Lomterstag, 13. Januar 1921.
--- Mldaer Eieitung
Druck der Fuldaer Aelieudruckerei in Fulda
X
Hochwasser und im Talgiunde zwischen
führt Heim- grotze
aus dem Nachvargevlet.
Aus dem Werragrunde. Die Werra
Kapitel der Apostelgeschichte, die kommunistische Wirt- schaftslehre als Urchristentum ousaufieben. Dort ist aber von einer freiwilligen kirchlichen Armenpflege großen Stils, nicht von einer zwangsweisen Aushebung des Privateigentums die Rede. Der heutige Kommunismus will den Gemeinbesitz zu gleichen Teilen verteilen, die Apostelgeschichte aber spricht von einer Verteilung „je nach Bedürftigkeit", also zu ungleichen Testen. Der Kommunismus in der Urchristengemoinde von Jerusalem sagt dem Armen: „Bruder, was mein ist. soll dein sein", der heutige Kommunismus sogt dem Reichen: „Mensch, was dein ist, muß mein werden/
boldshausen und Gerstungen stehen bereits Wiesenflcichen unter Wasser.
f£>. Offenbach. In der belebten Anlage Ecke
Aus dem besetzten Gebiet.
• Meldepflicht der »u-linder. Der Re nerun-Spräsi. deut in Wachen wollte für seinen Bezirk eine Polizei- berorbnunn über die Meldepflicht der Ausländer erlassen. Die Verordnuni soll e bestimmen, daß jeder Ausländer sich innerhalb 48 Stunden nach seiner Ankunft bei der Orte Polizeibehörde anzumelden habe. Die Rheinlandkommission teilte daraufhin mit, daß sie gegen die Anwendung der Polizeiverordnung nichts einzuwendcn habe, unter dem Vorbehalt, daß Die Bestimmun en weder auf die Oberkommisiion, noch aus die BesatzungS» armee, noch auf da? der Oberkommission und den Armeen bei eaebene Personal un) auf die Familien dieses Personals Anwendung finden dürften. Auch auf die Untertanen aller der Mächte, deren Truppen an der Besetzung teilnehmen, zollte die Polizeiverordnung nicht angewandt werden dürfen. — Diese Forderung schlöffe also in sich, daß jeder Engländer, Bel ier, Franzose oder Amerikaner ohne jegliche Meldepflicht jederzeit das besetzte Gebiet betreten könnte. Eine geregelte Verwaltung au dem Gebiet der Fremdenpolizei würde dadurch in der bedenklichsten Weise erschweit. Jnfolgedeffen hat der deutsche Reichskommiffar für die besetzten rheinischen Gebiete an den Präsidenten der Ober- kamrniffion ein Schreiben gerichtet, in bem er anerkennt, oaß die Verordnung sich nicht auf die Mitglieder der Rheinlandkommlssion und auf die übrigen bevorrechtigten Personen erstrecken solle, jedoch könne nicht zu- gestimmt werden, daß auch alle übrigen Staatsangehöri en der Besetzungsmächte von bet Meldepflicht befreit fein sollten. Die deutsche Regierung hofft, daß durch diese Gründe die Rheinlandkommlssion sich veranlaßt sehen wird, ihie Enischeidung über die Melde, pfli t-t der Ausländer eine Naä Prüfung zu unter iehrn.
Französische „Menschlichkeit". Die französische Regierung hat es fertig gebracht, sich beim Auswärtigen Amt darüber zu beschweren, daß die städtischen Behörden in Mainz die Zuteilung von Milch, wie sie an die deutschen Einwohner erfolgt, an die dortige französische Zivilbevölkerung abgelehnt habe, west die französische Zivilbevölkerung bei den Milchverteilungen der Besatzungsbe- hörden berücksichtigt werde. Die französische Regierung bestreitet, daß die französische Zivstbevölkerung dmch die Besatzungsbehörden Milch erhält. Sie nennt die Weisung der städtischen Behörden eine Verletzung des Artikels 277 des Vertrages von Versailles, wonach die Angehörigen der alliierten und assoziierten Mächte in Deutschland ständigen Schutz genießen sollen. Der Schutz von Personen und des munündigen Kindes umfasse offenbar auch die Lieferung der zum Leben notwendigen Milch. Mit anderen Worten, die Regierung, die den deutschen Kindern auch die letzten Tropfen der zum Leben notwendigen MUch sortnehmen will, verlangt, daß dos so ausgeplün- derte Deutschland die Milch, die es noch übrig hat, an die französifchen Zivilisten abgibt, die nach dem Kriege im Gefolge der Besatzungstruppen oder als Schieber und andere, die aus der Valutadifferenz Nutzen ziehen wollen, in deutschen Landen schmarotzen. Rechtlich läßt sich die Beschwerde wohl aus dem Versailler Schandvertrag be» gründen — welche Niederträchtigkeit gegen Deutsche ließe sich nicht aus diesem Machwerk herleiten? — moralisch sticht sie auf demselben „Tiefstand" wie die Milchküheforde- rung, die Hungerblockade, eben wie die „Menschlichkeit" der Entente.
Kaiser- und Sprendlinger-Straße hielien Dienstag abend junge Burschen ungeniert Revolverschietz- übunaen ab.
(mc) Frankfurt a. M. In der letzten S t a d t v e r- ordn etenvstrsammlung unterhielt man sich über die Not des Hausbesitzes, die von allen Seiten de« Hauses, mit Ausnahme der äußersten Linken, zugestanden wurde. Trotzdem gaben die me'sten Redner der Meinung Ausdruck, daß es nicht angängig fei, eine Mietssteigerimg über 20 Proz. dem Hausbesitz zuzugestehen, selbst dann, wenn der Ma- g'strat die Haussteuer nicht fallen lasse, lieber diese Steuer wird es voraussichtlich zu einem großen S er- waltungsstreitverfahren kommen, da dieselbe in den Augen der Hausbesitzer als ungesetzlich gilt.
— Hadamar. Vom 5. bis 9. Januar fanden in Hadamar und in sechs anderen Gemeinden der Kreise
Der Münchener Erzbischof über Voltswirtschaft und Ctzristentnm.
.... verstossenen Monat Erzbischof
In Munch«» Michaels-
©t. v. Fau lhab Zuhörern mit feiner befann- Ki iSSSretfatr kÄt Dorträge, in denen er die *en. ^mre^^,e?rnceii der Zeit mit den sieben Bitten des sozürlen Haup.fr gen Vorträge fanden eine solche ikuerunfers d f -e|amte Münchener Presse ohne
der Partei aber sie jedesmal in längeren Be- Sen ?kfS Nochsirhend einige ^ispiele dafür, ^ffribitoof Faulhaber zunächst über Kapital und Arbeit damr über Privateigentum und Boi fchew ismus sich aussprach:
Da« Evangelium fetmt einen Kapitalismus, der n n f r a ut ist, und einen, der Weizen ist, ein Kapital, O," «ür t>ie Mammonsknechte und Praffer und Drohnen der Gesellschaft einen Fluch bedeutet, und ein Kapitol, das kür die Familie, die soziale Wohlfahrt und den eignen Arbettsgeist em großer Segen ist. Das Kapital ist heute fc, ander« Taschen gewandert; der Kapstolismus aber fft nicht auseestorben. Der alte Kapitalismus noch europäischem Muster hat bisweilen mit Geißeln geschlagen, der neue Kapitalismus nach amerikanischem Muster wird mit Skorpionen züchtigen. Paulus erwartet von allen Chri- ften ehrlichen Arbeitswillen (wer nicht arbeiten will, soll auch nicht effen) und den Stolz, fein eignes Brot zu effen. Die christliche Wirtschaftsordnung muß wünschen, daß der unselige Gegensatz zwischen Handarbeitern und Geistesarbeitern endlich wufhört. Die christliche Wirtschaftslehre mahnt die Arbeiter an ihre Pflicht, rechte Arbeit zu leisten, Hab und Gut der Arbeitgeber zu schonen, nicht von maßlosen Versprechungen sich einfangen zu lasten und die Rechte der andern Stände zu achten. Der Arbeiter muß mit seinem Lohn seiner Familie einen menschenwürdigen Unterhalt geben können. Ein zweites Arbeiterrecht, das freie Dertragsrecht, enthält zugleich die gesellschofüiche Voll- und^Gleichberechtigung des Arbeiter st andes. Jeder Arbeiter sollte Aussicht haben, sich mit der Zeit Grund und Boden zu erwerben. Die Frage der Arbeitszeit kann nicht nach der Einheitsschablone des Achtstundentags, sondern nur nach der Arbettsleistung und den örtlichen Verhältnissen beantwortet werden. Eine überspannte Gleichheit könnte zur größten Ungleichheit werden. Die freiwillige Mehrarbeit verbieten oder gar dmch ein Arbeits- gesetz unter Strafe stellen, wäre wirtschaftlicher Wahnsinn.
Die christliche Wirtschaftsordnung hält aus guten Gründen am Privateigentum fest. Der geistig reife Mensch will sein eignes Brot effen und nicht von der Gnade einer staatlichen Wirtschaftsstelle abhängig sein. Ehristi Wort: „Fraget nicht, was werden mir effen" will die übertriebene, nicht die vernünftige Witrfchastssorge verbieten und ganz gewiß nicht den wirtschaftlichen Stumpfsinn heilig sprechen. Wir haben in der Kriegswirtschaft und in den Kriegsgesellschaften einen Vorgeschmack der Gemeinwirtschaft gehabt und haben diese Wirtschaft gründlich satt bekommen. Wo der Fa u l e genau so weit kommt wie der Fleißige, da muß alle Arbeitsfreude und aller gefunde Ehrgeiz ab- fterben. Wo sehe persönliche Beziehung zu den Rohstoffen und Betriebswerkzeugen fehlt, da muß eine grenzenlose Schleuderwirtschaft einreißen. Keine Wirtschaftsordnung kann olle Mißstände und Fehlgriffe vermeiden; die auf Privateigentum aufgebaute Wirtschaft aber bietet wenigstens eine größere Bürgschaft für Arbestsgeist und Ar- beAsordnung. Das siebte und das zehnte Gebot haben bas Privateigentum geschützt und anerkannt. In diesen Geboten sind auch dem Staatsrecht in der Frage der Enteignung des Privatbesthes Grenzen gezogen. In Wirtschaftsfragen heißt das Problem nicht mehr Sozialismus, sondern Bolschewismus. Nehmen Sie den Menschen, wie er wirklich ist. mit all den Instinkten des Raubtiers, wie er sich in den letzten Pahren entlarvt hat, nicht in der Jdealgestalt, wie ihn phantasievolle Schriftsteller uns normalen wollen! In kleinen Betrieben ist ja die Unfähigkeit leichter auszugleichen; wenn aber in einem das ganze Reich umfassenden Gemeinschaftsbetrieb die Un- fähigkeit an leitender Stelle steht, dann muß das auf den gesamten Arbeitsmarkt zurückwirken und das wirffchast- liche Leben ins ©nMofe erschüttern. Auch die christliche Wirtschaftslehre fft gegen Auswüchse der Zinswirtfchast, Siegen die Vertrustung der Volkswirtschaft, ist für die stu- enweffe Besteuerung der großen Vermögen und für gerechte Lohnverhältniste. Auch sie könnte sich mit einer Erweiterung der gemeindlichen und staatlichen Betriebe abfinden, die ihrer Natur nach auf Gemeinfchastsnutzimg Hinweisen und nur mit Gemeinschaftsarbeit gehoben werden können, vorausgesetzt, daß das Privateigentum nach dem siebten Gebot a b g e l ö st wird und eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit vorliegt.
Immer kehrt jetzt das Schlagwort wieder, Christus fei selbst Kommuni st gewesen. Einem Kommunisten gegenüber („Sage meinem Bruder, daß er die Erbschaft mft mir teile!“) lehnt es aber Christus ausdrücklich ab, als Erbschaftsteiler aufzutreten. Ein andres Wort von chm: „Wer zwei Röcke hat. gebe dem einen, der keinen hat!" — es heißt, nebenbei bemerkt, nicht: „Wer einen Rock hat, nehme dem einen, der zwei Röcke hat" — soll den Kommunismus der nehmenden Hand, den Kommunismus des Pelikans, nicht aber denjenigen des Raubgeiers verkündigen, verhält sich also zu dem roirt« Ichaftlichen Kommunismus von heute wie der Tag zur Nacht. In komnnmistischen Kreisen wird weiterhin der Versuch gemacht, mft Berufung auf das vierte und fünfte
Falscher werk.
Roman von H. Abt.
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Gertrud war an das Fenster getreten, hielt die Hände gefaltet und lauschte.
„Wollen wir hinausgehen in den Garten?" sagte Lützenkirchen.
Seine Frage war eine allgemeine, doch auf Gertruds stummes Kopfnicken wartete er nicht, bis auch die an* bera ihre Zustimmung gaben. Die Tur öffnend, die von dem Zimmer direkt ins Freie führte, schritt er neben Gertrud die Stufen hinab.
Ueber den breitästigen Linden stand der Vollmond, nn den Fliedersträuchern hingen die Blütentrauben, in deinen Teiche plätscherten und glucksten leise die Weilchen, und in den Büschen sangen die Nachtigallen.
Die beiden fragten nicht, schauten sich auch nicht um, ob auch die andern ihnen folgten, ob sie es vorzogen, aus bequemen Seffeln dieses Abendkonzert vom Zimmer m»S Azoren. Den schmalen Gartenpfad, auf dem das Monolichr lag, schrstten sie dahin, ins kuschige Grün hin- em wo bte Nachtigallen fangen.
Um ihre Seelen sangen mit.
Zod) eine sehnsüchtige, schluchzende Klage, ein großes starker, gewaltiges Lied rauschte auch in ihm, hob sich empor wie krafffchäumende Woge, die über die Dämme dahinbricht . . . wortlos, jählings in heiß aufflammender Leidenschaft hatte Lützenkirchen Gertrud umfaßt und ihren Mund geküßt.
Sie wehrte ihm nicht. Das Haupt zurückgebeugt, schaute ihr Gesicht im Mondalanz zu ihm empor, und in ihren Augen meinte das Glück.
„Gertrud, willst Du's, kannst Du's denn — mich fieben?“
Ob sie es konnte?! Wie er da vor ihr stand, stark und stolz in feiner blonden Geckenhaftigkeit, ehrlich und wahr mit jedem Hauche seines Wesens, war er ihr Held, den sie bewunderte.
»3dj kann nicht anders mehr als nur Dich lieb haben!“
Still waren sie ins Zimmer zurückgekehrt. Keines wollte mehr reden jetzt, jedes sich in die Seligkeit dieses Abends zu Ende leben. Nicht den Dritten heute da hineinziehen. Heute nicht. Sie hatten es nicht ausgesprochen und hatten es sich doch gesagt mit dem letzten Kuß, zu dem sich ihre Lippen sanden — morgen.
Es ward ihnen leicht gemacht drinnen im Zimmer. Frau Mengers stand bereits zur Heimfahrt gerüstet da, vor der Rampe hielt der Wagen, und ein eiliger Abschied wurde genommen.
„Auf Wiedersehn!" sagte Lützenkirchen, Frau Klaras Hand küssend. Und dann noch einmal mit flüchtigem Drucke Gertruds Finger streifend, ein letztes stumm- seliges — morgen!
4.
Ob auch Gertrud kein andeutendes Wort zu ihr gesprochen, Frau Mengers hatte doch andern Tages Lützenkirchens Besuch erwartet. Und er war gekommen, hatte gebeten, ihr bestes Gut ihm anzuvertrauen. Sie hatte ihm zugehört, den Blick auf die im Schoß gefalteten Hände gesenkt, hatte diese Hände an die Augen gepreßt und sie ihm bann entgegengestreckt: „Mein lieber Sohn!“
Nicht mel Worte wurden weiter zwischen ihnen gewechselt, und als Frau "'ara sich anschickte, die Mit- giftfrage zu berühren, wehrte er ab:
„Nicht in dieser Stunde."
Sie lächelte gütig. „Sie haben recht. Und . . . wir wissen ja darin wohl ohnehin beide Bescheid."
Auch zwischen Lützenkirchen und Gertrud gingen nicht viele Worte hin und her. Tiefinnerstes Glück ist nicht geschwätzig, doch als der Abschied genommen, da stürzte Gertrud mit seligem Schluuchzen an der Mutter Brust.
Diese strich ein paarmal mft den weißen, vollem Händen über das blonde Haupt, dann sagte sie mit heimlichdrängender Eile: „3a, ja, mein Kind, beruhige Dich ... geh ... laß mich ein wenig allein ... ich habe zu denken."
Erregt schritt sie im Zimmer hin und her, nachdem die Tochter es verlaflen. Die Gedanken jagten sich in ihr. Dieses eine also war geglückt, nun galt es das
Limburg undWeilburgZ entrumSöerfammlungen statt, in denen Parteisekretär Müller-Marburg über „Wirtschaft?- und Äulturfrapen feit der Revolution" ,prach. Der überaus zahlreiche Besuch der Zentrums- Versammlungen in allen Orten war ein verhechungs- voller Au,takt für die Preußenwahlen.
vermischter.
* Eine neue Art „Verdiener". Man kennt den Kriegsgewinnler, man lennt auch den Revolulions- gerotnnler. Zu diesen beiden neu aus dem Wirrwar der Zeitgeschicke entstandenen Menschen! affen haben sich setzt nicht minder habgierig die Wiede rgut- machu ngsgewin nler gesellt. Die Kunde hiervon neben wenige Zeilen aus der belgischen Zeiiung ,8e Metallurgiste', wie folgt: „Die Kriegs-Zeri.ö» imtgen in Belgien gereichen vielen belgischen Kap.» talisten zum Vorteil. Manche Aktiengeiellschaf en erhielien als Kriegsentschädigung dafür, daß ein Teil von ihrem Besitz zernört wurde, das Zwet- und Dreifache ihres Akirenkapitals. Andere, welche 1514 schon vor dem Konkurs standen, sind jetzt durch die Kriegsentschädigung reich geworden". — „Reich geworden" — durch das deutsche Volk, das in Lallen für die „Wiedergutmachung" fast umzu- kommen droht!
* „Gestohlen beim Magistrat Potsdam!" Um sich vor Dieben zu schützen, Hal der Magistrat Potsdam zu einem nicht alltäglichen Mittel gegriffen. In den Magistratsräumen des Stadtschloffes sind in der letzten Zeit eine Unmenge Glühbirnen ans den Beleuchtungskörpern gestohlen worden. Um nun das Stehlen der Glühbirnen zu verhindern, werden sämtliche Glühbirnen mit der geätzten Inschrift „Gestohlen beim Magistrat Potsdam" versehen. Bar Ankauf dieser Glühbirnen wird gewarnt.
* Zeichen der Zeil. In einer Rostocker Zeitung fand sich folgende Anzeige: „Zum Stadtpark" Mittwoch: Großer Arbeitslosenball. Emtr'tt frei. Anfang 7'/- Uhr. — Im Eifeldors Maye n, das amerikanische Besatzung hat, bringt das Lokalblatt mtch- sleh-nde Ankündigung: „Tanzvergnügen. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, beginnt im „Hotel zur Reichs- S" ein allabendlich stattfindendes amerikanisches qkränzchen. Jede Dame erhall pro Tanz 1 Mark. Zivil sten haben keinen Zutrilt." — Als Gegenstück hsirzu diene folgende Meldung der „Frkft. Ztg." aus Heidelberg: Auf dem Königsstuhl in der Nähe des Kohlhofes wurde die Leiche eines Marmes aufgefun- den, der sich verg stet hatte. Der Tote ist anscheinend Akademiker. Er trug eine goldene Brille mit scharfen Oiäfem. Seine Kleidung macht eeinen völlig verarmten Eindruck. Er hatte kein Hemd mehr auf dem Lobe.
* Riekenbrand in Petersburg. In der Neujohrs- nacht wurde Petersburg, wie erst jetzt über Kopenhagen bekannt wird, von einer gewaltigen Feuersbrunst heim- gefmht. Die Redaktionslokale und die Druckerei der „Isoeftija" sind vollkommen zerstört. Auch die Druckerei der „Krasnaja Gazetta" hat unter dem Feuer stark gelitten. Nach drÄzehnstürÄiger Lasch- arbest gelang es, des Feuers Herr zu werden.
Märkte.
fd Frankfurt a. TR.. 12. Ion. Der heutige Pferdemarkt war von etwa 2260 Tieren beschickt, unter denen sich ausgezeichnetes Material aus Norddeut'ch- land, Mannheim und Köln befand. Für schwerste Arbeitspferde wurden die bisherigen hohen Preise angelegt, dagegen war bei dem Handel von mittleren Wa- aen- und Lastpferden, der in flotter Form verlief, eine Preissenkung zu verspüren. Die Nachfrage nach Schlachtpferden war gering. Hohe Preise, teilweise bis zu 30 000 Mk.. legte man für Zuchtstuien erster Qua'i- fät an. Der Markt wurde bei starkem Besuch geräumt. Wie aus Fachkreisen versichert wird, hat der Frankfurter Pferdemarkt alle anderen deutschen Märkte nunmehr bei weitem überflügelt.
Amtliche Anzeigen.
Ilm Gesundheitsschädigungen durch Mäusevertil- gungsmittel zu vermeiden, gebe ich Nachstehendes be- fannt:
Verhaltunqsmatzreaelir
tur Verhütung von Sesundheiksschädigungen durch die Mäuse- und Rattenvertilgungsmitkel, welche Bakterien aus der Gruppe der NuttenschSblinge ober Mänsetyphus- bazillen enthalten.
1. Die Bakterien der bakterienhaltigen Mäuse-, Ratten- und Hamstervcrtilgungsmittel sind für den Menschen nicht ganz ungefährlich.
2. Durch Aufnahme größerer Mengen solcher Bakterien können Durchfälle und selbst schwere Erkrankun
andre, um deswillen sie dies eine herbeigeführt, das nun wiederum von jenem andern abhing. Denn Frau Klara, die bei dem gestrigen Gutsbesuche mit scharfem Auge um sich geschaut, zweifelte nicht im geringsten daran, daß Lützenkirchen, ungeachtet seiner Zuneigung zu Ger- trüb, von der Verlobung zurücktreten würde, wenn er sich in der erwarteten Mitgift getäuscht sähe. Nun, er sollte nicht darum betrogen werden. Anton Weibrecht geizte nicht mit seinem Reichtum, er würde unter irgend einer Form zur Hergabe von dreißigtausend Mark zu bewegen sein . . . wenn es erst so wett war!
Aber wie es beginnen? Wie ihn hierher bringen? Ihn einladen ... Er mochte bas nicht. Und warten bis er von selber kam ... es konnten Wochen vergehen. Er war schrullig, unberechenbar mit seinen Besuchen, seit jenem letzten hatte er sich noch nicht wieder sehen loffen. Wenn ihre Gedanken die Kraft besäßen, ihn hierher zu zwingen!
Sie trat an das Fenster, zog die Gardinen zurück und blickte hinaus. Und mit einem Male schlug es ihr rot in Stirn und Wangen, ihr Kopf beugte sich hinaus, die ganze Gestalt reckte sich höher, ihre Augen blickten .. . hatte ihr Wille Zauberkraft geübt? Anton Weibrecht kam die Straße herauf.
Noch sah er sie nicht Nach seiner Art, den Kopf gesenkt, mit den Augen den Boden streifend, kam er langsam daher. Gesenkter Kopf, eingebogene Schulter, kaum mittelgroß die Figur, eckig die Bewegungen, das Gesicht unschön, fast häßlich in seiner knöchernen Hager, feit. Und nichts in seinem Wesen von junger, frischer Männlichkeit, obwohl er kaum in die Vierzig cinqetreten.
Ein seltsames Lächeln spieste um ihren Mund, wie ihre Augen dem Näherkommenben unablässig entgegen- schauten — die Jugend, die in ihr brannte, war allzeit eine kalte Flamme gewesen, und der Becher des Glücks, nach dem ihre Lippen dürsteten, Reichtum hieß er. Was kam die Hand in Betracht, die ihn hielt — sie sah nur den goldenen Becher.
Anton Weibrecht hatte bas Haus erreicht Ohne nur einmal ben Blick zu heben, streckte er bte Hand nach der Klinke der Dorgartentür und trat ein.
gen herv-rgertffen werben. Besonders gefährbet sind Kinder und Personen, welche an Darmstörrmgen leiden ober dazu neigen.
3 Deshalb sind solche Personen und Kinder unter 12 Jahren mit bet Zubereitung und beim Auslegen der- artiger Präparate nicht zu verwenden.
4. Die mit dem Z irichten der Präparate unb bem Ausstge-r der damit beschickten Köber betrauten Personen sind davor zu warnen, während blejer Arbeiten zu effen, zu rauchen oder mit den Fingern den Mund zu berühren. Namentlich sollen sie sich hüten, von den zuberefteten Ködern zu effen.
5. Die mit den bezeichneten Arbeiten beauftragten Personen haben sich noch beendeter Arbett zuerst die Hände und dann das Gesicht gründlich mit warmem Wasier und Seife zu waschen.
6. Alle bei der Zubereitung der Bakterien-Präparate und bei der Auslegung benutzten Gcfähe sind nach ,edes- maligem Gebrauche mit heißer Sobalöfung auszuwaschen oder auszukochen.
~. Bei Benutzung von Kulturen, die unter Verwendung von Misch hergestellt worden sind, ist auf bte Befolgung der vorstehenden Ratschläge besonders zu achten.
8. In den Räumen, welche zur Herstellung, zur Verpackung oder zur Ausbewahrung von mens>?flen Nahrung-- und Genußmitteln benutzt werden, " solche bakterienhalligen Präparate nicht' zu verwende,..
Fuldaj den 4. Januar 1921.
Der Canbrat: Frhr. v. Sternberg.
viehseuch'npo'izeillche Anordnung.
Nachdem die Abheilung der Maul- unb Klauenseuche in dem Gehöft 1. Am Fisch'eld Nr. 13 (Besitzer Karl Griebel), 2. Georgstraße 20 (Besitzer E. Fritz), 3. Am Kleegarten (Besitzer Herget u. Schmitt) und 4. in der Gemeinde Giesel, 5. Wittges, 6. Haimbach, 7. Ti es en - gruben, 8. Schletzenhausen, 9. Blankenau, 10. Traisbach, 11. Edelzell, 12. Mittelberg. Gemeinde Almendorf und 13. Friesenhaufen amtstierärztlich festgestellt worden ist unb die Abnahme der Desinfektion stattgesunden hat, bestimme ich folgendes:
§ 1. Die über die vorgenannten Bezirke verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben und zwar gilt diese- wie folgt zu Nr. 3, 8 und 9 sofort. Nr 10, 11, 12 vom 14. Januar 1921, Nr. 2, 4, 5 und 13 vom 15. Januar 1921, Nr. 1 vom 18. Januar 1921, Nr. 6 vom 19. Januar und Nr. 7 vom 20. Januar 1921 ab.
§ 2. Die für die genannten Bezirke und bi« verseucht gewesenen Gehöfte im besonderen angeortmetea Bestimmungen werden zurückgezogen. Das Verbot der Ver- und Entladung von Klauenoieh auf bem Bahn Hof Fulda oom 4. Dezember 1920 — Fuldaer Zeitung Nr 284 — wird hiermit aufgehoben.
Fulda, den 10. Januar 1921.
Der Laubrak: Frhr. v. Doernberg.
Zahupnloer unb Zahnualta Ar. 0 9 44 die wiüenschaitlich erprobten SabttpHeeemiftel .. Z •) nach Zahnarzt Stirb. Drogerie G. S. Steuer. ' w
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Frau Klara wich oom Fenster zurück. Noch ehe draußen die Flurglocke tönte, hatte sie schon die Tur geöffnet und streckte dem Eintretenden beide Hände entgegen.
„Wie lange Sie sich nicht sehen loffen!"
Lebhafter als gewöhnlich erwiderte er ihre Degrü {jung, unb mit halbem Lachen sagte er: „Ich kann's nicht gut glauben, daß jemand Sehnsucht nach meinem Anblick haben könnte. Aber wenn es wirklich gewesen wäre, ein Wort hätte mich hierher gebracht."
„Wirklich?!" Ein erfreut hervorgestoßener, schneller Atemzug. „Wie gern hätte ich es getan, nur wagte ich's nicht recht Und wäre doch gerade in diesen Tagen für den Rat, die Teilnahme eines Freundes so dankbai gewesen,"
„O, es ist doch nichts geschehen, was . . " Ganz er- schrecken gingen des Doktors Blicke im 3'mrner umher.
Frau Klara schüttelte den Kopf. „Nein, nichts Schttmmes, eher mobl etwas Erfreuliches. Hier" ... sie schob ihm einen Seflel zurercht und setzte sich oe'en. über . . . „ich glaube an Ihre aufrichtige Freundschaft, und darum sollen Sie der erste sein, dem ich mich an- verbaue, von dem ich mir ein wenig Trost hole. Denn cs wird sich vieles ändern in meinem Leben . . . ich rocrs huifort sehr einsam . . . sehr einsam sein. Meine Icr wird sich mit Herrn Lützenkirchen auf Lützen- bür'1 rhciraten."
Sein Wort, keine Bewegung gab ihr Antwort. Den Kopf tief auf die Brust geneigt, faß Dr. Weibrecht ihr Gegenüber. Sie sah nach ihm und konnte doch ke t Miene seines Gesichts ersehen.
„Meine Miteilung überrascht Sie, fieber Freund nicht wahr? Ich selbst wurde ein wenig überrascht davon. Mütter hören eben sehr bald auf, dir vertrant« Freundinnen ihrer Töchter zu fein, wenn es Herzensangelegenheiten gilt."
Noch immer verharrte er in regungslosem Schwel- gen. Eine selffame Unruhe strich an ihr hin. Was hatte das zu bedeuten? Sie kannte ibn aks wortkarg, verschlossen, doch nicht so . . . Ihre Stimme llang beklommen.
lFottfetzung fpltf.)