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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.

Dienstag, 9* Howmber 1920

Nr. 260

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„Leider Gottes meiner leiblichen Schwester Sohn. Du weißt, daß sie mit dem Jakob Daß auf Lindenberg verheiratet war. Sie und ihr Mann find früh gestorben und haben diesen Knaben hinterlassen, der letzte der pommerschen Linie Doß. Der erbte von seiner Mutter das Gut Gantzendorf,'das man, bis er mündig, an mich verpfändet hat, sowie die Sarowfchen Güter. Nun kommt er alleweil um Geld und ist doch ein Taugenichts, der dem Herrgott den Tag wsgstiehlt. In Güte und Strenge HÄ ich's versucht mit ihm. Es ist eine Schmach."

Jetzt fuhr Berend zusammen und hob lauschend den Kopf.

Schlugen da nicht Türen von Frauengemächern her? Kamen nicht eilige Schritte die Stiege hinauf?

Er war blaß geworden und rührte sich nickst.

„Du solltest einmal hinübergehen," sagte Klaus Hahn leise und rührte ihn am Aermel. Berend schüttelte de» Kopf.

„Ich kann es nicht rmt ansehen, Klaus. Und helfen kann ich ihr auch nicht. Es sind schon so viele Frauen um sie her, die ihr beistehen. O Gott, ich habe schon in vielen Schlachten gestanden und bin ein harter Kriegs, mann. Aber meine kleine Gödel so leiden sehen, das kann ich nicht! Ich war vor etüchen Stunden bei ihr, das hat mir schier das Herz verkrampft. Darum ließ ich Dich rufen, daß ich auf andere Gedanken käme beim Wein."

Klaus lächelte gutmütig.

„Laß sein, Berend, wir alle sind so auf die Welt ge­kommen. Du und ich auch. Aber schau, da kommt die Brigitte Aloensleben."

Eine große, wohlbeleibte Frauensperson schob sich hastig durch die Tür. Die Haube war verschoben, die grauen Haare lagen unordentlich über der Stirn.

Kommt eilends herüber, Berend, denn Frau Gödel wiegt selig ihr gesundes Töchterlein hn Arm!"

Berend packte sie am Rock. Sein Atem flog.

„Ein Töchterlein, sagt Ihr?"

Die Dicke nickte sttahlend.

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Zentrum und Handwerk.

Mm schreibt uns:

In neuester Zeit macht sich eine Bewegung bemerkbar, p «rus die Ergreifung der politischen Macht durch em- r^ne Berufsgruppen abzielt. Bei den letztem Wahlen & 6. Juni hat sich das ganz besonders gezeigt. Es ist keine Frage, daß dadurch manche politische Gesichtspunkte bi den Hintergrund treten mußten, was im allgemeinen Iisterefse sehr zu beklag«! war. Auch die Zentrmnspartei ist von diesen Erscheinungen nickst unberührt geblieben, so HÄ sich im Hustdwerk hie unb da die Meinung ver- bwüet, daß es nicht mehr angängig s«, sich durch die Zsstrumspattsi vertret«! zu lasten, sondern, daß es ge­boren erscheine, eine eigene Pari ei zu gründen, die die JÄ«esten des Handwerks vertreten solle. Gne Unter« jn^ung der Gründe dieser Erscheinung soll hier kurz vor« genommen werden.

Nachdem infolge der Gewerbeswiheit am Ende des rangen Jahrhunderts schwere wirtschaftliche Schläge auch tat HaÄwerk betroffen hatten und nach den Gründer« schien das wirtschaftliche Leben sich wiederum zu heben z^mmon hatte, da wurde der Drang nach politischer Be» ELgmrg and) m Handwerkskeksen lebendig und die a> probten Führer erkannten, daß es cm der Zeit sei, die pchHchen Partei«! str die Interesten des Handwerker­standes $u gemimten. Nur wenige Parteien zeigten sich (ist Forderungen gewogen und Unter diesen wenigen war es vor allem das Zentrvm, das sich <sts wahr« Arrnttd des Handwerks bewährte. Durch ehren Antrag Solen ckß es tm Lahr« 1877 die Führung in diesem Sinne an sich und grS dadurch den Anstoß zu einer For­

mt ch und Wolde. Es will mir der Gedanke schon lange nicht aus dem Kopf. Noch ist der Pommernherzog wohl­gesinnt, weil er mich braucht. Ist das vorbei, so wird es mir ein« kleinen Ursach bedürfen, daß auch er mir Fehde ansagt."

Klaus Hahn sah dem Freund in das scharfe, kantige Gesicht. >

„Und das sagst Du so ruhig, Berend? Willst Du Dir denn zwei Herzöge zu Feinden machen? Du hast es doch allein in Deiner Hand. Such nicht allweil Händel und geraö nicht alleweil in heißen Zorn um kleiner Ur- fach willen. Gih auch einmal nach, wo es Dir auch scheint, daß Du im siecht seiest. Denk an Wolde. Denk an Weib und Kind. Cs ist ein hart und gefährlich Ding, allweil gegen Fürsten zu trotzen."

Berend war aufgesprungen und ging mit langen Schritten hin unb her durch die Halle, die Arme vor der breiten Brust verschränkt.

„Du meinst es gut, Klaus, aber ich kann nicht wider mein eigen Selbst. So sie mir Uebles tun, such ich Sühne dafür. Sobald ich merke, daß es hier auf Wolde nicht mehr sicher genug ist, kommt Gödel fort. Ich siehe heimlich in Unterhandlung mit dem Havelberger Bischof Busso von Aloensleben, der ein Bruder von Gödel ist. Der soll mir unter der Hand das Schloß Nürnberg an der Stegnitz bei Wittenberge mit allen dazu liegenden Gütern von Dietrich und Staus Nestors kaufen. Das will ich bann meinem Weibe zum Leib­gedinge verschreiben unb wenn es hier nicht mehr sicher ist, fiedelt sie mit den Kindern nach Neuburg über. Durch den Kauf werd ich geschworener Lehnsmann des Kur« fürsten von Brandenburg, unter dessen Schutz dann Weib und Kind stehen. Schloß Wolde aber laß ich in aller Sttlle von Jahr zu Jahr mehr befestigen und mit Büchsen, Kratu unb Loth versorgen. So kann ich in Ruhe bet Dinge warten, die da kommen."

Er hieb mit der Hand durch die Luft.

v „Es sind alles vorerst nur Pläne, Klaus, unb es mag noch Jahre währen, bis ich sie zu Ende geführt. Aber die H«zöge sollen nicht meinen, daß sie den Ve­rend Maltzan ungerüstet finden, wenn sie wider ihn ziehen."

Der Berliner Streik.

Im Berliner Rathaus fanden gestern den ganzen Tag über Besprechungen statt. Bei den Verhandlungen mit d-m ElektvizitatsarbeÄem wurde dem Streikenden eine Stundenzulage von 50 Pfennig für Tagesarbeit und 60 Pfennig für Nachtarbeit bewilligt. Der Derband der Hei­zer itnb Maschinisten hat feonnffhin eine Bersammlung der Betriebsräte und Bet trau ens'eute sirrborufen, m der die Wiederauf nähme der Arbeit in Vorschlag gebracht wurde. Dis Urabftinrmtmg in den städtischen Betrieben ergab etwa 11000 Stimmen gegen den Streik und 13 000 Stimmen dafür. Dis für dis Proklamierung des Aus­standes notwendige Zweidrittelmehrhest ist also nicht er­reicht, sodaß der Streik als abgelehnt gelten kamt. Auch der größte Teil der Arbeiter der städtischen Wasser­werke hat sich gegen den Streik ausgesprochen. Dagegen haben die Straßenbahner sich dem Streik anyefchlossem. Das ändert an dem gegenwärtigen Zustand allerdings nichts, denn ohne Strom kann die Straßenbahn doch nicht fahren.

Gestern abend hat die Dersammlung des Gesamr- betriebsrates und der Vertrauensmänner der in dem Schiedsspruch beteiligten Arbeiter nach mehrstündiger Debatte eine Resolution angenommen, worin man den Arbeitern die Wiederaufnahme ber Arbeit empfiehlt. Die Dersammlung erklärt, baß sie ben Schiedsspruch ablehne und fordert die Aufnahme neuer Derhandlungen zu dem Zwecke der Festsetzung gleich­mäßiger Zulagen für alle Arbeitergruppen. Die jetzt bewilligten Erhöhungen der Löhne unb Gehälter be­lasten die städtischen Finanzen mit nahezu 90 Mil. (innen Mark jährlich.

Verantwortlich für ben ceinmionellen Teil: Karl Schütte, n für Sie Anzeigen: I. ParzeUer-Fulda. u Rotatiousbrnck u. Berlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

läßt, hat nun aber bewirkt, daß sich die Handwerker sag­ten, bei ben nächsten Wahlen müsse eine Besserung erzielt werden und der Reichsverlxmd hat seine Mstglieder auf- gefordevt, sich rege am politischen Leben zu beteiligen und zwar innerhalb der politischsn Parteien. „Von einem Sonberoorgehen, auch innechald gemischter Mittelstands­gruppen, wird auf Grund der gemachten Erfahrungen dringend abgeraten.'

Angesichts dieser Ereignisse ist es dringend geboten, die guten Beziehungen zwischen dem Mittelstand und dem Zentrum baldigst wieder enger und herzlicher zu machen. Die Parteileitung ist stets bestrebt gewesen, den Hand­werkerwünschen gerecht zu werden. Abg. Trimborn hat in einem Schreiben an den Rhein. Handwerkerbund ausdrücklich betont, daß die Handwerkerfvagen mit ganz besonderer Sorgfalt beachtet werden müßten und hat er­klärt:

„Auf eine nahe Verbindung lege ich besonderen Wett, well angesichts der Sozialisierunosbestrebungen im HruÄoerk grüße Sorgen bestehen, und weil wir das Hairo- werk unterstützen möchten in feinem Bestreben zur Er­haltung und Sicherung seiner Selbständigkeit.

Und Äs er dann folgendes Höre, emdsuttge Wort gesprochen hMe:

„Meins Freunde werden nach wie vor dem gern erb« gchrri unb kaufmännischen Mittelstände ihr wärmstes In­teresse entgegenbringen. Wir denken nicht an eine Sozia­lisierung oder Kommunalisierung kleiner Gewerbebetriebe. Insbesondere gilt dies vom Handwerks und zwar, wie ich ausdrücklich hervorhebe, auch vorn Bäcker- und Metzger« gewerbe,"

da ging eta Aufatmen durch dte Anhänger des Hand­werks in der Zentrumspattei. Nachdem sodann die Zen« tvmnspattei die Regierung übernommen hatte und sich der Bsrcmtworttmg gegenüber dem Daierkcmde bewußt gezeigt hatte, da war der Weg zur vollen Verständigung frei. Die in der Verärgerung Adgespvmrgenen — ihre Zahl ist ja nicht allzugrvß — werden es sicher freufeig begrüßen, wenn ihnen die Rückkehr erleichtett wird, wozu ihnen feite bevorstehenden Preußenwahlen Gelegenheit bieten.

Der Reichsverband des deutschen H-md-werks richtete an ferne Angehörigen die Mahnung, „sich je nach chrer Parteistellung nachferLMchst am politischen Leben zu be« teäigen, um sich dadurch innechÄd der Patteien die not» w«Mge Geltung zu verschaffet. Die Zenttumspatter be­grüßt diese Erschließung außerordeMch und der geroerb- liche und kaufmännische Mittekstonfe erweist durch die Be­folgung dieser Worte fernem ötarfce trab der Partei die beste» Dienste. ■N*

bitte. Es saugte daM, daß anerkannte Führer in die Pottammte gewählt wurden und dadurch, daß sich die grase Pattei hinter int Forderungen der Handwerks­vertreter steWe, entstand ein gegenseitiges Dertrauens- oechMnis, das schließlich zu einem Dünfems zwischen HmDwerk utto Zorttrmns pattei führte unb dem die Er­folge des gewerchstchen Mttttstmtdes auf gesetzgeberischem Gebiete zu vettnmken sind.

Ms dann die Arbeiterschaft sich regte unb einen ungeheuren sozialen und potstifchen Aufstieg erfuhr, als auch der sog. vierte Stand sich in der Zentrnmspartei Geltm«g verschaffte, da Riten die guten Beziehungen des HaiÄwerks unb des Zentrums etwas. Der gewerbliche Mittefftand sah feine Stellung in der Pattei beferofjt Mit feer Zett aber, als sich die Gegensätze immer mehr Möglichen, da erkannten die Handwerker, daß nur im Rahmen des Mgemeiiräteeresses eine tatkräftige Msttel- stMbspostkik möglich sei trab feie Arbeiterschaft vertrat innrer mehr den Standpunkt, daß der gewerbüche Mkttel- sirmb lebensfähig ermatten werden muffe. So kam es denn, daß sich beide Berufsstände bei den Wahlen 1912 gegen­seitig unterstützten tmfe ihre Wahlerfolge nur durch die getreue Waffenbrüderschaft erzielten.

Krieg und Revolution brachten einen ungeheuren Ruck «ach kinks mck> das Handwett, das im Kriege rote fein anderer Stand gelitten hatte, sah, daß es fast keinen Einfluß mehr befaß anfe feite Macht mehr und mehr in die Hände der Arbeiterschaft überging. Das Zentrum wmde fobann in die Regierung berufen, konnte aber eine PoSM nicht hindern, die dem Empfinden der Handwerker zmttfeerQes. Ms nun die Ideen der Sozialisie­ret«- «rftmrchten, zog von neuem Unzuifrtedenheit in di« Rechen des gewmMchen Mittefftrmdes ein. Und doch ist der Hanpdvett darauf zu legen, daß es feer Zsnttmns- parttt gelangen ist, im Jahre 1919 den überraMtaten Sorberttoge» ein Hemmnis entgegenzufetzen und sie zu «reitete^ rot» bedeutend höher zu wetten ist, als die Arbttten zugunsten des Handwerks in früheren Jahren.

Bei der Aufstellung der Kandidaten zur Wahl im Jahve 1920 wurde ins Handwerk van bat Patteien nicht ge« «stgend berücksichtigt trab infolge des Abfatsstehens und der Berzügemng nvcmcher Handwerker bei der Wahl ist rach i» der Zsntemnspattsi der gewerbliche Mittefftemd «cht gerade stark vertreten. Die Erkenntnis, daß sich ivtth passives Derhalten eine Besievung nicht erzielen

Das Schwert von Thnle.

Sotto# von Leontine von Winterfeld»Pl<rten.

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JBa» kümmern mich die Herzöge von Mecklenburg? Sht ich nicht fo mächtig rote fie? Hab ich nicht Land- besitz in Mecklenburg und Pommern, daß sie heute schon Ottern von mir? Bin ich nicht belehnt mit Gödebehn, Kleinen Helle, der Anwartschaft auf Gützkow und Tü- patz unb des vor Pentzlins Toren belegenen Krackow? KM ich nicht noch mehr und noch größeres als dies? sind soll bas alles zerfallen nach mir? Nein, Klaus, ich muß Söhne haben, die mein Geschlecht mächtig road>- N» lassen in Mecklenburg und Pommern."

Klans Hahn sah bedächtig in seinen Becher.

»Du darfst es aber nicht zu wett treiben mit den ^er^gen. Sie find voll Zorn auf Dich. Was hältst Du noch so viele Gefangene in Gewahrsam? Und hast «einem Detter Joachim Hahn sein Schloß Pleetz rein ««geplündert?"

Verend starrte finster vor sich hin.

»Hab meine Gründe dafür, Klaus . Es darf mich ktntt ungestraft reizen im Land. Auch liegen hier in Wolde nur noch Joachim Lewetzow und Klaus Boß in Gewahrsam. Die anderen ließ ich lange frei."

»Sie sollen hart gehalten werden bei Dir, Berend, des wird überall geklagt. Und dann — ich traue dem

Bogislcw nicht mehr."

Berend stützte den Kopf in die Hand.

, »Ich weiß, daß meine Macht ihn wurmt. Kann ihm nimmer helfen. Noch bin ich sein Vasall durch die pommerschen Lehen. Und noch braucht er mich gegen dte Mecklenburger."

Klaus Hahn pffff durch die Zähne.

»Aber Wolde ist ihm ein Dorn im Ange. Es gibt kein festeres Schloß im Land. Und es liegt gefährlich tot ihn, fo hart an beiden Grenzen."

. Verend Maltzan hob jetzt den Kopf und tat einen t>ejen Schluck.

„Es ist mir alles nicht neu, was Du da sagtest, Klaus, lleber kurz oder lang wird man vielleicht herfallen über

Freigabe der Dieselmotoren.

Ein Telegramm aus Paris meldet, die Botfchaster- konferenz habe auf französische Forderung hin beschlos­sen, die Vernichtung der Diesemotvren nicht zu ver­langen.

Auf französische Forderung! Man soll dies nicht überschätzen, die Franzosen haben sich nicht etwa aus einem Anfall von Humanität veranlaßt gefühlt, Deutsch­land zu mrterstützen. Die Forderung der Zerstörung der MesÄmotvren war eine rem englische, von engli­scher Konkurrenzangst und Konkurrenzneid diktiert. Hier standen aber nicht nur Deutschlands, sondern auch Frankreichs und Italiens Interessen, die Interessen aller Länder, die sich von der sie drückenden See- und Kohlenherrschast so weit wie möglich befreien wollen, auf dem 6pid. Der mit Del angetriebene Dieselmotor, den die deutsche Industrie zur höchsten Leistungsfähig, kett gebracht hat, ist von englischer Kohle völlig unab­hängig. Daher Frankreichs und der anderen Alliier­ten Interesse an der Erhaltung dieser wichtigen Ma­schine. ____________________ ____________________

Die AbwiSlirna des Krieges.

Eine Denkschrift des Reichsschatznrinsttenunrs.

Dem Reichstag ging eine Denkschrift zu, die über die Abwickelung dss Krieges bemerkenswerte Mitteilun­gen enthalt. Im Vordergrund auch des öffentlichen Interesses stehen die Entwicklung und der heutige StmÄ der Abwicklung der alten Wehrmacht. Ob-

Klaus Hahn schüttelte langsam und bedächtig den Kopf.

„Du nimmst Dir viel vor, Berend. Und Du hast viel Mut und Trotz in Dir, bei Gott!"

Da knarrte die schwere Eichentür, die von der Stiege herauf zur Halle führte. Berend fuhr herum, und es flog wie ein flüchtiges Rot über sein Gesicht.

Aber enttäuscht wandte er sich ab, denn es war nur ein bleicher, schmächtiger Jüngling, der über die Schwelle trat. Und Berends Enttäuschung machte sich in jähem Zorne Lust.

„Scher Dich zum Teufel, Jakob, und sieh, daß Du Dich nützlich machst in Hof und Stall. Es sind mir wie­der viel Klagen zugekommen über Dich. Ein Roß sollst Du zu Schanden gequält haben beim Jagen. Und mei­nes Bruders Otto Lieblingsfalben geblendet aus roher Hinterlist und Bosheit. Geh mir aus den Augen, damit ich Dich nicht nicht züchtige wie einen Buben von der Gaffe."

Der Jüngling blieb trotzig stehen auf der Schwelle unb warf den Kopf in den Nacken. In seinen schmalen, wöffrigen Augen standen Verschlagenheit unb Heimtücke.

„Man wird Euch wohl wieder falsch berichtet haben über mich, Ohm Verend. Ich weiß von dem allen nichts unb kam, mir Gelb von Euch zu holen. Es gilt eine Wette unb ein Saufgelage in Demmin."

Da brauste Verend auf. '

Nimmer hab ich Geld übrig für solche Buben, wie Du einer bist. Außer Landes werbe ich Dich weisen lassen. Da magst Du fremde Kriegsdienste nehmen und Kampf und Not kennen lernen."

Der andere mochte sehen, daß jetzt nichts auszurich­ten war, und schob sich murrend und zähneknirschend wieder aus der Tür.

Als er hinaus war, fuhr sich Verend Maltzan mehrere Male hintereinander mit der Hand über die Stirn, als wollte er dort etwas Unliebsames aus fernen Gedanken wischen. Dann setzte er sich wieder zu Klaus Hahn an den Tisch. Der sah auf.

„Wer wer fer Lasse, Berend? Hab ihn noch nie hier gesehen in Wolde."

Bermb spuckte in weitem Bogen auf die Diele

wohl diese Aufgabe mit allen Mitteln der Beschleuni­gung verfolgt wurde, konnte sie bisher noch immer nicht abgeschlossen werden. Im Haushalt für 1920 inußton erneut gegen 4 Milliarden Mark ausgeworfen werden. Gegenüber von 1919 ist das ein Mehr von 140 Millionen Mark. Immerhin hat ein starker Abbau der AbwicklungsstÄlen stattgefunden.

Die Organtfafion der Demobilmachung.___

Als durch die Verordnung vom 31. Oktober 1919 ein Neichsabwickkmgsamt geschaffen wurde, betrug die Zahl der Heeresangehörigen, die demobilisiert werden mußten, nicht weniger als 12 M i l l i o n e n M a n n. Neben der personellen Abwicklung nimmt die Mgel- tung der Kriegsverträge und Erledigung der sonst von der Heeresverwaltung eingegangenen Ver­pflichtungen einen breiten Raum ein. Hierfür find bisher insgesamt 3% Milliarden Mark angefordert. Dteser Teil der Abwicklungsarbeiten ist fiskalisch wert­voll und z. T. gervinnbringend. Bekanntlich gehen die Forderungen gegen den Reichsfiskus ins Maßlose. Sie bedürfen einer sehr scharfen und energischen Prü­fung, roettn dem Reiche nicht Hunderte von Millionen verloren gehen sollen. So sind schon jetzt gegenüber den Forderungsanmeldungen mehr als eine Milliarde Mark dem Staate von den verscksiÄenen Abrvicklungs- und Abgeltungsstellen erspart worden.

Die Schwierigkeiten, die sich nach Kriegsfchluß für die Abwicklung des alten Heeres ergaben, behinderten mach die Abwicklung der alten Marine, doch geht auch hier der Abbau rüstig vorwärts.

Auch die ALrvicklungsstellen für die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen sind zum größten Teil abgebaut.

Die Denkschrift fügt diesen Erörterungen noch eine Beendigung der Abwicklung der alten Wehrmackst mit dem 31. März 1921 durchgeführt sein wird. „Das Aktsnmaterial der alten Wehrmacht, auf ims zu Auskünften vielseitiger Att, insbesondere im Jnkereffe der Dersorgtmg der Kriegsteilnehmer sowie zu wiffenschaftlichen Forschungen noch auf Jahre hinaus gttriitfgegriffen werden mutz, wird in provinzialen un­zentralen ArchivverwcÄungen zusammen gefaßt und in diesen der Aichivreffe entgegengeführt werden."

Die Denkschrift fügt diesen ötErrterungen noch eine Bemerkung bei, die tmr besonders hervorheben wol­len, weil sie für die heutigen Zustände außerordentlich charakteristisch ist. Diese BenSerdmg hat folgenden Wortlaut:

„DaS Wiebererfaffen wucherischer Gewinne, hie während des Kri-peS zum Teil in ungeheurem Ausmaß zum Schaben des Reiches von den Unterneh­mern gemacht worden sind, mutzte im Hinblick auf das wichtigere Ziel, die Abwickelung selbst beschleunigt zu erledigen, zurii ckg estellt werden. Bei den unzu­reichend gesetzlichen Grundlagen und den zu erwartenden Widerständen weiter und einflutzreicher Krerse ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auf diese Aufgabe der Slbwickelung überhaupt verzichtet wer­fe en in uf>”'

Man kann rarr mit dem Ausdruck des stärksten Befremdens von einer derartigen Mitteilung in einer amtlichen Denkschrift Kenntnis nehmen. Die Oeffent- lichkcit kmm unmöglich diese Erklärung widerspruchs­los hingehen lasten. Man mutz die Frage aufwerfen, ob wirklich auch alles gesehen ist, um eine solche wuckterischc Ausbeutung, die von der Denkschrift ganz offen zugegeben wird, also den zuständigen Stellen b e- könnt ist, entsprechend zu fasten. Die Geltendma­chung des Umstandes, daß die geschlichen Grundla-gen nicht zureichen, kann noch weniger ruhig hingenom­men werden, wie der Hinweis auf die „zu erwarten­den Widerstände". Es ist ja ein Armutszetkgms und eine Bankerottserklärung für eine auf ihre Autorität haltende Regierung, wenn sie von solchen „zu erwar­tenden Widerständen" der Wucherer und Schieber sich verkröche.

Bezugspreis: Monatlich Z,SÜ Mi. ohne Zustellgebühr. In Fulba

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Die Erttschädigungsfrage.

Eine englische Note über die deutsche Wiederher­stellung, die am Samstag dem Pariser Ministerium des Aeutzern zugestellt wurde, hat zum grundsätzlichen Abschluß einer Ueberemstimnmng zwischen Eiland und Frankreich geführt. Die Frage wird in folgen­den vier Abschnitten vechandelt werden: 1. Zusam­menkunft der Sachverständigen in Brüssel; 2. Zu- sammenkunst der Fütonzminister in Genf; 3. Zu­sammenkunft des Wiederher stellungsaus- schufses, und 4. Zusammenkunft der Minister­präsidenten für die endgültige Aktion. Der deutsche Finanzminister wird „wahrscheinlich" (!) in Genf zugegen sein.

Demnach ist, was uns Deutsche besonders angeht, noch immer nicht entschieden, ob Deutsch­land in Genf gleichberechtigt mit den anderen Ländern ist. Das stt uns aber in Spaa versprochen, darauf muffen wir bestehen, davor hat aber auch Frankreich am meisten Angst, weit dann die WcchryeÄ doch durch­dringen könnte.

Eens und das Schicksal Oberschlesiens.

Zwischen England und Frankreich besteht ferner noch eine Meinungsverschiedenheit, nämlich die über ben Zeitpunkt der Genfer Kwsterenz. Frankreich will die von Deutschland zu zahiendr Summe so rusch wie möglich festlcgen, England will sie sich aber mit Ruhe überlegen föraten unb abwarien, bis alle Vor­bedingungen auf deutscher Seite klar sind, das heißt, bis das Schicksal Dberschlesiens entschieden ist. Die Genfer Konferenz soll also, so wünscht man in England, erst nach der Abstimmung in Oberschlefien staüfinden. Diese entscheidet darüber, ob Oberschlefien bei Deutschland bleibt oder polnisch wird, und berührt in empfmdlicher Weise die Hilfsquellen des Reiches.

In Frankreich will man sich dieser Ansicht aber nicht anschkeßen, sondern so schnell wie möglich krie­gen, was man kriegen kann. Die Fwnzosen fürchten mit Recht, datz die Zeit ihren überspannten Forderun­gen bei chren Bumdesgenvsten eTrige^emrbeitet' Deutschlands Elend u. Detttschlands Zahlungsunsähig- keit wird von Tag zu Tag klarer und der Welt deut-, sicher, und der Franzose besürchtet, daß seine Wmdes- genssten dies immer mehr erkermen werden und schließlich Frankreichs Forderungen die nötige Unter- ftützrmg versagen fönnten.