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nzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
48. Zahrg
Montag, Z. Januar 1921
Nr. I
vorletzte dem Ai
weit aber auch die Ansichten auserncmdergehen mögen, das Zeugnis wird ihm nicht versagt werden, daß er in denkbar schwerster Zeit seines Amtes mit bewundernswerter Unermüdlichkeit gewaltet hat, daß er gewissenhaft und opferfreudig all sein Können eingesetzt hat für das öffentliche Wohl und daß seine Absichten rem und lauter waren. Es war ihm nicht vergönnt, den Ruhm und das Glück seines Vaterlandes zu sichern, es ist die Tragik seines Lebens, daß er, dem die Erhaltung des Weltfriedens Ziel des Strebens war, im vorletzten Kriegsjahr als gebrochener Mann aus dem Amte scheiden mußte, da er den Zusammenbruch Deutschlands, mitverschuldet durch ine verhängnisvollen Mängel seiner Politik, kommen sah.
Myra, die die Schwägerin begleitet hatte, legte ihren Arm vertraulich in denjenigen Rose's und zog sie aus dem Gewühl an einen stillen Ort.
„Rose, wir sind nun Schwestern, da darf ich offen reden. Ich weiß durch Walthers von Major Brink- mann's Wünschen und Hoffnungen."
„Was soll mir das jetzt, Myra?"
„Er muß natürlich die ganze Wahrheit erfahren. Vertraue mir, ich will sie ihm sagen. Rose, Du hast so viel Leid und Kummer gehabt: es wäre furchtbar, wenn er Dich nicht glücklich machte."
„Ich fürchte, Glück gibt's für mich nicht mehr. Ich gehe nach Liebenau zurück; dort wird mein Herz wieder still und ruhig werden. Ruhe und Frieden ist das Einzige, was ich vom Leben noch erhoffe."
^Weshalb willst Du mit allem abgeschlossen haben?"
„Brinkmann hat mich geliebt unter anderen Voraussetzungen. Er ist ein Mann mit hohen Idealen; ich werde ihm jetzt nicht mehr genügen. Was ihm am un- verzeihlichsten dünkt, ist Unwahrheit, Lüge, — und ich bin nicht offen gegen ihn gewesen."
„Um Deines Kindes willen! Einer Mutter wird er das verzeihen."
„In seinen Augen wird der Zweck nie das Mittel heiligen. — Ich kenne die Männer bester als Du, Myra, und ich weiß, wie streng sie mit uns Frauen ins Gericht gehen, besonders mit der, die sie sich zu eigen machen wollen. Major Brinkmann wird die Sehnsucht nach meinem Kinde begreifen, nicht aber, daß ich mir durch Täuschung und Betrug Zugang zu ihm verschaffte."
Sie sprach ganz ruhig, aber Myra sah Tränen in ihren Augen glänzen, und ihr Herz litt unwillkürlich und sie empfand Mitleid mit der neugewonnenen Schwägerin.
Der Zug brauste herein. Jetzt erst wurde es Myra klar, daß es vielleicht ein Abschied für immer war, den sie nahm. Weinend schlang sie den Arm um Rose's Nacken und küßte sie herzlich.
„Auf Wiedersehen!" wollte Rose lagen, aber über ihre zitternden Lippen kamen kerne Worte.
(Schluß folgt.)
Französische Drohungen.
Wie der deutsche Botschafter in Paris mitteilt, rst ihm am Freitag eine Note der französischen Regierung zugegangen, in der die Behauptung auf« oestellt wird, daß Deutschland in einer Reihe wesentlicher Punkte gegen die in Spaa übernommenen Verpflichtungen verstoße« habe. Die Note schließt:
„Die französische Regierung nimmt, soweit sie be» terlipt ist, sckon jetzt Akt von diesen Verstößen, die
hängt dies damit zusammen, baß das Wehrgefetz noch nicht verabschiedet ist, das den Angehörigen der Wehrmacht erst die Rechte und Pflichten verleihen soll, und daß viele die Verpflichtung auf zwölf Icchre nicht eingehen wollen, solange ihnen die Verhältnisse so unsicher sind.
Deutschland hat ferne schwere Artillerie, keine Flieger und L slschisferformationen mehr. Die militärische Listenführung in dm Bezirkskommandos ist verschwunden. Alle Offiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes sind aus ihren militärischen Dienstverpflichtungen entlassen.
Die deutschen Bestände an Waffen entsprechen genau dem Stande des neuen Reichsheeres, wie sie der Friedensvertrag bezw. das Protokoll von Spaa festsetzen. 50 000 Geschütze, 5 Mllionen Handfeuerwaffen, 60 000 Maschinengewehre sind zerstört. We Industriebetriebe, die Kriegsgecät hergestellt hatten, sind auf Friedensarbeit umgestellt, darunter die Riesenbetriebe des Staates und die Weltfirmen Krupp und Ehrhardt.
Die deutschen L e n k l u f t s ch i f f e, 14 000 F lu g- zeuge, 26 000 Flugmotoren sind abgeliefert oder zerstört. Hunderte von Flugzeughallen sind abgebrochen oder im Abbruch begriffen.
Die deutschen F e st u n g e n an der Westgronze sind zerstört, alle modernen Anlagen: Forts, Unterstünde, Panzertürme find gesprengt, Kabelleitungen, militärische Eisenbahn-, Förderbahnlinien sind im Abbau begriffen.
Während die Länder östlich von Deutschland itt Waffen starren und sowohl die Russen wie die Polen große Heere unterhalten — der deutschpolnischen Grenze gegenüber liegen nach sicheren Nachrichten zurzeit 150 000 Mann in etwa sieben Divisionen —, kämpft Deutschland um den letzten Rest seiner Festungen.
Artikel 180 des Versailler Friedensvertrages sagt: Das Befestigungssystem an der Süd- und Ostg«nze Deutschlands bleibt m feinem jetzigen Zustand bestehen. Artikel 167 bestimmt, daß Anzahl und Kaliber der Geschütze, die die Bewaffnung der befestigten Werke, Festungen, Land- und Küstenforts bilden und deren Beibehaltung Deutschlands erlaubt ist, den verbündeten Mächten bekannt zu geben sind, und Höchstzahlen darstellen, die nicht überschritten werden dürfen. Man sollte meinen, daß Deutschland nach diesen beiden Artikeln die im Osten und Süden gelegenen Festungen be- haften sollte. Die Entente ist aber anderer Meinung. Diese Festungen waren bisher mit etwa 4000 Geschützen bestückt. Die deutsche Forderung ist aber auf etwa 1200 ermäßige xöctwt Boll h-'v^lligt wurden nur Äe für Swinemünde beantragten 32 Geschütze. Königsberg, für das 390 Geschütze beantragt wurden, soll nur 20 erhalten, Pillau 30 statt 75, Küstrm, Lotzen, Neiße, Glatz, Glogau, Ingolstadt und Ulm sollen überhaupt keine Geschütze haben. Unter diesen Umständen kann natürlich von Festungen nicht mehr gesprochen werden und die Ost grenze wird also, wenn es bei der Forderung der Entente bleibt, ebenso schutzlos bleiben wie die West grenze.
Die Garnisonen des kleinen deutschen Heeres sind weit über das ganze Land zerstreut. Nun sollen auch noch unsere Grenzen wehrlos gemach! werden! Das ist der Sinn der Fordermrgen der Entente, Fordermrgen, die sich mit dem Sinn der Artikel 167 und 180 nicht zu decken vermögen.
Zu seiner gerechten Beurleilnug müßte man allerdings die ganze Wucht der Widerstände abmessen können, die sich ihm entgegen|iemmten; wohl möglich daß sie stärker waren als seine Kraft, daß er irotz besserer Einsicht nochgab und die Verantwortung weiter übernahm, um noch verhängnisvollere Dinge zu verhüten. Schon in Friedenszeiten war ja v. Beth- mmm-Hollweg eine umstrittene Persönlichkeit. Er hat nicht das Glück gchab:, den dauernden Beifall einer Partei zu ernten oder sich der Unterstützung einer festen Mehrheit zu erfreuen. Er wurde bald von dieser, bald von jener Gruppe als unfruchtbarer Grübler bezeichnet. Er wurde ebenso oft von Männern und Parteien verteidigt, die chn vorher bekämpft hatten. Während die Einen ihm oonvarfen, daß er sich zu leicht von iDtitarbeitem, auch hervorragenden trenne, schrieben die Anderen auf sein Schuldkonto, daß er zu lange über Mitarbeiter, auch ganz unzulängliche, seine schützende Hand halte. Und, alles in allem, sein Charakterbild schwankte, schwankt noch von der Parteien Haß und Gunst verwirrt. Darüber allerdings gehen die Meinungen nicht auseinander, daß er eine nicht gewöhnliche Begabung für die Serwaltimg und ein erfreuliches Verständnis für die Bedürfnisse des Staatslebens an den Tag gelegt hat. Er war ein vortrefflicher Landrat des Kreises Oberbarnim, er hat als Oberpräsidialrat in Potsdam und Regierungspräsident in Bromberg Anerkennung in allen Schichten der Bevölkerung gefmiben; als Oberpräsident von Brandenburg und Berlin hat er bewiesen, daß er die Selbstverwaltung vorurteilsfrei zu würdigen, auch die sozialen Fordemngen der Gegenwart zu würdigen wußte. Als Staatssekretär des Innern war er der werktätigste Mitarbeiter des Fürsten Bülow. Als Reichskanzler — feit dem 14. Juli 1909 führte er dieses Amt — hat er die innerpolitischen Geschäfte des Reiches in einen ruhigen und gedeihlichen Gang gebracht und darin erhalten. Beim Antritt des Amtes nach dem Blockkrach von 1909, sah es um die Stetigkeit in der inneren Politik sehr schlecht aus und es fehlte nicht an Stimmen, die seiner Kanzlerschaft ein frühes Ende prophezeiten. Er hat sich gleichwohl gehalten und sich als Staatsmann erwiesen, der den Verhältnissen und Bedürfnissen der Zett im großen und ganzen gerech: zu werden verstand.
An all die Wege und Irrwege der damaligen inneren Politik, die uns heute schon so weltenfern zu liegen scheint, die Erinnerung zu erneuern, hat heute wenig Sinn mehr, es genügt nur flüchtig die Gedanken darauf hinzulenken.
Das endgültige Urteil über Herrn o. Bethmmm- Hollwca kann heut-- noch nicht yesproch»- »tt»rby# ~o-
Bethmann HoMveg
Der frühere Reichskanzler Frhr. v. Bethmann- Hollweg ist aüf seinem Gute Hohenfinow nach kurzem Krantenlager in der Nachl zum Sonntag un Alter von 64 Iahten gestorben.
v. Bethmann-Hollweg, der das Wechnachtsseft im Steife feiner Familie verlebt hotte, hatte sich auf einem Fest, das er am letzten Mittwoch feinen Gutsangestellten und Arbeitern gab, eine Grippe mit doppelter Lungenentzündung zugezogen. Am nächsten Tage machte -r noch seinen gewohnten Spaziergang; am Freitag, als sich heftiges Fieber emstellte, legte er sich zu Bett. Zwei ihn behandelnde Aerzte sanden den Zustand so bedenklich, daß sie erklärten, es sei nur wenig Hoffnung für die Erhaltung des Lebens vorhanden. Im Laufe des Samstag steigerte sich das Fieber und der Pattent verlor gegen Mittag das Bewußtsein. Da die Herztätigkeit immer mehr nachließ, versucht^ man durch künstliche Belebung die Blutzirkulatton zu heben, jedoch ohne Erfolg. Gegen 2 Uhr nachts setzte die Herztätigkeit ganz aus und Herr o. Bethmann verschied, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. An seinem Sterbelager weilten sein zweitältester Sohn sowie die Schwester seinen verstorbenen Gattin, Fräulein von Psuel. Am Sonntag wurden die Tochter Bethmanns sowie das Haus Doorn telegraphisch bmachrühtigt. Die Beisetzung findet am Mittwoch Nachmittag in Hohen- sinow statt.
Deutscher Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident nach dem Rückttitt des Fürsten Bülow zu -fern, war angesichts der drohenden Gefahren von außen und der porteipolitift^en Wirren im Innern ein schwe- rer Beruf in Friedenszeit; chm inmitten des beispiellosen Weltkrieges gerecht zu weichen, war eine ungeheure Aufgabe, die des stärksten Mannes Kraft bis auf den letzten Rest beanspruchte. Bethmann-Hollweg hat den redl. Willen gehabt tn der schicksalsschweren Zett das Höchste zu leisten, was dem Vaterland den Erfolg zu verbürgen vermochte. Er hat versucht, das blutige Völkerringen, das gegen fein Wollen und Wünschm über uns und die halbe Welt hereingebrochen war, sich nicht ohne Not weiter ausbreiten zu lassen, es vielmehr unter möglichster Einmütigkest im Innern und unter stärkster militärischer und diplomatischer Kraftentfaltung nach außen zu einem glücklichen Ende zu sichren. Er ging seinen Weg so, wie er chn nach bestem Wissen und Gewissen erkannt hatte (um feine eigenen Worte zu gebrauchen): ohne Sentimentalität und, trotz der zuweilen scheinbar unübersteiglich sich auftürmenhen Sajunengtetien eine gute Zeit lang mit Erfolg. 3e länger aber der Krieg dauerte, um so mehr glaubte man ihm die Kraft absprechen zu müssen, feinen Willen bald den Krieg zu einem friedlichen Abschluß au bringen, in die Tat umzusetzen. Darob hat sich eine Fülle heftigster Streitschichten schon während des Krieges über ihn ergossen, eine Flut von Ausfällen in Zeitungen und Versanunlungen. Die Aufklärungen, die die Nachkriegszeit gebracht het, haben gezeigt, daß ihm nicht unbedingt Umecht geschehen ist. Seine Politik, das ist nicht zu beftieiten, trägt mit die Verantwortung und Schuld an dem unglücklichen Ausgang des Wett- kr-eges.Es war sein Verhängnis, daß er vor die wichtigsten Entscheidungen gedrängt, nicht klar und entschieden .genug seine Meinung geltend machte, daß er zauderte, wo rasche Entschlüsse gefaßt werden mußten, daß er Mcht zur rechten Zeit den Entschluß aufbringen konnte, mit den rechten Mitteln seine Friedensbestrebungen i. d. Tat umzusetzen. Es war die Einleitung des Zusammenbruchs, daß Bethmann-Hollweg an der Schicksals- "Abe ko Krieges bei der Beschlußfassung über den ll-Bootkrieg sich nicht durchzusetzen vermochte und entgegen ferner besseren Einsicht dem Verlangen der Hee- reslettung nachgab und damit die von ihm selbst ge= forderte Friedensvermittlung wieder verettette
Deutschland gegen die feierlich übevn nunenen Ver- pflichtungen begangen hat. Die aUti r.en Regierungen werden über diese Verstöße zu befinden haben."
Nach dem Protokoll von Spaa sollten die Kon-^ trollkommissionen darüber berichten, ob die deutsche Regierung die übernommenen Verpflichtungen loyal erfülle. Deutschland hat sich nach besten Kräf* ten und in voller Loyalität bemüht, den Anforderungen des Protokolls gerecht zu werden. In den Ländern der Alliierten ist der Erfolg dieser Bemühungen von Staatsmännern wie in Parlament und Presse anerkannt worden. In der vorliegenden Note aber sollte offenbar, nm den im Spaa-Protokoll festgesetzten Termin vom 1. Ian. zu wahren, alles zusammengefaßt werden, was nach Ansicht der Kontrollkommissionen überhaupt als Mangel oder Verfehlung in Betracht- kommett könnte.
Französische Note
über die „Kriegsverbrecher"'.
Der deutschen Friedensdelegation ging eine Note des französischen Ministers des Aeußern vom 28. Dezember zu, die Stellung nimmt zu einer Reihe von Ersuchen des deutschen Reichsanwalts um Hilfe der französischen Justizbehörden bei den Feststellungen der Kriegsverbrechen, wegen der eine Reihe von Personen angeklagt ist. Die französische Regierung hat jetzt diese Hilfe für alle Fälle abgeletjnt und erklärt, daß sie nur gegenüber den 45, auf einer besonderen Liste überreichten Kriegsverbrechern zur Rechtshilfe bereit sei. Wegen der übrigen beschuldigten Personen erklärt die französische Regierung, sich den in dem Strafartikel des Friedensvertrages vorgesehenen Anspruch auf die A u s l i e f e r u n g dieser Personen und ihrer Aburteilung durch französische Gerichte wahren zu wollen. Sie glaubt diesem Anspruch etwas zu vergeben, wenn sie dem Oberreichsanwalt für das deutsche Untersuchungsversahren Auskünfte beschaffen ließe._____________________________
Aus dem besetzten Gebiet.
Gegen neun Männer und Frauen aus Darmstadt uni Griesheim, bei denen gelegentlich von Haussuchungen deutsche Jnfanteriegewehre, Gas- und Handgranaten, 5000 Stück deutsche Infanteriemunition und französische Mafchinengewehrmunition vorgefunden wurden, ver- hängte das französische Kriegsgericht in Mainz außeror- deutlich hohe Strafen. Die beiden Hauptangeklagten hatten zudem noch einen Einbruch in eine französische Militärbäckerei verübt. Es erhielten der Häuptlinge, klagte 10 Jahre Zwangsarbeit, 2 Angeklagte je 5 Jahre, ein »lngeklaater 2 Sabre und fünf Angeklagte je 1 Jabr Gefängnis. Von den Angeklagten hatten sich sechs ihrer Verhaftung entzogen.
Neue Verhandlungen
mit den Eisenbahnern.
Heute beginnen die neuen Verhandlungen zwischen der Regierung und den Cisenbahnerorganisationen. Vorläufig sollen der Sechzehner-Ausschuß und die gewerkschaftlichen Mitglieder des Reichsgutachter-Aus- fchuffes hinzugezogen werden. Wahrscheinlich werden aber auch Vertreter aus den besetzten deutschen Gebieten gehört werden, weil die Sage der Eisenbahner irt den besetzten Landesteilen des Westens und in Oberschlesien besonders bedrängt ist. Die Besprechungen dürften sich längere Zeit hinziehen.
Die E r g e b n i s s e d e r A b st i m m u n g e n, die die Reichsgewerkschaft deutscher Cisenbahnbeamten und Anwärter hatte vornehmen lassen, liegen erst zu einem Teil vor. Soweit sich bisher übersehen läßt, haben im Durchschnitt 90 Prozent der Eisenbahner an bei Abstimmung teilgenommen. An fast allen Plätzen, wo die Abstimmungsergebnifle schon zusammengestell! sind, wurde die Zweidrittel-Majorität für den Streik erreicht.
Die Erklärung für die Anwendung des Mittels des Streiks bedeutet natürlich nicht, daß der Streik der Eifenbahnbeamten nun unmittelbar vor der Türe steht. Zumindest muß der Verlauf der Verhandlungen mit der Regierung abgewartet werden und man darf die Hoffnung nicht auf geben, daß die Verhandlungen schließlich zu einem Kompromiß führen werden, das zwar nicht alle Wünsche der Beamten erfüllt, aber ihnen doch so weit Rechnung trägt, daß der Streif wenigstens vermieden wird.
Die Urabstimmung im Bezirk der Eisenbahn^ direktion Frankfurt ergibt als Gesamtbild, daß auch die überwiegende Mehrheit für den Streik ist. In Frankfurt haben von 3316 Absttmmungsberechttg- ten 2795 für den Streik gestimmt. Von den Teil- ergebniffen auf dem Lande sind u. a. folgende bemerkenswert: In Westerburg erklärten sich von 148 Stimmberechtigten 145 für den Streik, in ®e rhurg 243 von 248, in Oberroden 65 von 78, in Bebra 818 von 949, in Hanau 905 von 1019, in Altenkirchen 147 von 203, in Fulda 537 von 614, in Herdorv 184 von 207 und in Homburg sämtliche 172 Stimm» berechtigten. ___________________
Standeskandivatnren.
Allenthalben tritt man jetzt der Kandidatenausmah. für die Landtagswahlen näher. Von der rechten Wahl der Kandidaten hängt viel ab; nicht nur der zahlenmäßige Ausfall der Wahl wird dadurch beeinflußt, noch mehr ist zu denken an die wichtigen großen Fra- ’geM, die den kommenden Landtag beschäftigen werden und die verlangen, daß erftflafftge Kräfte und gewiegte Sachkenner der neuen Zentrumsfraktion des Landtages angehören: die große Verwaltungsreform, das Auto» noiniegesetz für die Provinzen, die ■ Neuordnung des Verhältnisses zwischen Küche und Staat, die Maßnahmen, die den Rest der Ktttlurkampr--esetzaebung beseitigen sollen, bas neue preußische Schulgesetz, die neuen Gesetze für die Handels-, Landwirtschafts- und Handwerkskammern, neue Steuergesetze usw.
Man steht, eine Fülle hochpolitischer und- schwerwiegende Fragen wird den neuen Landtag beschäftigen. Sie erfordern zu ihrer Erledigung Männer, die sie zu meistern imstande sind. So sehr auch begreiflich ist, daß die einzelnen Stände auf den Wahlooc-
17.
Die Enthüllungen, die Lucian und seine Mutter so erregt hatten, nahm Myra ganz ruhig und verhältnismäßig gteichmütig hin.
Nachdem Rose Lucian von Villars verlassen hatte, vor sie zunächst m das Kinderzimmer geeilt, um Frau Harker.mitjuteilen, daß das lange gehütete Geheimnis nun kein Geheimnis mehr sei, daß Herr von Villars «lste, wer sie sei, und daß sie Neuhof sofort verlaste. Wann war sie in das Zimmer der Generalin ge. My?a"' Um flch 8U erklären; sie traf dort nur _nf"Um Gotteswillen, Frau Werner", rief ihr diese Mn- "be haben Fieber, Sie müsten krank sein!
u ’n Liehen? Sprechen Sie, schnell!"
für*t!L Ve sprach schnell, immer schneller, als ob sie Lu ' ihr im nächsten Augenblicke Mut und Krass fehlen würden.
-Lucian-" unterbrach sie mit keinem Wort, bis sie von Lucians Erklärung berichtete.
»der" baben1'^ ®rau 2Berner' Sie sprechen im Fieber Lr't.. 8"raumt! Lucian und lieben!?"
65 raäre Traum, aber es ist leider tnreifer in einen Stuhl gesunken; hier
“Qrn'lr Astandm- zu Ende, hier! - aber sie mußte viel fAmorer h C$re,n ablegen, und das war so viel schwerer, denn was würde die Folge davon sein! „So sind «-e also Heinrichs Witwe", sagte Myra 9t°'e. mti S°na. n°uem Interesse betrachtend, „Wie wunderbar! — 2ch habe Heinrich sehr lieb gehabt, und ich habe S.e auch sehr lieb; lassen Sie uns «chwestern sein, wollen Sie?"
„Wie gern Myra! Du weißt, ich habe Dich all die geliebt, und H-mrich h«t es gewünscht und gehofft, daß wir uns finden würden"
„Ruhe Dich jetzr ein wenig aus, Role, ich will unter- Mama suchen und rhr alles erzählen.*
verantwortlich tür den reocmwnellen Teil: K a r l S ch ü t t e. für dte Anzeigen: I. Parzeiier-Futda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, .rermprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Vergeltung.
»oman von S. Doudney. Deutsch von E. Clauß.
.
Deutschlands Abrüstung.
Die Bildung des 100000-Mann-Heeres, wie es der Vertrag von Versailles rmd das Abkommen von Spaa vorschreiben, ist mit dem 31. Dezember, und zwar reibungslos, durchgeführt. Statt 800 000 Mann Friedensstand hat Deutschland jcht nur noch 96 O00 Soldaten und 4000 Offiziere. 40 000 Offiziere mußten entlassen werden. Dabei sind die Reihen dieses 96 000-Mann-Heres noch keineswegs voll, vielmehr ist mit etwa 10 000 Fehlstellen zu rechnen. Es
Doch das war nicht mehr nötig; Frau Harker war ihr bereits zuvorgekommen.
Wie sehr nun auch die Generalin und Myra sich bemühten, die junge Frau von der plötzlichen Abreise abzuhalten, so bestand diese doch auf ihrem Entschluß, noch am selben Tage Neuhof zu verlassen.
„Lassen Sie mich gehen", bat sie fast leidenschaftlich, „ich muß ruhig werden und mich sammeln, das kann ich nur in der Einsamkeit mit mir allein. Später, wenn ich wieder ruhig bin, will ich versuchen, mir Ihre Ver- zeihung zu verdienen und Sie bitten, Frau Generalin, mir Essie zu geben."
„Selbstverständlich nehmen Sie das Kind mit, Rose", erwiderte Frau von Villars unter Tränen.
„Und die Zeit wird uns allen die nötige Faffung und Ergebung bringen. Lucian führt vielleicht feinen lang, gehegten Wunsch aus und geht auf Reifen; wenn Sie einander dann wieder sehen, wird der heutige Morgen wie ein Traum erscheinen und Lucian wird gelernt haben, Sie als Schwester zu betrachten."
So wurden denn die Vorbereitungen zur sofortigen Abreise getroffen. Esiie war überglücklich, als sie hörte, sie dürfe mit ihrer lieben Frau Werner für einige Zeit verreisen.
Am Nachmittage war alles bereit; es galt nur noch Abschied zu nehmen.
Rose, in vollem Reisekostüm, den Schleier über das blasse Gesicht gezogen, stieg zuerst die Treppe hinab; in der Halle warteten die Generalin und Lucian auf sie; die Haustür war bereits geöffnet, auf der Rampe stand der Wagen, und die feurigen Rosse scharrten ungeduldig mit den Hufen.
Niemand fand ein Wort des Abschiedes, es war alles so plötzlich und unerwartet gekommen Die (Benerahn küßte Rose herzlich und umarmte Esiie unter Tränen immer wieder von neuem.
Lucian geleitete die Scheidenden festen Schrittes und ohne äußere Merkmale von Aufregung zum Wagen.
Rose stieg schnell ein; die Pferde zogen an und Heinrich von Dillar's Witwe hatte Neuhof verlasien.
Die kurze Fahrt bis zur Station wurde schweigend zurückgelegt. Nachdem die Villets gelöst und das Gepäck beiorat war, blieben noch 10 Minuten Zeit
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