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Fxeilag, 12. November 1920.

Fuldaer Zeitung

Druck dcr Fuldaer Aelieudruckerei i» Fulda.

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konnte sie nur durch das schmale Gitterfenster sehen auf- die weite, graue Wasserfläche, die sich hob von dem weißen Schnee ringsum.

Sie schürte das Feuer im Herd und letzte d'e

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„Wann mag der Vogt heimkemmen? Soll ihm noch wegen Fischen bestellen aus dem See."

Hellwig erhob sich mühsam und stellte ihren Rüben» napf auf den Tisch.

Er ist sust mit dem Fischerknecht noch unten gegan­gen an» Ufer. Sie wollten etwas ausbessern an dem Fischkasten im Rohr,"

Da stand auch Brigitte auf.

„So will ich schnell hingehen und ihm Bescheid sagen. Hab nicht lang' Zeit zum Warten."

Hellwig hörte sie schweren Ganges die Stiege hin. unterstampfen.

Wie gern wäre sie nükgegangen! Sie hatte so große Sehnsucht jetzt oft nach Schnee und Winterlust. MZoen» schrei und Dasserweiten. Aber so oft sie es auch schon versucht hotte, die Kräfte waren doch nicht stark genug, die stelle Wendeltreppe hinab, und hinaufzusteizen. So

„Es ist heute auch noch früh genug, Hellwig, daß Ihr es erfahren habt. Wäre es nach mir gegangen, so hättet Ihr es niemals gewußt."

Jetzt lachte er rauh und bitter auf.

„Dieweil wir Maltzane ja Raubritter sind in Euren Augen." *

Er hielt einen Augenblick inne, als warte er darauf, daß sie ihm ins Wort falle und seinen Ausspruch Der« neine. Aber sie blieb still. Da fuhr er fort, wie im zornigen Selbstgespräch:

„Ihr habt dazumal bester ausgesehen, Hellwig, als ich Euch das erstemal sah in dem Kahn auf der Warnow. Da war viel Kraft und Mut in Euch, und Ihr führtet Segel und Ruder wie ein Mann. Und Cure Wangen waren nimmer so schmal und farblos wie jetzt."

Er biß sich auf die Unterlippe.

„Und dar ist alles gekommen durch Schuld der Ma'tzane. Es ist ja klar, daß Ihr sie hasten müßt."

Er atmete schwer.

Da trat sie leise an den Holztisch und beugte sich ein wenig darüber, mit den Händen Halt suchend an der Platte.

,Zhr irrt Euch, Herr Otto, wenn Ihr meinet, daß ich damals frisch und stark gewesen. Ter Seewind und die scharfe Luft, > die meine Wangen färbten und mein Blut schneller kreisen ließen, hatten Euch getäuscht. Es war gerade zu jener Stunde meine Seele weh und zer­rissen und in größter Rot. Darum war Ich hinausge­flohen aus der Stadt, in Sturm imb Regen,"

Sie hielt einen Augenblick inne und stand wie in tiefen Gedanken. Dann drückte sie die beiden schmalen Hände auf ihr Herz und sagte leise:

„Und solche Serlernst schafft unsäglich Weh, Herr Otto. Diel mehr a‘« iolwe Wwde an der Schmier und wenn sie noch so tief ist."

Er hatte sie die ganze Zell unentwegt angesehen, wählend sie soroch.

Nun, als sie schwieg, stieß er heiser hervor:

„Und wer schuf Euch solche Seelennot, Hellwig? O, wer quälte Euch, daß Ihr so hinausfiiehen mußtet in Wind und Sturm?"

Sie fuhr sich über die Stirn, als sei sie erschrocken über ihr vieles Reden.

Und sagte dann hastig, fast scheu:

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men zur Durchführung der Lieferungspflicht Gewalt entgegen. — Die Zentrumsabgeordneten Herbert, Hattemar und Genossen Haden an die Regierung ernt dringende Anfrage gerichtet, in der sie um Auskunft bitten, ob es der Regierung bekannt sei, daß durch die Zentralgenoffenschaft der hessischen Landwirte zu Darmstadt Kartoffeln in Waagonladuimen aus Hessen ausgeführt werden und dadurch die Versorgung der hessischen Städte erschwert wird, zumal weile Kreise der Minderbemittelten in diesen Städten noch nicht mtt Kartoffeln versorgt sind. Auch von anderen Plätzen wird über umfangreiche Verschiebungen von Kartoffeln in das Ausland berichtet. Was gedenke die Recnerung zu tun, um die Versorgung der städtischen Bevölke­rung, insbesondere der Minderbemittelten, mit Kar­toffeln unbedingt sicher zu stellen?

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Golterdienstor-nung.

Katsiolilcher Gottesdienst.

Samstag, 13. Nov. Frauenberg. Gedächtnisfeier, f. b. verstorbenen Ettern aller Mitglieder de- Franzis» kanerordens. Um 7 feierliches Requiem.

Israelitischer Gottesdienst.

SamStag, 18. Nov. Vorabendgottesbienst 4,2Q morgens 8,30, nachm. 3,30, SabbatbauSfiang 5,30 Uhr. — Wochengotte Sdien st: Morgens 6,45, nachm. 4,16 abends 520 Uhr.

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an die Glut. Da warf di» Rote der Flammen ein schwa­ches Licht in ihr wei^-s GeNcht, daß es rosig überhaucht schien. Und in dem Widerschein leuchteten ihre Flech en wie mattes Gold.

Sie hatte über dem Klappern des Schürhake-s die Schritte überhört, die draußen heraufkamen, und das Knorren der Tür.

Jetzt schrak sie zusammen, af5 sie sich ummandte und Otto Maltzan am Tisch stand, ein Päcklein auf die Holz, platte legend.

Er sah ihr Erschrecken und krauste bi» Stirn.

„Ich weiß, Heilwia, weshalb Ihr jetzt Furcht habt vor mir und Abscheu dazu." <*

Er sagte es traurig und letzte sich nieder an den Tisch, Hellwig sah an llm vorüber durch das kleine Gitter- fenft'r und sagte leite:

„Warum habt Ihr mir nickst -ft ich gesagt, daß Ihr des Verend Maltzan Bruder seid?"

Er heb den dunklen Kopf und iah sie an. Und sah ;f)r schmales, weißes An« tz 'M Widersck-em des Herd- feurrs und thre still», he-be Schönhell. Zorn und Weh kämpften In feinem Gesicht.

ja ganz Deutschland den apostolischen »egen gebe. Ja, so fügte et hinzu, möge Gott auch das nichtkatholische Deutschland segnen, daß es den Weg zur einen, wahren katholischen Kirche wieder smdet. Darauf erteilte er den apostolischen Segen.

Prälat Dr. Brenner, Rektor der Anima, verdeutschte mm die herrlichen Worte des Heil. Vaters und jedem der Pilger und Anwesenden gab der Heil. Vater darauf die Hand und sprach mit mehreren noch einige Worte. Daraus erklang zum erstenmal wieder fett langen Jahren das schöne „Großer Gott. wir bwen Dich". Als der Heil. Vater den Saal verließ, erscholl ein kräftiges, aus innerster Seele kommendes: „Papst Benedikt XV. lebe hoch!" Alle Pilger waren leb­haft gerührt und werden nie diese «schöne Stunde ihrem „Vater" im Vatikan vergessen.

Ain Dienstag morgen verließ der Pilgerzug ewige Rom, um über Assisi und Padua

dem Nachvargevier.

Her» DaS Hotel „Hohenzollern" ging zum Preise von 550 000 Mark in den Besitz der Dres­dener Bank über. Damit haben wir sechs Banken in He,Sfeld. — Die hiesigen Schneider befinden sich im Ausstand. Es handelt sich um eine Lohn- bewemino

Hk Kassel. DK Verhandlung gegen die Marburger Studenten wird, wie wir erfah­ren, erst im Dezember vor dem Schwurgericht in Sa"e? stottfindett. Infolge neuer Deweisanträge war es unmöglich, wie zurrst vorgesehen, die Verhandlung bereits im November stattfinden zu lassen. — Das Verfahren gegen den Iungdeutschen» Order: in Kassel, das vor einiger Zett auf D ran- lassung des Oberprösidcrrten eingeleitet worden ist und beim Sondergerichl im Bereich des Re'chswehrgrup- penfcmmanbos U in Kassel bearbeitet wird, dürfte schon in Kürze seinen Abschluß finden. Die Ermitte­lungen sind zur Zeit noch im Gange. Ob sie zur Er­hebung der Anklage führen werden, läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen. Eine etwaige Gerichtsverhand­lung würde ebenfalls vor dem Sondergericht in Kassel stattsinden.

fd. Aus dem $teiffaaf Hessen. Nach dem „Offen­bacher Abendblatt" nimmt der Kartoffelkrieg in Hessen immer ernstere Formen an. Die Bauern weigern sich, ihren von ihnen freiwillig elnpegangenen Verpflichtungen über die Belieferung Minderbemittelter nachzukommen und setzen den behördlichen Maßnah.

Vermijcktes.

• Das erste deutsche Eisenbetonschiss. Bor einigen Taaen lief auf der Stornierst in Wewelsfleth bei Eckernförde daS im Auftrage der Baltischen Reeder« in Hamburg von der Ma chinenfabrik Friedrich Sternemann u. Co. .in Wewelsfleth erbaute größte, beuticbe Etfenbeton-Motorsracht ch'ff vom S'apel. Das Schiff ist 56 Meter lang, 8.6 Meter brett und an der Seite 4,6 Meter hoch. Darüber, ob sich der Ban von Betonschiffen gegenüber dem von Eilen- jchiffen durchsetzen wird, gehen bekanntlich die Met. nungen weit auseinander. So viel ist sicher, daß der Bau von Beton ch ffen mehtere wichtige Vor» teile bietet: schnellere Bauweise mit toeninen Fach­arbeitern, kein Farbenanstrich, erhebliche Ersparnis an Ei en. Da das Schiff in erster Linie für btt Fabrt nach Schweden benimmt ist, wurde es Go- taelf geianrL

• Heimkehr eines Kriegers nach sechsjähriger ab- Wesenheit. Aus Radeberg bei Dresden wird berichtet, daß dort am 26. Oktober nach sechsjähriger Abwesenheit der frühere Glasmaler Wenzel Regner aus dem Weltkriege zu seiner Familie, bestehend aus Frau und vier Kindern, zurückkehrte und zwar als Leutnant, zu dem er nn Laufe der sechs Jahre emporgestiegen war. Im Juli 1914 war er zu seinem österreichischen Regiment einberufen worden. Im Dezember 1914 wurde er bei Tarnow ver­wundet. Rach seiner Genesung hat er dann die mannig­faltigsten Schicksale erlebt und wurde als Teilnehmer an nieten Gefechten und Schlachten aus mehrfacher Todes­pesahr errettet. Zuletzt geriet er in russische Gefangen- schast und kam dort zur tschechisch-slowakischen Armee. Am ihrem Hftmzuae durch das Ural gebiet und Sibirien noch Wladiwostok hatte er mtt dieser viele blutige Tressen mit den Bolschewisten zu bestehen. Grauenhaft sind des ffrie- gers Erzählungen über die Grausamkeiten der entmensch­ten Bolschewisten. Rur ein einziger Gruß gelangte tn der langen Zett an seine Familie. Briefe. Karten und Telegramme an die Frau ober an das Pfarramt _von ihm sind nicht angekommen. Er galt daher schon längst als tot. Unbeschreiblich groß war natürlich die Freude, als der Gatte und Safer, den seine Kinder auf der Straße bei einer Unterredung nicht erkannt hatten, nach sechs­jähriger Abwesenheit und zweimonatiger Seefahrt imnit-

i ten feiner Familie erschien.

zeitig in Protestnoten ihre Stellung kundtun. Das ist auch Mitarbeit am volkswirtschaftl.chen Aufbau unseres Volkes. C. W.

Die deutsche» Pilger in Rom.

Aus Rom erhalten wir von uuem Teilnehmer der Audienz der deutschen Pilger beim Heil. Vater noch folgende Mitteilungen über den Aufenthalt des deutschen Pilgerzuges in Rom:

Rom hat in den letzten Tagen den ersten Pilgerzug deutscher Katholiken nach dem Kriege gesehen. Am 23. Oktober kamen die Pilger an, geführt vom Hoch­würdigsten Herrn Erzbischof Dr. Schulte von Köln. I Am folgenden Tage war ein feierliches Hochamt in der deutschen Kirche der Anima mit Predigt des Franziskanerpaters Panrratius Rathscheck. Das Wet­ter war, obwohl es zeitweise regnete, recht günstig und so konnten di^ Pilger während acht Tage Rom und seine heiligen Stätten und Sehenswürdigkeiten besuchen. Sonntag den 31. Oktober wohnten alle Pil­ger der hl. Messe des Papstes bei unb em­pfingen aus der Hand Benedikt XV. die heftige Kom­munion. Um 10 Uhr war eine Versammlung im deutschen Campo fanto, bei welcher der Rektor dieser Kirche, Dr. David, der Verdienste des um die deutschen Katholiken in Rom hochverdienten Man- signore De Waal, des im Kriege verstorbenen letzten Rektors des Campo fanto, gedachte. Dann zogen die Pilger in geschlossenem Zuge zugleich mit einer statt­lichen Anzahl der deutschen Kolonie in Rom zum Vatikan zur Audienz beim Heil. Vater.

Der Papst erschien um 12 Uhr unb nahm Platz auf dem Throne. Der Hochwürdigste Herr Erzbischof von Köln Dr. Schulte hielt zuerst eine italienische An­sprache an den Heil. Vater. Er betonte unter anderem:

„Mtt den Gefühlen, mit denen die Israeliten im alten ■Bunöe nach Jerusalem zogen, sind die deutschen Katho­liken tn diesem Jahre nach Rom gekommen. Wenn die Israeliten fangen: „Laetatus firm in his, quat biete sunt mihi, hi domum domml ibimus", „ich freute, mich, als man mir fache: Ins Haus des Herrn gehen wir" — so ist dies m noch größerem Maße von uns Pilgern her Fall. Konnten wir doch ins größte Heiligtum der katho­lischen Kirche eintreten, sahen wir doch die herrlichsten Stätten im heiligen Rom, welche Zeugen sind der Kämpfe und Siege unserer heftigen Kirche. Aber eines ist es, was uns zur größten Freude stimmte, wir konnten zu unserem Vater hinzutreten, ihn aussuchen, der ttn Kriege so viel für uns getan. Hier vor feinem Throne können wir ihm persönlich unfern Dank abstatien für das, was er für unsere Gefangenen im Kriege und auch später noch für unser Vaterland getan. Ihn, den Vater, bitten mir um seinen Segen für uns und unsere Sieben und unser Vaterland."

Darauf kMl der H e i l. D a le r eine längere Rede in italienischer Sprache. Wenn auch die meisten Pil­ger feine Worte nicht direkt verstanden, an der Herz­lichkeit und ausnehmenden Begeisterung, mtt der er I sprach, erfaßten sie den Sinn seiner Worte. Der | Heil. Vater sagte:

„Er freue sich, hi« vor fernem Throne die ersten deutschen Bilger heute begrüßen zu können. Sein D o - terherz h«ll>e geblutet im langen Völkerringen, das ihn von einem großen Test fein« Söhne und Töchter abgeschmü-e-n habe, so daß ihnen b« Zutritt zu ihm nicht möglich war. Wenn aber der Herr Erzbischof Dr. Schulte von Köln ihm danke für alles, was er tm Kriege zur Linderung d« Rot getan, so müsse er betonen, daß es gerade der damalige Bischof Dr Schulte von Pader­born, d« jetzige Kölner Erzbischof sei, der ihm die Wege geebnet habe. Dies« Bischof habe gezeigt, daß auch in unserer Jett, in der Jett des schrecklichsten Krieses, die Liebe Jesu Christi gegen bie Feinde fern leeres Wort sei, und daß Vaterlandsliebe sich sehr wohl mtt christlicher Feindesliebe oereinigen lasse und ebenso mit dem Amte des katholischen Bischofs. Auch der deut­sche Episkopat habe ht der hochherzigen Weise dieses Werk des Paderborner Bischofs unterstützt. Bischof Dr. Schult« f?i durch dies« seine Arbeiten ein herrliches und leuchtendes Beispiel mi Sinne Christ, geworden. Ihm gebühre an I erster Stelle der Dank. Und w-mt bi« deutschen Dürer I nach Rom komm, um neben dem Schönen und Altthr- I würdigen, bas Rom bietet, dort einen Vater auszusnch-n, | so hätten sie sich nicht geirrt Und mtt begeisterter Hand- I bememmn auf sich betonte der Papst: „in dieser Brust I schlägt ein wirkliches Baterherz für bie beut« I scheu Katholiken". Und wenn es in dem vom I Herrn Erzbischof zitierten Psalmen weiter heißt: „Er- I flehet, was zum Frieden ist für Jerusalem", so mache ich I mir dieses Wort zu eigen und bele um dem Frieden I für die Welt und für Deutschland insbe» I sondere. Möge dort wieder die alt« Arbeite- I freubtgteit einkehren, möge bie Wissenschaft I weiter blühen unb die gute Sitte wieder gepflegt | werden wie vor dem Kriege, möge Gott Deutschland und I die deutschen Katholiken segnen."

Und mm erhob der Heft. Vater feine Stimme, stand I vom Throne auf und erflehte Gottes Segen und scwte, I daß er mit Freuden allen Pilgern und ihren Lieben,

Das Schwert von Thrile.

2°man von Leontine von Winterseld-Platen.

-La, ich will doch aber nimmer Behaglichkeit, ich will arbeit, wenn ich nicht heim kann".

•®5 ist ein schlechtes Reifen jetzt für Frauensleut. Vilich, dieweil es Winter ist und manche Wege un­passierbar sind. Dann ist bas Land voll Unruhe unb ^iagsgeschrei. Noch ziehen die Pommern raubend und Kennend durch Mecklenburg. Da konnte es wieder ge- daß Euch auf Eurer Fahrt ein unliebsamer Hieb von fo einem wilden Gesellen. Auch seid Ihr fürs Srfte zum Reisen noch viel zu schwach unb siech."

Hellwig senkte den Stopf.

-So bleibe ich hier in Stummerem bet den Dogts- die gut sind mit mir. Hier findet sich alleweil arbeit und ich möchte ihnen gerne helfen.

Brigitte nickte. »

.-Es soll Euch niemand zwingen, Hellwig. Ihr seid £ei und könnt tun und lassen was Ihr wollt. Arbeit l?1-36 sich in Wolde auch . Ihr könnt Frau Göde's dleiit wiegen, so Ihr Lust habt. Aber da höre ich gfyrn Otto auf dem Hof. Er wird weidlch schelten Uf mich, daß ich nicht gewartet ha'' auf ihn."

v^bem trat Otto Maltzan schon herein.

Tr bot den beiden einen kurzen Morgengruh, und Gesicht war finster.

^)ab Euch überall gesucht, Frau Brigitte. Sollt doch das Geleit geben von Wolde bis hierher. Die ?",ten sind unsicher. Le chftich hättet Ihr einen Unfall Q°en können auf dem wetten Weg." ■

"je Stattliche lachte.

„Macht nimmer solch grimmiges Gesicht, Bub. Die ^tgitte Alvensleben schützt sich schon ganz allein. Zwei ■ echte gab mir Herr Verend mit zur Hut. Auch la te £ nimmer so viel Zeit, auf Euch $u warten. Wir -chsttf geritten, denn ich muß zur guten Stunde ?Der in Wolde fein. Ihr kö nt mir flugs aus meiner a c-ftvsche den Wein holen, den ich für die sieche Heil- l3.m'tStE>ratf)t."

b,- 9!ng er langsam wieder hinaus, um das Ge» zu holen. '

^."rigitte Alvensleben sah sich in der niederen Stube

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Amtliche Anzeigen.

Es ist in letzter Zeit die Beobachtung gemacht worden, baß kleine Ort chaiten sich mit Hilfe von meist uraattonel arbeitenden Lokomobilen eigene Elektrizttätsoen forgung schaffen. Der Kohlenvet brauch finde» meist aus Kosten des Hausbrandes ober der Druschkohle statt.

Vor der Anlage solcher Elektriftkä squellen roiefr gewarnt, da im Bereiche der Uebedanbjentraien keim neuen Kraftwerke genehmigt und auch leine Kohlen oder andere Brennstoffe hierfür zur Verfügung gestellt werben können.

Etwa bei solchen Betrieben Vorgefundene Kohlen werden unweigerlich beschlagnahmt.

Fulda, den 8 Nov-rnber 1920.

Der CanbtaL 3. V.: Köhler.

Aus gebrochen: Die ffloal- unb Klauenfen ehe ht den Gemeinden Shiva und tzechelmannsArchen (Kreis Hünieldl.

Fulda, den 3. Novem'er 1920.

Der tanbrat I. SB.: Köhler.

„Niemand hat mich gequält — niemand. So ich in Not war, so war ich es ganz allem durch meine eigne Schuld."

Sie trat vom Tisch zurück unb machte sich wieder am Herd zu schaffen.

Er sah ihr bekümmert nach.

„Es ist etwas, das Euch niederdrückt, Heilung, und an Eurer Seele reißt. Wollet doch Vertrauen haben und es mir sagen. Dieweil ich Euch so gerne helfen möchte." *

Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und den Kops tief gesenkt. 1

„Es kann mir niemand helfen. Herr Otto, ttttb es ist auch weiter nichts mit mir."

Sie sagte es fast schroff.

Aber er schüttelte den Kopf.

„Ms Ihr vor Wochen im schweren Fieber lag, da batet Ihr alleweil so sehr, man möchte Euch nimmer zurücklassen zu den Euren. Und danach müssen sie Euch etwas angetan haben, well dazumal so eine große Furcht vor der Heimkehr in Euch war."

„Es mar bas Fieber damals, weiter nichts. Da redet der Mensch irre und ist seiner Sinne nicht mehr mächtig."

Sie sagte es kurz unb hart, indes ihre Hande ztt- i terten.

Ehe Herr Otto noch eine Antwort fand, trat Brigitte Alvensleben wieder in bie Tür, ein kleines Retz mit zap- pelnden Fischen in der Hand.

„Ich reite nun eilends nach Dolde zurück, Herr Otto. Kommt Ihr mit, ober hobt Ihr noch zu tun hier? Die Gäule werden sich ja nun ausgeruht haben."

Sie trat an den Tisch unb ihr Blick fiel auf bas Päcklein, das Otto Maltzan dorthin gelegt

„Ach so, der Wein! Den hätte ich fast vergessen. I Davon trinkt Ihr alle Tage ein Schlücklein zur Star. I kung, Hellwig. Und dann lasse ich Euch bei nächster Ge» I legenheit ein einsack, Gewand von Fran Gödel missen­den. Dies schlottert ja um Euer Gebein. Unb überlegt, I Euch noch gut, ob Ihr nicht boch lieber zu uns noch

Wolde kommt."

| Otto Maltzons Kopf fuhr hoch.

(Fortsetzuna folfit)

3m Namen der Freiheit verurteilen manche dc» Zölibat der Lehrerin, um ihr „das heftigste Men- Menrecht" nicht vorzuenthcftten. Solche reimen offene Türen ein. Das Recht zur Ehe hat noj kein Gefitz der Lehrerin beschnitten: nur eine Berechtigung zu ei- nem unerfüllbaren Doppelberuf wollen wir n'cht. Sie Frau müßte hier in die Schranke treten, um eine I Herabsetzung ihrer Wertung als Persönlichkeit zu ver­hindern. Denn d'e Gefahr liege nahe, daß bei der SMl von feilen des Mannes die lohnende Tätigkeit I ott Gattin den Ausschlag gibt.

I So geht diese Frage wett über die engen Grenzen «s Standes hinaus. Se berührt tief das deutsche Volksleben und darum muß sie auch von der Ge­samtheit des deutschen Volkes entschieden werden. Das » a g e r i f dj e Parlament hat die verheiratete Lehre- nn abgelehnt. Wir wissen rsicht, wie unsere Volks- j ?Uteler entscheiden. Immerhin ober ist es wertvoll, ”6 an verantwortlicher Stelle die Meinung wetter Volkskreise bekannt ist und größere Organisationen sch

; ”n'e an Frauen- und Männerorganssassonen) sollten

Die verheiratete Lehrerin.

liniere Reichsoerfassung enthält den Satz, daß alle w -rtchmebeftimmungen für weibliche Beamte fori-

■JL Von dieser Beifügung wird auch der Leh- -nnenstand getroffen.

181 fl od) haben wir keine endgültige Entscheidung, ^ welchen Bedingungen in Zukunft die verheiratete Sterin im Amte bleiben darf. Immerhin ist es

•Atia daß auch brettere Dolkskreise zu dieser Frage r,5iunq nehmen, denn sie ist keineswegs eine bloße 2£rtbesfra0E. Sie enthält viele Momente von volks- i^chaftlicher Bedeutung und muß auch alle jene ht« gieren, denen die deutsche Volksschule am Herzen ^Biele Anhänger für die Aufhebung der Ehelosigkeit ter Lehrerinnen suchen mit Volkswirtschaft» tidien Gründen ihre Forderung zu stützen. Sie sagen: «tetä die Verheiratung der Lehrerinnen wird eine «e;fp von soliden Mittelstandshaushaltungen geschas- ien' iinb dies? sind die Grundlagen für ein gesundes S'äatsleben. Auch erhoffen sie traf diesem Wege die ffrböi)ung der Geburtszahlen, sie versprechen sich aus folgen Familien intelligente und wohlerzogene Sin»

— Das mag sich in der Idee schön ausnehmen. Doch die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Ob diese Lchrerinnen-Ehen nicht in sich selbst den stärksten An- reii tragen zur Beschränkung der Kinderzahl? Kinder ft^en ja den Ehegatten bei Ausübung ihres Berufes im Weg«, lieber die gediegene Erziehung der Kinder, bie Vater- und Mutterhand den größten Teil des lages entbehren müssen, kann man auch verschiedener Meinung sein. — Gewiß, man schafft Haushaltungen mit doppeltem Einkommen, bedenkt aber nicht, daß man dadurch in allen Standes genossen, die sich mtt einem Teil begnügen müssen, das Volkswirtschaft- sich schädigende Streben nach Gehaltserhöhung weckt.

Für unsere Zett, in der so viele Lehrer unb Leh­rerinnen stellenlos sind, gibt es kaum eine größere volkswirtschaftliche Ungerechtigkeit als die, daß man den Frauenerwerb dort unterstützt, wo er nicht nötig ist, während Tausende ihn als Lchensausfüllung und zum notwendigsten Lebensunterhalt erstreben. Frauen­erwerb in der Ehe kann für keinen, der nach soliden Grundlagen des Dolkswohls sucht, ein Ideal sein, und hier schickt man bie Frau aus dem Hause in den Dwerb, holt sich dafür anderseits an den Platz, der zuerst der Hausmutter gehören sollte, eine bezahlte Arbeitskraft. Welch ungesund« Derqirickungl

Manche Vertreter dieser Bestrebungen stellen ihre Forderungen im Namen der Schule. Sie verkün­den, daß mir d i e Lehrerin, die Mutter ist, das rechte niütterl che Gefühl den Schülern entcegenbritraen könne. Diese Beweisführung widerlegen all die Lehrerinnen, die auch heute mtt mütterlicher Hand ihre Kinder sich­ren. Jeder von uns kennt solche. Und g:bt leibliche Mutterschaft wirklich die Gewähr für echte, rechte Müt­terlichkeit? Wer möchte ein unbegrenztes Vertrauen in die Mütterlichkeit der Lehrer n haben, die ihre eige­nen Kinder in fremde Hände gibt, um ein viel weni­ger tiefgehendes Erziehungswerk an Fremden zu üben! Und wer kann verhüten, daß diese Lehrerin-Mutter auch in der Schule von ihren Haussorgen in Anspruch genommen, von ihren leicht überreizten Nerven ge­plagt wird zum Nachteil der Schüler? Jene Lehrerin dagegen, die mtt ganzem Herzen bei „ihren" Kleinen ist, der die Schule Lebensinhalt bedeutet, wird die ganze Liebes- und Opfertätigkett ihres Frauenherzens dort ausströmen lassen. Sie allein wird auch Zeit und Kraft haben, weiter das begonnene Erziehungswerk zu fördern in der Jugendpflege.

Heimweg anzutreten.__________________

Bus Mche und 5ämle.

* Hirtenbrief der deutschen Bischöfe gegen die öffenl iche llnsilllichkeit. Die deutschen Bischöfe haben am Feste Allerheiligen ein gemeinsames H rtenschrewon erlassen, das am 14. November von der Kanzel^aus verlesen werden soll. Diese Kundgebung nimmt Stel­lung gegen die öffentliche Unsittlichkeit, gegen die in den Jahren 1908 und 1913 gemeinsame Hirten­schreiben der deutschen Bischöfe ergangen sind. Frecher als je habe das Laster feine schmachbedeckte Fahne ent­faltet und führe schamloser als je in der schlechten Presse das große Wort, begrfere auf dem Theater und im Kino kne reine Sitte, die Heftigkeit der Ehe und das Heiligtum der Farniüe mit geilem Hohn und Spott. Einem armen, halbkranken, ausgehungerten Volke spiele das Laster Tag und Nacht zum Tanze auf und beute selbst tri» Schmach, den Hunger und die Blöße des Volkes zu seinen schändlichen Zwecken aus. Es sei so weit gekommen, daß man öffentlich und unge­stüm Straffreiheft verlange für Verbrechen gegen das keimende Leben im Mutterschoße, vor denen die mensch­liche Natur zurück'cheute und die b'sher mtt strengen Strafen belegt waren. Straflos solle in Zukunft der Kindermord in das Heiligtum des Mutterschoßes ein­dringen, di? Famile entweihen, das Eheleben ver­wüsten dürfen. Die Folgen für solchen furchtbaren sittlichen Niedergang seien schwer gewesen. Darum müsse die Unzucht geflohen werden. In dem Kampfe grgrrt die Unzucht falle den katholischen Männerver- einen de Aufgabe zu, als zuverlässige und ehrenomt» liche Sittenpolizei einzuschreiten gegen die Auswüchse der öffentlichen Usssittsschkeit, der Schmutzl'teratur, der Theater, der Kinos und der Schaufenster. Die Frauen, die im katholischen Frauenbünde eine achtunggebietende Oraanisat'on besäßen, hätten in der katholischen Welt aufzuräumen mit der unanständigen Kleidermode. Auch Jünglings- und Iungfrouenvereine und -kongrego- tionsn und die Müttervereine sollen sich am Kampfe gegen die Unsittlichkeit beteiligen.