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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

48. Zahrg

Montag, 10. Januar 1921

fir. 6

Korts, folgt)

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Neue Note wegen der Dieselmotoren

Der Dotschasterkonferenz ist eine neue deutsche Note wegen der Dieselmotoren übergeben worden. Es wird darin erklärt, daß die Ententefordenmg erfüllt werden soll, bis zum 31. März der Kontrollkommission ein Ver­zeichnis aller schnellaufenden DiesÄmotoren zu über­mitteln, die vom Abbruch der U-Boote herrühren oder für U-Boote bestimmt waren, aber erst nach dem Waf- fenstillstand fertiggestellt wurden, ferner der Kommission jede Möglichkeit zu geben, die Unterbringung der Ma­schinen zu industriellen Zwecken zu kontrollieren. Es wird aber gleichzeitig bemerkt, daß damit nicht die Ge­währ übernommen werden kann, daß bis zu dem ge­nannten Zeitpunkte auch alle Motoren bereits in den Dienst des Wirrschaftslebens gestellt sein werden. Die Drohungen einer eventuellen Zerstörung der Maschi­nen haben die Industrie vielfach von ihrer Anschaffung und Verwendung abgeschreckt. Die Verwertung der Motoren für industrielle und Handelszwecke ist daher nur dann ungehindert durchzuführen, wenn die Zeit

Falscher Wert

Roman von H. Abt.

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Fehrenhachs Neujahrsgruß

an vas Handwerk.

Die erste Januarnummer des Bundesorgans der deutschen Handwerksmeister enthält einen Neujahrs­gruß des Reichskanzlers Fehrenbach an das deutsche Handwerk, in dem es heißt:

Das Handwerk, ehedem der Stolz des mittelalter­lichen Städtelebens, hat im Lause der wirtschaftlichen Um­wälzung schweren Schaden gelitten, ober daß es zu den Strebepfeilern unseres wirtschaftlichen Wiederaufbaues ge­hört und noch immer imstande ist, die tüchtigen Meister zu ernähren, hat es gerade in den schwersten Zeiten des Vaterlandes gezeigt. Meine besten Wünsche gelten dem ehrbaren deutschen Handwerk."

Beruhigung nicht überall gebracht. Die Beamten sind auch durch die Rede des Finanzministers Wirth im Reichswirtschaftsrat über die Mehrbelastung durch die neuen Bewilligungen verstimmt. Man muß aber be­rücksichtigen, daß der Leiter der Reichsfinanzen bei allen Ausgaben schon kraft seines Amtes die Frage der Deckung stärker betonen muß als andere Stellen.

Auch bei den Eisenbahnarbeitern hat die Relx. gewisse Verärgerung heroorgemfen und die Stellung des Vorstandes des Deutschen Eisenbahnerverbandes, der mit sehr radikalen Strömungen unter seinen Mit­gliedern rechnen muß, noch schwieriger gestaltet, als sie ohnehin ist.

Um diese neuen Gegensätze auszugleichen, werd?!, neue Verhandlungen notwendig sein. Die Bundesleitung des Deutschen Beamtenbundes tagt ge­genwärtig in Berlin. Sie beschäftigt sich auch mit dem Punkt, über den eine Verständigung noch nicht er­zielt war. Die Beamten hatten gefordert, daß der erhöhte Teuerungszuschlag in der höchsten Ortsklasse mindestens 7000 Mark jährlich betragen soll. Da diese Regelung aus dem allgemeinen Rahmen herausfällt,, hat sich die Regierung sehr ablehnend verhalten.

Um aufgetauchte Mißverständnisse zu beseitigen, sei hier festgestellt, daß nach dem Besoldungsabkommen die Teuerungszulagen erhöht werden sol­len in Klasse A auf 70 Proz., in Klasse B auf 65 Proz., in Klasse C auf 60 Proz., in den Klassen D und E auf 55 Proz. Bisher betrug die Teuerungs­zulage in allen Klassen allgemein 50 Proz. Die Be­amten sollen also z. B. in Kl. C nicht 60 Proz. mehr erhalten, sondern statt bisher 50 Proz. künftig 60 Proz., d. h. 10 Proz. mehr.

Strelkhehc unter den Bergarbeitern.

Die Arbeiter der Thyssenhütte in Hamborn sind vor einiger Zeit über die Köpfe der Gewerkschaften hin­weg in den Streik getreten. Jetzt werden von kom­munistischer Seite im Ruhrrevier alle erdenklichen An­strengungen gemacht, die Bergarbeiterschaft in euren Sympathiestreik für die Thyssenarbeiter hineinzuhetzen. Gegen diese Bestrebungen wendet sich ein von den vier großen Bergarbeiterverbänden erlassener -lufruf. ^:e Kommunisten arbeiten jedoch weiter eifrig daran, den Streik auszudehnen. In Essen, Dortmund und Duisburg kam es zu Demonstrationen, teilweise auch zu Ausschrei­tungen gegen Betriebsdirektoren.

Die Eisenbahner.

Die Verständigung über die Erhöhung der Teue­rungszulagen der Eisenbahnbeamten hat die erhoffte

Es blieb ein paar Sekunden still zwischen den bei­den, bis sie mit einer scheinbar interessierten Frage wie­der an das Frühlingsfest an knüpfte. Er gab Antwort. Das vorher angeschlagene Thema ward nicht weiter be- rührt.

Frau Mengers hob die Vorzüge der schön gelegenen Stadt hervor, die sich nach ihres Mannes Tode sich zum Wohnort erwählt hatte.

Ich zog zunächst hierher, weil ich es nicht länger er­trug, an dem Orte zu fein, wo alles mich unaufhörlich an meinen seligen Gatten erinnerte und mein unersetz­licher Verlust mir immer gleich neu und gleich bitter blieb. Ich wählte die fernste, fremdeste Stadt, um in Einsamkeit und Stille verwinden zu lernen. Jetzt ist diese Stadt mir lieb geworden wie eine zweite Heimat."

Sicher hasten Sie dabei auch in Ihrer Tochter das gefunden, was Sie über Ihren Verlust hinwegtröstete," warf Lützenkirchen achtungsvoll ein.

Trudchen . . . ja . . . das liebe Kind. Sie erin­nert mich so häufig an ihren Vater. Dasselbe goldechte, goldsteue Herz. Sonst freilich ... er war aus zähem Holze geschnitzt, auch einer, der es verstanden hatte, die Schultern gegenzustemmen." Sie lächelte Lützenkir­chen freundlich zu.Und auch dabei war der Segen."

Ihr Gemahl war Kaufmann?" erlaubte sich Lützen­kirchen zu fragen.

Ja, Bankier. Aber kein nüchterner Zahlenmensch, sondern voll regsten Interesses für alles, was geistig und künstlerisch . . . aber" sie brach mit einer Handbewe­gung und einem halbentschuldigenden Lächeln ab was schwatz ich Ihnen da für Vergangenheiten vor, wie eine redselige, alte Frau. Wes das Herz noch im­mer voll ist, das geht eben nur gar zu leicht der Mund über."

Ich danke Ihnen, gnädige Frau, daß Sie so zu mir reden," sagte Lützenkirchen.Es gibt mir ein Gefühl, als wäre ich heute nicht zum erstenmale hier. Zum er­stenmal" er sprang empordie gestattete Zeit für einen ersten Besuch ist mindestens vierfach verstrichen, und ich sitze noch immer da. Was müssen Sie von mir

Er gab nicht sofort Antwort, schaute vor sich nieder, dann hob er rasch den Blick, und während über seine Stirn ein roter Schein lief, sah er ihr fest und ehrlich in die Augen.

Hochgespannte Ansprüche mache ich nicht. Doch meine augenblicklichen Verhältnisse würden mir gebieten, darauf zu sehen, daß mir meine Frau ein Vermögen von etwa dreißigtausend Mark zubringt."

Er senkte den Blick wieder, gewahrte es nicht, wie Frau Klara mit schnellerm Atem sich ein wenig auf­rechter in ihrem Sessel setzte, hörte nur ihr halbes Lachen:

Dreißigtausend Mark ... da kann sich freilich keine um ihres Geldes willen gewählt glauben. Eine be- fcheidene Mitgift.

Bescheiden?" Lützenkirchen sah sie wieder gerade­aus an.Für meine Schätzung nicht. Zumal diese Summe keine dereinstige Erbschaft bilden dürfte, sondern meiner Frau als bares Heiratsgut zustehen müßte, das allerdings als Hypothek für sie auf Lützenburg einge­tragen werden könnte. Ich selber wäre dadurch in den Stand gefetzt, mich einer drückenden Schuld zu ent­ledigen und meine Verhältnisse derart zu festigen, daß ich meiner Frau die Garantie einer gesicherten Zukunft bieten könnte."

Frau Klara nickte nachdenklich vor sich hin.

Daß Sie Ihrer Frau eine glückliche Zukunft bieten würden, glaube ich zuverlässig," sagte sie halblaut, als spräche sie ihre Gedanken mehr zu sich.

Auf Lützenkirchens Gesicht wechselle die Farbe. Seine Stimme klang verhalten, als verberge er eine innerliche Bewegung.

Ich betone dabei, daß ich nie nur um des Geldes willen heiraten würde. Aber andernteils auch, selbst wenn ich einen lieben Herzenstraum hätte, dessen Der. wirklichung mich sehr beglücken könnte, müßte ich mir doch Verzicht gebieten, wenn nicht auch im äußerlichen alles stimmte."

Und warum sollte es sich nicht fügen, daß die Wirk­lichkeit mit Ihrem Traume Hand in Hand gebt?" gab grau Mengers langsam zurück.

Deutsches Reim.

* Berlin, 9. San. Zum Landeswahlleiter für die preußischen Landtagswahlen ist der Präsident des preußischen Statistischen Landesamtes, Geh. Ober­regierungsrat Dr. Saenger, und zu seinem Stellver­treter das Mitglied des Statistischen Landesamtes, Regiemngs- und Volkswirtschaftsrat Dr. Hoepker er­nannt worden. Die Aburteilung der Kriegs- verbrechen und Kriegsvergehen ist dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts übertragen worden. Ein Termin in diesen Sachen ist noch nicht festgesetzt worden, voraussichtlich wird noch einige Zeit vergehen, bis der erste Prozeß zur Verhandlung kommt. Ein Gesetzentnmrs zur Bekämpfung von Schmutz und Schund in Literatur und Kunst ist im Re'chsmm:- sterium ausgearbeitet worden und geht demnächst dem Reichsrat zu. In Rom wurde ein Dekret veröffent­licht, demzufolge Italien auf die Beschlagnahme deutschen Eigentums vernichtet, soweit dessen Wert die Summe von 50 000 Lire nicht übersteigt.

* Wie in Preußen % Milliarde gedeckt werden soll. Der Hauptausschuß der preußischen Landesversammlung hat den Ausfall von 500 Millionen im Etat, der durch den Aufschub der Vorlage der Grundsteuer entstand, etatrechnerisch ausgeglichen durch Erhöhung der M e h r- einnahmen aus Holzverkäufen und der vom Reich zu erwartenden Rückzahlung von Aus­gaben für Kriegswohlfahrt. In einer Ent­schließung wurde ferner der Forstminister aufgeroruert, eine Million Festmeter Bauholz schlagen zu lassen, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen.

** Tas deutsche Eigentum m England. Am dl. Dezember ist, wie jetzt bekannt wird, zwischen dem deulschen Vertreter in England Sihamer, und Curzon ein Abkommen zustande gekommen, das die Liqui­dierung des deutschen Vermögens in England betrifft. Danach sollen auf Antrag Hausrat, Familienandenken und Handwerksstücke mit Ausnahme von Gegen­ständen von besonderem Werte bis zu einem Betrage, von 500 Pfund freigegeben werden. Eine weitere Bestimmung besagt, daß deutsche Angehörige bet der Versteigerung ihres Eigentums zugelajsen wercen sollen. Die vorhandenen Geschäftsbücher sollen auf­bewahrt und später Deutschland übergeben werden. In der Zwischenzeit können sie von deutschen Ergen» tümern einoeseben werden.

* Rückkehr Gefangener aus Sibirien. Die Rück­kehr einer Anzahl deutscher und österreichischer Kriegs- und Zioilgefangener aus Sibirien mit den Dampsern Frankfurt" undSteigerwald" wird in dieser Woche in Hamburg erwartet. Der DampferFrankfurt ist am 28. Dezember von Port Said abgefahren und Steigerwald" am 29. Dezember. .

* Eine politische Rede Erzbergers. In emer Zen­trumstagung für die würtstmbergifche und badische Vo- denseeqegend in Friedrichshafen sprach Erzberger über Deutschlands Zukunft". Das Jahr 1921, so führte er aus, werde cm hartes, schwarzes Jahr werden, harter als die letzten sechs Jahre. Das deutsche Dolksvermö- gen sei ausgeplündert. Was die Feinde uns genom­men, würde auf 300 Milliarden Papiermark berechnet. Die Weltgeschichte kenne reinen zweiten derartigen Vor­gang. Es liege auf uns ein langsames Siechtum und Sterben, und dennoch hätten die Opfer das Ende noch nicht erreicht, Noch wüßten wir nicht, was wir be-. zahlen sollen. Dazu komme, daß wir für mindestens. 20 Milliarden Drotfrucht einführen müssen. Alles das fei das Resultat des Friedens von Versailles, es könnet einen Verzweiflung ergreifen, wir dürften die Hoffnung aber nicht fallen lasten. Eizberger schloß:

Unser aller Herrgott wird ein Volk, das ehrlich ar­beitet und zu ihm kommt, nicht im Sttche lassen. Wenn Deutschland gerettet wird, und ich habe die Ueberzeu- gung, es wird gerettet, dann nur durch tzie Existenz ML.

Was ist von Amerika zu erwarten?

Am 4. Mär; wird Harding, der neue Präsident 0er Vereinigten Staaten, sein Amt antreten. Er hat durch seinen großen Wahlsieg und durch die starke Mehrheit seiner Panei im Kongreß einen festen Boden unter den Füßen und einen weitm Spielraum für einen politischen Tatendrang.

Vielfach wird vermutet, die Vereinigt«: Staaten würden sich künftig aus Len politischen Händeln Eu­ropas zurückziehen. -d) der Enttäuschung welche die gescheiterte Wcstpolitik Wilsons den Ameri­kanern (und leider auch uns) oebracht hat, wäre eine solche Zurückhaltung wohl begreifllch. Aber es scheint doch, als ob auch der neue Präsident von Norüamerita den Zusammenhang der Interessen aller Kulturstaaten der ganzen Welt erkennen und in Rechnung stellen muß. Wenigstens wird versichert, daß er entschlossen sei, eine internationale Konferenz zur Beratung der Entwasfnungssrage nach Washington emzu- rerusen, unter Einladung aller Mächte.

Uns Deulschen kann es nur recht sein, wenn er das Vorhccheu durchführt. Für den Erfolg können wir frei­lich nicht bürgen, da uns der leidenschaftliche MÄnaris- mus der Franzosen nur zu gut bekannt ist. Aber jede ernsthafte Aussprache über das Entwassnungs- problem wird doch dazu bestragen, daß die össentliche Meinung aufgeklärt wird über die Lerfchwendung von Menschmkraft und von Geld, die mit der Aufrecht- erhaltung von Kriegsheeren nach dem durchschlagenden Siege noch getrieben wird.

Unserem Vaterlande hat man die Entwaffnung auf­gezwungen. Darüber würden wir uns nicht beklagen, wenn man «ms nur gleichzeitig etwas Rechtsschutz geboten hätte gegenüber den Begehrlichkeiten und Be­drohungen festens der Nachbarn, und wenn man uns wenigstens so viel Wehrkräfte lassen wollte, wie zur Erhaltung der inneren Ordnung notwendig sind. Es ist aber ein Unfug, wenn gegenüber einem vollständig ohnmächtigen Deutschland die Frangofen ein gewaltiges Kriegsherr aufrecht erhallen, und es ist ein schreiendes Unrecht, wenn sie die Unkosten dieser über­mäßigen Rüstung zum großen Telle abwülzen auf das arme Deutschland, indem sie in den tmksrheinifchen Ge­bieten viel mehr Truppen verwenden und viel höher be­solden lassen, wie für den Zweck erforderlich ist. Unsere Regierung wird versuchen, bei den Verhandlungen über die Wiedergutmachung eine Abminderung der Be­satzungskosten zu erreichen. Präsident Harding würde eine erwünschte Hllse sein, wenn es ihm gelänge, auch auf die Verminderung der Kopfzahl der Soldaten hin­zuwirken.

Eine gewisse Einmischung in die europäischen Ver­hältnisse ist auch noch von der bisherigen Regierung Nordamerikas betätigt worden. Nämlich dmch eins Kundgebung gegen die Besetzung des Ruhrge­bietes. Jetzt wird berickstet, daß die französische Regierung in Washington eine Erklärung abgegeben habe, in der sie die Absicht bestrestet, das Ruhrgebiet zu besetzen oder die Besatzungszone auszudehnen. Aber, so lautet der bedenkliche Nachsatz: Frankreich muffe sich das Recht vorbehalten, zu verlangen, daß Deutschland seinen Verpflichtungen in der Entwaffnungsfrage im Sinne des Friedensvertrages nachkomme. Das ist der alte Vorbehalt, aus dem man jeden Augenblick, wenn irgendwo eine überzählige Soldatenmütze bemerkt sein soll, einen Vorwand zur Erneuerung des Krieges her­leiten kann. Als Gegengewicht gegen solchen franzö- sffchen Tatendrang wird der Einspruch der alten Re­gierung von Washington weniger in Betracht kommen, als vielmehr die Londoner Erklärung, daß die weitere Okkupation nur für den alleräußersten Noffall zugelassen werden könnte und m der weiteren Ent­waffnung Deutschlands noch eine wettere Frist zu ge­währen sei.

Aus Washington wird weiter gemeldet, daß die Er- kVruirg des Friedenszustandes zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland am 15. Marz er-

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Leider bin ich um die jetzige Jahreszeit meist sehr ftarf in Anspruch genommen."

Jawohl, ich weiß ja, welch eifriger Landwirt Sie sind," nickte Frau Mengers.

Eifrig" ... er bewegte die Schultern.Der Bien muß. Ich habe nach meines Vaters Tode Lützenburg ziemlich abgewirffchaftet übernommen, und nachdem ich noch meine beiden Geschwister ausgezahlt hatte, galt es für mich, stramm die Schulter einstemmen."

Nichts in Frau Klaras verbindlich lächelndem Gesicht verriet, daß sie in diesem offenen Bekennen seiner Ver­hältnisse noch etwas andres sah als einfache Aufrichtig- keit.

Jawohl," sagte sie.Selbst ist der Mann . . .. so hat es mein seliger Gatte auch gehallen. Und Segen ist der Mühe Preis."

Ein leises, stolzes Lächeln ging über Lützenkirchens Gesicht.Ja, ich hoffe, ich habe mich aus dem gröbsten herausgearbeitet. Schade nur" feine Miene ward wieder ernstdaß immer wieder Dinge eintreten, die das Vorwärtsstreben zur Springprozession machen . . . drei Schritte vor, zwei zurück."

Frau Mengers ließ den Blick mit freundlicher Teil­nahme auf ihm ruhen.Sie werden trotzdem zu Ihrem Ziel gelangen. Nur, manch einer an Ihrer Stelle würde sich den Weg bequemer machen."

Lützenkirchen sah an ihr vorbei.

Bequemer . . . gnädige Frau meinen das übliche Hilfsmittel einer reichen Heirat. Ich bin kein Mitgift­jäger. Freilich gestehe ich auch ganz ehrlich ein, daß ich mir nicht gestatten könnte, ein völlig unbemitteltes Mäd­chen heimzuführen."

Mit unveränderter Wärme lächelle Frau Mengers ihn an.

Es dürfte Ihnen nicht schwer hallen, auch für hoch­gespannte Ansprüche die Verwirklichung zu finden."

Die bayerische Volkspartei für Oberschlesien!

In einem packenden: ,11m deutsche Erde" über­schriebenen Aufruf tritt die bayerische Voolkspartei für d'e Freiheit der Abstimmung in Oberschlesien und für die Erhaltung Oberschlesiens als deutsches Land ein. Der Aufruf, der ein bemerkenswertes Dokument deut­scher Gesinnung im Bayernlande darstellt, hat folgenden Wortlaut:

Die Entente-Regierungen, die mit grausamer Härte von Deutschland die peinlichste Erfüllung des Friedens­vertrages fordern, gehen, wenn es ihre eigenen Ver­pflichtungen anlangt, ohne Skruppel über die Bestim­mungen dieses Vertrages hinweg. Für sie gilt kein Vertrag und kein Recht. Mittel ihrer Politik ist aus­schließlich die brutale Vergewaltigung der Schwachen. Das zeigt neuerdings erschreckend deutlich die für Dber- schlesien erlassene Abstimmungsordnung, welche eine getrennte Abstimmung vorsieht. Man glaubt eine erfolgreiche Methode gesunden zu haben, altes deutsches Kullurland an den lebensunfähigen polnischen Vasallen­staat verschachern zu können. Das oberschlesische Koh­lengebiet, Deutschlands letzter Lebensnerv, soll uns ge- raiibt werden, um der deutschen Wirtschaft den Garaus und den deutschen Wiederaufbau unmöglich zu machen.

Ingrimm erfüllt ob dieser schmählichen neuen Ge­walttat jedes deutsche Herz. Wenn es unserem besiegten Lande auch an äußeren Machtmitteln fehlt zur Abwehr der Schmach, die an der ' > Erde begong-n werden soll, so rufen wir den w. .> .nötigen Machthabern doch zu: Hände weg vom deullchen Oberschlefien! Das ist Drachensaat, was die Enn Ne sät. Daraus kann kein Friede und keine Ruhe für Europa entstehen. Man kann Deutschland zugrunde richten, aber man richtet dabei Europa zugrunde.

Wir appellieren an das von verblendeten Staats­männern unterdrückte und vergewaltigte Gewißen der europäischen Kulturmenschheit.

Wir protestieren gegen den frevelhaften Raub deut­schen Landes."

Dr. Mayer bleibt in Paris.

Französische Blätter hatten die Meldung ge­bracht, der deutsche Botschafter in Paris Dr. Mayer gedenke seinen Posten zu verlassen und sollte wiederum durch einen Berufsdiplomaten, Mutius, den der­zeitigen deutschen Friedensdelegierten in Paris erleht werden. Sie hatten daran die Bemerkung geknüpft, daß ohne Zweifel ein Rücktritt Dr. Mayers in diesem Angenblick in Paris als ein höchst bedenk­liches Zeichen gedeutet werden würde. Dazu möch­ten wir bemerken, daß Dr. Mayer die schwere Auf­gabe eines Botschafters in Paris nur ungern über­nommen hat und sie von Anfang an als ein vorüber­gehendes Amt betrachtet hat. Auch ift es richtig, daß er wiederholt die Reichsregierung gebeten hat, einen anderen an seine Stelle nach Paris zu schicken. Es wäre aber sehr bedauerlich gewesen, wenn Dr. Mayer gerade in der jetzigen Zeit seinen Posten verlassen hätte, denn es dürfte kein Zweifel darüber sein, daß seine Kraft an dieser Stelle nur schwer zu ersetzen gewesen wäre. Hat er es doch verstanden, bei seiner schwierigen Aufgabe sich die Achtung und das Vertrauen der Pariser politischen Kreise zu gewinnen und Beziehungen anzuknüpfen, die kür das Verhältnis zwischen den beiden ehemals fcind'ichen Völkern von höchstem Werte sind. Auch war schon die Tatsache, daß er fein aus dem alten Regime übernommener Berufsdiplomat ist und daß er infolgedessen in keiner Weise mit den Vorgängen der Vorkriegszeit und der Kriegszeit selbst in irgend einer Verbindung stand, von wesentlicher Bedeumng, die ihm feine schwere Aufgabe in Paris tehr erleich­tert hat und die in mannigfacher Weise dazu beige- tragen hat, häufig ernste Situationen wieder schneller klären zu können. Wie wir nun erfahren, bleibt Dr. Mayer vorläufig noch auf seinem Botschafter­posten. Er dürfte sich mit diesem Entschlüsse den Dank nicht nur seiner Freunde und der Regierung, sondern des ganzen deutschen Volkes sichern.

für die Unterbringung von jeder Befristung befreit wird. Schließlich wird bas Siecht der Botschafterkonferenz, zu bestimmen, daß die nicht verwendeten Maschinen ous- znliefern oder zu zerstören sind, bestritten. Die im ersten Teil der Note übernommenen Verpflichtungen be­deuten sonach Beschränkungen, die sich die deutsche Re­gierung freiwillig auserlegt, weil auch sie den Wunsch hat, in dieser für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Angelegenheit zu einer Verständigung mit den alliier­ten Mächten zu gelangen.

Verkeilung der deulschen Binnenschiffe.

Der gemäß dem Fricdensoertrag zur Verteilung der Binnenschiffe betraute amerikanische Schiedsrichter Walker D. Nynes hat seinen ersten Spruch gefällt, durch den etwa 253 000 Tonnen Schiffsraum in Käh­nen und ferner Schleppschiffe mit einer Leistungssähig- keit von insgesamt 21000 Pserdekräften Frank­reich zugewiesen werden, was ungefähr 1314 Prozent der gesamten Tonnage der deutschen Rheinflotte be- fceutet.

Beremwonlich für Öen teöauwneUen leil: Karl Schütte. :: für die Anzeigen: I. Parzeiler-Fulöa. ~

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acticndruckerei in Fu.da. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

folgen und zum 1. Mai die amerikanischen Konsulate in Deutschland wieder hergestellt werden sollen. Schön ist der Friede, aber wir möchten gern wissen, in wel­cher Form Nordamerika diese Frage lösen will. Uns wäre es erwünscht, wem: die Vereinigten Staaten nicht bloß einseitig den Friedenszustand erklärten, sondern ich wirksam wieder einreihen würden in den Kreis deralliierten und assoziierten Mächte", um seinen Einfluß geltend zu machen bei der Ausführung des Versailler Vertrages. Durch die verzwickte Politik Wil- orre ist Nordamerika mitschuldig geworden an den schlechten Bestimmungen dieses Vertrages; es wäre also nur billig und zugleich für das Wohl der Welt vorteilhaft, wenn Nordamerika seinen Einfluß im hohen Rat der Sieger geltend machte zur Avminöerung von Härten und zur Verhütung neuer Konflikte.

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