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FrrldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda. ____

Donnerstag, 25. Hoo. 1920

Nr. 273

Verantwortlich für den c-cxunonellen Teil: Karl Schütte, z für die Anzeigen: I. Dar re Iler-Fulda. " Rotationsdruck u. Derlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Kern-,me*er Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

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Preußische Laudesversammlung.

der Besatzungstruppen, sowie über die

wnnerstag: Fortsetzung.

Ausland

der«

Ein Geisteskranker als kommunlskenführer.

B« bekannt, erregt« während der Märzunruhen im

Entmündigungsverfahren wagen Geisteskrcmkhett ist be­reits gegen ihn eingeleitet. ri ,

Es ist bezeichnend für den Gesiteszustaich unserer Ra- dikaken, daß ein beträchtlich Geisteskranker unbehindert und ohne Anstoß oder Verdacht zu erregen, monatelang ome fichrende Rolle in ihren Kreffen spielen kann.

5n (Senf hat die Kommission für die Abrü- siungsfragen ihre Verhandlungen begonnen, Nu sind zahlreiche hohe Offiziere eingetroffen, um ato "Sachverständige cm diesen Derhandiungen te'.lzuneh- wen. Der Vertreter Frankreichs, Bourgeois, hat 'n der Kommission indes die Erklärung abgegeben, daß Frankreich keine Verpflichtung zur Einschränkung sestier Wehrkraft übernehmen könne, bevor alle wesentlichen Bedingungen des BerfaiSer Vertrages erfüllt feien. Die Diskussionen der Kommission hat deshalb wenig praktische Bedeutung.

2m Unterausschuß der Kommission für die Zulas­sung zum Völkerbund wurde ein Beschluß zu Gunsten "kr Aufnahme Bulgariens in den Völkerbund an-

** Ein internationaler Gewerkschaftskongreß sozialdemokratischer Richtung hat in London be­gonnen. Deutschland ist durch 12 Delegierte ver­treten. Die Amerikaner haben ihre Teilnahme der-

WuppertÄ di« sonderbar« „Tätigtet" de- Rechtsanwalts Lamp großes Aussehen. Er sperrt« nut schw«rt>«vaff. neten Senoffen bi« Gericht«, drang m die Jnstlqyebaude ein, setzte den Lrmdqericht^näsidenten und bte Richter ob und verlangte die Herausgabe der Akten, um sie zu ver­brennen. Roch mehr Aufsehen erregte seine Tffficteit als VeneDiger in dem vor mehreren Wochen in Berlin oet- handelten großen Kommumstenprozeh, m dem er sich vor Gericht so unquaWgierbar benahm, rote es bisher noch fein Berte&iger vor einem deutschen Gericht getan hat. Kurz« 3eit nach feiner Röckkchr noch Elberfeld wurde er unter dem Verdacht des Hochverrats und der Teilnahme an Verbrechen cegen das Sprengstoffgesetz (Sprengung von Vostbriefkästrn) in Untersuchung gezogen, in der er sich ... n:ch setzt befindet. Es hat sich mm herausgestellt, daß

äLkomnurr. Von Seiten Rumäniens und Serbiens 1 Laav ein schwer geistestranke« JUon* Das

Deutscher Reichstag.

In der Sitzung vom Mittwoch wird die zweite Le­sung des Reichshaushaltsplans fortgesetzt beim Haushalt für die Ausführung des Frieden svertra. ges Dazu liegen eine Reihe von Entschließungen des Ausschußes vor. So wird die Regierung ersucht auf eine möglichst weitgehende Anstellung der vormaugen elsaß-lothringischen Beamten zu bringen. Dem Reichs-

Deutsche Kinderhilfe.

Bekanntlich haben sich die chariiatioen Vereine aller Parteien und aller Konfessionen des Deutschen Reiches zu einem Hilsswerk für das deutsche notleidende Kind als „Deutsche Kmderhilfe" zusammengeschlossen. Eine Volks- scmnnlung soll vom 28. November bis 5. Dezember in den Häusern und Set rieten stattfinden. Heber dos gante Reich ist ome Organisation zu diesem Zwecke errichtet. Als Ecn- teitung für dieses Hilfswerk hatte der Reichsprasi- bent zu Dienstag nachmittag Einladungen zu em em Tee erceten taffen, der eine große Anzahl führender Person- lichkeiten aus allen Kreisen der Reichshauptstadt zusam- menführte. Nach einer Reihe erschütternder Filmdarstel- lunaen des Kinderelends richtete der Reichspräsi­dent an die Versammelten eine Ansprache, in der er ausführte:

„Jahrelange Unterernährung, der noch fortdauernde Mangel an unentbehrlicher Nahrung, ungenügende Klei­dung und, Erwärmung haben besonders 6et unseren Kin­dern ein Elend gezeitigt, das nach grmMcher Prüfung anerkannter Sozialpol'rtiker aller Richtungen unser ganzes Volksleben ernstlich bedroht. Em französischer Arbeiterführer, der kürzlich das Ruhrgebiet besuchte, gab nati feiner Rückkehr eine ergreifende Schstde»rng von dem efetti-n Zustand bet Kinder. Wie im Ruhrgebiet, teils noch schlimmer, steht es in vielen anderen Gebieten unseres Da- leitete«. Schon lange ist deshalb bei uns eine ange- strengte Wohlfahrt-arbeit cm den Kindern geleistet worden. Vor allem ober gebührt warme Anerkennung und herz­licher Dank dem ausländischen Hilsswerk. Mr in Deutschland verfügen leider selbst nur über schwache Hilfs- mttteL Gleichwohl kann und muß von uns mehr als bisher geschehen. Die entsetzliche Rot unserer Kinder macht uns allen zur Pflicht, für diese wichtige und große Aufgabe unser Bestes einzusetzen. Diesen Zwecken soll di« nuranehr eröffnete Bol kssammlung für das notleidende Kind bienen. Me Frage: öffentliche »der private Hilfe ist hier nebensächllch. Entscheides ist. daß unseren unglücklichen Kindern von allen Seiten und

I mit allen Mitteln schnell und tatkräftig geholfen wird.

Deutsches Reich.

* Berlin, 24. Nov. Zwischen den Fraktionen; deS Reichstages und der LanSrsversammlung istl eine Vereinbarung erzielt worden, die B e s o l b u n g Gesetze in den ersten Tagen des Dezember -u ber-, äbschieden. Dir Vorlage auf Erhöhung der Kinder- zulagen wird dem Reichstage demnächst zugehen. — Der frühere König von Bulgarien ist mit seinen beiden Töchtern zu einem längeren Aufenthalt in München cingetroffen. — Die Einbringung eine» Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes durch dtg Regierung wird in einer von sämtlichen Frauen des Reichstages unter Führung der Zentrumsabg. Frau^ Neuhaus eingebrachten Interpellation gefordert. ,

** Rücktritt Wermuths. Der Oberbürgermeister von Berlin, Wermuth, hat der Frkf. Ztg. zufolge ben-t Magistrat ersucht, seine Versetzung in den Ruhestand, herbeiznführen. Tas Gesuch wird mit dem äußersti angegriffenen Gesundheitszustand und dem Hinweis। auf das hohe Aller des Oberbürgermeisters begründet. Ob außer den körperlichen Ursachen auch kommunal- politische mitwirken, steht dahin. Von Seiten der bürgerlichen Parteien deS StadtparlamenteS ist dem Oberbürgermeister in wachsendem Maße ein zu großes Entgegenkommen gegen die Wünsche der Linken und besonders der Unabhängigen vorgeworfen worden; namentlich während des letzten ElektrizitätsstreikeS tourte dem Berliner Magistrat zu große Schlappheit nachgesagt.

* In der Slrassache gegen Dr. Helffertch wegen Be­leidigung des früheren Finanzminsters Erzberger hat das Reichsgericht Reoisionstermin auf den 17, Dezember anberaumt.

Auf ber Tagesordnung stand am Mittwoch alserster Punkt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreff fend Einführung einer Altersgrenze. Nachj dem Entwurf soll grundsätzlich eine 3n>angspenfiorue. rung von Beamten mit dem 65., von richterlichen Be­amten mit dem 68. Lebensjahr ein treten.

Nur die Abgg. Klausner (U. ©.) und Freymmy (Soz.) stimmen dem Gesetz rückhalllos zu, während drs bürgerlichen Redner, die Abgg. Weißermel (Dnat.)„ Bartold-Hannover (Dem.), Dr. hollmann (D. Dp.) rnb Reinecke (Ztr.) mehr ober minber schwere Bedenken äußern. Die Redner ber Rechten und bes Zentrums, fordern eine Heraufsetzung ber Altersgrenze auf 68 bzew. 70 Jahre, sowie besondere Berücksichtigung der vertriebenen Beamten aus den abgetretenen Gebieten/

Unter großer Unruhe ber Rechten erklärt der Finanz­minister Lüdemaun: Die Ueberaüerung der Beamten hat in gefährlichem Maße zugenommen. Wir brauchen iunae leistungsfähige Beamte, die mit ber neuen Zeit nicht innerlich im Widerspruch stehen; selbstverständlich muffen auch mehr Sozialdemokraten in die Verwaltung. Das 65. Lebensjahr ist die geeignetste Altersgrenze

Danach wird in namentlicher Abstimmung die Aus- dehnung ber Altersgrenze vom 65. bis zum 68. Lebens­jahr (Antrag ber Deutschnationalen) mit 150 gegen 101 Stimmen abgelehnt. Es bleibt bei 65, für Richter der 68 Jahren. Die Vorlage wird int übrigen unverändert angenommen, mit einem Zentrumsantrag, Oberfchle. fien bis auf weiteres von dem Gesetz auszunehmen. Daraus wurde die Beratung des Justizetats fort-

sind dagegen Einwände erhoben worden. Gegen die Zulassung Oesterreichs ist bisher fern Wider- sprtlch erhoben worden.

Der „Genfer Sturier" meDet, daß Spanien demnächst vor der Wlkerbundsversammlung die Frage des Zutritts des Papstes zur Spache bringe werde. Das Blatt bemerkt dazu: „Mr können diesem Schrill nur beistimmen und vollen Erfolg wünschen. Das Papsttum ist die stärkste internationale Macht. Es wäre ein politischer Fehler der Lenker des Dölkerbun« des, wen« es diese Macht vernachlässigen würde."

Das neue Attentat gegen die deutsche Flugzeugindustrie.

Bei dem Verbot der Flugzeuasendungen ! nach Amerika stützt sich die interalltierte Luftüber- wachungSkommission auf einen Beschluß der Bot- | schafterkonferen), die das im Friedensvertrag auS- sprachen« Bauverbot von sich auS auf unbestimmte Zeit verlängert hat. Im Artikel 201 deS Friedens- Vertrages ist bestimmt, daß für die Dauer von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Friedenkvertrages Flugzeuge in Deutschland nicht gebaut werden dürfen. Tas Verbot war also am 10. Juli dieses Jahres abselaufen. In einer späteren Erklärung hat die Entente daS Bauverbot für Flugzeuge ent­gegen der klaren Bestimmung des Friedensvertrages weiter aufrecht erhalten mit der Begründung, daß Deutschland der Verpflichtung zur Auslieferung seines gesamten Kriegsmaterials nicht voll nachge« kommen fei. Der sofort eingelegte energische Protest der deutschen Regierung wurde abgelehnt. Die Bot- schafterkonferenz erklärte, die Entente behalte sich vor, den Zettpunkt selbst festzusetzen, wo nach ihrer Meinung das gesamte Kriegsmaterial abgeltefert wotden sei. ,

Diese Auslassung der Botschafterkonferenz mbt der Entente die Möglichkeit, den Bau von Flug­zeugen und Flugzeugmotoren in Deutschland auf be­liebige Zeit zu vethindern. Es hat fast den Anschein, als ob die Entente nach einem ganz be- summten Plan vorgehe, um solange die deutsche Flugzeugindustrie niederznhalten, bt3 sie keine nennenswerte Konkurrenz mehr für tote Flug- zeugindustrie der alliierten Staaten bedeutet. Dre deutsche Regierung wird selbstverständlich nicht an- erkennen, daß zwischen der Ablieferung des deutschen Kriegsmaterials und dem Beginn der Bauerlaubnts für Flugzeuge und Flugzeugmotoren ein Zusammen- Hang besteht. Es hat bereits eine Sitzung der zu- ständigen Stellen staltgefunden, um die Schritte zu beraten, die erforderlich find, um eine völlige Lahrn- legung der deutschen Flugzeugindustrie durch das Vorgehen der Entente zu verhindern.

350 000 Tonnen Schiffsraum für Deukschiand?

Aus Grund der Note der Wiederherstellungsrom- Mission vom 20. Oktober bete. Belassung von 350 000 \ Tonnen Schiffsraum an Deutschland haben am 20. d. ! Mts in Paris Verhandlungen begonnen, an denen auch I deutsche Schiffahrtsinteressen teilnehmen. Nachdem deutscherseits ausführlich der Standpunkt bargelegt und begründet worden war, wurden die Verhandlungen einstweilen abgebrochen Irgendwelche Zusage fettens der Entente ist noch nicht gemacht worden. Die Ent- scheidtmg soll sobald als mögstch fallen. Wie sie aus- fallen wird, kann im Augenblick noch nicht gesagt werden.

tag soll eine Denkschrift vorgelegt werden über die Ko­sten des Oberausschusses der alliierten Mächte und bte Unterhaltung der Besatzungstruppen, sowie über die I bisherigen Lieferungen und Leistungen aus dem Frie- I , densvertrage. Es soll auf eine Herabsetzung der Be» I : satzungsziffer und auf die Begrenzung der Kosten ge. I drängt werden. Schließlich soll dahin gewirkt werben, daß Kriegsmaterial aus Glockenbronze uns gelassen wird I für die Wiederherstellung zerstörter Kirchenglocken. Die Kosten für den Oberausschuß werden von 20 auf 40 I Millionen Mark erhöht.

Abg. Wels (Soz.) fordert die Revision des Fnedens- vertrages, die sich aber nur nach und nach und unter 1 vollster Pflichterfüllung erzielen laste. Die Entwaff- nungs- und Entschäbigungsforberungen ber Entente seien berechtigt und müßten erfüllt werden. In Frank- I reich fei ber Militarismus am Ruder, der nur durch den Pazifismus beseitigt werden könne. Die Derpflich- I tungen gegen unsere Bergarbeiter habe die Entente nicht I gehalten Nur mit Arbeit könnten wir unsere Entschä- digungspflicht erfüllen, alle anderen Zahlungsverspre. chen sind unehrlich. .

Reichsminisier des Aeutzern Dr. Simons erklärt m Richtigstellung einer Bemerkung des Vorredners: Es war uns durch die Vorschüsse für die Kohlenlieferungen I zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben, die für die Lebenshaltung der Bergarbeiter notwendigen Lebens. I mittelbegüge aus dem Auslände durch auswärtige De- I vifen zu bezahlen. Das ist dadurch unmöglich gemacht worden, daß unsere Gegner gleichzeitig auf ber Bar- Zahlung derjenigen Saldi, die bei ber monatlichen Ab- I rechnung zu Lasten Deutschlands verbleiben, in fremden I Devisen bestanden. Bekanntlich hat Deutschland den jeweiligen Saldo in bar zu bezahlen, während unsere | Gegner bas, was fie uns schuldig sind, auf die Repara- I tionsrechnung schreiben können. Unsere Bitte, diesen I Saldo nicht in bar zu verlangen, weil wir zur Zahlung I in dieser Form nicht imstande seien, ist nicht erfüllt l worden. Infolgedesten muh die Kapitalinflation trotz I der Devisen, die wir durch das Abkommen von Spaa I erhalten haben, noch weiter gehen.

Abg. Schreib« (Ztr.): Die ganze Finanzlage des I Reiches ist von dem Etat des Friedensvertrages abhän- I gig. Die Besatzungs stärke ist unerträglich und I unverständlich, da die Entwaffnung Deutschlands nahezu I völlig durchgeführt ist. Wir muffen gerade bas amen, konische Volk nachdrücklich darauf Hinweisen, daß alle I hochfinnig gespendeten Liebesgaben im Grunde genom- I men zwecklos sind, wenn wir uns an den SBefatz. I ungskosten verbluten müssen. (Lebhafte -öu« I stimmnng im ganzen Hause.) Die edelste Humanität, I die Amerika dem deutschen Volke zur Stunde überhaupt I erweisen könnte, wäre die, das Gros feiner Truppen I vom linken Rheinufer zurückzunehmen. „Lebhafter Bei- I fall.) Daß immer noch 45000 Farbige, bte Hälfte I ber französischen Truppen umfassend, auf dem linken 1 Rheinufer stehen, ist nicht nur eine Bedrohung ber Be. I vSlkerung Westdeutschlands, sondern eine Gefahr für bte I europäische Zivilisation überhaupt. Vollkommen rechts- I widrig handelt die Rheinlandskommission, wenn sie in I einseitiger Auslegung des Rheinlanbsabkommens Ber- I Ordnungen zur Aufrechterhaltung ber Ruhe unb Ord- I nung erlaßt, Zeitungen verbietet unb außerdem Der- I roattunasanorbnunnen erteilt. Dor allem aber tst sie I nicht befugt, eine so hohe Zahl von Delegierten anszU. stellen, wie sie tatsächlich vorhanden ist. Das Rhe-,n- I I landsabkommen gestattet nur vier Delegierte in I ber Obersten Kommission in Koblenz. In Wtrkltchketi sind 9 8 Delegierte vorhanden (Hörtl Hört!) Ste I bilden eine Organisation, die nicht nur wegen ber Ko- | sten bedenklich ist, sondern überhaupt auch deshalb, weit

I sie planmäßig das ganze linke Rheinufer in geistige Be- | Dormunbung nimmt. Der Redner tritt weiter für die | Resolution der Kommission ein, bei den Ländern erneut auf eine möglichst weitgehende Anstellung der vormali- gen elsaß-lothringischen Beamten zu brm-

I gen, und verlangt mehr Aufklärungsarbeit im Aus. I land über die Lasten und Folgen bes Friedensvertrages.

Abg. Reichert (Dnatl.) schildert die Lasten ber Be. I fetjung unb tadelt die Regierung wegen ihrer Aeuße- I rüng über die Südtiroler. Es fei unerhört, daß kein«- I lei Kontrolle über die Normierung ber Besatzungskosten gegeben ist. Solange dieser Friedensvertrag existiert, I gäbe es keinen Wiederaufbau.

I Abg. Zapf (D. Dpt.): Deutschland ist das Opfer eines I Pazifismus geworden, auf den der Abg. Wels heute noch feine Hoffnung fetzt. Es besteht in Deutschland innerpolitisch bas Bestreben, aus der jetzigen Misere her- I auszukommen, aber solange diese Etatsziffern bestehen, I wird die Unruhe andauern.

Abg. Vrettscheid (Unabh. r.): Auch wir fordern die I Abänderung bes Friedensvertra^s, weil die Arbeiter die Hauvtleibtragenben sind. Erft ber Arbeitersieg wird dem kavitalistilchen Friedensinstrument ein Ende berei. I ten. Es ist nicht klug, an den Rhein zu reifen unb dort I zu erklären, man würde es für einen feindseligen Akt ansehen, wenn bas Ruhrgebiet besetzt würde. So leicht- fertig darf man mit dem „feinbfetigen Akt" nicht spie- len sonst verstärkt Frankreich seine Truppen noch mehr. Was wollen Sie (zu Dr. Simons) denn gegen Frank- I reich beginnen? 3n Frankreich selbst schwindet die Lust I zur Besetzung des Ruhrgebietes. Eine Gefahr bildet I nur die mangelhafte Entwaffnung in Bayern. 3n Frankreich mehren sich in letzter Zeit die Dersöhnungs- I stimmen, selbst beim ehemals deutschfeindlichen „Temps". I ®etm Ausstellungen an den Reden des Ministers Simon und des Reichskanzlers in der ausländischen Presse erhoben worben sind, so rüffrt mich bas nicht, berat die Reden I der Minister in ber Rheinprovim waren dem Anstande höchst tmerwünscht. Herr Brevschefd handeü nach dem Grundsatz der«, die, um Frankreich gefällig zu fein, sich alles von Frankreich gefallen lassen. Der Redner schikdert bte Urbetgriffe der hohen Kommission. Die 15% Militär- den chie für die Defatzungsarmee in bett Etat emgrfteflt sind, scheinen mir nicht ausztrreichra. Zu den wirtschast- lichen Schäden kommt der Umstand, baß die zu zahlenden TnffchSdiamwen gor nicht oder sehr langsam zur Aus- : zichlung kommen. Der Rtiner schließt mH einem Protest

। gegen 'Versailles. Wieder und wieder mutz man es in

i bas Wettgewt-« h-EnLämwem, daß dieser Dvttros vo»

Der Militarismus auf fremde Koste«.

Bei den Erörterungen über die traurige Zeitlage tritt immer deutlicher hervor, daß die zahlreichen B e» fatzungstruppen uns das Blut aus dem Her- und das Mark aus den Knochen saugen. All« Handlungen über die Abgrenzung der deutschen ' zu einem be« Ergebnis führen, wenn uns nach wie vor Besatzung 15 Milliarden jährlich abgezapst so daß unsere Leistungsfähigkeit schon erschöpft ehe wir an den Abtrag der eigentlichen Kriegsschuld können. Zu dieser Auspowerung der Reichs- kommen noch die politischen und wtrtfchafMchen , die durch die Befetumg großer Landesteile en und durch dos rücksichtslose Verhalten buntfarbigen Besatzung bis zm Unerträgkichkeft ge- werden.

im „Völkerbund", der jetzt in Genf ein un- tbares Schauspiel aufführt, ist auch die sehr zeit-

Abrüstungsfrage besprochen worden. I

Herr Bourgeois, der maßoebenb« Vertreter kreichs, hat schleunigst fünf Vorl^edingungm der ftung ausgestellt, die das Abrüften auf eine un- lange Bank schieben würden. Er fordert nicht eine organisierte ständige Kontrolle über alle Rü- !

, Berichte von besonderen militärischen Kvm- I und Austausch allet einschlägigen Angaben I imter den Mächten, sondern auch noch die vorherige Durchführung der Entwaffnung Deutschlands und die I — „vollständigeAusführim g des Friedens- I Vertrages". Unsere Entwaffnung ist freilich im Gange, fcber die ftanzösischen Sicherheitskommisiare können immer noch einen Soldaten oder ein Geschütz entdecken, I das nach ihrer Ansicht über die zulässige Zahl hinaus- I tzeht. Und wenn dieser Vorwand wirklich bald aus- I geräumt sein sollte, so kann man doch noch aus Jahr- I zehnte hinaus behaupten, der sog. Friedensvertrag sei I nickt vollständig ausgeführt.

Da steckt der „fehlerhafte Zirkel", in dm wir ver- strickt bleiben. Dir volle Ausführung der auferlegtm Leistungen wird verhindert oder doch arg verräaert I durch die Besatzung, die uns die Franzosen auf dem Halse lassen, tmd der französische Milstariemus benutzt diese ctm ihm selbst ^tiaffene Schwierigkeit, um seinen Fvn^estand zu „begründen". , I

Diese französischen Machthaber wollen für ihre glor- I reiche Weltvolstik ein starkes Heer unterhalten, I Md damit ihre S*euemahler über b»^en I

nicht murren, wollen sie ihren miluärischen Aufwand I vonDentschlandbe zahlen lasim. „Der Boche I zahlt alles," lautet dort die volkstümliche Parole. Deutschland wird doppelt geschröpft. Einerseits will man die Entschädigungssumme bis in schwindelnde Höhen treiben, und andererseits heimst man schon vor- I her einen Riesenbeitrag für die französische Rüstung in den besetzten Gebieten ein. Die Unkosten für die Besatzung werden kaltlöchelnd bis in das zweite Drchend von Milliarden getrieben. Man fordert nicht bloß den wirklichen Bedarf für die zahlreichen Truppen und Kommissionen, sondern es wird ein üppiger Luxus getrieben in allen Anforderungen für die Unterbringung und Versorgung der Besatzung und ihres Anhanges. Dabei spielt offenbar die Erwägung mit, daß die be­teiligten Soldaten und Beamten bei recht guter Stim- Mng erhalten werden fallen, damit sie und ihre Freunde im Hinierlande nicht etwa unzufrieden werden mit der Fortdauer des Militarismus in Frankreich.

Die Okkupation ist eine zweischneidige Waffe. Sie verwundet nicht bloß den Desiegien, sondern schadet schließlich auch dem Sieger, da sie Deutschlands Set» stungsfähigkeit in verhängnisvoller Meise herabdmck. und die Wiederanknüpfung von vorteilhaften DeFvchun- gen unter den Nachbarvölkern erschwert.

Die Okkupation ist auch, bei Licht betrachtet, eine überllüssige Maßregel. Sie stammt noch aus der Rüst- tammer der alten Zeit, als der siegreiche Staat für seine Forderungen kein anderes „Pfand" finben konnte, als die Besetzung von fremdem Grund und^ Boden.

würde auch ohne Okkupation die volle Sicherest für die Forderungen gegeben fein. Ein beweiskräfti­ges Erempel neben sogar die Drohklauseln von Spaa. Um neue Leistungen Deutschlands zu erzwingen, hat man dort nicht weitere Besatzungen eintreten lassen, sondern nur den Vormarsch in das Ruhrgebiet ange­droht. Das bat vollständig ausaereicht. Ebenso mürbe es zur Sicherung der sämtlichen Forderungen aus dem Versailler Vertrag vollständig, ausreichen, wenn ein paar hunderttausend Soldaten mit allem Krieaswaterial an der Grenze bereit ständen, um ge* Möenenfalls in das wasfen- und wehrlose Deutschland .herein-umarschfarsn, bis an den Rhein ober auti über den Rhein. Der „Triumphzug" könnte sa bis Pots- dam und Berlin unaefebrbet ausaedehnt werden.

Die Okkupation 'ist eine Quälerei und Aussaugerei, die sich als Friedensmaßregel nicht rechtfertr- gen (äßt. Will man bei dem alten Derfadren durch- aus bleiben so muß die Okkrwation wenigstens ein­geschränkt werden, sowohl nach der Zahl als nach den Ansprüchen der Besatzung. Sonst wirkt, die angebliche Durchführung des Friedens noch schirm- mer, als der Krieg selbst, und die ©leger so- wie die ganze Welt leiden mit unter der Erdrossetzmg Deutschlands.

- Tie Vslkerbnndvsrsammlunss.

weigert.

10. Kongreß der christlichen Gewerkschaften in Esten.

(M.) Essen, 23. November 1920.

Zu Beginn ber heutigen Verhandlungen mürbe die Aus­sprache über das Referat Jmbuschs über „Die Bewertung der Handarbeit und die gewerkschaftliche Lohnpolittk fort- gesetzt und dann eine Entschließung angenommen, m der als notwendig bezeichnet wird, daß die Relchsregierung das Eristenzminimum der Siaat sb ed : enfl e- ten ficherstelle, um ernsten Erschütterungen un Staatsleben vorzubeugen. DM Befriedigung nahm der Kongreß Kenntnis von emet Erklärung der Ersenvahner, m dem sie aussprachen, daß auch sie überzeugt seren von der Notwendigkeit der Wiederkehr gesunder Verkchrsver- hältnisse als GrMdlage für den Wiederaufbau der varer- tänbiiären Wirtschaft, und in der versprochen wird, daß man mit allen Kräften bemüht fein werde, eine Steigerung der Leistungen bis zum Höchstmaße des Möglichen zu er- ■ reichen. Voraussetzung hierfür sei allerdings dre Gewäh­rung eines auskömmlichen EtzstenzMinimums.

Staatsmtaister Stegerwald machte hierzu die MK-- teilimg, daß auch das Staatsministerium im Sinne der Entschließung danach trachte, den Staatsbeamten eine Be­soldung zu geben, dir dem Existenzminimum gerecht wiro. 3- einer weiteren Entschließung wird ausgesprochen, daß sich der Kongreß nrit aller Entschiedenheit hinter die F o r- berung der Heimarbeiierschaft stellt, bte von der Regierung die schleimige Einbringung bes urnges al- teten Hausarbritrgefetzes und entsprechender Desnnmiun- gen über bte reichsgesetzliche Regelung der Kran.enoersichr. rung der Rriti-gewerbetretbeichen verlangt. ...

Darauf referierte Verlxmdsvorsitzender B. Ot.e-r.u>- selborf über „Die Heranbildung des Nachwuch- j^s in Betrieb, und Gewexkfchaftep «tobet

Versailles eine einzige Lüge ist gegenüber den Grundsätzen^ die zum WaffensÄstand geführt haben. ,

Abg. Arles (Unabh. links): Die Klagen der chermichen Bürgerschaft erscheinen übertrieben, sonst würden es ine Bürger nicht vorziehen, englische Offiziere m ihre Woh­nungen auszunehmen, statt deutsche Arbeiter und Ange­stellte. An dem Mißttauen gegen Deutschland hat btr Orgeschorgamsation die Hauptschuld.

Damtt schließt die Aussprache. Es folgt bte Emzel- bebatte. Die Erhöhung der Kosten für den hohen Ausschuß aus 40 Millionen Mark wird gegen die Stftnmen ber Deutschnationalen angenommen. Der Rest des Etats wrrd fodann ohne wefenÜiche wettere Debatte genehmigt.

Donnerstag: Jnterpellatton Trimbom (Z.) wegen Be­leidigung der chemischen Bevölkerung durch den Regle- rungsvsctreter von Falkenhain und Gesetz über Oberschlestet»