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Nr. 266

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der fünften Kommission übetwtefen.

Schluß kam es sogar zu einem interessanten Doraefecht

erz- 4 über die Zulassung der Zerrtralmächte zu dem Völker- md- 1 bmd Zunächst machte der Vertreter Brasiliens den

Vorschlag, einen Kranz am Denkmal Jean Jaques

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wollte nach ihm greifen; denn es stand ja mehr zwischen ihnen — nichts mehr. Sie vor und streckte die Hände aus.

J)ier hast Du meine Seele — Du. O,

eine weitere Schuldenlast von vier Milliarden M, das ist soviel wie die gesamte deutsche Reichsschuld im Jahre 1910, ausmachen. Nach der Forderung der Abliefe­rung von 800 000 Kühen, die einfach unerfüllbar ist, hört sich diese neue Forderung wie ein Hohn an.

Verantwortlich für den ceOomonellen Teil: Karl Schütte, u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda, fferniprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Aus dem Hochwald schritten der Vogt und Otto Mal- tzan, um den Heimweg anzutreten. Rings um sie her riefelte der weiche, weiße Schnee und hüllte alles in seine dichten Schleier. Sie schritten schweigend, hinter ihnen der Knecht mit den langen Jagdsperren und der Deute. Es war so still ringsum, als sei die Natur in einen tiefen Zauberschlaf gefallen. Nur dann und wann krächzte irgendwo ein Rabe, oder in den fernen, nächtlichen Wälderweiten heulte ein Wolf auf. Der Rit­ter Maltzan hielt den Kopf gesenkt und ließ in stillem Behagen den Schnee herniederriefeln an Kappe und Wams. Er träumte vor sich hin.

(Fortsetzung

Die Abstimmung in Oberschlefien

Am 28. Januar?

flügellahm und heimatlos, ehe sie Dich fand. Wie die Sllbermöve, die ruhelos um die Nordklippen schreit vor wehewilder Sehnsucht."

Sie schloß die Augen.

Wer so sterben könnte! O, das müßte schön fein! So schmerzlos hinüberzugleiten vom Leben in den Tod. Dann wäre alles gut — alles — alles! Dann würde Fridolin Lämmerzahl sie nicht mehr begehren und Elisa­beth sie nicht mehr so bitter klagend anflehen im Traum. Dann würde Ruhe sein — endlich — endlich Ruhe! Nun würden die Keinen Wellen sie tragen — weit fort — weit fort — bis ans andere ferne Ufer. O, wie schlief es sich so süß unter den weichen, weißen Schneeflocken.

Die deckten einen zu wie mit einer großen Decke. Wie mit dem weißen Bärenfell, das Otto Maltzan ihr einst geschickt. Und unter dieser Decke war es so warm, da fror man nicht. O nein, erfrieren konnte man nicht in dieser milden Schneenacht. Aber es konnte sein, daß die kleinen Wellen den Kahn an ein fernes Ufer trugen, wo der Hochwald bis hart niederging an den See. Und wo man Wölfe und Bären gespürt hatte im Neuschnee.

Immer dichter und dichter tanzten die großen weißen Flocken durch die lautlose Stille.

„Otto Maltzan," flüsterte sie wie im Traum und

Wie der Vertreter des East Service aus sehr gut unterrichteter Quelle erfährt, soll der Botschafter­den Abstimmungstermin für Oberschlesien auf 28. Januar nächsten Jahres festgesetzt haben.

Das Schwert von Thnle.

Vornan von Leontine von Winlerfeld-Platen. 23] _________

, „Aber Ihr müßt Euch eilen, dieweil es früh dunkel «]trb. Doch stell ich Euch bann eine Leuchte an das obere Burgfenster, damit Ihr die Heimfahrt nicht ver-

’ fehlt."

Es dauerte nicht fange, da stieß Hellwig vom Ufer fuhr in den weiten, grauen See hinaus."

D, wie tat ihr die kühle Winterlust gut und der teilde Wind, der über die Wellen strich.

Der See war kaum bewegt und sie hatte ein leichtes "übern. Die Luft war milde und zwischen den Schnee­wolken kämpfte eine milde Wintersonne. Nur wenige Wildenten schwammen vorüber, und im trockenen Röh- rauschte das welke Laub. In stillem Grau standen die Wälder zu beiden Seiten und ein Kranz von Schnee iäumte rings die flachen Ufer.

H r' - fang saß in der Mitte des Bootes und ließ die ®s,ben Ruder in stillem Ebenmaß ins Wasser linken — t'ncb — herauf — hinab — herauf!

Die starke, gleichmäßige Bewegung tat chr wohl und M sie auf Minuten des Kampfes vergessen, der in wer Seele rang.

. 5a, es ging von der schweigenden Natur ringsum *tne Ruhe und Stille auf sie über, daß sie sich willen- i?5 hfaeinversenkte wie ein Kind in einen süßen Traum, vtnnter weiter schwanden die Ufer vor ihren Blicken. Um sie nur grauer Himmel und graues Wasser.

. . Eher, als sie selbst geglaubt, war sie am Nordufer wt den großen Fischkästen angelangt. Sie fettete ihr ~.cot daran fest und fing in einer mitgcbradjten Holz- , tte die zappelnden Tiere. Dann trat sie die Heirn- mhrt an. Aber jetzt merkte sie, daß sie müde war, daß 0,6 eben verheilte Schulter zu schmerzen begann.

„Ich will ein wenig ruhen," dachte sie, „bann geht nachher um so schneller."

Sie zog die Ruder ein und ließ den Kahn treiben , den murmelnden, kleinen Wellen. Vornübergebeugt jnß ]te da, den blonden Kopf in beide Hände gestützi, und sah traumverloren über dos Wasser. Es kam jetzt

itre Di« ie“< bat !l» ften seit,

Vertreter haben soll, teilte dann mit, daß verschlafene Anträge feit der Brüsseler Sitzung eingelaufen seien, darunter die neuen Anträge Albaniens, Bul­gariens und Oesterreichs auf Aufnahme in den Völkerbund. Der Vorsitzende machte den Vorschlag, diese Zulassungsonträge der fünften Kommission zu überweisen, die bereits mit der Bericht­erstattung über die früheren Eürtrrttsgesuche betraut ist. Der Franzose V i v i a n i erhob Einspruch gegen diesen Vorschlag des Präsidenten und verlangt, daß die neuen Zulassungsanträge zunächst dem Rate des Bundes unterbreitet werden zur Entscheidung über ihre ge­schäftsmäßige Verhandlung. Der Vertreter V o l i o i as hält das für überflüssig, da die fünfte Kommission die Eintrittsgefuche nach jeder Seite hin prüfen könne, sodaß die Angelegenheit erst zur Veröffentlichung ge­lange, wann die Kommissionsberichte vorlägen. Fran­zösische Redner äußerten trotzdem Bedenken. Was die Franzosen leitet, was sie aber nicht offen aussprechrn wollen, ist die Befürchtung, daß die Aufnahme Oeste- reichs und Bulgariens als maßgebend für die Auftiahme Deutschlands gelten könnte, wahrend sie die Ab­sicht haben, gegen einen derartigen Antrag den Ein­wand zu erheben, daß Deutschland zuerst die Bedingun­gen des Versailler Friedensvertrages ausführen müsse, bevor überhaupt seine Aufnahme in den Völkerbund erörtert werben könne. Der italienische Delegierte Tittoni stellte den Franzosen schkietzlich in zwei kurzen Sätzen die Wahl, entweder auf ihre Obstruktion zu verzichten oder sofort in eine Dis­kussion über die Zulassung der ehemalig feindlichen Länder einzutreten. Er erklärte, das moralische Anse­hen des Völkerbundes hänge davon ab, daß alle Vol­ker Hm angehören und die öffentliche Meinung der Well dürfe nicht den Eindruck haben, daß der Völker­bund spitzfindige Formalitäten onwende und sich auf Wortklaubereien verlege, um einige Völker vom Bunde auszuschließen, die sich seinen Bestrebungen unter­werfen wollen. Die Anträge Albaniens, Bulgariens und Oesterreichs wurden srWeßlich ohne Widerspruch

Preußische Laudesversammluuy.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Montag stand zunächst der Nachtragsetat für 1920 in der Höhe von rund 3 Milliarden Mk.

Abg. v. d. Osten (Dntl.) übt scharfe Kritik an der Finanzgebarung der Regierung, die er unerhört nennt. Dadurch, daß den Ländern das steuerliche Einzelleben genommen ist, können sie die nötigsten Kulturaufgaben nicht erfiillen. So dürfe die Papierwirtschaft nicht weiter­gehen. Man hat sich zuviel von unhaltbaren Theorien leiten lassen. Man sollte postttsche Fragen sachlicher be­handeln.

der Gewißheit, daß die beiden höchsten Beamten des Reiches Verständnis für die Nöte und Sorgen dar Rheinlande haben. Dem Begrüßungswort des Ober­bürgermeisters Dr. Köttgen, das mit dem Be­kenntnis schloß: „Das Rheinland muß ungeteilt und deutsch bleiben!" antwortete Reichskanzler Fehren- bach mir einer längeren. Rede, Über die wir schon

Deutsches Reich.

*, Berlin, 15. Nov. Durch eine Verfügung des Wohlfahrtsministeriums ist eine staatliche Prüfung für Zahntechniker (Dentisten) eingeführt morden. Alle für Krankenkassen tätigen Dentisten sollen nun­mehr eine Prüfung ablegen.

♦ Die Wahl des Reichspräsidenten. Wie die ,Welt am Montags von unterrichteter parlamenta­rischer Seite hört, wirb die Wahl des Reichspräsi­denten mit den preußischen Landtagswahlen ver­bunden werden, also am 13. Februar 1921 statt- fiuben.

— Die Rheinreise des Reichskanzlers. Bei ihrem Eintreffen am Sonntag inDüffeldorf, der ersten Stadt, die sie auf ihrer Rundreise durch das Rhein­land betraten, fanden Reichskanzler Fehrenbach und Minister Dr. Simons durch Bürgerschaft, Behörden und Presse eine überaus herzliche Aufnahme. Die Art, wie die beiden Minister von der rheinischen Be­völkerung ausgenommen wurden, zeigte das Ver­

gaben für Polizei, auch

Abg. Richter (Soz.) möchte diese Ausgaben genauer nachprüfen.

Finanzminister Cfibemanti vermißt Vorschläge wie man sparen solle. Don dem Nachtragsetat sind 2 Mil­liarden für die Besserstellung der Beamten vorgesehen; auch die übrigen Ausgaben feien unvermeidlich. Mehr­einnahmen erwarten wir aus den Reichssteuern, aus dem Eisenbahnvertrag, der Forlwerwaltung und dem morgen dem Hause zugehenden Grundsteuergesetz. Aus Anleihen sollten die Fehlbeträge nicht gedeckt werden.

Staatssekretär Dr. Freund spricht über die Neu­organisierung der Pollzei, die völlig entmilitarisiert wer­den und zu einer einheitlichen Organisation verschmolzen werden soll.

Der Nachtragsetat geht an den Hauptausschuß.

Man setzt dann die zwette Beratung des Etats für 1920 beim Haushalt der Handels- und Gewerbe­oer walt ung fort.

Abg. Dr. Kalle (D. Dp.) wendet sich gegen über­große Zentralisierung und Bürokratisierung des Wirt­schaftslebens. Hebung der Exportindustrie und Freiheit der Wirflchaft fei nötig. Er warnt vor Sozialisierungs­experimenten.

Abg. Christange (11. Soz.) führt die Hohe der heute von den messten inbuftrietten Gesellschaften verteilten Dividenden als Beweis bafür an, wie wenig die Löhne mit der allgemeinen Preisbildung Schritt halten.

Minister Fischbeck: lieber-bie Frage bes Frauen- Wahlrechts zu ben Kaufmanns, unb Gewerbegerichten wirb in einem Gesetze entschieden werden, bas in Vor­bereitung ist. Im Börsenverkehr werde ich mich be­mühen, der ungesunden Spekulation Einhalt zu tun. Die Aufhebung der Zwangswirtschaft auf den betroffenen Gebieten macht nur einen Strich unter die Rechnung. Das Handwerk werden wir weiter vor allem durch Zu­weisung von Rohstoffen zu stärken suchen.

Der Haushalt für Handel und Gewerbe wird bewil­ligt. Ein Antrag der Sozialdemokraten, den Frauen das Wahlrecht zu den Kaufmanns-, Gewerbe- und Arbeiter­gerichten zu neben, wird angenommen.

Freitag: Kleine Anfragen, Haushaltsberatung.

Warnung vor dem „Deutschen Treubnnd".

Die Hauptgefchäftssührung der .Vereinigten Ver­bände heimattreuer Oberschlesier" in Breslau warnt vor dem „Deutschen Treubund" und seiner Sammel­tätigkeit und betont, daß die einzige zuständige Organi­sation für die Werbetätigkeit für Oberschlesien außer­halb des Abstimmungsgebietes die „Vereinigten Ver­bände beimattreuer Oberschlesier, Breslau 2, Neue Taschenstr. 10" sind, die gemeinsam mit dem „Deutschen Schutzbund für die Grenz- und Ausländsdeutschen. Berlin NW. 52, Schloß Bellevue" die „Grenzspende" eingeleitet haben und durchführen.

Staat und Beamte.

Mit der Bitte nm Veröffentlichung gehen uns die nachfolgenden Ausführungen des Vorstandes des deut- fchen Beamtenbundes zu:

Hauptsächllch werden folgende Vorwürfe gegen die Beamtenschaft erhoben: Erstens soll sie viel zu zahl­reich sein, so daß gar nicht genügend Beschäftigung für die große Zahl der Beamten vorhanden wäre, ferner sollen die Ansprüche der Beamten an die Leistungsfähig­keit des Staates zu hohe fein imd schließlich wird bar- aus gefolgert, baß diese mangelnde Rücksichtnahme der Beamten den Staat an den Rand des Abgrundes brächte, daß die Beamten also ht besonderen Maße zu seinem Untergang beitrügen.

Soweit die leider immer noch bestehenden Kriegs­gesellschaften in Bettacht kommen, ist es fahr wahrscheinlich, daß diese zum allergrößten Teil über­flüssig und die dort tätigen Kräfte für den Staatsdienst entbehrlich sind. Hierbei handelt es sich aber so gut wie gar nicht um eigentliche Beamte, sondern lediglich um einen Kreis von. Personen, die aus Anlaß des Krie­ges zwar in den Staatsdienst, aber nicht in das Ve- amtenverhältnis übernommen worden sind. Auch über die Kriegsgesellschaften hinaus werden bei allen Verwal­tungen solche Hilfskräfte im Vertrags- oder Lohn- verhältnis noch in großer Zahl beschäftigt. So gab es am 1. Mai im Bereich der Postverwaltung 121 772 sol­cher Kräfte. Ob ein Teil dieser Kräfte vielleicht bei besonders wirtschaftlicher Organisation zu ersparen wäre, mag dahingestellt bleiben — sehr erheblich würde diese Ersparnis aber kaum sein können, da eine große Be- triebsverwaltung stets -über ein beträchtliches jüngeres und bewegliches Personal für Krankheits- und unvor­hergesehene Fälle verfügen muß. Selbstverständlich Hai auch die Durchführung des Achtstundentages, eines an. gemessenen Erholungsurlaubes nach den Kriegsstrapazen eine Steigerung der Kräftezahl zur Folge haben müssen.

Besonders gegen die Beamten wird dann noch der Umstand ausgespielt, daß der neue Reichsetat mehr als 20000 neue Stellen allein für Eisenbahnbeamte vorsieht, und auch in den anderen Verwaltungen sind die Stellenvermehrungen beträchtlich. Mit aller Ent­schiedenheit muß aber immer wieder betont werden, daß »=, sich dabei keineswegs um die Einstellung neuer Beamten handelt, sondern an diesen Beamten, für die jetzt in großer Zahl neue Stellen geschaffen werden, wird lediglich ein altes Unrecht gut gemocht, das der alte Obrigkeitsstaat begangen hat. Diese Beamten sind schon seit einem Jahrzehnt und länger im alten Staat tätig und für ihn unentbehrlich geroefen — sie sind nur nicht in besonderen Etcttsstellen aufaefübrt worden, son- dem aus allgemeinen Fonds bezahlt worden. In die­ser unverantwortlichen Sparsamkeitswirtschaft war ins­besondere der alte preußische Staat unübertroffen und jetzt muß der lefftungsunsähige Volksstaat dafür büßen. Es ist eine Art Lehrlinqswirtschaft, jedenfalls ein Ausbeutungsfnstem des alten Staates gewesen, durch das er auf Kosten des Personals Ueberschüsse erzielt hat. Gebraucht hat er die Kräfte auch — er hat sie nur nicht im Etat erscheinen lassen und nicht men- schenwiirdig bezahlt. .

Weiter ist es durchaus falsch und irrefiihrend, zu ne- hauvten, die Beamten würdett zu gut bezahlt. Wer kann einen Beamten nachweisen, der von seinem Ein. kommen als solcher Erspamisse erzielt oder gar Reich­tümer angesammelt hätte. Genau so wie srüher muß sich die große Mehrzahl der Beamten auch heute noch regelrecht durchhungem. Die Ansangsbezüge der De. ■ soldungsgruppen 1 bis 7 bleiben auch nach der neuen Befoldungsordmmg noch hinter dcm wrssenschostlick) er­rechneten Existenzminimum für August 1920 zurück; von 13 Besoldungsgruppen trifft das also für mehr als die Hälfte und im ganzen für 37 Besoldungsstufen zu. Die beiden untersten Besoldtmgsgmppen erreichen auch nach der neuen Besoldungsordnung m tqrer gesamten Dienstzeit bis zum Höchstgehalt überhaupt nicht das Existenzminimum, ganz zu schweigen von dem Diätar- und Hilfsbeamtentum, das von der alten vor­revolutionären Regierung übernommen werden mußte.

Die Beamtenschaft rlt sich der unglücklichen wirtfHaft- lichen Lage des Staates durchaus bewußt; sie weiß aber auch, daß fie zusammen mit den Arbeitern und anderen Festbesoldeten die einzige Schicht ist, die tatsäch­liche Opfer bringt. Das wird von den anderen Kreisest fast völlig verkannt und daher bemächtigt sich der Be­amtenschaft allmählich eine Stimmung, die zu den aller- ernstesten Beforgnissen Anlaß gibt. Deshalb ergebt an alle Freunde geordneter Zustände die dringende Bitte, mich den Beamten Gerechtigkeit wDsrsahren zu fassen.

Vom Reichstarif firr Bankbeamte.

Der Reichsverband der Bankleitungen hat seine Rfa. schäftttteituna ermächtigt, wegen Verlängerung des Reichs, tarifvertrages bis zum 31. März 1921 mit dem Deutschen Bankbearnten-Verein und dem Allgemeinen Verband der Deutschen Bankangestellten in Berhandlrmg einzutecte« und bei dieser Verhandlung eine Erhöhung der Ver­heiratetenzulage auf 3600 Mark sowie der Gesamtjahres­einkommen um 10 Prozent für die ganze Dauer seit Beginn des Reichstarifvertrages vorzuseheu, außerdem die b^ahlten Sonderzulagen nicht anzurechnen.

R o u s s c a u s niederzulegen. Bekanntlich hat tiefer y Gegner jeder positiven Religion aus der Zeit vor der fawßen Revolution, der Philosoph der Naturreligion in Genf seinen Gefarrtsort. Der englische Delegierte ■ 'Sarnes regte die Absendung eines Telegrammes son den Präsidenten Wilson an. Zur allgemeinen > i Überraschung erhob der Vertreter Kanadas Bedennken [ diese Vorschläge, indem er auf die innenpolitischen i 'Strömungen des amerikanischen Volkes hinwies und cuf ben Eindruck, den eine Huldigung Roussecms in den Ländern mit katholischer Bevölkerung hervorbrin- pm würde. Die beiden Vorschläge wurden infolge- dessen auf gegeben Die Versammlung verhan- öelte sodann mehrere Stunden lang über die Organi- Mon ihrer Arbeit upb beschloß die Wahl von sechs Kommissionen, in denen jede Regierung einen

Die Eröffnungssitzung in Gens.

In Gens wurde gestern im sog. Resormations- /afl[ die erste Vollversammlung des Völkerbundes von dem belgischen Vertreter Hymans für eröffnet trflört. Der schweizerische Bundespräsident Motta ergriff sodann das Wort zu einer mit lebhaftestem Mall aufgenommenen Ansprache.

Motta hieß die Versammlung namens bet schweize- ftfißen Regierung und des schweizerischen Volkes will­kommen. Er gedachte des Verteitigungskvmpses Bel- oiens, dankte dem Rat des Völkerbundes für die Aner­kennung der immer währenden Neutralität der Schweiz, somie dem Präsidenten Wilson für die Einberufung der ersten Völkerimndversammlung nach Genf und gab dem Wunsche Ausdruck, es möchten die Bereinigten Staaten Mcht mehr fange zögern und im Völkerfamde den ihnen gebüfjrenöen Platz einnehmen. Die Ideen des Dölkerb'M- des würden dauernd die Entwickelung der Staaten beeilt- Kiffen. Selbst wenn das gegenwärtig von ?o vielen Staaten errichtete Gebäude dem Zusammenbruch geweiht wäre, würde dessen Fundament noch fort bestehen. Die erste Dölkerbundversammlimg darf nicht ausemander- gchm, ohne den ständigen internationalen Gerichtshof ge- schaffen zu haben. Der Völkerbund würde in seiner Äu- toritöt und in seiner versöhnlichem Politik bestärkt fern, wenn die Sieger nicht mehr auf die Mit,» Wirkung der Besiegten verzichten. Die Völker müssen verzeihen können, und sie sind nur dann groß, wenn sie das tim. Bundespräsident Motta sprach fatotm von den Ausgaben des Völkerbundes zur Lösung der Problem« der Belebung des Handels, des Vrr- kchrs und der hygienischen Fragen, sowie des ft- mmziellen Wiederaufbaues mid namenMch der Ar- beitsfrage. Motta feierte zum Schluß die Demo­kratie, die die stärkste Wehr gegen die Diktatur von Mm- decheiten sei, und erklärte, daß die Demokratie ihre Hauptaufgabe in der Erziehung der Völker sehen müsse. Sie müsse auch allen sozialen Strömungen freie Bahn verschaffen.

Nach der von Beifall wiederhott unterbrochenen Rede MLttas ergriff Hymans das Wort zu einer zweiten Rede, in der er der schweizerischen Regierung den Gruß des Völkerbundes überbra<Äe. Hymans erklärte, baß, wenn es den Genfer Verhandlungen gelinge, für die Annäherung der Staaten die Wege zu ebnen, ein guter Schritt vorwärts getan fei für eine bessere Zukunft der Völker. Ein Grund­satz ber gegenfeitigen Loyalität und ein Geist' der Solidarität müßten geschaffen werden, um die Leiden der Völker zu erleichtern. Die Rede von Hymans wurde gleichfalls von Beifall begleitet. Die Versammlung schritt bann zur Wahl des Präsi­denten. In geheimer Wahl entfielen auf Hy­mans 35 von 41 Stimmen. Weitere Stimmen ent­fielen auf Bundespräsident Motta 4, auf Adar 1, auf Leon Bourgeois 1.

Die Rachmitt'agssitzung führte bereits zu kleinen Zwischenfällen, in denen sich die noch in der Tiefe schlummernden Gegenfätze offenbarten, und zum

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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.__

Deutschlands Zulassung zmn Völkerbund wirt) noch zu weiteren Debatten Anlaß geben. Da Deutschland einen Antrag auf Aufnahme selbst nicht gestellt hat, und nicht stellen wird, so wäre, um diese Frage m Fluß zu bringen, der Antrag einer anderen Macht nötig. Man nimmt an, daß ein solcher Antrag gestellt wird. Die Zulassung soll mit zwei Drittel Mehr- heit beschlossen oder abgelehnt werden.

Die Verhandlungen vor dem

Wiedergutmachunasansfchutz. in Paris, die die endgültige Feststellung der abzufie- fernden Viehzahl bringen sollen, haben am Montag be­gonnen. Von deutscher Seite sind mehrere Sachver­ständige hinzugezogen worden.

Auch 200 000 Pferde gefordert.

Die uns überreichte Forderung nach über 800 000 Stück Rindvieh umfassen noch lange nicht alle Vieh- forderungen der Entente. Neuerdings Hot man um auch eine Forderung nach 200 000 (!) Pferden, sowohl Zucht- als Gebrauchspferden überreicht, in welche Zahl die bereits abgelieferten nicht eingerechnet sind. Was das bedeutet, wird jeder Landwirt, jeder Fuhr- herr, jeder, der m Deutschland mit Pferden zu tun Hot, wissen. Schon jetzt haben wir einen außerordentlichen Pferdemangel in Deutschland. Und jetzt will man uns noch fast 10 Prozent unseres gesamten Pftrdebestan- des, und natürlich nur die besten Tiere, fvrtnehmen, obwohl die Ententeländer alle genügend mit Pferden versorgt sind. Da für abzuliesernde Pferde die Besitzer vom Roiche entschädigt werben müssen und da für ein brauchbares Pferd heute mindestens 20 000 zu be­zahlen find, so würbe diese neue Forderung mindestens in der Ruhe eine schwere, bleierne Müdigkeit Über sie, die sie zuvor beim harten Schaffen nicht gespürt.

„Es iftebte ungewohnte Bewegung nach dem langen Nichtstun," dachte sie und wollte nach dem Stande der Sonne sehen. Da merkte sie, daß die Wolkenwand dichter geworden war und die blasse Sonne verschluckt hatte, wie ein Schleier lag es über den Ufern, und schwere, große Schneeflocken begannen langsam, lang­sam niederzurieseln.

Da raffte sie sich zusammen und schüttelte die Schwäche von sich. Nach beiden Rudern griff sie, denn es war nun Zett, heimzukehren. Aber es wollte nicht mehr so gehen wie zuerst. Ihre Kräfte waren erschöpft, sie hatte sich zuviel zugemutet nach der langen, schweren Krankheit.

Matter und langsamer wurden die Ruderschläge. Im­mer häufiger mußte sie sich ausruhen und Atem schö­pfen. Und die alte Wunde brannte und stach bei jedem Herumholen der schweren Holzstangen. Immer dichter fielen die Schneeflocken. Nun konnte sie keines der Ufer mehr sehen. Aber sie wußte ja die Richtung der Burg. Und nun mußte auch bald das Licht der Dogttn zu sehen fein im Dämmern. Aber jo sehr sie auch spähte, sie sah nichts als Schnee und Wasser — und immer wieder Schnee und Wasser. Da ließ sie erschöpft dte Arme sinken und lehnte sich ein wenig zurück. Sie konnte nicht mehr. Dichter wurde bas Schneetreiben, und jetzt konnte sie nicht einmal mehr ihres eignen Boo­tes Spitze sehen. Da gab sie das Rudern auf, denn es war zwecklos. Sie fuhr wahrscheinlich nur immer im Kreise herum.

Die Ruder zog sie ein und faltete müde die Hände im Schoß.

Wie die schweren, weißen Flocken riefelten in laut­losem Taumel rings um sie her! Wie die Wellen gluck­send gegen die Holzplanken schlugen in wiegendem Takt! O, war das schön! War das unsagbar schön in dieser weiten, grenzenlosen Einsamkett! Wo mar die Welt geblieben mit ihrer Angst und Not? Wo war der Ahne und Elisabeth und Fridolin Lämmerzahl! Ber- {unten — vergessen im Meer der Unendlichkeit.

Nur einer war da. Der sah ihr mit den tiefen, fragenden Augen bis m die Seele, und sein scharfes, schmales Gesicht war so nahe bei ifc.

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DlCnSlQQ« !«♦ not)£iiwet )9ZV.» Golonelmaß) 60 pfg, u. 10«|0 au^lag, bie Stellame8eile I 7 1- JUIJiy | (Textdrette) 1.80 Hit, u. 10°-» Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabatt. |