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Amllicher Anzeiger für den kreis und die Sfadt Fulda.
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iRotationsörud u. ’Serlag der Fuldaer Acttenbruckerei in Fulda erno.ietfleT Nr. W Telegr.«2lbre e: Fuldaer Zrituna
Montag, 17. Januar )92|.
titjugspreis. uconantct) J.uu zilu ohne Zuneugeouyr. jn tfu.au Bei uns aCgcijolt 3,13 Ziit. Anzergrnyrers. Die K > e m ze ile Coionermaö) 6ö pjg., u. 10°io Zmchlag, die Neki amezeile (XejLioiette'11.80 IRL, u. 10% Zruchlag. Sei SBieberhm. iftcbait
48. Zahrg.
Zum Gedenktag vom 18. Januar 1871.
Am 18. Januar sind 50 Jahre verflossen, seit Deutschland seine Einigkeit wiedergesunden. Die Proklamation im Schlosse von Versailles verkündete feierlich den ewigen Bund der deutschen Staaten und Stämme, als auch den friedlichen Charakter des Reiches. Die neue Macht gelobte ausdrücklich ihre Beätigung „in den Werken des Frieden", und all das Zanken um die Schuld am Weltkriege kann nichts ändern an der Tatsache, daß Deutschland das damals errungene militärische Uebergewichl in Europa nicht mißbraucht hat zu Herausforderungen oder Eroberungen, sondern entscheidend gewirkt hat für die Erhaltung des Friedens durch mehr als 40 Lahre hindurch.
Da wir durch den unglückseligen Weltkrieg so ungeheuer viel verloren und in eine erdrückende Knechtschaft geraten sind, können wir den Gedenktag nur in Wehmut feiern. Aber wir brauchen ihn nicht in Scham zu begehen, da unser Wille zum Frieden auch in drn kritischen Tagen von 1914 ehrlich geblieben und da unser tapferer Widerstand gegen die übermächtige Koalition der Feinde in den Auoen aller Unparteiischen eine Ehre für den deutschen Namen bildete.
Wir hätten neues Ansehen und erhöhtes Vertrauen m der Welt gewonnen, wenn wir zum Gedenktag in dem bezeichneten Sinne brüderlich zusammen gegangen wären. Aber auf den Flügeln links und reckts haben die alten Gegensätze in dem Programm nnb in der Taktik sich auch setzt wieder heroorgekehrt. Die Eiferer oon beiden Seiten können ihre Sonderinteressen auch nicht einmal für die kürzeste Frist zurückstellen. Die einen wollen den Gedenktag zur monarchistischen Agitation benutzen; die anderen halten es für taktvoll, gerade zur Feier der Kaiserproklamation auf die früheren Monarchen zu schimpfen und die Revolution zu preisen, als ob der Umsturz schon ein Füllhorn von Glückseligkeit über uns ausgegosfen hätte.
Es zeigt sich auch an diesem Feiertag das nationale Uebel. das wir fo oft schon beklagen mußten: verschiedene Gruppen unserer Landeleute bringen es nicht fertig, das Vaterland über die Partei zu stellen.
Eine allgemeine Feier des 18. Ian. kommt unter den schwierigen Zeitverhältnissen nicht zustande. Das soll uns nicht hindern, den Gedenktag still unter uns erbaulich zu begehen. In Wehmut wegen der Sckickfalrscklöge, aber doch in Stolz auf die glänzenden Erinnerungen und in Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Wir können mit den Siegen von 1870 und 1871 wohl prahlen, denn Deutschland hat sie aus eigener Kraft errungen, was nickt alle Sieger von heutzutage von sich sagen können. Aber lassen wir den militärischen Lorbeer beiseite und suchen unfern Stolz lieber darin, daß das siegreiche Deutschland vor 50 Jahren einen schnellen und ehrlichen Frieden geschlossen hat, der dem Besiegten seine Lebenebedinaunaen ließ und ihm die Möglichkeit gab zur schnellen Erholung und zu einer überraschend starken wirtschaftlichen und w°ltpolitischen Kraftentfaltung. Wie vorteilfam hebt sich dieses deutsche Friedenswerk ab von dem grausamen. mörirerischen Vertrage von Versailles, den man uns seit zwei Jahren aufaezwunaen hat und der die Welt in andauernden Krämpfen hält!
Unser nationales Selbstbewußtsein wollen wir an dem Gedenktage des ehrlichen und dauerhaften Friedensschlusses von 1871 auffrischen und damit zugleich, dieHoffnung frisch beleben, daß schließlich die Well auch uns, den Besiegten, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zuteil werden lassen wird. Es regt sich auch auf der Gegenseite die Vernunft; aber sie kommt nur sehr lanosam vorwärts. Darum müssen wir mhe aushalten und vor allem das pflegen, was uns die Errungenschaften vor 50 Jahren gebracht und so lanae bewahrt Hoden: dienationaleEintracht. No iv-WoWAe
falscher Wert.
Roman oon S). Abt.
9) ----
„Wollen Sie hier noch ein paar Minuten mit mir Platz nehmen, Herr Lützenkirchen?"
Ueberrascht sah er sie an . Es klang, wie wenn eine Herrscherin einen Befehl erteilt. Und wahrlich, herrscher- wäßig genug sah sie aus: die walkürenhafe. Gestalt, die seine eigne hünenmähige Höhe fast erreichte, das trotz seiner derben Züge eigentlich schöne Gesicht mit den hoch- gewölbten, dunklen Brauen, den großen, nachffchwarzen Augen, den hochmütig geblähten Nüstern und den vollen, roten Lippen, hinter denen die breiten Zähne her- vorblitzten. Noch trug sie ihr schwarzes, nachichlettenbes Traueraewand und von dem Hut hernieder wallte der Krepplchleier. aber Edelsteine von ungewöhnlicher Groß--, die in den Ohren und am Aragersschluß funkelten, und die schwere Gollckette, daran die kostbare Uhr hing, bekundeten, daß August Eduard Pauly seit zehn Monaten unter der wuchtigen Marmorplatte seines Grabhügels von der Mühsal eines sechzigjährigen L'bens ausruhte.
Schnapsdorchen ... es wollte Franz Lützenkirchen Nicht recht gelingen, auch in diesem Augenb'ick das innerliche Lachen zu finden, das ihm bisher noch stets bei diesem Namen gekommen. Aber ebensowenig verspürte er Neigung, sich -hier zu traulichem Gespräch mit Frau Da- rette abzufondern, zumal da er gewahrte, wie man schon die Hälse nach ihnen reckte.
„Ich glaube. Sie werden ungeduldig erwartet und ich barf's nicht wagen, Sie Ihren Freunden zu entziehen," sagte er.
„Meinen Freunden?" Ihre Lippen schürzten sich ge- nngschätzig. „Ich gehe sparsam um mit dem Wort. Und hier der Platz sagt mir besser zu als jener dort." Und sich auf einem Stuhl vor dem Tischchen niederlassend sagte sie, den Blick fest auf Lützenkirchen gerichtet
„Ich hätte aem über einiges mit Ihnen gesprochen " Es blieb ihm nichts übrig er mußte, wollte er nich! 'geradezu unhöflich fein, sich gleichfalls letzech.
i »Allo womit kann ich Ihnen dienen, Frau PaulZ?"
Dpf crmflligteit, den Pflichteifer auf allen Gebieten des bürgerlichen und beruflichen Lebens.
Der Pflichteifer bei den bevorstehenden Wahlen sei die erste Frucht der Gedenkfeier.
Kabinett Briand.
Der ftanzösische Kammerpräsident P e ret, der ausersehen war, das neue französische Kadmett zu bilden, hat am Sonntag dem Präsidenten der Republik Millerand mitgeteilt, daß er die Bildung decs Mini- st e r i u m s n i ch t übernehmen könne. Rach den aus Paris kommenden Nachrichten ist die Kabinettsbildung hauptsächlich an einer Personenfrage gcsche tert. Die zahlreichen Elemente der Kammer, die nach einem „starken Mann" riefen, wollten unter allen Umständen den vormaligen Präsidenten Poincare tm Kabinett haben. Peret wollte Poincare zu seinem Finvnzminister wacher, was dieser jedoch ablehnte. Er erklärte, nur das Mm sterium des Aeußern annehmen zu wollen, für das Perei Herrn Briand in Aufsicht hatte. In der Tal ließ sick, Peret bewegen, Poincare das Portefeuille des Aeußern anzul-ceten. Dagegen lege jedoch Präsident Aiillerand Einspruch ein. Er erklärte seinen Wderspruch damft, daß durch Poincare zu große Schw engkeitm mit den Verbündeten (d. h. mit England) entstehen könnten. Da Peret auf die Mitwirkung Poincares wegen dessen großen Gefolgschaft auf der Rechten des Parlaments nicht verzchten wollte, legte er die Regierungsbildung wieder zurück.
Millerand hat daraufhin dem Abg. Briand, der bereits vor dem Kriege Ministerpräsident war und im Kriege auch die Leitung des Auswärtigen' hatte, ben Auftrag gegeben, dc s Kabmett zu bilden. Briand war dazu berat und bat dem Präsidenten bererts am selben Abend die Liste der v e u e n M i n i st e r vorgelegt. Sie setzt sich folaendermoßm zusammen: Vorsitz und Aeußeres: Briand; Justiz Bonneoay; Inneres: Mar- raub; Krieg: Barthov; Marine: Gu'st'hau; Fincmzen: Paul Doumer: befrei,r Gebiete und Wiedergutmachung: Loucher; öffentlicher Unterricht u. Künste: Leon Berard; Kolonien: Sarrauff Oeffentliche Arbeften: Le Troc- quer; Pensionen: Magnat, Handel: Lucien Dior; Arbeit: Daniel- Vincent, Ack-rbau: Lefebre du Pre; Ge- sundheitewesen: Lenedu Bei der Auswahl feiner Mitarbeiter bat Briand bie game äußerste L'nke der republikanischen Parte: ausgeschlossen, dageaen einige Wortführer trs nationalen Blocks aufgenommen.
Heber das Programm der neuen Regeirung wttd gemeldet:
Briand hat fein Programm den partamentari'chen Kollegen mit folgenden Worten bargelegt: Wir können uns mit einer langfristigen Politik befassen: wir müssen or- jetzige Sage zur Gesu. d"ng zu Timen wchen Es ist daher nötig, möglichst rasch hie ~umme zu bestimmen die Deutschland zu bezahlen hat, sowie den Betrag der Jahresraten in Waren und Geld und den Ameii am Gewinn der deutschen Inoust'üegese!Uchafte«>- Bor av-m aber sind Vereinoarungen mit den Alliierte-, tu treffen, um die von Deutsch and auszustellenden W»cksel auf diese oder jene Weife verwerten und in den Handel bringen zu können."
Die Rationalisten im Parlament, die eine Regierung Poincares verlangt Haffen, werden Briand mit M ß° trauen begegnen; sie befürchten oon ihm eine Politik der Auslohnung mit Deutschland. Eine Politik der Aussöhmmg wnd man mm sreil'ch von Briand ebeiffo wenig erwarten können wie von Poincare, immerhin aber mag das alte Urteil über Briand als berechtigt stehen bleiben, daß er wehr' Sinn für pol'tische Notwendigkeiten, auch wirtschaftsicher Art, besitzt, als Poincare und die um ihn.
• Wir in Deutschland tun gut, uns fern zu halten von allen optimistischen, ober auch pessimistischen Beurteilungen der außenpolitischen Fragen. Unser Ziel wird in jedem Falle das ble'ben müssen, durch die nur irgendwie mögliche Ersülluna des Friedensvertrages nachzuweisen daß dieser ein Widerspruch in sich felbft ist und em Instrument, daß sich gegen seine eigenen Urheber wendet.
Sie antwortete nicht soaleich. Währ-nd ihre Armen ungezwungen über seine beute in der Uniform doppelt prächtig wirkende Erscheinung hinglitten, umspielte ein seltsames Lächeln ihre Lippen und langsam sagte fie:
„Wie doch der äußerliche Anzug auch bas innerliche Wesen eines Menschen beeinflußt. . . Man kann nich! zugeknöpfter sein, als Sie es sind, in Ihrem roten Waffenrock."
Ueber feine Stirn zuckte es unmutig. Was fiel ihr ein? Gedachte fie unverschämt zu werden, oder — allzu vertraulich?
„Ich . . ."
Sie schnitt ihm das rasche Wort ab, indem sie gelassen sagte:
„Ich glaube. Sie können sich nicht denken, daß mir noch etwas anderes nahegehen könnte, als der Preis des Spiritus und der Stand der Produktenbörse."
Lützenkirchm hätte sich am liebsten beschränkte Z-it varschützend kurzerhand »rhoben, aber etwas in ihrer Art, in ihrem Ton hielt ihn zurück, und gemessen gab er zur Antwort:
»Ich weiß nichts weiter, als daß Sie eine sehr vor- zügliche Geschäftsfrau sind."
„Eine vorzügliche Geschäftsfrau . . . jawohl, seit sechs Jahren. Und vorher ehenfo viele Jahre hindurch eine gleich vorzügliche Gelchättstochttr. Denn Sie werden es wohl wissen, daß zch als Mädchm bei meinen Estern daheim von früh bis ’pät hinter dem Lodenstfch stand Als Kind bin ich mit ihnen auf den Jahrmärkten herumgezogen, die ganze fchlesifch-polnifche Grenze entlang. Dazwischen liegt ein verlorenes Jahr, das ich als Back- fisch in einem Pensionat verbrachte. Ein hochfeines Fräuleininstitut in Pofen! Meine Eltern hatten es ja dazu. Auch mit den nötigen feinen Kleidern war ich
ausgeftattet. Und die andern in ihren billigen 'n Lüfterfähnchen wußten es doch mdjt zu schätzen c ;r der Neid sprach aus ihnen, wenn sie mich Igk^ marktsdorchen" nannten. Mein Penstonssahr war die einzige mißglückte Geldanlage, die mein Vater je gemacht hätte. Aber den einen Dorfff hat es wenigstens abv°werfen — daß ich nachher hinter meinem Ladentisch vaheim keine Sehnsucht nach sogenannten höheren
Die neuen Kohlcnsorverungen.
Pedeuiende Verschärfung des Spa Abkommens.
Wie die Agentur Havas meldet, wurde der deutschen Kriegsiastenkommission von dem Wiederherstellungs- ausschuß das neue Programm für die Kohlenabliefe- rung.n offiziell übermitteln. Dieses in Jenen Grundzügen bereits bekannte Programm sieht für Februar und März je 2 200 000 Tonnen Kohicnlieferungen vor, für die weder die Prämienzahlung oon 5 Goldmark an Deutschland gelten soll, noch b:e Vorschüsse, die nach dem Spa-Protokoll vom August 1920 bis Januar 1921 zu zahlen waren
Zum Ausgleich des Lieferungsdefizits gegenüber den Vorschriften des Spa-Protokolls soll Deutschland sich verpilich.en, Ergonzungslieferungen mit Vorzug in Höhe von monatl ch 250 000 Tonnen auszuüihren. Das ganze Defizit lasse sich erst Ende Februar sest- fteUen
Die deutsche Kriegslastenkömmission nahm das Programm, das eine bedeutende Verschärfung des Spa- Abkommens bedeutet, zur Kenntnis, betonte aber, daß es sich hier nicht um en Uebereinfommcn (das Spa- Abkommen, das Ende Januar abläuft, sieht bekanntlich für die weiteren Kohlenlieferungen ein neues Abkommen vor. D. Red.) handele, sondern um eine Forderung der Wiedrrherst-chungskommission auf Grund des Versa'Iler Vertrages. Die deutsche Regierung werde demnächst einen Berich; über die verheerenden Folgen ttorleirn, die das Spa-Abkommen gezeitigt habe.
Wieviel schlimnier müssen also die neuen Forderungen w rken Dabei liegt für die Entente gar kein Grund vor ihre Forderungen zu erhöhen. Bei unserem Hauptgläubiger, Frankreich, ist der Kohlen- überfluß bereits so groß, daß dort die Kohlen- karten aufgehoben worden. Deutschland hat anderer- sests unter den größten Entbehrungen seine Verpflichtungen fast vollständ g erfüllt. Man hat anfchffnend brühen die Absicht, die Forderungen so doch zu spannen, daß Deutschland sie einfach nicht erfüllen kann, fodaß man Vorwände zu irgendwelchen Reprefsakien hat.
Oberschlesterr.
Die Zukunft der oberschlefischen Industrie.
Die intern. Kommission richtete an. die führenden Persönlichkeiten der oberschlesifchen Industrie eine Rundfrage. ob die Ex'st-nz der oberschlesifchen Industrie durch den Ueberganq Oberfchlesiens an Polen bee-ntröchtigi würde und welche Maßnahmen erforderlich ff»», rrn die Weiterarbeit der Industrie zu sichern S'mt'-che Antworten auf diese Fraoe klingen in das Urteil aus, daß die Loslösung Oberlchstsiens aus dem deuffchen Wirffckaftsg-biete das Todesurteil für die ober- fcklefifch« Industrie in allen ihren Teilen und für alle Zeit bedeuten würde.
Verstärkung der Ententetrnppen.
Der ,Secolo' meldet au§ Turin, daß vom Bott fcbaftrrrat aurb die Ver ärfuna der fron'öfiirben und englischen Truppen in Obersckleffen zur Sicherung der bevorstehenden Abstimmung an eordnet wurde. ' )
Gevan erte N-Boote?
Während des Krieges hat die U-Boot-Waffe eine vorher nicht geahnte Entwicklung genommen. Unmöglich blieb es aber, die Boote zum Schutz gegen Wasserbomben und Gefchützfeuer mit einer Panzerung 3u versehen, da das Problem, beim Auftauchen bas Gleichgewicht zu erhalten, unlösbar schien. Jetzt sollen, wie der „Deutsche Zeitungsbienft" meldet, die Versuche von Geheimrat Prof. Dr. Oswald Flamm, Ordinarius für Schiffsbau an der Charlottenburger Tech- Nischen Hochschule, zu einem Ergebnis geführt haben, bas den Bau von Unterwasserkriegsfchrffett jeder Größe mit Panzerdecks, Seitenpanzer und gepanzerten Aufbauten gestattet. Erreicht wird dies durch ein neues
Kreisen verspürte und ganz gvfreben war, als eines Tages August Pauly mit meinen Eltern über mich han- besleinig wurde. Die Haupffache bleibt immer daß einer feinen richtigen, festen Standpunkt behält. Und auf dem habe ich als Schnapsdorchen noch keinen Augenblick das Gleichgewicht verloren."
Lützenkirchen fühlte wie das Blut ihm ins Gesicht schoß. Was war das? Wollte fie sich bezahlt machen an ihm für den Spott, die geseslfchaitliche Mißachtung all der andern? Aber ihre völlige Gleichmüttgkeit in Ton und Miene ließ den Gedanken kaum aufkommen. Und als errate sie diesen, sagte fie, sich gegen die Stuhllehne zurückbiegend, mit eisig kaltem Hochmut: „G'au- ben Sie wirklich, daß ich mich durch irgend einen Menschen gekränkt oder zurückgesetzt fühlen könnte? Da mützte ich den ja für etwas Besseres halten, als mich selber, und so einen habe ich noch nicht gefunben. Und denken Sie nicht etwa es märe mir wie dem F"chs mit den fauren Trauben. Was ich will, das fetze ich auch durch! Wäre es mir wirff'ch drum zu tun ge- wesen, hier als anädige Frau tituliert zu werden, so hätte ich nicht lange darum vor den Türen zu betteln brauchen und hätte auch dri men von den anderen nicht mehr abgestochen wie dazumal in Posen. Aber . . . ich habe es nicht gewollt. Ein „über mir" erkenne ich nicht an. Höchstens . . . daß ich einmal einen als mir gle-ck achten wächst."
Mst immer fehfamerm Empfinden mar Lützenkirchen ihren Worten gefolgt. Teils war es ihm. als müsse er in G lackier ansbrechen über diese profeenhafte Unverschämtheit, zum andern aber begann Frau Dorette Paulp ihm Achtung einzuflößen.
Sie sah ihn steif an, während er veraeblich die passende Entgegnung suchte, und langsam kam ein merkwürdiger Ausdruck in ihre Züge. Um den Mund foielte ein Lächttn auf die Augen aber glühten in leiden'chaft- lichem Ernst. Und fo ihn unverwandt anblickend, sagte sie:
„Es hat etwas Seltsames, wenn eine die sich vorher nie um ihr Alter kümmerte, plötzlich entdeckt, daß 28 Jahre noch ein Stuck Jugeich bedeuten." (Forff. [.)
Stabilisierungsprinzip, das Prof. Flamm entdeckt haben soll.
Eine längere Erläuterung der Vorteile der neuen Erfindung beschließt der „Deutsche Zeitunasdienst" mif den Worten: „Es ist ein tragisches Verhängnis, daß eine so grundlegende Erfindung erst jetzt zur praktischen Vollendung gelangen soll, wo tmr den Krieg verloren haben und uns der Bau oon Unterseebooten und Unterseeschiffen untersagt ist." Der genannten Korrespondenz zufolge sind für England, Italien und Holland die Patente bereits erworben, während mit Amerika noch Verhandlungen schweben.
Aus dem besetzten Gebiet.
Der 18. Januar. Die interalliierte Rheinlandskom- mlfion Hai trotz des Protestes des Reichskommissars für die befehlen rheinischen Gebiete entschieden, daß die Verbote vaterländischer Kundgebung am 18. Januar, die von verschiedenen französischen Krersdelegierten ergangen sind, zu Recht beständen, und hat bas Verbot auf das gesamte besetzte Gebiet ausgedehnt.
^ Gewaltherrschaft, ßanbrai Lemina von Neuß erhielt sechs Monate Gefäng äs und 10 000 Mark Ge d- strale wegen Ungehorsams gegen einen militärischen Befehl; er hatte es unterlassen, eine von ihm anneforberte Nachweisung über Automobile rechtzeitig zu lie'ern. In Koblenz finb vier Beamte ber Re.chsvermögensverwal- tung von ben Amerikanern ihres Amtes entsetzt worden, weil sie einer Requisitionssorderung nicht unverzüglich nachgc kommen waren Dem Oberbürgermeister Jahnke von Höchst a M, der während des Waffenstillstandes von den Franzosen ausgeroiefen worben roarr, ist ein neuerliches Gesuch um Wiederzulassung ins besetzte Gebiet und Wiedereinsetzung in sein Amt abschlägig be= schieden worden — Der frühere bayerische Minister- nräfibent, Reichstagsabg. Hoffmann, ber in St. Ing'^rt in einer sozialdemokratischen Versammlung sprechen wollte, wurde bei der Paßkontrolle in Homburg ungehalten und an ber Einreise in das Saargebiet verhindert.
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In Berlin haben nm Samstag die Kommunisten und ihre Mitläufer der Feier der Reichsgründung eine eigene „Feste" Dorausgenomnrn, nämlich eine Demonstration wegen des Todes von Liebknecht und Rosa Luxemburg, die be ten schließlich in eine Ruhestörung und etwas Blttwergießen Unter den Linden ausgelaufen ist. Es begann mit ter üblichen Versammlung im Lustgarten unter freiem Himmel, wo sich einige tausend Kommunisten. meist jugendlichen Alters, 3ufammenfanse.n. Nach ber Versammlung hetzten einige ber Führer die Versammelten mit Zurufen, wie „selb doch nicht feige!", zu einem Demonstrationszuge durch dte Straße „Unter ben Linden" nach dem Brandenburger Tod auf. Seitdem das Gesetz über ben Bannkreis um ben Reichs ag in Kraft ist, sind geschloffene Züge „Unter ben Lin en" von ber Kreuzung der Charlottenstraße ab verboten. Die Schutzpolizei b'tte daher auch Vorkehrungen getroffen, solche Demonstrationszüge nicht durchzulasfen. Die schwache Absperrung an ber Ecke Charlottenstra e ro^rbe jeboch durchbrochen. Trotz mehrmaliger Warnung marschierte der Zug unter Vorantragung roter Fahnen weiter und gefolgte schließlich bis zum Pariser Piatz. Dort trat ihnen ein Führer ber Schutzpolizei mit ’ünf Ma m entgegen. Auch er richtete an bis Demonstranten die Aufforderung, umzukehren. Die Demonstranten beachteten diese Aufforderung nicht; ber Polizeiossizier gab darauf aus einem Karabiner einen Schreckschuß in die Lust ab. Auch biests Warnungszeichen übte keine Wirkung aus. Der Zug marschierte weiter und kam nahe an die Wache am Brandenburger Tors heran. Hier gab die Wache schließlich mehrere Schüsse ab, von denen die beiden Fahnenträger und noch zwei weitere Personen getroffen wurden. Die Wirkung der Schüsse war, daß die Demonstranten sofort ausemanberftoben.
Die Einig»», mit den
Beamten und Eisenbahnern.
Die Besprechungen zwischen den Regierungsvertretern und den Spitzenorganisationen der Beamten und Arbeiter haben erfreulicherweise diesmal zu einer Einigung geführt. Trotz des Ernstes der Finanzlage ist die Reichsregierung in der Bemessung der Teuerungszuschläge noch einen Sckritt über ihre letzten Zugeständnisse hinausgegangen. In Ortsklasse A ist, wie schon telegraphssck gemeldet wurde, der Satz von 70 Prozent, also 20 Prozent Zuschlag zu den bereits gewährten 50 Prozent, aufrecht erhalten worden. In der Ortsklasse B tritt eine Steigerung ein auf 67 Prozent (letztes Zugeständnis 65 Prozent), in Klasse C auf 65 (60) Prozent, in Klasse D auf 60 (55) Prozent, in der Ortsklasse E ist es bei dem Zugeständnis von 55 Prozent Tsuerungszufchlag geblieben, dagegen find die Teuerungszuschläge zu den Stunden- löhnen der Eisenbahnarbeiter durchweg um 10 Pfennig erhöht worden, was hn ganzen eine Erhöhung umeinDrittelder bisherigen Zugeständnisse bedeutet.
Die ursprünglich für die Erhöhung der Beamten- gehälter und Arbeiterlöhne ausgeworfenen 2,8 Milliarden erhöhen sich durch diese weiteren Zugeständnisse um 900 Millionen auf 3.7 Milliarden. Mit Rücksicht auf diese sehr erheblichen Zugeständnisie haben die Beamtenverbände und bi'e Gewerkschaften ihre weitergehenden Forderungen wesentlich eingeschränkt. Regierung, Parteien und Organisationen betrachten die zustande gekommenen Beschlüsse als bindend, wobei die Vertreter der Organssaiionen nicht verkannten, daß sie bei ihren Mitgliedern noch Schwierigkeiten werden überwinden müssen, um den Standpunkt der Vorstände überall durchzusetzen. Der Deuffche Eisenbahnerverband, die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und Staatsbediensteter und der Allgemeine Eisenbahnerverband sagen in einem Aufruf an ihre Mitglieder, daß die Zugeständnisse erfüllt worden sind unter Mitwirkung von Vertretern aller großen deutschen Spitz-noraani- fationen und nach vollständiger Erschöpfung des Verhandlungsweges. Sie warnen vor Teilstreiks. vor der Teilnahme an den von kommunistff'ber Seite auf Sonntag einberufenen Kundgebungen und zu leidenschaftloser Priss'mo der getroffenen Vereinbarungen.
Die Reichsreoierung, vor allem das Reichsssnanz- minifterium, steht jetzt vor der A'tt"abe, die Deckung zücht pty; gjr £&£ 3 1 -V* chtv', •