Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
47. Zahrg,
Mittwoch, $0. November $920
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Sezazspreis: Monatlich 3,00 Mt. ohne Zustellgebühr. InFu-do bei unsudgeholt 3,15 Mt. Anzeigenpreis: DieKieinzeiie So oneimoB) 60 p,g„ n. 1O°|» 3u|d)lag, die Aeklamezeile (Tephrette' 1.80 Htt„ u. lS°-° Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
IihreStag der R-Volulion, ist, soweit sich bisher überleben läßt, im allgemeinen ruhig verlaii- fen. Kn Berlin streikten zur Feier des TageS auch noch di- Hochbahner — die Straßenbahnen _ waren ja an und für sich schon durch den ElektrizilätSsireik stiNgelegl — während die Stadtbahn verkehrte. Die Zeitungen eikch enen nicht. Die preußische Staats regiernng hotte ebenw wie die Ni'icksregierilna an- geordnet, daß in den Staatsbetrieben regelmäßiger Dienst zu tun ich eine Anordnung, der im allgemeinen Folge celeiste, worden ist. Die bayerische Regierung hatte jede Feier am 9 Nov. verboten. In Sachsen war der Tao dagegen offizieller Feiertag, trotzdem wurde fast überall gearbeitet. Buch in dem wnst so radikalen Braun chweig wurde dem Aufruf d-r ozialistischen Parieren und de? GewerkschastSkartells an die rrvolnrionäre Arbeiterschaft zur AndeitSiuhe
Deutsches Reich.
* Berlin, 9. Nov. Der Reichspräsident hak am Montag die Gesandten von Uruguay, von Schweden und von Norwegen empfangen. — In Portugal hat der deutsche Gcsmchte Dr. Voretzsch dem Präsiden- ten der Republik sein Beglaubigungsschreiben überreicht, der neuernannte Gesandte für Deuischlcmb, Lam- bertmi Pinto, ist nach Berlin abgereist. — Auf die Gerüchte über ehw große deutsche militärische, Hilf« für Litauen hin, hat der litauische Außenminister mitgeteilt, daß im ganzen etwa 200 Ostpreußen sich zur Aufnahme in das litauische Heer gemeldet hätten; sie feien aber alle abgewiesen worden. — 3m Reichsarbritrministerium ist mit den zuständigen An- peftellkenvrganisationen ein Reichsmanteltarif für die Reichs- und preußischen Staatsange st ellten aboefckrlosien worden. — Der ulte Plan einer Städtebohn Köln-Dortmund ist wieder ausgenommen worden. _ „
--- Re6e*poiiti! im 8eich«t<M.Aurich»tz. Im Haupt. auSschutz deS Reichstags wurde am Montau über die Entschädigung für die früheren Elsaß-Lothnn zischen Beamten verhandelt. Die Regierung gab ent zec en- kommende ErUSrungen ab. — Bei der Besprechung der EntwaffnungSfrage gab der EntwaffnungS. kommissar bekannt, daß biSber 12 214 Maschinen« gewehre und I 824187 Gewehre abgeliefert worden sind. DaS @r ebniS wurde allgemein als günuig bezeichnet und die von der Neuerung für die Durch- führung der Entwaffnung geforderten zwei Millionen wurden bewilligt. — DaS Derlanren de Entente auf AuSlieferuni von 810000 Milchkühen wurde als für ungezählte deutsche Kinder totbrin end bezeichnet. Die Neuerung versicherte, daß die Ziffer 810(>00 nur die Endsumme der in die vorläufi'en Li n der Entente auf genommenen Kühe bedeute und hör, eme amtliche Mitteilung auf Herausgabe dieser 81000-0 Milchkühe bisher nicht ringe angen ist. Sollte diese Forderung tatsächlich gestellt werden, so würde di-S aUerungS eine ungeheure Härte bedeuten. In der AuSsp i hr wurde weite, gefordert, daß Redner aller Paric-cn immer wixver die Forderung der Revision des Friedens. Vertrages in aller Deutlichkeit erheben. Nur dieses ständige Br'onen und Wiederholen der U i.urchsühr» barkeit deo >e-trage? könne die Atmosp'-ä e schaffen, die nötig ist. ::<n die Revision deS Dertra es auf fried- lichem Wege -u erreichen. Die Sozialdrmokraten aller Richtungen stimmten in der Notwendigkeit der Vertrags» revifion mit den anderen Parteien überein, bezweifelten aber die Möglichkeit einer einheitlichen Vorgehens. Im weiteren Verlauf der Beratung kamen auch die uner» trägllchen Zustände deS Schmuggeluuwesens an I der holländnchen Grenze zur Erörterung. Die Bera- | runa wurde am Dienstar fortgesetzt. Ein Antrag der , Unabhängigen, die Sitzung wegen der RcvolutionSfeier ' ausfallen zu laßen, wurde abgelei
in einem Wirtschafllich rui n • r en Lande ihre Kehrseite habe. Von dem sozialisierten Bergbau keineswegs bloß gute Wirkungen zu erwarten,
„Also em Meid kein ist» geworden! Hm, hml Und mein Bruder hat sich so sehr einen Sohn gewünscht, dieweil er kühne und hochfliegende Pläne hegt für des Geschlechtes Zukunft."
In diesem Augenblick kam Brigitte Alvensleben her- ein,, eine dampfende Schüssel in den Händen. Die stellte sie mit kräftigem Stoß vor Otto Maltzan auf den Eichen» tisch unti stemmte dann beide Arme in die runden Seiten.
„Also ich will dies unsinnige Geschwätz über das arme Maidlein nimmer hören, Herr Otto. Statt sich zu freuen, daß meine arme Gödel ein gesundes Kind geboren hat, fängt jeder an zu jammern. Sollt Euch schämen, allesamt! Wo soll man denn die Maidlein hernehmen, wenns allweil nur Buben regnet vom Hirn, mel, he? Würdet Euch schön umgucken, ihr jungen Leut im Land, wenn'» keine Dirnlein mehr gäbe! Alio ich will kein ungutes Wort mehr hören über Frau Göde'.s Töchterlein. So, nun etzt Eure Abendsuppe, Herr Otto. Wann Ihr wieder so spät heimkommt, kriegt Ihr sie aber kalt."
Die beiden Männer lachten und Otto griff nach dem hölzernen Löffel.
Es war Brigitte Alvensleben Wittern nicht fo ernst zu nehmen. Sie kannten das schon an ihr. Sie war eine Schwester von Frau Gödels Vater, dem alten M- venslcben, der in d-m'elben Jahre zu Hundisburg ge. starben wer. Da auch Frau Södels Mutter nicht mehr lebte, so hatte sie dir iu^ge Nichte allzeit betreut und war auch zu ihrer D ocherpflege von Brandenburg nach Wolde gekommen. Da sie in ihrer Jugend in e cm bayerischen Kloster erzogen worden, so fanden sich in ihrer Sprechweise oft bayeri-che Dröcklein. die den Met- lenburgern fremd erscheinen mußten. Sie war c er überall wegen ihres derben, gesunden Menscher.vorsla:■ des gern gesehen und in Schloß Wolde hieß sie nur „die fidel» Bri'itt."
x ei« fetzte sich ein wenig.zu den beiden Mm u d lehnte sich schweratmend zurück, die Hände über de - ■?..b gefallet, den eine schneeweiße Krausenschürze um-- schloff.
„Ah, dos tut gut, auch einmal ein wemg schnauben! 's ist doch halt immer viel Geläuf um so em kleines
Der Berliner Streik.
Die Verhandlungen mit der Streikleitung und den etrbeitervertretern smd gestern abend abgebrochen wvr- und sollen heute vormittag fortgesetzt werden. Die 9aae ist somit unverändert. Man glaubt jedoch, der Streik vor seinem Ende steht.
Weirn dies: Erwartung nicht trügt, dann würden -h di.Lmai noch mit einem blauen Auge davonkom- men Aber was soll aus der Genesung des deutschen Wirtschaftslebens und aus dem politischen Wiederauf- bau' werden, wenn Monat für Monat immer wieder eme rauhe Hand die Gurgel unseres Wirtschaftslebens zmarnmendrückt?
Wenigstens für Berlin scheint ein unoermcidiiches LerhängrÄs zu fein: Kein Monat ohne Streik! Und jedesmal ein „wildes" Unternehmen, das von einer rücksichtslosen Minderheit ausgeht, die da glaubt, sie h0^ die Hand an der Gurgel der ganzen Wirtschaft chid könne sowohl der Regierung, wie der Stadtver- waltung, iKet gewerkschaftiitl^N Organisationen und d« Masse der Arbeiterschaft ihren Willen auszwingen.
Es ist überhaupt bezeichnend, daß der Streik sich «gen die Stadtverwaltung als die Arbeitge- derin der Streikknden richtet. Die neue Verwaltung o,n Berlin ist bekanntlich so rot, wie man sie sich nur wünschen kann. Die Sozialdemokraten haben im Ma- Mate und Stadtverordnetenversammlung die abso- We Mchrhe't. Die Vertreter der Arbeite führen also 'te Regiment. Und trotzdem sind sie nicht imstande gewesen, diesen Ueberfall auf das Leben einer der größten Städte Europas zu verhindern. Der Streik war ein frecher Gewaltakt der syndikalistischen Macht- lchre, die überhaupt kein Gesamtinteresse mehr anerkennt und den nackten Egoismus nicht der gesamten Arbeiter, sondern den der kleinen Gruppe von Arbeitern predigt, die die Macht über ihren Betrieb skrupellos zur Brutalisierung der Gesellschaft ausnutzen. Die Der- tretermehrhcft der Berliner Gerne: ndeearbeiter und Angestellten hat sich besonnen gezeigt und in dem schwebenden Lohnstreik die Entscheidung ihren Auftraggebern überlassen, die darüber abstimmen sollten. Hieran heben sich die Betriebsräte der Elcktrizitätsarbeiter nicht gebunden, sondern sofort auf eigene Verantwor- tag den Streik in chrem Gewerbe erklärt. Die terroristische Minderheit wollte den Kampf, die rohe Macht- probe, unter Mißachtung der sozialistischen Verwaltung und auch ■ der gewerkschaftlichen Organisationen sowie der gesetzlichen Ordnung der Betriebsräte.
Besonderen Einfluß üble auf sie der Kommunist Dylt aus, ein Herr, von dem wildrevoiulionäre Re- 1 bemalten schon früher berichtet worden sind. Er soll riklmnllich auch diesmal gesagt haben, de Elektrizi- tätsarbeiter würden über Leichen gehen, um zu ihren Lohnforderungen zu gelangen. Er soll weiter ^erklärt haben: „Wenn ich auf den Knopf drücke, springt Berlin", und er hat, was ein wenig Mvarsichtg war, aber jedenfalls kennzeichnend für ihn und seine jedem Neckst und Gesetz hohnsprechenüe Gesinnung ist, in den Versammlungen der Vertrauens- männer bekanntl'ch prahlerisch ausgeplaudert, daß es diesmal der Technischen Nothilfe nicht gelungen sei, die Maschinen zum Laufen zu bringen. „Wir haben näm- sich", so erklärte er, „aus den früheren Streiks gelernt Md dafite gesorgt, daß notwendige Maschi- «enteile corjjju; entfernt wurden".
Man nennt das Sabotage; aber nach dem Strafge- schbuch erfüllen solche Handlungen die Taitbcstanb» merkmale des Diebstahls und der Sachbeschädigung, wie überhaupt das Predigen solcher Gewaltakte di« Aufforderung zu strafbaren Handlungen darstellt. Trotzdem höben es die Herren Severing und R'chter, der preußische Minister des Innern und der Polizeipräsident von Berlin, nicht für notwendig gehalten, diesen gememgriährlichen Hetzer zu verhaften.
Maa kann es da verstehen, daß in der Berliner Presse eine Stimmung sich kundgibt, die sich an ihrer
Das Schwert von Thnke.
Koman von Leonttne von Winterfeld-Platen.
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„Freilich, ein feines, strammes Fräulein ist's! Macht «icht solch verdonnert Gesicht, Herr Verend. Ms ob die Gödel nicht blutjung ist und noch zehn Buben Euch schenken kann."
Somit war sie auch schon wieder fort und die Stiege herab.
Verend Maltzan sah sich nicht um nach Klaus Hahn, sondern ging langsam, gesenkten Hauptes hinterdrein.
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Als die Abendsonne gelbroten Schein über nie win- "erlich, Erde schickte und auch die Dächer und Türme »on Wolde auf kurze Zeit vergoldete, trabte Herrn De. »nbs Stiefbruder Otto langsam den breiten Weg zur Vurg hinan. Er kam von Summerom, wo er im Auf- froge des Bruders zu tun gehabt hatte. Von ihrem W'idengestrüpp fuhren die Krähen mit heiserem Ge- förei empor, als er näher tarn.
Herr Otto sah weder nach rechts, noch links, so sehr ®°r er in Gedanken versunken. 3m Burghof warf er «inem der Knechte seine Zügel zu und stieg schnellen Drittes die steinerne Wendeltreppe zur Halle empor. Mtig stieß er die Tür auf und trat klirrend über die Echweve.
»Ist Frau Godel hier? 3ch mutz flugs Fran ®äle’ sprechen," herrschte er die Mägde an, die just den A end Mbitz Don be_ Iangen Tafel rä’-mten, dmn es war IPot geworden. Da klang vom Kamin her, aus dem “ef«n Lehnstuhl, ein behag'icher Daß.
.»Ci, junger Fant, kommt 3hr wieder ei-mal zu 'PQi zur Abendmahlzeit? Frau Gödel könnt Ihr nim- m,,? sprechen tetzt. Die ist ü-*r wenigen Stunden eines 8cf’Jnben Töchterchens genesen."
Otto Maltzan mar! seine Kappe auf den T'sch und «Qt zu dem andern an den Ramin.
»k)ab Euch nimmer erkannt im Dämmen, Klans p°bn. Auch blenden die Herdflammen und der K.e> 'pon. wenn man von draußen hereinkommn"
Cr setzte sich K'ans Kahn g**enüber an das Feuer P«d strich sich durch das dunkle Haar
Deutschlands haben die arbeitgebenden Behörden fort und fort mit ihren Arbeitnehmern so große Schwierig- teiten wie in Berlin der sozialistische Magistrat mit seinen soZiatistkschen Gemeindcarbeitern. Statt Ruhe imb Behagsichkeit Kampf auf Leben und Tod zwischen Magistrat und sozialistischer Arbefterschaft! In den HirrM der Masten brennt die Erinnerung an das fimfziajährige große Versprechen vom sozialistischen Himmel auf der Erde. Die Führer waren, auf die UrteilsloMrit ihrer Anhängerschaft bauend, fahr- zehntelemg gewohnt, erheblich mehr $u versprechen, als sie halten konnten. Run sie am Ruder sind, zeigt sich, daß auch sie nur mit Master kochen können. Di« fo* ziatistischen Masten aber wollen endlich die Erfüllung der sahrzehnteiang gemachten Verheißungen sehen. Und da der Himmel aus Erden auch von den Führern nicht gesckvffsn werden farm, verwerfen sie leichten Herzens alles, was Urnen geboten wird, und setzen sich ohne Besinnen für die verschrobenste Partei- lehre ein, wenn sie ihnen nur besteres verspricht. Sv müsten die sozialistischen Führer setzt händeringend zusehen, wie ihre Tnivpen mit fliegenden Irihnen noch weiter nach sinks cibschwenken, ?u neuen Führern, die noch schönere Versprechungen machen.
Alle Schuld rächt sich auf Erden.
Berlin, S. Nov. Ms in der gestrigen Versammlung der Elektrizitätsarbeiter die Streikleitung den Ausstän. blaen den Vorschlag machte, die Streikbernegunz abzu- brechen, wurde sogar der Führer Sylt tn wüstester Weife niedergeschrlen; Ausdrücke wie „Verräter und ,Lump" waren noch die parlamentarischsten Dezelch- mmgen. Es herrschte zeitweilig in der Versammlung völlige Anarchie. Es bedurfte der ganzen Energie der bisherigen Führer, um schließlich zu erreichen, daß die Mehrheit der Anwesenden sich grundsätzlich mit dem Abbruch der Streikes einverstanden erklärte.
Deutschland und der Verband.
Die Sachverständigenkonferenz.
Nach einer Meldung aus Brüste! wird die für dte Wiedergutmachungsfrage vorgesehene Sachr-erständi- genkommission am 20. November ihre erste Sitzung m Brüssel abhalten.
Eine Louserenz über die vichfleferungeu.
Der Wiedergutmachungsausschuß hat die deutsche Regierung aufgefordert, in einer in Paris am 15. November staitfindenden Sitzung sich darüber zu äußern, in welchem Umfang Demschianü m der Lage sei, den von Frankreich, Belgien, Italien und Serbien ange- mdbeten Anspruch auf Rindvieh, Pserden und Schafen zu entsprechen. Die deutsche Regierung wird eine Lom- misston von Sachverständigen zu dieser Sitzung entsenden. 1
Die Freigabe der Dieselmotore.
Der Beschluß der Bolschafterkonftrenz die Verfügung betreffend die Zernöiung der Dieiel-Moiore zu roicetrufen, wird in Paris amtlich bestätigt. Ter Beschluß erfolgte auf Giund der Gutachten zweier Marinesachverständigen und soll der vculschen Regierung nutgeteilt werden. In Der Note an Die Deutsche Regle»ung betreffend die Diesel-Morore wird der Botjchaflclrat Garantien dafür verlangen, daß ungefähr 300 Tanchvool-Morore, Oie angebuch noch nicht zu industriellen Zwecken umgebaut sind, ihrer neuen Bestimmung angepast werden sollen.
Dir Herabsetzvng der Dienslzejl in Frankreich.
Nach enter Pariser Meldung Hai sich das sranzä- sische Sstertt in der Frage der Dienstzeit gecinigt. Sämtliche Minister wünschen den achtzehnmonatigen MAardienst, sobaü, (!) es die Umstände erlauben. Gegenwärtig sei es allerdings noch nicht möglich, auf den zweijährigen Mllitärd-ienst zu verzichten. Am 15. November werde ein Gesetzentwurf bei der Kam- mer eingereicht werden, bet die Dauer des MWär- dienstes stufenweise von drei auf zwei Jahre herab» setzt, was zwei Jahre dauern wird. Zu diesem Zeit- punkte werde man zur achtzehnmonaffgen Dienstzeit ubcrachen, wenn alles normal cerläuft.
Man sieht, die so pompös verheißene Abrüstuirg geht nur sehr „stufenweise" vor sich und unter Vorbehalten. Frankreich tut, als ob es noch ke'nen Frieden gäbe, fottitern morgen ein neuer Krieg geführt werben müsse. Deutschland soll nur 100 000 Mann unter den Waffen haben, Frankreich tut es aber nicht unter 850000 Mann. Für die Besatzung in den deutschen Rheinlanden brauchen sie 110 000 Mann, obschon der angebliche Sicherungstweck mit v'xl weniger Truppen und Unkosten zu erreichen wäre. Für seine Kolonien und für Syrien hält Frankreich 240 000 Mann unter den Waffen Somit bleibt für das eigent- flche Frankreich noch eine halbe Million an stehenden Truppen, wahtMd das größere und innerlich stärker knbrohte Deutschland sich mit 100 000 Söldnern behelfen soll! Es ist der Militarismus in Reinkultur, der dort betrieben wird, gepflegt vom Größenwahn und von der Furcht vor Vergeltung.
(Frbiherung nicht nur gegen die unserantwortsichen .DrahÄkher bei diesen Streiks, sondern auch gegen die Preußisch« gtegtenmg und den Magistrat richtet. Das „Verl. Tagebl." gibt dieser Stimmung Ausdmck, in- dem es schreibt:
Die neue Berliner Gemeinde, von der man eine Zusammenballung der Kommunaltraft erwarten müßte, droht das ganze Berliner Gemeinwesen in wachsende Zerrüttung hineinzureißen. Schon bisher galt Berlin in weiten Kreisen des deutschen Volkes als der eigentliche Unruhe- und Seuchenherd. Wer sich innerhalb Berlins umgesehen hat, der weiß, mit welcher gewiß oft ungerechten Abneigung von den Berliner Zuständen gesprechen wird. Der Schrei: „Sos von Berlin!" könnte sich jetzt abermals im ganzen Reich vernehmen taffen. Es ist einfach « n m o A l i ch, diele u n - ertr 5 glichen Zustände noch langer schwingend und duldend hinzunehmen. Hier bleibt nichts anderes übrig, als endlich durchzugreisen und wieder für Ordnung und Bewegungsfreihett der Bevölkerung zu sorgen. Das wollen nicht nur die „Bürgerlichen , sondern auch alle ehrlichen und vernünftigen Arbeiter. i
Schärfer schreibt der „Tag":
Die Enffchloffenhelt eines Mannes genügt heutzutage, um die Arbeitsamkeit einer ganzen Stadt zum Stillstand $u bringen. Sie hat zu springen, wenn er auf den Knopf drückt — und sie springt! Es springt die Regierung, die den Einlaß der Technischen Nothilfe zunächst verbietet, damit erst einmal mit Herrn Sylt und seinen wackeren Helfern gehörig verhandelt werden kann. Cs springt der sozialdemokratische Polizeipräsident, der zwar einen Paragraphen des vor 130 Jahren geschaffenm allgemeinen preußischen Landrechts ent- deckt, auf Grund dessen er den Berliner Maafftrat in energischem Ton ausfordert, bis abends 6 Uhr feine Pflicht zur Straßenbeleuchtung zu erfüllen, sonst würde er, der Herr Pollzeiprösident, das weitere veranlaffen. Aber es ist gar nichts erfüllt und gar nichts veranlaßt worden. Denn es springt auch Herr Wermuth, der Oberbürgermeister und beruft die Streikführer ins Rathaus, um mit ihnen säuberlich zu beraten, was man für sie tun könne. Hoffentlich wird auch Herr Sylt habet nicht gefehlt haben. 3n anderen Republiken säße er längst hinter Schloß und Riegel. 3m neuen Deutsch- land aber steigen Staturen wie die feinige über Rächt zu Macht und Ansehen empor. Man weicht mutig vor ihnen zurück. Mit Leuten dieses Schlages^ setzt sich der höchste Repräsentant der Großberliner Bürgerschaft an einen Tisch. Mit solchen Leuten ringt er fünf Stunden fang um Sein aber Nichtsein des Lebens der Reichshauptstadt, um sich schließlich von ihnen mit dem gnä- bigen Zugeständnis von Nvtarbeiten nach Hause schicken zu laffen. Aber Gott fei Dank, nun braucht auch die Technische Nothiffe nicht mehr aufgeboten zu werben. Denn eine Liebe ist her anbern wert. 3n her Tat, kann es für ein „sozialistisches Gemeinwesen" wie Berlin etwas Schlimmeres geben, als die Technische Nothilfe in Anspruly nehmen zu müssen? Lieber läßt man die Bürger im Dunkeln herumtappen, läßt sie stundenlang zu Fuß laufen, läßt Kranke unb Elende in Lebensgefahr geraten, als daß man den Zorn der Herren vorn Schlage des fog. Arbeiterführers Sylt heraufdefchwört. Denn biefe Herren brauchen ja nur auf ben Knopf zu drücken unb ganz Berlin springt.
Aehnlickr klingt es aus den anderen bürgerlichen Blättern. Auch dem sozlciMischen Haup organ, dem „BrnwäriS", bämmetiB allmählich, daß d-eier Steif- wahnsinn unmö-riich fo»rettetfl«**en kann. Es chreibt:
Man gewinnt den Eindruck, daß die Wirkunr von StrerkS dieser ?irt weniger eine ©tärfuna der Einheitsfront ke« Proletariats als vielmehr etn« Abschreckung weiter Boikekreise betreuten, wenn Tausend und Aber- tausende von Familienväter durch ben Streik einer Arbeitsgruppe gleich'all» zum Feiern gezwungen werben. So mandier von ihnen werbe in brr Technischen Nothilfe nickt mehr den Fremdkörper im Or^amfationStoeicn der Arbeiterschaft erhliden.
Man kann es verstehen, daß den Mehrheitsfozia- listen bei dieser skandalösen Streiterei, die die schärfste Kritik auch in ihren Kreisen findet, ungemütlich wird. In dem durch und durch soziaideMokratifch regierten unb verwalteten Berlin müßten ja doch bte Sozialdemokraten leichte Arbeit haben, eitel Glück und Son- nenschein zu verbreiten. Aber in keiner Gemeinde
Menschenkinblein, wenns etntriffL Letzt sch'a'en Mutter unb Kind süß unb fest, unb Herr Berenb sitzt neben dem Bett unb wagt nimmer, sich zu rühren. Aber was wollet Lhr von Frau Göbel, Herr Otto? Ihr habt fo laut nach lhr gerufen vorhin,^chaß ich's bis in die Sterne, nate hörte."
„Bitten wollte ich sie, baß sie nach einer Kranken sieht, fo beim allen Bastian in Stummerem am Wund- fieber liegt Sie versteht sich auf Heilkräuter unb hat eine weiche Hand. Auch um ein wenig Würzwein wollte ich bitten für die Kranke."
Brigitte Alvensleben drehte die fetten Daumen umeinander.
„Seit wann seid 3hr fo mildtätig geworden, Herr Otto? Unb wer ist die Kranke, hie Döbel betreuen soll?"
Der Gefragte zuckte hie Achseln.
„Weitz nimmer, wie sie heißt Bei Jenem Ueberfall am Stummcroroer See auf des Herzogs Magnus' Hoch- zeitsiag ist sie verwunbet worden. Seither liegt sie in Obhut unb Pflege vom Bogt unb feinem Weibe. Doch geht es nur gar langkam vorwärts mit ber Heilung, rorl mir scheinen. Sie hat besiere Pflege nötiz."
3m Herzen ber „fidelen Brigitt" erwachte das Mitleid. Sie wiegte ben grauen Stopf mit ber großen, weißen Haube bedächtig hin unb her.
Gobalb ich hier ein wenig fort kann, werb ich nach ihr schauen. Aber da seht, Shr trutzigen Maltzahne Ihr, was Euer Tun »tteb?r c> ' ' "et hab Mutz ber Satan dazwischen te und ein armes Frauensbild verwunden. 81' cr ich m.. j i»u । z. r Gödel gehen unb H?rrn Berenb abiö’en. Der wird schon Sehnsucht haben nach Euch Mannsleut unb seinem Humpen. Als ob wir armen Frauenmenschen nicht auch oft einen fakri- »ckftn Durst in der Keh'e hätten. Nichts für ungut, Nilter Sic*’n. Aber ich mein’, ich könnt die Stärkung brchichen z»>r Nacht."
Und sie 'ctz e S'aus Hahns vollen Humven an die C’psen und trank ihn in einem Zuge leer Ehe der sich nach ron seinem Staunen erholte, war sie schon aus der Tür gestampft.
.(Fortsetzung foTgLl
Bera»»lwo»liich iür den ituauicnellen Teil: Start Schütte, z litt Ott Anzeigen: I. Parze > ier - Fulda. a
Rotationsdruck u. Verlag der ?yu!öaer Actiendruckerei to Fulda, ern-nitcher Nr. 9. Telegr.-Bdre e ßuibaer Leitung
mit rini-en Ausnahmen von der Aibetterschaft nicht entsprochen. In fast allen Betrieben ist in vollem Umfange gearbeitet worden. Nur die ftaailirben Behörden unb Betriebe mußien auf Anordnung der softnl'ffischen SReaternn' ’ri?r«.
Berlin, S. Nov. Zu stürmischen Auseinandersetzun- gen zwischen ben Anhängern ber alten svzialdemokra. tischen Partei auf ber einen unb Neu- unb Altkommu- niste» auf der andern Seite kam es bei einer Revolu- tionsgebentfeier in der Bock-Brauerei. Rich. Fischer ging in seiner Gedächtnisrede auf ben gegenwärtigen Streik ber Berliner Elektrizitätsarbeiter ein. Als er erklärte, die deutsche Nation werde es sich nicht auf die Dauer gefallen laffen, daß 1500 gewalttätige Leute ben ganzen Betrieb einer Grorßstadt lahmlegten, nurbe er kurch tcbenbei’ Lärm unb Brut*-Stufe unterbrochen. Auf den Zuruf: „Wenn wir erst ben Stzta. li-tnus Haven, n irb es anbe i n’errenl" e-widerte Fischte „La. glauben Sie denn, Levi und bi» Zetkin könnten Lhncn auch nur ein Stückchen Brr.t mehr gehen?!* Eine Sozlalisieru ig, so fuhr Fischer svrk, mürbe die hafte Lage der 2tr'>*t‘er t »-*)* am he»:le cuf m,.rg?n v» rändern können. Das Defizit der Straßen- unO Eifenbahr. zeige schon, daß die S o j i a 11 f i e r u rg