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Montag, 22. November 1920

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Alt. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Eolonelmaß) 60 Pfg, u. 1ü°j» Zuschlag, die Reklamezeile (Texibrene) 1.80 Nil., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

Verantwortlich iür den reüauwnellen Teil: Karl Schütte, :: für dir üinjeigen: I. Parze! ler- Fulda. "

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, -ecmprecher Nr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda

47. Zahrg.

Nr. 270

weisen.

heute, Hellwig, worüber

ihrem Rappen den sirnp-

und auf

Ihr werdet es nim-

sich nicht.

^Fortjechwia folgt.)?

kam das Tage in vergessen

zurück kann nach Rostock, die Gastfreundschaft der

von dem Schwertfpruch. den sie am letzten Kunnnrroro gelelen und nun nicht wieder konnte?

Pelzmütze zu ihr herum.

„Ihr seid so schweigsam sinnt 3fjr?"

Hellwig fuhr zusammen.

„Wie ich in Bälde wieder Schon zu lange nahm ich Maltzane in Anspruch."

Brigitte lachte und klopfte

Otto Maltzan war nach Demmin geritten und Brigitte Alvensleben hatte sich Heilwig nach Wolde geholt. Denn so war es sein Wille gewesen, dem Heilwig sich schwei­gend fügte. Sie hatte ihren Schwächeanfall auf dem See bald überwunden und schämte sich fast desselben.

Otto Maltzan hatte sie nicht wiedergesehen nach jener wundersamen Mondnacht. Run ritt sie neben Brigitte Alvensleben auf dem hartgefrorenen Schnee durch Las weiße Land. Sie saß stolz und aufrecht im Sattel und ihre Wangen waren rot von dem scharfen Ritt.

Ein Fähnlein Maltzanscher Knechte begleitete die Frauen zum Schutz. Denn es war immer noch viel Kriegsgeschrei im Lande und Räubergesindel in den Wäldern.

Zu gleicher Zeit ritt Otto Maltzan in die Tore von. Demmin ein. Er stieg mit seinen Knechten int Gasthof zum „Süßen Raben" ab und machte sich dann allein zu Fuß auf, um das Haus der Lämmerzahl am Marktplatz zu suchen. Den ganzen Weg hatte er gegrübelt über diese Angelegenheit. Und es war ihm dabei allmählich zur unumstößlichen Gewißheit geworden, daß, dieser Fridolin Lämmerzahl nicht mehr leben konnte. Denn wie hätte er sonst so lange schweigen und nimmer nach seiner Braut forschen kkönnen? Aber es sollte da auch noch eine alte Mutter und ein Bruder sein, die muß,en ihm genau Bescheid geben.

Er fand bald das hohe, spitzgiebelige Haus am Markt, über dem in goldenen Lettern der gesuchte Na­men prangte. Ein großes Tor stand offen, und auf der weiten, geräumigen Diele lagen mächtige Warenballen aufgespeichert, zwischen denen emsige Männer ordnend hantierten. Otto Maltzan trat rasch in den Torweg und fragte nach der alten Frau Lämmerzahl

„Die hat vor zwei Monden das Zeitliche gesegnet," sagte der Knecht und rückte an seiner Kappe.

Da kam aus dem Hintergrunds ein rosiger Mann mit rötlichblondem Haarschopf und rundem, lächelnden, Gesicht.

Er hatte ein Merkbuch in der Hand, in das er soeben etwas notiert zu haben schien.

„Wenn Ihr jemand von der Firma zu sprechen wünscht, ich stehe zur Verfügung." Und er verneigte sich vor Otto Maltzan. Der stand kerzengerade und rührte

pigen Hals.

„Wenn das Reisen jetzt so einfach wäre, Heilwig. Aber es wird vorläufig ganz unmöglich fein, dieweil die Maltzane ein neues Heer rüsten gegen Mecklenburg. Und just bei Rostock soll es bös aussehen. Ihr müßt Geduld haben, so wie ich auch. Wollt auch schon lange heim kn die Mark zurück. Aber während Johann von Branden- bürg mit Bogislaw von Pommern in die Glogausche Fehde zieht, ist auch viel Unruh daheim im Land. So muh ich warten bis auf gelegener- Seiten. Im Früh­ling, denke ich, wird ein besser Reisen für uns fein. Aber darum braucht Ihr nimmer so ernst auszuschauen, Heil-

bund dabei mir eine unwesentliche und rein formelle Funktion Vorbehalten bleiben soll. Es ist klar, daß dieser Standpunkt das ganze Mandatsystem zum blo­ßen Schein macht und in Wahrheit auf eine Annexion der Kolonien durch die Sieger hinausläuft. Die deut­sche Regierung hat diese Verletzung des Friedens­vertrages in einer ausführlichen Denkschrift dargelegt, die dem Generalsekretär des Völkerbundes mit dem Ersuchen übermittelt worden ist, sie der jetzt in Genf tagenden Vollversammlung des Völkerbundes zu unterbreiten. In der Denkschrift wird nachgewiesen, daß die Verteilung der Mandate und die Festsetzung der MandatÄ«dinaungen Sache des Völkerbun­des selbst ist, der allein die Verantwortung für die vertragsmäßige Verwaltung der Kolonialgebiete trägt. Zugleich ist mit aller Bestimmtheit zum Ausdruck ge­bracht worden, daß Deutschland den Anspruch erhebt, bei der endgültigen Verteilung der Mandate selbst mit als Mandatar herangezogen zu werden.

Forderung auf Ablieferung weiterer Luftschiffe.

Im Juni-und Jul, 1919 wurden sieben deutsche Marineluftschiffe vor Ratifizierung des Versailler Ver­trages zerstört. Die Entente verlangt nun als Ersatz für zwei dieser Schiffe unsere „Bodensee" und „Nord­stern" und wünscht den Verlust der übrigen fünf zer­störten Schiffe an Geld oder in Gestalt von Neubauten ersetzt zu erhol en.

Diese Forderung wird von deutscher Seite für völlig unberechtigt gehalten, denn 4n dem Protokoll vom 10. Ian. 1920, das gleichzeitig mit der Rcrstfikcttion des Friedens von deutscher Softe unter- zeichnet wurde, ist ausdrüMch vorgesehen, daß die deutschen Enischädigungsleistungen, die damals der En­tente zugestanden wurden, alle deutschen Ver­stöße gegen die Waffenstillstands- und Friedensbestim­mungen obaölten sollten. Wenn die Snt ere'fc sich jetzt darauf beruft, daß ihr die Zerstörung der Luftschiffe am 10. Januar 1920 noch nicht bekanntgeworden sei, so dürste es nicht schwer sein, das Gegenteil nachzu-

§ie Abschaffung -es ReiigionsunLerrichts verfassungswidrig.

Im Streit zwischen Reichsregierung und Freistaat Sachsen über die Frage der Erteilung des Reli­gionsunterrichts 'n den Volksschulen ist die Entschei­dung des Reichsgerichts dahin ergangen, daß die Be- ftimmungen des sächsischen Uebcrgangsschulgefetzes, wonach vom 1. April 1920 ab in den staalichen Volks­schulen kein Religionsunterricht mehr erteilt werden fall, mit den Vorschriften der Reichsverfassung im Wi­derspruch steht. In gleicher Weise htt das Reichs­gericht die Verordnungen der Arbeiter- und Soldaten- rüte in Hamburg und Bremen, durch die der Wegfall des Religionsunterrichts in allen staatlichen Schulen angeordnet ist, als mit der Reichsoerfassung unvereinbar erklärt.

Da nach Artikel 13 der Reichsverfassung Rerchs- recht Landrecht bricht, so sicht durch die mit Gesetzes­kraft ausgestattete Entscheidung des Rvichsgerichs end­gültig fest, daß die landesgesetzlichen Bestimmungen in Sachsen, Hamburg und Bremen über die gänzliche Abschaffung des Religionsunterrichts ungültig sind und daß in diesen Ländern wie überall im Reiche der Religionsunterricht als or­dentliches Lehrfach in den Schulen gemäß Ar- tckel 149 der Reichsverfassung eingeführt oder auf­recht erhalten werden muß.

Die Vergewaltigungspolftik in den Einzelstaaten er­innert an den Kampf, den die Zentrumspartei schon im alten Reich gegenüber den kulturkämpferischen Ge­setzen und Verordnungen in Sachsen, Braunschweig und anderen Bundesländern führen mußie. Als um die Wende des Jahrhunderts die Kirchenpolitik in dein Präsidialstaat Preußen und im Reiche selbst in fried­lichere Bahnen einlenkte, blieben diese vorwiegend protestantischen Emzelstaaten unentwegt in dem allen Kurse, ohne sich um die Notschreie chrer katholischen Minderheiten zu kümmern. Sie wühlen, daß bei ihnen zu Lande die mißhandetten Katholiken keine Vertretung in den Landtagen und keinen Einfluß auf die Staatspolstik gewinnen könnten, und ließen also die alten intoleranten Verordnungen mitleidslos weiter wirken zur Beschränkung der kirchlichen Versorgung, zur Seelenfängerei bei den Mischehen, zur Einschulung der katholischen Kinder in protestantische Schulen, ja sogar zur geswungenen Teilnahme an andersgläubigem Religionsunterricht.

Die damalige Reichsverfassung gab dem Reiche keine geschriebene Vollmacht zum Eingreifen gegen diese kulturkömpserischen Gelüste m den Einzelstaaten, und das Zentmm war am wenigsten geneigt, die bun- desstaMche Ordnung zu stören. Aber aus Notwehr mußte an die Reichsinstanz appelliert werden auf Grund des Reichsberufs, die notwendigste Rechts­gleichheit und Rechtssicherheit im Reiche zu schützen und auch die religiöse Freizügigkeit in Deutschland zu gewährleisten als Ergänzung der politischen und wirt­schaftlichen Freizügigkeit. Daher wurden die bezeich­neten Beschwerden im Reichstag vorgebracht.

Nach der Revolution, die unter der Parole „Frei­heit, Gleichheit und Brüderlichkeit" vor sich ging, haben leider die kulturkämpferrschen Bestrebungen in gewissen Einzelstaaten noch nicht aufgehört. Was früher im Geiste des Evangelischen Bundes betrieben wurde, ver­suchten setz' die erklärten Feinde des Christentums. Der Kampf galt jetzt vor allem derchristlichenSchule. Der Religionsunterricht sollte möglichst zurückgeknängt oder gar radikal beseitigt werden. Die religionslose Schule wurde an der einen S'elle auf Umwegen, an der anderen Stelle durch groben Zwang erstrebt.

Ein neuer Zwischenfall.

In Cuxhaven kam es zu einem Zwischenfall zwi­schen Mannschaften der Garnison und Mitgliedern der Cuxhanener Entsntekommifsion. Bei einer Feststellung der Waffenbestände in den Kasernen bestand die Kom­mission darauf, auch in den einzelnen Mannschaftsstuben nach Handwaffen zu suchen. Dadurch gereizt, ließen sich Mannschaften zu Belästigungen der Kommissions- mitglieder und zu Beschädigungen ihres Kraftwagens himeißen. Ohne Zweifel wird der Zwischenfall, von der Entsntekommifsion gehörig aufgebauscht, noch weitere Fickgen nach sich ziehen.

Politischer Mord in Oberschl-sien.

Der frühere Mitarbeiter und jetzige Gegner Korfontys, der Pole Kupka, wurde am Samstag nachmittag in Beu- then von zwei maskierten Männern, die unter einem Bor wand bei ihm oorsprachen, durch Revolverschüsie er­schossen.

Kupka wurde feit langer Zeit mit Drohbriefen ver­folgt. Er ist der Herausgeber der neuen Zeitung Wola Ludo (Wille des Volkes), die sich in der Hauptsache gegen Kovfantn und das von ihm geübte System richtet. Der Mord ist zweifellos politischer Natur. Er ist ein deut­licher Beweis, wieweit infolge der Korfanty-Propaganda die Verhetzung der oberschlesischen Bevölkerung bereits gediehen ist. Kupka hatte versucht, eine Dersöhnungs- politik auf der Grundlage des oberschlesischen Gedankens zu betreiben und sich insbesondere gegen das Einmischen der Warschauer Kreise in die oberschlesischen Angelegen­heiten gewehrt.

Durch die ftüheren Erfahrungen waren unsere Voljksvertrter hinreichend gewarnt werden vor der vollen Auslieferung der Kirchen- und Schulpolitik an die Machthaber in den Einzelstaaten. Es wurden die Grundrechte in der Reichsverfassung fest­gelegt und Richtlinien aufgestellt zum Schutze der christlichen Bevölkerung im ganzen und der konfessio­nellen Minderheit im besonderen. Wie dringend not­wendig diese Vorsicht war, zeigte sich alsbald, als nach der Ankündigung des Reichsschulgesetzes Jafar» die Vor- suche einschten, durch die schleunigen Maßnahmen in den Ländern oder Gemeinden der Reichsgesetzgebung ein Schnippchen zu schlagen. Wie jetzt gerichtlich fest- gestellt ist, verstiegen diese kulturkämpftrischen Gelüste sich sogar zum förmlichen Frevel gegen das geltende und beschworene Reichsrecht.

Diese Erscheinung muß von allen denen beachtet werden, die sich mit der Ausdehnung der Zuständigkeit des Reiches in Kullurfragen nicht recht befreunden können. Unsere Freunde in Bayern z. B. können sagen, sie würden in ihrem Lande schon allein eine vernünftige Kirchen- und Schulpolitik treiben und brauchten also ihrerfefts keine Ausdehnung der Reichs­gewalt auf die kulturellen Angelegenheiten. Aber außerhalb Bayerns wohnen noch viele schutzbedürftige Eltern und Kinder, die für ihre heiligsten und höchsten Interessen keine Sicherheit finden, wenn nicht von Reichswegen den kul^urkämpferffchen Landtagen und ^Regierungen Schranken gezogen werden. Es ist un­bedingt notwendig, daß die kftchen- und schul­politische Rechtsgleichheit und Freizügigkeit im ganzen Reichsgebiete geschützt wird, und vor diesem höchsten Interesse müssen alle anderen Erwägungen zurück- treten.

Das gute Reichsrecht muß das schlechte Landrecht entweder verhüten oder brechen. Die dankenswerte Entscheidung des Richters möge für den Reichstag ein weiterer Antrieb sein, daß er möglichst schnell das be­gonnene Werk zu Ende führt und tebefbnöere das Schulgesetz zustande bringt.

Die Rettung des Kulturfriedens ist notwendig zur Sammlung und Erhaltung der gesunden Volkskräfte, die unser Vaterland zur Genesung führen sollen.

Die Dölksrburrdtagimg.

Aus der Sitzung des Völkerbundes bom Sams­tag ist hervorzuheben eine Auseinandersetzung zwischen Revell (Kanada) und Tittoni (Italien), welche der Rohstoffversorgung der Welt galt. Der kanadische Delegierte sprach dem Völkerbund in dieser Frage die Zuständigkeit ab. Es handle sich hier um eine innere Angelegenheit der einzelnen Staaten. Tittoni nahm in einer großen Rede Ge­legenheit, Kanadas Standpunkt zu tadeln. Die internationale Zusammenarbeit in der Rohstofffrage sei nach seiner Ansicht eins der wesentlichsten Prob­leme. Sowohl der kanadische, als der italienische Delegierte waren sich dagegen einig in der Auf­fassung, daß der Völkerbund seine Aufgaben nur erfüllen könne, wenn alle großen Staaten ihm an­hörten.

Die deutschen Kolonien

vor dem Völkerbund.

Der Rat des Völkerbundes hat vor einiger Zeit Beschlüfle über die früheren Kolonien gefaßt., in denen er sich auf den Standpunkt stellte, daß die Verteilung der Mandate über die Kolonien und ebenso die Fest­setzung der Bedingungen für die Mandatsausübung Sache der alliierten Mächte ist, während dem Völker-

Heilwig nahm das Schwert von feinen Knien und wog cs prüfend in ihren Händen. Und las langsam mit lauter Stimme die Worte von feiner Klinge:

„Dieweil es gilt die feel und auch das gut, So gilt es auch das leben und das blut, Gott gebe uns ein heldenmuth."

Sie sah lange darauf nieder und atmete tief.

„Wes ist das Schwert?" fragte sie leise. *

„Dem Ritter Otto Maltzan ist es zu eigen," sagte der Alte bedächtig. „Und er wird es wohl brauchen können in Bälde. Es gibt wieder Krieg im Lande. Der Ritter Berend hat vor einigen Tagen all seine Fähnlein rote» der gufammenberufen.“

Ganz leise war Hellwigs Hand über den alten Spruch gefahren. Dann gab sie dem Alten das Schwert zurück.

Und es war dieser Schwertspruch, an den sie heute immer denken mußte.

Brigitte Alvensleben wandte den Kopf mit der spitzen

Leuten. Nun tauchte vom Mondlicht versilbert, Burg Kummerow am andern Ufer auf. Und da standen auch schon die beiden Bogtsleute, zitternd vor Angst und banger Erwartung.

Otto Maltzan sagte nicht viel, sondern trug die Ohn. mächtige schroeigend zur Burg empor. Oben, im war­men, Hellen Gemach, hatte die Vögtin bereits sorglich Hellwigs Bett hergerichtet. Sie zog ihr die nassen Kleider aus und flößte ihr heißen Würzwein ein und hüllte sie ganz und gar in das weiße, zottige Bärenfell. Da begannen Hellwigs Wangen sich langsam zu röten und ein Lächeln ging um ihre Lippen.

Sie öffnete die Augen ein wenig und blinzelte, weil die giaritme vom Kienspan sie blendete.

„Ich danke Euch, Vögtin, für Euer treues Mühen. Doch nun laßt mich schlafen, denn ich bin sehr müde."

Da schlich die Bogtin auf den Zehen hinaus in das Nebengemach zu den Männern, die noch lange nach Mitternacht in leisem Gespräch am Kaminfeuer saßen.

Schwert hob.

„Seht Frau, wie schw ■■ mer tragen können. Und geschrieben,"

Heilwig war so ernst und feierlich zumute heute. War das, weil morgen Weihnacht war? Oder

Da hatte der alte Vogt am Herd gesessen, feinen Knien lag ein Schwert, das er just aus der Scheide gezogen. Mit einem Tuch rieb er die Waffe, daß sie blank wurde und dichte im Sonnenlicht ' Heilwig war herangetretey und hatte ihm zugesehen.

Des Alten Augen leuchteten vor Stolz, als er das

mig. Es ist schön und traut bei uns in Wolde.. Denn sonnigere Hausfrauen wie Frau Gödel sah ich nie. Dabei schafft sie von früh bis spät und ist ein tugenbfam Weib, roie König Salomo schon gepriesen hat. Ist auch nichts widerwärtiger als Weiber, die aßeroeti sauer sehen und ihrem Mann das Haus zur Hölle machen. Hernach raun- < bern sie fich und tun groß entrüftet, wenn er lieber ihre | sauren Minen meidet und sich mit anderen vergnügt. ! Schon mein Vater selig predigte uns alleweil das « ein Spruch steht darin i Sprüchlein: „Ein Weib, da der Dlann kein Freudt ann 1 tzcü, die macht ihm Verdrossen zu alle» Dinar n." Usher

Aus vsrn besetzten Gebiet.

* Areigegebenes Flugseld. Die französische Militär­behörde hat das in Marxheim (Kreis Höchst a. M.- gelegene, 375 Morgen bestes Ackerland umfassende Ge­lände, das als Flugplatz der Befatzrrngstruppen diente, nunmehr nach wiederholten Vorstellungen zur Bewert- schaftung freigegeben. .

* vie VlntlSl von Sderingelhetm vor Eertcht. Wegen der Schießerei anläßlich deS Kirchweihfestes in Ober- ingelheim, bei der cm löjährigeS Mädchen au? Frank-- furt a. M., durch einen Lungenschutz von einem franzo- fischen Soldaten getötet wurde, wurde vom französischen Kriegsgericht etn Korporal mit einem Jahr ©efängniS: and 200 Frank? Geldstrafe bestraft, vier ander- An» geklagte wurden freigesprochen.

Deutscher Reichstag.

Die Reichstagssitzung vom Samstag wurde in ihrer vollen Breite von der Interpellation Mülleck-Frankeil über den zugesagten Gesetzentwurf, betreffend die

Soziallsierung des Kohlenbergbaus ausgesiillt. Der Abg. Löffler (Mehrheitssozialist) begrün- dete die Interpellation, in der ausdrücklich die Vollsozrall- sierrmg der Kohlenförderung und der Kohlenverteilung gefordert, dahingegen eine Gewinn-, Kapitals- oder Er­tragsbeteiligung der Arbeiter abgelehnt wird. Die Fer­tigstellung des Entwurfs wird vom Berichterstatter so­fort gefordert und er macht am Schlüsse feiner Rede gel­tend, Latz die Regierung diese Frage unter kemen Um­ständen hinmuszögern dürfe. Dazu erwiderte der Reichs- wiklfchaflsmlnisier Dr. Scholz, datz die Regierung nach wie vor aus dem Standpunkt chrer Erklärung Dom 27. Oktober stände und beabsichtige, einen Gesetzentwurf über die gemeinwittschastllche Regelung des Bergbaus mit größtmöglicher Beschleunigung der gesetzgebenden Körper­schaft vörzulegen. Dis jetzt sei die Materie noch in der Bearbeitung durch die Sachverständigen des Reichswrrt- schaftsrates und des Kohlenrates. Es wäre verfrüht, vor Abschluß dieser fachmännischen Beratungen ein Urteil oder einen Bescheid zu geben. Es wäre vermessen, wenn diese außerordentlich schwierige Frage, die im Hinsicht auf die jetzige Wirtschaftslage nach innen und außen zu ganz besonderer Vorsicht mahnt, auf eigene Faust ohne die Sachverständigen durchzuführen. Diese Frage dürfe, eben nicht vom parteipolitischen Standpunkt aus, sondern nur rein wirtschaftlich betrachtet werden.

Abg. Bolz, der Sprecher des Zenrums, schließt sich den Erklärungen der Regierung an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen der Kommiffion möglichst, bald zum Abschluß gebracht würden. Wenn dies nicht bett Fall sein könnte, dann müßte die Regierung doch noch tunlichst rasch ihre Vorlage einbringen. Bei dem Stand der Dinge gehe das Zentrum von einer näheren Bespre­ch nng der Interpellation ab. Auch die folgenden Redner, die 2(bgg. Leopold (Stott.), Dr. Curllus (D. Vp.), Leicht (B. Vpt.), billigen das Verfahren der Regierung. Da­gegen gefielen sich entgegen der Mahnung des Ministers, daß triefe Frage nicht vom patteipolitischen Standpunkt aus behandelt werden dürfte, die Kreise links von der interpellierenden Partei darin, sich gründlich einmal gegenseitig die Meinung zu sagen. Höhnisch wurde der Abg. Müller von feiten seiner linksstehenden Genossen gefragt, warum er denn nicht unter feinem Regime sich mit allen Kräften für die Durchführung der Sozialisie­rung eingesetzt habe. Nicht die Worte machten es, son­dern die Arbeiterschaft wolle Taten sehen. Der noch weiter links stehende Abg. fiöenen hingegen bewies den beiden rechtsstehenden sozialistischen Parteien, daß Jie noch lange nicht wahre Arbeiterinteressen verträten, daß das auch gar nicht möglich sei. Äs bis das Proletariat die politische Macht errungen habe. Der demokratische Staat, egal welcher Schattierung, könne die Sozialisierung nie durchführen, da er immer irgendwie mit dem Kapitalis­mus verkuppelt fei.

Daun vertagt sich dos Haus auf Montag, wo das Ge­setz über Oberschlefien und die sozialdemokratische Interpellation über Kapitalverschiebung ins Aus- ! land besprochen werden sollen. Hierzu haben die Links- I unabhängigen und Kommunisten einen Antrag zur Sil« unserer Haustür stand also geschrieben, und daher sind' wir Alvensleben wohl auch so lustige Frauenleute ge­worden. Er hat auch immer eine gute Redensart ge­habt, wenn etwas schief ging: „Da hat der Teufel zwi- | scheu gespuckt," hieß es bann allemal. Wenn etliche jam- I werten bei Unglücksfallen und dergleichen: Wie kann der Herrgott solches zulassen! Dann hat mein Vater seinen Lgrauen Kopf geschüttelt und gesagt: „Warum müßt Ihr [ denn dem Herrgott immer gleich alles in die Schuhs schieben? Don dem kommt nur Gutes. Aber der Teufel spukt hier und da dazwischen, dieweil ihn das Guts boft. Damit fing er schon im Paradiese an bei dem ver­flixten Apfel. Und so ist es geblieben bis auf den heu- tig’en Tag."

I So kamen sie allmählich in dämmernder Abendstunde I in Wolde an.

Das Schwert von LhnLe.

Aoman von Leontine von Winterfeld-Platen. 25] _________

Die Roman-Fortsetzung in der SamstagS- Ausgabe ist unvollständig und gibt dem Leser, weil ohne Zusammenhang, ein falsches Bild von dem Gang der Handlung. Die Fortsetzung Nr 25 sei deshalb heute richtig tviedergegeben:

Und jetzt schlug sie langsam und verträumt die großen dunklen Augen auf.

Und ein seliges Erkennen flog über ihre Züge.

Beide Hände streckte sie aus und betastete weich sein dunkles, schmales Gesicht.

. „D Du, o Dul Bist Du nun endlich gekommen zu wir? Und steht nun nichts mehr zwischey uns? Din wohl in den Himmel gekommen über Nacht, daß es nun olles so licht ist um uns."

Und sie schloß wieder die Augen wie in großer Er­schöpfung. ‘

Da hob er sie in seine Arme, denn es stand viel Dosier rings in ihrem Kahn, und trug sie herüber in fein Boot Und wie er so stand im Mondlicht, hoch und stark und groß, ein sieghaftes Leuchten in den wetter- braunen Zügen, die geliebte Frau schützend an seiner ®ruft, merkte er, daß die Kähne fast hart bis an das Ufer getrieben waren. Und am Ufer standen mit lech- zenden Zungen und beutegierigen Augen zwei, drei — "ein zehn, zwölf Wolfe, und der kühnste und hungrigste von ihnen sprang eben klatschend in das Wasser und schwamm auf die Kähne zu.

Er hatte keine Waffe bei sich, außer dem Hirschfänger im Gurt.

, Und er legte Heilwig hastig nieder auf den Boden seines Schiffleins und griff nach den Rudern

Mit wenigen kräftigen Stößen war er weit genug Dom Ufer, daß der Wolf ihm nicht mehr folgen konnte.

Wie ein Pfeil glitt das Boot durch den milchweißen Mondftreifen auf der schwarzen Flut. Immer leiser verklang in der Ferne bas hellere Gebell bet Raubtiere.

Otto Maltzan hatte die Zähne zusammmgebissen und soh starr nieder auf Heilwig, die mit geschlossenen Augen öu seinen Füßen lag.

Seine Lippen waren ohne Farbe, als er murmelte- »Wenn ich später zu ihr gekommen wäre, was dann?"

Und ein Entschluß stand fest bei ihm.

Sobald es Hellwigs Zustand erlaubte, brachte er sie "°ch Wolde. Ob sie wollte oder nicht. Dort wußte er in besserer Huf, als' hier hei den alten, einsame«