Fuldaer Fettung
Druck der Fuldaer Aetieudr «Serri in Fulda
der
IV. Milliarden Mark
*4 Milliarde Mark
Dort wußte er ölten, einsamen versilbert. Burg da standen auch vor Angst und
Zu gleicher Zeit ritt Otto Maltzan in die Tore von Demmin ein. Er stieg msi seinen Knech en im Gasthof zum „Süßen Raben' ab und machte sich dann allein zu Fuß auf, um das Haus der Lämmerzahl am Marktplatz
sie in besserer Hut, als hier bei den Leuten. Run tauchte vom Mondlicht Kummerow am andern Ufer auf. Und schon die beiden Dogtsleute, zitternd banger Erwartung.
zusammen 13V, Mrlliarden Mark
Lus einen Ersatz dieser abgegebenen Betriebsmittel Simen wir nicht verzichten, wenn wir unser Wirtschaftsleben nur wieder einigermaßen in Gang bringen wollen. Welch ungeheure Summen aber diese Beschaffungen verschlingen, geht mit erschreckender Deutlichkeit daraus hervor, daß allein bei einer einzigen Eisenbahnbeschaf- sungsbehörde, wie einwandfrei festgestellt worden ist, die an die Unternehmer gezahlten Summen von 250 Millionen im Jahre 1914 auf 6% Milliarden im Sa^re 1919 gestiegen sind. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache. Wäre nun aber wenigstens der Rest der uns noch verbliebenen Lokomotiven und Wagen in Sutem Zustande gewesen, so Hütte man den fürchter- nchen Aderlaß am Wirtschaftekörper unserer Eisenbahnen
Die Gründe für die Defizitwirtschaft sind in Hauptsache in folgenden Ursachen zu finden:
1. In der Kriegswirtschaft.
2. In dem Friedensvertrat von Dersailles.
Die Kommisiare schweigen schmausend in allen nur er» hältlichen raffinierten Tafelfreuden; wohnen in Palästen, obwohl ihnen schon ein Leinbürgerlicher Winkrt früher ein unbegreiflicher Luxus dünkte; kleiden sich und ihren Weibertroß in üppigste Stoffe, ohne noch die Anwendung der Seift begriffen zu haben.
Unter ihnen, und von ihrer Schreckensherrschaft niedergehalten und ausgesperrt, kauert zitternd und hurgcrnd dos Volk; dehnt sich das Meer von Blut, der Morast von entfesielten Laster» einer im Ramen der Meichbeit gestürzten und in Zersetzung geratenen Gesellschaftsordnung, — sie selbst aber sind oben.
Somit endet auch der bolschewistische Versuch der Gle'ch'nacherri wieder ui einer Gliederung nach unten und oben. Eine Umkehr zwar von unten und oben; aber darum bleibt doch die Tatsache einer geschichteten Ungleichheit auch birt bestehen.
nein zehn, zwölf Wölfe, und der kühnste und hungrigste von ihnen sprang eben klatschend in das Wasier und schwamm auf die Kähne zu.
Er hatte keine Waffe bei sich, außer dem Hirschfänger im Gurt.
Und er legte Hellwig hastig nieder aus den Boden seines Schiffleins und griff nach den Rudern.
Mit wenigen kräfttgen Stößen war er weit genug vom Ufer, daß der Wolf ihm nicht mehr folgen konnte.
Wie ein Pfeil glitt das Boot durch den milchweißen Mondstreifen auf der schwarzen Flut. Immer leiser verklang in der Ferne das heisere Gebell der Raubtiere.
Otto Maltzan hatte die Zähne zusammengebiffen und sah starr nieder auf Hellwig, die mit geschlossenen Augey zu seinen Füßen lag.
Seine Lippen waren ohne Farbe, als er murmelte:
„Wenn ich später zu ihr gekommen wäre, was bann?'
Und ein Entschluß stand fest bei ihm.
3 Milliarden Mark
9 Milliarden Mark
Das Schwert von Thnte. vornan von Leontine von Winterfeld-Platen. 25 j __________
Wäldern.
Hellwig war so ernst und feierlich zumute heute. Wax das, well morgen Weihnacht war? Oder kam das von dem Schwertspruch, den sie am letzten Tage in Kummerow gelesen und nun nicht wieder vergessen konnte?
Da halte der alte Bogt am Herd gesessen, und auf seinen Knien lag ein Schwert, das er just aus der Scheid« Sitzogen. Mit einem Tuch rieb er die Waffe, daß sie blank wurde und blitzte im Sonnenlicht
Hellwig war herangetreten und halle ihm zugesehen.
Des Wien Augen leuchteten vor Stolz, als er das dchweri hob.
»Seht Frau, wie schwer es ist. Ihr werdet es nim- mer tragen können. Und auch ein Spruch steht darin geschrieben.'
Hellwig nahm das Schwert von seinen Knien und m?9 es prüfend in ihren Händen. Und las langsam mit lauter Stimme die Worte von seiner Klinge:
„Diewell cs gilt die seel und auch das gut.
So gilt es auch das leben und das Mut, Gott gebe uns ein heldemnuth.'
Sie sah lange darauf nieder und atmete tief.
»Wes ist das Schwert?' fragte sie leise.
»Dem Ritter Otto Maltzan ist es zu eigen,' sagte der 'Ute bedächtig. „Und er wird es wohl brauchen können
Bälde. Es gibt wieder Krieg tm Lande. Der Ritter ®erenb hat vor einigen Tagen all seine Fähnlein wie.
zusammen berufen.'
Tanz leise war Hellwigs Hand über den alten Spruch «ffahren. Dann gab sie dem Alten dos Schwert zurück. ^Und es war dieser Schwertspruch, an den sie heute denken mußte.
Brigitte Aloen-leben wandte den Kopf mit der spitzen ^rwütze zu ihr herum.
Jh. ^wElgsöm heute, Hellwig, worüber ^Ellwjg fuhr zusammen.
£ ."®e ich in Bälde wieder zurück kann nach Rostock.
•b °n $u lange nahm ich die Gastfreundschaft der ^lUtzane in Anspruch.'
Mindestens 3000 Lokomotiven tm jetzigen Werte von zusammen mindestens . . .
Mindestens 6000 Güterwagen ’ im jetzigen Werte von mindestens......
Mindestens 150 000 Güter- toanen im jetzigen Werte von mindestens......
Mindestens 2000 Gepcick- roanen im jetzigen Werte von mindestens .......
M 269.
Samstag, 2v. November 1920,
Sobald es Hellwigs Zustand erlaubte, brachte er sie nach Wolde. Ob sie wollte oder nicht. ~
gezogen hätte, läßt sich auch nicht annähernd feststellen. Die Techniker wissen ein Lied davon zu fingen, sie sehen es tagtäglich bei der Dergebung der Arbeiten und Sie. sengen, bei der unverantwortlichen Bersch l e p p u n g dringender Unterhaltungsarbeiten, Umbauten, Ergänzungsbauten irsw. In der bürokratischen Verwaltung liegt das Grundübel un- f e r,e r staatlichenBetriebe und somit auch des gewaltigen Betriebes der Reichs- elsenbahnen. Geht man nicht dazu über, den über» wiegenden Einfluß verknöcherter und verparagraphierter Juristen zugunsten tüchtiger Techniker und Volkswirt- schastler abzubauen, dann wird aus dem Eisenbahnbetriebe niemals ein Urberschußbetrieb werden.
Run zum Schluß noch einmal zu den Beanrtengehäl- tem. Mit den Darlegungen dürste wohl gründlich der Wahn zerstört sein, daß die Beämtengehälter schuld an dem Defizit der ReichseisenbahnoerwastrMg seien. Den ganz ungeheuerlichen Preissteigerungen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens steht eine Steigerung des Beamtengehalies um nur das 3- bis 4fache gegenüber. Dabei ist vor einiger Zell festgestellt worden, daß die Beamtengehälter und Arbeiteilöhne tatsöch- lich nur 15 Prozent der jetzigen Gesamtausgaben der Reichsbahnen gegen 25 Prozent der Gesamtausgaben vor dem Kriege ausmachen.
Hoffentlich werden diese Zellen genügen, um der Oefsentlichleit zu zeigen, worauf das Desizll der Eisen- bahnoerwaltung zurückzuführen ist und daß man endlich damit aushören möge, das Defizit mit dem Steigen der Bramlengehäller zu begründen.
Otto Maltzan sagte nicht viel, sondern trug die Ohnmächtige schweigend zur Burg empor. Oben, im war- men, Hellen Gemach, Halle die Dogtin bereits sorglich Hellwigs Dell, hergerichtet. Sie zog ihr die nassen Kleider aus und flößte ihr heißen Würzwein ein und hüllte sie ganz und gar in das weiße, zottige Bärenfell. Da begannen Hellwigs Wangen sich langsam zu röten und ein Lächeln ging um ihre Lippen.
Sie öffnete die Augen ein wenig und blinzelte, well die Fiamme vom Kienspan sie blendete.
-2ch danke Euch, Dogtin, für Euer treues Mühen. Doch nun laßt mich schlafen, denn ich bin sehr müde."
Da schlich die Dogtin auf den Zehen hinaus in das Nebengemach zu den Männern, die noch lange nach Millerttocht in leisem Gespräch am Kaminfeuer saßen.
(Fortietzun-, folgt)
3. In der Verteuerung der Materialien und Rohstoffe.
4. In dem unwirtschaftlichen Arbeiten der Eisenbahnbetriebe.
5. In der bürokratischen Berwaltung.
In den Jahren vor dem Kriege betrachtete man die gifenbabnen stets als J)ie melkende Kuh' des preußischen Staates. Di? Ueberschüffe der Eisenbahnverwaltung waren ein gewichtiger Faktor im Staatshaushalts- olan? Während sich nun bis in die ersten Kriegsjahre hinein Einnahmen und Ausgaben etwa in den vorbe. rtofmeten Grenzen hielten, wuchs infolge des ständig B* * nenden Materialmangels, der aus allgemeinen en stets steigenden Teuerung der verminderten Einnahmen infolge Zurückdrängens des Güter, und Personenverkehrs auf Kosten der nur ganz gering vergüteten Heerestrans- porte das Ausgäbenkonto so ungeheuerlich an, daß sich 1918 gegen die planmäßige Sollausgabe von 2996 754 000 Mark eine wirkliche Ausgabe von 4778367000 Mark, das heißt eine Mehrausgabe von 1 781 613 000 Mark ergab. Nach dem Haushalts- plan war ein Betriebsüberschuß von 731 072 000 Mark veranschlagt, tatsächlich ergab sich ein Fehlbetrag Bon 1228 842 032 Mark. Damit war der Uebergang von Ueberschußbetriebe zum Zuschußbetriebe vollzogen. Der Stein war ins Rollen gekommen und wuchs, durch das Unglück unseres Vater- Ian b e s noch in verstärktem Maße ange. trieben, in seinem weiteren Laufe lawi- neuartig an. Kein Mensch wird aber behaupten können, daß der Anstoß durch die „Hunaer'gehälter und -löhne der Beamten und Arbeiter im Jahre 1918 er» folgt fei.
Waren wir schon im Kriege gezwungen, zur Erhol- hing der Leistungsfähigkeit unserer Verbündeten zahl- reiches rollendes Material an diese, und unter dem Druck der Verhältnisse und milUärifdjen Stellen die für die Ausbesserung und Instandhallung der Betriebsmittel bitter notwendigen Metalle und Betriebsstoffe zur Erfüllung des Hindenburg-Programms abzugeben, so hat der Waffenstillstandsvertrag und der Frie- densvertrag uns noch des letzten Restes der wirk- llch leistungsfähigen Belliebsmillel beraubt. Nach einer amtlichen Zusammenstellung sind bis jetzt abgegeben worden:
Der Völkerbund und Danzkg.
Da wird jetzt viel geredet und geichrieben über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Als ob es für uns ehrenvoll und Gewinn wäre, in dem halben Hundert von Tlnonassistenten, die sich um die siegreiche Entente veriammelt haben, ein Plätzchen zu erhalten, um ebenfalls ander englisch-französftch- belgiichen Leine mitzuspazieren.
An seinen Früchten wollen wir den Völkerbund erkennen. Bisher hat der Rat dieses Bundes, der sich ausschließlich betätigt hat, wahrlich keine ver« lockenden Früchte geliefert. Im Gegenteil.
Zu der Missetat von Eupen-Malmedy kommt jetzt die hinterlistige Vergewaltigung von Danzig. Der Völkerbundsrat bestätigt die neue Verfassung von Danzig und lägt die Stadt und ihre Umgebung daS Geburtssest als „Freistaat" feierlich begehen. Und gleich hinterher beschließt er, daS Mandat für die mililäriiche Verteidigung TanzigS an Polen zu übertragen, d. h. dem erklärten Feinde der Danziger Freiheit die Macht über den neuen Staat in die Hand zu geben.
Sn dem offiziösen Bericht heißt es, dieses Mandat sei zunächst „grundsätzlich" beschlossen; die Einzelheiten der Durchführung sollten in den nächsten Tagen noch festgesetzt werden. Auf die Einzelheiten kommt es aber verzweifelt wenig an, wenn über die Grundlage entschieden ist. Ob das polnische Militär in Danzig sich in der einen oder anderen Form einquärtiert, ist nebensächlich. Wenn es da ist, so hat es, um im Stile unserer Radikalen zu reden, die Hand an der Ghngd von Danzig. Denn dort gibt es keine bewaffnete Macht, die dem polnischen Militarismus das Gegengewicht halten könnte. Auch der Kommissar des Völkerbundes, der dort thronen soll, ist eine hilflose Figur, der nichts hinter sich hat, als seine Bestallung auf geduldigem Papier. Er kann sich die leere Scheide umschnallen; den Säbel schwingen die Polen.
Vielleicht ist dieser Dienstmann des Völkerbunds- tafs seinerseits mit einer solchen Dekorations-Rolle zufrieden, denn dieser hohe Rat wird wohl den Polen in Danzig dieselbe Gunst zu erweisen haben, die sie in Oberschlesien unter dem französischen General Le Rond so reichllch genossen haben und noch genießen. Aber die Danziger werden sich damit nicht zufrieden geben können, wenn man sie nachträglich aus der verheißenen Freiheit m die Abhängigkeit von Polen ftürgt
Aber was macht sich der Rat des Völkerbundes aus dem Aufbäumen des mißhandelten Volkes? Er hat ja kürzlich noch in Eupen und Malmedy eine Prachtleistung in dieser Hinsicht geliefert. So ein blutiger Hohn auf eine „Volksabftimmimg", wie dort die belgischen Proteftlisten mit dem Schrecken der Verarmung und Ausweisung ihn darftellten, war in der Weltgeschichte noch nicht dagewesen; aber der hohe Rat des angeblichen Friedensbundes sprach doch die Kreise dem belgischen Erpresser zu. Rach diesem (Stempel kann man dem besagten Rat sogar zutrauen, daß er nichts dagegen haben wird, wenn das polnisch Militär in Danzig eine ähnliche „Volksabstimmung' vorbereitet, die schließlich Danzig zur förmlichen Em- ■ Verleihung in das Nimmersatte Polenreich führt.
Die Entente tut nicht nur der Gerechtigkeit Gewalt an, sondern auch der ehrlichen Sprache. Sie nennt „Volksabstimmung', was die gröbste Unterdrückung der unerwünschten Stimmen ist, und sie proklamiert einen „Freistaat', um ihn m die Abhängigkeit von seinem Erzfeind zu bringen, einen „Freistaat' für die Maus im polnischen Käfig!
Wollen die Staaten, die setzt in Genf als Völker- bündler paradieren, sich diese Wirffchaft des „Rates' weiterhin gefallen lassen, so können mir das nur bedauern, aber vorläufig nicht ändern. So lange der Völkerbund tatsächlich die Kampfpoliffk der Entente
Die Gleichmacherei.
Em Cben und Unten har es in sozialer Hinsicht immer gegeben, so lange wir die menschlichen Geschehnisse geschichtlich verfolgen können. Ein Oben und Unten tr tt uns entgegen, wo immer wir die Formen menschlichen Beisammenseins kullurhistorisch verfolgen, auch bei den niedrigst stehenden Stämmen, die wir erforschen konnten, fanden sich immer Abstufungen von Macht, Grade des Ansehens, Steigerungen des Könnens und damit der Befugnisse, die sich irgendwie auf gesellschaftlich gefaßte Anerkennung stützen.
Die Sozialdemokratie hat in ihren Zukunftsphantasien von dem Ideal von der Gleichmachung aller Menschen geträumt. Der Bolschewismus hat sich daran gemacht, diese Zukunft-träume zu verwirklichen. Es soll keine Ungleichheiten, kein Oben und Unten mehr geben. Unter Strömen von Blut hat er alles, was sich über dis unterste Stufe empor hob, vernichtet. Denn dies begriff er trotz aller ihn erfüllender Wahnideen, daß jede Gleichmacherei nur einen Ausgleich nach unten vornehmen kann, weil es außerhalb der menschlichen Macht steht, die Mittelmäßigkeit oder gar die Minderwertigkeit emporzuhebsn zu den „Höheen der Menschheit'.
Der Bolschewismus ist vor keiner GrwMmaßregol zurückgeschreckt, um diese Gleichheit zu erzwingen. Er hat das Bürgertum ausgerottet, die Intelligenz dem Hunger preisgegeben oder hingerichtet, alle Quellen des Michtums verschöttett, den Besitz eingezogen. Kurz, er hat planmäßig das Unterste zu oberft gekehrt. Und was hat er dabei erreicht? Er hat lediglich ein neues Unten und Oben geschaffen! Unter seinen zerstörenden Händen, die olle sozialen Höhengebilde mit fanatischem Haß mederrissen, türmten sich alsbald neue Ungleichheiten empor. Nur daß sie anders geartet waren ais die bisherigen Träger der überragenden Ungleichheiten.
Alle Berichte aus dem Lande der Räte melden uns, daß sich eine neue Oberschicht gebildet habe, die einen so überwiegenden Einfluß auf die Geschicke des Landes ausgeübt, «'nen fo unverhältnismäßig großen Anteil an allen Annehmlichkeiten des Lebens für sich beansprucht unter Vorenthaitung derselben gegenüber den darbenden Volksgenossen, wie kaum se früher solches erfolgt ist. Nur daß anstelle der Aristokratie der Bit- düng, des Besitzes, der Äulturüberlieferungen heute eine Oberschicht der Skrupellosen, der Kulturrohlinge, der Gewalttätigen, der moralisch Verlotterten, so der Verbrecher entstanden ist und eine absolute Herrschaft an sich gerissen hat. Wenn es nicht dem Wortsinn wi- verspräche, den Ausdruck „Aristokratie' anzuwenden, so könnte man von einer schlammentstiegenen Aristokratie reden. Denn jene Usurpatoren suchen mit emsiger Beflissenheit bis aufs Räuspern und Spucken die Rolle ihrer versagten Vorgänger in allen Einzelheiten ru spielen, ahmen deren G'bahren nach. Natürlich nur :n Aeußerlichkeiten, weil sie schlechthin nicht befähigt sind, deren inneren Lebensgehalt in sich auf- zunehmen. Nur die Laster nachzuahmen langt bas Talent befer Leute von gestern So suchen sie es im Prassen, in ausschweifender Trtebbefriedigung, im unredlichen Erwerb allem, was sich ihren Vorgängern ab- gucken läßt, gle'ch zu tun ober sie noch zu übertreffen.
ju suchen. Den ganzen Weg hatte er gegrübetT über diese Angelegenheit. Und es war ihm dabei allmählich zur unumstößlichen Gewißheit geworden, daß dieser Fridolin Lämmerzahl nicht mehr leben konnte. Denn wie hätte er sonst so lange schweigen und nimmer nach seiner Braut forschen Können? Aber es sollte da auch noch eine alte Muller und ein Bruder sein, die mußten ihm genau Bescheid geben.
(Er fand bald das hohe, spitzgiebelige Haus am Markt, über dem in goldenen Lettern der gesuchte Na- men prangte. Ein großes Tor stand offen, und aus der wellen, geräumigen Diele lagen mächtige Warenballen aufgespeichert, zwischen denen emsige Stornier ordnend hantierten. Otto Maltzan trat rasch in den Torweg und fragte nach der allen Frau Länunerzahl
„Die hat vor zwei Monden das Zeilliche gesegnet,' sagte der Knecht und rückte' an seiner Kappe.
Da kam aus dem Hintergründe ein rosiger Mann mll röllichblondem Haarschopf und rundem, lächelndem Gesicht.
Er halle ein Merkbuch in der Hand, in das er soeben etwas notiert zu haben schien.
„Wenn Ihr jemand von der Firma zu sprechen wünscht, ich stehe zur Verfügung.' Und er verneigt« sich vor Otto Maltzan. Der stand kerzengerade und rührte sich nicht.
Und jetzt schlug sie langsam und verträumt die großen dunklen Augen auf.
Und ein seliges Erkennen flog über ihre Züge.
Beide Hände streckte sie aus und betastete weich sein dunkler, schmales Gesicht.
„O Du, o Du! Bist Du nun endlich gekommen zu mir? Und steht nun nichts mehr zwischen uns? Hm wohl in den Fimmel gekommen über Nacht, daß es nun alles so sicht ist um uns.'
Und sie schloß wieder die Augen wie in großer Er- schövsung.
Da hob er sie in seine Arme, denn es stand viel Wasser rm"s in ihrem Kahn, und trug sie herüber in fein Boot Und wie er so stand im Mondiicht, hoch und stark und nroß ein sieghaftes Leuchten in den wetter- braunen Zügen, die geliebte Frau schützend an feiner Brust, merkte er. daß die Kähne fast bart bis an das Ufer getrieben waren. Und am U'er standen mit lechzenden Zungen und beutegierigen Augen zwei, drei —
MilliarSenvefizit und Bcamtengehätter in der stieichseisendaftuoerwaltung.
Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahubeamten und deren Anwärter, Ortsgruppe Fulda, bittet um Veröffentlichung folgender Ausführungen:
Aus den Mittellungen des Reichsbundes deuffcher Technik entnehmen wir einen Artikel, der dazu beitragen kann. Manche irrige Auffassung zu widerlegen. Es heißt darin:
Fast täglich erscheint in den Tageszeitungen in irgend einer Form ein Hinweis auf das ungeheure Defizit der Reichseisenbahnverwaltung in Höhe von 17 Milliarden, und mit gleichbleibender Regelmäßigkeit ist dieser Hin. nieis verknüpft mit der Anerkennung, daß der riefen, hafte Fehlbetrag in der Haupffache der Steigerung der Beämtengehälter und Arbeiterlöhne zu verdanken fei. Er ist ein sehr gefährliches Spiet, das von gewissen Seiten hier mit der öffentlichen Meinung und ganz be. sonders aber mit der Beamten- und Arbeiterschaft getrieben wird. Man treibt einen groben Mißbrauch mit Zwecken und verschweigt, oft geflissentlich, die wahren Ursachen, die uns diese fürchterliche Lage gebracht hoben Diese Ursachen einmal in ihrer mähren Gestalt aufzudecken und das Märchen, daß nur die Beamten in. folge ihrer Gehaltsforderungen an all unterem Unglück schuld wär en, gründlich zu zerstören, liegt durchaus auch hu öffentlichen Interesse.
nicht fo bis ins innerste Mark verspürt. Aber hier liegt mir die größte Ursache von all unserem Elend. Man hat in den lehren Kriegsjahren einen ganz unser« antwortlichen Raubbau an unserem g e - tarnten Bahnmaterial getrieben, so daß es in ganz unvorhergesehenem Maße abgenutzt wurde und nicht im entferntesten daran gedacht werden konnte, diesem Uebel durch Neubauten auch nur not- dürftig zu fteuem. Wohin uns dies geführt hat. zeigt die Tatsache, daß der Reparaturstand allein der Güterwagen tn den Eisenbahn Werkstätten von 24 300 im Jahre 1913 auf 98000 im Jahre 1920 angewachsen ist. hierbei sind nicht berücksichtigt die Ausbesserungen der Wagen in den Privatwerken. Das sprunghafte An- wachsen der Reparaturziffer in diesen Werken erhellt aus der Gegenüberstellung von 27 863 Güterwagen für die Zell von Ende 1916 bis 1 Mai 1919. also für einen Zeitraum von rund 2/4 Jahren, gegen etwa 20 000 für die Zell vom 24. Januar 1920 bis 25. April 1920, also für die Zeit von nur einem Vierteljahr. Die Ausbel- serurgskvsten für einen Wagen betrugen 1919 durch- schiülich 8400 Mark. Sie betragen heute aber schon bcheutend mehr. Aber nicht nur die Betriebsmittel sind in diesem schlechten baulichen Zustand, nein, die gesam. ten Bahnanlagen; der Oberbau, die Bahnhofs- und Kunstbauten urm. bedürfen alle dringend der Erneuerung und Instandsetzung. Je mehr man diese hinaus« schiebt, um fo kostspieliger wird sie.
Der Grund zu biefen hohen Instandsetzungskosten ist in erster Linie auf die ganz ungeheuerliche Steigerung der Materialien und Rohstoffe zurückzuführen. So sind beispielsweise im Durchschnitt Holz um das Mache, Eilen um das 35fache, die übrigen Metalle zum Teil noch bedeutend stärker, Oberbaustoffe (Weichen, Schienen ufw.j um das Mache, Kohlen um das 16- bis Mache. Farben um das Mache, Glas um das Mache, Lokomotiven um das Mache (1 Stück zurzeit 1200 000 Mark) und die übrigen Betriebsmittel um das Mache gestiegen.
Geht schon aus diesen ungeheuren Preissteigerungen hervor, welch« gewaltigen Geldmittel die Unterhaltung und Instandsetzung der Betriebsmittel und Bahnanlagen erfordert, so merben diese aber auch noch ganz echeblich erhöht durch das unwirtschaftliche Arbeiten der verschiedensten Stelle« der Verwaltung selbst.
Da find vor allem die Werkstätten, in denen viel gesündigt wovden ist. Die Einstellung ungenügend vor- und ausgebildeter Kräfte während des Krieges, der Rückgang der Lei- ftungsfähigkeit der Bedien st eten infolge der schlechten Ernährung ist ein Verschulden der Verwaltung, das sich bitter röcht Dazu kommt die Arbeitsuniust infolge der P o - litifierung eines Telles der Beamten und Arbeiterschaft und die Unterbringung von Arbeitslosen ohne jede Rücksicht auf ihre Eignung und Leistungsfähigkeit für diesen oder jenen Dienstzweig. Die Folgen der begangenen Fehler machten sich auch bald bemerkbar. Die Werkstätten wurden nach und nach derartig verstopft, daß sich die Verwaltung entschließen mußte, die aus- besierungsbedürftigen Betriebsmittel m immer größerer Anzahl den auf dieses Gebiet nicht eingestellten Privat- roerfen zur Wiederherstellung zuzuführen. Die Privatwerke mußten, um den Anforderungen auch nur einigermaßen zu genügen, ihre Betriebe völlig umstellen. Die gewaltigen Kosten hierfür wurden natürlich auf bi« Der- waltung abgeschoben und obendrein zum Teil die Unternehmergewinne derart hochgeschraubt, daß die Kosten für eine abermalige Umstellung des Betriebes bei einem wieder ein tretenden normalen Reparaturstand auch von der Verwaltung, das heißt von den Steuerzahlern, zum Tess doppelt und mehr getragen werden. Es muß fier« vorgeboden teert)en, daß früher für solche C'Htungen nie Beträge an Private gezahlt zu werden brauchten. Die Instandsetzung in den Prjvatwerken hat aber auch noch den Nachteil, daß tte" Fahrzeuge weit längere Zell als früher dem Betriebe entzogen werden und dadurch der Mangel an rollendem Material noch mehr vergrößert wird. Zudem gehört es nicht zu den Seltenhellen, daß eben von den Privatwerken fertiggestellte Fahrzeuge schon nach einer Benutzung von wenigen Tagen genau dieselben Mängel zeigen wie vor der Ausbesserung, und daß sie dann zur gründlichen In- standsetzung nochmal einer Cisenbabnwerkstätte zugeführt werden müssen und so doppelte Kosten verursachen.
Aehvsich wi« bei den Werkstätten liegen die Derhält- msse auch tm Betrieb und bei der Bahnunterhaltung. Auch hier werden durch eine völlig planlose Wirffchaft Unsummen für in keinem Verhältnis hierzu stehende Leistungen verbraucht.
. Richt zuletzt aber sind die Gründe für die Defizit- wirtschaft der Eisenbahnen in der gänzlich veralte, ten bürokratischen Verwaltung zu suchen. ®s ist geradezu tragikomisch, wie st, der heutigen schnell- lebigen Zell, in der nur der Geschäftsmann und der Betrieb wirtschaftlich arbeitet, der schnelleittschlossen seine Dlsvositionen trifft und jede Minute ausnutzt um sich günstige Abschlüsse und Verträge zu sichern, der Amts- schimmel seinen Zuckeltrab auch nicht um eine Spur geändert hat, sa man kann ruhig behaupten, daß er an» ftatt schneller, langsamer geworden »st. Welch ungezählte Millionen dem Staatssäckel erspart ge- uiteben öStmt, tosnn m<m bre ttur um em
weniges mehr technisch und kaufmännisch auf«
Brigitte lachte und klopfte ihrem Rappen den strupf pigen Hals.
»Wenn das Reisen jetzt fo einfach wäre, Heilwig. Aber es wird vorläufig ganz unmögsich fein, diewell die Maltzane ein neues Heer rüsten gegen Mecklenburg. Und just bei Rostock soll es bös aussehen. Ihr müßt Geduld haben, so wie ich auch. Wollt auch schon lange heim in die Mark zurück. Aber während Johann von Brandenburg mit Bogislaw von Pommern in die Glogausche Fehde zieht/ ist auch viel Unruh daheim im Land. So nmß ich warten bis auf gelegener« Zeiten. Im Früh- Ung, denke ich, wird ein besser Reisen für uns fein. Aber darum braucht Ihr nimmer so ernst auszuschauen. Hell- wig. Es ist schön und traut bei uns in Wolde.. Denn sonnigere Hausfrauen wie Frau Gödel sah ich nie. Dabei schafft sse von früh bis spät und ift ein tugenbfam Weib, wie König Salomo schon gepriesen hat. Ist auch nichts widerwärtiger als Weiber, die alleweil sauer sehen und ihrem Mann das Haus zur Hölle machen. Hernach wun- dem sie sich und tun groß entrüstet, wenn er lieber ihre sauren Minen meidet und sich mit anderen vergnügr. Schon mein Vater selig predigte uns alleweil bas Sprüchlein- „Ein Weib, da der Mann kein Freudt ann hat, die macht ihm Verdrossen zu allen Dingen.' Ueber unserer Haustür stand also geschrieben, und daher sind wir Alvensleben wohl auch fo lustige Frauenleute ge. worden. Er hat auch immer eine gute Redensart ge. habt, wenn etwas schief ging: „Da hat der Teufel zwischen gespuckt,' hieß es dann allemal. Wenn etliche jammerten bei Unglücksföllen und dergleichen: Wie kann der Herrgott solches zusassent Dann hat mein Vater seinen grauen Kopf geschüttelt und gesagt: „Warum müfit Ihr denn dem Herrgott immer gleich alles tn die Schuhe- schieben? Don dem kommt nur Gutes. Aber der Teufel spukt hier und da dazwischen, dieweil ihn das Gute bost. Damit fing er schon im Paradiese an bei dem verflixten Apfel. Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.'
So fernen sie allmählich In dämmernder Abendstunde in Wolde an.