Einzelbild herunterladen
 

i Artikel buLKARA

Teil 206

7 ..%) ^WTi TW vV. 7

M 274.

Freitag, 26. November 1926.

Kongreß christlicher Betriebsräte.

(M) Essen, 24. Nov. 1920

Im Anschluß an den Kongreß der chrisüichen ®e» verkschorten fand eine BetriebsrStetagung des deutschen Aerverischaftsbunbes statt, die der Vorsitzende, O. Thiel, Berlin, mit einer Ansprache eröffnete.

Als erster Referent sprach Reichsarbeitsminister Dr. gtauns über „Die Lage der deutschen y o 11 s ro i r t i d) a f t'. Diel vernünftiger und dien» zcher für den Arbeiter, führte er u. a aus, ist es, an» falt die Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu for» Ijern, den Hebel zur Sozialisierung anzusetzen bei dem xraebnis d»r Produktion und der Verstärkung der Pro- hnkt'on. Wenn das heute die Betriebsräte noch nicht überall erkannt haben, so liegt das an der Undurch- ochtigkeit un'eret Wirtschaft Das Betriebsrötege'etz soll Mt die Möglichkeit zu allerhand unerfüllbaren For» tzenmgen geben, fondcrn soll dem Arbeiter nur die Mäg» llchkeit gewähren, die Beziehungen zu den Betrieben zu fördern. Cs wird alles darauf an ton'men, daß die Be­triebsräte in den Geist des Betriebsrätegesetzes eindrin­gen. darüber hinai'S aber auch ein Verständnis für die großen Zusammenhänge unserer Wirtschaft zu gewinnen Schen. Dann wird die Einrichtung der Betriebsräte den rbeitern sowohl wie unserer Gesamtwirtschast zum Se­gen gereichen. (Lebhafter Beifan.)

Sils zweiter Berichterstatter stellte und beantwor» tete der Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschafts- - hes Johann Brebemann, Berlin, die Frage: Mas erwarten wir von den Betriebs, röten?' Er schilderte die Entwicklung des Rätegedan- kens und legte seine Bewertung vom christ'ich-nationa. len Standpunkt aus dar. Der Kern des Rätegedanlens ist, io sagte Redner, der, ihn zum Ausgangspunkt her Eezialreform zu wachen. Diesen Kerngedanken wollen wir pflegen. Der Radikalismus will die Rät» zum Mit­telpunkt eines Systems machen, das die Diktatur des Proletariats zum Z^el hat. Diesen Wahnsinn machen wir nicht mit. (Lebhafter Beifall.) Die Gewerkschaften haben die Betriebsräte unbedingt nötig, um durch sie bie Verbindung mit den Betriebsvertretungen, den Ausgangsnunkten der Gewerkschaftsbewegung, herzu- stellen. Aber auch die Betriebsräte sind auf die Ge­werkschaften angewiesen, beide müssen sich ergänzen.

Reichsp-stminister G i e s b er t s hält das Betriebs- lütegefetz für eine soziale Errungenschaft ersten Ran- ;es, wenn sie sich frei halten von allen Klasienkampf- gelüsten. Der Betriebsrat darf niemals produktions- öinde-nd auftreten. Schließlich soll der Betriebsrat die Arbeitsfreude wecken, je mehr dies geschieht, dello eher wird Deutschland hochkommen (Lebbaster Beifall.)

Das dritte Referat hielt Karl K ö p v e l vom Ge- (amirerbanb Deutscher Angestelltengewerkschaften, intern er ein einträchtiges Zufgmmenarbe'ten zwilchen Arbei­tern und Angestellten forderte. Unentbehrlich lei beson­ders die Mitwirkung der Angestellten zur Prüfung der Bilanz, der Gewinn, und Verlustrechnung und die Ver­tretung im Aufsichts-at.

Die Rachmlltagssitzung war der 2(usrnratf); über hie Referate her Tagung gewidmet. Roch Schluß her Dis- kusfion nahm der Kongreß einstimmig eine Entschließung an. in der es heißt: Di* christlich-notiona'en Betriebs­räte betracht*« es a's ihre vornehmste Aufgabe und Pfsicht, im Geiste des B*trlebsrätegefetz*s zu wirken, dagegen sehen sie es angesichts der Zerrüttung unserer Wirtschaft als eine große Gefahr an, den überraii'a'en Forderungen gewiff ar Arbeit-rkreile nachzugeben. Jns- befrmbere lehnen sie die Forderung ab, die Bs. triebsräte auf den Boden des sozialistischen Släffenfampfes zu.stellen. Von den Arbeit­gebern verlangen sie ebenso wie von den Betriebslei­tungen vollkommene Beachtung aller Bestimmungen des Betriebsrätegefetzes sowie besten loyalste Durch'üh. rung, von ben Betriebsräten gewißen hafte Wahrneh­mung der Interessen her Arbeitnehmer ben Unterneh­mern gegenüber.' — Eine Anzahl Anträge über Er. Weiterung und Aenderunq bes Betriebsräte^,ehes wurde dem Arbeiterrechtsausschuß bes Deutschen Ge. werkschoftsbundes zur weiteren Bearbeitung üb.ermiefen.

Der Vorsitzende Thiel, Bersin, faßte in seinem Schlußwort bas Erg*bnis der Tagung dahin zusammen, daß der erste chrisllich-nationale Betriebsrätelongreß eine Tat sei und ben Anfang für den Wiederaufstieg des deutschen Volkes bedeute.

Kns dem Mckwaraedlel.

mc Jrnnffsrl a 21t. Die Frankfurter Das», Clek- irizitäts- und Wasserwerke sollen unter dem Namen «Frankfurter kommunale Werke' zu ei­ter Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammen» eefaßt werden. Neben der Vcre nfachung der Berwal- mng erhofft man aus dieser Betriebszusammenfassung eine wesentliche Erhöhung der Rentabilität. — Durch den Abbruch der Tarifverhandlungen in Berlin hat sich unter den Eisenbahnern e’ne starke Miß­stimmung herausgrbildet, die von unverantwort­lichen Elementen ausgenutzt wird, eine w ü st e §,Ereikhetz e zu treiben. So wurden aus einzelnen Werkstäätten Fkugdlätirr verteilt, d'e „Stampf der Re» gierung", „Rieder mit dem Regierungsterror' über-

Fuldaer

schriebe:, waren und in Feuerköpfen Derwirrung an­gerichtet hätten, wenn nicht das Eros der Eisenbahner besonnen wäre. Dennoch darf man sich ke ne Illusion darüber machen, daß die Stimmung der Eisenbahner äußerst erregt ist. Eine baldige Lösung d>r Krise wäre im Interesse des Betriebes nur zu begrüßen.

Literarisches.

Die .Christliche Postlik", eine Wochenschrift für brüt« sche Kultur unö nationale Staatsauff^siimg, erscheint feit einher Zeil im Verlage Kornacker, Hildesheim. Heraus­geber ist Dr. Alfons Steiger, Berlin. Es liegen be­reits 19 Stummem dieser Zoitschrift vor. Bei der immer noch zunehmenden Fülle christentumfeindlicher Dromre und materialistisch-fozralistischer Broschüren und Zeillchnf- t"n, wie sie täglich zum Schaden unseres Volkes auf hm Markt geworfen werden, ist es zweifellos ein nicht hoch genug anzuschlagendes Unternehmen, auch der christlich-n Sache to breitester Veffenilichkeit Stimme und Nachdruck zu verleihen durch eine Wochenschrift, die der Vertiefung des christlichen Gcldamkens dient. Schon aus diesem Grunde ist Ne neue Zeitschrift zu begrüßen. Die „Christ­liche Politik' fetzt sich bewußt für den Zentrmnsgedanken ein, ist aber gleichzeitig großzügig genug, um auch ande­ren,, sofern sie auf dem Boden her christlichen Weston- fchaüung stehen, Raum zu geben; sie baut auf diese Weise Brücken, deren unsere Zeit des inneren Haders mehr berat je aufs dringendste bedarf. Dabei ist sie vorteilhaft eingestellt auf alle Stände und dient foir.it der Pflege und Förderung bes sozialen Etnheitsgedankens, der gerade setzt aufs stärkste betont zu werden verdient. In einer kurzen Wirischafisschau unterrichtet sie über volks- und wirtschaftliche Fragen; eme Prefstschau, die in der ge­wählten Art der Aufmachung durchaus neuartig ist, macht uns kurz und übersichtlich mit der jeweiligen politischen Augenblickslage bekannt, so, wie sie in der Beurteilung der Presseorgane aller der verschiedenen Parteirichtungen zum Ausdruck kommt. Die Zeitschrift hat bereits von mannigfacher Seite anerkennende Zuschriften erhalten.

„flulfur und Tlerro lt“. Eine Tragödie unterer Zeit. Von Prof. Dr. K. Günther. (Raturwisieg. schaftllche Bi'lliethek.) 157 Seiten. Preis geb. fr Mk. Verlag von Quelle u. Meer in Leipzir. 1920. Snbem Urwald und Steppe der Kultur erfdj'öffen werben, er- liegen ihr unsere schönsten unb eigenartigsten Tiere. Nur wenigen gelingt es auszuwanbern ober sich aiya- paffen. Besonbers fesselnd schildert urs der Berater bie Kultivierung her einzelnen Erbteile ins'elondere Europas und bas Ende der großen Säuger. Auch die Geschichte der Jagd und ihr Einfluß auf bie Tierwelt wirb gegeben. Uebera'I sieht man die Arbeit des Na­turforschers. der bie Lebensweise ber Tiere ergründet unb zu erklären weiß, warum und wie der Einfluß ber Kultur auf bie einzelnen Tierarten einwirken mußte. Das ganze Buch ist aber auch eine eindringliche Predigt vom Wert unb ber Schönheit ber Tiere.

3m Rettungsschiff. Erlebnisse einer K-mveriiten- famitie. Hera isicgeben von Friedrich Maurer. Mit einem Titelbild. 8". (IV u. 134 S.) Freiburg L Br. 1920, Herber. Mk. 6.40; geb. Mk. 9.— und Zu- schläge.

Während auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wie auf den Blättern moderner Romane ikruppelloier Priesterhaß feine Kanzel aufschlägt unb an fierabie.it» dinurkg ber Kirche unb ihrer Diener bas Menschenmög- lichste leistet, bringt hier ein schl'chter Priester, ein Konvertit, ein Ovfer bes Dankes dar für Glück unb <2 nabe feiner 25 Priesterjahre. .für dreißigjährige a'ückvolle Fahrt im Schifflein Petri'. So manchen Rathanel, so manchen ehrlichen Saulus gewahren wir unter ben Gegnern ber katholischen Kirche. Jedem sol- chen reblichen Sucher unb geradsinnigen Kämpfer wün­schen wir das Buch in bie fianb: ob nicht bie Binde um die Augen sich lockern, ob es ihm nicht wie Schuppen von den Augen fallen möchte! Bar allem aber wirb ber seines Glückes bewußte Katholik an bem ehrlichen, ban-b'ren unb freudigen Bekenntnisse dieses Buches feine Freude haben.

Fördert den Obstbau! In jede- BerfammTitng hört man, in jedem nationalökonomischen Schri'tchm tieft man vom Aufbau. Es werben Bolkshochlchulen gegrün­det sowie landwirffchaft'iche Wintorfchu'en. Aufklärung gibt es genug. Bun aber auch Taten! Wenden wir uns einmal ber Bedeutung bes Obstbaues im Kreise Fulda zu. Der Obstbau im Kreise läßt viel zu wünschen übrig. Der Obstbau wirb von ber acker- bauenben Bevölkerung als Nebensache und fein Betrieb als eine Liebhaberei einzelner angesehen Der Obstbau bietet in seinen Erzeugnissen eine Fülle wertvoller Nah­rungsmittel. Die Einnahmen aus Obst sind sehr be­deutend. Die Anpflanzung von Obstbäumen erhöbt den Wert ber Ländereien selbst und damit den Vermögens, stand der Besitzer. Z. B.: Auf -inorn Meter Morgen stehen 25 Apfelhochstämme. Diese liefern bei richtiger Sortenwahl, guter Behandlung während ihres nan-en Lebens von etwa 70 Jahren durch'ch titt'ich für te.r Baum 205 Ztr. Obst; zusammen also 5125 Zentner zu

Heilung

je 3 Mark = 15 375 Mark Die Auslagen für An. pflanzen ber 25 Bäume mit Wartung und Pflege wah- renb ber 70 Jahre berechnen sich hochgegr.ffen auf 2650 Mark; nach Abzug dieser Kasten von der ®ejamtein» nähme bleiben 12 725 Mark oder durchschnittlich für jedes Jahr 181 Mark 78 Pfa. Obsterlös von einem Meter Morgen Land. Natürlich sind bas Fr-.ebensvreise und ein Landwirt soll nun seinerseits dieselbe Anbauflache ohne Obstbäume bei wirtschaftlichem Vollbau berechnen und da wirb er sich sagen müssen: „CEin rechter Land­wirt muß auch Obstzüchter sein.' Es haben sich zwei tüchtige Fachmänner bereit erklärt, den Obstoau tm Krcise Fulda zu organisieren. Näheres hierüber bei der Geschäftsstelle des? kurhessischen Bauernverems im hal­ben Mond zu Fulda. ,s*

Israelitischer Gottesdienst.

Samstag, 27. Nov. Vorabend, ottesbienst 4,15- morgen« 8,30, nadim. 3,30, SabbatbauS lang 5,15 Uhr — WochengotteSdtenst: Mor.enS 7,0J, nachm. 4»!5, abends 5 10 Uhr.

Amtliche Anzeige».

Rundschreiben Rr. 16.

An sämtsiche bem Reichskleiberlaorr Nr. 38 zu'Frank­furt a. M. angcschlossenen Sommunalaeibanbe.

Hierdurch teilen wir Ihnen mit, daß IL Vereinbarung mit der Textil-Notstandsversorgung G. m. H. in Ber­lin folgende Warenposten von den Kleinhändlern ohne Berechtigungsschein abgegeben werden dürfen:

Trikot-Männer Unterhosen p. Sick. M. 13 50 bis M 15,50

Trikot-Männer Unterhosen p. Sick. M. 20,30

Trikot-Männerunterhoien p. Stck. M 12,55 (ursprüng­

licher Preis «M. IC 35)

Fmuensirümpfe p. Paar M 9,20 (ursprünglicher Preis M 16,35)

Eovereosi p. Mir. M 51,— und M. 39,—

Männerbekleidr'ngsstosf p. Mir. M 45,90, <M. 38,— und <Al 34,50.

Wir ersuchen Sie, bie Kleinhändler sowie die Kon­sumenten durch eine geeignete Veröffentlichung auf diese Einlaufserleichterung hinzuweifen, insoweit obige Waren­posten an die Abnehmer Ihres Kommmraloerlxmbes ge­liefert wurden.

Hochachtungsvoll

TexM-Dersorgunas Genossenschaft t. ©. m. 6. H.

Reichskleiderlager Jtr. 38

gez. Piorkowsky. gez. Oestrich.

Wird veröffentlicht.

Fulda, den 20. Roo. 1920.

Der CanbraL I. V.: Köhler.

Dfehfeirchettpolizeilrche Anoivnung.

'3 'in Schutze gegen die Maul- ur d Klauenseuche wird auf Gründer §§ 18 ff. des tiiepfeu tengqeVes vom 2<». Juni 1909 Reichsgesetzt).a.t «. 519) mit Er- mä.ltigung des Herrn Ministers für ttanowirtschast, Ton änen und Forsten folgendes beilimmt:

§ l. Infolge Ausbruches der Mau!» und Llaurn- fenche in her Gemeinde Niedert,ilvach ändere ich bie §§ 1 und 7 meiner vreiiseuchenporizeilichen Anordnung vom 8. ds Bits. — Fuldaer Zeitung Nr. 262 — hier­durch wie folgt ab:

Der an der Straße Neuhos-Nieberkalbach. Mittel» kalbach bciegene (§ 1.) O täteil der GemLinde Slteber» katbach bildet einen Sperrbezirk. (§ 7.) Für die Leuchen­orte und den vorbezeichneten Ort-;-teil geilen die im § 8 bezeichneten Ber ote.

§ 2. Die vollständige hiernach erlassene Viehseuchen- polizeiliche Vlnoronung vom Henri en La re ist in der GemeindeNiederkalbachortsrSlichdurch rtutrusen — Aui» Hang - bemunt gemacht tvorden unb t nn aufbem^ür^ci» mei|tetamte daselbst ober bei mir eingeseheu weiden.

Fulda, den 24. November 1920.

Der CanbraL 3. S. Köhler.

Diehseuchenpolizeiliche Anorv» »nz.

Nachdem die rwhcilung der Maut- und fii-meu- euche in ber Gemeinde S?puppen an.tstlerärzriich feiigeueUt worben ist unb die 2lbn ipine der Desinfektion Itaitgeiuntcn Hot, bcitiimne ich joi. enbeS:

§ I. Die ü.'tr den Gemclnd-bezirk Alauppen ver­hält te Spcire wirb hiermit ausg.hoden.

§ 2. Die für den Gemein eve.tri Kauppen unb bie verieu lt > ew. sene Gehoste rin befon. etxn an ge­ordneten löeiiimmungcn werden zurlick^e^ozen.

Fulda, den 24 Novembec 1920.

Der Canbraf. 3. B. Köhler.

Dom Reichskieidcrlagcr 3lr. 38 zu Frankfurt sind bem Streife 1050 Meter Mäauer!ieUeldtruzLktsjse zu.gewiesen und ben einschlägigen Geschäs.en übumUtell worden. Dk Waren werben ohne Berechtigungsschein abgegeben.

Fulda, den 20. Nov. 1920.

Der Vorsitzende des Lreisausschusies. I. B.: Köhler.

Infolge Neuanslruchs der Maul- unb Llaurnseuche In der Gemeinde Kämmerzell wird hiermst meine vieh­

Gemüfe rr. Kraut

Großer Boirat an:

Wirsing, Kotftraut, wrißk aut, gelbe Rüben, gelbe Kofjlrüben, Sellerie, Lauch, Knoblauch, Merrettich, Ziölebeln, Pete fiHenmurzel, ferner Birnen, Citronen, ^osel- und Wallnüsse, Zeigen, sowie Zeldsalat, Lndivie, Mauschen- kartoffeln, Rotcrüben usw.

W Der verkauf finde) von jetzt ab out Ritkerg affe 16 f a;t. 'WB

Nenrhardt, Mph0!l 629.

Druck der Fuldaer AetiendruSerei in Fulde

seuchenpolizelliche Anordnung vom 16. d. M. — »Ful­daer Seitung', Nr. 268 —, wonach bie über ben Ge- meindebezirk Kämmerzell verhängte Sperre «isgehobe»

worben ist, zurückgezogen.

Fulba, ben 24. Nov. 1920.

Der Ccnbral. 3. B.: Köhler.

Den Herren Bürgermeistern und Gulsvorstehern wer» ben m ben nächsten Tagen bie festgesetzten Verzeichnisse bes Bestandes an Pferden unb Rindvieh vom L No­vember 1929 zugehen. Die Verzeichnisie sind alsbald an die E.nninberechner mit ber Weisung abzugeben, bi* festgesetzten Viehseuchenabgaben-Velräge von ben Vieh, desitzern sofort zu erheben unb den nach Abzug bet Hebegebühren verbleibenden Betrag an bie Landrsrenlerel in Fulda sofort abzuliefern.

Besonders mache ich noch darauf aufmerffam, baß die Beträge im Rechnungsbuch und in der Gemetnderechnung für 1920-21 unter den durchtaujenben Posten in Ein­nahme und Ausgabe nachgewiesen werden muffen. 3a d:r Spalte Zahlung-zelchen Ist die Nummer des Rech uunqrbnches einzutragen.

Fulda, den 19. November 1920.

Der CanbraL I. B.: Köhler.

«Oleine Verfügung vom 22. März 1920 (abgebnuft tm „Fuldaer Tageblatt^ Nr. 74) betreffend die Bekämpfung des Schleichhandels mit Drennholz wird hiermit auf ge­hoben.

Fulda, ben 20. Nov. 1920.

Der CanbraL 3. V.: Köhler.

Erloschen: Die Maul- und Klauenseuche in Eichel- Hain Landenhausen, Kreisamt Lauterbach sowie in do Gemeinde Thaiden unb bem Ortsteil Unterrückersbach Kreis Gersfeld.

Fulda, den 20. Nov. 1920.

Der CanbraL 3. B.: Köhler.

Ausgebrochen: 1) Die Maul- unb Klauenseuche in ben Gemeinden Bedroh, fiafelftem und Grüsselbach Kreis Hünsrid: 2) In ben Gemeinden Hutten trab Neuengronau, Kreis Schlüchtern; 3) In Unterrupsroth. Gemeinde Dups- roth. Ebersbera, Sieinwanb. Dörrenhof, Gemeinde Maiersbach, THÄden unb Oberbernhards. Gemeinbe Lieb- Hards. Sanbenhof, Gemeinde Hilders und in der Ge- meirnbe Hundsbach, Kreis Gersfeld und 4) in Metzlos- Gchaag und Zahmen, Kreis Lauterbach

F ii l b a, den 21. Nov. 1920.

Der CanbraL 3. B.: Köhler.

Ansgebrochen: Die Maul- und Klauenseuche in Brand» Ob-errupsrotb, Weyhers. Liebhords, Oettersbach. Feuer- loch, Heimenhof, Bildstein und Hausfürst (Gemeinbt Sieinwanb), Kreis Gersfeld.

Fulda, den 23. Nov. 1920.

Der CanbraL 3. V.: Köhler.

ßldcbstrcm- und Drebsirom-niotore

110 und 220 Volt, nebspAnlasser und Glcitsdiicnen vorrätig.

Das Schwert von Dhnle.

Roman von Leontine von Win ters eld-Platen. 28 j _________

fietlmig neigte den Kopf.

»Ich banke Euch für bie Auskunft', sagte sie leise stieg langsam bie steinerne Wendeltreppe wieder hinauf in ihr Gemach.

€ie wunderten sich alle ben Tag, wie still unb ernst ste war. Als ber Frühlingsabend hämmerte unb bie etfie Dresse, onhub in ben Tannenwipfeln im Burggar« $u t.n.m, ging Hellwig noch einmal durch alle k'.e chr liebgeworbenen Räume. An der Wiege von Frau Göbels Kind stand sie lange und strich mit zitternden Händen über das flaumige Köpfchen. Und zwei große Tränen rannen ihr langsam habet die weißen Wangen Meder. ($in ({eines Bündel hatte sie geschnürt» barin- «en war Brot für mehrere Tage verborgen.

O, baß sie so heimlich fort mußte von hier, wo man H>r nur liebes angetan! Daß sie sich sort'ch'eichen wollte to’6 ein Dieb in ber Nacht! Aber es mußte fein. Dem ®enn ei er ihr Vorhaben merkte, fo würde man sie »uruckhalten und nimmer ziehen losten, bas wußte sie. 2>rum mußte sie ohne Abschied auf und davon, ob chr <lud) chter bas Herz herüber zerbrach.

Aber her Ahne und Cli'abeth riefen. Riesen ohne UNeriag bei Tag und bei Nacht.

®us wohl Frau Gödel und Brigitte 2tfoensieben 6cn ihr denken würben? Den Scpf würden sie schütteln sie nimmer verstehen.

0 Gott, unb sie konnte es jer auch niemand erflä- ^n! Roch einmal hinauf in ihre Kammer ging sie. ,.e i>att? Frau Göbel gejagt, daß sie mühe fei unb schlafen gehen wollte. Unb bann schlich sie. sche i ? die Mauer gebrückt, bie Treppe wieher herab, ihr Gundel in ber Hand, ein bunfles Tuch um ben Kops, war bämmerig geworden .daß sie sich gut bergen “nnte im Schatten ber Kauern.

Al» die trutzige F ste tm verdämmernden Frühlings.- teenb schwer unb massig hinter ihr lag, atmete sie auf.

Unb ftanb nun zitternd im Tannenwald, h nter den , omm einer uralten Kiefer gepreßt. Denn es mußte !Söen Augerbtick ber kommm, ben sie noch ein letztes . a: '^^n wollte. Ein Bore halte soeben im Burghof «me Ankunft verkündet.

lieber ihr in ben Wipfeln der Bäume fang ber Stbenbrotnb. Ga 'z fern im Westen oerg'-mtn bas letzte, rote Glühen hinter ben schwarzen Stämmen.

Itttb bann hörte ste Pforbegetrappfl ben Sanüwez herauflrmmen. Und ein Schein von gelben Fackeln geisterte durch ben Wald. Fester preßte ste sich an den Stamm unb hiett den Atem an.

Unb bann kam, geleitet von etlichen Mannen, Otto Maltzan geritten. Er saß fest und sicher zu Roß, wie es seine Art war. Nur sein Gesicht war weiß, unb um die Stirn trug er eine Binde. Geradeaus waren seine Fattenaugen gerichtet dahin, wo sich die Türme von Wolde vom Abendh'mmel abhoben.

So ritt er vorüber.

Als ber letzte Hufschlag verhallt war, und das letzte Leuchten der Fackeln erloschen, raffte Hcilwig sich auf.

Ihr (Bang war schwankend, wie der einer Kranken, und ihre Füße zitterten.

Aber ihre Sippen murmelten seines Schwertes eige­nen Spruch:

„So gilt es auch dos leben unb bas blut, Gott gebe uns einen helben muthl'

Unb sie schritt vorwärts in bas Dunkel, ohne sich noch einmal umzusthen.

Sie wußte nachher selbst kaum mehr zu sagen, wie ste nach Rostock gekommen war. Von Dorf zu Dorf hatte ste sich durchgcsragt unb von Stadt zu 6ta". t. Ihre Schuhe waren zerrissen und ihre Füße wund von dem weiten, weiten Wandern. Dfi hatte sie sich im dichten Gestrüpp verbergen halten muffen, wenn wildes Knegs- gefmbcl vorüberzog. Aber es rocr nie eine Furcht in ihr gewesen oder ein Zurück'chrecken vor dem weiten Weg. Es mar. a's triebe ste eine unsichtbare Peitsch; vorwärts, her sie sich beugen muhte. Nur eine einzige große Angst lebte in ihrer Seele. Wie ste Elisabeth finden würde! Eli'abeth, deren Glück in ihrer Hand gelegen hatte und die sich so sehr sehnte nach bleiern Glück. Hatte man es ihr wieher entrissen?

Unb biefe Angst um Elisabeth beflügelte Hellwigs Schritte, daß ft? in grenzenloser Müdigkeit »nblich, end­lich vor ben Toren Rcstecks stand. Sie ha te eigentlich erst die Dämmerung adwarten wollen, ehe sie in das Hasielbachhaus ging. Denn sie schämte sich ihrer zer­rissenen Schuhe unb ihres beschmutzten Gewandes. Aber

bann konnte sie es hoch nicht mehr aushalten unb schlich im Hellen Frühlingssonnen ch:in an ben Häuserreihen entlang an ben Marktplatz hin. Sa, da fianb es wirk­lich noch wie im vorigen Jahr. Nur ber Giebel war noch grauer geworben, deuchte ihr, bte letzten Monde. Die schwere Haustür war nur angelehnt, so daß sie ben Mesiingklopser nicht zu heben brauchte. Sie fch'üpste in ben dämmerigen Flur, die breite Treppe hinauf. Niemand begegnete ihr. Sie wußte, daß um diese Mor. genftunbe ber Ratsherr meist im Rathaus war und Frau Kathrine in ber Küche. Nun ftonb sie vor der Tür des großen Wohngemachs und flinkte leise und behutsam auf. Die Morgensonne schien hell über Diele unb Tisch unb auf bie bunten Blumenstöcke am Fenster. Unb da vorne am Fenster stand eine Gestalt, ben Rücken zu ihr gelehnt. Das war Elisabeth. Hellwig wußte es sofort, unb ihr Herz begann zu klopfen. Die anbere hatte wohl das leite Knarren her Tür vernommen, denn sie wandte sich jetzt langsam um. Elisabeth sah sie an ber Tür stehen in dem zerrissenen unb beschmutzten Kleide, bas dunkle Tuch lose um bie blonden Haare ge­knotet. Sie schrak ein wenig zusammen, denn ste meinte, es sei eine Bettlerin. Da liefe Hellwig ihr Bü ibel fal­len vnb legte bie Hände ineinander und sagte leise: .Elisabeth!'

Ein paar Schritte vorwärts tat bie anbere wie in jähem Erschrecken unb hob lauschenb den Kopf. Und sah mit großen, ungläubigen Augen dem blassen Bettel- roeibe ins Angesicht

Dann schrie sie auf.

.Hellwig, um der Jungfrau willen, wo kommst Du her?'

Sie stand wie versteinert und konnte sich nicht fassen. Ganz langsam kam Hellwig auf sie zu.

Unb bann betastete sie bie anbere mit zitternden Händen, wie in zögerndem, frohem Erstaunen.

.O, Elifadeth. daß Du noch da bist! Daß Du nicht im Kloster bist! Unb daß Du so wohl aus siehst und so glücklich!'

Tief, tief atmete Hellwig auf. wie von einer schweren Last befreit. Elisabeth sah sie erstaunt an.

.0 Hellwig, warum soll ich nicht gesund und glück- sich lein? Ich bin ja seit drei Monden des Magisters

Eheweib, unb er durfte hier bleiben an der Universität Rostock. Aber Du — Du, wo kommst Du her? W» bist Du nur gewesen all die lange, lange Zett hindurch? Wir glaubten nimmer, baß Du noch am Geben feist.'

Schwer und todmüde ließ sich Heilwig in ben gro­ßen Lehnstuhl bes Ratsherrn niedersinken. Sie konnte nicht mehr stehen.

„5d) erzähle es Euch alles, Elisabeth, eins nach dem andern. Wie ich so gern schon eher zurückgewollt zu Euch und nicht gekonnL O, daß Du gesund bist und de, Magisters Weib! Wie danke ich Gott dafür. Denn das hat mich gequält bie ganze Zeit.'

Sie lehnte ihren Kopf müde zurück an die hohe Lehne. Und jagte nun leise — stockend:

„Unb — wie geht es wohl bem Fribokin Sammer- zahl?' i

Da würbe Elisabeth unsäglich verlegen unb spielte mit ben Händen an bem seidenen Täschchen, bas an ihrem Gürtel b'ng, und hob nimmer ben Kovf.

.Ach, Hellwig — atme, arme Hellwig Muß ich es benn fein, die es Dir zuerst sagt? Sieh, wir hatten alle bamals nach bem UcbrrfaS so sehr geforscht, wo Du ge- blieben. Aber als alle Gefangenen aus ber Haft in Kümmerern freigegtben unb Du n:mm?r bar unter warst, m'inten wir. Du sei st tot Der Beter glaubte es unb Fribrlin Lämmerzahl auch. Ich habe viel um Dich geweint damals, Hellwig. Und a’s* nun nie unb, nie­mals Kunde oder Bot'chaft von Dir zu urs drang, all bie sechs langen Monde n'cht — da hat —' sie stockte und luchte ängstlich nach Worten — „ha har ber Fridolin Lämmerzahl im vorigen Monat —"

Sie atmete schwer unb sah Heilwig von unten ins weiße G:sicht. „Da hat er d'e — andere geheiratet.

Mit einem einzigen Ruck stand Hellwig auf Groß unb steif unb regungslos. In weiter, weiter Ferne reo- ren ihre Augen. Unb es war fast, als fei ein grenzen­loses Leuchten barin. Elisabeth war lehr erschrocken und legte ihr weich eine Hand auf den Arm.

„Liebe. liebe Heilwig. Ach, sei nicht zu betrübt her­über Ach, sag nur ein einziges Wort, unb sieh nicht so starr aus.' ■

Jetzt gmg ein Schütteln burch Hellwigs Körper, wii von übermächtiger, gewaltiger Erregung.

(Fortsetzung folgt)