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Fuld aer Zeitung

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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Dienstag, 1). Januar 1921

Falscher wert

Roman von S). Abt.

Die Sozialisierunq des Bergbaus.

Die christlichen Gcwrrkschafien zur Sozialisierungsfrage.

In einer vom Deutschen Gewerkschaftsbunde nach Duisburg einberufenen von etwa 1500 Personen be­suchten Vertrauensmännerkonferenz für das gesamte rheinisch-westfälische Industriegebiet sprach der Vor­sitzende des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, Reichstagsabg. Imbus ch-Essen, über die Soziasisie-

Polnische Bedrohung Oberschlesiens.

Truppenzusammenziehung an der oberschles. Grenze.

ES liegen zuverlässige Nachrichten über polnische Truppenzusammenziehungen vor, wodurch besonders an der oberschlesischen Grenze eine ernste Lage ge­schaffen ist.

Ihr Lächeln, ihre einfache Herzlichkeit waren so un. widerstehlich. Dennoch zögerte er, schaute zu Gertrud hin und erst als er auch in ihrem Blick ein bittendes Bleib!" gelesen, sagte er beinahe ausgelaffen:

Wenn Sie mich wollen, gnädige Frau, ich über­gebe mich Ihnen aus Gnade und Ungnade."

Wenigstens auf Gabelfrühstück," lächelte sie.Denn Umstände werden Ihrethalben nicht gemacht. Ich will nur zuschauen, daß noch ein Teller aufgestellt wird."

Es dauerte wirklich kaum einige Minuten, bis sie zu- rückkam und in das Eßzimmer bat. Der Verdacht, daß sie noch in der Eile um dies und jenes fortgeschickt haben könnte, konnte nicht aufkommen. Auf Gabelglück! Nur daß an keinem andern Tage sich dieses Gabelglück so gut getroffen hatte, daß neben einer zierlich garnier- ten Schüsiel italienischen Salats ein gebratenes Huhn sich vorfand und um den Teller mit den feinen Käse- forten der Kranz junger Radieschen gar appetitreizend anzuschauen war. Auch der silberne Brotkorb und die geschliffenen Dierkelche standen sonst nicht auf dem Tisch.

Gertruds Augen gingen ein wenig staunend über den ihr festlich erscheinenden Tisch. Lützenkirchen empfand nur das warme Gefühl einer in guten Verhältnissen be­findlichen Häuslichkeit und gab sich diesem Behagen rück­haltlos hin.

Als er sich endlich entfernte, war es ein in die Rechte guter Freundschaft Aufgenommener, der Abschied nahm. Und aus diesem ihm zugestandenen Rechte heraus wagte er eine Bitte.

Würden mir die Damen vielleicht einmal die Gnade erweisen, Ihnen auf meiner Scholle ein Willkommen zu bieten? Viel zu prahlen und eine anheimelnde Gemüt- lichkett, die sich nur entfernt mit dieser hier meffen könnte, gibt es freilich auf Lützenburg nicht, aber der Weg dahin ist eine hübsche Spazierfahrt, und in mei­nem Garten singen jetzt die Nachtigallen. Wenn Sie mir gestatten möchten, würde ich so frei sein, Ihnen an einem zu bestimmenden Tage den Wagen zu senden, und Tante Iettchm, die augenblicklich bei mir nach dem Rechten sieht, würde sich eine Wonne daraus machen, zur Feier des Tages einen ihrer berühmten Napfkuchen zu backen Sprechen Sie, gnädige Frau, darf ich ihr jagen, daß sie beginnt, die Mandeln zu reiben?"

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Daß Eie mir die Freude machen, Sie nicht wie einen Fremden betrachten zu dürfen," gab sie warm zurück.

Er küßte ihre Hand.

Roch ein paar Reden mürben gewechselt, und Lü­tzenkirchen wandte sich mit letzter, tiefer Verbeugung der Tür zu, als die von außen geöffnet wurde und Gertrud >mf der Schwelle erschien. Die beiden standen dicht vor­einander, er in froher Ueberraschung, sie doch noch zu sehen, sie errötend, verwirrt und doch mit frohem- cheln ihm in die Augen blickend. Frau Klara schaute auf die zwei wie ein Regiffeur auf ein gelungenes Szenenarrangement. Der Auftritt klappte, klappte ganz vorzüglich.

Ich denke. Sie schenken uns nun doch noch ein paar Minuten," wandte sie sich an Lützenkirchen.Meine Tochter brennt jedenfalls darauf, allerlei Festermnerun- gen mit Ihnen auszutauschen."

Er blickte Gertrud an. Das Erröten lag noch auf ihren Wangen. Sie lächelte. Er nahm nochmals Platz.

Die Unterhaltung begann von neuem, von Lützen­kirchen mit erhöhter Lebhaftigkeit geführt. Frau Men- gers, liebenswürdig wie allzeit, wußte mit heimlichem Geschick das Gespräch so zu leiten, daß nie eine Pause entstand, stets von einem Thema zum anderen der fes­selnde Uebergcmg gefunden war. Als dann auch Gertrud mit gesteigerter Munterkeit, die sie reizend kleidete, leb- Hafter zu plaudern begann, erhob sich Frau 5klara und jagte, zu Lützenkirchen gewandt:

Ohne alle Umstände, bitte, machen Sie uns das Ver­gnügen, an unserem einfachen Abendbrot t»>lzunehmen."

Er schnellte empor, ehrlich erschrocken.

Gnädige Frau, Sie bestrafen mich gebührend für meine Taktlosigkeit." ,

Verwundert, als verstehe sie ihn nicht, sah sie ihn an. Ich bitte Sie, meine Worte zu nehmen, wie sie gemeint sind. Sie machen uns ein Vergnügen . . . wollen Sie?"

Frau Mengers lachte.Guter Kuchen läßt sich ja aufbewahren. Wir werden Sie gewiß einmal auf Ihrem schön gelegenen Lützenburg überfallen."

Nicht einmal . . . nicht in irgendeiner fernen Zu­kunft von so und so vielen Wochen. Dann ist's vorbei mit der großen Anziehungskraft von Lützenburg ... da haben die Nachtigallen zu fingen aufgehört. Gnädiges Fräulein, Sie hören gewiß gern die Nachtigallen, und darum legen Sie ein gutes Wort ein . . . sagen wir . . . nächsten Sonntag."

Nun gut . . . sagen wir also nächsten Sonntag. Sie sind ein gewalttätiger Mensch, Herr Lützenkirchen, der andern seinen Willen aufzwingt."

Zwinge ich?" Er verneigte sich leichtIch lasse mich auch durch Erzwungenes beglücken und nehme es dankerfüllt an. Auf Wiedersehen künftigen Sonntag also."

3.

In der Vorhalle des Gutshauses von Lützenburg war zierlich der Kaffeetisch gedeckt, und auf dem feinen, allen Damasttuch duftete Tante Iettchens berühmter Napfkuchen. Die Berfertigertn selbst lief noch im Haus umher, nachzuschauen, ob auch der Neffe nichts berglei- chen angebeutet hatte, ihr weiblicher Scharfblick erriet doch, daß es mit diesem erwarteten Besuch feine ganz besondere Bewandtnis habe.

Gegen das Geländer der Veranda gelehnt stand Franz Lützenkirchen. Dor einigen Stunden war der Wagen fortgefahren, die Mengersfchen Damen abzu­holen. Kein sonderlich feiner Wagen, der alte Familien- lanbauer. Und die beiden Braunen davor keine tän- zelnden Luxuspferde, sondern mit ihrer kräftig ausschrei- tenben Stetigkeit verratend, daß sie Werktags in treuer Pflichterfüllung die Ackerfurchen stampften. Aber es war schon ganz gut so. Keine Borspiegelungen, die falsche Erwartungen Hervorrufen konnten. Seine Blicke gingen über den Hof hin nach den Ställen und Wirtschaftsge­bäuden. Auch da keine trügeriichen Vorspiegelungen. Die Gebäude alt, vielfach ausgebessert, aber doch noch fest in ihren Grundmauern stehend, und drinnen herrschte umsichtige Ordnung, schassender Eifer.

Die Brust des jungen Gutsherrn hob sich höher. Ja, es konnte sich s^>n sehen lassen, sein altes Lützenburg,

Zum Zentrumsjubiläum.

Der Wahlaufruf vom 11. Januar 1871.

Heute vor genau 50 Jahren, am 11. Januar 1871, erließ die 4 Wochen vorher gebildete Jrmrumssraknon des Preußischen Abgeordnetenhauses einen Wahlauf­ruf für die damals ausgeschriebenen Wahlen zmn er­sten Deutschen Reichstag. Der Austuf tourte ver­öffentlicht in derGermania" vom 19. Januar 18/1 und hatte folgenden Wortlaut:

Die Wahlen zum deutschen Reichstag stehen nahe bevor. Von welcher tief greifenden Bedeutung dieselben find, bedarf nicht erst der Darlegung. Mögen unsere Gesinnungsgenossen nach Kräften dahin wirken, daß chr Ausfall dem Vaterlande zum Heile gereicht! Es wird dies nur dann der Fall fein, wenn aus der Wahlurne selbstlose, charatterfeste Männer heroorgehen, welchen das moralische und materielle Wohl aller Volksklahen wie aller das Deutsche Reich btlbenben Stamme am Herzen liegt, welche die bestehenden Besonderheiten nur insoweit der Einheit geopfert sehen motten, als diesel- den nachweislich dem Ganzen zum Schaden gereichen, welche endlich wie die politische so auch die kirch­liche Freiheit und das Recht der Religionsgesellschaften gegen mögliche Eingriffe der Gesetzgebung sowohl als gegen feindliche Parteibestrebungen entschieden gewahrt wissen wollen. Es gilt, baldmöglichst in den verschiede- nen Wahlkreisen solcher Männer sich zu versichern, welche demnächst ihrerseits im engen Anfchlusse aneinander als parlamentarische Partei den gerechten Bestrebungen Ausdruck und praktische Folge zu geben willens sind. Insbesondere aber gilt es, nach Kräften dahin 3« mit­ten, daß das Bewußtsein von der hohen Wichtigkeit der bevorstehenden Abstimmung alle Schichten des Volkes durchdringt und so das Ergebnis dieser Abstimmung der möglichst getreue Ausdruck feiner Wunsche und Be- dürfnisie wird."

Der Aufruf trägt die Unterschrift von 51 Zen­trumsabgeordneten des Landtages, darunter sind die be- fannten Führer: Windthorft, o. Savigny, v. Mallinck­rodt, Peter Reichensperger, August Reichensperger, Frhr. o. Schorlemer-Wst (Der Bauernkömg"), Dr. Lieber, Frhr. v. Heeremann. Erwähnenswert sind fer­ner: Schaeffer, Generalpröses der Gesellenvereine und Dr. Friedr. Wilh. Weber, Sanitätsrat (bekannt als Dichter vonDreizehnlinden"). Bor allem i-nteressiert es uns, daß auch die beiden Abgeordneten des Fuldaer Landes mitunterzeichnet haben: Gutsbesitzer Herrlein-Margretenhaun, gewählt im Kreise Fulda, und Amtsrichter Rübsam lVater des jetzigen Herrn Dommusikdirek- tars Rübsam),. gewählt im Wahlkreise Hünfeld- Gersfeld-

Unter den auf Grund obigen Wahlaufrufes ge- wählten Abgeordneten des ersten deutschen Reichstages findet sich dann ebenfalls wieder Gutsbesitzer Herrlein- Margretenhaun, gewählt vom Wahlkreis Fulda-Gers- feld-Schlüchtern.

Mit Stolz und Freude können wir feststellen, daß das Fuldaer Reichstagsmmidat und das Fuldaer Land­tagsmandat von der Gründung der Zenlrumsfraktion an bis zur Auflösung der alten Wahlkreife und der Ein­führung der Verhältniswahl ununterbrochen im Besitze der Zentrumspaitei gewesen sind. Aehnlich war es mit . dem Mandat des Wahlkreises Hünfeld-Gersfeld, das nur einmal für kurze Zest infolge starken Druckes der Regierung imb einer geschickt ausgeklügelten Urwahl­kreisgeometrie durch einen Gersfelder Landrat erobert wurde, sonst aber auch ständig durch einen Zentrums- abgeordmten vertreten war. -ll-

Lerannvortiich tür den rroauwnellen Teil: Karl Schutte. :: für bk Anzeigen: I. Parzeiler-Fulba. ~

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei in jjulba. kenn pi echer Nr. 9. Telegr.-Abresse: Fuldaer Zeitung

rung des Bergbaues. Er. bekannte sich als Gegner ge- wallsamer Experimente und als Freund einer üernunf tigen organischen Entwicklung des gememwtrtfchastt chen Gedankens. Jmbusch betonte, daß dte christlichen Ge­werkschaften sich me auf ein best.mmtes Tempo in ter Soziaksierungsfrage verpflichtet hallen. Er persönlich gehe im Ziel weiter als viele andere. Stets habe er verlangt, daß ter vermeidbare mühelose Gewinn aus dem Bergbau ausgeschaltet werte, es sei ihm aber nicht eingefallen, damit die Verstaatlichung des Bergbaues zu fordern. Man muffe mit ten ge­gebenen Verhältnissen rechnen und im Rahmen des Er­reichbaren und Möglichen bleiben. Mit Generalstreik und großen Strafaktionen könne man den Neuaufbau unserer Wirtschaft nicht erzwingen. Für die Behand­lung ter Sozialisierungsfrage kamen augenbllckluy sol- gente Gesichtspunkte in Betracht:

1. Die im Loten vorhandenen Kohlenschätze werten in den Besitz d e r B o l k s g e s a m t h e i t überge- ührt.

2. Die Ausbeutung wird den bisherigen B e - itzern überlassen.

3. Von den Besitzern wird für die Ueberlaffung ter Bodenschätze eint dem Wert der Lagerstätte angepaßte Abgabe erhoben.

4. Die im Bergbau beschäftigten Personen sind a n der Produktion zu interessier en.

5. Die Zusammenfassung des Bergbaues auf Grund des kommunalen Wirtschastsgefetzes fft beizubehaltm und auszubauen.

Weiter wird verlangt, daß unberechtigt hohe Gewinne der Volksgesamtheit dienstbar gemacht werden. Für die Arbeiter und Angestellten ist eine be­friedigende Stellung im Betriebe zu schaffen und das Betriebsrategesetz ist eingehend durchzuM- ren und zu verbessern.

Im Bezug auf die Klcinaktien bemerkte Im­busch, ihre Einführung fei aus volkswirtschaftlichen Gründeir im Interesfe der notwendigen Kapitalbildung nicht zu umgehen, sie habe aber auch eine große Ke Bedeutung. Der Vorsitzende des christlichen öarbefterrerbantes verurteilte scharf den wilden Streik auf der Thysfenhütte und rief die vernünftig den­kende Arbeiterschaft auf, allen linksradikalen Putschver­suchen einen festen Damm entgegenzusetzen.

Im gleichen Sinnt sprachen Karl Schmitz von der Zentrale des christlichen MetallarbÄterverbandes, Mälert vom Gesamtoerbande deutscher Angestellter und Breddemann vmn christl. Metallarbeiter- verbcmd. Eine im Sinne dieser Ausführungen gehal­tene Entschließung wurde einstimmig angenommen.

Die kommunistische Streikhetze im Ruhrgebiet

Als Protest gegen die Schließung der Thyffenhütte in Hamborn beschloßen die Syndikalisten in einer Be­legschaftsoersammlung der Zeche Westeick), in den Sym- pathiestreik zu treten und die Arbeitswilligen am Ein­fahren zu Hintern. Es fft beabsichtigt, den Streik in das angrenzende Ärdustriegebiet zu tragen.

Gegen diese sich immer mehr ausbreitende Streik­bewegung haben die vier großen Bergarbeiterverbänte an die Bergarbeiter einen gemeinsamen Aufruf gerich­tet, der diese Bewegung aufs schärfste verurteilt und vor ihr warnt. Nur Einigkeit der Arbeiterschaft, festes Zusammengehen mit den Organisationen helfen den Ar- beftern vorwärts und fei notwendiger denn je. Jede Beteiligung an Putsch und wilden Streiks bringe schwe­ren Schaden für die ganze Arbeiterschaft.

Deutsches Keich.

** Berlin, 10. Jan. England und Frankreich scheinen sich aus eine Verlängerung der Frist für Deutschlands Entwaffnung geeinigt zu haben. Der erweiterte Vorstand des deutschen Eisenbahnerverbandes, der in zweitägiger Beratung über die Besoldnngsabmachnng verhandelte, kam noch nicht zu einer endgültigen Beschlußfassung. Er will erst noch weitere Schritte zur völligen Klärung der Sachlage unternehmen.

* Der Landesausschutz der preußischen Zentrums- Partei tritt am Freitag, 14. d. M. Morgens 9 Uhr m Berlin zu>aminen, um im Fraklionszimmer der Zentrumspartei in der preußischen Landesversamm- lung, (Saal) 12) über Wahlcmgelegercheuen zu beraien.

* Die preußische Landesverjammiung tritt heute zu einer kurzen Tagung zusammen. Es ist eine dreitägige Wnchandlungsdauer vorgesehen und, wie verlautet, wird dann die Landesversammlung ihre Arbeiten für be­endet erklären, um ten Abgeordneten Gelegenheit zu geben, sich der Agitation für die Neuwahlen zu wDmen.

* Die Frage der Teuerungszuschläge. Das K a binett hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage einer Erhöhung ter Teuerungszuschläge für die Beamten und Arbeiter des Reiches beschäftigt. Dem Wunsch ter in Bamberg tagenden Konferenz der Finanz- Minister der Länder, vor endgültiger Stellungnahme ge­hört zu werten, wird in einer auf Mittwoch anteraum- ten Sitzung Rechnung getragen werden. Das Kabinett hat gleichzeillg die Frage der Beschaffung neuer Mittel zur Beseitigung der bereits jetzt im ortent- lichen Haushalt sich ergebenden Fehlbeträge, die durch die Erhöhung der Teuemngszuschläge eine weitere Stei­gerung erfahren werden, eingehend erörtert. Es wurde die Notwendigkeit feftgeftellt, über diese Frage eine grundsätzliche Stellungnahme der gesetzgebenden Kör­perschaften in Verbindung mit der Entscheidung über die Bewilligung ter Teuerungszuschläge herbeizuführen.

c. Besteuerung des reichssteuerfreien Einkommens. In der gestrigen Sitzung des Hauptausfchuffes der preu­ßischen Landesversummlung wurde bei der Beratung des Ausführungsgesetzes zum Landessteuergesetz ein Antrag des Abg Stieler <Ztt.) einstimmig angenommen, wo- | nach ab 1. April 1921 nur das reichssteuerfreie Einkom­men des Steuerpflichtigen, nicht aber bas der unterhal- timgspftichtigen Familienmitglieder zur Gemeinbeein- kommensteuer herangezogen werben Darf. Durch die An­nahme biefes Antrages ist ein Mißstand beseitigt, d-r besonbers von ben kinberreichen Familien mit Recht als unsozial unb ungerecht empfunden wurde. Die für 1920 vom Reiche getroffene Regelung mußten die Städte und Gemeinden infolge ihrer finanziellen Notlage viel­fach anwenben, trotzdem man sich barüber klar war, daß diese Form der Besteuerung eine solche der Familien- | grüße darstellte.

I (*) Sin Preutzentag der deutschen Bolfspartei ha. I in Potsdam am Sonntag und Montag als Borüe- I reitung für die Landtags vahl fta'gefunden. Der erste Tag wurde säst ausschließlich dazu benutzt, in

I Stimmung zu machen, wobei der Gedanke an das I alte monarchische Preußen immer wiederkehrrc. Am I Montag beschäftigte man sich mit dem eigentlichen I Thema, mit der Stellung der Partei im Wahlkampf. I Abg. Dr. Richter, der frühere Oberpräsident von I Hannover, sprach für ein starkes unzerstuckeltes Preußen I und gegen die Provinzialauionomie. Der Wahlkampf I müsse scharf gegen beides geführt werden, damit auch I in Preußen eine bürgerliche Regierung die jetzige I iozialbemokrattzche ablöien könne. Negierungsrat I Leidig fprach über Verfassung und Wirtschaft. I Darauf wurde die Tagung mit einemHoch auf I das geliebte Preußenland" geschlossen.

O Die Erschießung des fiommunlften Hoffmann, I die zu den blutigen Krawallen in Flensburg Ber- I onlafiung gegeben haben, wird jetzt von der Flensbur- KPolizeiverwaltung auf Grund der eingehenden amt- Untersuchung folgendermaßen bargestellt: Major I konnte sich wteber sehen lassen. Seine frische Kraft, I seine nie ermübenbe Zähigkeit hatten es gezwungen. I Freilich waren es Jahre gewesen voll harter Fronarbeit, voll unabläfiiger, geheimer Sorge, Jahre, in denen seine I frohe Jugend dem Ernst des gereiften Mannes hatte I Platz machen muffen.

Lützenkirchen hatte kaum erst seine Mündigkeit er- I reicht, als ihm durch den Tod seines Vaters die Herr- I schäft aus Lützenburg zufiel. Eine traurige Herrschaft. | Das Gut bis zur letzten Möglichkeit verschuldet, der Bo- I den durch schlechte Bewirtschaftung entwertet. Derkau- I fen . . . ward ihm als Rat gegeben. Verkaufen! . . . der Erlös hätte kaum hingereicht, die Schulden zu de- I tfen, unb wenn er es auch auf sich genommen hätte, sich aus tem Nichts eine Existenz zu schaffen, wovon hatten seine Mutter unb seine beiden Schwestern leben I sollen! Unb zudem, er hing an seinem heimatlichen Gute, es wäre ihm em herber Schmerz gewesen, sich I davon trennen zu müssen. Er nahm es auf sich, acht Jahre acht Jahre hatte er die Schultern angestemmt gegen den Karren der Pflicht. Und bald war es ihm keine harte Fronarbeit mehr gewesen, sondern frisches, fröhliches Schaffen, mit dem der Segen war. Freilich brachte es ihn wieder zurück, als schnell hintereinander seine beiden Schwestern sich verheirateten unb für diese eine kleine Mitgift beschafft werben mußte. Doch auch bas hatte sich, wenn auch mit Opfern, ermöglichen las. sen.

Allein bie neue Hypothek, die er aufzutreiben ge­zwungen gewesen, bebrückte ihn so ichwer, da er, weil bie von ihm bargebotene Sicherheit keine hinreichende schien, beständig Kündigung zu gewärtigen hatte.

Warum halten Sie denn nicht mal Umschau unter den Töchtern des Landes", hatte ihm ein befreundeter Nachbar gefaßt, als er diesem seine Sorge angebeutet. Ein stattlicher Kerl wie Sie braucht boch nicht zaghaft zu tun. llebrigens . . .' ber Sprechende blinzelte durch- trieben . . .als ich vorgestern in Langenau meinen Spiritusabfchluh gemacht habe, hat Schnapsdvrchen sich höchst teilnehmend nach Ihnen erkunbigt. Wie wär's I Lützenkirchen, Der alte sanft entschlafene Halunke hat I einen klotzigen Haufen hinterlassen ... da wär einer i auf die Zeiten schönr«* Was?« (Fortf. folgt)

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Bis vor etwa drei Monaten war die polnische Westgrenze von ungefähr 5700 Wachtmonnjchasten I besetzt. Neuerdings sind jedoch die Grenztruppcn | bedeutend verstärki worden. Co stehen fetzt 1 allein «n der ober schlesischen Grenze 17 000 Mann I reguläre Truppen; in der Provinz Posen -4 000 I Mann Infanterie. Seit November sind ferner all­mählich 100000 Mann polnischer Truppen nach' Pofen und Pomnierellen verlegt worden und durch Hinzukommen von drei weiteren polnischen Dwtsto- I nen ist die Truppenstärke an der Front auf über I 150000 Mann gebracht worden. 1

Zu den außerordentlichen beunruhigenden Mut- I tärnachrichten liegen ferner Meldungen über neue I Aufstandspläne der geheimen polnischen Kampfor­ganisation vor. Die Besatzung der interalliierten I Truppen wird im Falle eines neuen polnischen Auf- I taitöe§ in Oberschlesien kaum in der Lage fern, I Widerstand zu leisten, zumal die 3000 Mann be­tragende italienische Besatzung auf das Gebiet west­lich der Oder verlegt worden ist. Tie deutiche I Regierung hat baher die Regierungen tn Parrs, I London und Rom auf die Gefahren, die dem beut« chen Osten durch diese polnischen Maßnahmen | drohen, hingewiesen. ____________

Verurteilte Kriegsplünderer.

Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts, der mi der Aburteilung der sogenannten Kriegsverbrecher: betraut ist, beschäftigte sich gestern mit den drei ersten Fällen dieser Art und zwar handelte es sich um nicht auf der AusltefcrungSliste stehende Personen, sondern um solche, deren Straftaten zur KenntmS des Reichs­gerichts gelangt und von diesem nach dem Gesetz vom 5. Dezember 1919 zu erledigen sind. Angellagt waren der Zimmermann Lottmann aus der Gegend von Emden, der Schloffer Riegel aus Berlin unb der Schiffer Sangerhausen aus Marienwerder bei Potsdam. Die Angeklagten waren im Oktober 1918 als Pioniere in das belgische Städtchen Edingen eingezogen. Eines Abends hatten sie eine Anzahl von Lokalen besucht und waren schließlich gewaltsam in eine Wirtschaft etnge- drungen, hatten den Wirt bedroht, so daß er auf die Straße flüchten mutzte, eine grötzere Geldsumme und Wertsachen gestohlen. Durch einen Hauptmann und mehrere hinzugekommene deutsche Soldaten wurden die Angeklagten Lottmann und Riegel sofort nach der Tat festgenommen. Das Gericht erkannte alle Angeklagten der Plünderung nach §§ 129 und 133 des Milrtälstraf- gesetzes für schuldig uno verurteilte Lottmann zu fünf unb Riegel zu vier Jahren Zuchthaus und Sangerhausen zu zwei Jahren Gefängnis. Gegen Lottmann wurde autzerdeiu auf Ehrverlust für die Dauer von zehn Jahren erkannt.

Aus dem besetzten Gebiet.

französisches Sühuegeld abgelehnt. Die deuffche bezw. bie hessische Regierung hat bas Angebot der fran­zösischen Regierung, den Eltern des gelegentlich einer Tanzbelustigung in Ingelheim getöteten Mädchens aus Frankfurt a. M. 25 000 Francs Sühnegelb zu zahlen, als ungenügenden Schadenersatz abgewiesen.

Das ftanzöflsche Kriegsgericht in Landau verurteifte den Iagdhüter Förster in Germersheim, der als leiden­schaftlicher Sammler Waffen und Munstion bei sich auf. gestapelt hatte, zu zwei Jahren Gefängnis unb 1000 Mk. Gelbstrafe. Der Anzeiger war ein Deutscher.

3n £ anbau lehnte ber Stadtrat bas Ansuchen ber französischen Militärbehörden um Vornahme von Er­weiterungen an dem Soldatenheime mit einem Soften« aufroanbe von 30 000 Mark ab, ba die Stabt nicht ver­pflichtet ist, für bie Einrichtung von Svldatenheirnen auf« zukommen.

Milchkühe unb Milchnok. Aus dem besetzten Gebiet weist eine Hausfrau darauf hin, daß die Familien der Desatzungstruppen täglich frische Milch geliefert erhal- ten. In einer Stadt von nicht großer Besatzung werden zu diesem Zweck täglich 60 Liter Milch verlangt. Das ist heutzutage die Produktion von 68 Kühen. Diese Milchmengen, so schlägt die rheinische Hausfrau vor, sollten bei der Milchküheforderung in Anrechnung ge­bracht werden. Der Vorschlag scheint durchaus beach­tenswert