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M 275.

Samstag, 27. November 1920.

- Fuldaer Eieitung

Druck der Fuldaer Netieudruckerci ix Fulda

Aus Korsantys fl-estungsturm.

Die Po-nzerplatteu des polnischen Haupiyuartters. — Gegen die staatlichen Polizeibeamlen und die Grenzbeamten. __

Die Ermordung des Korfanlyfchen Spionagechefs. — Luch die Feuerwehr soll polomflert werden. — Di« Sehnsucht nach dem Industriebesitz.

(Don unserem oberschlesijchsn Mitarbeiter.)

Beuthen, 21. November.

Dojcisch Korfanty, der oberste Leiter der polnischen Propaganda, dem ungezählte Millionen für seine Wühl- irbeit zur Verfügung stehen, hat einen Festungsturm. Das nichi bildlich, sondern wörtlich zu verstehen ist. Sein .Großes Hauptquartier" in Beuthen, das soeben in Zu­sammenhang mit einem furchtbaren politischen Morde ge­nannt wird, das Hotel Lommitz, schien chm in seinem Größenwahn nicht sicher genug zu sein. Dieses Hotel, das einst den Namen eines preußischen Prinzen trug, ist heute geradezu eine Sehenswürdigkeit geworden, die ihres- gleichen sucht. Obwohl es an der Beulhsner Haupige- schäftsftraße liegt, sind die Fenster vom Dachstuhl her­unter bis zum Erdgeschoß mit dicken Stahlplatten ver­sehen und die Beuthener Baupolizei wagt gegen dies« Verschandelung des Siraßenbildes keinen Einspruch zu er- heben, weil eben Korfanty der Schutzbefohlen« der fron- zöfischen Machthaber ist. Damit nicht genug: Das Haus wird gekrönt von einem regelrechten Pamzertrrrm. was wiederum kein Scherz ist. Selbst die Zwischen- und 33 er- bindungstüren innerhalb des Hauses selbst weifen starke Ftahlplatten auf und ebenso finden sich eine Reihe von Schießscharten. Aus dem Hofe sind Stände für M.-T.'s sichtbar. Und weil im Frühjahr d. 3. einige unbesonnene Elemente einen „Ansturm" gegen das Hotel unternahmen, der von den Polen mit einer gründlichen Schießerei de- entmortet wurde, spricht Korfanty seitdem von seiner .un­tre berten Festung" und er besitzt den Geschmack, von zwei aneroberten Festungen der Welt zu sprechen: Belfort und Lommitz.....

Daß man von dieser „Festung" aus nicht nur poli­tische Leidenschaften leitet, sondern auch zu niedrigeren Laten übergehl, zeigt die am gestrigen Samstag erfolgte Ermordung des ehemaligen Spionaxechefs Korsantys, na­mens Theophil K u p k a, der einst der Vertraute des vol» Nischen Diktators war. Als ihm die Schlachzizen-Wirtschaft der Warschauer Herren und ihres galizischen Anhanges nicht mehr paßte, gründete er einen Bund der polnischen Lbstimmungsbeamten, der sich ae g e n Korfanty wandte. In mehreren Flugblättern beleuchtete Kupka die schänd­liche Wirtschaft der Warschauer Despoten in Oberschlefien and er gründet« in den letzten Wochen auch ein« eigene Zeitung, Wola Ludu (Der Wille des Volkes). Da er mit allen Geheimplänen Korsantys aufs intimste ver­traut war, begann eine maßlose polnische Hetze gegen diesen Mann. Drohbriefe überstürzten sich und die Krö­nung fand diese Hetze durch die gestrige Ermordung m der eigenen Wohnung durch vier mit Revolvern bewaffnete, vermummte Gestalten. Eine Tat, die eine ungeheure Er­regung in ganz Oberschlesien ausgelöst hat.

Den „Sieg" Korsantys im Mai d. 3. feierte er damals mit einem jener Schlachzizen-Sektgelage, di« der ermor­dete Kupka so grell beleuchtet hatte und an denen mit Vorliebe bis zu den frühen Morgenstunden auch franzö- stsche Offiziere teilnehmen. Seitdem hat sich das „Ge­schäft" Korsantys wesentlich vergrößert. Er hat zwei weitere Hotels in Beuthen, .Reichspost" und „Schlesischer Hof", erworben und gewissermaßen zu Forts ausgebaut. Korfanty, der eben erst Warschauer 3ournalisten erklärte, « sei mit der Lage in Oberschlesien sehr zufrieden, baut unter dem Schutze der französischen Machthaber seinen Apparat ständig aus. Der August-Aufstaich brachte ihm die Polonifierung der Abstimmungspolizei und seitdem arbeitet er mit seinem riesigen Troß von Angestellten, der immer noch vergrößert wird, um die nächste Etappe zu der von ihm ongestrebten Polonifierung des ganzen Landes zu erreichen. Der nächste Ansturm galt der blauen (staatlichen) Polizei, die zwei Polizeipräsidien, Katiowitz und Hindenbung, unterstellt ist. Sie dient der Ausrecht- erHaltung von Ruhe und Ordnung, soweit das bei ihren zahlenmäßigen Kräften möglich ist. Grund genug für di« polnische Propaganda, daß sie beseitigt werden soll. Die Polen sind auch hier sicher, daß sie i'.ren Willen durch­setzen werden und sie genieren sich durchaus gar nicht, ohne Rücksicht auf die Entente, so zu disponieren, als ob |k restlos die Herren des L an.de s wären. Das „Polizei» düro" Korsantys erließ ganz im amtlichen Stile eine Be­kanntmachung, in der Beamt« gesucht werden für den Polizeidienst als Ersatz für di« deulschen langgedienten Polizeibeamten der blauen Polizei, die der Ausweifung oerstillen sollen. 3n der Bekanntmachung heißt es u. e.: »us Obigem ist ersichtlich, daß wir fähige Beamte für Arbeiten aller Arten in die Staatspolizei der Kreise Katto-

Das Schwert von Thule.

Roman von Leontine von Winterseld-Platen. 29i ---------

Sie mußte sich wieder setzen und beide Hände vor die Augen legen. Und jetzt löste sich die gewaltige Span- ttung In schwerem, lautlosem Weinen.

Elisabeth war vor ihr niedergekniet und hatte sich fest an sie geschmiegt.

„O Heilwig, weine nur nicht so sehrl Ach, und wir hatten immer geglaubt, daß Deine Liebe zu Frido­lin Lämmerzahl gar nicht so groß fei. Das Schlimmste ist aber, daß er mit des Vaters Zustimmung Dein gan­ges Erbe übernahm und in das Geschäft steckte, diewe.l Du doch seine anoerlobtc Braut warst und nun tot, wie er wähnte. Und so konnte er auch seinen Bruder au». Zahlen. O Gott, und nun —"

Elisabeth stockte und sah verwirrt und ängstlich zu Heilwig auf.

Die nahm ihren dunklen Kopf mit großer Weichheit und Zärtlichkeit in beide Hände und beugte sich herab öu der Knioenüen. '

„Hab keine Furcht, kleine Elisabeth. Er soll alle«, alles behalten. Ich oiU es ihm selber schriftlich ge­ben. So daß Du und der Magister ohne Sorge leben könnt. Ich will ja gerne als Magd mich verdingen — irgendwo — irgendwo. Es ist ja alles so gleichgültig jetzt nun, wo mir der barmherzige Gott meine Seele wiedergeschenkt hat. Daß sie nun frei und stolz und schuldlos atmen kann unter seinem großen, weiten Him- welsdom."

Elisabeth wagte nicht, sich zu rühren. Es redete Heil- toig so sonderbar, daß sie sie nimmer verstand.

Rur eines hatte sie verstanden. Daß Heilwig den Brüdern Lämmerzahl keinerlei Hindernis in den Weg legen würde. Das lieh sie befreit, auf atmen.

Jetzt senkte Heilwig ihren blonden Kopf noch tiefer bis herab auf Elisabeths Schulter.

„Bringe mich in meine Kammer nach oben, Efisabeth. ^enn ich möchte schlafen. 3ch bin so sehr müde."

Da gingen sie beide langsam die Holztreppe hinauf.

Otto Maltzan war nach seiner Heimkehr in Wald« in ein heftiges Wundfieber gefallen, das wohl die Folge des vernachlässigten Stirnhiebes und großer Ueberan- jhtengung war. So erfuhr er erst nach Wochen von

witz und Hindenburg aufnehmen wollen. Man melde sich sofort. . . ." Das geschieht über den Kops der deutschen Behörden hinweg, die ohnmächtig sind und mit stillschwei­gend« schmunzelnder Billigung der Franzosen.

Richt minbet unbequem ist der Propaganda Korfanty», daß es Irnrn« noch Grenzbeamt« gibt, die in alter Pflicht­treue ihren Dienst an der Grenz« versehen, ohne Rücksicht auf heimtückische Kugeln, die fest wie Brombeeren sind. Akso: Himvcg mit den Beamten, lautet bie Parole. Und sofort wurde bi ein« Reihe von Versammlungen eine Entschließung angenommen, in der es nach der „Gazeta Opolska" hieß: „Wir bitten um die Auflösung der Gen­darmerie und d« Zollämter und um die Neuorganisation bitfer Institutionen auf paritätischer Grundlage. Di« Be­amten, di« nicht Oberschlesier von Seburt sind, sollen aus- gewiesen werden." Damit der Entente die Forderung schmackhafter erscheint, heißt es in der Resolution zum Schluß: „Falls sich in diesen Aemiern Polen befinden, wird den Entente-Truppen das Suchen nach Waffen er­leichtert." Darum allein dreht es sich: Dar Land soll von deutschen Beamten entblößt werden unb an ihr« Stellen sollen Polen rücken. Heute arbeitet man an Fe­fern Ziele mit besonderem $i «bereifet, um noch vor der Abftirmmmg möglichst viel zu erreichen. Zu den gefähr­lichen 3nstitutionen im Sinne Korsantys gehört such die ßut disziplinierte Feuerwehr. 3n feinem Amtsblatt«, dem „Oredownik", ließ Korfanty «klären: „Für die gegenwärtige Zeit und nächste Zukunft ist das zu wenig, man muß an die Schaffung neuer Stützpunkte des orxani- fierten bürgerlichen Lebens der Polen denken. Man muh an di« Gründung neuer Vereinigungen denken, welche zur Vermehrung bet moralischen und organisatorischen Kraft unserer Volkes im oberschlesifchsn Abstimmungsgebiet bei­tragen können. Mit haben hier di« Feuerwehren dn Auge, bie nach Möglichkeit polemisiert werden muffen." „Dieser Forderung wird dann gleich eine „Gebrauchsan­weisung" beigefügt: Eintritt zahlreicher Polen in die Feuerwehr, dann Forderung her polnischen Kommando- lprache, darauf Einrichmng von polnischen Zeitungen ufw. Niemals wird, rote man auch hier wieder sieht, em das Allgemeinwohl des oberfchlefischen Volkes gedacht, sondern immer nur an die Verdrängung des Deutschtums!

Schließlich denkt Korfanty auch an die Zukunft, wie er sie versieht. Für ihn ist es ausgemacht, daß Ober-- fchlefien zu Polen fällt — wenigstens tut er fo, um zu bluffen. Und so erließ er kürzlich eine Aufforderung an alle diejenigen Industriellen Beamten, die in Ober­schlesien bleiben wollen, wenn das Land zu Polen fällt. Sie alle sollten ihm, dem größvmv-ahnsinmaen polnischen Diktator, eine Erttärung über ihre Zukunftsabsichten zu- gehen taffen, da er doch Vorkehrungen zur Aufrechterhal- hing des öffentlichen Lebens treffen müsse, für den Fall, daß ... . Nun, Korfanty hat ein jämmerliches Fiasko erlebt. Seine Aufforderung hat durch allgemein« Heiter­keit eine unrühmliche Erledigung gefunden!

Bei alledem muß man sich täglich erneut fronen: Dar sagt beim di« interalliierte Kommission dazu? Was wird sie jetzt zu dvm polnischen politischen Morde sagen, der nur möglich war dadurch, daß man das Gesindel immer noch nicht entwaffnete und dadurch, daß die Grenzen nach role vor offen da liegen? Sie wird weiter schweigen und den Kopf in den Sand stecken, um Korfanty weiter die Herrschaft überlaffen zu können!

Preirßischer Kirltusetat und Zentrum.

Am 12. November begonnen die Verhandlungen über den Kultusetat im preußischen Staatshaushattsausschuß. Die Einleitunasrede hielt für das Zentrum Abg. Dr. Heß. Daß das Zentrum zu einem sozialdemokratischen Kultusminister in einer Art von geborener Opposition stehe, sei aus der natürlichen Entwicklung der politischen Verhältnisse zu verstehen. Da» habe selbstredend mit der Person des Ministers nichts zu hm. Di« finanzielle Not­lage des preußischen Staatswesen bedrohe leNer auch das preußische Bilbungswefen. Da» sei bedenklich, weil die Wtederaufrichtung des deutschen Volkes von der Höhe sei­ner intellektuellen Leistungsfähigkeit abhöng«. Mil Spar» famtertsbeftrebungen müsse man deshalb gerade beim Dikdungswesen besonders zurückhaltend fein. Mit Recht habe der Reichsminifter Koch gefaxt, daß wir heute nicht- weniger gebrauchen kömtten, als einen Kultur­kampf. Dabei sei aber eine möglichst klar« Problem­stellung nur zu begrüßen. So werde bi« Situation geklärt durch bie scharfe Stellungnahme des soziasdemokrotischen Partestages zugunsten der Weltlichkeit de» gesamten Schul­wesens. Auf alle Fälle s« aber ein loyales Festhalten an der Dersalsung zu verlangen. Die Einrichtung welt­licher Schulen sei mtßiflungswidrig, solgng« ein ent­sprechendes Reichsgesetz noch nicht vorhanden sei. Es sei Sache der sozialistischen Partei, ihren Angehörigen de« nötigen Respekt vor der Derfaffung beizubringen. Da, Zentrum erwarte von der preußischen Unterrichtsoerwal- tung gegenüber den Privatschulen eine durchaus wohlwollende Haltung. Redner spricht bie Erwartung

Heilwigs plötzlichem verschwinden, da, ihnen allen ein Rätsel war. Besonder» Frau Gödel und Brigitte Al- vensleben wußten es sich nicht zu erklären und meinten, daß sie doch nimmer so ohne Abschied geflohen fein könnte. Vielmehr habe sie sicher ein Unglücksfall außer­halb der Burg betroffen, und sie trauerten von Herzen um sie, denn sie war ihnen lieb und wert geworden al» stille, fleißige Hausgenosiin den Winter über.

Otto grübelte lange und tief über dasDorkommnis und glaubte, den Schlüssel dafür gefunden zu haben. Doch schwieg er darüber und bewahrte seiner Seele Tieffte» vor allen Blicken und Fragen. Es war ihm allmählich zur Gewißheit geworden, daß Heilwig mit Absicht Wolde verlassen und nach Rostock oder Demmin gegan­gen sei. Aber wie? So ganz allein war doch unmög­lich als Frau, und In dieser Zeit.

Denn ihr ein Unglück zugestoßen war nnterwte«? O, sie war tapfer und hatte Mut, da» wußte er. Aber die» war doch ein Wagnis — so kühn — daß e» ihn zittern machte. Und die Sorge um sie lag oft wie ein schwerer, lähmender Druck auf ihm. Da» hinderte auch sein Befferwerden und seine Heilung, und die bei- den Frauen schüttelten oft traurig den Kopf über sein schlechtes Aussehen. Und doch wollte er selbst gern fo bald wie möglich gesunden, um nach ihrer Spur sahn- den zu können im ganzen Land. Rach Demmin wollte er und nach Rostock, um nach ihrem verbleib zu fragen. Und wußten sie da nichts von ihr, so müßte er weiter forschen, immer weiter. Hotte sie wirklich den Sämmet« zahl so lieb, daß ihre Sehnsucht sie zu ihm getrieben hatte? Hundertmal fragte er es sich bei Ina und bei Nacht. Aber hundertmal verneinte er auch selber diese Frage. Aber was hatte sie denn fortgetrieben? Das nur? Er gemarterte sein Hirn und fand bie Antwort nicht. O, daß er erst wieder retten könnte, um fich sei- der Gewißheit zu holen, nach der seine Seele schrie.

3e weiter der Frühling in das Land kam mit vogel- •gefong und Blütenpracht, desto kräftiger begann er sich zu fühlen. Und endlich erprobte er unten im Burghof fein altes Streitroß, trotz ängstlichen Abmahnens der Frauen. Aber er ließ sich nicht mehr halten.

Und dann an einem lachenden Maienmorgen, als die Nachtigall im blühenden Rotdorn fang und die Schwal­ben burd) die blau«, sonnendurchzitterte Luft schoflen, trabte Otto M«lhan mit verhängtem Zügel über bie Zugbrücke ins Freie, den Tor«« von Demmin «stzezen.

seiner Fraktion aus, daß die Erhöhung dar staatlichen Dotationen für bie Bistümer noch für da» laufende 3ahr eintreten. Die etatsmäßige Anstellung von Frauen fei im Kultusministerium baldigst herbeizuführen. Das Zentrum lehn« den versuch ab, die erhöhten Z u - schüsse an städtische Lehranstalten dazu zu benutzen, um di« geringen Rechte, die den Ge­meinden noch auf dem Gebiete de» Schulwesen» ge­blieben seien, zu vermindern. Da» sei eine unzulässige Ausnutzung der kommunalen Notlage. t

Eingehend verbreitet sich Abg. Dr. Hoßmam, Über die Nottvendigkest. der christlichen Philosophie an unseren Hochschulen einen wesentlich größeren Raum zu schassen. Denn eine Erneuerung Deutschland» mache einen wesentlich stärkeren Einschlag christlicher Philosophie nötig. Sie sei auch bie beste Stütze ,m Pflege einer ver­nunftgemäßen Autorität, bie uns beule ganz besonder» mang eite. Hinzu komme für uns tue Erziehung zu star­kem Nationalbewußtsein.

Der Minister H a e n I s ch erklärt, die Genehmigung zm vorzeitigen Einrichtung von weltlichen Schuten au» einer Notlage bereu» erteilt zu haben, weil da» Netchs- gesetz zu lange habe auf sich warten lasten. _ Er sagt dazu, daß den Verpflichtungen des Staates gegenüber bet kacho- lstchen Kirche schleunigst nachgekommen werden soll«. Auch da» Privatschulwesen werde bte Staatsregierung wohl­wollend im Luge behalten. Staatssekretär Dr. Decker sagt zu, daß man versuchen werde, Frauen sobald al» möglich in etatsmäßige Stellen der Zentrale zu bringen. Er verspricht, daß der katholischen Weltauffas- sung an den Universitäten mehr Bewegungsrnög- lichkeften gtM>affen werden sollen, indem er bte Kritik be» Zürtn-misvedner» über die Engherzigkeit der preußischen Hochschulen gegenüber der christlich«« Philosophie als be­rechtigt anerksnnte.

Der Abg. Dr. Lauscher, bet in der Aussprache al» zweiter 3entrum st ebner das Dort nahm, betonte, daß zu allererst die Versöhnung ber einzelnen Gruppen de» eigenen Volke» angeftrebt werden müsse. Da» könne mir dann gelinge«, wenn man sich mit ber Tat­sache der sehr weitgehenden Differenzierung de» deuifchen Volkes ehrlich abfind« und darauf verzichte, unter mehr oder minder sanftem Druck eine Grupp« zu verg-waitigen. vor einig« Tagen habe er im Plenum cm Hand um- farcreitfi-n statistisch« Material» gezeigt, wie schwer in dieser Beziehung m Preußen an dem katholischen Volks­teil gesündigt worden sei. Des Wort „3 mparitöt" umschließe eine Unsumme von liebelwollen und Umecht gegen die preußischen Katholiken. Das Kultusministerium habe daran sein gerüttelt Maß von Schuld und Leront- worttmg. Schon hn Jahre 1845 sei auf dem rhe'milchen Pkomnztellandtage bitter« Beschwerde darüber geführt worden, daß hn Kultusministerium tteben 34 evangelischen nur 6 katholisch« Räte vorhanden seien. So , sei «s, bi» auf den heutigen Tag geblieben. Die hn vorigen 3ohre gegebenen Zusicherungen seien nutzt oehatten worden. C» sei unerträglich, daß an der Spitze sämtlicher Äfrfei- tung en be» Ministerium» ausschließlich Richt- kathol! ken ständen. Er mache dafür den paelamen- imflch. verantwortlichen Minister nicht persönlich. morÄisch verantwortlich; denn ber parlarnentarische Minister sei in Qimliffkations- imd Deförderunerfrooen zweifelto» von sei­nem Etaairsekrteär, den Minist^riasdirettoren und Perso- natreferenten abhängig. Eben hier müfle einmal energisch nach dem Rechten gesehen werden. 3n ber Bürokratie, bie großenteils noch Ne alle sei. lebe mich di« alt» Sb- Meinung gegen Katholizismus und Zentrum fort. Würde ehrlich nach dem Grundsatz ber Tüchtigkeit verfahren, fo wurden ganz sicher Katholiken tn erheblich größerer Zahl berufen werden. Er mache allen Ernstes daraus aufmert- fern, daß ein entschiedener Bruch mit den alten schlimmen Traditionen ein Gebot poAischer Klugheit sei. Die Katholiken lteßon sich bie Zurücksetzung einfach nicht mehr gefallen.

Au» einer Schluß bemerkuna des Ministers schien ber- vorzugehen, daß er für diese Forderung Verständnis hab«.

Vermischtes.

• eine Msenbahn gestohlen! An? Herrmann ft adt wird gemeldet: Ruf der Vhnla-Videber Ei enbahn- direktion ei schienen vier Hochstapler, btt sich al? Delegierte der rumänischen Staat-bahn ausgaben und erklärten, den Befehl erhalten zu haben, Hie ganze Bahnlinie abzumontieren. Nach einer Woche Arbeit und in Anipruchnahme einer Menge Arbeit gelang es der Bande, die ganze Eisenbahnlinie fort- zmäiaff n. Tie Bahnbeamten erhielten erst nack- trägiich die Kunde davon, daß ein derartiger Befehl, nicht aus/egeben war.

Gotterdlenstordnung.

Sonntag, 28. Nov. (1. Adventssonntag.) Do». */$5, ö, >/,7 u. 7 M., i. d. 6 U.-M. Kam. d. christlichen Mütterverein», 8 Pfarramt u. Pr., V»10 Kathedralamt u. Pr., 11 Ehr. f. b. txüngl., */,12 M. u. Pr, */»2 Michael«- Bruderschaft, 2 Ehr. f. d. Jungfr., '/«? Vers. d. chrrstl. Mütterverem», 4 Pr. n. A., 7 A. — Stadtpfarrkirche, 5'/, Ko«, 5»/« M., fi«/, M. u. 9ont. d. Mütt-rveiein». 8 M. u. Pr. (I. Schulg.), Oft, tpfarrar t u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schute.’, 97, Ehr. f. d. Jüngl. i d. Sebert-

Rur wenige Knechte begleiteten ihn der Sicherheit wr- gen. Unterwegs gesellte sich ein Demminer Kaufherr ihm zu und bat, ob er sich anschließen dürfe. Denn in jener unruhigen Zeit war jeder Reifende froh, wenn er irgendwie Begleitung fand. Zuerst ritten sie schweigend nebeneinander, bi» der Kaufherr bedächtig begann, von feinen Geschäften zu erzählen. Otto Maltzan hört« kaum zu und gab nur einsilbig und zerstreut Antwort. Di» er plötzlich nicht weit von Demmin, den anderen un- vermittelt nach Fridolin Lämmerzahl fragte. Der er­zählte eifrig von dem Tuchhändler, der ein guter Ge­schäftsfreund von ihm war, und wußte ihn sehr zu loben.

„Und nun hatte er auch ein brave» und treues Ehe­weib heimgeführt, um da» ihn viele in ber Stadt beriet- den könnten."

Was bäumte sich Otto Maltzan» Pferd so säh empor ohne Grund? Und war war dem Ritter selbst so jäh in die Knochen gefahren, daß er zusammenzuckte wie unter einem Peitschenhieb? E» war fein Angesicht so fahl geworden wie da» eines Toten und feine Augen hatten einen stieren Blick. Nicht» hörte er mehr von dem Geschwätz des Kaufherrn, kein einziges Wörtlein mehr. Dor feinen Ohren summte es wie ferne Meeres- brandung.

Warum hatte sie da, getan? O Gott, warum nur? Da» wollte er überhaupt von dem Lämmerzahl? Wür- den sie ihn nicht auslachen, wenn er tarne? Was scherte ihn eines andern Weib? Was hatte er überhaupt sei­nem Herzen erlaubt, solche He-rschaft au»zuüben über seinen Verstand und Willen?

Plötzlich lachte er auf. Kalt und hart und schneidend, daß der Demminer Kaufherr sich erschrocken nach ihm umsah und nicht wußte, was er fugen sollte. 3hm war der Ritter mit dem fahlen, mageren Gesicht schon von Anfang an unheimlich vorgekommen. Und er verab­schiedete sich schnell, denn dort winkten auch schon in be« Ferne bie sicheren Türme ber Stadt Demmin.

Otto Maltzan merkte e» kaum, daß er nun wieder allein ritt. E» war plötzlich ein wilder Trotz und ein eiserner Wille in ihm.

Sei allen Heiligen! Er mußt« trotz allem Heilwig sehen, koste es, was es wolle. Ein einziges Mal noch. Auge in Auge muhte er ihr noch einmal gegenüberstehen und fi« fragen, warum sie bie» getan. Nie wieder wollt«

kirche^nachmittaa» IV» Christenlehre für bie Jung, freuen,-2*/, Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael. — PfartGtch- «um hl. Geist ’/*7 Kom., 7 Frübm., 8 Pr^ timt tn; Kom., 4*/, Ehr, 5 3.— Teverikirche. Sonn­tag» u. Werktag» st,7 M — Herz-Jesu-Heim. 6 Früh«., 8 Amt m. Pr., 2 «. (Mittw. abenbi 8 «.) — »rauen, ber». 0, 6, 67, u. 7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Hoch­amt m Pr., nach«. 2 feiert Vesper m. sakram. Segen. — Michael»iirche. Nachm. 2 Bruderschaft von den sieben Schmerzen Marten». Sn den Werktagen ber Advent»» zeit mit Ausnahme ber Montage jeden Morgen um T Ötoraieamt

Montag, 29. Nov. Frauenberg. Fest aller Heiligen ber drei Orden be» hl. Franziskus. (Äblaßtag f. alle Gläubigen.) Be ten 6V« Levitenamt, nachm. */*5 feiert, Komplet m. sakram. Segen.

@6<tngel!<d)«r Gottesdienst.

Sonntag, 28. Rcv. Corrn. 91/, Sup. Ruhl lHl. Abendmahl), nachm. 2 Pfarrer Weber. — Bieberstein Vorm. 9 Pfarrer Reich.

MrilWNl der WWen WMgsnMMe.

27. November 1920.

Inckcrverlelluna für Dezember: Die Dezember-Zucker» karten find den Geschäften sosott zur Voranmeldung z« übergeben. Lamelbeschlutz: Dienstag, den 30, November. Abgabeschlutz für die Geschäft« bei der fiatfenfOttfroffffeDo Mittwoch, den L Dezember.

Verteilung Jtr. 23:

Ein noch vorhandener Rest Auslandsspeck folrfen Dege ber Voranmeldung ausgegeben werden. Auf, den Kopf entfall« je noch ber Höhe ber Anmeldung 60 bis 400 Gr.; Näheres hierüber wird nächsten Samstag mit geteilt. La­denpreis 15 M bas Psd. Die Ausgabe erfolgt durch bie Metzgereien.

Anmeldungen auf Verlestungskark« 23 — auf einen Metzger als Geschäft lautend — an bie Nahrungsmittel- stelle, «nmeidefchlutz: Dienstag, den 30. November.

Vom städtischen Lager werden bi, aus weiteres noch Kartoffeln zu 25 M pr. Ztr. abgegeben. Bezahlung unter Vorlage des Lebensmitteiausweifes bei ber Nahrungs­mittelstelle. Abteilung Kartoffeln. Die Abholung kann so- fort erfolgen. — Bereits bezahlte, aber noch nicht bezogene Kartoffeln müßen ebenfalls gegen Vorlage bes Bezugs­scheines ober ber Abgabeamoeisung sofort abgeholt wer­den. — Ob später Kartoffeln noch geliefert werden können ist sehr zweiselhast.

Aarflehung ber Abgabe eon Hälsen fruchten.

Anrneldimgen für Abteilung III — Viktoria-Erbsen tmb geschälte gäbe Erbsen zu 1,75 <M. d. Psd. — sind so­fort schriftlich rote folgt an bie Nahrungsmittetstelle richten: , >

Anmeldung für yülsensrüchte der Avteilung III.

Gewünschte Stenge in Psd. ... Kopfzahl im Haushalt: .., Nr. b. Lebensm.ittel-Ausweis«»:.........

Unterschrift (Name, Stand, Dohmmg):............

Anmesdeschluh: Dienstag, den 30. November.

Zett der Ausgabe: Anfang Dezember; Näheres hisrüb« wird noch bekannt gemacht.

Auch in ber nächsten Woche wird voroussichMch Butter für bie Kranken-, Alters, und Säuglingsfettkarte« nicht zur Verfügung stehen.

<Th. Soffing & Co-

Bankgeschäft FULDA hinter <L P[arrklixhe

Telephon 407 Po$!idie<kkonto: 80638

Tel-Adr: Fuldebank Am! Frenk uria-M

Snsfühiw rSMMHMmWoenSettMe

Kursbewegung vergangener Woche

19/11

26/11

19 11

26'11

Buderus . .

645

850

Lloyd . . .

19O‘,i

194’,

Caro . .

309

315

Padcellahrt .

197’/«

204

Dl.Luxemburg

404

410

Bad. Anilin .

575

588

Gelsenkirchen

415

425

Daimlei . .

284’/»

280’/,

Harpener. .

Phönix . . .

548

594’ >

535

746

Friedridishal. Orenslein

594'/«

549’/,

Rombödier .

384

36»'«

X Koppel

450

447

A.E.G.

El.Lichfu. Kra|l

322

220

327’/.

212

A-G |. Aniiln Commerzeru.

468

480

Deuber Gasm

280

280

Privatbank

208

213'/.

Rütgenwerke

450

425

46/e Zolltürk.

108’/»

102.25

Hohenlohe .

Schucke.-t . ,

285

290

345

279

Dev

4’/i Anatolier

isen. -

169’/-

162

Holland . .

Amerika . .

^dwelz . .

Wä’/i 73'« 117»’/.

2188V.

71’/.

11 »’/.

Frankreich .

446’/»

429’/,

er ihren Weg kreuzen, aber die Gewißheit mußt« er mit sich nehmen in sein rauhes, wildes Retterleben, bat sie nicht unglücklich war. Daß sie nicht in Hartern Zwange lebte. Denn er konnte und konnte es sich nichi denken, daß sie freiwillig so gehandelt.

D, er würde ihr kühl gegenüberstehen und sich nicht» merken lasten. Bei Gott nein! Da» verbot ihm fei* Stolz und seine Ehre. •

Aber sein Herz schrie danach, sie nur noch einmal zr» sehen und zu sprechen.

Er biß bie Zähne aufeinander und warf den Kopf in den Nacken. Und wand mit seines Willens Kraft eiserne Riegel um fein pochende» Herz.

Und dann ritt er durch die Tore von Demmin.

Dumpf hallte das Pflaster unter den Hufen feines müden Pferdes. •

Mit starrem, ehernem Gesicht ritt er vorwärts, ohne recht» und links zu blicken.

„Heilwig," schrie seine Seele, ,o Hellwig, warum hast Du mir da» getan?' 1

Und damit hielt er vor dem hochgiebeligen Haus« der Lämmerzaht am Marktplatz, da» er schon von dazu­mal kannte. 1

Mit einem Satz war er vom Rotz und warf seinen Knechten die Zügel zu. Dann hob er den schweren Mef- singklopser am Tor, bas heute verschlossen war. Eina alte Magd öffnete ihm mit mißtrauischem, neugierigem Blick und fragte nach seinem Begehr. Starr und eifer* war fein Gesicht.

„Ist Herr Fridolin Lömmerzahl zu Haufe?" t

Sie schüttelte den grauen Kops.

„Er ist seit heute früh über Land, weiß nimmer wann er heimkehrt. Aber die Frau ist oben."

Sn wilden, unruhigen Schlägen ging sein Herz. *i

„So führt mich zu ihr."

Er sagte es fast tonlos. Da stieg die Magd die ge­rn unbene Holztreppe voran und öffnete die Tür zu einen» geräumigen Gemach.

„Denn 3hr einen Augenblick warten wollt, Herr, ich werde bie Frau gleich rufen.'

Da stand er mitten im Zimmer, den zerbeulte« HÄnk m der Hand — die Augen auf die Tür gerichtet.

Kein Blutstropfen war in feinem Gesicht. Er hott- sich kaum merklich auf fein Schwert gestützt.

«ottsetzm,« folgt.)