Einzelbild herunterladen
 

Jlo 28L

Samstag, 4« Dezember 1920,

Fuldaer

Zweites Blatt.

"Warum der russische Bolschewismus sich bisher hielt.

Heber den Bolschewismus in Rußland ist in den zwei ersten Jahren nach seinem Machtantritte Ende 1917 wenig Talssächstches bekannt geworden, um so mehr Parteimeinung verbreiiet gewesen. Heute liegt mehr Talsachenstofs vor, insbesondere haben die bolschewisü- schen Führer, um sich zu halten, Irrtümer einzuge. stehen, ihre Praxis gewaltig ändern müssen. Tot aber ist der Bolschewismus noch nicht. Seine begabten Führer suchen durch Zugeständnisse fri der Praxis die reine revolutionäre Lehre der Diktatur des Prole- tciriats zu retten.

All das ist möglich, weil im größten Teile Ruß­lands wirtschafllich wenig entwickelte, ursprüngliche Ver­hältnisse herrschen. 86 Prozent der Bevölkerung woh­nen auf dem Lande, können sich also im Notfälle dürf­tig selbst beschäftigen und nähren. Der Russe ist von Natur unendlich geduldig gegenüber Schicksal und Leid, durch iahrhundertelange Unterdrückung an Ge­duld gewöhnt. Nachdem die bisher darbende und ge­knechtete ländliche Bevölkerung in der LandvertÄung ihren Landhunger gestillt Heck, ihre Herren verjagt, Selbstverwaltung erreicht hat, spürt sie wenig Interesse mehr an staatlichen Umwälzungen um einer Theorie willen; um geistige und politische Bewegungen küm­merte sie sich bisher nicht in den verkehrsarmen Land­strichen, über die sie zerstreut ist. In den Städten, wo nur 14 Prozent der Bevölkerung wohnen, herrscht die Kommunistische Partei, die in ganz Rußland nur 604 000 Mitglieder zählt, mit Waffengewalt nicht bloß über das Bürgertum, sondern auch über das Proletariat, das sich dieser Partei in die Arme wa^, und nun in ihrer Gewalt ist. 89 Prozent der Anhänger der Kom­munistischen Partei haben Deamtenpöstchen der bolsche- «mstischen Regierung ergattert, sind also an der Auf- rechterhaltung der Diktatur interessiert; die bolsche­wistische Soldateska ist es nicht minder. Das russische Volk hat also die alte zarrsche Gewaltherrschaft mit ei­ner neuen eingetauscht, in der jedoch mehr Verbrecher sich befinden, wie in der früheren. Auch die neuen Sewaltherrscher lagen von sich, daß sie die Geweckt nur «Wenden, um das Volk zu beglücken. Welcher Ge­waltherrscher hätte das übrigens nicht gewollt!

Die 86 Prozent der Vevölkrung, welche auf dem Lande wohnen, haben sich die von den Bolschewiken angevrdnete Landaufteilung gern gefallen lassen, auch die Diktatur der Komitees der Dorfarmut, von denen jeder Wohlhabende ausgeschlossen ist. Die me'sten auf dem Lande waren stets blutarm. Dabei denken jedoch die neuen Kleinbauern, die nur Familienangehörige beschäftigen dürfen, nicht k o m m u n i st i s ch; sie sehen sich als Eigentümer an und machen bei Durchführung der Höchstpreise der vorgeschriebenen Ablieferung der Lebensmittel dieselben Schwierigkeiten wie nur ein Privateigentümer sie machen kann. Mili­tärische Beitreibungen von Getreide usw. wurden auf dem Lande alsbald nötig. Auf den Lockruf der Re­gierung, Jfe Bauern möchten sozialisierte landwirt­schaftliche Großbettiebe einrichten, gehen imx wenige ein. An das Recht der neuen Regierung, die Lankyu- teilung von Zeit zu Zeit neu zu regeln, stößt das rus­sische Landvolk sich weniger, da vielfach von altersher in Rußland eine solche Regelung durch die Gemeinde üblich war. Daß man ttotz der Landaufteilung nur schlecht lebt, ist der Masse der Landbevölkerung auch nichts Neues. Vor dem Kriege konnten drei Viertel der Bauern sich nicht hinreichend ernähren. Die russische Getreideausfuhr, das war schon damals bekannt, war nur auf dem Wege möglich, daß den Bauern das durchaus nicht überflüssige Getreide abgezwungen wurde zur Bezahlung 'der Steuern, der unentbehrlichen Be- darfsattikel und der Branniweinschulden.

Aus allen diesen Gründen findet sich die Landbe­völkerung, welche 86 Prozent des russischen Volkes, darstellt, geduldig mit dem Bolschewismus ab, der bis heute auf dem Lande nicht ernsthaft wurde.

Aus ebenfovielen gegenteiligen Gründen ist es aber ausgeschlossen, daß in Deutschland jemals die ländliche Bevölkerung, die aus Mittel- und Kleinbauern besteht, sich für die kommunistischen Pläne einer Dikta- tar des Proletariats gewinnen oder gewaltsam unter dieselbe beugen ließe.

Airs dem besetzten Gebiet.

st,

10000 2M. Geldstrafe. Vom englischen Militärgericht Köln wurde der Regierungsrat a. D. Dr. Heinrich

Wergettung.

Koman von S. Doudney. Deutsch von E. Elaust. 1.

Er war Rosenzeitl Dar Häuschen des alten Tischlers Werner zzu Liebenau war fast begraben unter der Fülle duftender Blüten, die leuchtend rot, zazrt rosa u. schneeig- weiß an den Mauern emporkletterten bis zum moos. bewachsenen Strohdach, frfbft dies noch mit einigen Zweigen und Blumen schmückend. Vom Morgen bis zum Abend kamen die emsigen Bienen herbeigeflogen, um unter eintönigem Sumfum den süßen Honig aus den schwellenden Kelchen zu holen, und in den breiten Heften der Obstbäume saßen die Vöglein und schmetter- kn jubilierend ihre alten, ewig schönen Weisen von Lust und Liebe in den stillen Sonnnerabend hinaus. Die Lahre kamen und gingen, ohne daß sie dem stillen Hause irgendwelche Veränderung brachten. Wie eine Erinnerung an Dornröschen verzaubertes Märchenbeim lag das verfallende Häuschen im Kranze der grünen Bäume und blühenden Sträucher. Und lieblicher konnte das Königstöchterlein nicht ausgelchaut haben als das junge Menschenkind, das eben sehnsüchtigen Blickes aus dem niedrigen rosenumsponnenen Fensterrahmen spähte.

Sie hatte ein zartes kleines Gesicht, das von einer Fülle kastanienbrauner Haare umrahmt war; die Wan- gen schienen fast zu schmal, die schönen, reinen Züge etwas scharf, der zarte Teint war vielleicht ein wenig 3u blaß, aber ein Paar tiefblauer Augen verliehen dem sonst so kindlichen Gesichte etwas weiches, frauenhaftes. Blaue Augen", sagt man,tragen etwas vom Himmel in sich." Bei Rose Werner traf das zu. Der Glanz in diesen schönen Augen schien nicht von der Erde, und die Sehnsucht, mit der sie den Bttck in die sommerliche Abendlandfchaft schweifen ließ, schien Unsichtbares, Un­erreichbares zu suchen.

Und doch war dem nicht so! Denn der sellge Bück, wit dem dir blauen Augensterne plötzlich aufleuchteten, »alt einem ganz irdischen Ziele: jen^m jungen Manne, der eben schnellen Schrittes um die Biegung des Weges kat und auf das Werner'sche Haus zuschritt.

Einzelne Stimmen in Liebenau nannten den elegan- kn jungen Mann Rose's Geliebten. Aber er war mehr als das, er war ihr Gatte. Der vornehme Mann von 23 Jahren hatte das 17jährige Mädchen aus dem

S t i n n e s, ein Bruder des bekannten Hugo Stinnes, und sein Sohn Hans zu je 10000 Mk. Geldstrafe ver­urteilt, weil sie eine Anlage für drahtlose Te- l e g r a p h i e besessen hatten. Der Apaprat verfiel der Einziehung.

Die deutschen Badeorte. Der neugegründete Ver­band der besetzten Badeorte hat beschloßen, bei der Re. gierung den Antrag zu stellen, Verhandlungen aufzu- nehmen wegen der Räumung der Badeorte von den Besatzungstruppen, weil die Tatsache der Besetzung nachweislich zu einer starken, wirtschaftlich nicht länger zu ertragenden Schädigung des Fremden­verkehrs geführt hat.

Das Reich der Gleichheit unv Brüderlichkeit.

ImDeutschen Metallarbeiter" lesen wir:

1) Funkspruch: An Allel Petersburg.

Das revolutionäre Proletariat Rußlands ruft das revolutionäre Weltproletar'at zur Solidarität auf. Der Weltkapitalismus, bis zum Halse bespritzt mit dem Blut unschuldig Gemordeter im vierjährigen Wettkrieg, schickt sich an, seine Sklaven auf Sowjetrußland koszulasien. Die Bourgeoisie, die ihre schlotternde Angst hinter groß- mäuligen Worten verbirgt, ruft den Militarismus der Entente zu Hilfe an. Noch mehr Blut soll fließen. In Strömen von Proletarierschweiß, auf Millionen Pro­letarierleichen soll die neue Zwingburg des Kapitalismus errichtet werden. Genoßen! Weltproletarier! Schaut auf Sowjetrußland! 3m stolzesten Heldenkampfe stehen die roten Garden gegen den kapitalistischen Feind, der die letzte Festung des Weltproletariats stürmen will. Schaut auf uns! Jeder von uns leidet Not, jeder hun­gert, jeder stiert, aber seht unsere Augen, sie leuchten froh und siegesgewiß. Wir leiden gerne Not, wir hun­gern und frieren gern, denn wir wissen, daß durch diese unsere Not allein das revolutionäre Weltproletariat zum endgültigen Siege geführt werden kann. Seht un­sere Freiwilligen! Jeder von uns drängt sich^z»« Front, denn er weiß, daß er dort notwendig ist, um den ver- haßten Kapitalismus niederzuwerfen. Genoßen! Laßt uns in dem furchtbaren Kampfe nicht im Stich! Welt­proletariat, zeige dich würdig deiner kämpfenden und hungernden Brüder! Auf zum Streit! Nieder mit dem Kapitalismus! Hoch die Weltrevolution!

Das revolutionäre Komitee: Radek.

2) Geheim! Durch Courier!

An Nikol Semenoff, Stockholm.

Lieber Niko! Zunächst alles Gute und viele Grüße von deinen Freunden und Bekannten in Petersburg. Heute haben wir mal wieder einen Funkspruch vom Stapel gelaßen; der ganze Kram hängt mir zwar bald zum Hals heraus. Macht aber nichts; sorge trotz alle- oem, daß das schwedische Proletariat ein bißchen Rum­mel macht, Lenin, der alte Fanatiker, sitzt noch immer im Kreml und bläst Trübsal. Die Augen müssen offen, gehalten werden. Die verdammte Menschewickibande drängt vor. Aber du glaubst nicht, wie prächtig unsere Kommissionenarbeiten". Die Moskauer Hauptkom­mission hat in 14 Tagen 300 Verdächtige in das bessere Jenseits befördert. Na, und wenn der Krempe! zu­sammenbricht, gebe ich dir stühzeitig Nachricht. Mein Daß ist inOrdnung". Ich habe eine gute Portion echter Zarenrubel aus Seite gebracht, so daß auch für dich noch eine gehörige Portton abfällt. Ich glaube, lange hält unser neuer Papst Lenin die Sache nicht mehr. Ich weiß jedenfalls, wohin ich gehe. In Moskau, die­sem Stink- und Sterbeloch, bin ich seit 3 Wochen nicht mehr gewesen. War im Süden, bei dem Großaararier Iantschow. Mensch. Niko, drei Tage lang! la. Schnaps, Wein, Braten, Weißbrot, Weiber, ich glaube, ich mache dir den Mund wässerig! Aber Mund gehalten! Wenn dasWeltproletaridt" davon erfährt, ist der Teufel los. Ich habe wieder mal 100000 Rubelfür außerordent­liche Zwecke" für dich losaeeist. Mache guten Gebrauch davon. Taufend Grüße dein Karl Radek.

Vorstehende Schreiben, die den revolutionären Ton mit samt den Nebenanhängfeln getroffen haben dürf­ten, empfehlen wir den unabhängig-kommunistischen Blättern zum kostensteien Abdruck.

Bus dem Nachharaebiet.

Ä Wüstensachfen. Wie der Reichsanzeiger mel­det, wurde dem in der 2. Klasse stehenden Bau- gewerkslchüler Otto K ei del von hier für eine von ihm erfundene Maschine zur Herstellung allseitig geschlossener Hohlsteine Patent erteilt.

Literarisches.

Die Gleichnisse Zesu Lhrifti. Illustriert von Eugen Burnand. Mit Gutheißung der kirchlichen Obriakeit und einer Vorrede von Dr, ftgnaz Rohr, nach der Bibel- übersetzüng von P. A. Arndt 8. J. mit dessen Erlaubnis herausaegeben von Dr. HanS Scbmidkunz. Verlag

Volke ohne Dorwißen seiner Verwandten zu feiner Gattin gemacht.

Heinrich von Villars war der zweite Sohn des Generals von Villars auf Neuhof, und sie war die Tochter des Dorfschreriners. Die heimliche Eheschlie­ßung der beiden war eine so kopflose Handlung, wie nur zwei junge törichte Menschen, die keinen Begriff von der Welt haben, sie begehen können. Er war gänz- lich abhängig von seinem Vater, und des alten Werners, rheumatische Glieder hatten nie so viel zu arbeiten ver­mocht, daß er für sein einziges Kind hätte Reichtümer sammeln können. Aber die beiden machten sich keine Sorgen. Sie verlebten ihre Flitterwochen in ungv- trübter Seligkeit.

Die wenigen Einwohner von Liebenau wohnten in wett von einander liegenden Gehöften. Das war dem Verkehr der beiden Liebenden von Anfang an günstig geweien. Nie störte ein neugieriger Nachbar das Bei­sammensein der beiden in der dichttewachsenen P^eifen- frauttaube. Dem alten Werner erschienen die häufigen Besuche des jungen Edelmannes wenig auffallend. Seine Rose war ebenso wie ihre Mutter so ganz anders als die übrigen Dorfmädchen. Sie war io viel feiner und gebildeter, hatte so viel mehr gelernt; sie liebte die Bücher was Wunder, daß es dem jungen Manne Vergnügen machte, mit ihr zu lesen, ihr, wie er stolz be­hauptete, beimStudieren" behilflich zu fein.

Seit dem Tode ihrer M tter batte Rose Werner ein ziemlich eintöniges Leben an der Seite des alten Vaters geführt. Mit rührender Sorgfalt hatte sie all di- Pflichten erfüllt, die so stütz auf ihre jugendlichen Schul- tem gelegt worden waren. Ihr Vater entbehrte nie mals die Hausfrau; er freute sich Rofe's Fleißes und ihrer häuslichen Tugenden, aber von dem rechten Innenleben der Tochter hatte er ebensowenig eine Ahnung, wie er je von dem ihrer Mutter eine Borstel- lung gehabt hatte. Es war den Bewohnern der ganzen Umgegend ein unergründliches Rössel gewesen, welche Motive das vornehme, gebildete Mädchen bestimmt ha­ben konnten, die Gefährtin eines so schlichten Mannes zu werden. Die Lösung des Rätsels war einfach genug.

Dor vielen Jahren war das alte Herrenhaus von Liebenau. nachdem es lange Zeit leer gestanden, ganz unerwartet von einer alten Dame bezogen worden, die niemand im Orte kannte. Sie kam aus irgend einer fernen großen Stadt und brächte eine zahlreiche Diener-

Leitung

Druck der Fuldaer Aetieudruckerei in Fulda

für Volkskunst und Volksbildung, Richard Keutcl, Lahr in Baden. Mk. 60..

Dies großangelegte Werk bringt einen ansehnlichen Schatz von Parabelbildern aus dem Evangelium mit erläuterndem Text. Eine Volksausgabe in dem edel­sten Sinne des Wortes. An den prächtigen Bildern kann man sich nicht satt sehen. Sie reden eine ernste und doch wieder liebliche Sprache. Vor allem ist daS Werk zu Gejchenkzwecken überaus geeignet,

Kundgaben für Schule nsd haus, herausgcgeben von SB. Guntier, Hamburg. Heft 4150. Preis pro Heft 60 Pf. (Verlag von Georg Wigand in Leipzig.)

Zu den älteren Heften dieser liebenswürdigen und von allen Geistlichen, Fachmännern der Schule und Eltern gleichmäßig freudig begrüßten Sammlung dieser echt deutschen kleinen Kunstbilderbücher gesellen sich zehn weitere. Em Teil von diesen nimmt wiederum der unübertreffliche Ludwig Richter für sich in Anspruch, und eines gehört Konewka, dem Meister des Schatten­risses. Neben diesen treten zwei neue Künstler auf den Plan: Oskar Pietsch mit reizenden Ätnberbilbem und Schnorr von Carolsfeld mit feiner grandiosen Schöpfung. ______

Geheiligt werde Dein Name! Gedanken und Erwägungen der gottliebenden Seele vor ihrem Meister im Daher» nakel. Nach Pater Peter Jul. Eymard von Klara Ida Schall-Rossi. Geb. M 3.50 (dazu die im Buchhandel üblichen Zuschläge).

Mit dieser Uebersetzung hat die edle Konvertitin einen ausgezeichneten Griff getan. Wo immer sich religiös fein gestimmte Seelen finden, Seelen, die gerne.vor dem Taber­nakelkönig weilen, um betend über ihn und sein herrliches Reich nachzudenken, werden sie an diesem Merkchen eine helle Freude empfinden. Wer lernen will, wie man betet nicht bloß mit dem Mund, sondern auch mit seinem Ver­stand und seinem Willen, wer lernen will, apostolisch zu denken und zu handeln, der nehme dieses Bückst ein aus ein Stündchen vor den Tabernakel, und er wird mit reichen Anregungen wieder in den Alltag gehen und ihn zum Sonntag gestalten.

Eoitesdienftordnun-.

Sonntag, 5. Dez. (2. Adventssonntag.) Dom. ViG, 6, 1/i7 u. 7 M., um V-7 gestiftete hl. M. m. An­sprache und Gen -Komm, des Männerapostolats, um 8 Uhr Pfarramt u. Pr., VzlO Kathedralamt u. Pr., 11 Christenlehre f. d. Iüngl., Vil2 M. u. Pr., V-2 Advents­andacht. 2 Christenlehre f. d. Jungfr., 4 Pred. u. Andacht. Montag 5 Uhr Rosenkranz. Stadtvfarrkirche, B/s Korn, 5/< M M. u. Kom. d. Männeraposto­lats, 8 M. u. Pr. (1. Schulg.), 91;» Pfarran t u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulg.), 9Vi Chr. f. d. Jünal. i. d. Severi- kirche, nachmittags Ist, Christentehre für die Jung­frauen, 2st, Rosenkranzbruderschaff. Pfarrkirche zum HI. Geist. st«7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Som., 4str Chr., 5 A. Severikirche. Sonntags u. werktags st,7 M. Herz-Jesu-Heim. 6 Frühm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mittw. abends 8 A.) Frauenberg. 5, 6, 6V, u. "7 M., 8 Bruderschaftsm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 Predigt, Glockenweihe u. Andacht f. d. Mar. Bruderschaft. Michaelslirche. An den Werktagen der Adventszeit mit Ausnahme der Montage jeden Morgen um 7 Rorateamf.

MUMM m Wüschen MMWlMlMMe.

4. Dezember 1920.

Der Jucker auf die e'mgereichten Dezemberkatten kann vorwussi Htttch Ende nächster Woche in den Geschäften abgeholt werden. Geliefert werden auf den Kops 2 Pfd.; Ladenpreis 3,80 M das Pfund.

Die in der Abteilung III angemeldeten Hülsenfrüchte (Viktoriaerbsen oder geschälte gelbe Erbsen) zu 1,75 M dos Pfund, werden in der nächsten Woche in den Stunden von 912 und 24 Uhr wie folgt ausgegeben:

Montag an die Namen A bis F, Dienstag an die Namen G bis L, Mittwoch an die Namen M bis R, Donnerstag an die Namen S bis Z.

Die Bezahlung hat vorher am üarioffesschalker (nicht Kartenkontrolle) zu erfolgen. Gegen Ablieferung des bei der Bezahlung erhaltenen Gewichtszettels wird die Ware im Lagerraum der Nahrungsmittelstelle ausgegeben. We­gen des Kleingeldmangels ist der Betrag möglichst ab« gezählt bereit zu halten.

Voraussichtlich wird nächste Woche wieder Sranfen- bv.tter ausgegeben; näheres wird noch mitgeteilt. Die Karten sind nicht bei den Geschäften abzugeben, da die erforderliche Menge jedenfalls erst Ende nächster Woche zur Verfügung steht und die Butter dann von den Ver­brauchern in der Molkerei abgeholt werden muß.

Zwiebackvettettung an Kinder unter 2 3,ihren nnb werdende Müller. Die Sonderkarten hierfür stn>d gegen Nachweis der Bezugsberechttgung und Vorlage des Le­bensmittelausweises am nächsten Donnerstag und .Frei­

tag, den 9. und 10. Dezember, in der Kartenausgabestelle erhältlich. Gegeben werden auf eine Karte 4 Pakfte zum Preise von 1,50 M das Paket. Die Ware ist in den Konditoreien von Rottler und Thiele gegen Abgabe der Karten abzuholen.

Verteilung von Rudeln zu 5,50 'M; Grieß zu 1,90 M und Reismehl zu 5, M das Pfund. Kopfmenge je nach AnmÄdrmg; insgesamt kommen höchstens 250 Gramm in Frage. Anmeldungen durch Abgabe der Sonderkarte 18 bei den Lebensmittelgeschäften. Anmeldeschlutz: Dienstag den 7. Dezember. Abgabefchluh für die Geschäfte bei der Kartenkontrolle: Mittwoch.

Verteilung von hanshattungsmcht: Gegeben werden 250 Gramm hiesiges Weizenmehl zu 1,30 M das Pfund. Anmeldungen dinch Abgabe der den Brotkarten angehäng­ten Mehlkarte Nr. 44 bis 52 bei Lebensmittelgeschäften und Bäckereien. Anmeldefchluß: Dienstag den 7. De­zember. Abgabefchluß für die Geschäfte bei der Sorten« kontrakte: Mittwoch. Don den Geschäften sinh die Karten für beide Verteilungen getrennt einzullefern.

Zur Beachtung!

Bei den ausgeschriebenen Verteilungen findet eine Rachzüglerbediemmg nicht statt; wer die Waren zu er­halten wünscht, muß sich vorschriftsmäßig und rechtzeitig anmelden.

Wie berichtet worden ist, haben manche Verbraucher bei den Bäckern für noch nicht fällige Brotkarten der laufenden Ausgabepericche bereits Brot erhalten, oder sie versuchen, Brotkarten der letzten Woche schon jetzt ein- ßulöfen. Diese Handlungsweise kann selbstverständlich nicht gebilligt werden. Es wird daher darauf hingewiefen:

1. Daß die Bäcker Brotkarten einer kommenden Woche frühestens am Freitag vorher und Brotkarten von späte­ren Wochen überhaupt nicht einlösen dürfen. (Diese letz­teren werden den Bäckern von der Stadt erst bei deren Fälligkeft abgenommen.)

2. Daß für die bereits vorher verbrauchten Brot­karten Ersatz von bet Stadl nicht geleistet wird. Die Verbraucher haben es sich also selbst zuzuschreiben, wenn sie durch vorzeitige Benutzung der Brotkarten in den letzten Wochen ohne Brot sind. Anträge auf Ersatzleistung, die nur zum Schaden der Allgemeinheit erfolgen könnte, find ganz zwecklos und müßen grundsätzlich abgelehnt werden.

Eine kM

Mk etiiölten klÄ-MiWWWren.

Der Bezugspreis für dieFuldaer Zeitung wird vom 1. Januar 1921 an von uns aus nicht erhöht, er beträgt auch weiterhin 3 Mark monatlich. (9 Mark vierteljährlich.) Die bedeutende Erhöhung der Post- zeitnngsgebühr, bei derFuldaer Zeitung von 2 Mark auf 9 Mark jährlich, verlangt aber gebieterisch einen entsprechenden Gebühren-Zuschlag. Trotz der schwierigen Verhältnisse übernimmt einen Teil dieser Gebühr der Verlag. Der restliche Teil ist von den Beziehern mit 60 Pfg. für den Monat (1,80 Mk. vierteljährlich) aufzubringen. Da in diesen 60 Pfg. aber auch die Zustellgebühr, die seither der Bezieher monatlich mit 30 Pfg. zu zahlen hatte, miteinbegriffen ist, beträgt die wirkliche Gebühren» erhöhung für den Postbezieher unserer Zeitung mir 30 5*fg. monatilcli. Wer die Zeitung am Postschalter abholt, hat hoch eine Extragebühr von 12 Mark jährlich für jede Zeitung zu zahlen, er wird also in Zukunft Zeitungsabholer kaum mehl geben, weil die Zustellung durch den Briefträger billiger ist

Frei Hans kostet also dieFuldaer Zeitung vom 1. Januar 1921 an, wenn durch die Fest bezogen nur

3 Mark [Bezugspreis; u. 60 Pfg. [Postgebühr) monatlich;

In der Stadt und bei unseren Botenagenturen

3 Mark zuzüglich der jeweils fesigesM Zustellgebühr.

Verlag der Fuldaer Zeitung.

schäft mit sich, obgleich sie ganz einsam in dem alten Schlosse lebte und eigentlich niemand um sich duldete als ein junges Mädchen, das Tag und Nacht bei ihr war. Rose Forster, lo hieß das Mädchen, nannte die alte Dame stets ihre Herrin und tat sich nie etwas dar­auf zugute, daß sie ihr Liebling war; dennoch räumten alle Bediensteten ihr eine bevorzugte Stellung ein.

Als die alte Dame plötzlich starb, war kein Testa, ment vorhanden, und so stand denn Ross Forster arm und einsam in der Welt. Als 'der alte Schreiner Wer­ner es in dieser traurigen Zeit wagte, um ihre Hand anzuhalten, nahm sie seine Werbung dankbar an. Be- wahrte dieser Schritt das alternde Mädchen doch vor dem ruhelosen Umherwandern von einer Stellung zur andern. So wurde das zarte, gebildete Mädchen die Frau des einfachen Handwerkers und zog zu ihm in das rolenumlponnene Häuslein mit dem Strohdach, unter dem ihr Töchterchen Rose geboren wurde, mit dem sie dann 14 Jahre voll innigen Mutterglücks ver­lebte. Die Tochter war innerlich und äußerlich das Ebenbild der Mutter, von der sie auch dis Liebe und die Fähigkeit zu eifrigen Studien erbte.

Beim Anb'ick der wohlbekannten Gestalt rötete sich Rose's Antlitz; ihr Gesicht erschien plötzlich wie in dunkle Vurpnrglut aetaucht; im nächsten Angeblich flog sie die schmale Treppe hinunter, durch die niedrige Haus­tür und stand bald darauf zwilchen den Blumen und Bäi'men im Garten. Der linde Abendwind spielte leise in ihrem braunen Haar und die untergehende Sonne, die ihre rotgoldenen Strahlen durch das Geäst der Bäume warf, wob goldigen Schein um die liebliche Erscheinung. Sie trug ein ganz einfaches Kleid, das ihre schöne Gestalt vortei'haft hob; ein Strauß duf­tender Rosenknospen war ihr einziger Schmuck.

Langsamer als gewöhnsich kam Heinrich von Villar» den schmalen Gartenpfad entlang und seine Augen leuchteten nicht so freudig wie sonst, als er Rose be. grüßte.

Die Liebe sieht scharf, und so bemerkte denn Rose auch sofort den Schatten, der auf ihres Gatten Stirn lag.

Was ist's, Heinrich, was fehlt Dir?" fragte sie ängstlich, indem sie bei^e Arme um feinen Nacken kette

Nichts, Liebling, nichts", lautete feine freundliche , Antwort,

Und Rose war viel zu glücklich und unerfahren, vtv. sich nicht gern durch seine Worte beruhigen zu lassen.

Im nächsten Augenblick hatte sie ihre Sorgen ver­gessen. Er war ja da, er hatte sie lieb, was konntt ihr da geschehen?

Arm in Arm schritten die beiden durch den blühenden Garten nach ihrem Lieblingsplatz, der Pfeifenkrautlaube.

O, Heinrich, wie selige Zeiten wir jetzt verleben", begann Rose, als sie, an seine Brust gelehnt, in dem traulidjen Winkel sahen.Oft scheint es mir fast zr viel des Glücks. Ob es Dir wohl auch so groß erschein wie mir?"

3a, Lieb, gewiß! Jetzt halten mir das Glück. Wenn's uns nur treu bleibt! Wie ist es mein heißester Wunsch, Dich immer glücklich zu iehen."

Fürchtest Du denn, es könnte einmal anders fein, Heinrich?" fragte Rose schlicht.So lange wir beide leben, können wir einander doch nur glücke ch machen. Ich weiß wohl", fügte sie ernst werdend hinzu,wir werden auch unser Kreuz zu tragen haben, wie alle Menschen auf Erden. Es werden uns nicht lauter ion- nige Tage beschieden sein; aber wir werden uns immer (teb haben, Heinrich, und die Liebe wird uns das Leid leicht machen."

Du haft recht, Rose, und keine Macht der Erde soll mich von Dir trennen."

Wie kommt Dir solcher Gedanke, Geliebter? Heinrich, verbirgst Du mir etwas? Du blickft jetzt wieder so sorgenvoll wie vorhin. Wenn uns irgend ein Unheil droht, so sage mir's; ich bin Dein Weib, ich kann und will alles mit Dir tragen."

Es lag eine Festigkeit und ein Stolz in diesen War ten, die den Mann Überraschten. Sie hatte Recht: e? war das beste, sie auf die Kämpfe, die ihnen bevor- standen. vorzubereiten; ersparen konnte er sie ihr, st gern er das auch wollte, ja doch nicht. z

Ich habe schlechte Nachrichten von Haufe, sagte er ernst;mein Vater ist krank, ich muß zu ihm.'

Gewiß mußt Du das. Du mußt mich verlassen, aber nur für eine kurze Zeit, dann kehrst Du zurück. Ist die Krankheit bedenklich?"

Lucian schreibt, ich brauche mich vorläufig nicht zu ängstigen; aber ich bin doch tn Unruhe. Ich traue Lucian nicht recht."

- (Fortsetzung folgt.)