M 273.
Konnerstag, 25. November 1920.
FM-aer Leitung
Druck der Fuldaer Ärtienbitttferti in Fulda«
«rfchüttert, bah wir Miterlrbende U"S davon eine klare
Lcystellunq nicht machen können. OTe noma'en Ä < f-W müssen auch wirklich produktiv verwendet «erden.
gleicher Schwere, das uns immer wieder am
nähernd
In sozialpoktifcher Hinsicht muß das seelische Moment mehr gepflegt werden. In den letz, ten Jahrzehnten hatte man in dem Labyrinth der Der. slcherunssbestimmunqen und der einzelnen gewerblichen Forderungen zum Schutze der Arbeiter den Blick verloren für die eigentliche gerade Linie, von der aus sich alle« hätte orientieren müssen: die anders geartete seelische Bewertung des Ar beit- nehmers. Gegenwärtig sucht man diesen Dinaen nachzugehen durch das Detriebsrätegesetz und hie So» zialilserunosfrage. Die Schwierigkeiten der Umformung der Wirtschaft im Geiste des sozialen Fortschritts und im Sinne der Umwertung der Persönlichkeit des Arbeitnehmers. vom Obsekt zum Mitträger der Wirtschaft, werden noch ungeheuer groß sein Aber ich glaube, wir
Aufstieg hindert und uns in den Sumps der Taten, lostgkest herabzieht, wie da» Flimmersyst-m unserer bisherigen Parlamentärischen Po. IIH L Keine der großen Aufgaben, die ich vorhin zu umschreiben versuchte, weder auf außenpolitischem, in- nerpolitischem, wertschaftlichem und sozialem Gebiete, kann nachhaltig und befriedigend in Angriff genommen werden. Denn es wird unter den heutigen Verhältnissen immer und überall die Stetigkeit, dar Grundelemenr seder Politik, die dauernde Früchte bringen soll, fehlen. Keine Partei und keine Parteikoalition ist stark genug, um die Dinge in vorausschauender Arbeit nach einem bestimmten Plan bergan zu treiben. Dos Fundament -des neuen Baues kann nicht auf den Flugsand wechselnder Koalitionen von gleichstarken Parteigruppen oebaul werden. Es muh auf einem breiten, selten Block stehen von einer einheitlichen Moste, die Garantie für den Bestand des Gebäude» gibt Eine auswärtige Politik, die völlig neu aufbauen muß. bedarf einer sicheren Fundementicnmg im Parlament. Dor allem auch mit Rücksicht auf die Personolsrage. Wir müsten zunächst einmal für eine Reihe von Jahren einen Mann an der Spitze des Auswärtigen Amtes haben, der die Beziehungen zu den Leitern der auswärtigen Politik in andern Ländern mit klugem Takt herstellt und die abgeristenen Fäden wieder anknüpft. Das ist vielleicht die größte, aber auch die schwerste Kunst des Augen, blicks. Wir brauchen solch ständige Leiter der auswär. tigen Politik für eine Reihe von Jahren, um eine groß, zügige Personalreform im auswärtigen Dienst durebzu- führen, um einen einheitlichen Willen und mehr Selbst- diszivlinierung in demselben zu schaffen, als wie wir im Kriege und seither gehabt haben. Wir brauchen die große einheitliche Kraft im Parlament wieder ebenso stark für die Durchführung der innerstaatlichen Reformen. Wie ist e» überhaupt denkbar, zu einer zukunftsreichen Lösung der Frage Preußen-Deutsch'and zu kommen mit einer Koalition, in der die einen für möglichst schnelle Austeilung Preußens sind, die anderen kaum etwa» von einer Selbstbeschränkung der preußischen Zentralqewalt misten wollen. Das Treibrnlasten hat sich aber in der Geschichte von allen denkbaren poli- tischen Fehtern al» der schwerste erwiesen Für die Wirtschaftspolitik gilt dasselbe. Jcb brauche bloß an do« ewige Hin- und 5)erpendeln zwischen den planwirtschastlichen und freiwirtschaftlichen Extremen in den letzten VA Jahren zu erinnern, um zu oeranschau- tichen. wie nötig eine große, von einheitlichem Willen getragene Partei gewesen wäre. In noch höherem Maße gilt V*» alle« für die Sozialpolitik. Wenn wir nicht , (hu f4e Pnriri haben, die durch ihre Macht allein
haben hier nicht nur ein die Wirtschaft erhaltendes und die Produktion förderndes, sondern auch ein so hohes menschliches und soziales Ideal vor uns, daß wir in dem Kampf dafür alle unsere Kräfte anzuspannen haben. Richt nur aus sozialen und gewerkschaftlichen Gründen, sondern auch deshalb, weil diese Frage auch au« nationalen Beweggründen von größter Bedeu» tung ist.
Wenn der Wiederaufbau Deutschlands gelingen soll, müsten zum Teil im Bergleich zur Bergan, gen heil ganz andere Wege beschritten und neue Mittel angewandt werden. Wir haben m Deutschland die parlamentarische Regierungsform eingeführt und bis heute zu arbeiten versucht mit einem Parteiensystem, das sich in SÜjähriger Entwick- lung unter absolut anderen Bedingungen und zur Er- süllung von Ausgaben herausgebildet hat, die völlig verschieden sind von den heutigen. Das ist die Kern- frage unserer heutigen politischen Lage, ohne deren auch nur einigermaßen befriedigende Lölung es keinen Wie- beraufbau Deutschland» geben wird. Was wir heute brauchen, ist unter ollen Umständen eine ton ft ante Linie In der Politik. Reben dem Dersailler Bertrag gibt es kein Bleigewicht von auch nur art-
Räbe versagen, gemessen an dem Umfange der Rata, [tropfte. Aus der Kriegsrevolution glitt ganz Ost- und Mitteleuropa >n die Ermattungsrevolution von 1917. 18 hinein Macht, nichts als brutale Macht, ist die Seistesverfnstuna der Stunde, mag sie unter dem Ra. men Trot-ki, Lenin, Northcliffe ober Poincare um. gehen. „Der Geist de» Alten Testaments", hat neulich ein Engländer ge'cmt. „der Kampf nach außen und in. nen bis zur restlosen Verbitterung und Bersklkavung des Gegners und ohne das Kind im Mutterleib zu schonen, dominiert. Der lebendige Geist des Renen Testaments ist fast allenthalben nur noch bei den Stil. I>n tmb Einsamen Zu finden. Die abendländische Mensch- fteit ist nur noch dem Romen noch eine christliche."
Eine Rettung aus dieser Geistesverfastung kann nur durch eine
Wiedergeburt im Geiste des Christentums
kommen. Gesetze und Einrichtungen, mögen sie auf dem Rapier noch so vollkommen lein, können eine glückliche Zukunft nicht verbürgen. Organisationen staatlicher, sozialer und wirtlchaftlicher Ratur können wohl bestimmte Einzelwerke verwirklichen, sie können aber einem Volk, das von der Höhe feiner Erfolge heruntergeschmettert ist. keinen sitüichen fialt und keinen Glauben an seine Zukunft geben. Dazu ist erforderlich, daß zunächst je. der einzelne wieder einfach, wahrhaft und ehrfürchtig im Lichte des Christen- tu ms wird. Von dem einzelnen muß die Gesundung fiberoehen auf die Famille. Einfachheit. Klarheit, Wahr« Hastigkeit, Treue, Opferwilligkeit. Röchstenliehe muffen die ersten Forderungen auch im öffentlichen Lehen fein. Die christlich.nationale Ar b e 11 er b e m e» gung wollte von seder mehr als eine vioße Lohn, und Tariforganisation, sie wollte eine Gesinnungsgemeinschaft sein Untere Leitsterne waren stet«: Christentum und Vaterland. Wir fordern den christlichen Staat. Er bedeutet für uns die grundsätzliche Adlet,. Huna aller Anlchauunoen. die aus dem rotionasiftischen und m-chanistischen Denken der französischen Aufklö- nmaszeit des 18. Jahrhunderts ermaßen lind. Der Staat ist für uns nicht die zahlenmäßige Zusammenfassung der einzelnen Individuen, er ist für uns Schick, sllls- und Lebensgemeinschaft. Wir fordern, daß der Staat der christlichen Tradition unserer Kultur ringe» denk b'e'bt und die Lebenskräfte des Chr!ft"''tums und der chrisisichen Tradition nicht ignoriert Dir vertan- ?en, daß der Staat fialt macht vor der Gewiffensftel- §eit d-s einzelnen. In erster Linie vor der Freiftett »er Eltern, die religiöse Erziehung der Sin« "er selbst zu bestimmen. Deutsch Ist unsere Be. wegung. Deutsch heißt für uns, was durch Jahrhunderte hindurch bas Wefen unserer nationg'en Kultur mar. Deutkchland, Jahrhunderte lang jerWittert. du allen Grenzen den zentrifugalen Kräften preisgege- den. ift für uns mehr als ein aeaarovhisch-s Geh'lde. Deutschland ist für uns bi* unzerstörbare Ech'ckfc>'s»e. wein'chast die oul die Dauer fein Bosonetl, keine ficmd. Jr"”ote, fein Gett> und feine Webertrmfit zerreißen :Qn”. fieu»e ober bedeutet Deutschland für uns Sei. ^ens. und Opfergemeinichaft. In diesen (3*bon,en und !n Diesem Glauben vereinigen wir uns auch heute und L^alle R-.fvnft mit unseren unterdrückten Brüdern in 2st und West
Diese seelischen Voraussetzungen bilden die
©rnnblage für den Wiederaufbau Deutschland«.
-Nach der materiellen Seite haben wir uns folgenden llar emzupräaen: alle staatlichen, w-rtschaftuchen und finanziellen Maßnahmen hoben nur dann Zweck, «enn fi» bi? durch den Krieg zurückgegangene und zer- u°ne Draduftionsfraft in jedem Lande wieder heben, JMt smd sie nichts als Papier und der Gang der Dinge w'rd über sie hinwegneben. Beide Fehler: die De-'-n. s^ung her B-deutung der seelischen S'äfte für bei W e- ”praufbr'. Europas und die Derfennuna der wlri'chaft- ^Ary Mäolichleitsn finden sich nirgends in gleichem w-eder wie im Versailler Vertrag. Er, die Welt vom Militarismus errören sollte, ist in s^rklichseit Nichts weiter als die Ko^ifizi-rimg be« mili- ariMch,^ unb Mechanist schen Denfens einer vergange- Er ist ber Veriuch, da* '-cs die eure.
,^'R.e Menlchhetc in den Abgrund gekrie'-n Hat zu £ etn,3en. In Deutich'and hungern die Kinder, die rei^e. aber fordert 800 000 Mllchfühe Bei! Oester.
’m ein paar fiunberttaufenb Menschen nicht mehr n. kann, wollen die Ententestaaten möqlichsi ue^ für Abtransport aus Europa sorgen Der ift m,.n bchuld daran, daß bie<e fiunberttaufenbe nicht
>n Oest-ereich leben können? Wo» ist alle» bas ■““«r». al» di, unbedingte fierrütaft d:» alttellament-
Die christlich-nationale Bolkspartei.
r Die große Rede Stegerwalds, des Führers der östlichen Geroerlsch-ften, aus dem Essener Kongreß, das ganze weite Gebiet der deutschen Politik und «serer Gesamtlage nach innen und außen in den Br. JjA der Erörterung zog. findet in allen Parteilagern »ie größte Beachtung. In der Tat stellt ja insbesondere Ly was St. über die Stellung und Aufgabe der christ» ejien Gewerkschaftsbewegung im Staate für die Ent- -yiung des öffentlichen Lebens der nächsten Zeit aus- Khrte, eine schicksalsschwere Frage dar, die für das »sirsche Partriwesen von einschneidender Bedeutung ^ben kann. Was Siegerwald oorlchlägt, ist eine Re» golulionierung unseres Parteiwesens, die Sammlun gtiet chrtstlichnalionalen Elemente des Dolkes zu et»
Partei der Stille, di« „deutsch, christlich, Demokratisch und sozial"' sein soll. Die Hauptgedanken jer Rede und eine kurze Würdigung aus der Feder Parlamentariers haben wir bereits itt Nr. 271 «bracht. Da die Oekfentlichkcft sich noch eingehend mit jer ’Te&c ausrinanderzusetzen haben wird, lasten wir hier noch den von dem Büro des Kongrestes gegebenen Auszug folgern
In den letzten 6 Jahren haben fiaß, Drutalltät, Hunger, Not. Verzweiflung, Trauer unb Schmerz bas Nntlitz ber Welt grausig verzerrt Diese Borgänge traten so schnell in bas Bewußtsein, baß bie halbe Menschheit heute noch wie im Traum wandelt unb noch nicht zur kalten Morgenfrühe ber Wirklichkeit erwacht ist. Aber gerade biefer Zustand zwischen Schlaf unb Wachen ist her gefährlichste unb entneroenbfte für ein Volk. Heute u>e!ß eigentlich niemanb, wo wir stehen. Kelten ist eine vernunftgemäße Berechnung ber Zukunft immer roieber so über ben Haufen geworfen war- den, wie im Laufe der vergangenen Jahre. Wenn wir den großen Linien nachspüren, so stoßen wir auf die Tatsache, baß bie innere seelische Entwick- iung ber Menschheit hinter ber fprung» af ten äußerlichen naturwissenschaftlich-technischen unb wirtschaftlichen Ent- wicklung zurückgeblieben ist. Sie ist zugunsten ber letzteren verkümmert Der Mensch ist zum Sklaven seiner Werke geworben. Diese Entwicklung hat «1 einer Mechanisierung unb Materialisierung ber ganzen Welt geführt Seit 20 Jahren mehrten sich überall bie Zeichen einer katastro- pftalen Spannung: Verschärfung bes wirtschaftlichen Kampfes durch sieigenbe Bevölkerungszunahme, Der- schärsung ber sozialen unb politischen Gegensätze, Erschütterung ber Stabilität in ber Weltpolitik, uferloses Wettrüsten aller --roßen Staaten, fiervorbrängen eines hemmungslosen Materialismus unb einer egoistischen Dirtschaftsbrutalität. Sieg des Oberflächfichen und Gemeinen. Sieg ber Agitationsphrasen unb ber Iheafer- geften auf ber ga"zen Linie. Zurückbrängung bes In- nerlichen. bes Ruhigen unb bes Einfachen, ber religiösen Grunbanschauung. Tas war ber Zustanb ber euro- päischen Menschheit, ber zur Katastrophe geführt hat.
Der Krieg brachte nicht nur bie größte wirtschaftliche Umwälzung, bie bie Menschheit je erlebt hatte, er bar auch das seelische Mrichyewicht in einem so starken Maße
sichen Satze«: .Schonet nicht ber Kinder fm Mutterleibs. Da rufe ich von dieser Stelle au«: Wo bleibt ber flammenbe Protest ber Ober- Häupter aller christlichen Kirchen gegen biefe bewußte Verneinung bes Christen- turne? Wo bleibt ber zielbewußte Kamps aller Mo- raltheologen gegen biefen neuen teuflisch überlegten bethlehomitischen Rinbermorb? Don denen, bie sich Christen nennen, sollten wenigstens noch einige ein mo- ralifche, Crnpsinben bafür haben, was seit zwei wahren mit Mitteleuropa geschieht. Frankreich fehlt da. für ieber Sinn. Dort herrschte von ,eher bas Pluto- kratische Denken unter einer bemofratifdjen Maske E» ist bie Denkart be« Bankier« unb Rentner«, bie anbere für sich arbeiten lasten. Darum führt ,hre Politik Schritt fü- Schritt bahin. in Mitteleuropa ein Volk non sr- beitssklaven zu schaffen, bas ihnen »u Diensten ist. Auch in Frankreich weiß man, daß Deutschland nicht bas bezahlen kann, was man von ihm fordert. Frankreichs Finanziers wollen einen unerfüllbaren Schuldtttel tn ber fianb haben, um dauernd ihren Fuß auf Deutlch- lonb fetzen zu können. Glücklicherweise wächst die Ern- sicht in allen Ländern, baß ber Dersailler S5er. trag eine unübersteigbare Barriere für bi« Hebung ber Probuktion ber ganzen Welt ift Dieter Sertrag muß in kurzer Zeit im In- tereste ber zivilisierte» Welt von ®nmb aus geanbert werben.
Don ben innerstaatlichen Fragen steht Preußen- Deutschland an erster Stelle. Das alte Preußen ist beseitigt Damit ist aber bas staatsorganisatorische preu- ßische Problem noch Nicht erledigt. Das Reich ist noch nicht ausreichend innerlich «efeftigt Seine drei Klammern: fieer, Verkehr unb Finanzen sitzen noch viel zu lose. Würbe in kurzer Zeit ber norbbeutsche feste, ein- heitsiche Derwaltimgsblock zerlcblagen, bann mürben mehrere ßänber mit kommunistischen, foriaftstischen. an- bere mit rechtsgerichteten Mehrheiten erstehen, unb bte Strömungen, bie gegenwärtig in Bayern hervortreten, würben auch an vielen Stellen bes Rorbens zur Mode. Dies bebeutete lebten Endes ein Auseinanberfallen bes Reiches. Die christliche Arbeiterb»wegung Hat alle Ver> anlastu"g, auch Denen nachdrücklichst entgegenzutreten, bte meist aus gefühlsmäßigen Erwägungen ohne klare staat-organisatorisch» Darstellung Preußen lieber heute wie morgen zerschlagen haben möchten.
Wirtschaft«, unb Finanzpolitik sinb al» einheitliche Begriffe zu werten. Die Wirtschaft ist letz, ten Cnbes bie einzige Duelle, aus ber bie Steuern fließen können. Erstes Gebot ber Wirtschaft ist rigoroseste Sparsamkeit in ben staatlichen Ausgaben, um bie Rotenpresse allmählich stillzulegen. Weiterhin bie Einfchränkung bes Luruskonsums. Mit bas Wichtigste zur Steigerung ber Produktion ist hie Hebung ber Slrbeifsfreuhlafeit. Die bei ber staatlichen Reuorbnnna muß auch bei ber Wirffchaftsorganl- sation von unten nach oben unb nicht umgekehrt auf- gebaut werben. Unsere Rettung muß ausgehen von der Wirtschaft unb nicht in erster Linie von reinen Finanz. u”b Steuermaßnahmen. Auf bem Gebiete ber Agrarpolitik sinb Maßnahmen erforberlich, bie bauernb eine größere Anzahl von Menfchen auf dem Can.be fest- hatten, Tierzucht, Saatzucht, Stickstoffversoraung in ber Landwirtschaft muffen burch staatliche unb genoffen, schaftllche Maßnahmen auf bas höchste vervollkommnet werben. Die Mittel ber probuktiven 6rro»rbs(ofenfür-
bie Aufrechterhaltung van Ruhe unb Drbnung ht ent» scheidenden Augenblicken sichert, dann sind solide Fort- schritt» auf dem Gebiete ber Sozialpolitik unmöglich. Ohne Stetigkeit ber politischen Entwicklung gibt es keine sozialen Fortschritte, ohne Stetigkeit in der Politik wer- ben alle Sozialisierungsmaßnahmen zu gefährlichen Experimenten.
Wir muffen unter allen Umständen auf die fionfotiblcrung unseres Parteiwesen» Mitarbeiten. Eine solche ist nur möglich durch eine gemäßigte Partei, die mindestens ebenso stark ist wie bie mehrheitssozialistische. Diese Partei muß, wenn sie Bestand haben will, in erster Linie eine große unb breite Basis in ber Gesinnung ihrer Wähler haben. Was erforderlich ist, ist bie Zusammenfassung ber vaterländischen, chr! stllchen, volkstum. lichen unb wahrhaft sozial bentenben Kreise aus allen Volksschichten, besonders auch aus ben intellektuellen. Unb gerade hier fetze ch meine Hoffnung auf bte Junge Intelligenz, von der ich weiß, baß ber Geist von 1914 in ihr »och nicht erloschen ist, baß er nur ber fiinlenfung auf praktische Ziele, auf ein Zusammengehen mit ben vaterländisch denkenden Massen braucht, um wieder zu lebendiger Glut zu ent
Der ganze deutfche Sozialismus befindet sich in einer schweren Krisis, bie nicht erst von heute unb gestern batiert. Die beutltfje Sozialdemokratie verdankL abgesehen von ber burch bie rapide kapitalistische Ent- wicklung geschaffenen ungünstigen Lage ber Arbeiter, hauptsächlich zwei psychologischen Momenten ihren Erfolg: einmal einem gebanklich scharf durchgefuhrtm, an- scheinen!) außerordentlich konsequenten wirtschaftlichen unb politischen System, das an die theoretisierenden Grundneigungen der Deutschen vorzüg ich appelliert. Sie verdankt ihre Erfolge weiterhin dem lahrzeynte. langen staatlichen Drucke, ber einmal besonders zähe unb willensstarke Führer schuf, und es zweitens möglich machte, alle inneren Kämpfe ohne Gefahr für eine endgültige Zersplitterung vor ber Oessentllchkeit m einer solchen Weise zum Ausdruck zu bringen, die das Den- fen und bie Phantasie ber Waffen bauernb faszinierte. Selbe Momente haben heute ihre Wirkunqs.rast em- gebüßt. Die heutigen sozialdemokratischen Fuhr» wollen auf ber einen Seite im Reich, wo bie größten unb schwierigsten Aufgaben zu lösen sind, sich Nicht Mitverantwortlich belasten. Da aber gegen sie nicht regiert werden kann, üben sie, ohne Verantwortung zu tragen, im stillen einen umso größeren Einfluß aus. Daneben hat bie Sozialdemokratie in ben größten unb meisten ßänbern, wo weniger unangenehme Dinae zu erledigen sind, bie politische Führung. Dieser Zustanb mag für bie Mehrheitssozialdemokratte, vom parte,tafti'chen Stanbpunft betrachtet, am angenehmsten lein. F.r bie so notwendige, nach leit»nben Gesichtspunkten schreiende aktive Politik, für den Wiederaufbau Deutschlands, da. gegen ist dieser Zustanb unerträglich.
Ein entscheidender Augenblick für die gesamte Weiterentwicklung Deutschlands ist gekommen Dem deut- schen Volksleben und der deutschen Arbeiterbewegung muß ein neuer Inhalt gegeben werben. Es ist kein Naturgesetz, daß bie deutsche Arbeiterbewegung .für alle Zeiten marxistisch, klasienkämpserisch unb antichnstttch orientiert sein muß. Bei bem seitherigen engen Der. hältnis zwischen Staat unb Kirche unb bei bem Drei- klassenwahlrecht in Preußen stnb Kirche, Christentum unb Reaktion von ben breiten Massen identifiziert wor- ben Nach ber Trennung von Staat unb Kirche ist bas nicht mehr angängig, so daß Kirche und Christentum künftig nicht mehr wie ehedem für politische, wirtschaft- liche unb soziale Mißstände mitverantworlich gemacht werden können. Dadurch wirb eine ganz neue Situa. tion geschossen In dem Verhältnis Zwischen ben inbu- striellen Ardeitermaffen unb bem Christentum bezw. ben Kirchengemeinschaften.
Auch für bie christliche Arbeiterbewegung Ist, wenn sie ber gesamten Arbeiterbewegung in starkem Maße ihren Stempel aufdrücken soll, bas gegenwärtige vorrevolutio- ttäre Pa viels y st em aus tau send Gründen unertragM(l). Wenn mich nun jemand fragt, willst du etwa für bie Mitglieder des Deutschen Gewerkschastsbundes eine besondere Partei bilden, so antworte ich mit einem glatten Nein. Rein äußerlich und rechnerisch wäre eine solche Partei möglich. Der Deutsche Gewerkschastsbund zählt heute über 2 Millionen Mitglieder. Mit Familienangehöngen und bei gutem Ausbau der Preffe könnte eine solche Dari« m nicht zu ferner Zeit ihre 4 Millionen Stimmen auf bringen. Trotzdem bin ich Gegner einer neuen Klassen- partei in Deulschlmch. Wir sind ht Deutschs«» ton. fessicrnell gespalten. Vas tarnt fein Mensch ändern. Wir muffen uns bemühen, den fonfeffionellen Gegensatz zu tnil» bern. Was wir aber ändern tonnen unb muffen, ist. daß Deutschland nicht für alle Zeiten extrem NasienpoMfch ausemiandergeriffen wird. Wir hatten vor bem Krieg ein Klaffenwahlrecht von oben, Besitz und Bildung fchloß sich kaftenmäßig von ben breiten Dolfsschicht-en ab, bet Klassen» kamps von unten wurde mit ber größten Schärfe geführt. Ich sagte vorhin schon, daß da» Problem ber Stunde ist. in Mitteleuropa, in Deutschland, ein einheitliches Pakt», tum zu schassen. Diese» einheitliche Voltstum ist auf die Dauer m Mitteleuropa und bei ber Charatterveranlagung ber Deutschen nur möolich auf dem Baben ber sozialen Gerechtigkeit, auf bem Boden eine» tiefgreifenden Gemein- schaslsoesühl». Nur bann ist auch eine einheitliche nationale Denkweise 'm da» deutsche Volk dauernd hmeinzu- bringen. Ich will also weder eine neue Klaffenpariri, noch etwa den Deutschen Gewerkschaslrbuiid zu einer politischen Vottsparioi umgestaliet wiffen. Was ich will, ist vielmehr eine einheitliche und politisch geschloffene Jbeenge- meinschast zwischen der gemäßigten Arbef- terbewegung Deutschlands auf ber einen Seite und allen übrigen Volksgenossen, bie im gleich en Sinne wle wir an Deutschlands Wiederaufbau unb Erneuerung arbeitenwallen. Die Rerngriwnfen einer starken christlichen Volks- unb Mittelpartei können etwa in ben Begriffen zusammangesaßi werden: deutsch, christlich, demokratisch, sozial. Diese Gedanken sind es, bie, richtig fterausgearbeHet, Resonanz im Volke finben unb ben Lebensbed'mgungen des Deutschen Volkes in ber schwersten Periode seiner Geschichte entsprechen, die auch bem Geiste eines echten Christentums unb einer wahrhaften Volksküche konform sinb. Mit ihnen wirb es auch möcck-ch fern, alle wirklichen willenskräftigen unb positiven Streife ber Intelligenz zu eeroinnen.
Die deutsche Poüiik muß sich im nächsten Jahrzehnt unter allen Umständen von Extremen frei halten. Würden bie Extremen von rechts die Herrschaft an sich rrißen, so würben wir wahrscheinttch mit dem schärfsten Gegensatz ber demokratisch orientierten Länder ber Welt zu rechnen haben. Siegten bie Extremen von links, ss würden uns bte unentbehrlichen Hilfsmittel für unsere Wirtschaft und Emahruna aus den üherserischm Ländern vor allem ous den Dereinioten Staaten, für lange Zett entzogen werden. In bem Ringen um Deutschlands Freiheit, bie allein uns m absehbarer Zeit zur wirischaftt-chen und sozial«: Blüte wieder bringen kann, mutz bie Arbrit-rbe- roegung alle Kräfte unb Mögs'chkeiten etrieften, mutz sie «lle in ihr zum Teil schlummernde, zum Teil bewußte En-raie zu mächtioer politischer Stoßkraft zusammmfaffen unb damit bie Grundlage für rin neues Deutschland schaffen.
Die Gcsamtsituation ist also folgende:
1. eine starke christlich, nationale Volks» partei ist da» Gebot ber Stlmde, wenn ber Wiederaufbau Deutschlands in staatsicher, wirischaftkicher, sozialer und kultureller Hinsicht gelingen soll;
2. der evangelische Volkstri! aus sich heraus kann diese Part« nicht schassen, dafür streben die Strafte bei ihm zu stark auseinander;
8. ber katholische Volkstri! allein ist für eine fterfe Mittelpartri, insbesondere auch im Hinblick daraus, daß er durch die Abtretungsgebiete stark geschwächt fft, ebenfalls zu schwach:
4. roenn dos große Ziel gelingen soll, ist vielmehr eine politijche 3u|ammenfef|una her posi
tiven Kräfte irn katholischen und ev am gelifchen Lager bas Gebot ber Stunde.
Das politische Gesamtproblem ber nächsten Jahre spitzt sich oiso Io zu: .
Soll die Glaubensspattung bes deutschen Volkes ba besten gegenwärtiger gmiebriguitg ihm zum dauernden po- litischen Verhängnis werden, oder aber sollen b* staatlich und religiös positiv gesinnten Elemente ous beiden Lagern in Deutschlands trübsten Tagen sich zu palittscher Gemein, schäftsarbeit ebcnfo die Hor-d reichen, wie sich bte chnisttichen arbeit er fett Jahrzehnten auf wirtschasttichem Gebiete m ben christlichen Gewerkschaften bie Hand gereicht haben?
Mtt meinen heutigen Ausführungen wollte ich zweialri erreichen: einmal vor der christlich-ngtiancüen Arbeiterschaft Deutschlands und vor den breitesten Kreisen bes In» unb Auslandes aussprechen: was ist! Und bann wollte ich feststellen, ob eine der stärksten Volksgruppen Deutsch» lands enif(Mafien und gewillt ift, sich resolut auf den Bobat dieser Gedarcken zu stellen. Utti) nun voran am bie harte, schwere Arbeit! Voran als Bannerträger für bat Wiederaufstieg bes deutschen Volkes!
tzm Anschluß an bte Rebe wurden vier von Sieger» wald befürwortete Entschließungen angenommen, bereit Inhalt wir bereits mit geteilt haben. Die vierte Resolution stimmt ben von Stegerwalb vertretenen Forde» rungen auf Schaffung eines Parlamente* rischen Komitees, einer eigenen Tageszeitung ber christlich nationalen Bewegung und einer Vottsbank zu. Letztere soll dazu bienett, bie wrischastlichoi Krästa ber christlich-nationalen Arbeiter, Angestellten unb Scannten, sowie ber diesen nahestehenden Kreise bei dem Wiederaufbau Deutschlands einheitlich zur Geltung zu bringen.
Sn das parlamentarische Komitee, besten Aufgabe es sein soll, alle beutsch, christlich, demokratisch unb sozial gesinnten Volkskreise zu einheitlichem par» leipolstischem Handeln zusammensührett. wurden vom Kongreß folgende Parlomentarier und Mitglieder des Reichswirtschaftsrats gewählt: Die Minister Sieger» wald und Oiesberts, Behrens, Frl. Behm, Wieder, 'Im» dusch, Sch'rmer, Ersing, Gutzeit, Andre, Koch-Esten, Brauer, Tremmel, Daltmsch-Berün, Frl. Teusch und Otto. Dazu treten bann noch bie Vertreter ber beiden bem deutschen Gewerkschaftsbunde angehörenden Ge» famtoerbärtbe der Angestellten und Deamtengewerk» schäften Aehnliche Ausschüste sollen bei den Landes* Parlamenten angebahnt werden.
Amtliche Anzeigen.
vrehseuchenpottzeiliche Anordnung.
Rachbem bie Abheilung ber Maul- unb Klauenseuche In ben Gemeinden Eichenau, Großenlüder. Oberbimboch und Üffhauseu amtstterärztlich sestgcstellt worben ist und bie Abnahme ber Desinfektion stattgesunden hat, bestimm« ich tm Anschluß an mehre viehseuchenpolizeiliche Anordnung folgendes: --
§ 1. Die über ben Gemeindebezirk Eichenau, ©roßen» aber, Oberbimbach unb Uffhausen verhängte Sperre wird vom 26. b. Mts. ob aufgehoben.
§ 2. Die für die genannten Gemrinbebezirke und bie verseucht gewesenen Gehöfte im betonieren angeorbneta» Bestimmungen werben zurückgezogen.
Fulda, ben 22. November 1920.
Der CanbtaL 3. D.: Köhler.
Nachdem bk Abheilung der Maul- nud Slnoenfeuche in bem Dehöst be» Zoftann Gertz in Neustadl amtstierärzt- lich festgestellt worden ift unb bie Abnahme der Desinfektion ftatigefunben hat, bestimme ich im Anschluß an meine viehstwchenpolizeiliche Anordnung vom 18. Oktober b. 3s, Fuldaer Zeitung Nr. 244, folgenbes:
§ 1. Die über ben (Semeinbebejirt Neustadt verhängte Sperre wirb hiermit aufgehoben.
' § 2. Die für den Gemeindebezirk Neustadt imb ba» verseucht gewesene Gehöft im besonderen angeori)treten Ber fHmimumgen werben zurückgezogen.
Fulda, ben 21. November 1920.
Der CanbtaL 5. B.: Köhler.
Nachdem bk Abheilung bet Maul- und Klauenseuche di bem Gehöfte der Witwe ft. Kremer in Steinhaus mrrts« tierärztlich festgestellt worden ist unb die Abnahme bet Desinfektion stattgefunden hat, bestimme ich im Anschluß an meine viehseuchenpolizriliche Anordnung vom 2. Oktober b. 5s., Fuldaer Zeitung Nr. 251, folgendes:
§ 1. Die über ben Gemrinbebezirk Steinhaus verhängte Sperrt wird vom 24. d. M. ob aufgehoben.
§ 2. Die für den Gemeindebezirk Steinhaus und das verfeuchl gewesen« Gehöft im besonderen angcorbnetcn Bestimmungen werden zurückgezogen.
Fulda, den 20. November 1920.
Der CanbtaL I. B.: Köhler.
Stirn Schutze gegen Ne Maul- und Klauenseuche wir» otlf Grund der S8 18 ff. bes Vicftseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 sRrichsgesetzblatt S. 519) mit Ermächtigung bes Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1. Infolge des Ausbruches der Mauk- und Klauenseuche m ber Gemeinde Kleinlüder unb Rodges ändere ich die 8? 1 und 7 meiner viehseuchenpolizrilichen Anordnung eem 8. November d. 5s. — Fuldaer Zeitung Nr. 262 — hierdurch wie folgt ab:
(§ 1). Dre Gememben Klelulüder und Rodges bittren je einen Sperrbezirk.
(§ 7). Für die Seuchenorte und bie Gemeinden Kleinlüder und Rodges gelten die im 8 8 bezeichneten Verbote.
§ 2. Die ooöftänbipe hiernach ertasten« viehseuchen» poltzzerliche Anordnung vom heutigen Tag« fft in ber Gemeinde Kleinlüder und Rodges ortsüblich durch Ausrufe« — Aushang — bekannt gemacht worden und kann auf* bem Bürgermeifteramte daselbst oder bei mir eingesehen werden.
Fulda, ben 20. November 1920.
Der Canbrot 5. B.: Köhler.
Zum Schutze gegen bie Maul- nud Klauenseuche wird auf Grund ber $§ 18 ff. des Biehseuchengesetzes vorn 26. 5uni 1909 (Reichsgesetzblatt ®. 519) mtt Ermächtigung bes Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forstet, sollender bestimmt:
S 1. Infolge Ausbruche» bet Maul- unb Klauenseuche unter dem Viehbestände des fier)-3t|u-firims und des ß. Fritz, hier. Geargstraße 20, sowie in der Gemeinde Liters ändere ich die §§ 1 unb 7 meiner viehseuchenpolizrilichen Anordnung vom 8. November b. 5s. — Fuldaer Seifirng Nr. 262 — hierdurch wi« folgt ah:
(§ 1). Die Buttlar- und Niefigerstraße unb Ne Georg» strotze, sowie Ne Gem»mde Elters bilden je einen Sperrbezirk.
(§ 7). Für bie Seuchenorte, bie genannten Straßen und die ©emeinbe Elters gelten bte im § 8 bezeichneten^ Der bäte.
8 2. Die »oCntänbige hiernach edefiene Viehseuchen-^ polizeiliche Anordnung Bern heutigen läge ist ht ber Gemeinde ortsüblich durch Ausrufen — Aushang — bekannt gemacht worden unb kann auf dem Bürgermeisteramte daselbst oder bei mir ein«!eben werden. Hinsichtlich der Seuchenfälle in der Stab' Fulba kann die vollständige et«. lastene mehseuchenpolizkLichr Anordnung bei ber hiesige» Polizei-Verwaltung hier ringrsehen nxriwt
Fnld«, ben 2t. Roeember 1220.
Der Cnb»«L 3- B-* SShH«,