen Hessens haben, vertreten durch 31 Frauenvereine und durch die weiblichen Landtagsabge. ordneten unb Stadtverordneten der fünf größten Städte, einen Appell an oie Mütter unb Frauen im Auslande gerichtet, in welchem sie gegen die geforderte Ablie­ferung von 640000 Milchkühen protestieren. Sie weisen in diesem Ausruf daraus hin, daß infolge der Unterernährung bereits 4050 Prozent, in man­chen Gegenden 70 bis 80 Prozen der Kinder skrophulös, rachitisch und tuberkulös seien. Was solle dann erst werben, wenn die Ablieferung der Milchkühe erfolgen müsse.In dieser Not", heißt es dann weiter,wen. den wir uns an Euch. Helft uns in unserer verzweifelten Lage, Ihr Mütter unb Frauen bes Auslandes. Helft uns, indem Ihr durch (Eure Fürsprache.an maßgeben­den Stellen uns dahin unterstützt, daß von der Lieferung der geforderten Milchkühe Abstand genommen wird! Helft uns indem Ihr mit uns den Schrei erhebt: Helft uns als Mütter unb Frauen, damit unseren unschuldiges Kindern in letzter Stunde noch Rettung kommt."

Aus dem besetzten Gebiet.

* Neue Strafbestimmung. Während bisher nur eine Zuwiderhandlung »egen eine eigentliche Verordnung (Ordonnanz) bet Rheinlandkommtssion mit Strafe be. droht war, wird jetzt auch jede Zuwiderhanftun, gegen einen Befehl ober eine Anweisung der Rheinlandtom» Mission bestraft, und zwar mit einer Geldstrafe bis zu 10 000 Mark ober mit Gefängnis bis zu 1 Jahr «der mit beiden Strafen zugleich.

Deutsches Keich.

** Berlin, 17. Jan. Der Aachener Beigeordnete Klansener, der während mehrerer Wahsp.-rioden als Zentrumsabgeordneter dem preußischen Land'ag angehörte, ist im Alter von 67 Jahren gestorben.

* Der Hauplmrsschuß bes Reichstages hat bie Aus­gaben für die Technische Nothilse mit 25 Millionen Mark für Ausrüstungsoeaenstände und 15 Millionen Mark zur Durchführung der Nothllse bewilligt. Zur Entwicklung der Anstalt für die Bekämpfung der Säuglingssterb­lichkeit im Deutschen Reiche wurde eine halbe Million Mark bewilligt. Nach Bewilligung von 36 Millionen Mk. für die Durchführung der Reichstaaswahl und von 5 Millionen Mark zur Fürsorge für die deutschstämmigen Auslandssliichtlinge genehmigte der Hauptaus- schuß den Etat des Reichsministeriums des Innern.

ss Die SparsamkeitS-Aktio« des Reiches ist bis jetzt wenig in die Erscheinung getreten. Von dem SparsmnfeitS-Kowmisfar oder dem sogenannten Finanz-Diktator bat man nicht viel ge ort. Man vernahm nur, daß er seinen Posten aufzu­geben beckbsicht'.ge, weil er bei dem Versuch sein Programm durchzusetzen, auf allerlei Widerstände stieß. Nun hat auf Antrag Bayerns der Reichsrat beschlossen, daß der Reichskommissar zur Verein­fachung und Verbilligung der Staatsverwaltung sein Pro ramm dem ReichSrat vorlege und daß auch die Aeußerungen der einzelnen Minister zu diesem Pro­gramm und seiner Durchführung dem Reichsrat bekannt gegeben werden sollen. Man möchie nur wünschen, daß diese Angelegenheit, die mit zu den brenneud'ten Tagesfragen gehört, nunmehr endlich in Fluß kommt.

G

Kurland.

* Vereinigte Staaten. Der dmmächftige Präsident Harding soll erklärt haben, nach der Ucbernahme der Regierung teerte er eifrig rne Politik her 9t ü « stungsernschränkungen betreiben. In engli­schen diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß d c Vereinigten Staaten die Rückgabe der vormals deutschen Kabel an Deutschland m Borsh'->- bringen werden.

DflKVfiwii'iierw in m uww imi i ir 11 -

O, ich möchte auch das andere Ihrem Ermessen und Gertruds Wunsche durchaus überlassen, liebe Mama", gab er zurück. *

Gertruds Wunsch . . . hm . . Sie lächelte wohl­wollend.Um den eben handelt es sich. Aber, wenn ich Ihnen Seelsngeheimnifse weiterplaudere, bie meiner mütterlichen Verschwiegenheit anvertraut würben . . ." Ihn schalkhaft anfehmd, legte sie ben Finger auf bie Lippen.

Lützenkirchen erhob lächelnd bie Hände zum Schwur. Stumm wie dos Grab!"

Nun denn, Gertrud ist fo entzückt von der Einrickv tung von Lützenburg, wie sie jetzt ist, daß sie sich nichts Lieberes denken könnte, als wenn alles in feinem gegen, wärtren Zustande verbliebe."

Lützenkikrchens Gesicht drückte Betroffenheit aus. Ei hatte andres zu hören erwartet. Zuglftch aber st'eg ein Gefühl der Rührung in ihm empor. Lieb hatte sie fein Haus mit dem aft-n Gerümpel barinnen lieb hatte sie es, weil es fein Hgvs mar! Unter dies'M Gefühl der Rühr "Ng den K"ps schüttelnd, meinte er:

Ich kann mit nicht denken, bah es ihr behaaen würde. Indessen, wenn es ihr wirklich e:ne Freude wäre . . .*

Selbstverstänbttch" fiel Frau Klara hastig ein, würbe ich ben für bie Woh lungseinrich'una festgesetz­ten Betrag her Mitgift beHen, ijnb Sie könnten sich ja bann später »och ganz nach Ihrem beiberseitigen Be. lieben einrichten."

Derrvttnbert sah er sie an. Aber augenblicklich bünkkte ihm die Erledigung einer andern Foane wich- tiaer, fo wicktia foaar, daß er sich selber ae"ötiat ge­sehen hätte, diese Frage ohne weitere Vorläufer anzu- schla-en, märe sie ihm nicht mit aller sachlicher Kürze zuoorgekmnmen.

Ich habe mir die von Ihnen seinerzeit gekannte Ziffer von breißiatansend Mark vorläufige Mitgift für Gertrud festgestellt und werde nunmehr an meinen Sachwalter, einen Freund meines verstorbenen Gatten, schreiben baß er bie Auszahlung für ben Hochzeitstag bereif hält. Ist es Ihnen <o recht, ober haben S'e fönst noch ein Anliegen, lieber Franz/ (Forts, folgt.)