Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda
48. Zahrg
Samstag, S. Januar 1921
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man doch nicht gehört, daß im hohen Rat der Sieger eine solche Vergewaltigung und Ueberraschung angeregt Worten lei. Sollte die französische Regierung in ihrem Poleneifier wirklich ein derartiges Begehren gestellt
Bentgspreis: MonaNich 3F0 Air. ohne Zustellgebühr. In tfu.öo bet unsabge^oh 3,15 2RL Ltu^tgeaprets: SieRietnjetle Cotonelm-b) 60 Plg, n. 10»,. Zuschlag, die Reklomezeile (lepbrtttet 1.S0 u. 16°'. Zmchlag. Bei Wiederhol.Rabatt.
-UeranlworMch iür den .eüauionellen Teil: Karl Schulte, für die Anzeigen: I. ParzeUer-Fulda. a Notationsöruck u. Verlag der ljulbaer Äctiendruckerei in Fulda, remiptetber Rr. 9. Teiegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Die getrennte Abstimmung.
Zu dem Berg von Noten, der sich an der Schwelle des neuen Jahres anhäust, ist wieder eine dazu ge- kmnmen. Die deutsche Friedensdelegation hat der Botschafterkonferenz in Paris eine Note ubermmett, in der gegen die getrennte Abstimmung itt Oberscylesien protestiert wird. Die Abstimmung müsse frei, geheim und unbeeinflußt vor sich gehen. Das sei bei getrennter Abstimmung nicht möglich, da selbst die sorgfältigsten Vorkehrungen nicht verhindern formten, daß zwncheri der ersten und zweiten Abstimmung die Teiler gliche der ersten Abstimmung bekannt würden, wodurch me zweite Abstimmung wesentlich beeinflußt werten muhte. Dui-ch die getrennte Abstimmung würde auch dre Gefahr von Unruhen und damit einer Terronfterung der Wahlberechtigten nicht oernnndert, sondern g e - fteigert. Diejenigen, die bereits abgestimmt haben, würden alles daransetzen, das erhoffte Ergebnis nicht durch die zureifenden Lberfchlefier beeinträchtigen zu lasten. Die Letzteren würden daher ganz besonders Einschüchterungsversuchen ausgesetzt sein. Die Besorgnis vor Gewalttaten fei umso begründeter, als es bis jetzt nicht gelungen sei, dem terroristischen Verbrechertum, das in Oberschlesien neuerdings immer kühner und rücksichtsloser sein Haupt erhebt, wirksam zu begegnen.
Die deutsche Regierung, so schließt die Note, betrachtet die Gewährleistung einer wirklich s r e i e n, u n- beinflußten und geheimen Abstimmung in Oberschlesien als eine Lebensfrage für das deutsche Volk und glaubt Anspruch darauf zu haben, daß diese Frage in diesem Sinne zweifelsfrei gelöst wird Sie mußte daher den von den Alliierten Regierungen eingeschlogenen Weg für ungangbar erachten, erklärt sich aber gleichzeitig nochmals ausdrücklich bereit andere ihrer Ansicht nach zweckmäßigere Vorschläge zur Sicherung ter Abstimmung zu mache« und mit den Beteiligten zu erörtern.
Kme neue halbamtliche Auslassung der englischen Regierung zu der Frage in getrennte oder einheitliche Abstimmung ist in rätselhaften Wendungen abgefaßt. Man liest da:
„Die Frage der Volksabstimmung in Oberschlesten wurde nicht vertagt, obwohl die Abstimmung der außer- halb Oberschlesiens Wohnenden noch nicht geklärt ift Der Besitz irgend eines Teiles von Oberschlesien wird nicht notwendigerweise jenem Teil zufallen, der die Mehrheit der Stimmen gelegentlich der a l l g e m e i. nen Abstimmung haben wird. Diese ganze Frage bleibt noch einer endgültigen Lösung vorbehalten. Wenn die Volksabstimmung sofort stattfinden würde, müßte man doch 3 Monate warten, bis das Ergebnis festgestellt sei. Infolgedesten sehe man in England nicht ein. wie die Frage der Entschädigung sich in einer mehr oder weniger abschließenden Form bei der Pariser Konferenz darstellen könnte."
Bisher mußte man annehmen, daß die Entente sich endgültig entschieden habe für die zeitliche Teilung der Abstimmung, so daß die abgewanderten Stimmberechtigten erst zu einem späteren Termin cm die Urne berufen würden. Wir würden uns freuen, wenn dieser Beschluß revidiert und die Einheitlichkeit des Volksentscheides durchgeführt würde. Aber auf die Bemerkung des Londoner Art'kels darf man keine großen Hoffnungen bauen. Dunkel bleibt ferner, warum die Feststellung des Ergebnisses drei Monate dauern soll. Und noch dunkler ist die Bemerkung über die „Stimmenmehrheit bei der allgemeinen Abstimmung". Soll da- mst aus die Möglichkeit angespielt werden, daß schon nach dem ersten Wahlgange (b. h. nach der Äbstim- mung der Ansässigen unter Ausschluß ter Abgewanderten) die Stimmen gezählt und nach dieser vorläufigen Mehrheit das Land verteilt werten könnte? Das würde freilich be* polnischen Wünschen entsprechen, die überhaupt di« Abgewanderten von ter Abstimmung auslckrl'eßen wollten. Aber bisher hatte
Falscher Wert
Roman von H. Abt.
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Frau Stengers war stets eine sehr gute Haushälterin gewesen, eine vorzügliche Rechnerin, die es ermöglicht hatte, mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln den Anschein zu erwecken, als habe sie über das Doppelte oder gar Dreifache zu verfügen. Es erforderte Kunstfertigkeit und hohe Begabung, das allein fo zu drehe« und zu wenden; aber wenn sie auch dabei von ihrem ökono» mstchen Talente noch nie im Stich gelaßen worden war, lebte noch eine brennende Begierde in ihr, das, wovon fie den Schein oortäufchte, einmal in Wirklichkeit zu leben, einmal in das volle hineinzutauchen, ohne heimliche Beschränkung. Nicht verschwenden, aber doch reich sein . . . reich! Es hatten sich der schönen, lebenslustigen Witwe, deren Mann nach achtjähriger Ehe gestorben war, mehrfache Gelegenheiten geboten, sich wieder zu verheiraten. Sie hatte stets gezögert, denn was sich ihr darbot, waren auskömmmliche Verhältnisse, im besten Falle bescheidene Wohlhabenheit. Und wonach sie aus- schaute, das war Reichtum. Aber sie schaute vergeblich aus. Die Jahre gingen dahin. Sa endlich . . . jetzt ...
Frau Klara war zu dem Sestel getreten, auf dem Doktor Weibrecht gesessen hatte. Mit gekreuzten Armen sah sie auf das Polster nieder, als erblickte sie da den vor sich, der ihre Gedanken beschäftigte.
Reich, unabhängig, angesehen . . . Sie hatte ihm seine Vorzüge richtig aufgezählt, und ihre eigne Wert- schätzung unterstrich diese so nachdrücklich, daß darunter der kleine Nebenumstand seines wenig bestechlichen Aeußern und seiner verschlostenen, wortkargen Art gänzlich verschwand. Was brauchte ein Mann schön zu sein, der reich war. in angesehener Stellung!
Im besten Mannesalter ... hm . . im Grunde ge- Bemmen sogar noch jung, ein volle» Jahr jünger als sie selber, aber er schien bedeutend älter, und sie ... sie lächelte ihrem schönen Gesicht, ihrer stattlich ebenmäßigen Gestalt im Spiegel zu . . . wer sah ihr wohl die Zweiundvierzig an?
Und ungeschickt, verschlossen . . . Run Frau Klara mit ihrer bezaube^"*»-" —*•*"”■*
haben?
Aus den rätselhaften Auslastung^ kann man zunächst nur folgern, daß das letzt e W o r t noch nicht gesprochen. Das deutsch« Volk muß sich also weiter m Geduld fassen, und die deutsche Regierung muß weiter ihre Anstrengungen fvrtsetzen, um die Wahrheit, das Recht und die Vernunft zur Geltung zu bringen.
Lopcn-MalmebP.
Die Reicheregierung hat bei der belgische» Reichs- regierung Einspruch gegen die Verordnung der belgischen Dbcr!omm:f!ere für die Kreise Eupen .nb Malmedy erhoben, wonach di« Personell, die sich rach dem 1. August 1914 in beiden Kreisen niedergelassen haben, binnen eines Monats erklären müssen, ob sie die b e l - gische Staatsangehörtgkeit erwerben wollen, und im Falle der Uirterlassung einer derartigen Erklärung oder Ablehnung ihres Antrages die Kre se binnen eines weiteren Monats zu verlassen haben. In der Protestnote führt die Reichsvegierung unter aus- drückstcher Wahrung ihres in der Frage von Eupen und Malmedy eingenommenen grundfätzlsthen Standpunktes aus, daß nach dem Völkerrecht AusweisunWN von Ausländern nur aus besonderen Gründen im Ein- zekfall" zulässig seien, daß aber kein Staat alle Ange- hörigen eines anderen Staates lstegKch wegen ihrer Staatsangehörigkeit ausweisen dürfe. Ferner wird heroorgehoben, daß bet Vertrag von Versailles an keiner Stelle ben Aufenthalt von Reichsanyehörigen in Eupen-Malmeby verbiete. Die Reichsregisnmg schlägt vor, den nach tem 1 August 1914 -»gezogenen Per- Ionen bie gleiche Fr'st zum Verkästen des Gebiets zu gewähren wie den Optanten, b. h. em Jahr.
Amerikanisches Geld für bie polnische Armee?
Im Senat zu Washington machte Reed die Aufsehen erregente Mitteilung, daß von den 150 Millionen Dollars, welche das Haus zur Linderung der europäischen Notlage bewilligte, 4 0 Millionen Dollars für ben Unterhalt der polnischen Armee verwendet wurden. Reed erklärte, bie Beweise für diese ungeheuerlichen Vorgänge in Händen zu haben. ______________• _____________
Oesterreichs Not.
Es tritt das ffieiüdit auf, die Regierung Dr. Mayer in Deutsch-Oesterreich werde in kurzer Zeit zurücktreten und einer Beamtenregierung Platz machen, da Oesterreich vom Zusammenbruch nur noch tine lehr kurze Spanne entfernt sei. Die Lage Deustch-Oesterreichs ist ja einfach unhaltbar. Ein kleines Land mit einer viel zu großen Hauptstadt, mit zu schwacher eigener In» dustrie, ohne Kohlen und die anderen nmwendigsten Rohstoffe, mit einer Landwirtschaft, bie bei weitem nicht ausreicht, das Land zu ernähren, ein solches Land ist dem Untergang geweiht, wenn ihm n>cht von außen Hilfe kommt. Und der einzige Weg, der ihm etwas helfen könnte, der Anschluß an das doch immerhin stärkere Teuischland, ist ihm gesperrt. Das österreichische Geld ist säst gar nichts wert, bie Krone gilt knapp einen holländischen Cent, und selbst für eine beutsche Papin mark bekommt man noch 9 Kronen. Ohne irgend welche nennenswerte Einnahmen soll der Staat dann noch riesige Gehälter an seine Beamten und Arbeiter zahlen. Dazu kommen noch die zerrissenen politischen Zustänoe, die das Land in zwei fast gleichstarke Lager, das sozialistische und das bürgerliche, galten. Augenblicklich hauen die bürgerlichen eine Mehrheit nnö bilden die Steuerung. Dine Regierung steht aber
keil, mit der herzlichen Wärme, die sie zu zeigen verstand, hatte es ja doch geschafft, daß Weibrechi, der so gut wie keinen Verkehr pflegte, bei ihr aus« und einging als erklärter Hausfreund. Warum sollte ihr nicht auch noch dar andere gelingen . . .
Der Doktor hatte einmal so hingen» orfe«, daß ihm schon der Gedanke gekommen fei, die chemische Fabrik zu verkaufen, um völlig frei sich nur feinen Versuchen widmen zu können. Berkaufen, fortziehen, in die Großstadt, nach Berlin . . . nicht als Witwe, die nichts galt, als Gattin einem Mannes, der reich war, tem, um des Namens willen, ben er sich mit ein paar Entdeckungen gemacht, die Türen der besten Gesellschaftskreise sich öffnen würden, sich weit auftun für ihn . . . für feine schöne Frau.
Gertrud war wieder in das Zimmer getreten, blickte sich suchend um und sagte:
„Ist der Doktor gegangen? Schade. Das sieht ja wirklich beinahe so aus, als liefe er vor mir davon."
Die Mutt-r zuckte leichthin die Schultern.
„Torheit. Aber setze noch einmal ben Hut auf, Trud- chen. Wir wollen ausgehen zusammen. Du sollst für das Frühlingssest der Harmoniegefellschaft doch ein neues Kleid haben!"
Gertrud fah die Mutter überrascht an.
Sie war nicht putzsüchtig, nicht eitel, hätte zu anderer Zeit wohl der nicht unbedingt nötigen Ausgabe widersprochen. Heute aber schwieg sie. Ihre Wangen färbten sich höher, und sich an Frau Mengers zärtlich anschmiegend, sagte fie:
„Du liebste, beste Mama, Du.*
2.
Die Harmoniegefellschaft hatte Glück gehabt mit ihrem Frühlingsfest. Was der Mai nur immer an Sonnenglanz, jungem Grün, Blumendust und Vogelfang her. vorzuzaubern vermag, das hatte er über bie fröhliche Gesellschaft ausgegossen, die sich unter den Buchen hin- gelagert hatte, zwischen denen hervor bie alte Burgruine in bie Stabt hmunterschaute. Don jungen unb alten Lippen war fröhliches Lachen erschallt und hatte sich mit dem Klingen der maitrankgefüllten Gläser vermischt.
Ja, ein gut gelungene» Fest war's gewesen, unb bas —\Ahe Kleid hatte sich wohl getötet. In dem Sex.
bei der sehr starken und ,ehr scharfen sozialistischen Opposition arf sehr schwachen Füßen. Bei dreien Zuständen ist es jeder Regier ing unmeglt*, sich zu haben. Man weiß nicht, was werden soll, wenn das jetzige Kabinett geht. Die SiiMmung tx Oesterreich ist so verzweifelt, daß fckjon Stimmen laut geworden sind, die da heischen, man, föne der Entente drn ganzen Krempel vor die Füße werfen. Die ReparanonSkommisiion ’olle selbst die Regierung in d'.eHand nehmen und sehen, wie sie {trug wud.
Tie wirtschafliche Lage Polens.
Die.Germ ania'entwirft auf Grund von Weuyevunätn polnischer Blätter der verschievensten Richtungen er« anschauliche; Bild über die katastrophale wirtschaft,che Lage Polens. Die Spalte« der Warschauer «nb SUafauer Aeitunge« seien an gefüllt mit Klage« über die großen MißüSnde in Polen unb über die sich immer mehr breit machende Hungersnot. Pro Kopf und Woche können schon lange nur noch zwei Pfund Brot verteilt werden Em Laib Brot kostete am 27. 12. in Warschau 150 Mark, ein kleiner Brötchen 20 Mark. Da die polnische Mark infolge ihres niedrigen Standes auf dem internationalen Markt kaum mehr Kaufkraft besitzt, bleiben die sehnsüchtig erwarteten ®etrei0etran5pot!e a«S Amerika auS In Krakau kostete nach Beschluß dcS Staatsrat? am 28. 12. ein Kubikmeter Gas 10 Mart. Nach der Warschauer.RzezSpospoiitS^ vom 22.12. kostete ein Kilogramm Bau »wolle 1000 Mark, ein Dutzend Strümpfe 2500—4000 Mark, ein Pfund Schnhledcr bis 3400 Mark. Die Warschauer Zeitung .Wolna Slowo- brachte am 27. 12. einen lan ,en Notschrei über bie schrecklichen Folgen beS Winter» unb sagt: Wir stehen vor dem S3ert)un;.ern!
Verständigung üver die
Bearntenfordernnge».
3m Verlauf des Freitags haben im Reichsfinanz- minifterium die Besprechungen über bie Erhöhung der Teuermigszuschläge mit den Vertretern des Deur chen Beamtenbundes unb bet Eisenbahner - Groh- organisationen stattgefunben. an denen unter anderen außer dem Reichsfinanzministerium das Reichsverkehrsministerium unb das Reichspostministerium beteiligt waren. Diese Besprechungen führten nach Ign-
Verhandlungen zu einer Verständigung auf der Grundlage der im Reichsverkehrsministerium mit ben Eifenbahnerorganifationen getroffenen Vereinbarungen bis auf einen Punkt, in welchem her Deutsche Beamtenbund glaubte, seine Bedenken nicht zurückstellen zu können. Es sind nunmehr die Grundlagen geschaffen für bie Entscheidung des Neichsfinanzministers und des Reichskabinetts, nachdem zuvor Verhandlungen mit den Liinderreg! erringen stattgefunben haben werden.
Sommunifkstche finftor.
Die Zahl ter Todesopfer in Flensburg har sich von neun auf elf erhöht, und da sich unter den Verwundeten viele Schwerverwunbete befinden, fo muß leider mit weiteren Todesopfern gerechnet werden. lieber die Schuld der Kommunisten an diesen Ausschreitungen herrscht bis zu den Unabhängigen vollkommene Einmütigkeit. Sogar die unabhängige „Freiheit" muß etngestchen, daß die Kommunisten unverantwortlich gehandelt haben, als sie die Massen zu tem Sturm auf die Kaserne der Sicherheitspolizei aufforderten. Die kommunistische Rote Fahne dagegen schwelgt in Blutphantasien, spricht von einer Luten- dorff-Mordbante, von der Ortmungsbeftie, die nach Proletorierblut lechzt, von den Bluthunden, von Schurkenstreichen und Lakaien des Bürgertums. Dabei steht fest, daß die kommunistischen Führer, die sich feige im Hinterhalt versteckt hielten, die Masten osgm dir Kaserne vorgetrieben haben. Ohne diese kommunistische Hetze wäre in Flensburg kein Schuß gefallen.
Den wüsten Austritten ter Kommunisten in Flensburg ist ein Nachspiel in Dresden gefolgt. Bei Be- pinn der Sitzung des sächs. Landtages nutz der Serien» pause am Donnerstag verlangten die K o m m u n i •
trüb Mengers ausgesehen hatte wie ein lichter, blauer Frühlingstag. Die Augen dessen, der nur wenig von ihrer Seite gewichen, hatten es deullich gesagt, wenn auch seine Sippen nichts al, harmlos heitere Warte fpra- chen. Und harmlos heiter konnte wohl auch bie Frage gemeint sein, die er beim Abschied an die Mutter ge. richtet . . .
„Wollen gnädige Frau mir gestatten, mich zu erkundigen, wie Ihnen das Fest bekommen ist?"
Doch Frau Mengers wußte sehr wohl, daß es nicht harmlos gemeint war, unb hatte es daher für klug befunden, am zweiten Tage nach dem Feste, ba ber ange- fünbigte Besuch zu erwarten ftanb, Gertrud vom Hause zu entfernen. Sie selbst, etwas weniger jugendlich, mütterlich würdiger a!» gewöhnlich gekleidet, saß, eine Hand- arbeit lästig im Schoße haltend, auf ihrem Fensterplatz unb wartete. Ihr Warten währte nicht lange.
Dar Dienstmädchen öffnete die Tür, und Franz Lützenkirchen trat über die Schwelle
Mit fteundlich ausgeftrecfter Hand ging Frau Men- ger» ihm entgegen. Wohlgefällig ruhten ihre Augen auf ihm, wie er, nachdem er achtungsvoll ihre Hand an die Lippen geführt, seine hohe, kraftvolle Gestalt aufrichtere und die übliche Frage nach ihrem Ergehen tat
„Vortrefflich," gab sie heiter zurück. „Mir sowohl wie meiner Tochter. Sie wird bedauern, Sie nicht bei uns begrüßen zu können. Sie tut ein wenig Samariter* dienste bei einem alten, kranken Fräulein."
Lützenkirchen bedauerte lebhaft, zugleich aber glaubte Frau Menger» scharfe» Auge wahrzunehmen, daß Gertruds augenblickliche Abwesenheit ihm nicht unerwünscht war. Er nahm auf die freundliche Aufforderung hin Platz, unb ein lebhaftes Gespräch war alsbalb im Gange. Währenddessen gingen feine Blicke interessiert im Z m. mer umher, unb endlich konnte er sich bie Bemerkung nicht versagen:
„Wie außerordentlich behaglich Sie es hier haben, gnädige Frau."
Sie lächelte NebenswLrdig „Scheint es Ihne« fo? Jedenfalls würden Sie uns erfreuen, wenn Sie sich van dieser Behaglichkeit öfter hierher ziehen liehen."
Lebhaft dankend verbeugte er sich.
(Fortsetzung Mot)
st e n die sofortige Beratung ihres Antrages betreffend Unterstützung ber Erwerbslosen, der gegen den Willen des Präsidenten unter großem Lärm auf den Tribünen verlesen wurde. Der Tumult steigerte sich derart, daß der Präsident sich kaum noch verständlich machen konnte. Der kommunistische Abg. Renner beantragte, daß ter Präsident den Antrag ben. die Uri» terstützung ter Erwerbslosen sofort auf die Tagesordnung fetze und auch sosort eine Abordnung ter Er- werds losen tm House empfange. Dieser Antrag wurde vom Hause abgelehnt. Unter andauerndem ungeheuren Lärm scch sich der Präsident gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen und die Fortsetzung im Sitzungssaal der ersten Kammer anzukündigen. Ein Radau ohnegleichen war die Antwort. Die Abgeordneten verließen den Saal und schließlich zogen auch die Tri- bünentesucher ab. Nach etwa dreiviertelstündiger Pause konnte die Sitzung wieder eröffnet und ohne weiter« Zwischenrufe zu Elche geführt werden.
In Berlin stand die letzte Sitzung der Stadtverordneten völlig unter der Diktatur der Kommunisten auf der Tribüne. Es wurde gestern schon darüber berichtet, wie die Zuhörerschaft die Lage fo vollständig beherrschte, daß volle eineinhalb Stunden lang die Fortsetzung der Verhandlungen ausgesetzt und schließlich in einen andern Saal verlegt werden mußte, um Überhaupt notdürftig zu Ende geführt werden zu tön« nen. Man hat eingesehen, daß es notwendig ist, mit energischen Maßnahmen insbesondere mit der Aus- oate von Tribünenkarten dem Treiben ter kommunistischen Ruhestörer und Stinkbombenwsrfer einen Rie, gel vorzuschieben.
Ei« politifche Aerfammlung von Kindern gesprengt.
Me der ,Vzta.' aus Bremen aemelbet Wird, kam es gelegentlich einer Versammlung der Deutschen Volksparter zu einem unglaublichen Auftritt Man bediente sich eines neuen Mittel«, um die Macht deS Proletariats zu seinen und schickte eine große Anzahl Kinder vor, drs durch Radau die Versammlung sprengen sollten! Diese kleinen, kvohlinstruierten Demonstranten — eS Waren noch schulpflichtige und kaum der Schule enttoa-bfene junc.e« und Mädchen — machten Während der Eröff- »unaSrede einen solchen Spektakel, schrien, johlten und pfiffen. Warfen Stühle und Gläser um, daß sich ver Redner nur schwer verständlich machen konnte; einige Juna-n trampelten, trommelten und brüllten wie be- festen. AIS der zweite Redner sprach, begann der nan$e Kinderchor zu singen von Freiheit, Gierchheit usm.; einige Bürschchen waren dabei auf Tische ge. stiegen und lamentierten von dort ans. Man toaste nicht einzuschretten, weil tm Hintergründe die nötige „Reserve" pottiert war und zum all-emetnen „Krach" bereitstand, ReichstagSabg. Gildemeister begann das Sch.utzwort zu sprechen, worauf es von allen Ecken und Enden deS Saales wie ein ttn mattier lo -brach. Die „Kinderchen» jauchzten und quietf tit n vor Ver» gnuien, polterten und schrien sich die kleinen Kehlen heiser. Natürlich war es nicht möglich, die Versamm. lung fortzusetzen und so mußte fie, a!3 die süßen kleine« Mädch«! dem Redner gerade die Zunge herausjtreckren und dre übttce kleine Raffelbande lan ie Nasen machte, schnell geschlossen werden. In der Versammlung waren auch einige Letzrer, denen sich angesichts der atts Rand und Band geratenen Jugend bte Haare sträubten, denn was hier in einer von weit über tausend Personen be. suchten Versammlung geschah, kann ihnen, wenn der „starke Arm" eS will, alle Tage in der schule Passieren. Und warum demonstrierte die kleine Unschuld eigentlich? Weil sie „in richtiger Erkenntnis der politischen Verhältnisse" daS „unheilvolle" Regiment des Breme» Senates stürzen will und seinen Rücktritt verlangt.
Deutsches Reid?.
*» Berlin, 7. Jan. Das neue Reichsmehrgesetz wird tem Reichstage noch im Saufe tes Januar zugehen. In Vorbereitung befindet sich ein« Vorlage auf Versorgungsmaßnahmen für ausscheidente Mitglieder ter Reichswehr im Falle von Unfall und Invalidität. Der Reichst aosausschuß für auswärtige Angelegenheiten tritt am Dienstag, den 11. Januar zusammen. — Zum einftwe legen deutschen Geschäftsträger in Bukarest ist der Wirkt. Legationsrat Frey- t a g ernannt worden. Außer dem Botschasterposten in Washington ift bann nur noch die Gesandtschaft in Athen unbesetzt. — Die Bamberger Finanzkonferenz hielt heute ihre erste Sitzung ab. Sie beschäftigte sich mit ter Frage der Reichsüberweisungsn aus den Steuererträgnisten an tes einzelnen Länder. — Aus Paris wird gemeldet, daß in den Verhandlungen über die 3af)hmg der Salten tm Ausgleichsverfahren, bie gestern dort begannen, die teutfchen Vertreter die Wiederaufnahme ber im Dezember eingestellten Zahlungen noch vor tem 15. Januar angcr kündigt hätten.
* Deutscher Dank dem KSniq von Spanien. Der Reichspräsidcnt hat durch Vermittlung des deul'chen Botschafters in Madiid dem König von Spanien ein Schreiben überreichen lasten, um im Namen be? ganzen Deutschen Volkes tiefgefühlten Dant anszusprechen für bie Bereitwilli keit, mit bet Spanien seinerzeit feine Sckwtzräligkeit bis weit über die Wiederherstellung beS Friebenszustanbes auSge- behnt habe unb für die unermüdliche und fegens- reiche Arbeit, die im deutschen Interests von den spanischen Behörde« -eleistet Worten ist.
® Minister Wirth über bie Finanzlage des 2tei. che». In der gestrige» Sitzimg des finanzpolitischen Ausschusses des Reichswststchaftsrats legte der Reichsfinanz- mmifter vr. Wirth die Finanzlage und die Deckizngsab- fichten des Finanzministeriums für das vorhandene Defizit bar. Au» feinen Mitteilungen, die größtenteils vertraulich waren, geht hervor, daß der Etat neuerdinos wieder durch die vom Kabinett in Abwesenheit des Finanz- mmifters beschlossene Bewilligung der Forderungen der Eisenbahner erheblich belastet wird und zwar, falls diese Forderungen 'm der beantragten Höhe bewilliot werden, um etwa 6 Milliarden Mark. Dazu kämen evtl, die Ergänzung,«nsprüche, welche die Gemeinde« und Länder au, ben automatisch sich ergebenden Zusatz- forbenmgen ihrer Beamten ergeben würben. Der Fi- «anMinister erklärte, daß er seine Stellung zu einem Entgegenkommen gegenüber den Beamten im Robinet! und tm Reichstag davon abhängig machen werte, daß füi bie evtl. Bewilligung auch gleich die Deckung sicher gestellt würde. Einen weiteren Ausbau der direkie» Steuern.taadutet, ber Wimter für imnäai.Lä «1