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48. Zahrg

Zreitag. 7. Januar |92|

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seiner mehr

Da sie keine Antwort erhielt, wandte sie den Blick wieder dem Doktor zu und sprang dann schnell empor, die Veilchen plötzllch sehr rücksichtslos von sich schüttelnd.

Aber bester Doktkor, Sie wollen doch nicht in lichkeit schon gehen?"

Doch, meine Zeit ist um."

Sie kannte ihn hinlänglich, um seinem Tone, ganzen Art anzumerken, daß hier kein Zureden

Falscher werk

Roman csn H. Abt.

diese Posten zu ftichen. Leygues selbst soll das Porte­feuille für auswärtige Angelegenheiten bribehalten. Mit Ausnahme der radikalen Nationalisten scheint man aber in Frankreich der gegebenen Lage wohl oder übel Rechnung zu tragen und, wenn auch mit süß­saurer Miene, langsam einzulenken.

Die Meinung der leitenden Kreise Englands ent­spricht, wie sich derTemps" zu seinem Schmerze melden lassen muß, tatsächlich den in der Reuter-Note ausgedrückten Gedanken. Das englische Ministerium sei der Ansicht, man müsse sich hüten, die deutsche Re­gierung zu schwächen, welche zwischen der doppelten Gefahr «ner militärischen und einer bolschewistischen Revolution hin- und herschwanke. Die Auflösung der Bürgerwehren sei nicht so ohne weiteres ratsam, da Europa im nächsten Frühjahr von der bolschewistischen Gefahr in erhöhtem Maß bedroht sein werde. Die englische Regierung sei geneigt, der deutschen Regie­rung für die" Auflösung der freiwilligen Wehren eine neue F r i st von mindestens 9 Monaten gu

Die Vertreter des Reichsfinanzministeriums er­klärten sich mit diesen Zugeständnisien einverstanden^ doch wird die Abmachung erst nach der Rückkehr des Ministers Wirth aus Freiburg bindende Kraft er­halten. UnterstaatSsekrelär Stieler sagte den Ver­tretern der Beamten jedoch zu, daß das Reichsver- kehrSministerium sich mit aller Kraft für die Durch­führung dieser Vereinbarungen einsetzen werde.

Die Vereinbarung wird hoffentlich die wünschens­werte B^riedigung und Beruhigung schaffen. Sie bedeutet ein weitgehendes Entgegenkommen, das in seiner finanziellen Auswirkung sehr beträchtlich sein wird, erst recht, wenn auf Grundlage dieser Einigung nun eine entsprechende Revision der Besoldung auch für die übrige Beamtenschaft eintritt. Es muß immer wieder betont werden, daß dieser Ausgleich auch durchgreifende innere Reformen notwendig macht, die zu Ersparungen an Personal und zur vollen Ausnutzung aller Kräfte führten.

barsten Prüfung unsers Volkes am Steuer zu stehen. Ehe der Sturm überstanden war, mußte er den schicksalsoollen Platz verlaßen. Müßig wäre es zu fragen, ob es ihm hätte gelingen können, das Unglück abzuwenden, das über uns hereini^brochen ist. Wohl aber dürfen wir die Er- irmerung festhalten an jene Jahre der Einigkeit in Kamps und Leiden, die vornehmlich sein politisches Werk gewesen ist, die uns befähigt hat, lange Zeit dem Ansturm übermächtiger Gegner standzuhalten, und die auch für die Zukunft wirken wird in allen, Schmerze der Gegen­wart. Als ein Staatsmann, dem die Betonung der ethischen Kräfte im Völkerlebcn nicht leeres Wortgepränge war: so wird er dereinst vor dem Urteile der Geschichte bestehen. Daß dieser Tag der Gerechtigkeit für ihn so sicher kommen wird wie für unser Volk, dies sei der Trost für alle, die um ihn trauern.

Als Vertreter des früheren Kaisers war Prinz Oskar erschienen, den Reichstag vertraten Dr. Spahn und Direktor Iungheim. Auch der frühere König Ferdinand von Bulgarien hatte einen Vertreter in der Person des Generals Gantschem entsandt.

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Neue Kohlenförderungen der Entente.

Zur Zeit verhandelt in Paris Staatssekretär Bergmann mit der Wiederputmachungskommiffion «egen der Verlängerung des Spaa-Abkommen« über die Kohlenlteferuna, das Anfang Februar abläuft. Diese Verbandlungen verlaufen, wie jetzt gemeldet wird, durchaus unbefriedigend. Die Franzosen stellen Forderungen, die über das Spaa-Abkommen binausgeben. Ihre Forderung beträgt für d,e Monate Februar je 2,2 Millionen Tonnen, was das Spaa-Abkommen um 200 000 Tonnen übersteigt. Sollte der Abtransport der Kohlenmengen nicht möglich sein, so seien die Kohlenmengen auf Lager zri legen und gälten dann als abgeliefert.

StaatSlekretär Bergmann hat der Kommission erklärt, daß die deutsche Regieruikg sich mit diesen Forderungen nicht einverstanden erklären könne. Für Mitte Januar hat er eine zusammenfassende Darstellung unserer gesamten Kohlenlage und einen Ueberblick über die Wirkung des Spaa-Abkommens auf unser Wirtschaftsleben rn Aussicht gestellt.

Trotz der feierlichen Versprechungen auf der Spaa- Konferenz gehen französische Bestrebungen dahin, uns auch die Kohlen aus Oberschlesien in weit höherem Maße zu entziehen. Desgleichen besteht bei den Alliierten keine Neigung, weiterhin die Kohlenvorschüsse und die Goldprämien zu zahlen.

half. So schüttelte ste auch nur traurig den Kopf und sagte dabei:

Eigentlich ist das verletzend für Gertrud. Es könnte wirklich beinahe den Anschein erwecken, als nehmen Sie vor dem Kinde Reißaus."

Ein heimliches Lauern war in ihrem Blick und wie ste das llmdüfterte feines Gesichts gewahrte, legte sie ihre beidm weichen, warmen Hände um seine Rechte und mi' lächelndem Kopfschütteln ihn ansehend, sagte sie halb neckisch, halb ernsthaft:

Aber, aber . . . das muffen wir Ihnen abgewöhnen. Geht Ihre Menschenscheu so weit, daß Sie gerade nur mich alle Frau als Gesellschaft ertragen und sich sogar durch Trudchens Gegenwart eingeengt fühlen?"

Eingeengt ... ich weiß nicht . . . vielleicht . . ."

Es klang rauh. Dann hatte Frau Klara einen hastigen Druck feiner Rechten verspürt, und im nächsten Augenblick hatte sich die Tür hinter Anton Weibrecht ge­schloffen.

Rasch trat sie an das Fenster der Erdgeschotzwoh- nung, um hinter den roten Borgardinen dem Daoon- schreitenden nachzuschauen. Sie gewahrte, wie, ehe er aus dem Dorgärtchen hinaus auf die Sttaße trat, feine Hand sich hob, die Veilchen au» dem Knopfloch nahm, sie dann, wie unfchlüffig, was damit beginnen, zwischen den Fingern hin und her drehte und langsam in die Tasche steckte.

Frau Klaras meist in heiterer Liebenswürdigkeit lä­chelndes Gesicht hatte einen Ausdruck scharfen Nach­denken».

Was hatten seine letzten Borte, sein rascher, leiser Händedruck ihr angedeutet oder klar gesagt?

Traf die Vermutung, die ihr schon ein paarmal hatte kommen wollen, wirklich so sehr die Wahrheit? Schon wiederholt war es ihr aufgefallen, wie der Doktor in

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gewähren.

Zusammenkunft der Enkenle-Mnister.

Die Zusammenkunft der Min ist e cpräfiden» j e n Frankreichs, Englands, Italiens, Begliens zur Be­ratung über die Entwaffnung Deutschlands und die an­deren schwebenden Fragen der hohen Politik soll am 19. Januar in Paris ftattfinden. Erst nach dieser Beratung werden die Verhandlungen Brüssel wieder ausgenommen werden.

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Sie sind doch fein Blumenfeind? Da" sie trat zurück, schaute von dem Sträußchen an seiner Brust in fein Gesicht und lächelte:Sehen Sie nur, wie hübsch die Ihnen stehen."

Es zuckte über seine Stirn, wie er den Kopf-feicht gegen das junge Mädchen neigte.

Ich danke Ihnen, Fräulein Gertrud."

Dann trat er einen Schritt von seinem Sitze zurück.

Aber bitte sehr, wieder Platz zu nehmen," rief urau Mengers eifrig, und auch Gertrud sagte:

.Aber Herr Doktor, Sie gehen doch nicht schon. Das würde ja gerade aussehen, als hätte ich Sie vertrieben. Ich möchte doch auch noch etwas von Ihnen haben. Mutz mich nur schnell ein wenig wieder zurechtmachen, ich bin ja ganz verwildert heimgekommen."

Während sie mit beiden Händen das unter dem Hut hervordröngende Blondhaar zurückstrich, schaute die Mutter ein wenig verwundert nach ihr hin.

Bist Du Bekannten begegnet im Wäldchen?"

"Ich, Vergners und der Frau Amtsgerichtsrat. Und Sanders. Unb Herrn Lützenkirchen ... er läßt sich dir empfehlen."

Frau Mengers horchte interessiert auf.So, hast Du ihn gesprochen?"

Gesprochen . . . nein. Er ritt vorüber und grüßte

- Und läßt sich Dir empfehlen."

Wieder nach dem widerspenstigen Blondgelock faflend, dabei der Mutter und Herrn Weibrecht zunickend, ver­ließ Gerttud das Zimmer.

Draußen klangen ihre über den Flur dahineilenden Schritte und bann em halblautes, jubelnde» Singen:

O, wie wunderschön ist bie Frühlingszeit."

Frau Mengers hielt auflauschend oen Kopf geneigt, Hre Hände streichelten zärtlich bie Veilchen in ihrem Schoß.

»Ach ja, der Frühling das Kind ist ja heute rein wie ausgewechlelt. finden Sie nicht auch?"

für Ortsklasse A 50 Pfg. die Stunde " 40 ,

Um Deutschlands Wehrlosmachnng.

Wegen der Frage der Entwaffnung Deutschlands ist in Paris dis Lage sehr zugespitzt. Die Reuterauslassung über den englischen Standpunkt hat dort arg ver­schnupft. Die nationalistifch-chauvinistifche Presse weiß sich kaum zu hakten vor Erregung und Erbitterung über Englands Haltung. In den Blättern dieser Rich­tung findet man scharfe Arttkel gegen England. Be­deutet doch die englische Auffassung, daß die bolsche­wistische Gefahr eine beschränkte Aufrechterhaltung der Einwohnerwehren in Bayern und Ostpreußen recht­fertigen könnte, das gerade Gegenteil von der fran­zösischen Auffassung.

Diese Differenz ist in ihren Wirkungen so groß, daß man m Paris sogar von einer bevorstehenden Kabinettskrise spricht. Leygues soll beabsich- Ägen, gleich nach Zusammentritt der Kammer sein Rücktrittsgesuch einzureichen, zum mindesten aber die Vertrauensfrage zu stellen. Doch nach der Aeuße- rungen der Pariser Preffe soll es hauptsächlich darauf onkommen, mehrere Ministerien anders zu besetzen. Man scheint weniger chauoinistffche Kandidaten für

Die Abstimmungsknebelung.

Die Abstimmungsordnung für Oberschlesien ist nunmeEjr öffentlich kundgcmacht worden. Sie deck, sich jm weseMlichen mit dem von uns bereits veröffentlich- ,ten Auszug, so wird namentlich die Bestimmung be­stätigt, daß von den in Oberschlesien ansässigen, wenn auch nicht dort geborenen Personen nur diejenigen stimmberechtigt sein sollen, dre schon s e i t 1. 3 a n u a r 190 4 ansässig sind. Die ,pater Zugewanderben sind also entrechtet. Diese sown nahezu alle anderen Be­stimmungen für die Abstimmung, so auch die zu kurz -bemeßenen Einspruchsfristen, bestätigen den Eindruck, daß alles getan winde. um den Polen entgegenzukom- men und das deutsche Interesse zu schädi­gen. Bemerkenswert ist es, daß die Verordnung mchts über die g e t re n n t e A b st i m mit n g der "US Ober­schlesien ausgewanderten Oberschlesier enthält. _ Indes­sen ist ja die Bekanntgabe der Wahltage für später Vor­behalten, so daß es falsch wäre, hieraus zu folgern, daß der Verband auf diese Niedertracht verzichtet hätte.

Das Wichtigste ist der weit zurückverlegte Stich­tag für die Stimmberechkigung der Z u g e z o g e n e n. Der Fricdensverrrag läßt sich in dieser Hinsicht einen weiten Spielraum, da er oorschrieb, baß der «tichtag "nicht nach dem 1. Januar 1919 liegen darf. Die inter­alliierte Kommission hat nun ganze 15 Jahre weiter zurückgegriffen. Das bedeutet, daß alle diejenigen, die zwar nicht in Oberschlesien geboren, aber dorthin einge- wandert sind, ihres Stimmrechtes verlustig gehen, wenn sie nicht nachweisen können, daß ste bereits vor dem 1. Januar 1904 zugezogen sind. Wer in den letzten 16 Jahren eingcwandert ist, wird von der Urne ausge­schlossen. In diesem Zeitraum fft natürlich der Zuzug Ms dem Deutschen Reiche stärker gewesen, als aus den polnischen Gebietsteilen. Es kommen da nicht bloß die Beamten in Betracht, sondern auch die Kaufleute und dir Arbeiter, die das industriell höher entwickelte Deutschland art das stark aufblühende Oberschlesien ab- gab.

Im weiteren bringt die Wahlordnung verschiedene bürokratische Erschwerungen fitr die Zugewanderten, tie in den 16 Jahren ihren Wohnsitz in Oberschlesien gewechselt halun. Sie müssen sich über die Dauer und die Beständigkeit ihres Aufenthalts in Oberschlesien um­ständlich ausweisen durch Bescheinigungen von allen beteiligten Gemeinden oder Zollbehörden, teilweise auch eine Geburtsurkunde beibtingcn. Die lästigen Formali­täten lassen sich trefflich ausnutzen, um Stimmberech­tigte im letzten Augenblick wegen dieses oder jenes an- tzeblichen Mangels in den Akten von der Urne ai'szn- «hließen.

Die Mahnung des päpstlichen Kommissars zu Ge­rechtigkeit und Billigkeit ist bei der Abfassung des Re- ssements nicht berücksichtigt worden. Vielmehr wird /otz allem, roa-j inzwischen sich ereignet hat, zähe fest­gehalten an dem verhängnisvollen Streben, Ober- schlefien den Polen zuzuschanzen.

Was der interalliierten Regierungskommission, ganz abgesehen von dem Geist des Reglements, vorge­worfen werden muß, ist, daß sie es nicht für notig gefunden hat, sich bei deutschen Stellen überhaupt nur zu unterrichten. Im vorigen Jahre wurde von General Lerond ein sogrncmnter paritätischer Beirat zur Beratung bei interalliierten Kommission gewählt. Dieser Beirat, der das gegebene Organ ge­wesen wäre, ist noch niemals herangezogen worden, während Korfanty bei dteser Kommission ein- und ausging.

Die deutsche Regierung wird gegen Re Abstim- .nungsordnung Einspruch erheben, weil mehrere Be­stimmungen offenkundig eine Verletzung des Friedens- Vertrags find. Nach Artikel 91 des Friedens Vertrages können Deutsche, die sich nach dem 1. Januar 1908 in Oberschlesien niedergelassen haben, nur mit Zustim« mung des polnischen Staates die polnische Siaatsan-

gehöriakeit erwerben, wenn die Abstimmung für Polen ausfältt Die Abstimmungsordnumg macht aber die Ausübung des Stimmrechts davon abhängig, daß die betreffenden Perfonen schon seit dem 1. Januar 1904 m Oberschlesien wohnen. Das ist schlechterdings un­vereinbar. Ein zweiter Verstoß gegen den Friedens- Vertrag ist die Bestimmung, daß gewisse Gmsbezirke, obwohl sie selbständige Gemeinten sind, mit den be­nachbarten Gemeinden zum Zwecke der Abstimmung zu- iammengeleg! werden. Hier liegt natürlich der polm- sche Wunsch zu Grunde, durch polnische Mehrheiten in gewissen Gemeinden deutsche Mehrheiten in Kenteren Gemeinden auszuschaltcn.

*

Zur Teilnahme an bet Abstimmung ist jede Person berechtigt, die am 1. Januar 1921 das 20. Lebensjahr vollendet hat und in der Zone, in der die Abstimmung fiattfikchÄ, geboren ist ober seit dem 1. Januar 1904 ober früher den Wohnsitz im Abstimmungbezirk hat. Jeder stimmt in der Gewinde ab, in der er am 1. Januar 1920 seinen Wohnsitz hatte, oder, wenn er nicht in Ober­schlesien wohnt, in der Gemeinde, in der er geboren ist. Am 6. Februar, 6 Uhr abends, beginnt die Auslegung der vorläufigen Stimmlisten, am 17. Februar, 6 Uhr abends, läuft bie Frist ab für die Einreichung von Ein­sprüchen, am 3. März, 6 Uhr abenbs, ist Ablauf der Frist jur die Entscheidung der interalliierten Büros über bie Einsprüche.

Die nicht m Oberschlesien wohnenden Personen haben an den paritätffchen Ausschuß der Gemeinde, in welcher sie ihr Stimmrecht auszuüden berufen find, ein eigen­händig unterschriebenes von ihnen persönlich aus ge­fülltes Gesuch nach einem bestimmten Muster einzu­reichen, dem bie Ausweispapiere beizufügen sind. Sie haben außerdem zwÄ Exemplare eines vor kurzer Zeit aufgenommenen und von den Behörden ihres jetzigen Wohnortes gestempelten und bescheinigten Lichtbildes beizulegen, von denen eines für den Personalaus­weis verwendet wird, der bei der Einreise m Ober- fchlesien Äs Paß und fabann Äs Stirn m tai te zu dienen hat. Ihr Gesuch hat werter die genaue Angabe ihres letzten Wohnsitzes im Abstimmungsgebiet so­wie bie Angabe ber Zeit, zu welcher sie das Gebiet verlassen, zu enthÄtsn. Es hat alle zum Ausweis ihrer Interessen erforderlichen Angaben sowie mit Ausnahme von Fällen, wie dies offenbar nicht möglich fft, die Bezeich­nung zweier ober mehrerer in ihrer Geburtsgemeinde woh­nender Personen, bie ihre Identität bezeugen können, zu enthalten.

Die durch AbsKmrnungsrsglement für bie Emtragungs- gssuche in bie Stimmlisten vorgeschriebsnen beiden P h o - rographten muffen vor kurzer Zeit unb ohne Hui «rufgenommen fein, die Größe von 4X 4 haben unb mög­lichst Schulterbilder sei. Alle stimmberechtigten Oberschle- Wcr müssen sich die beiden Photographien sofort beschaffen, a bie Frist für Eintragung bereits vom 10. Januar ab m* nur für ganze kurze Zoss läuft. Mes nähere, auch Ersatz ber Kosten für die Photographien von den Orts­gruppen ber Heimattreuen Schlesier.

Ein blutiger Zusammenstoß in Flensburg.

In der schleswigen Stadt FlenSburg war dieses Tage bei Kommunist Hoffmann verhaftet worben, weil er bei einer Haussuchung Schöffe auf die Polizeibeamten abgegeben hatte. Obwohl ihm eröffnet wurde, daß bei einem Fluchtversuch von der Waffe Gebrauch gemacht werden toüroe, riß sich Hoffmann los. Die Beamten gaben daraufhin auf Hoffmann Schüsse ab, die ihn tödlich verletzten. Er starb bald darauf. Bei der Be­erdigung Hoffmanns am Dienstag ereigneten sich blutige Zwischenfälle. Wir geben im folgenden die amtlichen Darstellungen ber Vorgänge durch den Ober- präsidenten von Schleswig-Holstein wieder, der, wie der sicherlich allzu der Parteilichkeit verdächtige .Vor­wärts' dazu bemerkt, daß biefe Darstellung vollkommen übereinstimmt mit der Auffassung sämtlicher Partei« aenössischer Augenzeugen. Es heißt in dem amtlichen Bericht u. a.:

Die Kommunisten, darunter aus Hamburg herbeige, sille Führer, hielten am Grabe aufhetzenbe Reben, m Denen bie Menge aufgeforbert würbe, gegen die Schutz­polizei vorzugehen. Flugblätter des gleichen Inhalls, wurden unter die Teilnehmer an der Beerdigung ver- teilt Don rund siebentausend Teilnehmern hat indessen ber größte Teil sich nicht verhetzen lassen, sondern ist nach der Beerdigung nach Hause gegangen. Nur etwa brei= bis verhandelt Personen sind in geschloffenem Trupp vor die Kaserne der Schutzpolizei gezogen und haben von die- ser unter Absingung revolutionärer Lieber auf Karl Liebknecht unb Rosa Luxemburg demonstriert. Nachdem bie Menge brei Stunden lang die Polizei auf diese Art in ber Kaserne belagert hatte, wobei ein Versuch, bas Tor zu stürmen, burch Wasserstrahlen aus einem Hy- branten verhinbert worben war, zogen die Demonstran­ten ab unb hielten zwei Versammlungen ab, nachdem sie sich ber betben Lokale gegen ben Willen der Saalbesitzer mit Gewalt bemächtigt hatten. Hier wurden nun von den führenden Kommunisten erneut Reden gehalten und die Menge aufgeforbert, bie Schutzpolizeikaferne zu stür­men:es müsse noch Blut fliehen". Etwa zwei- bis breihunbert Demonstranten zogen also gegen %12 Uhr abenbs von neuem gegen bie Kaserne; ihnen schloß sich eine große Menge Neugieriger an, um von weitem die Vorgänge zu beobachten. Die draußen postierten Beam­ten ber Schutzpolizei würben nunmehr in bie Kaserne zurückgezogen. Die Semonftranten bückten bas Straßen- wr ein unb stürmten auf bas innere Kasernentor. Dar­aufhin rückte bie Schutzpolizei nach Abgabe von Schreck­schüssen roieber bis zum Straßentor vor unb schloß bie« fes Abermals stürmte die Menge gegen das Straßentor an, wobei aus ihrer Mitte eine Reihe von Schüssen fiel. Daraufhin rückte die Schutzpolizei ihrerseits wieder vor, um die Kaferne zu verteidigen. Da einige über die Köpfe hinweg abgegebene Salven keine genügende Abschre- ckungswirkung übten, feuerte bie Schutzpolizei gegen bie

'Die Beisetzung v. Bethmann Hollwegs.

Heber die Beisetzung des früheren Reichskanzlers Theobald v. Bethmann Hollweg, die am Mittwoch nach­mittag im Erbbegräbnisse auf dem Friedhote in Hohen- finow, dem märkischen Landsitz des Verstorbenen, er­folgte, veröffentlicht bas WTD einen längeren Bericht, aus dem hier die Rede des Reichsministers Dr. Heinze, der mit Staatssekretär Lewald und Mini­sterialdirektor Heilbronn als Vertreter der Reichsrogie- rung erschienen war, rviedergegeben sei. Dr. Heinze sagte «. a.:

Im Namen der Reichsregierung sage ich dem Reichs­kanzler o. Bethmann Hollweg, dessen sterblicher ßetb hier zur ewigen Ruhe bestattet wird, den letzten Gruß. Heber- wunden hat er allen Kamps, und über den ©taub de» zeitlichen Streites erhebt sich rein das Bild seiner Per- sönfichkett. Deren Züge unverrückbar in die Herzen seiner Freunde eingegraben sind. Er war berufen, m der surcht-

Gertruds Gegenwart sich meist zurückhaltender gab unb feine Besuche, wenn sie zu dreien waren, stets bedeutend abkürzte. Aber so augenfällig wie heute war ihr das noch nie geworden. Wars wirklich an dem, was er ja selbst nicht in Abrede gestellt, daß er sich beengt fühlte durch die Gegenwart der Tochter der erwachsenen Tochter? War's darum, daß ihre Beziehungen, so ver­traulich diese sich gestaltet hatten, doch noch nicht über das Stadium guter Freundschaft hinausgerückt waren? War's darum, daß er noch stets gezögert, das Wort zu fpredjen, um das sich seit beinahe Jahresfrist heimlich ihr ganzes Leben drehte. Darum . . .?!

Heftiges Rot stieg in Frau Mares Gesicht. Das sollte ein Ende haben. Er sollte sich nicht mehr beengt fühlen.

Aber rote es verhindern? Sie konnte das Kind doch nicht immer aus dem Haufe schicken.

Das Kind ... sie schürzte spöttisch die Lippen. Das Kind" stand im breiundzrocmzizsten Jahre, es wurde Zeit, daß man im Ernste daran ging, sie aus dem Hause zu geben. 2Ils fürsorgliche Mutter hatte sie ja auch schon zuweilen daran gedacht, ohne sich die damit verknüpften Schwierigkeiten zu verhehlen. (Ein Mädchen ohne Mit­gift ließ sich schwer an den Mann bringen.

Unb neuerdings war sie so vollauf mit ihren eigenen Angelegenheiten ausgefüllt, daß sie keinerlei Zeit gefun­den batte, sich auch noch mit denen der Tochter zu be- fdjäftigen. Aber jetzt, da sie plötzlich erkannte, in mel- cher für sie verhängnisvollen Weife sie diese beibersel- tigen Angelegenheiten berühren konnte, war auch mtt einem Male all ihre rasche Energie des Handelns er­wacht.

Für ben Augenblick bestand ihr Handeln nur darin, daß sie ihren Schreibttsch aufschloß, eine kleine Kassette daraus nahm und das darin befindliche Geld zählte. Hm . . . eigentlich war's nicht mehr, als man bis zum Ouartalswechfel brauchte, aber immerhin muhte es sich ermöglichen lassen, davon noch eine Sommertoilette zu beschaffen, die Frau Klaras stets regsamer Geist bereits fix unb fertig zusammengestellt hatte. Denn etwa Schulden zu machen, kam ihr nicht m den Sinn, selbst nicht für solch außerordentlichen Zweck wie den, ber ihr

Verständigung mit den Eisenbahnern.

Nach langwierigen Verhandlungen im Reichsver­kehrsministerium ist es am Mittwoch erfreulicher­weise zu einer Verständigung zwischen dem Reichs- verkedrsministerium und den Eisenbahnbeamten und -arbeitern gekommen. Den Eisenbahnern wurden weitgehende Zugestäudnisse gemacht und die bis zuin letzten Augenblick drohende Gefahr eines Streiks ist damit beendet.

Die Verhandlungen, die unter dem Vorsitz des Unterstaatsiekretärs Stieler vom Reichsverkehrs- ministerinm stattfanden, dauerten bis 9 Uhr abends. Rach sehr eingehenden und sehr heftigen Auseinan- derietzungen wurde den Elsenbahnbeamten eine Erhöhung der Teuerungsznfchläge entsprechend der Ortsklasseneinteilung zugebilligt. Die Beamten er­halten : , ,,

in Ortsklasse A 70 Prozent Erhöhung .

, B 65

C 60

D u. E 55

Die Regierung halte ursprünglich eine Erhöhung für die Ortsklasse D und E abgelehnt, doch erklärte sie sich auch zu diesem Zugeständnis bereit.

Für die Eisenbahnarbeiter wurden folgende Erhöhungen zugestandrn:

FuldaerZeitung

Arnkliäser Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda. ________

tierantroonlid) tüt Den .«oauionellen Teil: Starl Schütte. 2 siu Bit Anzeigen: I. Parze« «er-Fulda. ~ Roiattonsdruä u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei in Fuloa ermpiedtet Nr. 9 Teiegr.-Adresse: Fuldaer Ze >! un -