kreis und die Stadl Fulda.
Amtlicher Anzeiger für den
Donnerstag, 11» Tloo. 1920
Nr. 262
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dem Messer. Denn es hatten sich ihre Rostock verirrt, in das Hasselbachhaus. Gesicht kam ein gequälter, angstvoller jedesmal, wenn sie daran dachte. Ach,
Dann fuhr Rübennapf und Gedanken nach In ihr blasses Ausdruck. Wie
Wo der Ahne die Wintersonnenwende kn stiller Andacht beging, wie seine Dorfahren es schon getan, als sie noch in heidnischem Unverstand dein Lichtgott Baldur ihre Opfer brachten, statt dem Iesnskindlein in der Krippe zu Bethlehem. Aber immer war Weihnachten ein Fest der Liebe und der Freude gewesen, wo jeder bestrebt war, es dem andern so licht und sonnig wie nur möglich zu gestalten.
Heilwig fuhr sich über die Stirn. Wann mochte Weihnachten fein? Es war hier in der Einsamkeit und
Schon bei den ersten Worten der andern war Heil» I wig zusammenqefahren und hatte jäh den Kopf gehoben. I Run sanken ihr die Hände mit dem Mesier vor stillem j Erstaunen müßig in den Schoß. Dor ihr in der Mitte I des Gemaches stand breitspurig in hohen Männerstie. I sein, die man deutlich unter dem Saum des kurzen I Rockes heroorblicken sah, eine breite, stattliche Fronens- I person. Oben trug sie eine enganliegende Pelzjacke, und I auf dem kurz geschorenen Kopf eine hohe Mütze aus I ebtfe- 'chem Pelz. Sie warf die biegsame Reitgerte, die I sie Xu oer rechten Hand gehakten, auf den groben Holz. I tisch und kam näher an Heilwig heran.
„Nun sagt mir aber erst, Frau, wie Ihr heißt und I ob Ihr noch arge Schmerzen an Eurer Wunde habt." I
Heilwig hatte sich von ihrem Erstaunen erholt und I sah der anderen prüfend ins Gesicht. Das war breit I und wohlwollend, und in den kleinen grauen Augen I lag eine große Güte. Da faßte sie Derttauen zu der I Fremden.
.Ich heiße Heilwig. Und bin mm fett einigen Ta- I gen außer Bett, dieweil die Wunde und das Fieber I besser sind." i I
Brigitte Moensleben hatte sich einen Stuhl herangezogen und Heilwig gegenüber gesetzt.
„Hm, aber verteufelt schlecht seht Ihr noch aus, Heilwig. Gut, daß ich Euch gleich etwas Wein zur Stär- kung mitbrachte von Wolde her. Und nun zeigt einmal Eure Schulter. Ich habe auch frisches Linnen zum Verband in der Tasche."
Sie untersuchte sorgfälttg und mit kundiger Hand die Wunde.
„Es scheint alles gut verheilt. Die alte Dogtin ver- । steht sich auch auf dergleichen Dinge. Mutz aber ein ! gehöriger Hieb gewesen fein. Doch mein ich, Ihr habt, ■ bei uns in Wolde besseren Aufenthalt wie hier. Ihr ! solltet mit mir' herüberkommen zu Frau Gödel." I Heilwig sah erschrocken auf.
„Bin ich nun alleweil eine Gefangene der Maltzane? Kann ich nicht heimgehen, sobald ich Kräfte genug dazu habe?"
Brigitte lachte.
und sie wollte nicht daran denken! Jetzt nicht! Denn das machte sie müde und krank. Und sie mußte doch gesund werden. — so bald — so bald. Damit sie heim- kehren konnte zu den Hassekbachs und ihr Wort einlösen. Damit Elisabeth wieder lachen und Hochzeit machen konnte.
Ob sie wohl wußten, wo sie war? Aber dann hätte doch jemand einmal nach ihr gefragt. Oder ob sie meinten, daß sie tot sei?
Ob Fridolin Lämmerzahl noch lebte? Oder auch I bei dem jähen Ueberfall getötet war? So fragte sie sich I wohl hundertmal am Tage, und war doch niemand da, I der ihr darauf Antwort geben konnte.
Jetzt klangen Pferdehufe im Schloßhof. Aber nur weich und gedämpft durch den Schnee.
Heilwig beugte sich tief über ihren Napf und eine jähe Glut sprang ihr in die weißen Wangen. Da biß sie die Zähne zusammen und sah finster drein. Denn warum war ihr so wunderlich zumute mit einemmal?
So ttoh und weh zugleich, daß sie sich selber nicht ! kannte? _
I Ein schwerer, klirrender Schritt kam die Wendeltteppe | herauf. Und dann ward die Tür mit hartem Griff auf- I gestoßen.
Jetzt war aus Heilwigs Angesicht alle Farbe gt- ''wichen, aber sie hob den Kopf nicht.
„Ra, da sitzt ja das arme Weibsbild und macht ein Gesicht wie Weißbier und Kuhkäs. Holla, Frau, laßt doch mal die Hände ruhn und schaut mich an. Bin kein \ böser Feind, sondern bloß die Brigitte Alvensleben, die 1 nach Eurer Wund« schauen will."
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda - ,
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(lepbrette) 1.80 Alk., u. 10% Äufch^E^^iederhoURabatt. j
nichts zu leide in Wolde. Im Ge»
LMtrögsichkeftsn ausgesetzt, daß der Verkehr lahm- gdegt, daß die Arbettsmögftchkeit von Tausenden un« verbunden, daß die Stadt ht Dunkel gesetzt und der großstädtische LmrhagSl und das Gesindel zu seinem lichtscheuen Treiben geradezu herausgesordert wird, die .Kranken rücksichtslos ihrem Schicksal überlassen bleiben müssen und schließlich das ganze Reich zu all fernem Jammer in neues Leid und neue Milliarden, verlufts gestürzt wird. Deshalb ist die Verordnung eine Notwendigkeit, es siegt ihr seLstverständlich jede femdscftge Gesinnung gegen die Arbeiterschaft oder gegen die Gewerkschaften fern. Es darf im Gegenteil angenommen werden, daß gerade die Gewerkschaften für diese Verordnung Verständnis aufbringen werden. Vielleicht wichtiger als die Strafbestimmung, die sie «AM, ist die nunmehr gegebene Möglichkeit, die Ausführung von Notftandsarbeiten und das Einsetzen der technischen Nothilfe mich ohne Zustimmung einer ra- dkkolen Stadtverwaltung erfolgen zu lasten. Besonders erfreulich ist, daß, wie man aus Berliner Blättern erfährt, auch die preußische Regierung m3 dem Vorgehen der Reichsreglsrung einverstanden ist, daß sie an allen Beratungen teilgenommen und daß
Stille jedes Matz für Zeit und Tag entschwunden.
' ' sie auf und griff wieder nach ihrem
„Wir tun Euch
genteil besser und behaglicher hättet Ihr es dort als
Das Schwert vrm Therle.
Roman von öeonttne von Winterfeld-Platen. 20] _________
Heilwig hatte feit etlichen Tagen ihr Lag« verlassen können und schlich nun im Nebengemach der Bootsleute matt von Stuhl zu Stuhl. Sie wollte so gerne der Logttn helfen und sich ein wenig nützllch machen, aber die Kräfte waren noch zu schwach von dem langen Krankenlag«. •
E- war an einem Hellen Wint«morgen. D« Schnee sag hoch und warf ein miDes weißes Licht durch die schmalen Gitterfenster in die Dogtstube,1 die sonst so trübe und düster anzuschauen war. Es war, als fei irgendwo ein Licht entzündet worden, und war doch «st Vormittag, -und die bleiche Wintersmme stand hinter einem Nebelschleier am Mafien Himmel. Es mußte wohl b« Schnee sein, der solch wunderbares, starkes «änzen schuf.
Heilwig saß auf einem Schemel am Herd und hatte einen Napf auf den Knien. Sie schabte Rüben zum Mittagimbiß. Ganz leise knisterte das Feuer im Herd, und der alte, schwarze Kater der Vogtsleute schnurrte kn ihren Füßen.
Die traumtiefe Stille ringsum umspann Heilwigs Seele mit leisem Zauber. Sie ließ die fleißigen Hände Schoß ruhen und lehnte den Kopf zurück an bte Wand. Die schwarzen Flechten hingen ihr rechts und links über die Schulter herab auf das dunkle Gewand, b°s ihr die gute Vögtin geborgt, da Heilwigs Kleid so u»n Blut und Erde verdorben gewesen
Der üchte Widerschein der glänzenden Schneedecke da draußen weckte füge Erinnerungen in Heilwigs seele ihre Kinderzeit daheim im hohen Norden -ck>o die ®rfiber das heilige Weihnachtsfest mit fröhlichem Iul- Sapp») feierten und sie alle sich gegenseitig beschenkten
*) Eine heidnische Gebräuche Übernchmende WA- nvchisscier in Pommern und Mecklenburg. Dett^>ck
die Weihnachtsgeschenke in unzahlrge Hullen em, fchreM aus jedes Paket den Namen der Person, für Ke es beffamnt ist, und läßt es dann von lemartb ut bag. ö«n* «*r werfen, worin sich der ober die zu Befchmkmde be- finbet. Da der Uebcrbrinner oft, auf dem „Ällbock (i j Etsermmchche Wort „Jul" bedeutet Freude Schen> «»• tatb,. hsst^ an {>tg Türe, klopft, ehe er bas Geschenk hm- Euvvirst, wird es „Sufflapp" genannt.
Schutz der l§ds?rMs1wsnÄigert Bstrrebe.
Der wilde Breit der Berliner Elektrizi- lätsarbeiter lM gezeigt, daß es im allgemeinen Interesse Deutschlands Zeit ist, gegen Feinde der St» ^heit und des Erwerbes der Nation Front zu machen. Auch für unsere auswärtige Polittk find die Ser» foer Vorgänge verhängnisvoll. Wenn draußen bte Miimng verstärkt wird, daß Deutschland dem Bolschewismus verfallen fei, so wächst denen der Mut, die uns das Leben nicht gönnen. Auch das neue bestür- -ende Sinken der deutschen Valuta ist zu beachten.
In Erwägung dieser Umstände hat sich das Reichs- tabrnett entschlossen, dem Reichspräsidenten den Erlaß rmer besonderen Verordnung zu empfehlen. Mse wirb auf Grund des Artikels 48, Abs. 2 der Neichsverfassung erlassen, nach welchem der Reichs- Präsident, wenn im Deutschen Reich die öffentliche Sicherheit und Ordnung erhMich gestört oder gefährdet wird, die zur Herstellung der öffentlichen Ncherheit wÄ Ordnung nötigen Maßnahmen treffen, erforder- ldhensalls mit Hllfe der bewaffneten Macht eirrschrei- ten kann.
Aus Emrck) dieser Ermächtigung hat der Reichspräsident unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers eine Verordnung herausgegeban, welche erklärt, daß in den Betrieben, welche der Bevölkerung Gas, Wasser unb Elektrizität liefern, Aussperrungen ,unb Streiks unter Nichtachtung des zuständigen Schttchtungsausschufses strafbar sind und zwar außer mit Geldstrafen bis zu 15 000 M auch mit Gefängnis. Wird em Schlichtungsausschuh tmgeru- fett, barm darf erst drei Tage nach dem Schiedsspruch bte Arbeit nieder gelegt werden. WÄter soll der Resths- fmmifter des Innern auch befugt sein, die Arbeftgeber zur ErMmrg berechtigter Wünsche und Ansprüche der ^Arbeiter anzuhalten, um dadurch den Streif zu verhindern. Schließlich wird verordnet, daß bei der Still- tegtma von Betrieben der genannten Art der Reichs- ncktister des Innern das Recht erhält, die Notstandsarbeiten zu sichern und di» dazu erfor- dttlickfen Maßnahmen zu treffen. Arbeiter und Ange- stellte, die tn Beachtung dieser VestimmungM die Arbeit weiter fuhrm oder NotstandsarbÄ keiften, dürfen des- wegen in keiner Weife benachteiligt werden. Die Ser« Kgimg tritt sofort in Kraft. Die Kosten der Aus- führung dieser Bestimmungen fallen den llnternch- tmingen zur Saft
Des weiteren bebanbelt ErnährumisnibckfterDr. Her- me« bie Frage des Grenzschmuggeis. -Der lesuys- regiemmg fei beka-rmt, daß an der holländischen Grenze om Idatier Schmluggsl ftottfinbe. Die Rhenckcawttmmckfsion habe sich mit bttVewaffmmg von wmter«, 75 M«m zm Setftäriung der Grenzkontrolle mll KarabmE mrd Re- volvem einverstanden erklärt. GeschmuAgelte Ware merte ohne EnffchBchpmg für verfallen erklärt. Der Minffta machte dann darauf aufmerksam, daß, vom ^re.chsernah rrmgsmimfterium verschärfte StrafbeskmmungM für unerlaubte Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände iteplant^ feien Der Minister teilte ferner md, daß ine Einfuhr» bewilligungen für Schokolade ^grMrdsäßi'ch nicht er- teilt würden. Die Einfuhr von Kabaobohner' sei ster, rckt denen unsere deutsche Industrie genügend SchottckÄe selbst Herstellen könne unb wolle.
Deutsches Reich.
* Berlin, 10. Nov. Das preußische Staatsmini- stermm hat dem Entwurf eines Gesetzes betr. die Erhebung einer vorläufigen Steuer oom Gr»nd- befitz zugestimmt. — Bon Genua her sind in MÄr» chen etwa 50 aus Deutschostafrika ausge« wieseneFrauen und Kinder m zfemftch erschöpfe fern Zustande eingetroffen. Sie wallten, nachdem ihre Männer bereits vorher ausgewiesen worden waren, chre Farmen weiterbewirischaften, was ihnen aber von den Engländern nicht gestattet wurde.
c Beträchtliche Nenforderungen der Beamten. Wie wir hören, sind die Beamtenorganisationen mit beträchtlichen Forderungen bezüglich der Teuerungszuschläge an den Reichstag herantreten. Nach § 17 des Besoldungsgesetzes wird bekanntlich den Beamten ein veränderlicher Teireruugszuschlug gewährt, dessen Art und Höhe durch den Etat bestimmt wird. In § 10 des Etatsgesetzes für 1920 ist nun dieser Teuerungszuschlag auf 50 Prozent festgesetzt worden. Die Beamtenverbände verlangen dem gegenüber eine wesentliche Erhöhung, weil weite Schichten der Beamtenschaft nicht im Genuß des Existenzminimums seien. — Bei der mißlichen finanziellen Lage des Reiches bereiten diese Forderungen^ naturgemäß erhebliche Schwierigkeiten, aber man muß zugeben, daß tatsächlich ein Teil der Beamten unter den. heutigen Berhäftnissen nicht über da? Existenzminimum verfügt.
♦ Merkwürdiges aus dem preußischen Snferrlchks- ministerium. Wie die „Köln. Bztg." mitteiü, wurde der Lehrer Rübensttunk in Elberfeld, ein «ferner Sor. derer der freireligiösen Schulgemeinden, durch Erlaß des Ministers Hönisch auf seinen Antrag hm beut- laubt zum Zwecke der Propaganda für ine f m religiösen Schulgemeinden im Saargebiet Die Gessenkirchener Schuldeputation hat es abgeiehnt, dem Lehrer für die Zett der Beurlaubung sein Gehalt wetterzuzahlen. Das finden wir ganz in der Ordnung. Interessant wäre es nur zu erfahren, ob es auf Wahrheit beruht, daß der Minister auf em erneutes Besuch hin dem Lehrer eine beträchtliche Summe als Unterstützung überwiesen hat. Würde der Minister auch einen ! Lehrer beurlauben zur Propaganda für die konfefsio. nelle Schule und diesem Lehrer auch eine Unterstützung zuwenden?
* DK thüringische Landesregierung. Am Mittwoch wurde nach fünfstüMger erregter Debatte die Regte- nmgsMmng für Thüringen vollzogen. Gewählt wurde die sozialdemokratische Liste mit Hilfe von vier Demokraten und Unabhängigen, die Kommunisten verhielten sich neutral, die Rechtsparteien stimmten dagegen. Ws neue Regierung für Thüringen setzt sich zusammerr aus den Herren: Dr. Paulsen (Dem.), Dr. Benz | und von Brandenstein (Parteilos), Fröhlich (Soz.), I Hartmann-Rudolstadt (Soz.), Dr. DielselÄ-Sonders- I Hausen und Prosessvr Krüger-Gotha (Dem.).
Die «Srnndzögr der bayerischen Politik. 3m bayerischen Landtag hielt Ministerpräsident v. Kahr ! am Mittwoch eine großangelegte Rede über die Grrmd- züge der bayerischen Politik. Der wichtigst Taft der Rede galt der Frage der Einwohnerwehr. Danach hält die bayerische Regierung zwar mit großer Entschiedenheit an der Unentbehrlichkeit der Einwohnerwehren fest, will aber über diese Frage keines Ms ine Einheit und itzn BOand des Reiches
Ein Trupp von gegen 1000 demonsttierenden Arbritsw- I fen und Straßenbahner drang tn das >n Nordck^) r i tottenburg gelegene Grundstück der großen Gewehrsairck von Ludwig L o e w e ein, ine eine eigene elertrtsche I Anlage hat. Sie besetzten die Kraftzentrale demolierten die Kessel und Legten so das ganze Werk, das ub r 3000 Arbeiter beschäftigt, still. Hierbei kam es zu Streitigkeiten zwischen den Demonstranten und den durq die Zerstörung zum Feiern gezwungenen F?.brckarbe,. tern Erst jetzt erschienen Lastautos md Sicherheitspolizei, um das Gelände zu säubern . .. j
Aehnlich drang eine große Anzayl fretnber Llrbeiter I in die Gasanstalt IV in der Danziger Straße em und verlangte nochmalig« Abstimmung über den Streck. Dem gewaltsamen Drangen wurde nachgegeben: das Ergebnis lautete aber gegen einen Streck, ^urze I darauf erschienen etwa 2000 Arbeitslose m der Gas. anstalt, setzten den Betriebsrat ab und wählten sofort | einen poltttschen Arbetterrat. Nach Beendigung dieser Wahl wurde der Streik proklamiert. Spater haben jebod) die Arbeiter der Gasanstalt den pottwchon Arbetterrat abgesetzt und Me Arbeit wieder ausgenommen. „ I
In das Verwalttmgsgebäude der Berliner Organisatton I des Deutschen Metallacketterverbandes drang eine Anzahl Kommunisten und Arbeiterunionleute em mÄ verlangen von der Organssattonsleitung, daß sie den Generalftteck proklamiere. Als das abgelehnt wurde, wurden bte Re» I vvlutivnäre tätlich und mußten $tmt Hause M«us- oeroorten werden, was um fo leichter gelwng. als sre sich vor einem ihnen vorgehaltenen Revolver mutig zurück- I zogeii. __________ ___________
Deutschlands Ernährunaslage.
Der Reichsminffter für Ernährung und Landwirtschaft, Dr Hermes, berichtete Dienstag tm H-ouptausschuß des Rrichstages griegenSid) der Beratung dos Etats seines ! Ministeriums eingehend Über seine Ernahrungspoittik. Ms Grundsätze seiner Politik gab er Steigerung der Pvodmk- timt und Lockerung der Einsichr an. Die Zwangswirtschaft sei prvdukttonshsmmend und stände zmn größten Teil auf dem Papier, darum fei fk M beseitigen. Der Minister gab dann einen Ueberlckick über den
Stand der Getreideversorgung.
Das Ergebnis der Getreideablieferung fei durchaus unerfreulich, fk fei in den letzten Wochen
I stark zurückgegangsn. Gegen 1032 645 Tonnen <®t 8. mo< I vembor 1919 feien um dieselbe Zeit 1920 mir 622 073
Tonnen abgeiiefert worden. Die Regre-nmg wird ksm Mittel unversucht lassen, um zu erreichen, daß die Land- I wirte ihrer Ablieferungspflicht besser Nachkommen. In I Draußen sollest die Leiter der Kommunalverbände, weiche schlecht abgcii eferi»haben, dem Staatskommissar persönlich I verantwortlich fein. 3n der Neufassung der Reichs- I gstrerdeordnung sollen auch härtere Strafen em- j geführt werden für Schwarzmahlen, vor allem aber I für Verschiebungen ht das Ausland.
I Die Kormmmaiverbände find bis 15. November ver- forgt. Tatsächlich sollen jetzt 2000 Tonnen Inlands-
I getreibe und 10 000 Tonnen Ausland sgetreide oimgehen, I das ergäbe am 31. Dezember einen Bestand von 950 000 I Tonnen. Damit mär» dis reine Brotverf orgung I bis Ende März gesichert.. Mit item übrigen I noch anzukaufenden Auslandsgetreide und dem noch ein» I gehenden Äckandsgetrewe ist aber der übrige Getreide- | bedarf noch nickst ausreichend gedeckt, fondsrn muß durch weitere Ankäufe beschafft werden. Der Mtmster kündigte
I darauf die (Einbringung der Forderung für die Bereit» I stellung der Mittel an und gibt der Usberzeugrmg Aus- j druck, daß die BerbMigungsMion für Brot einftroetten I fortbeftchsn müsse.
Der Minister erörterte weiter die Frage der Fkekf ch» I verforanng und gab einen lleberöttd über die Bestände. Bezüglich des Zuckers könne er nur erklären, I daß die Derottfichafiung beibchalten werden müsse. Der I Ertrag an Zuckerrüben fei gestiegen. AusfühMcher be» I handelte der Minister die Frage der Düngemittel. I Es fei ein unerttäglichsr Zustand, daß wir große Sager I hätten, daß aber die Aecker leer feien. Eine einfache Ser« I bfffigung fei nicht möglich, weil keine Gegenleistung vor- I Händen fei. Man müsse die Möglichkeit eines anderen I Verteilungsmodus und eventuell eine stärkere Heran» I zichung des Handels ins Ange frstfen.____________________
i hier.
j Heilwig atmete schwer.
• Mortjetzung folgt.).
Deutschland und die Entente.
linlerzeichnuW des Danziger Vertrages.
Die Vertreter der freien Stadt Danzig haben am Dienstag nachmittag den Berttag mit Polen sowie ms Grürchtmgsakte und em Zusatzprotokoll urchorzetch^ not. Die Gründungsakte enthaft vier Artikel und bestimmt, daß die freie Stadt Daitzig vom 15. Rovbr. ab konstituiert ist. Dos Zufatzprotokoll fetzt fest, daß! die freie Stadt Danzig berechtigt ist, sich in allen dm Artikel 108 des Versailler Vertrages betreffenden Fragen unmittelbar mit btt Botfchafierkonferenz in Ver^ biirbtmg zu fetzen. Damit ist ein Wunsch der Danze ged erfüllt worden. Artikel 108 betrifft den Umfang der finanziellen Lasten, die die freie Stadt vom Deutschen! Reich und vom Staate Preußen zu übernehmen hat. — Die unverschämtesten Anforderungen der Polen sind m dem Berttag nicht enthalten, aber man ist ihnen doch etwas entgegeugekommen. Die VerWaltung des^ Danziger Hafens ist den Polen nicht zugestanden worden, aber die Idee einer Kommission, die aus polnischen und Danziger Firmen bestehen wird, wurde bei-! behalten, sowie die Entscheidung eines sthweizerifchen Schiedsrichters für den Fall, daß zwischen beiden Parteien ein Konflikt entstehen sollte. Ferner hat man Polen einige Zugeständnisse hinsichtlich der polnischen HandelsmMine gemacht.
Die polnische Delegation hat bis jetzt weder den ! Vertrag noch die Gründungsakte gezeichnet.
Das Ruhrgebiek.
Paris, 9. Nov. Sm Nationalrat des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (C. G. T.) erklärte der aus dem Ruhrgebiet zurückgekehrte Gewerkschaftsführer Iouhaux, die Delegation habe feststellen können, daß die in Spa übernommene Verpflichtung, die Ernährung der Bergarbeiter zu verbessern, nicht gehakten worden sei. Die Delegation der gewerkschaftlichen 3m I temationate vertrete die Ansicht, daß die ev. Besetz, ung des Ruhrgebiets durch die Truppen dex I Entente durch nichts gerechtfertigt wäre.
Verantwortlich für Den reoadtoneöen Teil: Karl Schutte, n für die Anzeigen: I. ParzeIter-Fuida. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckrrei in Fulda, rirn'pcecher Nr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung
sie, also auch ihre sozialdemokratischen Mtglieder, alle | Maßnahmen für erforderlich und wünschenswert ex- klärt haben. ___
®ie Streiklage in Berlin.
Auch nach dem Ablaiff des Revoluttonsfeiertags I ist die Lage des Verüner Elektrikerstrells unverändert geblielien. Am gestrigen Mittwoch fuhren | keine Straßenbahnwagen, da sich die Straßenbahn^ mit den Elektrikern immer noch solidarisch fühlen, doch hat die Hochbahn ben Betrieb wieder aufgenomtrrcn, und tnnf) die Stadtbahn verkehrt. Wann die Arbeit mm den Elertrizitätsarbeitttn wieder aufgensmmen wni>, steht noch dahin. Die Verhandlungen, die Mischen den Beauftragten der Elektrizitätsarbeiter und dem Berliner Magistrat stattsanden, führten zu fernem Ergebnis. Es haben nun Verhandlungen begonnen, an denen außer der Vertretung der Streikenden Ober- I bürgermeister Wermuth, Polizeipräsident Richter und der Vorsitzende der Berliner Gewttkschaftskommiifton Sabath teilnehmen. Die Elektrizilütsarbeiter werden dabei wiederum von dem Kommunfften Sylt vertreten. Ein Ergebnis hatten sie bisher noch nicht. Ueber- dies wird immer fraglich bleiben, ob die Vertreter der I Streitenden irgendwelche ©arantie dafür übernehmen können, daß neue Vereinbarungen, wenn solche abgeschlossen werden, von ihren Auffraagebern auch ein- gehalten werden. Die Hetze der rvdikal-k ommu- nistischen „Betriebsorganisation mocht sich in dieser Richtung in steigendem Maße bemerkbar. Die Betrieb sorg« msatton setzt sich ans politischen Arbeiterräten zusammen und soll das Gegengewicht i zu den wirtschaftlichen Betriebsräten bilden. Die Zen- i träfe der Betriebsräte, der ehemalige Rote Vollzugs । rat, erläßt gerade jetzt einen Aufruf, m dem es sich bestätigt, daß der ursprüngliche wfttfchaftliche Kmnpf sich M zu einem großen politischen Machtkampf auswächst.
Den Devkintt ElektrWStsavbeitsm sich mich me Gasarbeiter in Charlottenburg «nb Tegel <m- aeschlosstti, während die ElekirMötswerke tn den ivest- ßchen Bezirken brefen imfmnigen wÄdm Streik nicht mn- miMen. Die Dechcmdlungen mit den Arbettervenrelem des Gaswerkes Tegel hatten zu einem befriedigenden Er- grfmte geführt, sodaß mit der Wiederaufnahme der Arbeit gerechnet werden konnte. Wider alles Erwarten-verharren Mich die Ausständigen, wahrscheinlich unter dem Einfluß radikaler Elemente, weiter im Streik. Auch tm ' Gaswerk Chorfvttenburg strecken tröe Belegschaften roeiter.
Die aussichtslose l8cNeralsttesk» Dirroke.
I Die kam-rnmlstffche Arbettevpartel und Me Arbeiter. Union Hoden in verschiedenen Stadtteilen Berlins Plakate ortbrmgen lassen, in denen mt einem Generalstreik aufgefordert wird, diese Aufsorderung ist aber nirgends befolgt woidvn. Nicht nur bte MchrhettsfozioWm, fon- bern auch der rechte Flügel der Unabhängigen hält die ganz« Bewegimg für verseh ft. Sogar das Zentralkomitee l des linken Flügels der Unabhängigen hat an feine Mit» glieber einen Aufruf erlassen, worin es sich gegen die Grneoalftreflshetze wendet und dagegen Protest erhebt, daß
I fehle Unterschrift unter die Plakate gesetzt warben ist.
6ine Aufforderung des Magistrats zur Arbeitsaufnahme.
Der Magistrat hat cm die Arbeiter eine Stafforberuny 1 erlassen, wonach sie je rmch dem Schichtwechsel bis heute I vormittag 11 Uhr ober 2 Uhr nachmittags die Arbeiten I in vollem Umfange wieder a-uszimehmen haben, n>tätigen» I falls sie enflafien find. Die Reichsregiermig wird das I Ergebnis des Uktimattrms des Berliner Magistrats ab» I warten, ehe sie auf Grund der neuen Derordmmg zu I Maßnahmen schreitet.
StrestousschrestuWen.
I Arn Mittwoch kam es in Berlin an zwei Stellen zu I groben Ausschreitungen Arbeitsloser und Stteikender.