M 264.
Samstag, 13. November 1920.
- Auldaer Leitung Druck der Fuldaer Aetieadrnckerei I« Fulda - >. .- ...— — — ■ ■ ■—- -
Die Zusammenschlüsse
in der Privatwirtschaft.
Don unserem wirtschaftspotitischen Mitarbeit«.
In der letzten Zeil Hal man im deutschen Wirtschafts- leben Erscheinungen beobachtet, wie sie sich bisher nur In Amerika zeigten. Unsere Großindustrie wie auch unsere Großfinanz- stehen gegenwärtig im Zeichen des trustartigen Zusammenschlusses. 2ter 3ug ta ber Großindustrie geht ins Riesenhafte. Wer die Vorgänge yt der Börse in den letzten Wochen beobachtet hatte, nmßte mit wachsendem Erstaunen die geradezu phantastische Kursemwicklrmg d« Montanpapiere verfol- gen. Es war gar nichts Seltenes, daß ganze Aktenpakete in Höhe von' Dutzenden von Millionen Mark an ber Börse zum Handel an einem einzigen Tag« angeboten wurden.
Dis Montan-Industrie ist es mm auch, die durch einen trustartigen Zusammenschluß ein Gebilde schafft, wie es in diesem Umfang und in dies« gewaltigen wirtschaftlichen Kraft in Deutschland, ja in Europa nicht seinesgleichen hat. Der Stinnes-Konzern hat soeben ein« ber beiden Riesen-UnternehmMgen der Elektrizitäts-Industrie, die Siemen r-Schuckert-Gruppe, ssich angegQcdert. Es handelt sich um rin gigantisches Unternehmen. Die Rhein-Elbe-Union, ®. m. b. H., die die Trägerin dies« neuen Trustbildung fft, ist im Frühiahr dieses Jahres bmch die Verbindung von zweien unser« größten Mon° ton>Unt«nehmMrgen, d« Gelsenkirchn« Bergwerko-G«. ftllschast mit d« Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-Ge- sellschaft gebildet worden; ihr ist bald darnach rin weiteres großes Eisenwerk ersten Ranges, d« Bochum« Verein, durch den unter sensationellen Kurssteigerung«, erfolgten Ankauf der Aktienmehrheit angcgliedert worden. Schon dadurch war diese Gruppe, beren Macht auf der Beherrschung von Kohle und Eisen beruht, bis weit in die Verfeinerung vorgedrungen. Ab« was fetzt gesteht, ist etwas ganz Neues. War schon bisher in der Groß-Industri« das begreifliche Bestreben zu beobachten, daß man sich die Herrschaft von ber Urproduktion, also von d« Gewinnung ber Kahle an bis zum Fertigfabrikat sichern möchte, so sehen wir jetzt eine Vervollkommnung dteses Zieles, wie man es vordem kaum für möglich gehalten hätte. Die Rhein-Elbe-Union sichert sich dadiuch, daß sie sich nun auch in di« Fertig- und vor allem in die Cdsl- waren-Industrie des Elektrizitätswesens hineinarbeitet, einen ungeheuren Einfluß, der weit über bas rheinisch-westfälische Industriegebiet bis tief hinein nach Bayern, ja selbst bis Oesterreich hineinreicht. Die ganze Kohlen- und Eisenprodukticm nicht nur, sondern auch di« Edelwaren -Fabrikation, wie auch di« Ser- feinerungs- Industrie wird nunmehr in den Barm dieses riestgen Konzerns kommen. Die Kohlen- und Cistn- Indlistrie ist in der heutigen Verfassung d« Wirtschaft in der Lage, ihr Monopol zur Erzielung ungeheurer Gewinne a-uszubeuten.
Run darf man ja freilich nicht verkennen, daß ein derartig« Zusammenschluß auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile in sich birgt. Man wird den Zwischenhandel, wie überhaupt verteuernde Zwischenstufen auszuschalten in der Lage sein. Man wird auf Grund einer geregelten Rohstoffbeschaffung, wie auch eines geordneten und dmch Zusammerrsasiung aller in Betracht kommenden Kräfte ersprießlich gestalteten Arbeitsverfahren wie auch durch einen geordnetem Absatzprozeß zwrisellos günstige wirtschaftliche Momente sich zunutze machen können. Man darf insbe- befondere auch nicht v«gesi«n, daß eine derartige, mit solch riesigen Kapitalien und wirtschaftlichen, sachlichen und persönlichen Mitteln ausgestaltete Organisation viel leichter" als sonst rin Privatunt«nehmen mislätarischen Kredit für Rohstoffe und sonstigen Produktionsbedars erhalten tarnt.
Man muß in diesem Zusanrmenschluß, ber Vorbilder genug in dem Abschluß von Interessengemeinschaften und dergleichen hat, ab« auch eine Folge der Auflagen nicht etur des Friedensvertrages von Versailles, sondern auch her Verpflichtungen von Spaa für die deutsche Industrie «blicken. Diese Verpflichtungen sind ja ganz besonders daraus abgestimmt, die deutsche Jndu- siri« möglichst schwer zu treffen. Das gilt insbesondere von ber deutschen Montanindustrie, welch« durch die in Versailles uns entrißenen Lanüestsile mit die wichtig, ften und wertoollsten Eifenproduktionsstätten entzogen wurden. Die Verpflichtungen an die Feinde in u»rt- schoftlicher Beziehung zwingen ohnehin zu stärkerer industriell« Gemeinschaftsarbeit, als das bisher b« Fall war. Man wird darum damit rechnen müssen, daß biefer Zu- smnmenschlllß der Großindustrie noch lange nicht fern Ende erreicht hat, sondern noch viel einschneidendere For- men annehmen wird. Er hat auch nicht nur eine mir!»
Der Schmugqelvetrieb an der Grenze.
Die folgenden Schilderungen sind nicht das Ergebnis von privaten Ermittelungen, denen man nachsagen könnte, fte verallgemeinerten kraß Einzelheiten, sondern sie beruhen aus amtlichem Material, sie stellen eine Flucht des Finanzministeriums in die Oessentlichkeit dar:
Während in zahlreichen Postüberwachungsstellen ein ganzes He« von Beamten die Briese burdtftöbert, um den Verkehr mit dem Ausland „zu kontrollieren", gcht an Ser West- und NordgrenZe, zum TsL «uh tat Osten ein Trenzschmuggel größten Maßstabes vor sich, von dessen Umfang man sich tat Binnenland keine Vorstellung machen kann. Di« Schmuggler, für die Geld überhaupt keine Rolle spielt, haben rin ganzes He« von Agenten angestellt mb «in« geschickt arbeitende OrMmsation ms Leben gerufen, der um so schwer« beizukommen ist, als ein Teil der Be- «mten den Lockungen d« Schmuggler «legen ist. Das Reich hat eine Konkurrenz mit diesen Schiebern und De- staudwuen auszunchmmt v«sucht, als es Belohnungen für $e Beamten auswarf, die an ds Aufdeckung von Zoll- tatb Steuervergehen «folgreich Mitwirken. Ab« diefes Prämiensystem hat nur ganz vorübergehend gewirkt, die Lestechungsgrider ber Schmuggler übersteigen alles, was lris Reich für diese Zwecke ausgeben tarnt.
Der Schmuggel blüht am tollsten an d« holländischen Grenze. Er geht zu Lande vor sich und auch zu Dosier. Es sind ganz außerordentlich hohe Gewinn«, die b« Schmuggler auf einem einzigen Gang «zielt. So -verdient" er an einem halben Zentner Tabak 6000 =«., einem Faß Branntwein sogar 30 000 M. In der Hauptsache w«den Tabak, Branntwein und Kaffee geschmuggelt. In Holland lagern ungeheure Kaffeemengen ^d d« Preis dort betragt selbst unt« Berücksichtigung gegenwärtigen ungünstigen Valuta nur 12 JL das *funb. Dies« groß« Preisunterschied fft ein« btt stärksten Anreize für den Schmuggel. 3m Osten werden in der Hauptsache Waffen für di« Versorgung des polnischen Heeres üb« die Grenze geschleppt. Selbst bi« primitivst Kapitalverschleppung, der Geldschmuggel, ist weitverbreitet, so sind «st bief« Tag« vier Holländer festge- •tonttnen worden, von denen jeder ta seiner Schmuggler- cheste 25 Kilogr. Silbergeld bei sich trug. In deutscher Währung handelt es sich um nahezu 500 000 Äußerem führten sie ta großen Mengen deutsche Danknotcn
sich
schaslliche, sondern eine sehr erhebliche politische De- beutang, daß ber Rheta-Elbe-Konzem von bem Norden Deutschlands nach dem Süden sich ausdshnt. Die Erwägung, daß gerade in Bayern die politischen Verhält- nisse eine sichtliche Beruhigung erfahren haben, dürste nicht zuletzt für den Beschluß maßgebend gewesen sein.
Gleichzeitig mit diesen Derschmelzungsbestrebungen ta ber Groß-Industrie beobachten wir aber auch eine Konzentration ta b« Groß-Finanz, di« nicht minder tief in das wirtschaftlich» Leben Deutschlands rinschneidet. Hi« fft bezeichnend das Vorgehen ber Deutschen Bonk, .bte zu all ihren bisherigen Transaktionen nun auch noch bie Braunschweig« Privatbank, die Privatbank von Gotha und die Hannoversche Bank in sich auf« nimmt. Daneben stellt sie nun auch eine Arbeitsgemvta- schast zur Hildesheimbank h« und saugt auch die Wiirt- tembrrgffche Dereinsbank auf. Die Deutsche Bank wird künftighin ein Grundkapital von nicht weniger als 400 Millionen Mark besitzen, sodaß sie uni« Hinzurechnung der Reserven üb« ein Gesamtkapital von nicht wenig« als 750 Millionen Mark, also dreiviertel Milliarden verfügt. Damit wird auch künftig die Deutsche Bank an der Spitze all« Banken ta Deutschland stehen. Es ergibt sich tue ritt daraus, daß auch in der Groß-Finanz bte Beziehungen zwischen Norddeutschland und Söddeuischland immer eng« geknüpft werden, wie man andererseits auch Mitteldeutschland immer mehr in dem Konzern der Großbanken hineinzuziehen sucht.
Neben diesen Transaktionen ta der Großindustrie und b« Großsinang vollziehen sich kleinere, ober nicht wind« wichtige Zusammenschlüsse zu Interessengemeinschaften sowohl ta den einzelnen Industriezweigen wie auch im Bankleben. Die kleineren Betriebe werden immer mehr ausgeschaltet ob« doch ta den Bonn des Großkapitals gezwungen. So sehr wft gewiß unt« den heutigen Verhältnissen eine Zusammenfassung oller wirtschaftlichen Kräfte und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit dmch Ausnutzung der Arbeftsmethoden billigen, fo läßt sich aber nicht verschweigen, daß em derartig« Verschmelzungsprozeß auf Kosten eta« starken soliden Mittelschicht sich vollzieht. Da liegen um so mehr Schattensriten, als gerade die heutigen Wirtschafts-Verhältnisse den Mittel- ftareb ohnehin auf das schwerste ta Mitleidenschaft ziehen.
In Beobachtung all dies« Erscheinungen muß man sich aber immer wieder die Frage vorlegem, was denn uns«« zuständigen Rrichsstellen tun, um ihrerseits genügenden Einfluß des Reiches und der Rrichskontrolle auf diese ta den gesamtdeutschen Wirtschaftsprozeß tief rin« schneidendem Vorgänge zu nehmen. Man darf auch nicht oergeflen, daß gerade diese jetzigen Trust-Bestrebungen b« Groh-Industrie die Forderung en jener verstärket: müssen, die einen unbedingten Einfluß des Reiches auf den Gefomtprozeß d« Kohlengewinnung wie der KohlenverarbeitMig fordern. Man möchte wünschen, daß sich das Reich von den gegenwärtigen Vorgängen nicht überraschen läßt. Das könnte zu unliebsamen, nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politffchen Folgen führen.
Der Stre rwahnsinn.
Die eben veiäffenllickte Stteikatistik für die Jahre 1917, 1918 und 1919 oibt ein geradezu er- ichütterndes Bild von dem Streikwahnsinn, der weite Kreise unseres Volkes leider noch gefangen hält: Die Zahl der verlorenen Arbeitstage stieg von 900 000 Arbeits agen im Jahre 1917 auf 4900000 im Jahre 1918, auf 4.3600000 im Jahre 1919. Es waren im Jasire 1 17 58 2 Prozent aller Stre'ks Angriffsstreiks, im Ja' re 1918 und 1919 9-< Prozent aller Streiks. Se t 1899 war das Jabr 1919 das ftteikreichste Jabr in Deut chland. 1919 war auch dös Jabr des Eiend?, das erste Friedens- jahr noch einem vierjährigen verlorenen Kriege, be1 affe Werte ve n chtet hatte: 1919 war auch das Jahr, wo es ganz betanders Pflicht eines jeden einzelnen wie jeder Klasse gewesen wäre, alle versügbaten Kräfte für den Wiederaufbau unserer zusammenge- broebenen Volkswirtschaft einzufttzen. Statt dessen 43600(00 Streiktage geaen 4900000 im Iahte 1917! Und dabei über 98 P ozent Angriffsstreiks!
Wo soll das hinführen? Welche Millionenwerte liegen nicht in den 43 600000 Streiklagen geschlossen? Legen sich nicht biete Millionen vngenütz er ArbeitS- tage wie eiserne Fesseln uns um Arm und Fuß, die uns das Hochkommen erschweren, unmöglich machen? Streikrecht in Ehren; der 2hbeiter toll und must Atbeitsbedingunaen haben, die ihm ein menichen- wüidigeS Leben lassen; er muß den Untetne wer, bet nicht die genügende Etnstcht ausbringt, zwingen können, ihm solche Bedin un en zu schaffen. Abe
Auf diese Weise werden jeden Tag Millionen und ober Millionen verbotswidrig angeführt und das Sinken ber Valuta fft nicht zuletzt auf diese wilde Einfuhr zurückzuführen. Um nur rin Beispiel aus letzter Zeit zu geben: Eine nur 24 Stunden lang durchgeführte Dahtchofskontrolle in M. - G l a d b a ch, das schon beträchtlich writ im HtaierlaiÄ liegt, unb wohin nur ein Bruchteil b« Schmuggelwaren gelangt, Hot Beschlagnahmen an Tabak, Zigaretten unb Kaffee tat Werte von 100 000 M ergebest.
Der Reichskasie gehen «ff diese Weise Zoll- und Steneretamchmeu ta erheblichem Umfang verloren. D« Dille, bar Hebel zu bekämpfen, ist bei bi« Finattzverwal- fung Vorhände«, die Ausführung ab« ungeheu« schwierig, wenn nicht immitechch. An einzelnen Stellen konnte infolge eines Massenaufgebots von Hundertschaften btt Sichscheitspolizei vorübergehend rin Erfolg erzielt werden, so bei Suberbed ta Westfalen, wo sich eilt SchmuMri riesigen Umfanges herausgebildet hatte. Die Cisenbahn- verwaltung hatte durch Cmiegung von E x t r a z ü g e n (!) alles getan, um den Schmugglern ihre Arbrit fo angenehm wie möglich zu machen. Sie ft eilte sich auf den Staub» pimft, daß dort Züge eingelegt werden müßten, wo ein starker Verkehr herrscht, und daß sie als reines Derkehrs- unternehmen nicht danach zu fragen hob«, w« von ihr Gebrauch macht. Dabei liegt klar zu Tage, daß für die ordnungsliebende Bevölkerung von Suberbe cf oder Kaldenkirchen Nachtzüge wirklich nicht notwendig unb auch niemals gefahren sind.
Die Fmanzverwaltimg hatte sodatm verfttcht, dem liebet dmch Errichtung „fliegender Zollämter" zu steuern. Auch die kleinsten Grenzwege wurden ! esetzt. Aber b« Versuch scheiterte, weil mit ihm die Aufhebung ber Vergünstigung für die Grenzbewohner verbunden war, geringe Mengen für den eigenen Bedarf ohne Genehmi- gung etazuffchren. Die Zollrinnahmen gingen kost auf Rull zurück, es würbe nun noch raffinierter geschmuggelt. Als Ersatz für bie „Heine Grenzeitffuhr" wurden tagen. Hausstamdsbeschrinigungen etagsführt, auf Grund deren bie Grenzstädte für sich gewisse Warenmengen zollfrei »in» führen durften. Auch das hat sich nicht bewährt, die Korruption hat soweit um sich gefressen, daß nun auch die Städte die Waren, bie sie für sich zollfrei erhielten, ins Inland weiter verschoben. Don der Stadt Gronau ist bas bereits festgestellt worden.
Das „Loch im Westen" ist afio nur auf bem Papi« geschlossen, ta Wirklichkeit kommen Waren ohne febe
Hand aufs Herz! Wurde nicht zu viel gestreikt? 98 Prozent Angriffsstretks! Rührt sich nicht bei manchen das Gewissen? Müssen nicht Hunderttausende hungern uns frieren und wciter im Elend leben, weil Hunderttausende anderer, die sich ihre Brüder nennen, nicht haben arbeiten wollen? Wahrlich, das ist der Wea, der ins Verderben führt!
Besteuerung des Arbeitsund Renteneinkommens.
In den Kreisen der vom Lohnabzug Betroffenen werden immer wieder Klagen laut, daß die Heran- ziehung zur Einkommenueuer unaleichmätzig fei, insofern, als daS steuerlich leicht festzustellenbe Arbeitseinkommen in voller Höhe erfaßt wrrd, während öie3_auf die steuerliche Heranziehung der freien ErwerbSstände nicht zutreffen soll. Diese Klagen find unbegründet, denn die anderen Volksschichten, die nicht dem Lohnabzug untei liegen, werden nicht nur zur Einkommensteuer, sondern soweit sie Kapital- ober Grundstückseinkommen („fundiertes" Einkommen) haben, noch zu anderen Steuern heran , ezogen, unb zwar reichsgesetzlich zur Kapitolertragssteuer, landes.esetzlich zur Grund- und Gebäudesteuer, sowie zur Gewerueiteuer, deren Sätze infolge des Geldbedarfs der Gemeinden für die Zukunft außerordentlich hoch bemessen fein dürsten. Wie die steuerliche Belastung bei der gleichen Anzahl von Familienmitttiedern und bei gleichen Einkommen sich gestaltet, mö-i» folgendes Beispiel bartun:
Ein Arbeiter mit Frau und zwei Kindern hat ein Arbeitseinkommen am 1. Januar 1920 von 20000 Mark jährlich.
Steuerbares Einkommen 20000 Mk.
Steuerfreies Existenzmini.
mum für den Mann. 1500 Mk.
Für die jrau und die
Kinder . ... . 1500 Mk.
zusammen 3gOO Mk. . 3 000
Stenerpflichtines Ein ommen .... . 17ütKJ .oit. Hiervon Jahressteucr zu zahlen .... 3 050 Mk.
Dem egenüber bat ein Rentner mit Frau und zwei Kindern und einem Kipttaleinkommen von 20 000 Mark am 1. Januar 1920 (dem unter Annahme von 5 Proz. Verzinsunn ein Kopitalvermö en von 400 000 Mark ent prichtj folienDe Steuern zu entrichten:
Nach dem Kapitalertra Ssteuergesetz
10 Proz. vom Kap taleinkommen . . 2000 Mk. Die restlichen 18000 Mark unterliegen der Einkommensteuer, wenn kerne andere Abgabe mehr hinzutriltt
Der Rentner bat aber von feinem Vermögen von 400000 Mark eine sehr erhebliche Abgabe für das Reut snotopfer zu zahlen, tote folgende Darstellung ergibt:
Vermögen 400000 Mk.
Davon Notopferfrei für sich 5('00 Mk.
Für die Ehefrau . . . .5'00 „ Für daS zweite Ktnd . . 50’>o „ zusammen >5000 Mk. . 15000 Mk: Nach dem Reichsnotopser sind also ab- gabepflichlig . . ........385 000 Mk.
Hiervon »allen zunächst 108 000 Mark 100 000 . unter die steuerliche Mitderuna des Kinderprivikegs (§ 26 deS Notopter- aesetz Sh d. h. von der Zahc der Kinder entsprechenden Bielsach von 50000 Mari des abgabepflicyti en Vermögens beträgt die Abgabe 10 Proz.
-also......... 10 000 Mk.
bleiben 285000 Mt.
Diese 285000 Mk unterliegen einer Abgabe von 46000 Mk.
Mit dem nach dem Kin-
derprivileg gezahlten 10000 Mk.
zusammen 56000 Mt. Notopferbetrag von dem Gesomtver- möaen von 400 000 Mk.
Diese Summe muß nach § 30 des Reichsnotopfer- ' esötzcS mit 5 Proz. verzinst werden, ergibt also eine Zinsenlast von jähriich 2 800 Mk. Bon dem Grundein- kommen von 20 000 Mk. sind, um daS steuerbare Einkommen, d. h. das Einkommen, das dem Einkommen- steuergefetz unterliegt, zu ermitteln, nun abzuziehen
Die Kapitalertra ssteuec 2 000Mk.
Die Zinsen der Notopfer-
Vflicht 2 800 .
©teuerfr. Existenzmini- mum für sich, die Ehefrau und bte Kinder 3000 „ zusammen 7 800 ^it.
Das steuerbare Einkommen beträgt . 20 000 Mk. Weniger obigen........ . . 7 800 „
' 12 2 ju Mk.
Von den 12 200 Mk. sind an jährlicher Einkommen, steuer zu zahlen 1S<>4 Mark.
Kontrolle nach Deutschland Herrin. Eine Zuziehung der Reichswehr ist, soweit «s sich um das besetzte Gebiet handelt, auf Grund des Friedensvertrages verboten. Auch Polizei und Zollbeamte können, selbst wenn sie den festen Willen dazu haben, erfolgreich nicht arbeiten, weil bie Entente bewaffnete Beamte dort nicht b u l • bet Dabei sind bie Schmuggler kriegsgeübt unb fast immer bewaffnet, treten ta Massen von Tausenden auf unb triften Banden bis zu 100 Mann und mehr. Sie sind durchaus kriegsmäßig eingeteilt in Vorhut, marschittende Truppe, Seitendekkung und Nachhut. RadiahrrrPatrouillen klären auf, Spürhund« durchstöbern das Gelände und sichern bie Transport« und schließlich tut ein musterhaft funktionierend« Signal- unb Nachrichtendienst das He», rige. Natürlich wird bie Nacht bevorzugt. Während früh« btt Grmzoeickehr über Kaldenkirchen z. B. ta drei bis vi« Eisenbahnwagen bewältigt wurde, haben jetzt die Züge 25 Personenwagen unb mehr. Die deutsche Papiermark wird non den holländischen Schmugglern korbweise eingesammelt. Die 50- unb 100- Mark-Scheme liegen hoch aufgeschichtet in den großen Körben und wenn sich die Lappen bis zum Rand häufen, so treten bie Schmugal« dis Banknoten mit den Füßen fest. Allein zwischen Venlo unb Kirchvach werden täglich mindestens 50 000 Pfund Kaffee ta das Rheinland unverzollt eingeschmuggrik. An der Grenze schmuggelt alles: Männer, Frauen unb Kinder, ein« Verwüst >ng ber Dolksmoral, wie sie sich schlimmer nicht denken läßt.
Es versteht sich von selbst, daß nur ein Massenaufgebot von geschickten unb unbestechlichen Beamten helfen könnte. Verheiratete Beamte, die lange im Felde waren, sind schw« dafür zu haben; sie wollen sich nicht nochmals lange von ber Familie trennen. Man Hal versucht, nachdem sich bie Bevölkerung geweigert hatte, Zoll- und Steuerbeamten Wohnungsgelegenheit zur Verfügung zu stelle, die Beamten zwangsweift unterzubrtagen. Sie hallen ein wenig beneidetes Leben, beim sie wurden nicht nur boykottiert, sondern regelrecht ausgehungert. Es blieb ihnen nichts übrig, als davonzugehen. Dann wurde versucht, di« Gewerkschaften ta den Dienst auch dies« Tätigkeit zu stellen. Aus Köln, Düfleldors, Essen unb DortmmÄ» wurden Gewerkschaftsmitglieder in größttrm Umfange herangezogen, Sie sich gegenseitig Mästen unb nach bem Dienst zu ihren Familien znrückkehrten. Sie lehnten ober „Uebttftunben" unb „Sonntagsarbrif” ab unb damit war diese Maßnahme erledigt. Völlig versagt haben die Gerichte. Schmuggler, die bei einem Gang
Der Rentner Hal also im Jahre 1920 an Abgaben zu entrichten: ,
Kapitalertragssteuer 2000 Mk.
Notopferzinsen....... .. . . 2800 .
Einkommensteuer ........ . 1904 ,
zusammen 67u4 Mk.
©egenüber ber Jahressteuer des Arbeiters in Höhe von ....... 3050 Mk.
Äus Kirche und Schule.
* Wendung zugunsten unserer TNissionare? „Ca- ihoKc News Service" vom 27. Oktober 1920 bringt folgende Mitteilung: Wir erhallen die amtliche Nach- richi, oaff die bairischen Behörden in London Anweisung gegeben haben, alle Ausweisungen demscher und österreichisch« Priest« und Missionsarbeiter einzustellen. Der Befehl soll in Kraft bleiben bis zum Ende des Jahres. Er gilt nicht bloß für die Missionen in Indien und andere Länder des britischen Reiches. 3n Palästina und Aegyten dursten die von ihrm Posten vertriebenen Deutschen sofort zurückkehren. In den anderen Territorien haben die ausgewiesenen Missionare noch nicht die Erlaubnis ber Rückkehr, allein es schweben m Rom Verhandlungen zwischen dem Hl. Stuhl und der britischen Regierung, welche Hoffnung geben, daß mit dem Hl. Stuhl ein Plan vereinbart wird, daß wenigstens einige der Ausgewiesenen zurück- kehren dürfen. In Indiett kam diese Nachricht von London noch eben zur Zeit an, um die Abreise einer Schar von Schwestern zu verhüten, die im Begriffe stand, nach Deutschland abzurcisen. 24 Schwestern aus verschiedenen Klöstern in Bengal hatten Befehl erhallen, nach Deutschland zurückzukehren. Allein bte indische Regierung, in der Erkenntnis, daß der Verlust iter Schwestern ein großes ltnglück für die von ihnen geführten Schulen sei, gab einen Gegenbefehl gegen ihre Ausweisung, und die Nonnen sind jetzt in ihre Klöster zurückgekehrtt — Dir Rückkehr der deutschen Bcnedikj'ner zm Sionskirche wurde schon in der deutschen Presse gemeldet. Die Einstellung der Ausweisungen ist gewiß ein erster Schritt der Besserung, und der betreffende Befehl wird sicherlich nicht bloß bte Ende des Jahres gelten sollen, sondern bis dahin einer günstigeren Verordnung Platz machen.
* Münster, 10. Noo. In die durch den Tod des Weihbischofs Kappenberg frei gewordene Stelle eines Domkapitulars ist von der Staatsreg'eruna, der in diesem Fall dte Berufung zustand, der Staatssekre-' tär nn Kultusministerium, Rudolf W i l d e r m a n n, versetzt worden. W ldermann war stüher geistlicher' Oberlchrer am Gymnasium in Recklinghausen.
Aus dem Mchvaraeviet.
k Tleuhof. West der Landwirt F. I. in R. sein, verhältnismäßig geringes Quantum Milch nicht a b-> z u l i e f e r n für nötig hielt, wurde er vom hiesigen Schöffengericktt mit 3 Tagen Gefängnis und 1000 <U Geldstrafe bestraft.
△ oiersfclb. Die Maul- unb Klauenseuche hat sich ans nahezu 40 Orte b:to. Ortsteilei de? Kreiies Gersfeld ausgebreitet. Dies erhöht den Milchmangel. Die Ausfuhr von Vieh aus dem Kreite ist bis auf weiteres gejperrt. — DaS am üblichen Stadteingang belegene Direktor M. £>.; Schneiter'iche Anwesen „Kleinacker" ist zum Preise von 200000 Maik von der hiesigen Stabt käuflich erworben worden. Mit dem Kleinacker, der direkt an den großen städtischen Spielplatz anarenzt, hat die Stadt uunmehr einen wertvollen Besitz, bei hoffentlich der jetzigen, wie der späteren Generation viel Ft ende machen wird. In erst« Linie wird wohl das Wohnhaus mit etwa 4 bis 5 Wohnungen eingerichtet und dadurch die Wohnungsnot etwas behob n werden.
fd Aus Franken. Die feinen Auslesen de. .Weinbauanlagen des Würzburger Bür- g e r f p i t a l s sind so heworraaende Gewächse, wie sie in Franken wohl noch me erzielt worden sind. Es dürften im Jahre 1920 in Franken die höchsten Most- gewichte in den sämtlichen deutschen Weinbaugeb'eten erzielt worden sein. Damit ist, wie schon wiederholt in den Jahren 1911, 1915 und 1917 der Beweis gebracht, daß auch Frankm hervorragende Edelweine hervor- bringt, dik den Oualftätsweinen aller übrigen deutschen Wrinbaugebiete durchaus gleich stehen.
Profitte von 6000 M unb mehr hatten, «hielten 50 M Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaften sind angewiesen, durch höhere Strafanträge auch höhere Verurteilungen zu erreichen. Ferner fft beabsichtigt, ta den gefährdeten Be- ztrken Wuch«gerichie rinzurichten, bie erfahrungsgemäß schärf« durchgroffen als bie gewöhnlichen Gericht«.
Bon bem Verhalten ber Dahn Verwaltung war schon die Rede. Noch schlimm« fft, daß auf verschiedenen Grenzbahn Hofen Leute sich finden, bi« im Dienste b« SchnmgAer stehen. Als den Schmugglern btt direkte ÄUMng zum Bahnhof Kalbenkirchen versperrt merber konnte, würben fte auf verbotenen Umwegen h«eingelassen 2st bte Bahnhofsuhr ta Kalbenkirchen beleuchtet, ft ist bte Lust rein, tat anderen Fall sind bie Schmuggler SEmtt. Als pflichtbewußte Bahnbemnte sich weigerten, «inen reinen Schmugglerzug abzufertigen, mürben fte durch Bedrohung von Leib unb Leben zur Abfahrt gezwungen. An anbtten Orten signalisieren bie Schmuggler einander durch Wintzeichsn auf große (Entfernung bem Standort btr Beamten. An ber Küste warnen Dampfer durch Dampf, pfeifen vor Auftauchen ber Fahirimngsbeamten unb sogar ein Leuchiturm soll ben Schmugglern Blinksignale gegeben haben.
Die Postverwallmig hat sich auf das Postgeheimnis berufen, als bie Finanzverwalttmg sich barüb« beschwerte, daß Hrmberte unb Tausende von Paketen trat geschmugg-l- ten Waren anstandslos befördert werden. Es kam batm ein Erlaß, wonach bie sichtlich Schmuggelware enthielten, von ber Beförderung ausgeschlossen werben müßten. Die Postämter an btt Grenze legten bas Wort „sichtlich" so aus, daß man bte Schmuggelware sehen müßte. Jeder wirksamen Bekämpfung wirb auf triefe Weise eine passive Resistenz entgegengesetzt. Als in Kal- benkirchen 'm Postamt eine Kontrolle ausgestellt wurde, holten Postbeamten bte Pakete von ben Schmugglern ab unb täuschten Dienstgänge vor. Als auch dies unter- bimben wurde, verbrachten Postbeamte bie Nächte im Kelter des Postamtes unb bte Schmuggler ließen im Schutze dor Dunkelheit ine Pakete durch bas Kellerloch fallen. So fam es, baß täglich drei Pakete ordnungsgemäß auf geliefert waren, bah aber Hunderte von Paketen abbeförbert wurden. Aber nicht nur bas: Beamte in Uniform schmuggelten s e l b st mit. Wenn es, was sehr häufig d« Fall ist, zwischen den Schmugglern und den Zollbeamten zu Zusammenstößen unb Schießereien kommt, nehm.it Pvtz. ug^ Aahnheamte ’ bte