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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.

Nr. 285.

tierannooniid) rür Sen croauwnellen TeU: Karl Schütte- u füi bk Anzeigen: I. Paczet ler-Fulbo. :: Rmattonsbrua u. Verlag der Fuldaer Attienbruckerei in Fuiba ernipiecher Nr. 0. letegr.-Adretfe: Fu Ibaer Zeitung

Donnerstag, 9. Der. 1920.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 All. ohne Zufiellgeoühl. jn yu-Oti bei uns abgehoU 3,15 Alt. Aazeigeuprew; DieKietazeile Eolonetmatz) 60 p>g, u. 10°ie Zujchiag, bie Retlamezeile (Tepvreirel 1.80 ZHt„ u. 10% Zchchlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

M gemeinen Gewerkschaftsbundes.

Derhandluftg-n über die künfftgen Sohlenkieferungen.

Die Antwort anf die Beschwerdenote.

Im ReichS kab in et t ist bereits Beschluß über die Beantwortung der Ententenote wegen der Ministerreden im Rbeinlond gefaßt worden. Gleich­zeitig mit der Veröffentlichung der Noten wird auch die deutsche Antwort veröffentlicht weiden.

Der argentinische Vertreter im Völkerbund abgereist.

Der Vertreter Argentiniens im Völkerbund Puehrredon veiließ Genf und reiste nach Paris. Tie anderen argentinischen Vertreter im Völkerbuud werden Genf ebenfalls verlassen.

Entgegen den Meldungen der französischen Preffe, als ob die argentinische Regierung die Haltung ihrer Vertreter in Genf mißbillige, wird nun offi­ziell mitgeteilt, daß die argennnische Regierung sich mit der Haltung ihrer Delegierten durchaus ein­verstanden erkläre.

. . , . Unter pol­

nischer Herrschaft sind hier fast alle Gegenstände des täglichen Bedarfs im Preise seit Anfang des Jahres

'So schlecht die wirtschaftlichen Berhältniffe im Deutschen Reiche sind, sie muffen doch noch gut ge­nannt werden im Vergleich mit der Markttage m

Oberschleften.

Me würde es vberschlesien unter polnischer Herrschaft ergehen?

Deutsche Antwort anf die Einladung für Brüssel.

Die Beamtenfordernngen.

Im Reichstag ist gestern zwischen den Parteien über die Forderungen der Beamten weiter verhandelt worden ohne daß eine Einigung erzielt worden wäre. Bekanntlich hatten sich die Mehrheitsparteien mit der Regierung darauf geeinigt, daß auf eine Erhöhung der Teuerungszulage verzichtet und nur den kinderreichen Beamtensamilien durch eine Erhöhung der Kinderzu- agen geholfen werde. Auch die übrigen Parteien hat­ten diesem Kompromiß zugestimmt. Die Deutschnatio­nalen und die Sozialdemokraten zogen ihre Zustim­mung zu dem Kompromiß aber wieder zurück und be- antragen neben der Erhöhung der Kinderzulage auch eine Erhöhung der allgemeinen Teuerungszulagen von 50 auf 60 Prozent. Die „D. Allg. Ztg." steht voraus, daß diese Antrag« eine Mehrheit im Reichstag finden, wett der Gedanke nahe liege, daß keine Partei hinter der andern in diesem Fall zurückstehen wolle. Im Falle der Annahme der Anträge werde sich alsdann ein Beschluß des Reichskabinetts und ein Beschluß des Reichstags gegenüberstehen. Was in diesem Falle ge- schehen würde, läßt sich zur Zett noch nicht übersehen. Die Regierungsvorlage über die Erhöhung der Teue- rung^uschläge auf die Kinderbeihilfe wird heute im Plenum des Reichstages beraten werden und die Ent­scheidung alsdann fallen muffen. Die Reichsregie­rung selbst hat sich auch neuerdings wieder dahin er­klärt, daß sie über ihre vom Hauptausschuß bereits er­weiterte Vorlage hinaus keinerlei Zugeständnisse ma­chen könne und die Verantwortung für weitergehend« Beschlüße des Reichstages Mehnen muffe.

Es finden zurzeit Verhandlungen mit der Wieder- Herstellungskommission über die Kohlenlieserungen nach Ablauf des Spaa-Abkommerw statt. Die deutschen Be­vollmächtigten sind der Staatssekretär Bergmann. Gene­raldirektor Köngeter, Direktor Lübsen und Mrektor Wcttlmichrach.

Abg. Trimborn über Slegerwalds Pläne.

Auf der Jubiläumsfeier der Münsterfchen Zen­trumspartei hielt der Vorsitzende der deutschen Zen­trumspartei und der Reichstagsfraktion Trimborn die Festrede. Er kam dabei auch auf die Ausfüh­rungen Stegerwalüs in Esten über die künftige Ge­staltung des deutschen Parteiwesens zu sprechen und führte dazu aus:

Welche Stellung nehmen wir rät Zentrum zu die­ser Aktion em? Zunächst scheint es noch nicht völlig geklärt, aus welchem Wege Herr Stegerwald und seine Freunde die Einigung aller deutsch, christlich, demokratisch und sozial Gesinnten zu einer breiten Volkspartei einigen will. Sollen die bestehenden bürgerlichen Parteien, unter denen auch das Zentrum, sich auflösen, um in einer neuen Partei auszugehen, oder sollen sie lediglich eine Arbeitsgemeinschaft werden? Solang« dies nicht klar- gestellt ist, können die bürgerlichen Parteien keime einmütige Stellung dazu nehmen. Wir sind entschloffen, wie bisher mit der christlich und national gesinnten Arbeiterschaft aus polftischem Gebiete zusammenIuarbeiten. Dagegen lehnen wir es mft aller Bestimmtheit ab, uns in eine reine Arbeiterpartei umzugestatten. (Starker Beifall.) Wir wollen bleiben, was wir waren, eine alle Klassen umfassende, christlich nationale Volkspartei. Die gewalttge Umwälzung, die bei verlorene Krieg auf allen Gebieten hervorgerusen hat, hat auch in unseren Rechen das drin­gende Bedürfnis nach einer programmatischen Neu­orientierung der Partei wachgsrufen. Die kurz vor den Wahlen zur Nationalversammlung rät Dezember 1918 aufgestellten Richtlinien erwiesen sich sehr bald als überholt und erledigt. Deshalb hat der erste Reichspartei­tag Ende Januar 1920, also lange vor dem Gewerkschafts­kongreß, die Ausstellung neuer Richtlinien beschlos­sen. Zurzeit ist eine Kommission, der auch Stegerwald angehört, mit dieser Arbest befaßt, und das Ergebnis wird dem nächsten Reichsparteitag vorgelegt. Ich glaube ver­sichern zu können, daß die neuen Richtlinien den Ge- dankengängen des Herrn Stegerwald und den Wünschen der christlichnationalen Arbeiterschaft in weitem Umfange Rechnung tragen werden. Auch uns schwebt das Ziel vor, alle positiv christlichen Volkselemente in noch weiterem Umfange und noch inniger als bisher zu einer starken politischen Macht gegen Sozialismus und Mammonismus zu vereinen. Warten mir alle in Ruhe die weitere Entwicklung dieser Sache ab. Die „Köln. Ztg." hat uns aus Anlaß der Stegerwaldfchen Aktion den Rat geben zu sollen geglaubt, uns aufzulösen. Wir denken natürlich nicht im entferntesten daran, unser Jubiläum durch einen Selbstmord zu feiern. (Stürm. Beifall.) In ungebrochener Kraft wenden wir Weiterarbeiten an dem Wiederaufbau des christlichen Staatsgedankens, zur 33er» wirklichung des allgemeinen christlichen Kulturideals, das allen unseren Generationen Leitstern gewesen ist. Immer hat es sich gezeigt, daß nur aus dem Geiste des Christen­tums die Wiedergeburt der Söttet hervorgehen kann. Wir kämpfen für unsere alten christlichen Ideale und wollen daher mutig in die schwere Zukunft sehen, in unerschüt­terlicher Einigkeit als christlichnattonale und soziale Volks- Partei im Kampfe fest zusammenstehen. Mr Wahrheit, Freiheit, Recht!

Die deutsche Regierung hat in ihrer Antwort auf die Einladungsnote für Brüstet der französischen Re­gierung mttgeteitt, daß der Obmann der deuffchen De­legation, Staatssekretär Bergmann, noch dienstlich in Paris zu tun hat und dann vor der Brüffeler Zusarn- men fünft noch nach Berlin kommen muß, um sich mft der Regierung zu besprechen. Vor dem 16. würden also Me deutschen Sachverständigen nicht in Brüste! sein können. Die deutsche Regierung erklärt ferner, sie gehe von der Voraussetzung aus, daß durch die Zusammenkunft in Brüssel an der Konferenz, die in der Schlußsitzung der Konferenz in Spaa zur Prüfung der von Deutschland in der Reparationsfroge gemach­ten Vorschläge vereinbart ist, nichts geändert wird. Als deutsche Vertreter werden nach Brüssel gehen die Herren Staatssekretär Bergmann und Karl Friedrich v. Siemens. Die Reichsregierung hat weiter an folgende Persönlichkeiten die Aufforde­rung ergehen lasten, sich als Sachverständige nach Brüste! zu begeben: Generaldirektor Cuno, Gene­raldirektor Dögler, ReichsbankprSsident v. Havenstein, Dr. Karl Melchior, Direktor o. Stauß, bayerischer Staatsrat v. Meindl, Geheimer Oberregierungsrat von Flotow, Professor Bonn sowie einen Vertreter des

Das Zentrum und Stegerwald.

Die Rede, die der preußische Wohlfahrtsminister Siegerwald in seiner Eigenschaft als Vorsitzen­der des Gejamtverbandes der Christlichen Gewerkschas- ten Deutschlands und des Deutschen Gewerkschastsbun- bes auf dem Essener Kongreß am 21 November gehalten hat, liegt nunmehr im vollständigen Wortlaut vor.

Wer sich mit ihr beschäftigt, wird nicht daran zweifeln, daß hier ein Mcmn zu uns spricht, der ernst­lich bekümmert und tief besorgt um unseres Volkes und Reiches Zukunft veranlaßt worden ist, in dem politischen Wirbel unserer unftäten Zeit und in dem sprunghaften Wechsel unserer Parteikonstellationen nach Mitteln und Wegen Umschau hält, wie ein ru­higer Pol gefunden werden kann, der Voraussetzung ist für eine allmähliche Behebung der augenblicklichen politischen Unrast. Die Ideen und Probleme, die in Stegerwald herangereift sind, mußten zu einer fest umriffenen Formulierung führen, die sich nicht be­schränken konnte auf eine rein negativ-kritische Be­trachtungsweise, sondern notgedrungen in einer posi­tiven Zielweisung gipfelte.

Zweifellos greifen die Pläne Stegerwalds in chrer Auswirkung in das Parteileben, wie wir es in feiner vielgestaltigen übertriebenen Mannigfaltigkeit haben, tief ein. Manche Einzelpartei mag stärker be- rührt werden, manche schwächer, in irgend einer Weise sind sie alle in Mitleidenschaft gezogen und wenn es sich auch nur auf das äußere Interesse bezieht, das sie der Sache widmen müssen. Denn Stegerwald weist zwar durchaus nicht etwa völlig neue Wege aber er wandelt auch gerade nicht ängsttich in den alten, die er hier und da für ausgetreten hält. Eins aber scheint uns originell und doch natürlich und verständlich zu­gleich: fein Anknüpfen an die starke Organisation der Christlichen Gewerkschaften. Niemanden darf gerade dieser Umstand wundernehmen, der weiß, mit welcher Hingabe Stegerwald in diese Bewegung hlneingewachsen ist, deren Vater er genannt wird. Es ist darum selbstverständlich, daß die Christliche Ge­werkschaft sein Ausgangspunkt wird, wett er glaubt, an ihr den festen Kern zu haben, um den er alles

Dom Vorstand des Ortskartells Fulda wird uns pefd)rieben;

Auf bie in der Dienstag-Nummer veröffentlichte Ent­schließung des Beamtenkartells Frankfurt-Main hat der Bundesvorstand in Berlin folgenden Beschluß an bie Provräzialleitung gelangen lassen:

„In voller Würdigung der Noüaqe des Reiches, in klarer. Erkenntnis her großen Verantwortung der Beam­tenschaft gegenüber dem Volksganzen, aber auch ebenso In klarer Erkenntnis, daß die Beamtenschaft ihren Auf­gaben nur gerecht werden kann, wenn ihr die Lebensmög- lichkeft gewährleistet wird, erklärt der Deutsche Beamten- bund, daß die vom Hauptausschuß des Reichstags vorge- schlagene Erhöhung der Kindenulagen allein nicht geeignet ist. der ip der Beamtenschaft bestehenden unbeschreiblichen Not zu steuern. Dazu bedaff es unbedingt der Fest­setzung eines Mindestteuerungszuschlags. Da die Rot auf allen Beamten, nicht nur auf den kinderreichen, lastet, kann ausreichende Hilfe nur durch Erhöhung des leite- rungszufchlags kommen Sollte die Dollverfammluna des Reichstags nicht diesem Beschluß kommen, so würde

, so stark gestiegen, daß die Lebenshaltung seitdem sich I mindestens auf das dreifache verteuert hat. Für ein- Seine Gegenstände ist eine Preissteigerung bis auf das zehnfache eingetreten. Und es ist nicht anzunehmen, daß die Preissteigerung hiermit ein Ende erreicht hat, denn die Presse in Kongreß-Polen sind für die meisten Gegenstände, namenttich für Lebensmittel, noch erheb­lich höher und nach Auslassung amtlicher polnischer Stellen ist nicht mft einem Ausgleich der Preise zu rechnen. Die polnische Mark ist etwa ein Fünftel so­viel wert wie die deutsche. Die Einfuhr wird er­schwert durch hohe Zölle. Die Marktlage wird viel­leicht am besten durch einige Preisangaben charakteri­siert: das Pfund Kaffee kostet 100 J(, die Schachtel Streichhölzer 1,70, ein Maßanzug etwa 7000 M.

Mit der Provinz Posen hat Deutschland durch den Friedensvertrag eine seiner reichsten Kartosselprovin- zen verloren. Posen war ein wichtiges Ueberschuß- | gebiet für das Reich. Heute aber muß die Ernäh­rungslage im allgemeinen hier als schwierig bezeich­net werden. Die Ernte, besonders der Roggen, ent­sprach nicht den Erwartungen. Wegen des Mangels an künstlichen Düngemitteln ist der Ertrag der Ge­treidefelder beträchtlich zurückgegangeu. Das Brot kostet das Pftmd 3,50 Kartoffeln der Zentner 42 Fleisch das Pfund 25 M.

Diese Preise werden noch solange steigen, bis in Kongreß-Polen ein allgemeiner Preisausgleich eiuge- treten ist. Aehnliche Verhältnisse dürsten in Oberschle­sien ’intreten, wenn es an Polen fällt. Die Ausglei- chtmg der Preislage an die übrigen Gebiete Polens würde unausbleiblich fein.

Das stärkste Argument gegen bie polen, bas feiner Ansicht nach noch lange nicht genügend be­tont worbet ist, will der bekannte Friedensfreund H. v. G e r l a ch in einem Artikel in der „Welt am Mon- nur in der sattsam bekannten „polnischen Wirtschaft sehen, sondern in der Tatsache, daß Polm die allgemeineWehrpflicht hat. Er schreibt: Die Oberschlesier müssen — wenn sie für Polm stim­men — mit der Möglichkeit, ja mit der Wahrscheinlich­keit rechnen, ihr Leben von neuem in die Schanze zu schlagen. Deutschland dagegen hat keine Wehrpflicht mehr.

polnische Schandtaten.

In Pilzerdorf tagte am Sonntag der deutsche Berg- arberterverdand. Als nach Beendigung der Sitzung einige Bergarbeiter noch zusammensaßen, stürzte Plötz- lich eine 60 Mann starke, mit Pistolen und Knüppeln bewaffnete Bande in Den Saal und begann ohne Ursache aus die Versammelten ein z u schl a gen und zu schießen. Die Ueberfallenen, vollkommen waffen­los, versuchten, so gut es ging, sich zu retten. Der Saal fing yeuer. Die Bande hauste im Saal in der schlimm­sten Weise. So toeit bisher festgestellt ist, ist eine t>roße Anzahl von Personen schwer verletzt worden.

Ueberschichteu in Oberschlesien.

Im oberschlesischen Kohlenbezirk ist ein Abkommen über Ueberschichten-Fördernngen geschlossen worden, deren Erträgnis auf etwa 1 Million Tonnen geschätzt wird. Don den durch Ueberschichton geförderten Koh­len werden ein Drittel nach der Tschecho-Slowakei ge­hen, die verbleibenden zwei Drittel kommen Deutsch- lanb zugute. Me Bergleute erhalten außer einem Lohnaufschlag verbilligte Lebensmittel, die die Tschecho- Slowakei zu liefern hat.

andere herumgruppieren kann. Um so bemerkens- werter, anerkennenswerter und großzügiger ist es zwei­fellos, daß Stegerwald sich nicht oinkapfeln, sondern seine Organisation nur als Grundlage angesehen wissen will, um die sich alle Gesinnungsgleichen kri­stallisieren sollen. Hat er doch mit nicht mißzuver­stehender Ausdrücklichkeit betont, daß sein Ziel weder eine neue Partei übet Haupt, noch eine neue Klas- senpartei sein könne, sondern daß er die Zusam­menfassung der vaterländischen, christlichen, volkstüm­lich und wahrhaft sozial denkenden Kreise aus allen Volksschichten, besonders auch aus den intellektuellen erftrebe. Auf diese Weise will er eine starke, uner­schütterliche Phalanx schaffen, die, well sie sich selbst Asrch bleiben soll, dem staatlichen Leben diejenige Stetigkeit, die es zum Aufstieg nötig hat, garantieren und die auf der anderen Seite der rmtteriatistisch- nutrxisti scheu Lebens- und SBeltauffaffung einen Damm entgegensetzen soll.

Damtt hat der Zentrumsminister und Zentnuns- obgeorönete Stegerwald Gedankengänge gezeichnet, die m chrem hohen Schwung der Beachtung weitester Kreise wert sind. Und gerade wir, die wir zum Zentrum Schoren, sind Überzeugt davon, daß das, was Steger­wald gesagt hat, sich aufs engste berührt mit der Ideenwelt, in der das Zentrum 50 Jahre gelebt hat und der es allein die Ueberwindung aller Krisen ver­dankt: der lebendige Gedanke von der ch r i st l i ch e n Volksgemeinschaft auf den Grundbegriffen water und nationaler Denkart hat die Stürme über« wuert, denen die anderen zum Opfer gefallen sind. Dabei sind wir in der Tat der feststehende Pol ge­wesen, für dessen Stärkung alles zu tun und alles kräzusetzen keine Mühe zu gering ist.

Das eine ist gewiß, daß wir dankbar jede Hand «greifen werden, die uns künftig einporführen will, wie wir auf der anderen Seite mutig auch weiterhin gegen Affäre zahlreichen Widersacher ankämpfen werden. Denn daß wir alle an dem geistigen und ideellen »undament des Zentrums fest halten Wauen, daran wird niemand zu zweffeln wagen, der uu- und unsere Geschichte kennt. Daß aber andere yWen naturgemäß andere praktische Maßnahmen und erfordern, um unter veränderten politischen und staatlichen Zuständen die Durchsetzung der täten Ideale o« erwirken, und daß darum auch dahingchende An- t®3ungen äußerst wertvoll sind, tft sonnenklar für den, weiß, daß die überlegene Politik sich den Zetten ZvWtiffen weiß, ohne von seiner eigenen. Wesenheit em Pünktchen aufzugeben.

. Das Zentrum ist durchaus nicht achtlos an der Zeiten Umstbwung vorübergegangen. Schon der erste ! Parteitag im Januar 1920 bewies, daß das Zen- einer Neuorientierung kommen müsse, uno fo beschloß man bereits damals, in eine Ueber- I,,.uJung des Zentrumsprogramms ein- »uweten. Man tat dies in dem vollen Bewußtsein, cS dabei am Grundcharakter der Partei auf keinen Er etro.Q3 geändert werden dürfe, und bei dieser Auf- E?« w man geblieben. Mr sind gewiß alle gl’,. nnig, daß wir zu den Männern, auf deren ö’e 'chwere und verantwortungsvolle Auf­bob-» V Heberprüfung ruht, das feste Vertrauen allen r,e aUe Hre Kraft entsetzen werden, um fohl, Notwendigkeiten gerechte Berücksichtigung wider- I IHo»" Iaffen und um ihre Aufgabe zu einem nütz- | ba6nr,Unb klugen Ende zu führen. Denn wir wissen, I n,.l ue von den Idealen des Zentrums erfüllt, sich I fite" Blick für das pulsierende Leben mit seinen offengehalten haben. Wenn man im I feitiaem sr ^'n gkeft und des festen Willens zu gegen« I •nunrht6rr« aH.et Faktoren untereinander wei- I .wuiiyeii vitiurc juiu, jie mugen ooa; i fcG Knüllt ist dann ist manche hier und nannt werden im Vergleich mit der 3

$oben nnt Besorgnis hmfallig, denn dann wird der I Posen, der früheren preußischen Provinz, fäter Akpieiler unseres Hauses ruhen, irischer Herrschaft sind hier fast alle Geg

!wn denn j-, , 1 täglichen Bedarfs im Preist feit Anfang

der Deutsche Beamtenbund sich genötigt sehen, die Mit­glieder der angeschlossenen Gewerkschaf len zu befragen, wie sie sich zu dem Beschluß der gesetzgebenden Körperschaften stellen und welche Maßnahmen alsdann zu treffen sind."

Man sicht, der Deutsche Beamtenbund sst sich der un- gcheuren Verantwortung wohl bewußt, die mit der An­wendung etwaiger Gewaltmaßregeln zwecks Erlangung seiner rechtlich begründeten wirtschaftlichen Forderungen verbunden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bundesleitung alle erdenklichen Verhandlungsmöglichkeiten erschöpfen wird, ehe sie zu dem letztem gewerkschaftlichen Mittel gresst. Daß eine Gruppe vcm Berkchrsbeamten die passive Ressistenz proklamiert, isst nicht Sache des D. B. B. Dieser voreilige Schritt findet di« Mißbilligung weiter Beamtenkreise, insbesondere auch hier im Fuldaer Lande. Nur kann die Beamtenschaft es nicht verstehen, daß in der Presse verschiedener Schattierung häufiger als nötig das Beamten elend durch den Hinweis auf die ge­sicherte Stellung, Ruhegchaltsberechtig ung u. bgL m. ver­schleiert wird.

Der Nichteingeweihte ist durch dir: einseitige Beleuch­tung der Beamtenoerhältnisse allgemach zu der festen Ueberzeugung gelangt, daß die Beamten so gewissermaßen die verhätschelten Schmarotzer imHleichs- und Staats­betriebe sind, daß die Beamtengehalter in erster Linie an der Verelendung des vaterländischen Finanzwesens schuld sind.

.Wer dem Daterlande dient, muß auch vom Dater- lande leben", d. h. Reich bezw. Staat haben die Berpslich. hing, den Beamten durch Gewährung eines angemessenen Dienstemkommens eine Existenzmöglühkeit zu sichern. Da aber der größte Teil unserer Beamten nicht einmal das Existenzminimum bezieht, sind gegenwärtig Tausende und Abertausende von Beamtenfamilien gezwungen, zu hun­gern, Privatvermögen zuzusetzen oder Schulden zu machen. Beweis: Die jetzigen Gehälter belauf;m sich auf das Vier­fache des Friedensdiensteinkommens. Demgegenüber steht eine 19- bis löfache Erhöhung der Preise unserer un­entbehrlichen Lebensbedürfnisse. Es tft darum auch leicht begreiflich, daß vor einigen Woche« ein führender Be­amter in einer hiesigen Zentrumsversammlung zu behaup­ten wagte: Das Elend in der Beau ttenfchaft ist so groß, daß nur wenige noch in der Lage such, ein ganzes Hemd auf dem Leibe zu tragen. Auch unsere Danken und Sparkassen haben es zur Genüge et fahren, daß in erster Linie die Beamten es sind, die durch die Rot gezwungen, die letzten Notgroschen abgehoben haben. Das Beamten» tum sst verarmt!

Und was verlangt man von ihm?

1) Hergabe seiner Kräfte bis zmn äußersten; Uetzer- stunden werden nicht honoriert.

2) Versteuerung be» Einkomme ms bis zum letzten Heller. Das Steuerprivileg hat ma n beseitigt, ohne Er­satz dafür zu bieten. Heutzutage muß ein mittlerer Be­amter mit 18000 Gesamteinkoti »men 3300 M. Ein­kommensteuer bezahlen. Welcher Geschäftsmann, welcher Landwirt, der in seinem Haushalte die gleichen Lebens­mittel verbraucht, die gleichen Ausgaben für Schuhwerk und Kleider hat und auch eine gleichgroße Wohnung in Anspruch nimmt, kommt auf einen selchen Steuersatz? Es ist zuviel gesagt, wenn man behaupte t: Der Beamte zahlt im Verhältnis zu vielen anderen Berufskreisen mehr als das Vierfache an Einkommensteuern^ Würde man alle Staatsbürger so strenge zur Einkommensteuer heranziehen wie den Beamten, dann könnte vielleicht der Staats­bankrott, den man so gerne der Beamtenschaft rä die Schuhe schiebt, vermieden werden.

3) Ne» Gehattsforderungen müssen unterbleiben. Dnen: die gestiegenen Löhne haben j'edesmal eine Steige- rung aller Presse gebracht. Sehr richtig. Warum aber soll gerade der Beamte auf die (w er zahlenmäßige) Er­höhung seines Gehaltes verzichten, damit dem Gesamt- volke die Lebenshaltung nicht verte uert werde? Sobald diese weise Lehre vom Gesamivolk befolgt wird, Arbefter und Angestellte auf Lohnerhöhung verzichten, vor allem aber Handel- und Gewerbetreibend m sowie die Land­wirte keine Aufschläge mehr machen, dann kann und wird auch der Beamte freudig mittun.

Nun noch einen kurzen Hinweis aus die Einkommens- Verhältnisse von Privatangestellten.

Man vergleiche einmal die Gehälter der Beamten, Me in den verschiedenen Bankinstituten, Handelshäusern und Inüustriewerken beschäftigt sind, mit denen gleichwertiger mittlerer Beamten! Neben den höheren Sätzen in den Ansangsgehältern finden wft bei den Privatbetrieben auch ein rascheres Aufrücken, sodaß Pr'watangestellte vielfach rä weit jüngeren Jahren besser gestellt sind als die zum Vergleiche berechtigten Beamten in höheren Altersstufen. Es soll mit diesem Hinweis nicht etwa ein Gefühl der Mißgunst zum Ausdruck gebracht we rden; denn wir wissen recht wohl, daß es technisch unmöglich sst, die privaten Besoldungsordnungen nach dem I lüft er der staatlichen einzurichten.

Zum Schlüsse möchten wir an alle, Me sich mit dem Problem der Deamtenbesoldung befassen, Me Bitte richten, nie einseitig mit den Maximalsätze n des Beamteneinkom­mens zu rechnen, sondern stets von dem Durchschnittsge- halte auszugehen; denn nur der Durchschnittssatz kann füglich in Parallele gesetzt werden zu den weniger diffv- renjierten Einkünften der übrigen Berufsklassen.

Jedem das Seine!

Deutscher kteich.

* Berlin, 8. Dez. Der Chefredakteur des m Berlin erscheinenden polnischen Blattes „Dziennik Berlinski", Dr. Vmz-Gorzycki, erhielt Befehl zum sofortigen Ver­lassen Preußens. — Die Regierung von Haiti hat alle persönlichen Beschränkungen der in Haiti lebenden Deutschen aufgehoben. Diese Aufhebung bezieht sich jedoch noch nicht aus die veirmögensrechtlichen Bs- schränkunpen während des Krieges.

• * Konflikt In Preußen? 2m Ausschuß der preußi­schen Landesneriammlung kam es Mittwoch zu einem scharfen Konflikt zwischen den Soozialdemokraten und den anderen Regierungsparteien. Finanzminister L ü- demann beantragte energisch, daß das von ihm eingebrachte Grundsteuergesetz mft den ande- ren Steuergesetzen und seinem Etat gemeinsam beraten würde Die bürgerlichen Redner, mtch die des Zentrums und der Demokraten, wandten sich dagegen. Man könne ein so wichtiges und einschneidendes 'Gesetz nicht übers Kme brechen. Die Sozialdemokraten Ka­ten energisch für ihren Parteigenossen Lüdemann ein, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen besonders zwischen dem Demokraten Dr. K u e r und dem Mini­ster. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde schließ» lich mit allen bürgerlichon Stimmen abgelehnt. Daraus erklärten die Sozialdemokraten, die bürger- sichen Koalitionsparteien hätten illoyal gehandeft, lehn­ten es ab, sich weiter an den Verhandlungen zu be* tettigen und verließen ine Sitzunp