Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.
47. Zahrg
Donnerstag, 18. Nov. )920
Die Wahlen in Griechenland.
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fen, die Belastungen Deutschlands bis zum Zusammen- bruch zu treiben.
Lezagspreiv: Monailich3.00 Ml. ohne <ju|teügtüui)t. 3n tfu.Ou bei unsabgeholl 3,15 ZRL Anzeigenpreis : DieKieinzeile (Soioneimab) 60 p,g„ u. 10° io Zuschlag, die Reklamezelle (leiibieitei 1.80 ritt., u. 10% Zujchlag. Bei Wiederhol.Rabatt.
unter den Verlockungen des Land- und Machtzuwach- ses, und besonders unter dem Druck der Wahlmache, die der bisherige Tyrann von Griechenland skrupellos handhabte. Im günstigsten Falle glaubte man für den vertriebenen König und feine Friedenspolitik eine anständige Minderheit in der neuen Kammer erwarten zu dürfen. Aber es ist anders gekommen. Alle Reklame und aller Druck haben versagt; das Gr echenvolk hat feinem Rechwgcfüht, feiner Treue und seinem Friedensgeiste mit einer überwältigenden Mehrheit Ausdruck gegeben.
In Paris hat die Kunde wie eine Bombe gewirkt und wird von der ganzer, Entente wie ein Strafgericht empfunden werden. In der Entente-Presse wird mit dem üblichen Machtton erklärt, die Entente werde die Rückkehr des Königs Konstantin oder den Regierungsantritt des gleichgesinnten Kronprinzen auf keinen Fall dulden. Es ist ja mögllch, daß d'e verbündeten Großmächte die Thronbesteigung mit der gewohnten Gewalt verhindern; abei sie können mit aller Gewalt nichts ändern an dem Willen des Volkes, und der gibt in Griechenland schließlich den Ausschlag, wenn man auch vorläufig sich mit einer Regentschaft behelfen muß. Venizelos, das getreue Werkzeug der Entente, hat abgewirtschaftet und ist erledigt. Roch viel schneller und gründlicher, als der General Wränget, den Frankreich so voreilig „anerkannt" und so opferwillig unterstützt hatte.
Die überraschende Wendmrg in Griechenland bedeutet nach rückwärts hin eine Brandmarkung der gewalttätigen Politik, die von Griechenland verübt worden ist, und nach der Zukunft hin e'ne beträchtliche Erschwerungder orientalischen Politik der Entente.
Wenn in den Kriegsjahren das griech'sch« Volk mit Kanonaden, Truppenlandungen, Blockade und Siunnersnot gequält wurde, so behauptete man keck, das Volk selber n olle es so haben und müsse b e - freit werben aus der „Tyrannei" des Königs Konstantin und des Vierbundes Jetzt ist diese Lüge vor aller Welt ausgedeckt. Man sieht, daß Konstantin wirklich im Sinne fernes Volkes regiert hat und die Verehrung seines Volkes auch jetzt noch genießt trotz aller Schicksals schlüge in der Zwischenzeit. Das grau» tarne Unrecht, das an dem friedlichen Eriechenvolk durch das gewaltsame Hineinzerren in den Krieg begangen worben ist, wirb jetzt in seiner ganzen Schändlichkeit grell beleuchtet.
Die Entwirrung der vermrickten Verhältnisse im Osten wachte den S egern bisher schon sehr viel Sorge und Mühsal. Jetzt wirb die Aufgabe noch schwieriger, weil Griechenland in ihrem Sinn n'cht mehr „zu- verlässig" ist. Für uns ist es kein Nachteil, wenn d'e neuen .Herrscher der Welt" im Osten recht viel zu tun haben. Sie werden um so mehr sich hüten müs
Die Rheinlandreise der ReichIininister.
Dienstag nachmittag trafen der Reichskanzler Feh. renbach und der Reichsminister Dr. Simons von Köln kommen in Aachen ein, wo sie im Krönungssaale des Rathanles von Oberbürgermeister Farwick begrüßt wurden. Lehrer- und Studentenschaft der Technischen Hochschule veranstalteten in der Talbothalle der Hochschule einen Festcttt. Darauf fand der eigentliche Festakt im neuen Kurhause statt. Der Reichskanzler berührte in feiner Rede eine Reihe volitischer Fragen. Er hob vor allem hervor, daß die Reichsrenierung für bas befehle Gebiet alles tun werde, was in ihrer Macht stehe. Mit ergreifenden Morten gedachte er des verlorenen Gupen und Malmedn und beschäftigte ttch dann mit dem Friedensvertrag. Er betonte mit Entschiedenheit die Notwendigkeit einer Revision des Vertrages. Dir wollen den Gegnern zeigen, daß wir noch immer ein großes und stolzes Volk sind, auch wenn wir geschlagen sind. Reichsminister Dr. Simons erinnerte in feiner Rede an feine früheren Besuche in Aachen auf der Durchreise von Versailles nach Spaa. Das in Euven und Malmedy geübte Verfahren könne man nie und nimmer als eine rechtliche Methode betrachten. Dann beschäftigte sich der Minister mit dem Völkerbunde. Wir gehören nicht zu denen, die den Antrag gestellt haben, uns in den Völkerbund aufzunehmen. Ich halte es nicht für vornehm, wenn wir uns in eine Gefell- f*oft hineindrängen, in der sich Leute befinden, die erklären, wir gehen hinaus, wenn die anderen hinein, kommen. Weiter beschäftigte Dr. Simons sich mit der Auloabe Aachens für die Zukunft. Aachen habe eine u>>chtige Aufgabe als Verbindung zwilchen Deutschland Und den Weststaaten, er betonte aber, daß deshalb doch keine Mischung eintreten dürfe. Frankreich und Deutschland und Belgien und Deutschland könnten sich gegen- stitia wirtschaftlich und auch geistig manches bieten.
Oberbürgermeister Farwick dankte für die erhebende «Gude, die in dieser trüben Zeit.der Kanzlerbesuch der Stabt und der Bevölkerung gebvtm habe. Darauf fand '£ln Empfang der Abordnungen statt, die die Wünsche bor verschiedenen Jnteresienvertretungen vorbrachten.
Don dem Besuch in Köln ist noch nochzutrogen. daß d-e Minister auch dem Erzbischof einen Besuch ab- statteten, der eigens eine Firmungsreise unterbrochen hatte, ^"hrend der malische Kommissar von Köln, Mr. P» - .‘oft, ursprünglich vorhatte, die beiden Minister zu em- .Pwgen. mußte er nachträglich auf Weisung der Hohen Kommission in Koblenz hin von diesem Vorhaben ab- stchen. Dem Vorfall wurde auf deutscher Seite keine weitere Bedeutung beigemessen, doch gibt das in Köln er- lchememde englische Blatt den Sachverhalt ausdrücklich be= *®fut und bemerkt dabei, der Beschluß der Hohen Kom- 'M"lon lei mit Rücksicht auf die letzte Reichs'aasrede d?s Mchsmiursters des Innern Koch gefaßt worden, tre, wie
Blatt behauptet, ungenaue und irreführende Feststel- wugen über die Hohe Kommission enthalten habe.
Der Reichskanzler im 9. ft. B.
« $n Düsseldorf hatte Reichskanzler Fehrenbach eine in J?r Tonhalle stattsindende große Versammlimg katholischer -wust-uie und Angestellter aus Anlaß des 50. Jubelfestes
kaih. kaufm. Vereins „E o n f i d e n t! a" mit 'un Besuch überrascht Von der Riesermersammlung V" stürmischem Beifall und' dem spontan angestimmten M$>e „Deutschland, Deutschland über alles" empfangen.
Wrangels Zusammenbr ich.
An dem endgültigen Zusammenbruch des Wran- gelschen Unternehmens ist jetzt nicht mehr zu zweifeln. Nachdem die Bolschewisten Wrangels Fronten eingedrückt hatten und den Zugang zur Krim erzwungen hatten, war Wrangels Stellung nicht mehr zu halten. De Ereignisse an der Krimfront überstürzten sich. Die Wrongeltruppen, welche an der Landenge von Pere- kop noch Stand gehalten hLttcn, sind auch hier g-n y a- gen und ihre Front ist durchbrochen worden. Angesichts dieser Lage hat du Einschiffung der Zimlbwiüke- rung begonnen. Sebastapol ist am Montag g e- räumt worden. General Wrangel schiffte sich aus einem russischen Kreuzer ein. der auch Truppen geladen hatte. Drei wettere Transportschiffe mit 20 000 Soldaten und ein Schift mit Verwundeten sind mit unbekannter Bestimmung in See gegangen. Die Trümmer des Heeres des Generals Wrangel leisten Widerstand. Die Sage ist jedoch unhaltbar.
Ur. 267
Deutsches Reich.
** Berlin, 17. Nov. Gegen den Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Prof. Dr. Hirsch ist auf seinen Antrag ein Disziplinarverfahren ein» geleitet worden, da der Abg. van den Kerkhosf ihn der Bestechung beschuldigt hat. — Seit Sonntag tagt hier der Kongreß der Erwerbslo-enr äte Deutschlands. — Die Berga' beiter im Waldenburger Revier haben ein Uebersckichtenabkommen in derselben Art rot*» da? im Ruhrrevier angenommen.
(.) Der Entwurf über die beschleunigte Erhebung des Neichonotop ers ist nunmehr dem Reichstage zugeggngen. Er bestimmt folgendes: Das Reichsnotopfer ist, soweit es 10 Ptoz. des ab* oabepfl chtigen Be» mögens nicht übersteigt, wenigstens aber zu V' der Abgabe tn zwei gleichen Teilbeträgen am 1. Februar und am 1. August 1921 zu ent» lichten. Ist ein Steuerbescheid am 1. Januar noch nicht zugestellt, so ist die erste Teilzahlung am Schlüsse des auf die Zustellung folgenden Monats, die zweite 6 Monate später fällig. ' An Stelle von 16 P>oz. des abgabepflichtigen Vermögens ist 1/s der Gejamtabgabe zu zahlen, wenn dieses Drittel geringer ist und der Abgabenpflichtige glaubhaft macht, daß die Zahlung von 10 Pi oz. deS abgabepflichtigen Vermögens die Einstellung seines Betriebes oder die Beeinträchtigung des notwendigen Unterhaltes für ihn und seine Familie zur Folge haben wurde. Der . Restbetrag ist am 1. Oktober 1922 fällig, kann aber auch früher entrichtet werden.
** Land Oberfchlesien. Das Gesetz über die Bildung eineS Landes Ob rschlesien ist am Dienstag vom Reichsrat einstimmig, beschlossen worden. Es geht nunmehr an den Reickstag und, wenn angesichts des Widerspruchs der Deutschuationalen im Reichstage auch nicht mit der einstimmigen Annahme zu rechnen ist, so darf doch die Erwartung ausgesprochen werden, daß der Reichstag mit erdrückender Mehrheit und ohne alles überflüssige und in diesem Fall vielleicht verhängnisvolle Gerede einer Vorlage zustimmen wird, die dem Zweck dient, eines der wich- tigiten Reichsgebiete, das bedroht ist, dem Reiche zu etbai'en
* Der Tag bet preußischen rvarien. Der Aeltestenrat der preußischen LanbeSverjammiung beschloß einstimmig, dem Hause den 20. Februar 19 21 alS Tag der Neuwahlen vorzuschlagen
• Vie nene Srunbbefitztieuet. Aus einer Veröffentlichung deS amtlichen Dreutzischen Preffedienstes geht hervor, daß der Gesetzentwurf über die Erhebung einer vorläufigen Steuer vom Grundbe itz in Preußen schon in den nächsten Ta en der verfassungsgebenden Lanöes- ver>ammlung borgeleot werden wird. Der Ertrag soll zur Deckung des Fehlbetrages im preußischen Staatshaushalt von annäbrend 2 Milliarden dienen. Die daneben im lau-enden Hgurbattsjahr verbleibenden un-edeckten Aus oben von 1 Milliarde werden voraussichtlich durch eine Anleihe aufgebracht werden. Der Gesetzentwurf siebt vor, daß der Staat spätestens vom 1. Januar 1921 ad in den Genuß der neuen Grund- steuer belangt. Als LeiteuerungSgrundlage wird zunächst
Die Neuwahlen ttt Griechenland haben einen _ ßen Erfolg d r Anhänger des vertriebenen Königs Konstantin und eine vollständige Niederlage des allmächtigen Diktators Griechenlands, des Bentze- l o s, ergeben. Er sowohl als seine Minister, mit Ausnahme von zweien, sink, nicht wieder gewählt worden. In großen Landstrichen, wie in Mazedonien und in einem großen Teil M-Griechenlands, wurde kein einziger Anhänger Venizelos gewählt. Die_ letzten Wahlergebnisse verzeichnen die Wahl von 250 Anhängern der Königspartei und von nur 118 Venezelisten. Als die Wchlresultale bekannt wurden, wurde eine amtliche Note veröffentlicht, daß die Erwartungen der Regierung Venizelos Hinsicht! ch der Wahlen getäuscht wurden und sie daher zurücktrete
Die Niederlage Venizelos bedeutet zugleich den Sieg des cerbannten Königs Konstanttn. Seine Wiederberufung noch Griechenland bildete die hauptsächlichste Wahlparole der Oppositionsparteien. Alle Welt war mit Venizelos unzufrieden. Er hatte zwar durch die unbedingte Anhängerschaft an die (Entente wenigstens auf dem Papier eine ungeheure (Erweiterung Griechenlands herbergeführt. Mit dieser Erweiterung des Reiches nber war die Fortdauer des Krie- ges verbunden, dessen Ende für Griechenland noch gar nicht abzusetzen ist Die furchtbare Verschuldung des Landre und die ewigen neuen Milliardenausgaben für den Krieg hatten in Griechenland eine trostlose wirtschaftliche Lage geschaffen, die durch alle noch ausschweifenden Machtträume nicht behoben werden kann. Auch die Art, wie Venizelos mit den Gegnern seiner Politik umsprang, weckte große Erbitterung. Immer waren die Gefängnisse gefüllt, jeder Versuch eines W:- derstMdes wurde blutig niedergeschlagen und die Insel-Griechen, die hauptsächlich die Anhänger des Kreters Venizelos bilden, herrschten unumschränkt im’ Lande. Es ist leicht zu erklären, daß man sich in solcher Zeit des Königs Konstartt'm erinnerte, der sich auf das Heftigste gegen den Eintritt Griechenlands in den Krieg gewehrt halte, und der trotzdem als siegreicher Feldherr aus dem Balkankricge auch noch ein hohes militärisches Ansehen genoß. Immerhin glaubte man, daß die Zahl feiner Anhänger zusammengeschmolzen sein werde unter dem Eindruck der Niederlage des Vierbundes, unter dem Kriegserfolge der Entente,
geändert. Die Gemeinden bürfen also nach wie vor, Zuschtäze zur letzten staatlich veranlagten Grundsteuer erheben.
(c) Die'Forderungen der Beamtenschaft, die, wie wir vor einigen Tagen mitteilten, eine Ausbesserung ihrer Bezüge enthalten, sind in den letzten Tagen Gegenstand von Verhandlungen der zuständigen Ressorts mit Vertretern der Beamtenschaft und der Parteien gewesen. Es wird uns darüber aus Berlin mitgeteilt: „Auf der einen Seite macht $5 die schwierige Finanzlage des Reiches leider unmöglich, die Wünsche der Beamtenschaft restlos zu erfüllen. Aus der anderen Seite aber ist nicht von der Hand zu weisen, daß namentlich die kinderreichen Beamten in den Großstädten und in den Industriezentren sich in einer Lage befinden, die einer Aufbesserung bedarf. Wie wir hören, besteht denn auch sowohl bei der Reichsregierung als auch beim Reichstag durchaus di« Neigung, diesen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Wenn seitens der Beamtensck)aft, an deren Einsicht und gutem Willen nicht zu zweifeln ist, ihrerseits der schwierigen Finanzlage des Reiches Reckmung getragen wird ,fo dürfte eine befriedigende Lösung in kürzester Zeit zu erwarten sein."
sc) Zeslgemäße Ausgestaltung des parleipro- aramms. Die Umwälzung im Reiche ist naturgemäß nicht ohne Einfluß auf die Organisation der Parteien pebleben. Alle Parteien haben ihr Programm einer Revision unterzogen und es der Neuordnung im Reich angepaßt. Die Zentrumspartei ist von allen Parteien durch die Umwälzung verhältnismäßig am wenigsten berührt worden. Gleichwohl ist die Parteileitung von Anfang an von der Notwendigkeit einer ^-emäßen Ausgestaltung des Parteiprogramms durchdrungen gewesen. Bereits der Reichsparteitag im Januar d- I. hat sich eingehend mit dieser Frage befaßt und den Reichsausschuß der Partei mit der w:"Ar?n ^rfol» gung der Angelegenheit beauftragt. Der R-richsaus- schuß hat sich anläßlich feiner letzten Tagung End» Oktober in eingehender Aussprache seines Auftrage» erledigt und einen besonderen Ausschuß eingesetzt, der am Sonntag in Berlin zusammengetreten ist, um eine Formulierung des angeftrebicn Ausbaues des Programms zu finden.
vom Vorsitzenden des Vereins herzlichst begrüßt, gab in einer kurzen Ansprache der Reichskanzler seiner herzlichen Sympathie für die Begebungen des K. K. V. Ausdruck. Es sei, so führte er aus, sonst nicht seine Gepflogenheit, sich an tc: nellen und parteipolitischen Veranstaltun
gen zu bete n, da er als oberster Beamter des Reiches über ParU..n und Konsessionen stehen muffe, doch habe er die seltene Veranstaltung eines 50jährigen Jubelfestes gerne wahrgenommen, um zu bekunden, wie sehr ihm, als früher aktivem und jetzt Ehrenmitglied des K. K. V. Freiburg i. Br., die Ziele und das Gedeihen des Ver- bcmdes cm Herzen liege. Dem Iubelverein sprech: er seine Glückwünsche aus, seine. Erstarkung sei gerade unter den derzeitigen wirtsck;asil:chen Verhältnissen zu wünschen; denn die Krankheltserscheimmgen im Handel, die sich gerade an der Westgrenze des Reiches bemerkbar gemacht hätten, dursten nicht chronisch werden. Die Ziele des K. K. B. im Sinne einer sittlichen Erneuerung des Wirtschaftslebens feiert die Medizin, derer wir bedürfen. Unter herzlichen Kundgebungen verließ der Reichskanzlei mit seiner Begleitung den Saal.
Die Vöikerdunvtagung in <Senf.
Am Dienstag beschäftigte sich der Völkerbund mit -er Organisation seiner Arbeit. Bei Besprcchuttg der Frage der O e f f e n t l i ch k e i t der Kommissions- sitzungen zeigte die Haltung der französischen Delegation von neuem das Bestreben der französischen Vertreter, nach Möglichkeit an dem Programm ftstmhal- ten, das für die französischen Vertreter vorgezeichnet ist. Die Gegner der französischen Auffassung, Lord Cecil für Südafrika, Tittoni für Italien und Fisher für England, zeigten einen starken Gegensatz in der grundsätzfichoi Auffassung über die Probleme des Völkerbundes. Schließlich versuchte der Franzose Vi- piant den ungünstigen Eindruck, den die Debatte her- gorrufen konnte, dadurch zu verwischen, dasi vor- schlug, man solle die Kommissionssitzungen nicht öffentlich stattfinden lasten, man solle aber die Protokolle veröffentlichen, um so den Eindruck e'tvr Oeffent- fschkeit der Sitzungen hervorzurufen. Um die Gegensätze nicht noch schärfer auszuspinnM, erklärten sich schließlich Eecil und Tittoni mit dem Dermittclungs- vorsckssag Vivianis einverstanden.
Am Mittwoch begann eine Generaldebatte über die Aufgaben und Ziele des Völkerbundes. Der Vertreter der argentinischen Republik Pueyredon setzte auseinander, daß fein Land dem Lrikerbund hmrvtsächlich deshalb beigetreten -sei, west er ein Mittel darsttlle, in der ganzen Wett das Völkerrecht zur Anerkennung zu bringen. Argentinien habe ferne ganze Haltung während des.Weltkrieges ausschließlich nach den Grundsätzen des Völkerrechts b-ftimmt. Es sei deshalb nicht in den Krieg einrnrireten; es habe mich gegenüber Deutschland in den Zwischenfällen des Unterseebootkrieges sich ausschließlich auf die Verteidigung der völkerrechtlichen Alfffasiung bef'fvcnft. Der Völkerbund muffe allen Ländern zugänglich lein. Es müsse genügen, daß ein Volk den Wunsch habe, in den Bund einzutreten. Es gebe nicht an, daß »ein Antritt von dem Willen des Völkerbundes cri'Wmrig gemacht werde. Der Norweger H a a e r u p kündete an, daß Norwegen sich besondere Vorschläge vorbehält über die Fragen der Zulassung zum Völkerbund und der Zuweisung von Mandaten des Völkerbundes. Sodann ergriff der Vertreter Südafrikas Lord Robert Cecil das Wort ?.u einer längeren Rede. Er wünscht insbesondere Aufschluß über den gegenwärtigen Stand der Danziger Frage, tritt sehr nachdrücklich für die Regelung der armenischen Frage ein und verlangt d'e ®eräffentfi*-uno aller Dokument« über den polnisch-litauischen Konflikt. In sehr e'mdrucks- . voller Svrache mahnt er den Völkerbund, Vertrauen und Hoffnung auf seine Zukunft zu setzen, er müsse eint unzweideutige Politik der Versöhnung und des Friedens unter den Völkern befolgen und vor allen ©in-een rW vor neuen Methoden »urßtff’*»*0^«. Sorh Robert Eecil erinnerte daran, daß er heute in Genf die Ideen des Generals Smitts vertrete, der ehemals, als fein eigener Vater encststcher Minister war, an der Svitze der Burenarmeen Krieg gegen England führte. Das sei gewiß ein Zeichen, daß die Versöhnung unter den Menschen immer möglich sei, wenn sie den Mut haben, gerecht zu sein.
Preußische Landesversammlunft.
In ihrer Sitzung am Dienstag trat die Landesoersammlung nach Erledigung verschledener kleiner Anfragen und kleinerer Gesetzentwürfe in die zweite Beratung des Etats der Justizverwaltung ein.
Der Sprecher des Zenttums, Abq. Schutte, eröffnete die Redncrrcihe. Auch in der Justizverwaltung machte sich die schlechte Finanzlage Preußens geltend. Nichtsdestoweniger aber mülle gerade in unserer Zeit die Justiz so ausgestaltet sein, daß sie wirklich der eherne Block ist. an dem die Verbrechen zerschellen. Der Hauptausschuß hat dies auch erkannt und seinerseits gar keinen Versuch zu Abstrichen gemacht Trotz der Forderungen, die bis jetzt in den Etat der Insttzver- walttmg eingesetzt sind, kann von einer vollstündsgey Befriedigung aller Notwendigkeiten nicht gesprochen werden Die Iuftznerwaltung leidet einerseits an . einer gewaltigen lleberbürduno an Arbeit, während die Kräfte bei weitem nicht ausreichend sind. Nur die trabiHone’le Pflichttreue der Beamtenschaft hat bis jetzt größere Schäden vermieden. Für den Nachwuchs an neuen Kräften muß unter allen Umständen Sorge yetrozen werden. Redner empfiehlt dle Referendar; der ganz besonderen Aufmerklamkeit der Regierung, weil diese unter den wirtschaftlichen Nöten der Zeit lehr zu ^then hätten und es unter allen Umständen vermieden werde», mi-ß, daß die juristische Laufbahn lediglich für fori ab kräftige Kreise eröffnet sei. Der Dispositionsfonds müsse unter allen Umständen erhöht werden. Frauen in die Justiz zu übernehmen, sei nicht opvrtun.
Iustizminister Am Zehnhoff versprach, sich der Rot- läge der Referendare anzunehmcn, aber die finanzielle Lage Preußens lasse Widerstände des Finanzministers wahrscheinlich werden. Nach einer Rede des Abg. Keitmann (Soz.), die, rein agitatorisch, fast keine fach- lichen Gesichtspunkte herausstellte, vertagte sich das Haus auf Dienstag, den 23. November, um den Aus- fchüffen Gelegenheit zu eingehenden Beratungen zu ge- den.
gusrand.
** Neue tschechische Gewalttaten. Die tschechische Denkmalslürmerel, die in Teplitz auf flammte und in Eger bis zum Blutvergießen geschürt wurde, hat sich am Dienstag in Prag recht gefährlich enlladcn. Dort gabs keme Denkmäler mehr umzustürzcn, dafür wurden die Redaktionen und Betriebe der deut chen Zeitungen Prager Tageblatt und Bohemia demoliert und die beiden deutschen Theater in Prag, das deutsche Kasino auf dem Graben, das Haus des Prager Deut chen Turnvereins und eine Anzahl andere deut che Gebäude in Prag von tsch.chijchen Demoultronien bttettt.
* D'Annunzio führt Krieg mif Südflawsen. Mit vieler Mühe und Rot war es den beteiligten Regierungen jetzt endlich gelungen, durch den Vertrag von Rapallo eine Einigung zwischen Italien und Süd- slawien über die Frage der Adriaküste, ben, alten Zankapfel zwischen diesen Völkern, herzustellen. D'Annunzio, „Befreier von Fiume", ist aber mit diesem Vertrag durchaus nicht einverstanden und hat daher begonnen, auf eigene Faust Krieg mit Südslawien zu führen. Seine Legionäre und seine Flotte sind ausgerückt und haben mehrere Orte an der Adriaküste besetzt, die Südslawien zugesprochen waren. Die italienische Reaierungspreffe zeigt sich sehr ungehalten über diesen Vertragsbruch.
** Ungarn. In der Nationalversammlung verlas bei der Ratisizterunasarbeit Karl H u s z a c als Berichterstatter des Auswärtigen Ausschusses onte Erklärung, in der es u. a. he ßt:
Indem die Nation-i.vcrjammIuimdieJimrtlfulierung deS Trianonlriedens beschließt, npöeliert sie angesichts der göttlichen Gerechtigkeit an das Gewissen der Vlensch- heit und erklärt, Satz das ungerechte Friedensdokuinent aus unwahren Rnmben beruht und ae en die gemein, samen Interessen der Menschheit verstötzt. Die Nc-tional- verlammlung stimmt nur u: ter dem unwiderstehlichen Zwange zu. Cie will jedoch Lurch diese Handlung jenen Gebieten, die in der Ne,tionalversomm!un<i nicht t»e» treten sind, keine Verpflichtung auferieqen, und hect die Zuversicht, dass das himmelschreiende Unrecht dieses fo-enann- ten Friedens hereinn put-emnd-t werde.
Der Redner brach in Tränen aus und schloß:
Ich glaube nn d-e göttliche Gerechtigkeit unO eine Auferstehung Ungarns
Seitens der Ehristlichnafionalen Partei erklärte Stefan Friedrich, Ungarn fei nicht besiegt, sondern einfach irregesützrt. Es werde aus dirjem Betrüge für das kommende Ighrtauscnd lernen Dir ungarisch; Nation müsse sich wirder dcm großen germmrifchen Volke nähern, bat ein gleiches Kreuz trage, tfiicraus verwahrten sich die Vertreter des btowakwwnns, West- Ungarns, der Kroaten und Rutlnne« gn»v *3rr Los- reißung vom Mutterlande. Mtittterr-rLf».«« Är-ri Teleki erklärte, Ungarn antewNS*. fcaW-’eü sü
daS alte preutzische Ergänzun.'.ssteuergesetz herangezo. en. Bewectungsgrundlage ist demnach allgemein der Gemein wert und bei Grundbesitze mauernd land- odcr forstwirtschaftlichen Zwecken dienen, der Ertrazs- wert. Als Ertragswert gilt das 25fache des Reiner- tia es, den der Grundbesitz bei gemeinublicher Bewirt- fchaftung im Durchschnitt gewähren tann. Die Mietswohnhäuser und die t.einen Siedlungen bedürfen der Schonung. Sie ■ sollen desballl nur mit dem halben Steuersatz herangezogen werden. Die Grundsteuer |oll jährlich 10 vom Tausend bzw. 5 vom Laufend des Wertes betragen. Daneben sind Zuschläge vor- gesehen (von .00 »Prozent), weit sich der Steuersatz nicht auf längerer Zeit festle.'e.i läßt, und der Landtag den Aenderun en rm Fuianzvedars des Staates iKe.lnung zu tragen imstande fein mutz. Dem Zinshausbesitz glaubt man die Mö stichkeit Vorbehalten zu muffen, die Steuer ruf dem Wege der preuhischen Höchsimteten- Perordnung auf die Mieter avwalzen zu können.
an glaubt trotz der zu erwartenden Abwälzung der Grundsteuer auf die Erzeugnisse seitens der Landwirte, üatz.die »Preise der Lebensmittel nicht übermatzig verteuert werden. Die Kommunat-Arundsteuer wird nicht
^eraniworuich iui den .rvauionetten Teil: Karl Schütte, tüt dir trnzeigen: I. *4 aize > ier - Fulda. :: »Rotationsdimä u. »Verlag bet Fuidaei Aetiendruckerei m Fulda >rn>piecher Nr. 9 ttelegr.-Adresiei Fuldaer Zeitung