'M 2L6.
Arettag, 10. Dezemver 1920.
- Aul-aer Heilung
Drvck der Fnkdaer Nerienornckerei in g«tb*
Zweites Blatt,
„ÜBeil in der Herberge kein Platz für sie war, muk'en sie in einem Stalle Nachtquartier suchen." Wie -'el leichter ist jetzt die Rückwanderung! Man setzt sich in den Eisenbahnzug und läßt sich bequem noch <>' - schtc- fien befördern. Die Rückwanderer drängen sich nicht in einzelnen Hauptorten zusammen, sondern verteilen sich auf die zahlreichen Geburtsorte, so daß eine fierende Uebersüllung nur selten eintreten dürfte. Wo zu befurch, ten ist, daß die gewöhnlichen Herbergen nicht ausreichen, da wird schon durch Dürgerquartiere geholfen werden. Die Verweisung in einen Stall hat niemand zu belürchten.
Ja, warum machen . jnn die Staatsmänner so viel Geschrei und Geschreibsel wegen der Rückwanderung der Stimmberechtigten aus Obexschlesien? Sie berufen sich auf die Unsicherheit, auf di« G ' ' - non Zusammenstößen und Gewalttaten. Ein sehr schlechtes Zeugnis für unsere Neuzeit, die doch angeblich in der Kultur weit vorgeschritten sein soll! Dor säst zweitausend Jahren zogen die Pilger in Palästina ungefährdet ihres Weges. Don der Herbergsnot wird berichtet, aber nicht von Überfällen und Schlägereien. Heutzutage aber heißt es, die Oberschlesier, die aus Deutschland zurückkämen, seien Vrcr Knochen und ihres Lebens nicht sicher. Welch eine Beleidigung für die hohen Herren, die dort die polizeiliche Gewalt in der Hand haben! Und dos find der französische General Le Rond und seine alliierten Genoßen, die mit Hilfe ihrer Soldaten die Ruhe und Ordnung im Land« wahren sollen.
Cie und ihre Landsleute müßten eigentlich mit Entrüstung protestieren gegen den Derdocht, daß sie nich! so viel Kraft und Geschick hätten, um die polnischen Frevler im Zaume zu halten. Aber was erleben mir? Die „siegreichen" Minister stecken in London ihre weisen t.öpie zusammen und verfaßen ein langes Anschrri'-en, um zu „beweisen", daß Vorsicht der beste Teil der Tapferkeit ist und daß es beßer wär«, den Radaubrüdern in Ober- schießen aus dem Wege zu gehen. D. h. die rückwandernden Oberschlesier sollen lieber nicht in ihre Heimat fahren, sondern nach Köln am Rhein, um dort nr gefährdet ihre Stimmzettel an den Mann zu bringen.
Was für politische Fußangeln in diesem Vorschlag stecken, wollen wir an dieser Stelle nicht erörtern. Hier sei nur aus den Rückschritt in der Kultur hin- gewiesen. Im zwanzigsten Jahrhundert nach Edristi Geburt kann die modern« Welt angeblich nicht einmal eine Pilgerfahrt ertragen, wi« sie schon zu Beginn des Jah- res 1 in Palästina glatt vor sich gh". Die hn'-en Herren, die sich als Wettsieger eingeführt haben, streichen
vermischter.
’ *8?8 9,nnfce, im W« 1919 geschlachtet. Ein traf, auf unsere Flestchversorgung wirft eine amt. ‘*7e Statistik über die Schlochiungen im preußischen Staate in den Jahren 1913, 1914, 1918 und 1919.' Tat. aus geht hervor, daß der Genuß des vorher so oerachte- *£" "cm Pferden und Ziegen, der Not gehör-
gestiegen ist. Ja, selbst Hunde sind zu menschlicher Nahrung öffentlich in Schlachthäusern in er. schreckender Menge geschlachtet worden. Dahingegen sind die Schlachtungen an Rindvieh und Schafen und na. "Euch an Schweinen erheblich zurückgegangen. Inter, essant ist das Steigen der Hundeschlachtungen. 1914 rour- ben 1600, 1919 aber 4818 Hunde gesch'achtet. Die Mehr- äM dieser Schlachtungen entfällt auf Berlin und Schle.
... * Einen heftigen Kampf gegen die Luxushotels fuhrt fett mehreren Wochen die Berliner Staalsanwalt- schoft. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß man in diesen großen Luxusgosthöusern zu enormen Preisen die settensten Lebensrnittel ohne irgendwelche Marken bekommen konnte. Auf Grund des Wuchergesetzes schritt nun die Staatsanwaltschaft gegen mehrere sol- djrr Hotels ein. In zahlreichen, jedem Fremden be-
Unpolitische Zeitläufe.
Von Fritz N i r n k e m p e r.
Berlin, 7. Dezember 1920.
Oberschlesien und das Evangelium von Weihnachten: gibt es dazwischen einen Zusammenhang? 0 ,a- i°Sar in einem sehr wichtigen Punkte, über den sich Segenwärlig die Staatsmänner ihre Köpfe zerbrechen.
Es steht nämlich geschrieben bei Lukas: „Und olle Ssagen hin, um sich anzugeben, ein jeder in seine 6 t a d t." So vor 1920 Jahren; und nächsten Monat müßen die auswärtigen Stimmberechtigten nach Ober- schießen gehen, um sich anzugeben, ein jeder in feine «labt, d. h. in feinen Geburtsort. Eine Rückwanderung ” Heimat — heutzutage wi« damals.
Der Unterschied ist freilich der, daß es sich zur Zeit von Ehristi Geburt um eine Bolls zählung handelt verbunden mit der Sieuerschätzung), jetzt aber um eine ® b ft । m m u n g des Volkes. Beim Zählen und Ein- schützen hat man inzwischen em einfacheres Verfahren ‘•ngeführt. Es werden Hauslisten rundgefchickl, in die vch aüe Anwesenden und auch die vorübergehend Ad- ®rieniien eintragen, wobei sie ihren Geburtsort mit an- fleben, und für die Steuereinfchätzung werden noch befon- öere Erklärungen eingefordert. Das alles wird f ch r i f t- 'ch abgemacht, ohne daß sich der Bürger auf die Reife Ku begeben braucht. Wenn aber das Volk abftimmen
,0 hapert es mit dem schriftlichen Verfahren und man komm, auf das persönliche Erscheinen am Ge- urtson zurück. Der ausgewanderte Oberschlesier muß "v^ckpilgern, wie der hl. Joseph, von dem es heißt: »und es ging auch Joseph hinauf von Galiläa, von der
Nazareth, nach Judäa, in die Stadt Davids, di« ^"hlehem heißt, weil er aus dem Haufe und Geschlechte avids war, um mit Maria, feinem verlobten Weibe, «lt9 ouzugeben."
W llroß wie Deutschland; da- Hin- "vd Herwandern zwischen dem Wohnort und der Stam- onh??1 roar. aber doch sehr lästig und gefährlich. Es *eine Eisenbahnen und keine Postwagen ober Omni« fte. Die Reichen konnten reiten; aber die gewöhnlichen b:Z 4 *yu^En ^uß wandern, und zwar von Nazareth ’n,, .< mehrere Tage hindurch, wobei es um bas
müh U<1m-ier b^tcUt mar. Häufig werden die
j.-/11 unter freiem Himmel hoben biwakieren
ol)^on &’e Mächte in Palästina bitterkalt sind. do<u lTen™tnan ,am Ziele war, so traf manchen ^eUe M^L-schick, wie die hl. Familie m Bethlehem:
Bor Vem Elstertor zu Wittenverg,')
(Zum 10. Dezember.)
Es sind heute gerade 400 Jahre, daß Luther vor MM Eisterlore zu Wittenberg die päpstliche Bulle, die ßtzm den Lunn andtohle, und das Corpus Juris Ccmo- jptci verbrannt hat. Da m>ehrere in den letzten Iah. Ten entdeckte Quellen auf jenen Vorgang neue Schlaglichter werfen und die bsherige Auffassung teilweise korrig.eren, sei hier der Verlauf, wie er sich im Lich.e !tcr Quellen ergibt, kurz dargestellt.
Am frühen Morgen des 10. Dezember 1520 ließ Lsieionchlhon am Schwarzen Brett der Lnivecsilät und an der Piarrlirche zu Wttlenberg durch einen Anschlag die lutherisch gesinnten Studenten auffordern, sich um neun Uhr vormittags an der Heilig-Kreuz-Kirche außerhalb der «ladt e nznimden. Es sollten die Bücher der päpstlichen Satzungen und der scholastischen Theologie verbrannt werden. Bon der Vernichtung der papstiichrn Verurleitunasbulle gegen Lu her war nicht die Rede. Dieser Talbcstanü und zahlreiche Aeußerun- gen Lulhrrs und seiner Zeitgenossen beweisen, daß die Zerstörung der k i r ch e n f e i nd 1 i ch e n und scholastisch.lheologjs chen Bücher die Hauptsache war und daß es gegen dm historischen Sachverhalt verstößt, wenn nach ai überkommener Tra- diiion tre Verbrennung der Bulle in den Vordergrund L-schob-m wird. Die Verbrennung der Bulle ging ne. heirbei.
Die Verbrennung geschah — schon lange hatte Lu- Her sie angedrohl — zweifellos trü geheimer Zustim- >wung des Landessürsten Fredrichs des Weisen Hum die große Mehrheit des Lehrkörpers der Uni. verstlät bill lgt". sie im Stillen, ließ aber Litt her auf eigene Faust vorgehen; nur die Professoren Melanch- thon, Karlstadt und Johannes Agrilola nahmm öffentlich daran teil.
Die wegen Luther in Wittenb-rg sehr zahlreich zu- sammengeströmte Studentenschaft hatte sich in großen Scharen vor dem Etstertore eingefunden (das Tor eri- sttert heute nicht mehr). Ein Holzstoß war dort errich- tet Metanchthon zündete ihn und die darauf gelegten Bücher an unter lautem Gejohle der Studentenschaft. Dem Feuer fielen zum Lpfer einige kirchmrechtliche Sckriften, darumer das Corpus Iuris Canonici, die Bücher, die Johannes Eck und H'eronymus Emser ge. gen Luther geschrieben hatten, und die Summa An- gelica ldamal das meist gebrauchte Handbuch für die Verwaltung des Bußsakramerrrs).
Die scholastischen Hauptwerke wurden nicht, wie ge- plant, mttverbranm: Die Summa thrologia des heil. Thomas von Aquin wollte niemand zum Verbrennen hergedcn, und die Bücher des Skotus waren ebenfalls nicht aufzutreiben.
Mitten in die lodernden Flammen schleuderte Luther die mitgebrachte Bulle, d. h. einen der im Um- ,laut befind! cken Drucke, und svrach dabei den „ferir- llchen Urteilsspruch" (fast wörttich das Urteil des va;ue bei der Verbrennung des Achan Los. 7, 25): "Weil du die Wahrheit Gottes verstört jhaft, so verstöre dich heutederHerr du rch 'btejes Fe u e r. Amen." Die Studenten schrien I aud) ihrerseits: „Amen". In dieser Form werdm die Dörte durch neu bekannt gewordene Ohrenzeugen siber- •Ittitrt. Die seither gewöhnlich angegebenen Worte »Wett du den Heftigen des H rrn (d. h. Luther) be- 'trübet hast so betrübe und venehre dich das ewige treuer" sind demnach wohl in obige Form zu korri- gieren.
Luther suchte am anderen Tage im Kolleg fein «orgeben zu rechtwrsicien und sagte dabei, es fei eigen!« Ittf) nötig, daß statt der päpstlichen Gesetzbücher der ^Papst selbst, d. h. der römische Stuhl verbrannt würde, tt >e funst sche Fakultät in Wittenberg war mit der Tat nicht einverstanden.
. $n einem Briefe an Staupitz schrieb Luther in den nächsten Tagen, er habe bei der ganzen Tat „z u e r st «ezitter« und gebetet." Es ist das wohl eme oer Detlemmunaen und Aufreaungen, die ihn nach femer eigenen Aussage ost befielen in der Giaubens- ^u^ung, wenn er die Verantwortlichkeit, dem Kir-
#) ^m Anschluß an: Grisar, Da?. Feuerzeichen vor »em sliteitor zu Wittenberg (Köln. VolksztV Nr. 950 vorn 5. Dez 1920).
| chenrccht und der Kirchenlrhre den Krieg aus Leben I URö Tod anzukündigen, in ihrer ganzen Schwere fühlte.
Die päpstliche Bulle Exsurge, deren Abdruck Luther I verbrannte, sprach übrigens nicht den Bann selbst über I Luther aus, sondern erklärte nur, daß der Bann ein- I trete, wenn er nicht binnen 60 Tagen widerrufen haben I werde, und txrurteille weiterhin 41 Sätze aus den I Schriften Luthers
Die Szen» vor dem Elstertore nahm einen sehr I unwürdigen Ausgang. Einige hundert Studenten un- I terhiellen, als Luther fortging, das Feuer mit Holz- I schindeln vom Dach einer nahen Scheune, um vorbereitete Späße auszuführen, unter anderem ein feierlich s Totei iam.t für die päpstlichen Rechte. Rach dem Früh- mahie Dcranftait'.fen die Studenten einen Umzug durch bie Straßen auf einem Bauernwagen, auf dem eine Pier Ell n lange Bulle geschwenkt wurde, während vier vorne sitzende Knaben hebräische oder hebräisch sein sollende Klagelieder sangen. Andere Maskierte sam- mellen roei'ere Bücher, Ablaßbr'efe und Belchtfakultä- ten und warfen sie, als man wieder vor die Stadt kam, in das noch immer glimmende Feuer. Eine Art Karsamstagfeier wurde da gehalten mit der komödienhaften Verbrennung des Judas unter dem Gesang von ,.O du armer Judas." Nach anderem Unfug zogen di- Helden he'm oder in die Schenken. Es wird mit Sorge betont, daß Lttther, Melanchthon und Karlstadt | an dem Umzug und dieser Fortfetzurtg der Morgen- szrne nicht teilnohmen.
Die geschichtliche Betrachtung der Einzelheiten des Vorganges ist nicht aee onet, Sympathie für denselben ober für. eine ursprünglich geplante Jubiläumsfeier zu erwecken. . Sch.
Ku§ dem Kachbaraebiet.
. = Johannesberg. Wie in den früheren Jcchrm, fo wird auch in diesem Jahre der falb. A r b e i t e r v e r- ein ber hiesigen Pfarrei am 2. Weihnachtsfeiertage im Vereinslokal (Dittmar-Hamnrz) einige Theaterstücke und jroar als Hauptstück ein religiöses Schauspiel in 5 Auf- rügen: „An ber Gnadenstätte" ober „Die Erfchrinung ber mibefleckten Empfänams in Lourdes", welches von 25 Personen gespielt wird, zur Aufführung bringen.
1*1 versseld. Auch in -versfelb sott jetzt eine Volkshochschule ins Leben cernfen werden. Man ist überzeugt, daß auch hier für Volksbildung mehr geschehen könne und müsse. — Ter aui dem Kalischacht Abterode beschäftigte verheiratete Berg- mann Spöhrer von Kleinenste (Kr. ver-feld) erlitt infolge Sprengstoffexplosion bedenkliche Vecletzungen am Kopf und am Körper; außerdem verlor er furch diesen Unglucksfall mehrere Finger an beiden Hängen. Ein Bruder des Verletzten ist im betr flosseneu Jahre ebenfalls im Kaltzchacht tödstch ver- unglückt.
Aus Oderheffen uns ve« heff. Aemiern.
^ Momberg. Die Sammlung für die 5tIn. D e r Hilfe hatte hier einen guten Erfolg. Cs wurden weit über 4000 Mk. zufammengebracht. Auch die bür- flerliche Gemeinde steuerte einen namhaften Betrag bei fobaf) den notleidenden Kindern die Summe von 5000’ Mark zugefuhrt werden wird.
1 kannten, großen Gasthäusern Berlins, wie Hotel Bristol, Ccntral-Hotel und -Cafe, Hotel und Cafe Bauer, Konditorei Kranzler, Esplanade-Hotel, Eden-Hotel wurden Durchsuchungen veranstaltet, die schließlich zur Schließung des Eden-Hotels und zur Verhaftung des Direktors Birndörfer führten. D efer wurde dann wegen Schleichhandels zu 200 000 Mark Geldstrafe und 9 Monate Gefängnis verurteilt. Er entzog sich der Strafe aber durch die Flucht, war aber so leichtsinnig, dies der Oessenttichkeit durch ene Berliner Zeitung mit- zuteilen. Dadurch gelang es, seiner in der Schwerz habhaft zu werden. Auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft wurde er in der Schweiz verhaftet. Auch (Tc;en andere Hotels sollte schärfer vorgegangen wer- den. Die deutschen Hotelbesitzer, b'e am Dienstag in Berlin zu ihrer ersten Derbandstagung zusammentraten. wollen gegen bief.g Borgehen der Staatsanwalt- schast protestieren. Sie erwägen sogar einen allgemeinen Gasthaus streik. Nichtsdestoweniger wstd eine noch schärfere Handhabung des Wuchergesetzes von der Negierung ernstlich beabsichtigt. Die großen Maßen der minderbemittelten Bevülkemng werden dieses Vorgehen mit Freuden begrüßen und nur bedauern, daß es so spät kommt.
* ^arlcujaß über den Tod hinaus. Eine Toten- feier für die E, langer Kriegsgefallenen ist im letzten Äuaeift'lick verschoben, worben. Tre sozialistischen Parieien hatten u. a. verlangt, daß keine batet» ländischen Lieder bei der Feier gesungen werben bürf<n.___________
Literarisches.
Die Line Liebe von Annie Herzog. Sechs Geschichten vorn Haus am Rhein. Brosch. 8 Ui, geb. 12,50 M. Breslau, Bergstadtverlag.
Ein neues Buch und ein neues Talent, beide wann zu begrüßen. Hat man begonnen zu lesen, vergißt man bald sich selbst und alles ringsum um der feinen Herzens- well willen, die sich da vor einem aufiut. Eine Sprache, die alle Töne der Seelenharmonie in sich trägt und deren Melodien in seltener Reinheit und Schöne ausströmt. Ein Strömen, das sich ausbreitet wie ein tiefer Waldsee, in dem Erde und Himmel sich spiegeln, Leben, Berge, Sonne und Mond.
Herzblättchens Zelloertreib, begründet von Thekla von ® um peri. 65. Band 1920. C.egant geb, 18 Jl. Kari Flemming und C. T. Wiskott, Aktiengesellschaft für Verlag und Kunstdruck, Berlin und Gloaau.
Beim ersten flüchtigen Dn lottern fesseln rms zunächst die farbigen Bilder. Sie sind kräftig in den Konturen und stark wirkend in der Farbe. Man sieht aus den Bildern die Hand des "änstle.s, der es versteht, mit wenig Mitteln die ülufmerifamieit des Kindes zu fesseln -md die Formen so zu gestalten, daß sie sich unvergeßlich dem Kinde einprägen. Auch die farblosen, schwarzen Zeichnungen sind in gleich rinlacher und einprägsamer Weise gehalten. Der textliche Inhalt scheint dem Kinde das^zu geben, was wir suchen. Wst finden Märch'n und Erzählungen, belehrende Aussätze über Dinge, di« dem Kind« naheliegen und die alle in einer dem Kinde leicht verständlichen, erzählenden Weise geschrieben sind. Ernstes und Heiteres ist in diesem Buche enthalten. In den Text eingestreute „illustrierte Rätsel" geben den Kleinen Gelegenheit zum Nachdenken. Ged'ch'e und Geduldspiele wechfekn in bunter Reihe miteinander ab.
.Hanvel unv Wirtschaft.
— Dl « diesjährig« Zuckerernk«. Im wirtschaftsposi- tischen Ausschuß des Reichswirtschaftsxales machte Kvm- merjienrat Untudjt Mitteilungen Über die Zrckerernte. Im vor. Jahre habe sie knapp 14 Mill. Zentner betragen, In diesem Jahre dagegen 23, vie leicht sogar 24 Millionen Zentner. Diele Ernte genüge für d i e Bedürfnisse des Inlandes. Eine wettere Steigerung bringe uns dem Zeitpunkte näher, bä wir Z cker ausfübren und damit einen Teil der Einfuhr aus- gleichen könnten.
Dirischaftspolilifche ZRiltei ungen der Handelskammer in Fulda.
Durch kriegerif che Ereignisse verlorengegangene Postsendungen. Ueber die während des Krieges in die Hände ber englischen Militärbehörden gefallenen unb zurückgehaltenen Vostsen- j düngen aus oder nach Deutschland hatte die englische Re- gierung seiner Zeit bestimmt baß im allgemeinen Sen- düngen mit Waren, Gelb. Wertpapieren unb anderen Wertgegenständen prisengerichttich zu besch'aanahmen, Sendungen mit wichtigen Schriftstücken, wie letztwillige Verfügungen, Schecken, Bescheinigungen usw.. freizu- gcben und Sendungen mit gewöhnlichen, privaten unb geschäftlichen Mitteilungen zu vernichten wären. H'er» nach müssen Peftfendungen, die inzwischen weder ten Empfängern zuge-umgen n^ch on die Absender zurückge- be. und wehmütig ihre glänzenden Fahnen vor den Räuberbanden, die Korfanty mv'tt '' '
War ist da zu tun? Ich sitze nicht stn R»t ber Minister, aber aus meinem Untertanenvexstand, der früher für beschränkt galt und jetzt demokratischen Doll- klang hat, kann ich nur sagen: Nun gerade! Wenn man unsere oberschlefischen dslcute von ihrer Hei>mat fortgraulen oder weglocken will, so müsien sie erst recht darauf bestchen, daß sie in ihren Geburtsort reifen und mit ihren Ortsgenoffen zusammen bas Siim-m- rfriyt ausüben, das ihnen von Naturrecht her zusteht und durch feierliches Dertragsrecht gewährleistet ist. Sie müen an Ort unb Stelle erscheinen, um ihr volles Gewicht m die Wagschale zu werfen. Es wäre ja toll, wenn die vernünsttge Mchcheit sich nicht Mtzen könnte gegen eine Handvoll bezahlter Ruhestörer. Soll denn jetzt überall Macht vor Recht gehen? Das darf nicht fein, und das soll nicht fern, und das wirb auch nicht fein — wenn nicht etwa die Guten das Herz in die Hofen sinken taffen und die Hände feige auf den Rücken verstecken! —
Abgesehen von dem oberschlesischen Fall möchte ich überhaupt empfehlen, daß wir Deutschen möglichst Fühlung halten mit unserer engeren Heimat. Wir sind in- folge der Freizügigkeit sehr bunt durcheinander gemischt. Vielfach sieht es so aus, als ob ein Quirl m dem nationalen Topf herumgewirbelt worden fei. Am stärksten ist wohl in Berlin der Mischmasch an allen möglichen Stämmen und Dialekten. Schöner wäre tue Bodenständigkeit und die reine Entwicklung der Eigenart jedes deutschen Stammes. Doch die Uhr der Freizügigkeit läßt sich nicht rückwärts stellen; eine dauernde" Rückwan- berung ist unmöglich. Wohl aber ein vorübergehender Besuch der alten Heimat, das zeitweilige Wiedersehen mit ben alten Orts- und Schutgenosfen Wenn sich dazu eine Gelegenheit bietet, sollte man sie nicht oer- säumen. Es ist sehr erbaulich, wenn man als gereifter Mensch mal wieder einkehri in bi« Kirche, wo man getauft ist und 5um ersten Male an den Tisch des Herrn ging, — in das Vaterhaus, wo man fo viel Liebe unb manchmal auch heilsame Strafe genoß, — in bie Straßen unb Felder, wo man den ersten Jugendmut aus- brausen ließ, — und wenn man dann überall sich sagte Was ist aus dir geworden, bist du dir selbst und der Heimat unb bem lieben Gott treu geblieben?
„Unb es ging ein jeder in seine Stadt." Wenn nicht zur Abstimmung, dann doch zur Gewlsjenserforschung unb zum Jungbaü! >s$.
langt 'sind, als verloren berrachret werden. Nachsroge-, noch einzelnen Sendungen sind zwecklo», weil art et bi# britische Postr»>' «altung noch die militörftchen Stetten in ber Lage sind, über ihren Verbleib Aufschluß zu geben
Offerten für Lieferungen zum Wie- beraufbau. In letzter Zeit ist durch zadlreickre Aus- fcrberungin von v"rscktteoenster Seite zu Offerten _ für Lieferungen zum Wiederaufbau sowie zu Angaben über bie Leistunnssähigkeit einzelner Werke für diese Lie'e, runqcn weitnehende Beunruhigung in bie interessierten Kreise von Jnbustrie, Gewerbe und Handwerk htneinge« tragen worden. Es handelt sich hierbei renelmäßig nur i m Privatgeschäfte, da die amtlichen Lieferungen auf Wied.'gutmachurgskonto durch bas Reichskommissariat für Wiederaufbanarbeiten im Benehmen mit den Fach- verbau' en der Industrie sowie den Antragfte''en der Länder zur Durchführung gelangen. Wi« die Erfahrung gezeigt hat. gehen diese Aufforderungen zu Offerten zum großen Teil von wenig zuverläffigen Stellen aus, welche unter Ausnutzung der derzeitigen wirtfckiaft'ichen Stagnation nor all'm die Erlangung von Drevi'llonen und Dorlchüsien neben ber Erforschung von Geschäftsgeheimnissen im Auge haben. Insbesondere sind im Rheinland derartige Perr^ittfungsbürcs ins Leben getreten wie in Wiesbaden und anderen Orten, deren unter überwiegen- dem Einfluß nitfit deutscher Elemente stehenden Tättgreft mit größter Vorsicht zu begegnen ist Man wird den Jn- teresi'nten nur raten können, bevor sie in Berhandlungen mit derartigen ihnen nicht näher bekannten Vermitt. fungsburea-'5 ober Ag-mten treten, sich Informationen über bie Vertrauenswürdigkeit bei ber Vermittlungs. stelle des Reiedsverbandes der Deutschen Indusir e in Frankfurt a. M., Gutleutstraße 8, ob-r bei ber Nhei. nischen Zentrale für Lieferungen nach Frankreich unb Belgien in Köln, Friebrich-Wilhrimstraße 7 zu verschaffen. Die letztgenann'en Stellen sind heroergegan '«t aus dem Z'.ckammerckchluß ber Organisationen von Industrie, f anbei und Gewerbe und haben zum Z el. als aemeinnütziae Unternehmen bie Anbahnung von Ge» fchäftsbeziehungen mtt den Jnteresienten der ©egenfeite für Lieferungen zum Wiederaufbau
Erneuerung der Weiterveräuß«- rungsbefcheinigungen für die Luxus, steuer. D'e Weiterneräu^erungsbescheinigung, die gemäß f» 22 des neuen Umsatzsteuergefetzes bei Lieferungen ber kleinhanbelssteuerpflichtigen Luxus^egenftände die Befreiung von der ßurusfteuer ermögl'cht. verliert mi( dem 31. Dezember 1920 nemäf) § 201 der Ausfübrimas» beftimmumen zum Umlatzsteuerges-tz ihre ©üttiafett. Für ihre sofortige Erneuerung ist Sorge zu tragen. Das Glo!che gilt für die Bescheinigungen In ben verschiedenen bisher geregelten Dezugs'chemverfahren (Personenkraft, fohrzeuge. Ranckiwareg. L>alberzelwn'isie für d>e Phonographen-Industrie. Bestandteile und Znbehörftücke für Photogronhische Apnarate Büchsen und Dosen. R'ech. und Sck'önbeitsmitteO. G^mäß 8 99 Abs. 3 ^Ansfüh» rungsbestimmungen, Umfatzsteuer^efetz) isi die Aufnahme des Lagerdestandes der lux>"kt'uerpslichtigen Genen- stände zu Beginn e’nes leben Kalenderjahres zu wieder- holen; aemätz § 101 Abs. 5 o. a 0. sind am Schluffe eines jeden Steuerabschnittes die Spalten des Steuerbuches über die in de-- Umsatzsteuererklärung anzugebenden (fn‘gelte auszurechnen.
Pa ff Vorschriften für das Saargebiet. Zur Erlangung der Einreffeerlaubnis in das Soar"ebiet ist ein ausführliches Geluch mit deutschem Reilexaß bezw. Paßersatz bei ber obersten Poliz-loerwaltung Saarbrücken. Neues Landgericht. 3!mmer 10, einzurei. chen In dem Gesuch sind arzuführen: Zweck und Ziel ber Reise, Firmen, B-rroanbte ufro., Oie besucht werden sollen unb Zweck des Besuches. Für Kauf'eute dürste es zweckmäßig fein, eine Emniehlunq ber zuständigen Han. delskammer im Re'ch beiznfügen Der Paß geht nach Erlebinung entweder an bie beustche Verbindungsstelle Frankfurt a. M. Taunusanlage 6 ober direkt an die Antragsteller zurück. ______
Amtliche Anzeiftesr.
3m nachstehenden bringe ich den -am Landesausschuß vorbehaltlich ber Zustimmung b"s Kemmimallandtags be« schlosienen und van ben Herren Fachministern genehmigter! Nachtrag zur Dieh!euchenentschäbigungss"'nmg roni 6. Ma! 1912, betreffend Ausdehnung der Entfchädigimgspflicht aus von ber Maul- und Klauenseuche gefallene, über 3 Monate alte Ziegen, zur öffentlichen Kenntnis.
Kassel, am 11. November 1920.
Der Landeshauptmann. 3. D.: von Sachs.
Nachtrag.
zur Biehseuchen-Enffchäbigungssatzung für ben Bezirks- verband des Regierungsbezirks Kaste! vom 6. Mai 1912.
Die Diehseuchen-Entschädigungssagung wird wie folgt geändert:
Zu § 1. Zu Abs. 1 Ziff-r 5 sind hinter bem Wort« „R'-ber" einz ttch-tt-u bie Worte „unb Zielen"
Zu § 5. In Z'ile 4 sind hinter dem Worte „Rinder " ei"z'stch--tten bie Worte: „unb Ziegen"
Z: 8.6. In Abi. 1, Zeile 7 ist bas Dori „unb“ zu streichen und er sind hinter dem Worte .Rindvieh" einz'ttügen die Worte „und Ze-en".
Ferner sind in Zeile 12 hinter dem Wort« „Rind- viehbesitzem" einzu'ch"lten bie Worte: „und die gle:chen STusqabcn für Ziegen sind von ben Besitzern dieser Tiere." 1
In Absatz 2, Zttle 4 sind hinter der Zahl 150 0^0 Mk. einzuschalten bie Worte „und für Die Besitzer von Z.cgen die fföhe von 25 000 Mk.
Zu § 10. 3m Absatz 1, Z-ile 9 sind hinter „Str. 7" einzuichalten die Worte: „unb bei Ziegen im Falle b« § 1 Nr. 5". ।
Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage her Veröffentlichung im Regierungs-Anrisblatt in Kraft. \
Der vorstehende von dem Landesausschuffe des Br- zirksverbanbes des Regierungsbezirks Kastel in feiner Sitzung vom 15 September 1920 vorbehaltlich ber Zustimmung des Kommunallandtags beschloffene Nachtrag zur Diehseuchen-Entschädigunachatzung vom 6. Mai 1912 wird hiermit gemäß ?§ 12, 23 des Ausführungsgeletzes zum Diehseuchenqesetze vom 25. Juli 1911 (Gesctzsamm- lnng S. 149 genehmigt. 21. 3 i. 14881 M. f. L. / 2 <1 3612 M. d. I.)
Berlin, den 27. Oktober 1920.
Wirb veröffentlicht mit dem Bemerken, baff die Dietz- seuchen-Entfchäbigungssotgung für den Bezirlsverband bes Regierungsbezirks Kost-l im Amtsblatt der Königl. Regierung Nr. 21 von 1912 unter Position 563 veröffentlicht worden ist.
Fulda, den 29 November 1920 *
Der Canbrat. Fchr. v. Doernberg. '1
Diejenigen ffrrren Büigermeister des Kreises, die mit der Einreichung der Gemeinde-Rechnunz für ?w Iohr 1919 noch im Rückstände sind, werden hierdurch^ mit 14täqigec Frist nochnia's erinnert.
Fulda, dm 4. Dezember 1920
Der Cc ,brat. I V.: Köhler.
Erloschen: T‘e Meui- vb Klauenseuche int ben* Ortsteil Hof-Reith, Gemeinde Klosterhöfe, Kreis Schlucht tern. f
Fuldi. ben 4. D-zember 1920. _ -
Dtr Ccnbtaf. 3 V.: Kohlet. ' >
Z fos"e Anordnung bes H'rrn Reichsministers für Ernährung un>> Landwirtschaft vom 23 November d. 3. soll im Hindstck auf b'e verringerte Zuckerratton eine Sorberwroerinnn von 1 Psd. i« ßop! ber versorqungs- beredj'igten Verbraucher o’s Weihnach'szucker erfolge«.
Der Breis für ben Zucker ist "er Jnlandszuckerprei».
. Die Zutei'ung an dir v-eteilungrstenen erfolgt Je zeitig, daß die Bevstkerung noch vo. Weihnachten m den Besitz des Zuckers ge.jiigt.
Fulda, den 6. D-zew^tv 1920
Der Laudral. I. B. Köhler ■ ,