Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 276.

■■■naBinxL

Xierantwonitd) tüt Den leoamoneüen Teil: Karl Schütte. - für dir Anzeigen: I. Parzetler-Fulda. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, 'ernwiecher Nr. 9- TeiegE.»2Ibreije: Fuldaer Zeitung

Montag, 29. November 1920.

Bezugspreis: Monatlich 3,0ü Mr. ohne Zustellgebühr. Jnguido bei uns adgehou 3,15 Mt. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile Colonelmatz) 60 p)g„ u. 10°|o Zuschlag, die Reklamezeile <Tezib< eüe> 1.80 Mk^ u. 10°'o Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt.

47. Zahrg.

Das Schwert von Dhnle.

Roman von Leontine von Winterfeld-Platen. 30] _________

5®6t wünschte er plötzlich weit, weit fort zu sein. Denn was sollte er Heilung sagen? Was gab ihm ein Recht dazu, hier zu stehen?

Aber es war nun zu spät. Schon hörte er Schritte vor der Tür, und jetzt trat eine Frau auf die Schwelle.

Er sah sie groß an, ohne sich zu rühren. Den Hei­ligen sei Dank! Sie hatte jemand anders geschickt und war nicht selber gekommen.

Ein wenig verlegen schloß die Frau die Tür hinter nch und fragte schüchtern: „Ihr wünschet mich zu spre. chen, Herr Ritter?"

Er atmete tief auf und schütteüe den Kopf.

„Nicht Euch, Frau. Ich wollte des Fridolin Läm. werzahl Eheweib sprechen. Aber es ist bester so, ich kann es auch Euch ausrichten." Sie sah verwirrt zu «hm auf.

„Wollt verzeihen, Herr, aber ich bin des Fridolin Eheweib, so ihm vor wenigen Monden erst angetraut wurde."

Otto Maltzan trat einen Schritt zurück. Er mußte och sekundenlang halten am Tisch.

„Ihr — Ihr seid des Fridolin Lämmerzahls Weib?"

Das kam heiser und gurgelnd von seinen Lippen- Wte nickte.

„Da, bin ich. Und, so Ihr etwas auszuzrichten h°bt an meinen Gemahl — ich will es besorgen."

Da griff er an seinen Hals und würgte und schluckte, 615 ^ien ihm jählings alle Worte abhanden gekommen.

Aber als er ihr großes Erstaunest sah, riß er sich gewaltsam zusammen. Und dann kam es wie ein Sturm i**1 ihn. Mit drei Schritten stand er vor der kleinen, er!d)ro.fenen Frau und faßte ihre Hand.

„Saget Herrn Fridolin, daß er das beste Weib der "de habe und daß ich ihm tausendmal Glück wünsche

seiner Wahl. Und grüßt ihn von mir! O, grüßt ihn von dem seligsten Manne der Welt." Und er nunnte an der Verdutzten vorüber, die Treppe herun­ter und warf sich wieder auf jein Pferd. Frau Lärn-

Es brodelt im Kessel der Entente.

Die neue griechische Regierung geht unbeirrt ihres Weges weiter und hat auf den 5. Dezenrber die Königswahl angesetzl. Inzwischen haben sich die Macht. Haber der Entente in London versammelt, um über ihre Haltung gegenüber den neuen ErSgnifsen im Orient zu beraten und womöglich sich zu verständigen.

Mit der Verständigung sieht es noch schlecht aus. England hielt an seiner Politik des Abwartens fest, während Frankreich die sofortige Revision des Dertra- ges von Sevres: des Friedensvertrages mit der Türkei, durchsetzen will, natürlich zu Ungunsten Griechenlands, das bei der Vertretung der Türkei reichlichst bedacht worden war. Gegen Lloyd Georgs haben nun die Franzosen eine diplomatische Hilfstruppe herbeige­holt, nämlich die italienische Regierung, die in dm Orientfragen mit Frankreich gemeinsame Geschäfte machen möchte.

Für uns ist es im allgemeinen nicht erwünscht, wenn die Italiener an die Seite der Franzosen ge­drängt werden, während sie bisher mehr Neigung für die englische Mäßigung zeigten. Aber die verwichten Angelegenheiten im Orient stehen auf einem beson- deren Blatt, und man kann nicht sagen, daß Giolitti nach Erledigung seiner orientalischen Wünsche sich dauernd an der Verfolgungspolitik gegenüber Deutschland beteiligen werde. Der berüchtigte un- Ijeilige „Egoismus" blüht noch immer, und die eigenen Interessen Italiens weisen schließlich gebieterisch da­rauf hin, daß es Deutschland leben lassen und mit Deutschland Geschäfte machen muß.

Wenn früher Meinungsverschiedenheiten unter den Ministern der Entente Mage traten, haben wir immer g«oarnt vor einer Ueberschätzung der angeblichen Un­einigkeit. Sie haben sich immer roiebei verständigt auf Kosten der Besiegten. Im vorliegenden Falle ist die Meinungsverschiedenheit eigentlich nur taktischer Na­tur. Lloyd George will sich möglichst lange freie Hand bewahren und sagt deshalb, der Vertrag von Sev­res, der Friedensvertrag mit der Türkei, brauche nicht sofort revidiert zu werden, da er ja überhaupt noch nicht ratifiziert fei und in Kraft getreten sei. Die Fran- e aber wollen das Eisen schmieden, da es nach

Ansicht heiß geworden ist, und bchaupten, es tonnten in Smyrna und in Saloniki, in Klemasien und m Thrazien überraschende Tatsachen geschaffm werden, gegen die man gerüstet sein müßte.

Also zu einer Revision des 'Bertrames wird es je­denfalls tommen Wenn dabei die Türkei bester abschneiden sollte, als es bisher geplant war. so ist das uns in Erinnerung an d e frühere Kampfgemeinschaft recht und vermutlich wurde es auch zur Beruhigung des Ostens beitragen. Griechenland wird in den Er­oberungen, die Venizelos als fein Verdienst anprahlt, vielleicht etwas beschnitten werden. Aber wir sind nicht zum Anwalt für Griechenland und König Kon- stmtin berufen. Die Griechen haben m freier Abstim- mtrng die Entscheidung getroffen, wobei sie allem An­schein nach der inneren Ordnung den Vorzug gaben vor der großmächtigen Eroberungspolitik. Bei der Konigswahl am 5. Dezember wissen sie schon, daß chnen die Revision des Vertrages zugedacht ist, und wenn sie trotzdem für die Rückkehr des alten Königs stimmen, so würde das ehre gern klare „SMftbestim- nwng der Nation" fern in dem Sinne, daß Griechen- mnd mehr vom Rechtsgefühl und Treue geleitet wird, als von Spekulationen auf die Wohltaten der Entente.

Im Grunde genommen, war diese Königswahl gar Nicht nötig, da Konstantin nach wie vor der v e r f a f • sungsmäßige König der Hellenen ist, wie auch me griechische Regierung in ihrem Ausschreiben feststellt. «« meint, die Umstände, unter denen der König f. Z. bos Land verlassen habe, machte eine Volksabstim- "mng erforderlich, damit die Losung des Thrones stets lauten könne: „Meine Stärke stt die Liebe des Volkes". ime solche Klarstellung und Festigung der neuen Ord­

nung hat ja auch ihr gutes. Die Entente zweifelt mcht daran, daß die Griechen sich trotz aller Lockungen und Drohungen für Konstantin entscheiden werden, und hat chrerseits schon aus die gewaltsame Hinderung und Rückkehr verzichtet. Offenbar ein Stück Nieder­lage für die Ententepolitik, die auch in der Fülle ihrer Siegesmacht nicht alles kann, was sie möchte, und auf den zähen Willen der Völker Rücksicht nehmen muß.

D« gegenwärtigen Verhandlungen in London wür­den uns lebhaft interessieren, wenn wir erführen, ob dort auch über die Beziehungen zu Deutschland gesprochen worden ist. Ein Berichterstatter will wissen, daß Lloyd George entschieden Einspruch erhoben habe gegen den polnisch-französischen Plan, di« gebore­nen O b e r s ch l e s i e r, die nach Deutschland verzo­gen waren, von der Abstimmung auszuschließen. Das kann schon stimmen, da diese Ausschließung einen offen­baren Rechtsbruch gegenüber dem Vertrage bar- stellen würde und die Behauptung, daß die heimwan- dernden Deutschen die Ruhe und Ordnung in Ober­schlesien stören würden, ist doch eine geradezu lächer­liche Ausrede.

Lloyd George hat sich in neuerer Zeit vielfach nach­giebig bewiesen. Hoffentlich bleibt er fest in Punkt einer ehrlichen Volksabstimmung in Oberschlesien. Un­sere dortigen Landsleute werden ihr verbrieftes Selbst- bestimmungsrecht ebenso treu und tapfer ausüben, wie die Griechen. Wem es nicht behagt, der muß sich mtt den unbequemen Tatsachen abfinden.

Teilung der Abstimmung?

Nach einer halbamtlichen Pariser Meldung haben Lloyd George und Leygues auf der Konferenz in Lon- don am Samstag beschlossen, der polnischen Regierung ebenso wie der deutschen Reichsregierung den Vorschlag zu unterbreiten, die Abstimmung in Oberschlesien in zwei Abschnitten vorzunehmen. Die im Wahl­bezirk geborenen auswärts wohnenden Wähler sollen nach dm Vorschriften des Versailler Vertrages in ihrem Geburtsorte abstimmen. Frankreich gibt nun vor, zu befürchten, daß bet emern Zusammentreffen von 300 000 auswärtigen Wählern am Wahltage im Ab- ftimmungsgebiet, die mit der Aufrechterhaltung der Ordnung und dem Schutze der Wahlfreiheit betrauten französischen und italienischen Truppen ihrer Aufgabe nicht genügen könnten. In Wirklichkeit spiest diese Sorge wohl weniger mit, als vielmehr die Ueberzeu- gung, daß der Heimkehr so vieler Tausender Oberlchle- fier aus allen deutschen Gauen befeuernd auf die an­sässigen Deutschen wirken würde. Die französische Regerung !■<,* * den Vorschlag qemodit die au« dem Deutschen Reiche kommenden Oberschlesier nicht nach hier Heimat, u ndcrn nach dem Rheinland e. etwa nach eöln kommen zu lasten nur Ausübung ihres Stimmrechts. Der französische Vorschlag stt nur durch­führbar, wenn alle Unterzeichner des Versailler Der- trags einschließlich des Deutschen Reiches zustimmen. Deutschland aber wird wohl nicht zustimmen, schon weil die Unterbringung einer Drittel Million Menschen auch in einer Großstadt wie Köln, noch dazu einer besetzten Stadt, unmöglich ist. Alsdann soll nicht mehr eine örtliche, sondern eine zeit! i ch e Trennung der Abstimmung in Frage kommen, d. h. es würde ein be­sonderer Termin für die Abstimmung der nicht ortsan- fäffigen Abstimmungsberechtigten angesetzt werden.

Der Raub Eupens.

Einen Einblick in die Art, wie die Belgier die „Volksabstimmung" in Eupen-Malrnedh „nemackit" haben, gewähren einige Einzelheiten, die die,Ger­mania' aus Eupen berichtet. So teilt sie mit, wie einige belgische Kreaturen — Verräter gibt e? ja überall — die Eraebenheitstelegramme der Eupener Schuljugend an den belgischen König zustande brachten. Es beißt da:

„Also: Schulfeier in Eupen, Fahnen, unterrichtsfrei Anip.achen, dum-bum ufm. Na, und irie so die Stim­

merzahl aber schlug entsetzt die rosigen Hände zusam- men und rief mit zitternder Stimme:

„Es ist ein Irrer in unser Haus gekommen! Zu Hilfe! Zu Hilfe!"

•

Goldrote Lichter wob die Abendsonne um die Türme von Wolde. 3m Burggarten schlug eine Nachtigall im blühenden Flieder. Von der höchsten Zinne wehte die blau-gelbe Fahne der Maltzane im Maienwind. Durch den knospenden Frühlingswald ritt Herr Otto mit sei­nen Knechten Er saß nicht mehr müde und bleich im Sattel wie vordem. Stolz und aufrecht saß er und feine Falkenaugen schimmerten in wunderbarem Glanze, wie wenn goldener Sonnenschein sich spiegelt in geschlif­fenem Stahl. Er war scharf geritten von Demmin her, denn es trieb ihn ein lohendes Feuer. Nun als er die Türme von Wolde im Abendgold blinken sah, kam eine große Ruhe über ihn. Und er ritt langsam und ver­träumt dahin unter den knospenden Zweigen. Süße Düfte blühender Waldkräuter trug der Windhauch ihm entgegen. Irgendwo fang ein Vogel verträumt sein Abendlied. Und auch seine Seele begann zu träumen. Don seinem Wiedersehen mit Hellwig. Morgen ganz in der Frühe wollte er sich aufmachen und noch Rost- reiten. O. er mußte sie ja finden! Er sah sie so beut, lich vor sich mit ihrem schweren, blonden Haar und den tiefen blauen Augen, die immer aussahen, als hüteten sie ein wundersüßes Geheimnis.

In der Burg erfuhr Otto, daß fern Bruder Verend angekommen sei und ihn gleich zu sprechen wünsche. Er fand den Ritter oben in der Halle am offenen Fen­ster sitzen, indes der Schein der Abendsonne die Wände gelbrot malte. Er war allein und hatte den Kopf schwer in die Hand gestützt. Als der Bruder eintrat, sah er auf, und es lagen tiefe Falten auf seiner Stirn. Er wies mit der Hand auf den Stuhl gegenüber und sagte nur:

„Ich habe auf Dich gewartet, Otto. Komm, laß uns ist Ruhe miteinander reden." -

Otto, der noch in hohen Reitstiefeln und Schwertgurt war, blieb vor dem anderen stehen und sah ihn ftöh- lich an.

mung im Gange ist, da beugt sich so ein vor den Bel­giern schweifwedelnder Magister herab zu den Kleinen und fragt — er soll ein gar leutselig Antlitz dabei ge­zeigt haben —: „Nun Kinder, wie wärs denn, wenn wir jetzt ein Telegramm an unseren lieben, guten König schicken würden?" Allgemeiner Nichwerstehen, Grinsen, Verlegenheit. Die Größeren schweigen bewußt. Aber ein paar von den ganz Kleinen, die mit offenem Mund daherglotzen, die kriegen Angst vor dem Neinsagen — pardon, die politische Erleuchtung durchzuckt sie —, und da kommt da und dort von den Lippen ein „Io, Jo!" Eins, zwei drei, Feder — Telegraph — Brüssel — Zei­tungen — Volkes Stimme, Gottes Stimme — Eindruck im Ausland — Bums!"

Tlk Stimmung der Eupener Bevölke­rung schildert die Zeitung anschaulich in folgenden Fronen an die Bettler:

„Wie ist es wohl möglich, daß von Zeit zu Zeit in Eupen und Malmedy, bald in dieser, bald in jener Ecke deutsche Flaggen aufgepflanzt werden? Wie ist es mög­lich, daß da und dort belgische Fahnen heruntergeholt und zerrissen und daß Fahnenstangen, an denen die belgischen Fahnen prangen sollten, in Stücke zersägt wurden? Wie ist es möglich, daß bei der Feier der Annexion die Einwohner von Malmedy ostentativ die Bändchen des Eisernen Kreuzes im Knopfloch trugen, daß für das Läuten der Glocken sich niemand aus der Bevölkerung fand, weshalb die belgischen Soldaten selbst läuten mußten, daß gelegentlich sogar die Glockenseile entfernt worden waren und daß die Beflaggung sich fast nur auf die öffentlichen Gebäude erstreckte? Hat nicht auch der Gouverneur. General Daltia, einmal er­zählt, er Hobe selbst in Malmedy, in dem wallonischen Malmedy, Anordnungen treffen müssen, daß die belgi­schen Militärkapellen bei Platzkonzerten nicht mehr die belgische Nationalhymne spielen, weil bei den ersten Tönen allez davonliefe? Das sind doch Tatsachen die recht menig mit dem Schulkindertelegramm übereinftim. men. Vielleicht interessieren sich die belgischen Zeitun. gen, denen ja fo viel an Aufdeckung der Wahrheit liegt, auch einmal für diese Dinge."

Eine Bevölkerung, die so kerndeutsch ist, soll fremder Herrschaft überlasten werden?

Die ersten Milchkühe unterweqs.

Der Dufleldorfer Kroistierarzt Dr. August Moller, der sich hn Auftrage der Reichere g'erung nach den Ver­einigten Staaten beci*en batte, um den Abtransport der amerikanischen Milchkühe nach Deutschland m die Wege zu leiten, hat aus Houston in Texas fernen Ange­hörigen in Deutschland mrrrterft, daß der erste Trans­port von 742 Kühen jetzt auf dorn Dampfer „West Arrow" nach Bremen abgegangen ift.

In der Folgezeit fallen fast täglich weitere Ladun­gen mit Kühen nach Deutschland abgehen.

Tie edeutunq der Ab'iekruna der Milchkühe.

DaS preußische Landesökonomiekolleaium bat e>ne Eingabe an den ReichSernährnngSminister gerichtet, in der e5 die Tragweite der geforderten Ablieferung der Milchkühe zu berechnen sucht. Danach wird fast ein Zehntel unseres Bestandes an ausgewachsenen und in voller Nutzung stehenden Kühe gefordert. Die Ablieferung würde einen Gesamtverlust an Nationalvermögen von 23,14 Milliarden be­deuten. Allein an Fleisch und Häutewert der abzu- iiefernden Kühe entstände dem deutchen Wirtschafts­leben ein Verlust von 5 Milliarden.

Oberschlesien.

Lorfomlys Ausweisung beantragt.

Ter deutsche Plebiszit,o!v.n llo! Dr. Urbanef hat an die Interalliierte Kommifftrm m Oppeln den Antrag ge­richtet, den polnischen Abstimmungsklommissar Korsanty ouszuw-isen. Dr. Urbanek weist in seinem Antrag auf ote Anlage zum Artikel 88 des Friedensvertrages hin, in der es heißt: „Der Ausschuß hat insbesondere bk Aus- meifung jeder Person zu verfügen, die iraenboie das Er­gebnis der Volksabstimmung durch Bestechrmg oder Cin- schuchtenmgsmachsnschaften zu fälschen versucht." Der deutsch- Plsbiszftkommistior begründet seinen Antrag mit

„Du schaust so finster aus, Verend. Was soll das an solchem Maienabend, wo selbst die schwärzesten Zweige Knospen tragen?"

Berends Stimm« war schwer und tief, als er jetzt antwortete.

Es kommt harte Zeit, Otto. Denn nun wollen sie uns an Kopf und Kragen. Die Herzöge haben Ver­stärkung erhalten und rüsten von neuem. Sie sind mir gram wegen des Joachim Lewetzow und Klaus Voß, die ich freilassen soll! Zum Teufel auch! Mögen sie doch kommen und sie sich selber holen, was sie haben wollen!"

Er schlug mit der Faust auf den Tisch, daß fein Decher klirrte.

Otto hatte die Arme verfchränkt und war vor ihm stehen geblieben.

„Ich meinte, es sollte jetzt Waffenruhe geben. Die- weil Thomas Rohde doch so dafür gefprochen.

Verend lachte auf.

„Waffenruhe? Ob meine je ruhen werden, so lange ich lebe? Das schlage Dir nur aus dem Sinn, Druder. Und Deine Hilfe brauche ich vor allem.

Otto nickte.

„Du weißt, daß ich bei Dir stehe im Geben und Tod, Derend. Nur um wenige Tage Urlaub möchte ich Dich bitten zuvor. E» wird ja Deine Sache noch nicht solche Eile haben."

Derend zog di« Finger durch den Dart.

„Wohl hat sie Eile, Otto — große Eil« sogar. Mor- gen mit dem Frühesten müllen wir wieder ausreiten."

Jetzt warf Otto den Kopf hoch. Seine Stahlaugen flammten.

„Ich muß aber zuvor nach Rostock. Komme was da will!"

Derend zuckte die Achseln.

„Es tut mir leid. Dir Deine Bitte abschlagen zu muffen. Aber ich denke, wo die Fahne in Not ist, schweigt seder andere Wunsch. Ich bliebe auch lieber hier bei Frau Gödel im Lenzgrün."

Otto grub die Zähne in die Unterlippe und sagte kein Wort. Auf und ab ging er mit schweren, großen Schrit- tat

der aufreizenden Rede, die Korfonty am 23. No­vember 1920 im Hotel Boginski in Rosenberg gehalten hat.

* *

Die Tätigkeit Korfantys bedeutet in der Tat die stärkste Ursache der immer schärferen Zuspitzung der nationalen Leidenschaften, die einer geordneten, sach­lichen und gerechten Abstimmung ernste Hindernisse zu bereiten droht.

Die in der vorstehenden Meldung erwähnte Rede Kor­fantys stellt das Tollste dar, was an Verhetzung geleistet werden kann. Er nannte u. a. die deutschen Gymna­siasten, Universitäten und Schulen Schwmdelanstaltsn. Aus die Bodenreform übergehend, teilte er mit, daß bald die Zeit kommen werde, wo alle könilflichen Domänen und Großgrundbesitze vollkommen aufgeteilt werden und wo alle Pächter und Besitzer „auf einer Mistkarre nach Brandenburg sahren" würden. Die Polen sollten die Ab­stimmungsberechtigten aus dem Reichs wie Verräter be­handeln. Es müsse gesorgt werden, daß sie im Walde wohnen müßten, denn keiner von den Polen dürfe sich erniedrigen, diesen Verrätern Obdach zu gewähren. Ein jeder der Versammelten müsse ihm (Korsanty) beistchen, sie in die Flucht zu schlagen. Alsdann forderte Korsanty weiter seine Vertrauensleute aus, mit allen erdenklichen Mitteln dieses Häuslein Leute aus den Dörfern zu jagen, sie mit allem, was sie in die Hand bekommen, zu schlagen und die beuischen Spitzbuben, die die oberschlesische Heimat verkaufen wollen, davonjagen. Weiter teilte Korsanty mit, daß nach der Abstimmung alle Deutschen, dis nicht den polnischen Eid leisten wollen, wie die Hunde aus Oberschlesien fliehen müssen.

fiuHurtampf in Polen.

Die polnische Regierung geht jetzt gegen ihr nicht genehme katholische deutsche Geistliche in Pornmerellen mit Zwangsmaßnahmen vor. Nachdem sie bereits vor kurzem dem Doniprvpst Dr. S ch r o e t e r, Ssmänar- regens lieber unü B'-stumssydikus Ottowa m Pelplin einen Ausweisungsbefehl hatte zustellen lasten hat sie jetzt den erstgenannten aufgefordert, innerhalb 48 Stunden Polen zu verlassen. Wie das Danziger Vslks» blatt meldet, hat dre Regierung den nach dem Bischof höchsten Geistlichen der Diözese mit Gendarmerie und Poliz'sten aus seinem Amte verwiesen. Man hat ihn aus seiner Wohnung herausgerissen und unter Polizei- kicher Aufsicht wie einen Verbrecher über die Grenze gebracht und ihn dort seinem Schicksal überlassen. So verfährt eine Rsg'erung, von der fo viele in Pommerellen hofften, daß sie eine be­sondere Vertreterin der katholischen Interessen sein würde. Die Ausweisungsbefehle sind den drei Geist­lichen zugestellt worden, ohne daß überhaupt dem Dö- zesanbischof davon Mitteilung gemacht worden wäre

Ein katholischer Weltbund.

Ueberzeugt, daß die gegenwärtigen Zeitverhaltnisie die Verewigung der Katholiken der ganzen Welt, auch in sozialer Hinsicht, erheischen, haben, wie die „Germ.", schre'bt, einige Katholiken aus England, Frankreich, Holland. Spanien und den Vereinigten Staaten einen Ausschuß gebildet, dessen Ziel ist, eine Vereini­gung der katholischen Organisationen, einen katholischen Weltbund zu schaffen, bei dem kein Volk ausgeschlossen sein soll Dem Plan zufolge sollen die sich beteiligenden Organisationen in vier Gruppen zerfallen, die der Wissenschaft, der sozialen Werke, der cariirrtiven Werke und der Pre s se. Politische Vereine jeder Art werden ausgeschlossen. Der Papst hat die erbetene Gutheißung der Pläne bereit­willigst erteilt. Am 2. Februar 1921 soll auf einer Zusammenkunft in Pans ein bestimmter Aktionspla» ausgestellt werden.

Aus dem besetzten Gebiet.

. Aufenthaltsbeschränkung Im Rheinland. Der

französische militärisch« Befehlshaber hn besetzten Gebiet, ®eneral be @mitte, hatte ungeordnet, baß zureisend, Deutsche sich nicht länger als 20 Tage in französischen Garmsonstabten aufhalten dürfen. Wie die „Frankfurter Zeitung mitteilt, hat mm die interalliierte Kommission

Da sagte Verend weich:

Es tut mir leid für Dich, Otto, denn Du bist mir allzeit ein treuer Kumpan und Fahrtgesell gewesen. Und ich hätte Dir Deinen Wunsch gern erfüllt. Aber es geht nicht. Ich brauche Dich zu sehr jetzt. Und jeder Tag Verzögerung kann uns blutigen Nachteil bringen. Meinst Du, ich wüßte nicht, was Dich nach Rostock zieht? Meinst Du, wir hätten nimmer gemerkt, wie Dir das blonde Mädchen von der Wasserkante ans Herz gewachsen ist? Du brauchst nicht aufzufahren unb die Dräuen zusammenzuziehen. Wir find doch Brüder, die kein Geheimnis ooroeinanber haben. Aber sieh, — Otto — höher als unser eigenes Wünschen und Be. gehren soll unsere Fahne stehen, zu der wir schwuren. Und die Fahne der Maltzan ist hart bedroht in die­sen Tagen. Mannes Schwert und Mannes Pflicht steht über Herz und Sehnsucht. Aber ich zwinge Dich nim­mer, Otto. Wie sollte ich auch? Du bist ja so frei wie ich. Und kannst tun und lasten, was Dir gefällt. Nur noch einmal sage ich Dir: Die Fahne der Maltzan« ist in Not. Verlaß sie nicht um eigener Wünsche willen. Ich brauch« Dich sehr."

Verend war aufgestanden und hatte dem andern die Hand schwer auf die Schuller gelegt. Nun ging er langsam hinaus. Otto hörte die Tür ins Schloß fallen — dann war er allein.

An das offene Fenster trat «r und sah in das däm­mernd« Land zu seinen Füßen. „Heikwig", sagte er leise — und noch einmal: „Hellwig". Zum zweiten Make, als er zu ihr gewollt, ward er fortgerufen durch des Bruder Wort. Damals, als noch Schnee die Erde deckte, und heute wieder. Sollte er denn nie zum Ziele kommen? Zu Ruh und Frieden — zu Heim und Herd? Und wieder die bange, bang« Ungewißheit, ob Heilwig gefund und geborgen, ob sie noch lebte und feiner über* Haupt gedachte?

Ach, nahm denn dieser ewige Krieg niemals ein Ende?

Draußen verglomm das Abendrot, und das Sieb Lex Droffel im Tannenwipfel verstummte.

ffiortfefeunfl faV