Einzelbild herunterladen
 

M 2SL

Samstag, 4. Dezember 1920.

Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Artieudruckerei i« Fulda

Drittes Blatt.

Die Fulvaer Gcmeindesinanzen.

Don Sladtrat Dr. Kramer.

Sie Finanzwirtfchafl der Stadl Fulda soll bekannt­lich durch eine Reihe von Maßnahmen steuerlickjer und sonstiger Art, die in der letzten Sladtoeroordneten- sitzunz kurz erörtert wurden, wieder auf eine solide Grundlage gestell! werden. In dem dieejährieen Haus» Haltungsplan blieb bekanntlich ein B e l r a g v o n e i n- undeinerhalben Million Mark ungedeckt Das |oll künftig, jn weit als möglich, verhütet werden. Für die wachfercden Ausgaben müssen wachsende Einnahmen von dau rnder Wirkung geschaffen werden. Von dieiem Grundsatz sind jetzt alle pflicht- bewußien «Ltadloerwaltungen durchdrungen. Deshalb hat das großzügige F.nanzprogramm des Magistrats auch grundsätzlich keinen Widerspruch bei den Stadt­verordneten gefunden, lieber die einzelnen Steuer­vorlagen gehen die Meinungen allerdings auseinander, auch in weiteren fireqen der Bürgerschaft. Für eine sachliche Erörterung ist eine nähere Kenntn's der Vor­lagen unentbehrlich, die hier mit kurzen kritischen An­merkungen gegeben werden soll Da es sich darum handelt, mehr als 1 Million Mark jährlich aufzubringen, stellen die Finanzn'aßnahmen natürlich eine große Last für die Büroerschast dar, d e aber von den besonnenen Leuten getragen werden wird, wenn es klar ist. daß alle, ohne Ausnahme. Opfer bringen und daß die Forderungen nach der Leistungsfähigkeit abgestuft sind.

Die Gebühren.

Von Gebühren fpriebt man im finanztechnischen Sinn, wenn von denjenigen Beträge gefordert werden, die dafür eine Leistung fetten- des Fordernden in An­spruch nehmen. Bisher wurde in Fulda der f) a u s. müll durch die Stadt abgefahren, ohne daß dafür eine Vergütung verlangt wurde. Tie Stadt hatte durch hie Abfuhr Unkosten in Höh- von 140 000 Mark jährlich. Diele Unkosten sollen künftig in Form einer Müllab­fuhrgebühr wieder eingezogen werden. Die Gebühr soll der Kanalbenutzungsgebühr angegliedert werden. Jeder Inhaber einer Wohnung oder sonstigen Räum- licbkeit. aus denen Hauskehricht (Müll) durch die stad- tische Müllabfuhr abgefahren wird, ist verpflichtet die Gebühr zu entrichten. Die Höbe der Gebühr richtet sich nach dem Miets- oder Nutzungswert der fraglichen Räume. Sie beginnt bei einem Mielswert bis zu 150 Mark mit 2 Prozent, steigt dann um einen halben Pro­zent bis zu 7 Prozent bei einem Mietswert von 1800 Mark und mehr. Gegen di- Müllabfuhrgebühr sind Ein­wendungen kaum zu erheben

Als Gebühr ist auch das Schulgeld anzusprechen. D-r vorläufigen Erhöhung des Schulgeldes für die städ- tische O b e l r e a l s ch u l e hat die Stadtverordneten­versammlung ja bereits zugestimmt. Aus der Erhöhung wird ein jährliches Einnahme-Mehr von 90 000 Mark erwartet. Aber auch das Schulgeld an der gewerb­lichen und der kaufmännischen Fortbil­dungsschule soll erhöht werden. Zurzeit werden an der gewerblichen Forth ldungsschule nur 10 Mk. für das Jahr, an der kaufmännischen Fortbildungsschule 30 Mark erhoben. Die Erhöhung der Sätze auf 25 und 60 Mark würde nur der Geldentwertung gerecht werden, der Stadtkasse aber ein Mehr von 10 500 Mk und von 3300 Mk. bringen, woraus ein Teil der notwendigen Erhöhung der Vergütung für die Unterrichtsstunden ge­deckt werden kann.

Schließlich sieht das Finanzprogramm eine Erhöhung der Gebühr für Leitungswalser. eine Verdoppe­lung des Wassergeldes (von 25 auf 50 Pig. pro Kbmrr.) vor. Da bereits jetzt durch Wassergeld mehr ouigevracht wird al? das Fuldaer Wasserwerk verlangt, kann ein erhöhtes Wolsergeld nicht wehr als Gebühr bezeichnet werden. Es wird zur indirekten Steuer. Die Stadtkasje. die bisher schon vom Was­serwerk 60 000 Mk. empfängt, würde bei Erhöhung des Wasseraeldes weitere 165 000 M. sich zugute schreiben kön­nen Gegen das erhöhte Wassergeld läßt sich alles an- führen, was gegen indirekte Steuern spricht. Sie treffen die Bevölkerung ohne jede Rücksicht auf die Leistungs­fähigkeit. ohne Unterschied der Familienoerhältnisse, die kinderreichen Familien mehr als die kinderlosen, die un­bemittelten verhältnismäßig härter als die wohlhabenden. Mit dreier Steuer kann man sich deshalb nur dann ab- finden, wenn gleichz-ilig Steuern geschaffen werden, die die Wohlhabenden st ä r k e r belasten Dann muß auch eine indirekte Steuer als Ausgleichsteuer hingenommen werden, wie es bei der reichsgesetzlichen Umsatzsteuer ja auch der Fall gewesen ist.

Erhöhung bisheriger Steuern.

Dor der Erzbergerschen F-nanzreform wurden die Gemeindefinanzen durch Erhöhung der kommunalen Zu­schläge zu den staatlich veranlagten E i n k o m m e n. und R c a l st - u e rn in verhältnismäßig einfacher Weise

Hans Hippedipp, ver Brezelb nb, und andere Märchen

von Fr. Donatus P f a n n m ü 11 e r.

Es war im Dezember des Jahres 1604, da wurde die gute Stadt Fulda auf einmal in großen Schrecken versetzt. Uird das kam so: Der kleine, achtjährige Sohn Hans des Bäckermeisters Hippedipp in der Ohm­straße war aus unerklärliche Weise verschwunden. Am Tage vor der Sankt Nikolausmgil war er noch gesehen worden und dann war er weg. Eigentlich trauerte ja Niemand um ihn, höchstens seine Eltern, denn er war ri'i richtiger Schlingel, ein Ausbund von bubenhafter Nichtsnutzigkeit.

Aber trotzdem: die Leute wollten doch gerne wissen, wo er eigentlich hingekommen war. Die Nachbarn, unter Anführung des Stadtpolize oberwachlmeisters Knimmbüttel, suchten die Fulda, die Waides und alle Wassergräben und Kanäle nach Hansens Leiche mit Haken und Stangen ab, konnten aber nichts finden Cie erregten nur, daß die Frösche, die sich längst zum Wmterschlase zurückgezogen hallen, in ihrem feuchten Sumpfbettlein gestört wurden und meistens wegen Zug­luft an Influenza erkrankten.

Dell die Leiche ncht gesunden werden konnte, Oschle Stadtpolizeioberwachtmeister Krummbüttel an Zigeuner, die den nichtsnutz'gen Hans mitgenommen hätten Zu Zigeunern hätte er auch ganz gut gepaßt, ^der in der Stadt waren um diese Zeit keine Zigeuner Sewesm und in der Umgegend keine oesehen worden.

Nun war die Sache rätselhaft. Die Mutter des Han? weinte sich die Augen aus, der Vater brummte, in der Nachbarschaft gingen allerlei dunkle Ge- kuch^e von Mund ,>i Mund. Die alte Bärbel, die zwei Hauser weiter wohnte, und der Hans vor ein paar 6K,Q£tn nött) e’n Fenster eingeworsen, hatte, wollte in "er Nacht ein merkwürdiges Winseln gehört und eine Ungrhevr" Eule gesehen haben, die einen Jungen in ’brer Krallen trug. Und die Kötzekoft. — eigentlich ’ '6 sie Kathrine und hatte einen Buckel, — wollte Jurnen, daß Sankt Niklasens Knecht Ruvrecht den wil- **n H"ns geholt und verspeist habe. Allein die Sache "ur ganz anders, und m;e sie war, das will ich jetzt Holsten. —

£. ^vr dem Niklasentag wurde bei allen Bäckern der .«last für dir braven Kinder „Niklafen" gebacken. So

in Ordnung gehalten. Jetzt stießt bekanntlich die Ein­kommensteuer in vollem Umfang dem Reiche zu und die Gemeinden erhalten aus dem Ertrag einen festumzrenz- ten Anteil zurück. Vorläufig ist ihnen nur die Möglich­keit gelassen, durch die sog. „M inde st einkomme n- steuer" die Farm der steuertechnl'ch bekanntlich am einwandfreiesten wirkenden Besteuerung nach dem Ein­kommen zur Anwendung zu bringen. Dar Reichsein­kommensteuergesetz dopi 20. März 1920 läßt gemäß § 20 ein Existenzminimum von der Steuer frei und zwar beträgt der Grundbetrag desfelden 1500 Mk. Dieser Grundbetrag erhöht sich aber um 500 Mk. für jede zur Haushaltung des Steuerbuch.izen gehörige Perlon, deren Einkommen dem Einkommen des Steuervstchti- gen hinzugerechnet wirb. Für 1920 dürfen nun die Ge­meinden eine Steuer van der Hälfte der vom Reiche freigelasienen Einkommensteile erheben. Dabei können kleine Gesamteinkommen von der Besteuerung frei­bleiben, anderseits können bei Personen, die nie­manden zu unterhalten haben, bei denen also der relchssteuersreie Einkommcnstei! lediglich 150u Mark beträgt, mit dieser ganzen Summe statt mst der Hälfte van den Gemeinden herangezogen werden. (J 'ng- gesellensteuerli Auch Fulda will, wie bereits zahl­reiche anders Städte, van dieser Mindesteinkommensteuer Gebrauch machen. Dabei war man sich van vorherein klar, daß der Begriff „kleine Gesamteinkommen", dle steuerfrei bleiben sollen, dem Stand der heutigen Geld­entwertung entlprechen muffe. Soeben verlautet ja auch, daß eine Novelle zum Rstchseinkommensteue'-ge'etz das sog. „Mindesteinkommen" heraufsetzen wolle. Jeden­falls sicht die Vorlage des Magistrats vor, daß diejeni­gen Steuerzahler, die nicht zu den Junggesellen usw. gr} irrn, bis zu einem Gesamteinkommen von nicht mehr als 15 000 Mk. von der Steuer befreit bleiben fallen. Kassel, wo bekanntlich ein Sozialdemo­krat Oberbürgermeister ist und eine sozialdemofraii'chr Mehrheit regiert labt die Steuerpflicht für verheiratete Bürger schon bei 10 003 Mk. eintreten. Dagegen wurde in Kassel die Steuerpflicht für Alleinstehende erst bei 7500 Mk. festgesetzt, während sie in Fulda bei 6000 Mk. Gesamteinkommen beginnen soll. Die für Fulda geplanten Steuersätze sch -eßen sich den im § 30 des Landessteuergesetzes vorgesehenen Höchstsätzen an.

Bon den Realsteuern (Grund-. Gebäude- und Gewerbesteuern) wurden bisher in Fulda 300 Prozent Zusch'ag zu den staatlich veranlagten Sätzen erhoben. Es war vorgesch'aaen worden den Satz allgemein auf 5 0 0 Prozen» z„ erhöhen. Sto. Prof. Dr. Th.elemann hat ober schon in der letzten Sitzung der Stadtverorh- netenoersatomi'ma mit Recht darauf hingewielcn. daß für die Gewerbesteuer im Interesse der Handwer­ker und kleinen Geschältsleute eine Staffelung am Platze sei. Vielleicht schließt man sich in Fulda dem Berfakren an. das in Kassel dl-l-r Tage zur Anwen­dung gekommen ist. Dort wurden die Zuschläge auf die Gewertelt-me! folgendermaßen 'estgeleg>: eine Er­höhung der Gewerbesteuer in der Steuerklasse I von 300 auf 500 Proz., II von SCO ans 400 Proz., HI von 200 auf 250 Proz., IV auf 200 Prozent.

Im Zusammenhang mir der geplanten Tiersteuer soll auch die Hunde st eure wieder erhöht werden. In Kassel sind die Steuersätze folgende: für den ersten Hund 100 Mk.. für den zweiten und jeden weiteren Hund 150 Mark.

Jteue Steuern.

a) Verkehrs st euer n.

Für Fulda soll eine kommunale Wertzuwachs­steuer eingeführt werden, die sich den früheren Anteil des Reiches an der Wertzuwachssteuer in Höhe von 50 vom Hundert, auf die das Reich 1913 verzichtet hat, zu Nutzen macht. Der bisherige Anteil der Stadt an der Wertzuwachssteuer wird dadurch nicht gefchmälert. Be­kanntlich fall die Wertzuwachssteuer neben ihrem steuer­lichen Ertrag auch der ungesunden Bodenspekulation entgegenwirken. Aus der neuen Steuer werden 15 000 Mcirk pro Jahr erwartet.

Als Derkehrssteuer ist auch die geplante Fremden- steuer anzusehen. Da die Fremden, die hier in Gast­häusern und Pensionaten übernachten, auch di? Vorteile und Annehmlichkeiten der Stadt genießen, erscheint eine solche Steuer, die von den Wirten erhoben aber auf den Logiergast abnervälzt wird, nicht unbillig. Die Steuer macht 15 Prozent der für die Benutzung der Räume zu zahlenden Vergütung, wenn dies? mindestens 3 Mark beträgt. Es ist Vorsorge getroffen, dasi der Zimmerprcts nicht zum Teil auf den Preis des Früh­stücks verrechnet wird, um fo die Steuer zu entziehen. Fulda kann sich die Fremdensteuer wohl leisten, ha es • ein Ort ist, besten Berührung für eine große Menge ' Fremder unumgänglich ist.

b) Luxus steuern.

Luxussteuern sind zurzeit volkstümlich. Es gibt eine ganze Reihe Leute, die neue Luxussteuern sich privatim ausgebocht haben und in Vorschlag bringen. Nicht nur zünftige Finanzpolitiker wibmen sich zurzeit in Fulda dieser Aufgabe. Sie denken alle an die Kriegrge - ro i n n [ e r, diese unangenehmen Zeitgenossen, die die Luxussteuer treffen soll Und in der Tat wünsch! jeder Vernünftige, baß die Leute, die mit ihrem neuen Reich­tum prunken und protzen, möglichst scharf bei der Steuer« auch beim Bäcker Hippedipp. Hansens Bater hatte einen alten Gesellen, Cer hieß „Turkenjakob". Er halte in feiner Lugend mit und gegen die Türken gekämpft und war ein wilder, wüster Kerl. Sein Gesicht war voller Schwertnarben und seine Nase zur Hälfte ab­gehackt. De andere Hälfte lag irgendwo drunten bei Belgrad oder Wien. Und Hans, der alle Leute plagte und neckte, spottete auch oft den alten Türkenjakob we­gen seiner Nase aus. Der sagte nichts, aber feine Augen funkelten zornig.

Am Abend vor dem Sankt Nikolausabend trieb sich der klein« Hans w'eder, wie fo oft, in der Backstube herum und machte allerlei Unfug. Der Meister Hippe­dipp lag schon im Bette und Hansens Mutter war zu einer Nachbarin gegangen. Nur der Türkenjakob und Hans waren daheim. Lm Backofen brannte ein gro­ßes Feuer. Rings auf den Breitem lagen allerlei in Teig geformte Männlem, große und kleine, und im Backtrog war noch eine Menge Teig zu weiteren Niklafm.

Hans fuhr mit der Zunge m eine Schüssel mit fein- aesioßer.ern Zucker, daß die Zunge auslah, als hätte er Schnee geleckt. Der Turkenjakob fchrie zornig: „Mach daß du raurfommft, du Lausbub, oder ich verhau dich!"

Hans aber stellte sich bre beinig hin, schluckte den süßen Zuckerschnee hinunter und sagte frech: „Ach du HalbnLsioer darfst mich gar nicht hauen, sonst sag ichs meiner Mutter!"

Da packte den Turkenjakob eine wilde Wut. Er griff nach einem Holzscheit, um den frechen Hans damit durchzuprügeln. Dieser wollte davonlaufen, doch es glückte ihm nicht. Er riß eins der Dackbretter herun­ter, gerade das, worauf die größten Niklafen in ihrer sanften Teigigkeit lagen. Das Brett polterte herunter und riß dabei Hans um, die Niklafen aber looen tu unförmlidKii Teigklumpen geballt aus dem Pflaster der Backstube.

Der Türkenjakob brüllte vpr Wut. Er zerrte den Hane unter dem Vackbrett hervor und wollte ihn kur­zerhand in denBackofen stecken. Hans hmtte vor Er­barmen, denn er fürchtete sich vor dem Feuer. Der Turkenjakob aber nahm eine tüchtige Hand voll Tcgi und klatschte ihn Hans in den Mund, daß er nicht mehr ftfireien konnte. Und während er Hans fest an den Ohren H elt, dachte er einen Aguenblick nach, wie er sich am besten an dem Schlingel rächen könne. In den Backofen stecken, das ging doch nicht gut, denn der Ojeq

macherel herangeholt werben. Leiber haben alle soge­nannten Luxussteuern ihren Haken. liebertriebene Luxussteuern vernichten jede Hebung der Volkskultur, ferner töc-cn Luxussteuern dos Wnsichaftsleben schwer schädigen, indem sic Luxusindustrien zum Erliegen ban­nen und dadurch große Arbeiterkategorien aufs schwerste fchädigen. Die R-ichsluxusst-u«' hm z. B. in der feine- ren Lederindustrie große Arbeitslosigkeit zur Folge ge­habt. Deshalb ist es mit einer sag. Wohnungs. ausftattupgefteuer, die angeregt worden ist, eine zweischneidig« Sache, fo gern man auch sehen würde, wenn Kriegsgewinnler, die wertvolle Gemälde und dergleichen Dinge gekauft haben, auch für die Stabt» kaffe hcrangezogen werden könnten. 3cbc Luxussteuer muß auf ihre befandet: Folgen achkfa.n untersucht wer­den.

Die Steuer auf Tanzvergnügen als Teil der bisherigen Lustbarkeitssteuer wirb wohl an sich all­gemeine Billigung finden. Die Jugend tcmzt heute be- sonders gern. Sie wird sich auch durch Steuern nicht davon abbringen lasten. Ferner wurden bisher in Fulda Theateraufführungen, Kennte usw. viel höher besteuert cis Tanzb-lust'gungen. Künftig fall bei Tanzbelustigun. gen eine Pauschcilgebüht von 1,50 Mk. für jedm Quad­ratmeter benutzten Raumes erhoben werden. Wird das Fest von Masken betucht, fo erhöht sich die 6 euer in jedem Fall um 50 vom Hundert des Gruudbetrages. Ob dis Sätze in diel er Höhe Gesetz werden, dürste noch fraglich fein. Dir Tendenz, aus den Tanzbelustigungen einen erheblichen Betrag herausz"hvlen, ist zu begrüßen.

Wie Terpsichore so soll auch Melpomcne hie Steuer- käste füllen: durch die Steuer anf Musikin­st r u rn e n t e. Der Besitzer eines Klaviers, Flitoels, Harmoniums, eines Grammophons, im Werte von mehr als 300 Mk., soll jährlich 50 Mk. Steuer bezahlen. 'Be­freit vcn der Steuer sollen nur Kaufleute sein, btt Musikinstruments zum Verkauf auf Lager hoben, Per­sonen, lie das Musikinstrument zum Haupte-werb benöttgen und Schulen, in horten Musik nstrumevte zu erziehlichen oder volksbildnetischen Zwecken nebaTtcn werden. Es Ist auch angeregt werden. Streichinstru­mente zu bcsteuern. Die Steuer als acmze begegnet aber starker Kritik. Musik ist eine edle Kunst, die viel­fach das Familienleben adelt. Macht man aber Aus­nahmen von der Stsuerpflicht, bann bringt die Steuer nur Verdruß. Erhebungskcstsn. aber keinen Ertrao. Sto. Frank bat schon angerent Instrumente, die der Ausbil­dung bienen, frei zu lassen. Dann bleibt kaum noch eine Steuerpfllchl übrig und es ist bester, man läßt die Steuer tollen, wie cs auch in Frankfurt a. M. ge­schehen ist.

Dis D i e n st b o t e n st c u e r, jetzt Hausaufwands- ftci er genannt, Hai eine Rcihs sehr unangenehmer sozial. Neba-witkungcn. Gleichwohl ist sie in Frankfurt a. M. und jetzt auch in Mainz zur Einführung gekommen. Der Sckwcrmmkt für di- Kri'ik tieot darin, ob schon der erste Dienstbote in einem Haushalt die Steuerpflicht begründen soll. Daß Familien, die zwei und mehr Dienstboten halten, auch die Steuer zahlen können, ist nicht stoittig. Solche Familien mit mehr als einem Dienstboten gibt cs ober nur etwa 100 in Fulda. Daqeosn hoben 650 Familien einen Dienstboten. Der Mao-ftrat will bei dem ersten Dienstboten jährlich 50 Mark, beim zweiten 150 Mark usw. erbeben. Lediglich zur Pflege kranker oder gebrechlicher Personen ange­nommene Hausangestellte fallen nicht unter die Steuer. Wer hie Steuer schon für den ersten Dienstboten fortrrt, muß sich bewußt feto, daß er große Hörten schasst. Denn es gibt keine Familie, in dar die Hausmutter, die in kurzer Zeit hintereinander mehreren Kindern das Leben schenkt, ohne hauswirtschattlichs Hists ausf'ommt, bis etwa eine h-rangewachsene Tochter selbst hist. Ist es nicht eine Härte, ja ein Unrecht, diese Familien, die für den Staat gerade hie wertvollsten sind, mit einer Sonb'Tfteuer zu bestrafen? Auch die Geschäfts­frau braucht Dienstboten. Aus Luxus hält sich keine ifj- er Pflichten bewußt: »nd selbsttätige Hausfrau im Zeitalter des Achtstundentages der Hausangestellten und der hohen Auslagen für Lohn und Kost derselben ein Dienstmädchen. Wie klein wird schließlich der Kreis derer, die sich auf Grund ihres Wohlstandes Dienstboten zur persönlichen Bequemlichkeit holten können? Nur für solche Fälle aber bedeutet die Dienstbotensteuer keine Härte. Cs bedürfte daher einer sehr verfeinerten Per- anlagungsmethode, um alle untoztol wirkende Besteue- runn zu vermeiden. Da sind Kinderzahl, Gefundheits- Verhältnisse der Familie usw. neben den Etokowmens- unb B sitznerhältnissen zu berücksichtigen. Man möge sich auch "nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die Einfüh­rung her Steuer eine Umstellung auf dem Arbeitsmarkt herbe'führen würde: Abschaffung vieler Dienstboten, Vermehrung des Schtofstellcnunwesens und Herabmto» derung der housrvirtschastlichen Ausbildung der meib- lich-n Jugend im alloemeinem

Die vorgesehene Wohnungsluxus st euer soll gleichzeitig dazu bcitranen, Inhaber großer Wohnungen zur Einschränkung im Jnlerssie der Behebung der Woh- nungsnot onzueifern. Ob die Steuer, die der geplanten staostich-n Mietssteuer ins Gebsgs kommt, von der Auf- sichtsbchörde genehmigt wird, ist fraglich. Die Steuer» pflicht für d-e Wohnung toll eintreten, sobald die Zihl der Wvhnräume einer Wohnung um mehr als einen

war zum Backen gerade heiß genug und bas Feuer muht: heraus. Der Taugenichts würde auch nicht schnell genug verbrennen. — Und ein ganz fürchter­licher Gedanke fiel ihm e4n.

Er mors den zappelnden Hans hi den Backtrog und wickelte ihn tüchtig in Teig ein. Dabei murmelte er allerlei türkijche Worte, die er von einer alten türki­schen Hexe gelernt hatte. Die hatte er einst vom Tode des Encinkens gerettet; dafür, lehrt« sie ihn ihr« Sprüche.

Hans war starr vor Scheck und meinte jeden Au- genbl ck im Teige ersticken zu müssen. All seine Schlech­tigkeiten fielen ihm ein. Nun kam er sicher gleich in die Hölle. Alle etngeroorfenen Fensterscheiben klirr­ten m seinen Ohren, alle Schimpf- und Spottnamen, die et der Kötzekott, der alten Bärbel, dem Türken­jakob und vielen anderen zugerufen hatte, brummten wie Donnerrollen durch seinen Kopf. Alle geschwänz­ten Schulstunden, alle Tränen ferner Mutier, alle Lü­gen, di: er gemacht, fraßen an seinem Herzen. — „Nun bin ich gleich tot", dachte er; „nun gehts schnurstracks in die Hölle." —

Slber merkwürdig wars: er starb noch nicht. Die türkischen Zaubersprüche, bre der wilde Gesell« mur­mel*', schtonen ihn am Leben zu erhalten. Doch was er litt, war füichterlich. Der nasse, zähe, fiebrige Teig, der ihn umhültte, machte ihn ganz falt und hilflos, da­gegen brannten alle feine Bubemnifsetaten wie Feuer in fernem Herzen. Dazu die Todesangst, was der wilde Turkenjakob noch alles mit ihm anstellen werde. Daß es schlimm um ihn stand, hatte er vorhin an den ro:lbf'.m??{nben Augen dos Gesellen gesehen.

Der Türkcnjakob raffte die Te'gklumpen der ver- imglüriten Niklafen vom Boden auf, kratzte den Schmutz davon ab und klatschte sie in den Backtrog gerade auf den im Teig vermummten Hans. Dieser hätte "or Schmerzen laut geschrien, wenn er nur ge­rannt hätte allein er selbst war ja nur noch ein Teig- klump m. Dann knetete Jakob trn ganzen Teig noch einmal tüchtig durcheinander, wobei Hans sürchterl'ch nach allen Rickstungen hn zerquetscht wurde. Die Sinne vergingen ihm, denn der Türkenjakob richtete 'hn so zu daß er vanz weich wie Teig wurde und nichts meße von scin-n Knochen spürte. Daraus begann bet Turkenjakob au- dem Teige neue Niksafen zu formen. Ein ti'd’tiger .Klumpen Teig kam auf den W rktisch — und Jakob rollte, knatschle, patschte an dem Teig

Raum größer ist als die Personenzahl der die Wohnung innehabenden Familie. Kammern unter 12 Quadrat- Metern werben nicht gerechnet. Die Sozialisten stre­ben hier eine Desteuerung nicht nach der Zimmer» zahl, sondern nach dem Flächen, und Raum-Maß der Wohnungen an. Auch in der Wohnungsfrage ist schwer zu entscheiden, wo der eigcnlliche Luxus anfängt.

Die Fahrzeug st euer sieht folgendes vor: Der Besitzer eines Perfonenkrafiwagens, eines Kraft­rades, eines Fabr-odes, eines Personenwagens (Chaise, Landauer, Jaqdwagen, Partiewagen ufro.) unterliegtl einer Steuer. Die Fahrradsteuer, die für Fulda zunächst diskutabel erschien, scheint keinen Beifall zu finden. Für Kraftwagen soll eine Staffelung der Steuer nach ben Pferdekräften stattfinden: beginnend mit 500 Mk. bis zu 10 Pferdekrästen, endend mit 3000 Mk. bei 50 und mehr Pserdckräften. Für Motorräder bewegt sich die Steuer zwischen 40—160 Mk. Die Personenwagen für Pferdegespanne sollen jährlich mit 100 Mark besteuert werden. Wer sahren kann, ist bester daran als diejeni­gen, die laufen müssen. Deshalb ist die Steuer nicht: van der Hand zu weisen.

Die T i e r st : u e r, die schließlich vorgeschlagen wird, hat schon größere Tücken. Pferde sollen danach mit 100 Mk. jährlich besteuert werden. In der Stadwer- ordnetenversammlung wurde eine Staffelung der Steuer nach dem Gewicht der Pferde vorgefchlagen. ($ntfpre«( chend sollen Esel und Maulesel besteuert werden. Auch, für Rindvieh soll etwas bezahlt werden, weil man ■ der Ansicht ist, daß viele wohlhabende Leute sich eine! Kuh halten, um nicht nach Milch laufen zu müsten. Auch die Schweinezucht verrär bet der heutigen Futierknapp-1 hsit einen gewiffsn Wohlstand. Das erste Schwein soll aber nach Wünschen in der Stadtverordnetensitzung frei! bleiben und erst bei mehreren Schweinen soll der Züch­ter Steuern bezahlen.

D'e Steurrvor'.ugen, die am Montag vom Finanz­ausschuß der städtischen Körperschaslen in Arbeit ge­nommen werden tollen, dürften noch manch« Aenderung im einzelnen erfahren. Der Strauß als ganzes wird aber wohl eines Tages präsentiert werden. Denn in, dem Smuerprogramm ist das System der ausgleichen., den Gerechtigkeit. Massensteuer und Lurussteuer müs-' |en sich die Wage hatten, wenn der höchste Grundsatz: jeder Steuerpolitik. Gerechtigkett, nicht verletzt tDa>' den soll. .

Eingesandt.

Für Veröffentlichungen an dieser Stelle trägt die Redaktion nur die preß gesetzliche Verantwortung.

tzousrulnen. Zu dem „Eingesanb!" der Fuldaer Zei­tung vom 1. Dezember, das unter dieser Spitzmarke er­schienen, wird uns folgendes gefchrleben: Wir find voll­ständig damit einverstanden, wenn der Einsender schreibt, daß dlcicmgen, die die nötigen Jnstandsetzungsarbeiten an. ihren Häusern unlerlasten, nicht nur sich, fonöem auch der Allgemeinheit sclzaden. Daß die Gründe, die solche Hausbesitzer zu diesen Unterlassungssünden verleiten, jo, klar aus der Hand liegen, darüber kann man freilich auch anderer Ansichl sein. Auch darüber tarnt man, streiten, ob di« Einnahmen aus den Häusern nicht aus-; reichten, um die Kosten des Hausbesitzers zu decken, und daß sie aus den Einnahmen des Gewerbes bestrstfen- wevden müßten. Jedenfalls gibt es Hausbesitzer genug, wenn auch nicht so viele hier in Fulda wie in an bereu; Städten, die das Vermieten als ein Gewerbe betrach- > ten. Daß die Häuser nun schon vor dem Kriege und' noch mehr in dem Kriege vernachlässigt wurden, ist eine; traurige Tatsache, die uns bei einem Gange durch unsere > ©labt aus Schritt und Tritt aussüllt. Die Ansicht des Einsenders über die Gründe für die Unterlassung berj Reparaturen scheinen nicht ganz richtig zu sem. Daß! während des Krieges nur die notwendigsten Reparaturen, gemacht roerben durften, wissen wir auch. Daß der Haus»! besitzer die Nachteil« einer sehr schlechten Konjunktur allein, tragen mußte, bezweifeln wir. Woher kommen denn diel Steigerungen der Miete vor dem Kriege?! Ein Beispiel: Die Wohnung, di« bet Edjreiber dieser, Zeilen früher inn« hatte, kostete bis 1900 450 M, dann wurde sie auf 650 M gesteigert. Als ich bre Wohnung, 1911 bezog, mußt« ich 850 M bezahlen, während des- Krieqes wurde ich 15 Proz. gesteigert, später würbe banttj durch einen Beschluß des Mietseiniciungramtcs bie Woh-. nung traf 1150 J4 gesteigert. Also von 450 M kam, bie Wohnung auf 1150 M. Man könnte noch mehr' ähnliche Beispiele bringen und bann fragen: Kann t» überhaupt von einer schlechten Konjunktur geredet wer­den? Mel« leerstehend« Wohnungen gab es hier in Frckda auch vor dem Kriege nicht, höchstens waren manche grö­ßere Wohnungen schlecht zu vermieten. Uebrigens sind die Wohnungen in erster Linie dazu da. um bewohnt zu werden, nicht um Geschäfte zu machen. Das fehlt gerade noch, baß auf diesem Gebiet« bie Konjunktur ausoenützt würde. Dann ginge es auf dem Wohnungs- mcTfte genau so. roie auf bem Lebensmittelmarkt«, und bann könnten nur m-chr ein Schieber ober Kriegsgewinn­ler eine anständige Wohnung mieten. Also nach der An­sicht des Einsenders sind eine Anzahl von Bestimmungen d«r Mieterschutzordnuna daran schuld, baß keine Rcpa-

herum, bis et wieder einen Niklas fertig hafte. Dabei brummte er: , Einen kleinen für den Schneidermeister Schramm! — Zwei größere für den Schuster Fink und den Drechsler Ger'ach! — Einen ganz großen für den Stadtichrclber Klaus, denn der hat sieben oder acht fltnber: — Dre mittelgroße für — für — für —, na der Meister weiß es ja, für wen sie sind! — Der Tvrkenjokob manschte im Teig, daß es eine Freud« war. u.id unter feinen Händen wuchsen die drolligsten N'klasen yetvot. Aus Teigwürsten wurden Arme und Beine geiermt, ein paar Rosinen b'ldeten die Augen», sterne, hübsa; lang« Ohren und Nasen brachte Jakob; auch fertig und bald war das verunglückte Backbrett wie- i der vollge'egt, bis auf den ganz großen Niklas für bie* StadtfchvL.berskinder.

Aber nun mußte erst der Backofen ausgeräumk und, gereinigt werden, denn er war heiß genug. Als das oef^hehen war. kam auch der ganz große NiNas an die Reihe. Der T>>rkenjakob packte den Teigklumpen, in dein der böse Hans steckte, und klatschte ihn auf den; W'rftlfch. Da tarn Hans wieder zu sich selber, aber: er konnte sich nickst rühren und nicht regen, fo hatte' ihn der wilde Geselle zerknetet. Und der Jakob 'chmunkette: „So en schenne Niklos honn ich minner tiattig mxb nel gernoacht!" Er meinte da-nnt, daß er ,n femun Lei en noch keinen so schönen Niklas g«-! formt hab'. Es war aber auch wirklich nur eine Klei­nigkeit und gar kerne Kunst dabei. Er brauchte nur den Teig ein wento glatt zu streichen, denn bie rnenfch. liche Form war ja da. Ein paar recht dicke Rosinen steckte er dahin, wo tief im Teig Hansens Augen! waren, dann formte er eine recht lange Rase und setzte sie in Hansens Gesicht. — „So, du Bengel,"', brummte er dadei, „nun sollst du eine ganze Raft haben, weil du mich immer wegen meiner halben wrfpotol hast! — Und Ohren! — O du sollst präch­tige Eseftohren kricgen; den wer die Schule schwänzt oder ba^n nichts lernt, w rd ein Esel, wenn er nicht 'Ron einer ist!" — Dabei formte er dem Niklas et» paar mächtige Eselsohren.

---------------------------------- .

(Fortsetzung siehe in dem im Verlage der Fuldas Sdienbrudcrei Fulda erschienenen MörLenbuch Han»! Hippedipp der Brezclbub und andere Märchen dsn- Fr. Donatus Pfannmüller. F-eiS 4 2ÄU,.