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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die ätadt Fulda.

nr. 281.

Verantworllich für Öen ceoauton. Teil: I. V. Dr. Kramer, u für öii ünjeigen: I. Parzeiler»Fulda. :; Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acliendruckerei tn Fulda, -emiptedier Nr. 9- Telegr.-Adresse: Fuldaer Zcltu ng

Samstag, 4. Dezember 1920»

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Ml. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 M. Anzeigenpreis: DieKleinzeile Coionelmav) 60 Pfg„ u. 10°j, Zuschlag, die Reklamezetle (Xepbreitei 1.80 Alk., u. 10°-» Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

Erster Parteitag der preußischen Zentrumspartei.

Generalsekretär Dr. Klöckner, Berlin.

Der Parteitag der preußischen Zentrumspartei, der für den 11., 12. und 13. Dezember nach Berlin zu- sammengerusen ist, ist die erste große Tagung der Zentrumspartei Preußens. Nachdem auf dem Reichs­tage im Januar des Jahres die deutsche Zentrums- partei sich eine straffe Organisation gegeben hat, wird die bevorstehende Tagung die gleiche Aufgabe zu lösen haben für die Zentrumspartei Preußens. Da die preußische Landesversammlung demnächst ausein- andergeht und durch den ersten Landtag des Frei­staates Preußen ersetzt werden wird, ist jetzt der Zeit­punkt gekommen, an dem ein Rückblick zu wersen ist über die gesetzgeberische Tätigkeit der verfasiungs- gebenden Volksvertretung und im besonderen auf die Mitarbeit der Zentrumsfraktion. Die Vorbereitung der bevor st ehenden Landtagswohlen wird ter Parteitag gleichfalls zu erledigen haben, umso mehr, als das politische Ringen dieses Mal sehr hart zu werten scheint. Das sind die drei großen Auf­gabengebiete, deren glückliche Lösung wir im Jnter- esie des Vaterlandes und ter Partei vom bevorstehen­den Parteitage erhoffen. Es trifft sich gut, daß mit der. Tagung das 50jährige Bestehen der preußischen Zentrumsfraktion zusam­menfällt. Das Programm trägt diesem Festcharakter Rechnung durch den.GedSchtnisgottesdienst und das gemeinsame Essen am Sonntag, 12. Dezember. Es wäre zu begrüßen, wenn die früheren Mitglieder der Zentrumsfraktion des Landtages die Feier durch ihre Teilnahme auszeichnen würden. Die Beratungen, die im großen Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses ge­pflogen werden, sind dem Publikum und der Brests zugänglich, soweit die Tribünen des Hauses das ge­statten. Dos gilt selbstverständlich nicht für die ge­schlossene Sitzung, die sich mit Organisationsfragen der Zentrumspartei befaßt. Der Zutritt zum Sitzungs­saals ist nur gegen Vorzeigung der den Parteitag-Mit­gliedern zugehenden Mitgliedskarten gestattet. Das Programm ter Tagung ist folgendes:

Samstag, 11. Beiern ter 1920, 7% Uhr pünktlich, im Fraktionszimmer des Zentrums, gemeinsame Besprechung des Varstantes der Zentrumsfraktion der preußischen Lan­desoersammlung mit den preußischen Mitgliedern des Reichsausschuffss der deutschen Zentrumspartei. a) @e- schäftseinteilung des Parteitages; b) Vorbereitung der Bildung des Vorstandes usw. der Taauna: c) Vorbe­sprechung der Einsetzung eines Ausschußes für Beratung der Varteisatzuma: d) Vorbesprechung der Einsetzung eines Ausschußes für Bildung des Parteioorstandes und Partei- ausschuffes. Sonntag, 12. Dez. 1920. 8% Uhr: Gedächt- nisgottesdienst in der Kapelle der Grauen Schwestern, Niederwallstt. 8/9. 10—1 Uhr: Dessen!liche Sitzung.

1. Ansprache des Vorsitzenden der Landtaassraktion, Geh. Justizrat Dr. Barsch; 2. Preußens Verfassung und Wahlgesetze. Referent Prof. Dr. Lauscher, M. d. R. u. d. L.; 3. Kirche und Schule, Referent Staatssekretär W! l d e r m a n n, M. d. P. L. 1—3 Mittagspause. 3—6 Uhr: Oeffentliche Sitzung. 4. Zentrum und Ge- meinschaftsgedanke. Referent Parteisekret. Granowski, M. d. L.: S. Juna Zentrum, Referent Kreisschulrat Kamp, M. d. L. 7 Uhr findet in den Räumen des Ab­geordnetenhauses ein zwangloses Zusammensein statt, in der Wandelhalle gemeinsames Eßen (Gedeck 25 M, Tages- anzuaj. Montag, 13. Dezember 1920. 9—1 Uhr: Ge­schloßene Sitzung: Drganisationsfragen der Zentrumspar­tei. 1—3 Uhr: Mittagspause. 3—6 Uhr: Oeffentliche Schlußsitzung. 6. Frauen imd Zentrum. Referent Frau toerfefrrerin Wronka. M. d. L.; Fortsetzung der post- tischen Aussprache. Schlußwort des Herrn Präsidenten.

Für vertraqsmäfliqe Abstimmung in OberschlsNen.

An der Note der Entente über die Abstimmung in Oberschlesien ist, fo schreibt man uns ans Berlin, wenigstens die eine Tatsache erfreulich, daß die Ver- bandsstaaten sich bewußt sind, es handelt sich um Dinge, die sie nicht auf Grund wistsürlicher In­terpretation einseitig diktieren können, sondern um Bestimmungen eines Vertrages, die aus­schließlich durch Uebereinstimmung aller Vertrags­teile geändert werden können. Das Vertragsbe- tvußtsein ist alw wenigstens in diesem Fall bei unseren früheren Germern zurückaekehrt.

In der Sacke selbst wird unsere Stellungnahme . durch den „Vorschlag" der Entente nickt geändert: es ist und bleibt ausgeschlossen, daß die nicht ortsansässigen Oberschlesier entgegen dem Wortlaut des Vertrages außerhalb Oberschlesiens abnimmen. M-t B-tr-edioNNg ist sestrnstello", daß in tiefer Fra<"> alle politischen Parteien in einer Front stehen, und daß mich die Rechtsunabhängigen gegen den Vorschlag der Entente de schwersten Bedenken haben. Das K a- binett wird sich so bald als möglich mit ter Entente- avte eingehend beschäftigen. Es kann kaum ein Zwei- fcl bestehen, daß d:e deutsche Regierung den Entenle- tenchlag unter Hinweis aut seine rechtliche Unhalt­barkeit und seine technische Dedenklichkest a b l e h n e n wird.

Der .Sl. Vater für Sie Kinder. ___

Der Papst hat eine Enzyklika erlassen, in oer seine Freude über den Erfolg der Sainrn- lungen für die notleidenden Kinder in Mitteleuropa ausdrückt. Da aber die S»mm-n nickt ausreichen, fordert der Papst bte Kinder in sicheren Gegenden auf, ans Anlaß des Weihnacht-» Gstes zu helfen, und weist dabei auf die Tat der Kinder des römischen Adels hin, die alle Gesckenke, bie sie erhalten werden, für die notleidenden Kinder on'eboten hätten. Der Papst bittet, auch die Bi- tchöfe, dieses ®erf zu fördern. Er ordnet an, daß

28. Dezember, dem Feste der Un'chuldigen Kinder, und noch an einem weiteren Tage in je>er *?°ie e eine Sammlung veranstaltet werde, und kündigt an, daß er selbst 100,000 Sire spenden werde.

Das Sirterelcnb .

Auf tem im Wohlfahrtsministrr'um zusommen- «ktretenen sechsten deutschen Kongreß für Säug­

ling s s ch u tz erklärte ter Vorsitzende, Geheimrat Summ, Präsident des Reichsgefundheitsamts, es gebe Völker, die für unser Kinterelend kein Gefühl hätten, die sogar unseren hungernden kränklichen Kin­dern unb unseren werdenden und stillenden Muttern die geringe M i l ch, die wir noch haben, unbarmherzig wieder entziehen wollen. Das seien gerade die Nationen, die von dem Völkerbund, ter Völkerverbrü­derung und ter alles umfassenden Menschenliebe sprächen.__

Revolutionäre unter sich.

Der russische Bolschewist Sinowjew, ter be­kanntlich auf dem Parteitag ter Unabhängigen in Halle eine bedeutende Rolle gespielt und wesentlich zur Spal­tung ter Partei teigetragen hat, hat über seine Reise nach Deutschland und seine Tätigkeit einen Bericht erstattet, in welchem er einige hervorragende Füh­rer des rechten Flügels ter Unabhängigen schildert, wie er sie kennen gelernt hat. Wir glauben, daß es auch für unsere Leser von Interesse ist, das Urteil Sinow­jews über die Führer einer Partei, die den Bestre­bungen seiner eigenen Partei sehr nahe stehen, kennen zu lernen.

Von Dr. H i l f e r d i n g heißt es u. a., man flute bei ihm: „stark ausgeprägte Züge eines betrüge­rischen Börsenmaklers, . . . der seine Anregungen zur Bekämpfung der proletarischen Revolution (wie sie Sinowjew auffaßt, denn die proletarische Revolution wollen auch die Rechtsunabhängigen. D. Red.) aus dem Vorzimmer eines englischen Diplomaten, aus tem Kabinett eines Bankdirektors und wenn nötig auch noch aus anrüchigeren Stellen hole." Richt weniger verächtlich lautet das Urteil Sinowjews über den un­abhängigen Führer D i t t m a n n, den er als den „neuen Henker der Arbeiterklasse", als „treuen Diener der Bourgeoisie" und „einen nicht minder rasenden, wütenden "Kettenhund der bürgerlichen Gesellschaft wie Noske selbst" bezeichnet. Dittmann ist nach Sinowjew der „typische Vertreter der schädlichsten konterrevo- lutionären Kaste", ein „Parvenü, ein kleinlicher und sehr unsauberer Philister", der „Mgott ter gesamten gegenrevolutionären Kanaille in Deutschland", Cris- p ie n wird als ein Mann geschildert, der sich mit Händen, Füßen imd Zähnen an die Macht klammert imd keine Niederträchtigkeit scheut, um sie zu behalten. Am schlechtesten kommt Ledebour, ter sich be­kanntlich rühmt, einer ter eifrigsten Förderer ter deut­schen Revolution zu sein, wog. Sinowjew schildert ihn wie folgt: „Dieser Mann ist ein Werkzeug in dm Händen ter dunkelsten, abscheulichsten, MMsirstlasten Elemente geworten, die unter tem Docke ter rechts­unabhängigen Partei Unterschlupf gefunden haben. . . Viele haben bisher Ledebour einfach für einen alten Hanswurst gehalten. Aber nach allem, was mir ge­schildert haben, ist es klar, daß er nicht nur ein Hans­wurst, sondern ein blutdürstiger Hanswurst ist." Ro­senfeld wird als ein Mann gezeichnet, „mit einem zoll großen politischen Horizont und einem sehr elasti­schen, fast gummiartigen Rücken."

Wir haben keine Veranlassung, uns in diesen Streit ter feindlichen Brüter einzumischen, glauben aber doch, die Bemerkung uns nicht versagen zu sollen, daß sie sich auf Grund der früheren engen Beziehungen, die jahrelang zwischen den genannten Persönlichkeiten und den rusiischen Persönlichkeiten bestanden haben, einigermaßen fernen gelernt haben. Die „Freiheit", das Organ der Rechtsunabhäncngen, ist bsgreifsicker- weise sehr entrüstet über den Herrn Sinowjew und bezeichnet ihn als einen schmierigen Verleumder. Und diese Leute mit einem solchen Charakter wollen das deutsche Volk beglücken!

DerReligionsirnteritchlinder Volksschule.

Die Reichsgericktsentscheidung über die Erteilung des Religionsunterrichts in den Volks­schulen liegt jetzt im Wortlaut vor und hat all­gemeines Jmercsie. Das Urteil gründet sich im wesentlichen auf folgende Erwägungen:

Die Volksschulen find nach der Vorschrift der Rcichs- dorfaßung Gemeinschaftsschulen und haben Religions- unterricht zu erteilen. Er kann nur fortfall en in den Volksschulen, die auf Grund der AuSnahmevor- schrift des Absatzes 2 des Artikels 146 als bekennt- nisf reie Schulen errichtet sind. Der Artikel 174, der überdies nur eine Uebergangsvorschrift ist, bezieht sich lediglich auf die ausnahmsweise und gegen die Regel bAiehenden Bekenntnisschulen und weltlichen Schulen. Nur was diese Schulen anbelangt, soll es bis zum Reftckssckulgcsetz bet der Rechtslage bleiben, die beim Inkrafttreten der Reichsvcrfaßung bestand. Für die allgemeine und regelmäßige Form der Volks- schulen dage en sind die allgemeinen Bestimmungen der Reichsversaisung bindend, insbesondere die Vorschrift, daß der Religionsunterricht ordentliches Lehrfach ist. Nachgewiesen wird sie durch die Ent­stehungsgeschichte des Artikels 171 und durch eine bei seiner Br iten Lesung vom Unterstaatsjekretcir gegebene und unwidersprochene Erläuterung.

Die wir stehen!

Der Lester der Außenhandelsslelle tes Auswärti­gen Amtes, DUnisterialdirektor Professor Wieden­feld, sprach dieser Tage in Berlin in ter D atschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft über die Lage tes heu­tigen deutschen Wirtschaftslebens. Aus den überaus ernsten Erörterungen seien nur folgende Sätze heraus- grhoben:

„Unsere Aktiva sind unser Gründ und Boden, unsere Arbeit^fröftc, untere Köpfe. Landwirtschaft und Bergbau müßen als Produktionsquellen so sehr als möglich aus­gedeutet werden. Alle Mühe würde vergeblich sein, wenn der Verbrauch dem Zwange, unter dem wir leben, sich nicht anpaßt. Jetzt muß es heißen: standesgemäß ist gekleidet, wer ein abgetragenes Kleid trägt. Kumtwolle muß die herrschende Mode werden. Die sozial führenden Schichten müssen das Beispiel geben und ihre Söhne zu den s ch w e r ft e n Arbeiten, be­sonders in den Bergwerken anhalten. Roch glauben Mtkttai«m, sich alles lechen zu können. Die Steuer­schraube muß und wird Wandel sch-aftrn."

Es märe gut. nrnn man diese eir?. -igsichsn W,-„. • durch die Tat beherzigen würbe

Preußische Landesversammlung.

Am Freitag setzte die preußische Landesversamm­lung die zweite Beratung über den Haus­halt des Innern fort, nachdem sie unter dem offen, sichtlichen Streben aller Abgeordneten, längere Debatten, die bei diesen Punkten der Tagesordnung sehr wahr­scheinlich waren, zu vermeiden, schnell die zweite B e- ratung der Gesetzentwürfe über die Wah­len- zum Landtag und zu den Provrnzial- landtagen und Kreistagen erledigt hatte. Zu dem Etat des Innern sprach bann der Abg. Leid von den Unabhängigen. Den Ton von dieser Seite kennt man ja. Cs hat aber doch immerhin überrascht, daß er allen Ministerien, mit Ausnahme dem des Innern und dem, das zurzeit Herr ckaenifch inne hat, die Existenz­berechtigung absprach. Ueberhaupt ist das Kennzeichen seiner Stimmung gegenüber der Regierung die Behaup­tung, ein Militarismus sei im Anwachsen und die Ne­gierung tue nichts, rein gar nichts, dem abzuhelfen, aber alles tue sie, um sich die Arbeitermassen zu entfremden und bei den Bürgerlichen gute Stimmung zu machen Man werde schon sehen, wie sich daraus ein Rechtsputsch entwickeln werde. Danach hat der Neukommunist Oels- net das Wort. Wenn man schon geneigt ist, die Unab­hängigen mit ihren Tiraden nicht red?1 ernst zu netz- men, so wirkte dieser Redner auf das ganze Haus wie ein Bajazzo. Wenn er mit schmetterndem Ton den gan­gen preußischen Staat und seine Regierung in Grund und Boden verdammt und mit weit ausholender Geste Moskau als das. Land der gesegneten und glücklichen Zustande preist, dabei von Zeit gu Zeit seine widerspen- fügen Locken zurückstreifend, so wirkt das nicht mehr komisch, sondern mehr wie die Geste eines Schauspielers, der sich an feinen eigenen Worten berauscht. Sachlich brachte er zum Thema nichts neues, was man auf dieser Seite des Hauses nicht schon gehört hätte. Nachdem er bann seine Redezeit runtergerebet hatte, konnte der Mi-' nister Seoering ihn mit Rocht als einen Beweis bafür hmstellen, baß' von biejer Seite keine Gefahr mehr gu befürchten fei. cs bleibe daher feine Aufgabe, eine glatte Lösung der Frage ter Selbstlchutzorganisationen herbei- zuführen.

Deutsches Reich.

* Berlin. 4. Dez. Der deutsche Botschafter in Rom, v. Berenterg-Goßler, ist in Berlin eingetroffen und wird mehrere Tage zu Besprechungen mit tem Minister des Aeußern hier verweilen. Auch der Bot­schafter in Paris, Dr. Mayer, hat entgegen den ur­sprünglichen Absichtet. Berlin noch nicht verlaßen. — Reichspräsident und Reichskanzler erlassen einen war­men Aufruf für die Grenzspende zur Er­haltung Oberschlesiens.

* Die Beanrtenbesokdnügsfrage. Im Reichstag fand eine Besprechung von Sachverständigen und Führern der Regierungsparteien mit Vertretern des Deutschen Beamtenbundes statt. Die Vertreter des Beamtenbundes legten bar, daß die beabsichtigte Be­messung der Kinderznlagen, so ernst die Finanzlage des Reiches auch sei, der dringenden Rot der Be­amten nicht Rechnung trage. Neben der E r h ö h n n g der Kinderzusch läge, die auch auf die Ortsklassen D und E ausgedehnt werten müßten, sei eine E r- Höhung des Teuerungszuschlages unab­weisbar. Eine kleine Kommiflion aus Abgeordneten ter Regierungsparteien soll nun versuchen, die Vor­schläge der Regierung zu verbessern. — In Hei - beiberg unb an cheinend auch in Karlsruhe sind die Postbeamten in die passive Resistenz getreten. Es werden noch schärfere Maßnahmen angekündigt, falls die Reichsregierung folgende drei Forderungen nicht sofort bewilligt: 1. Gerechte Ein­stufung in den Be oldungstarif; 2. Anpassung bet Teuerungszulagen an die tatsächlichen Verhältnisse; 3. Auszahlung dmer einmaligen Entschuldungssumme von 5000 Mark an jeden Beamten.

* Ein neuer kleiner Kreuzer. Vei der Berattmg über den Bau eines neuen kleinen Kreuzers im Haupt­ausschuß tes Reichstages wiesen ter Reichswehrmi­nister und die bürgerlichen Parteien im Gegensatz zu den sozialistischen Parteien darauf hin, daß, wenn man überhaupt eine Marine haben wolle, dock zum min- testen der Rahmen erreicht werden müsse, den uns der Friedensvertrag noch belassen habe. Hierauf bewil­ligte der Hauptausschuß als erste Rate für den Bau eines kleinen Kreuzers 25 Millionen Mark.

0 vrr Parteitag der Deutschen Volkspartei hat am Freitag in Nürnberg begonnen. Am Tage vorher trat der Zentralvorstmd zu einer Sitzung zusammen. Abg. Dr. ©tre|cmann gab einen Ueberblick über die schwebenden politischen Fragen. Er benutzte die Gelegenheit, um jede Absicht seiner Partei, sich, wie gerüchtwÄse verlautet, mit den Deutschnationalen oder den Demokraten zu verschmelzen, zu dementieren. In Aussprache gab bei christliche Gewerkschaftsführer, Abg. Thiel, Aufklärung über die bekannte Diebe des Mi­nisters Stegcrwaid auf tem Gewerkschaftskongreß in Eßen. Es handle sich hier nicht um eine neue Portei- bilduna, sondern um die Absicht einer stärkeren parla- mentariiäienEinflußnahme ter christlich-nationalen Ar­beiterschaft. In den chr stlichen Gewerkschaftskreisen gehe man davon aus, daß feine ter bürgerlichen Par­teien als betontere Vertreterin dieser Gewerkschafts- schichten gelten könne. Der Gedmke, eine eigene christ­lich-nationale Arbeiterpartei zu bilden, sei ater ab» gelehnt worden Es handle sich vielmehr um eine in- tersrakttr nelle Arbeitsgemeeinschast ter christlichen Ge- werksck.aftsvertrelcr aller bügerlichen Parteien.

* Für den Mittellandkanal sind nach dem Friedens­preis 436 Millionen Mark, nach dem heutigen Geld­stand also mindestens 4 Millarden Mark angefortert. Der „Vorwärts" schreibt, das fei gewiß eine hohe Summe, aber das Geld fei gut angelegt. Mit ihm solle ein Werk gesckasfen werden, das uns volk- wirtschaftlich vorwärts bringe. Es werte den Osten und Westen bester miteinander verbinden, tem Aus­tausch ihrer Produkte di« Weg« ebnen, den Verkehr gewaltig steigern helfen und viell/cht mehr , als wir jetzt ahnen, unsere Auswärtsbewegung fördern.

* Thüringer Landtag. In ter letzen Sitzung des Landtages für Thürmgcv wurde die Reaierungsvor- ■cite betreffend du Einrichtung einer kasernierten und

bewaffneten Staatspolizei für Thüringen nut 26 Stimmen ter Sozialisten und Demokraten gegen 23 Stimmen der Vereinigten Rechten angenommen. Der Widerstand ter Rechten richtete sich weniger gegen die Einrichtung der Palizeitruppen an sich, als gegen deren politischen Charakter und vor allem gegen den als Leiter derselben aus Mecklenburg gerufenen Gen- darmeri-etefehlshaber Müller-Brandenburg. Die Truppe wird zunächst auf 1200 Mann gebracht und in des größeren Städten Thüringens verteilt werden.

Ausland.

’ Die (Entente unb Griechenland. England, Frank- • reich und Italien haben von London aus eine Note nach Athen gerichtet, worin sie erklären, daß die Zu­rückberufung des König Konstantin, eines Monarchen, deffen treuloses Verhalten und Betragen gegen den Verband während des Krieges diesem Schwierigkeiten und große Verluste gebracht hat, nur als die Zustimmung Griechenlands zu der feindlichen Haltung König Konstantins angesehen werten könnte. Hierdurch würde eine ungünstige neue Lage in den Beziehungen zwischen Griechenland und tem Verbände geschaffen. Die drei Regierungen erklären deshalb, daß sie sich für diesen Fall vollkommene freie S)anb Vorbehalten müssen, um dieser Lage gerecht zu werten.

* Der Enbkarnpf gegen b'Anmmzio. D'Anmmzio lehnte das Ersuchen tes Generals Caviglia auf Räu­mung ter Inseln Degsia und Sirtes ab. Als Antwort hat General Caviglia die Blockade über die Küste von Fiume und di« Inseln Veglia und Arbes und die zugehörigen Seestriche verhängt.

* Dl« Furcht vor Sinnfein treibt bereits in bei Phantasie ter Londoner seltsame Blüten. So meldet Reuter, die englische Regierung erwarte in den näch­sten Tagen irische Gewalttaten m London, da es den Sinnseiner-Artilleristen gelungen sei, in eigenen Boo­ten nach England überzusetzen. Die Regierung sei über eine Anzahl neuentteckler Verschwörungen unter- irchtet, es wird behauptet, daß zahlreiche Personen vor den Sinttfeiuern für Mordtaten und Brmdstiftungel bezahlt werten. In London, Liverpool und ande­ren englischen Städten fanten Haussuchungen statt. 3r Liverpool ist der Belagerungszustand verhängt wor­den. Das irische Städtchen M a c r o o m, in dem eint Anzahl Hilfspolizisten in einen Hinterhalt fiel und getötet wurde, ist völlig zerstört worden. Die Kommission ter englischen Arbeiterpartei unter Füh­rung von Henderson ist in Irland angekommen.

* Der Friede zwischen Vuß'anb und Finnland soll anfangs nächster Woche förmlich geschlossen werten.

Kns dem Rachdaraevk:.

!-! Nommerz (Kr. Fulda). Nack längerem Be- mühen ist ein Wunsch ter ganzen Gemeinde in Er-' füllung gegangen, seit dem 4. Dezember ist Rom- merz eine eigene selbständige Pfarrei. In der nächsten Zeit wird die neue Pfarrstelle zur Be­werbung ausgeschrieben werden. Sicherlich wird der schöne Ort am Fuße des Vogelsberges mit seiner guten und biederen Bevölkerung reckt viele Be­werber für die Psarrstelle finden. Mit dem 1. Januar kommenden Jahres wird unser Ort auch einen eigenen Standesamtsbezirk bilden. Nommerz wird also kirchlich und standesamtlich von Neuhof getrennt.

r Nieterhone. Großfeuer äscherte in dem be­nachbarten Dorfe Abterode drei mit Erntcvorrälen gefüllte Scheunen vollständig ein. Mitverbrannt sind landwirtschaftliche Maschinen und Ktemvieh, sodaß ein großer Schaden entstanden ist, der nur zum geringsten Teil durch Versicherung gedeckt ist. Die Löscharbeiten wurden durch den herrschenden Wasser­mangel febr enckwert.

(mc) Frankfurt a. M. Gegen die vom Magistrat beabsichtigte Zusammenfasiung ter städtischen Be­triebe in eine G. m. b. H. macht sich innerhalb ter Beamtenschaft unb ter Angestellten sowie auch von Seilen ter sozialistischen Parteien schärfster Widerstand geltenb. — Die Krankenanstalten haben den täglichen Pflegesatz von 25 <M. auf 36 M erhöht, ohne den Krankenkassen, die meist Verträge abgeschlossen haben, davon Mitteilung zu machen. Nun weigern sich die Kassen natürlich, die erhöhten Kosten zu tra­gen, wahrend die Krankenhäuser die Kassenpatienten an die Luft setzm wollen. Es ist jedenfalls interessant, wie ter Streit gelöst werden wird. — Wegen der Koh- lennot und um gleichzeitig eine Zusammenlegung der Schuten wegen ter damit verbundenen Unzuträglich- keiten zu vermeiden, hat ter Magistrat eine Verlän­gerung der 23 e* hnachtsferien von zwei auf vier Wecken angcordnet.

mc. Hockst a. M. In der Stadtverord­netenversammlung wurden der Offenbacher Jnnenamtsdirekwr Brierdorff (Soz.) und Stadirat Asch-Höchst (U. S. P.) zu besoldeten Beigev'. dneten gewählt. Die Bürgerlichen verließen vor der Wahl geschlossen den Saal, als Protest gegen den Terror.

hk. Kassel. Die Unsicherheit in Kassel und seiner Umgebung nimmt in der letzien Zeit ständig zu. Die augenblicklich tagende Schwurge- ncktsperiode hatte sich mit nickt weniger als neun Fällen von schwerem Raub zu befassen. In der ver­gangenen Nacht wurden nun wiederum zwei Damen, die von der Bahn kamen und ihre muten in ter Stadt in der Nähe des Rathauses gelegene Wohnung aufsuchen wollten, von einem Manne im Scheine einer Laterne angefallen. Der Räuber riß der einen Dame die Handtasche fori, in der sich zwei'autend Mark befanden, und verletzte sie batet 1 durch einen Schuß in den Arm. Auch auf die an­dere Dame gab der Verbrecker einen Schuß ab unb; per schwand bann mit seiner Beute