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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda

Nr. 2.

Beramworttüh lür Oeu teoautoneUen leit: KarI Schütte. ~ tür btt Anzeigen: I. Parzetier-Fu!ba. u Rotationsüruä u. Verlag der Fuldaer Aüienbruckerei in Fulda, rermmecher Nr. 9. Telegr.-Abresse: Fulbaer Zeitung

Dienstag, 4. Januar z92j.

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48. Zahrg.

Eingekeilt zwischen Frankreich und Rußland.

Die Jahre wechseln aber sie gleichen sich nicht, pflegt man zu sagen. Es gibt jedoch Verhängnisse, dte sich um die wechselnden Jahresklassen nicht kümmern sozusagen chronische Uebel und Ge­fahren. Dahin gehört es z. B., daß Deulschland nach wie vor eingekeilt liegt zwischen Frankreich und Rußland.

Das führte schon vor 50 Jahren, in der soge­nannten guten alten Zelt, zu der Erkenntnis, daß wir auf einen Krieg nach zwei Fronten gerüstet sein müßten. Kaum war das Deutsche Reich unter Dach und Fach gebracht, da meldete sich schon der russische Minister Fürst Gortschkoff als Schutz­patron von Frankreich, das angeblich von Bismarck wieder bedroht sein sollte. So fing schon das deutsch­feindliche Bündnis in den siebziger Jahren an.

In den achtziger Jahren machte Bismarck eine Ausgestaltung unseres Heeres, die unter dem Ein­druck der Boulanger-Bewegung in Frankreich stand und auf den Zweifrontenkrieg berechnet war, obichon Bismarck selbst mit der üblichen diplomatischen Heuchelei* versicherte, die russijch-deuüche Freund­schaft sei über alle Zweifel turmhoch erhaben.

Ein paar Jahre später wurde das stille Bünd­nis zwischen Frankreich und Rußland öffentlich und feierlich als solches verkündet. Es hatte sich nicht verhüten lassen und ließ sich auch nicht erschüttern.

Leider gelang es unseren Staatsmännern auch nicht, den Anschluß Englands an diese Verbindung zu verhindern. Das wurde uns zum Verhängnis beim Ausbruch des Krieges von 1914. Mit Frank­reich und Rußland allein wären wir noch fertig geworden; aber England brachte uns die zerrüt­tende Blockade und zog schließlich auch Nordamerika aus den Kampfplatz. Von dieser Uebermacht sind wir erdrückt worden.

Als wir im letzten Kriegsjahr den Frieden von Brest-Litowsk erzwingen konnten, sah es so aus, als ob die russische Gefahr beschworen sei. Doch der Schein hat uns betrogen. Als die Rusten den Waffenkrieg gegen Deutschland einstellten, waren sie bolschewistisch geworden. An Stelle der ehrlichen Flinten- und Kanonenkugeln sandten sie uns die sozialrevolutionären Dynamitpatronen, die den Rest unserer Wehrkraft sprengten. Zugleich verschafften die anderen Verbündeten den Franzosen einen so durchschlagenden militärischen Sieg, daß wir uns in dem denkbar schlechtesten Waffenstillstand ergeben mußten.

Nunmehr steckt Deutschland derart in der Klemme, daß wir einerseits von Frankreich mit der ärgsten Auspressung und andererseits von Rußland her mit dem verderblichsten Umsturz bedroht werden. Wenn die Sieger tm Westen kein Einsehen haben, sondern auf ihrem Schein bestehen, dann muß Deutschland wirtschaftlich und politisch zusammen, brechen. Kommt es zu diesem Bankerott, so wird der russische Bolschewismus als Massenverwalter eingreifen und unser armes Vaterland vollständig 'm Grund und Boden ruinieren.

Die Alten betrachteten es als die schlimmste Gefahr für ein Schiff, wenn es in der Meerenge von Messina zwischen die Scylla und die Charibdis geriet. Das abgetakelte deutsche Boot treibt jetzt »wischen der Scilla Fochs und der Charibdis Lenins.

Ist der Untergang noch zu verhüten? Nur unter der Voraussetzung, daß die Sieger so viel Vernunft annehmen, um Deutschland nicht mehr aufzuhalsen, als es tragen kann. Das ist unsere letzte Hoffnung, und es war unser Trost zu Silvester, daß dte Entwicklung von 1920 im großen Ganzen aus eine solche Politik der Besonnenhelt und Mäßi­gung hindeutet. Afto nicht verzweifeln, aber auch nicht den bitteren Ernst der Sage verkennen! Wir

WerrgeL'tunH.

Roman von S. Doudney. Deutsch von E. Clauß.

25] .

(Schluß.)

18.

Die letzten Maitage waren dahin, und der Juni hatte abermals seinen Einzug gehalten mit all den blühenden duftenden Rosen, die Liebenau in so üppiger Weise schmückten.

Essie, in einem Zustande fortwährender Seligkeit, verbrachte den größten Tell des Tages im Garten. Ro­ses Emhullungen hatte sie mit kindlichem Entzücken aus­genommen; ihre Freude über die neugewonnene Mutter war so groß, daß sie Rose zunächst alles vergessen ließ über dem Mutterglück. Als aber der süße Name Mat­ter ihr ein gewohnter geworden war, da merkte sie, daß eine Sehnsucht in ihrem Herzen geschlummert hatte, die nun wieder erwachte.

Frau Harker, die bald nach Rose's Abreise nach Lie­benau übergefiebelt war, sah wohl, wie Rose immer aufgeregter das Kommen des Br efträgers erwartete, mic sie manchmal schon früh am Morgen am Gartentor ftanb und auf den wohlbekannten Schritt des Postboten lauschte.

Wie zahlreich auch die Briete waren, die derselbe bann in ihre Hand legte, nie schien der darunter zu fein, ben sie erhoffte; denn stets kehrte sie langsamen Schrit­tes und müden Blickes ins Haus zurück.

Freunde und Bekannte hatte sie in Liebenau nicht; fte hatte schon als Mädchen allein gestanden, wie Diel raebr als yrau von Biliars! Nur Pastor Grabe ging bet ihr aus und ein rate-b und helfend wie einst zu (irtoh^i5 3ettm" $bm hatte sie ausführlich von allen Erlebnissen tn Neuhof erzählt, und einmal in der Däm- mentunde hatte sie ihm auch ihre Liebe zu Magnus Brinkmann gestanden.

, $cr Geistliche war nicht erstaunt gewesen. Er hatte n (ei gehofft, daß ihr Herz noch einmal sprechen

r^r @Iu(t mar 3U kurz gewesen, ihr Leben vor­aussichtlich noch zu lang, um es ganz dem Andenken

müssen allzumal unsere ganze Kraft und Kunst | aufwenden, um lebendig herauszukommen aus den I Klammern zwischen dem französischen Militarismus j und dem russischen Bolschewismus.

Notenkrieg.

Die Flut der diplomatischen Noten steigt immer I mehr an. iDe Entente schickt eine Note auf die andere, I wöbe es sich meist um das Lieblingsthema: Entwafs- I nung und Wehrlosmachung Deutschlands handelt. I Deutschland bemüht sich demgegenüber, die Borwürfe I wegen angeblicher Nichterfüllung von allerhand Ver- I tragebestimmuligen zu widerlegen. Aber ob es glücken I wird, den Verband von seinem Unrecht zu überzeugen? I Da müßte das Auswärtige Amt statt mit Noten schon I mit Engelszungen reden.

| Die Forderung auf Zerstörung der Nordseefestungen.

Der deutschen Friedensdelegation in Paris ist am I 31. Dezember eine Note der Botschafterkonferenz zuge- I gangen, worin die auf den Friedensvertrag gestützte I Forderung der deutschen Regierung, daß die Befesti- I gungswerke an der Nordsee in dem bei Inkrafttreten | des Friedensvertrages vorliegenden Zustande zu be- | lassen seien, als unberechtigt zurückgewiesen und die I Abrüstung in dem von der Kontrollkommission ver- I langten Umfange gefordert wird.

Die interalliierte Militärkontrollkommission hatte I unter den vorhandenen Anlagen der Nordseefestungen I willkürlich eine Auswahl getroffen und die durch den I Vertrag gewährleistete Beibehaltung eines großen Tei- I les gerade der wertvollsten und modernsten Verteidi- I gungsanlagen .insbesondere der Eisenbahnbatterien so- I wie Armierungsbatterien abgelehnt. In einer Note I vom 4. Dezember hatte die deutsche Regierung die I Botschafterkonferenz ersucht, die Angelegenheit ihrer- I feits zu prüfen und die Kontrollkommission anzu- I weisen, ihre dem Vertrag nicht entsprechenden An- I Ordnungen aufzuheben. Sie hatte sich hierbei auf den I Wortlaut des Artikels 1996 berufen, wonach alle be= I festigten Werke, Anlagen und festen Seeplätze der Nord- I seekiiste, die als zur Verteidigung bestimmt gelten, in I dem Zustand am Tage des Inkrafttretens des Frie- I densvertrages verbleiben dürfen. Die vorliegende Note I der Botschafterkonferenz ist die abschlägige Beantwor- I tung der deutschen Note.

Verbot von Polizeiflugzettgen.

In einer Note vom 4. .Dezember hatte die I deutsche Regierung bei der Botschafterkonferenz gegen | die Entscheidung der Berliner Kontrollkommission, | die eine Ausstattung der Polizei mit Flu g- I zeugen als mit dem Friedensvertrag unvereinbar I abgelehnt hatte, Einspruch erhoben. Die Bot« I schasterkonferenz hat jetzt in einer Note vom 31. | Dezember die Entscheidung der Kontrollkommission I bestätigt unter Hinweis auf Artikel 198 und 162 I des Friedensvertrages und auf das Abkommen von I Spa, das der Kontrollkommission das Recht gebe, I über die Art der Bewaffnung der Polizei zu ent« I scheiden. Dte Konferenz hat feine Veranlassung | eine Revision der Entscheidung der Kontra llkommis- I sion anzuordnen.

| Die deutsche Antwort auf die Beschwerden Rollels.

Die deutsche Antwortnote auf die Note des I Generals Rollet über die Sicherheitspolizei ist I am Sonntag überreicht worden. Die Note geht zu­nächst auf die Behauptung ein, daß die gegen« I wär tige Ordnungspolizei nichts anderes sei I als die Sicherheitspolizei, verstärkt um einen Teil der früherenblauen Polizei", und daß die nicht- uniformierte Polizei eine Vermehrung erfahren habe, die sich nach den Bestimmungen des Artikels 162 des Friedensvertrags nicht rednfertinen lasse.

Die deutsche Regierung habe, so heißt es in der deut­schen Note, bereits unmittelbar nach Eingang der Note Nollets durch Schreiben vom 24. Dezember gegen diese Feststellungen protestiert. Der Protest sei damit zu be­gründen, daß der Plan, nach dem die gegenwärtig in eines Toten zu weihen. Rose verdiente es, noch einmal so recht von Herzen glücklich zu werden und Grabe betete an jenem Abend herzlich für Rose, daß Gott ihr ver­leihen möge, was zu ihrem Glücke biene.

Während Grabe's Gedanken in dieser Weise mit Rose beschäftigt waren, sagte diese ihrem Kinde gute Nachr, besprach noch einiges für den folgenden Tag mit Frau Harker und der Haushälterin und begab sich bann hinauf in ihr Stübchen, welches sie schon als Mädchen | bewohnt hatte. Es war dasselbe Zimmer, in welchem Heinrich gestorben, in dem sie bann wochenlang gelegen unb gewartet hatte auf den Ruf, ber sie mit ihm wieder vereinigen sollte.

Das Zimmer war unverändert; dieselben alten Mö­bel standen an den Wänden, dieselben Vorhänge hingen vor den wie einst mit Rosen bewachsenen Fenstern. Auf dem alten Toilettentisch ihrer Mutter ftanb berfelbe Spiegel, in dem Rose so oft ihr Mädchenantlitz geschaut. Als ihr Blick letzt hineinfiel, erinnerte sie sich plötzlich, welche Freude sie einst empfunden, als ihr bewußt wurde, baß sie schön sei; nicht um der befriedigten Eitel- feit willen, sondern weil sie dadurch vielleicht Heinrich von Villars gefallen möchte. Von dem Toten wanderten ihre Gedanken zu dem Lebenden. Noch heute war sie schön, schöner vielleicht in ihrer vollentwickelten Weib­lichkeit als damals in dem kindlich jugendlichen Aller, und sie freute sich dessen auch heute Vielleicht, vielleicht konnte auch er nicht vergessen, vielleicht lernte er ver- zeihen! Kaum war diese Hoffnung ihr ins Herz ge­schlüpft, da nahm sie es bald ganz gefangen. Die Liebe hofft so gern, so viel!

Alle Sorge und Angst war plötzlich geschwunden. Er hatte sie ja geliebt, er mußte kommen!

Am andern Morgen war es Rose, als schiene dte Iunisonne so freudig und hell wie nie, als sie ganz früh in den taufrischen Garten trat. Wieder fangen die Vögel und summten die Bienen, wieder ließen vom nahen Walde her die wilden Tauben ihren wohlbekannten Ruf ertönen, wieder einmal atmete alles in ber Natur Frie­den und Glück und Liebel Und in Roses Herz fanden all die seligen Weifen ber befriedigten Kreatur Wider­hall.

den deutschen Ländern bestehende Ordnungspolizei ge­bildet sei, in gemeinsamer Beratung mit den Vertretern der Kontrollkommission aus­gestellt worden sei. 3n den darüber geführten Bespre­chungen sei man übereingekommen, daß vorerst die für Preußen in Aussicht genommene Regelung erörtert und das Ergebnis der Verhandlungen sodann den ande- ren Ländern unter Berücksichtigung der etwa dort be­stehenden besonderen Verhältnisse als Anhalt für ihre Maßnahmen empfohlen werden sollte, lieber die für Preußen zu erlassende Verfügung wurde zwischen ben deutschen Vertretern unb ben Beauftragten ber Kontroll­kommission vollständige Einigung erzielt. Ihr Wortlaut ist in allen Einzelheiten genau festgestellt, au: Wunsch ber Kommission finb noch in letzter Stunbe Ver- änberungen vorgenommen worben. Auch ber Gntrour: für Bayern hat bie Zustimmung ber Kommission ge­sunden. Die Umbildung der Polizei ist dann auch, so­weit eine Reorganisation überhaupt erforderlich war, durchweg nach dem soeben vereinbarten Plane erfolgt. Welche Mängel bie Kontrollkommission jetzt fest­stellen zu können glaubt, ist ber deutschen Regierung bisher nicht bekannt. Sie hat in dem Schreiben vom 27. Dezember um nähere Angaben gebeten. Erst wenn ihr diese vorliegen, wirb sie in der Lage sein, im einzel­nen nachzuweisen, daß sie von den Bedingungen des Friedensvertrages und des Beschlusses von Boulogne nicht a b g e w i ch e n ist.

Wenn bie Kommission nachträglich Bedenken gegen die mit ihr vereinbarten Verfügungen fand ober gegen die Art ihrer Ausführung Anstände erheben zu müssen glaubte, so hätte die deutsche Regierung erwarten dür­fen, baß ihr davon nicht erst Mitteilung gemacht wurde, nachdem das mühevolle und kostspielige Werk der Re­organisation der Polizei zu Ende .geführt ist.

Die Note legt bann eingehend dar, daß und wes­halb die jetzige Ordnungspolizei von der früheren Si­cherheitspolizei durchaus verschieden ist und kommt zu dem Ergebnis:

Die jetzige uniformierte und bewaffnete Polizei ist nichts anderes als die in der zugelassenen Weife ver­stärkte Polizei des Jahres 1913, bei deren Orga­nisation nur insoweit Aenderungen eingetreten sind, als die von ben alliierten Regierungen zu gestandene Vermehrung unb Bewaffnung mit sich brachte. Wenn die ans der früheren Sicherheitspolizei übernommenen Beamten vor­läufig noch ihre alte Uniform tragen, kann doch wohl nicht angenommen werden, daß die Kontrollkommission ihr Urteil auf diese Äußerlichkeit stützt. Die Einführung einer anderen Dienstkleidung, bei der übrigens das grüne Tuch aus Ersvarnisrücksichten beibehalten werden muß, wirb vorbereitet; sie konnte wegen technischer Schwierigkeiten unb besonders wegen der finanziellen Belastung bisher noch nicht durchgesührt werden.

Die Annahme der Kontrollkommission» daß die nichtunfformierte Polizei in unzulässiger Weise verstärkt worben sei, bezeichnet die deutsche Antwortnote gleich­falls als unbogründet. Die zur Nachprüfung erforder­lichen, in der Note vom 23. Dezember erbetenen An­gaben über den Bestand der verschiedenen Klaffen der Polizeibeamten und -Angestellten nach ben Budgets von 1913 und 1920 würden so bald wie möglich übermittelt werden.

Die deutsche Regierung hat sich," so endet die Note,bei der Neuordnung des Polizeiwesens auf das Loyalste an die Bestimmungen die Friedensverkraaes und der Daten vom 22. Juli und 12. August 1920 gehalten. Sie muß den Vorwurf der Vertrags­verletzung in der bestimmtesten Form als unbe- re chtigt zurückweisen."

Deutschland verleidigk sich.

In einer am 31. Dezember dem deutschen Bot­schafter in Paris überreichten französischen Note ist be­kanntlich eine Reihe von Punkten aufgezählt, in denen Deutschland gegen den Versailler Vertrag unb das Ab­kommen von Spaa verstoßen haben soll. Die deutsche Antwort aus diese Note ist der franzö­sischen Botschaft in Berlin übersandt worden. Darin ro'rb Punkt für Punkt nachgewiesen, daß entgegen den Angaben der ftanzösischen Note Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt habe ober aber baß in einzelnen Punkten die genaue Erfüllung nichtmög- l i ch gewesen sei. Am Schluß der deutschen Note heißt es:

Da kam Essie auf bie Mutter zugelaufen:Mama, Mama, bie Köchin geht ins Dorf hinunter, um einzu­kaufen. Darf ich mitgehen? Bitte, bitte! Frau Harker hat es schon erlaubt."

»Nun, wenn es Frau Harker erlaubt hat, darf ich wohl nicht nein sagen," lächelte Rose.Aber bleibt nicht so lange, Mama ängstigt sich sonst."

Aber ganz schnell können wir nicht wieder kommen. Es blühen so viel Kornblumen draußen, unb ich will Dir einen großen Strauß pflücken!" rief Essie schon im Davoneilen.

Rose schritt müßig bmch den sommerlichen Garten, wie sie bas ost tat. Der Epheu hatte in den letzten Jahren bas Haus so dicht umsponnen, baß kaum ein Lichtstrahl hineinbrang, unb Rose wollte es heute hell unb sonnig um sich Haden; daher blieb sie im Garten.

Die Sonne stieg höher; es schien ein brückend heißer Iuvttag zu werben. Die junge Frau lenkte ihre Schritte nach ber Pfeifenkrautlaube, in ber sie einst ihren ersten Liebestraum geträumt unb bie jetzt so oft ihr Zufluchts­ort gewesen, wenn sie mit ihren Wünschen unb Hoffnun­gen allein fern wollte.

Tiefste Stille herrschte um sie her unb die schwere Atmosphäre ließ Rose die Augen schließen. Es bauerte nicht lange, da umfing sie ein tiefer Schlaf. Plötzlich fuhr sie auf; sie hatte bas bestimmte Gefühl, durch etwas Wunberbares geweckt zu fern, ohne zu wissen, was es war. Es mußte sie jemand beobachtet haben. Scheu blickte sie um sich ja, da stand jemand ein Mann am Eingang ber Laube. Im ersten Augenblick wollte sie erschreckt auffpringen. aber sie blieb wie gelähmt fitzen; ihr Herzschlag stockte. War das Traum, war es Wirklichkeit? Sah sie wirklich in ein ach! so innig geliebtes, so wohlbekanntes Gesicht?

Verzeihung, gnäbige grau, baß ich Sie so erschreckte. Aber ich wußte hier nirgenbs Bescher!» unb fand nie­mand. der . . ."

Rose konnte ihrer Verwirrung nicht Herr werden.

Sind Sie allein gekommen," unterbrach sie ihn. um irgend etwas zu sagen,ober ist Frau von Villars mit Myra auch hier?"

Gegenüber den von den Kontrollkommissionen her- vorgehobencn Fällen, wo Deutschland wirklich oder vermeintlich hinter den Anforderungen des Pro­tokolls von Spaa zurückgeblieben ist, weist die deutsche Regierung nach, wieoielseitderUnter- zeichnung dieses Protokolls geleistet worden ist. Die deutsche Regierung wird mit aller Kraft bemüht sein, den übernommenen Verpflichtungen voll zu genügen. Der Zweck, Deutschland we h r l o s zu machen, den die alliierten Regierungen mit dem Vertrag von Versailles verfolgten, ist tatsächlich schon erreicht. Die deutsche Regierung möchte nicht an­nehmen, daß in dem Protokoll von Spaa Unmög­liches verlangt werden soll. Die buchstäbliche Erfüllung war unmöglich; das Mögliche ist ge­schehen. Wenn Frankreich mit der Note vom 31. Dez. feststellt, daß die Zusagen von Spaa nicht strikte er­füllt worden seien, so erinnert die deutsche Regierung daran, daß nach den eigenen Worten der Alliierten ge­prüft werden soll, ob sie loyal den Bestimmungen nach­kommt. Die deuffche Regierung kann von sich sagen, daß sie in voller Loyalität ihr Bestes getan hat.

Die Sicherheitspolizei in Preußen.

Das preußische Ministerium des Innern hat dem Auswärtigen Amt eine ausführliche Denkschrift ü er die Organisation ber Sicherheitspolizei in Preußen übermittelt. In ber Denkschrift > rb ber Nachweis dafür erbracht, baß bie gegenwärtige Organisation ber Schutz­polizei in Preußen ben Bebingungen entspricht, die auf Grunb ber Note von Boulogne unb des Proto­kolls von Spaa von ber interalliierten Ueberwachungs- kommission formuliert worben finb. Das Ministerium weist barauf hin, baß ber Oeffentlichkeit ja bereits be­kannt ist, baß die ganze Neuorganisation ber Schutz­polizei in Preußen im engsten Einvernehmen mit ber Ueberwachungskommission burchgefiihrt worben ist unb daß bis zur Ueberreichung ber Note des Generals Rollet kein einziger Fall von Verletzung ober Nichtausführung der getroffenen Vereinbarungen durch bie Ueberwa­chungskommission mitgeteitt worben sei. Ausführlich wird weiter in ber Denkschrift ber Behauptung Nollets entgegengetreten, baß bie Auslösung ber Sicherheits­polizei durch eine übermäßige Verstärkung ber allge­meinen Polizei wettgemacht worden sei. Wenn darüber hinaus noch irgendwelche Einzelheiten in der Neuorgani­sation ber Polizei zu beanftanben seien, so könne es sich nur um untergeordnete Dinge handeln.

Der Inhalt ber Denkschrift wirb vom Auswärtigen Amt der interalliierten Ueberwachungskommission zur Kenntnis gebracht werden; zugleich 'wirb bie Ueber­wachungskommission gebeten werben, ihre Beanstandun­gen, die sie in der Note Nollets ganz allgemein erhob, im einzelnen zu übermitteln, damit sie nachgeprüft wer­den können. Bei ber Besprechung unter dem Vorsitz des Ministerialrats Abegg, die mit den Vertretern der Schutz- und Verwaltungspolizei im preußischen Ministe­rium des Innern stattfand, wurde der einmütige Wille der Beteiligten festgestellt, sich streng an bie Vereinba­rungen mit ber Ueberwachungskommission über betr Aufbau ber Polizei zu hatten.

Die Wahlordnung für Oderschlefien. Nach polnischem Rezept.

Wie die,Berl. Ztg.' mitteilt, hat die Interalliierte Kommission in Oppeln das Reglement für die Volks- abftimmitng in Oberschlesien abgefaßt und wird es in den nächsten Tagen amtlich veröffentlichen. Als Stichtag für die nicht in Oberschlesien geborenen, aher dort wohnenden Abstimmungsberechtigten gilt der 1. Januar 1904. Von den in Oberschlesien wohnenden, aber nicht dort geborenen Personen sollen also nur die das Recht haben, an der Ab­stimmung teilzunehmen, die seit 16 Jahren ununterbrochen in Oberschlesien wohnen Nach demFriedensvertrag" soll dieser Stichtag nicht nach dem 1. Januar 1919 liegen. Die Jnte>alliierte Kommission glaubt also zum Nachteil "er deutschen Wahlaussichten 15 Jahre hinter diesen Zeitpunkt zurückgehen zu sollen.

Ich kam allein, gnädige Frau; ober Frau von Vil­lars unb Fräulein Myra haben mir den Weg nach hier gezeigt. Erinnern Sie sich, was ich Ihnen bei unserem letzten Zusammensein sagte?"

Ich erinnere mich wohl", antwortete sie unb ihr schönes Gesicht wurde um einen Schatten bleicher.

»Rose, ich liebe Sie, ich habe Sie geliebt, seit jenem Abend, da ich Sie zuerst gesehen, unb ich frage Sie nun: wollen Sie mir ein Recht geben, Sie zu lieben?"

Ihr ganzer Kölner zitterte; ihre Augen blickten un­säglich traurig zu ihm auf.

Sie wissen nicht, Herr Major," begann sie stockend.

Ich weiß alles, Rose, Alles. Ich kenne die Geschichte Ihrer Liebe und Ihres Leibes unb möchte Sie vergessen machen, was hinter Ihnen liegt, möchte Ihnen neues, ungetrübtes Glück bringen. Glaubst Du es, Gel.ebte, daß es mir gelingen wirb. Dich noch einmal glücklich zu machen?"

Er war bicht an sie fjerangetreten; sanft legte er sei­nen Arm um sie, unb willig ließ sie es geschehen, daß er sie an sich drückte unb ihr bie Antwort, bie er in ben selig auftrablenben Augen gelesen, von den Lippen küßte.

Ein Gefühl unendlichen Glückes unb stillen Friedens kam über sie. als sie sich so geborgen wußte in seinen starken Armen. Die Zeit des Leibens unb Kämpfens war vorüber, jetzt bürste sie ausruhen, beschützt burch seine Liebe.

Minutenlang ftanben bie Beiden stumm beieinander. Worte wurden wenige gewechselt. Wozu hätte es deren auck bedurft?

Wohl eine Stunde saßen sie noch Hand in Hand ne­beneinander in ber blühenden Laube, unb wer weiß, wie lange sie noch bagefeffen, wäre nicht Klein-Essie gekom­men mit einem Strauß Kornblumen, den sie freubestrah- lenb ber Mutter in ben Schoß warf.

Die Anwesenheit bes Majors befrembete bas Kind wenig; Essie war es von Neuhof aus gewöhnt, oft Gäste zu sehen.

Rose empfand plötzlich eine nie gekannte Scheu vor dem Kinde; wie sollte sie zu ihm sprechen?

Magnus gewahrte bas unb nahm ihr bie Sorge ab. Er hob Essie zu sich empor unb sagte ihr etwas ins Dbr,