Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda
47. Zahrg
Montag, L. November )920
Nr. 259
3eiua»prei»; liXonantd) 3.00 Bit. otjne <jufteUgebut)i. In Fu-Do bet uns abgeijolt 3,15 BIL Slttjetgenprei»: Die$tiein$eile (fo'oneanatf) 60 p;g„ u. 10eie^uldjlafl, die Rek>amezeUe (lepnitne' 1.83 IRL, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabon.
Das Schwert von Thnle.
Roman von Leontine von Winlerfeld-Platen.
18] --------
Der Kranke fuhr auf.
Was lag sie hier so faul und regungslos und Letz sich pflegen, und hraußen, da wartete man auf sie, viele, viele Hände, viele, viele Augen! D, sie mußte ja bald gesund werden, damit sie wieder fortkam von hier. Da. Mit sie ihr Wort einlöste, auf das sie alle warteten.
Sie hörte einen Schritt neben an und rief laut, denn sie dachte, es sei der Sogt oder seine Frau. Sie wollte sie fragen, wann sie denn nun aufstehen könnte, wieder veiterzureijen nach Rostock oder Demmin.
Die Tür ward geöffnet und auf der Schwelle stand Otto Maltzan. Aber sie wußte nicht, daß er es sei.
Sie erkannte nur in dem schmalen, schar en Gesicht den Fremden wieder, der damals mit ihr im Kahn ge- festen. Und sie schrak zusammen. Dor roa- fast um werllich und ohne daß sie es selber spürle. Sie hatte sich halb aufgerichtet auf ihrem Lager, und die Morren- fonne, die durch die ©iiterftäbe des kleinen, hohen Fensters fiel, warf goldene Lichter auf ihr sch mmerndes ®acr und ihre bleichen Wangen.
Er biteb auf der Schwelle stehen und stützte sich ein lvcnig auf fein Schwert.
.Ihr habt gerufen. Frau. Das ist Euer Begehr?'
Ein feines Rot war jetzt in ihr G sicht gestiegen, denn « machte sie verlegen, daß er da so vor ihrem Lager stand.
»2ch meinte, es sei die Vögtin, deshalb rief ich Fra- 9en wollte ich sie, wann ich gesund sei und aufstehen türmte*
Er blieb stehen, wo er stand, und fein G sicht war re. (Jüngstes.
„Wann Eure Wunde es erlaubt und Ihr sili er L ft verspürt, könnt Ihr ja ausstehen, Frau. Rech seht ihr mir nimmer danach aus, denn das Fieber da! arg an Euch gezehrt. Auch habt Ihr ja vor wenigen Taren "och selber so sehr darum gebeten, hier zu bleuen. Und Rimmer heimzukehren.' <
f-art an der Grenze zwischen Mecklenburg und Pom- mern lag das gewaltige und sehr mächtige Sch'oß Wolde. Mit seinen trotzigen Wachttürmen und den meterdicken Steinmauern, die überall „befestigt und be. speiset und bewohnt' waren, glich es einer ^ier uneinnehmbaren F stung. Hier hauste Verend I .altzan mit feiner jungen Gemahlin Gödel von Alvens'eben, die aus der Mark stammte, und mit seinem Striefbruder Otto.
Es war so um die Mitte November, dos Jahres 1478. Der erste Schnee deckte mit seinen dünnen, weißen Sch'eiern Hof und Stallungen, Dächer und Türme der Burg Dolde Son der höchsten Sinne flatterte das F hnlein der Moltzone in seinen b'augelben Farben. Heber den weiten, schilfbewachsenen S impfnie^er; ngen, die eine dün-e Eisdecke trügerisch überzog, lagen die gelben Strablen einer matten Wintersonne, die sich grämlich Sahn zu brechen suchte zwilchen schweren, dunklen Schneewolken. Zur Sette Des Weges, der zur Burg hinausführte, saßen auf z-rzaufttm Weidenge"st Schwärme von Krähen, die mit ihrem hungrigen Geschrei die kalte Wmteriuft füllten (Forts, folgt.)
Oben in der mächtigen, weit ausgebauten Halle der, Burg saß Verend Maltzan im pelzverbrämten LeibroS am Saminfeuer. Ihm gegenüber am schweren Eichen.' tisch der Ritter Klaus Hahn aus Basedow, der ihm eng versippt und befreundet war. Verend stand dazumal im besten Mannesalter. Sein kluges, energisches Gesicht» war von einem dunklen Barte umrahmt. Seine blauen^ Augen hatten einen tiefen und scharfen Blick, der jedem, gleich bis In die Seele zu bringen schien. Es war heute eine Unruhe in ihm, die man sonst nicht gewohnt war an dem rauhen Kriegsmann. Zwischen joden Schluck, den er aus dem schweren Humpen tat, ging sein Auge zur Tür, wie in ungeduldigem, fragendem Warten.
„Laß nur gut sein, Verend,' lachte Rlaus Hohn und neigte sich zu dem andern herüber, „so schnell geht so etwas nicht. Und helfen kannst Du ihr auch nicht dabei. Sie hat ja Beistand genug jetzt. Und wenn der Junge da ist, kommt Brigitte Aloensleben und gibt Dir gleich Bescheid.' '
Berends mächtige Hand spannte sich hart um den Decher, daß man alle Adern sah.
„Wer sagt Dir denn, daß es ein Junge wird, Klaus? Und doch muh ich einen haben. Denn sieh, ich habe Großes vor mit ihm. Mehr soll er lernen, viel mehr __ als es sonst üblich bei uns. Ich bin viel aus dem engen Steife meiner Heimat in das weite Deullchtand gekommen, an Fürstenhöfe und zu gelehrten Geschäfts- leuten. Da habe ich eingesehen, was mir noch alles fehlt. Mein Sohn soll einst mehr wißen als ich. Richt nur in Wcidwerk und Waffenführung ausgebildet werden, wie sonst die jungen Edlen hier zu Lande. Denn e» wird einst viel zu verwalten haben.'
Klaus krauste die Stirn und fuhr sich mit den Fingern durch den dichten Bart
„Zuerst rate ich Dir, mit dem Herzog TRav-us Frieden zu schließen, Verend. Dieweil Dir sonst in Bald, noch alles genommen werden kann, was Du hast.'
Da schlug Verend mit der Faust auf den Tisch, daß die Hllmven klirrten.
«Fortsetzung folgt.)
ibetanuooalid# für Den ^oaruonellen Teil: Karl Schölle, z für DU Anzeigen: 3. Parzei irr-Fulda. - RorattonsDrult u. Verlag Der Fuldaer ActienSruckerei in Fulda temipiedier Rr. 9 Telegr.-Adre'l»: Fuldaer Zeitung
schärfste Berurteilung. Der „Vorwärts" mach! baoon feine Ausnahme, wenn er von „einem Griff nach der Gurgel unseres Wirtschaftslebens' spricht und wenn er »eiter fagte, „unsere Frauen, unsere Kinder, unsere Kranken sind es, die die Opfer einer solchen brutalen Gewaltpolitik »erben. In einer der Betriebsversammlungen gab em Redner dem Empfinden Ausdruck, als ob Drahtzieher damit beschäftigt wären, den Streik .vom wirtschaftlichen auf das politische Gleise zu schieden. Bon der T«hrchchen Nothilfe wird angenommen, daß es sich um Maßnahmen handelt, die mit dem Jahrestage der rufst sch en Revolution in Verbindung ftehen. In Flugb.attern wird denn auch der Streik als Einleitung zur Feier des dritten Jahrestages der russischen Sowjeterklärung begrüßt. Arbeiter, Angestellte und Beamte werden aufgesordert, den Betrieben sornzubleiben. Es gewinnt den Anschein, als ob die Lohnsroge nur vorgeschoben sei und die -reuet des wilden Streiks führende Kommunisten und Aichangsr der Mtlcn Intermtiontie sind. Fest steht jedenfalls, daß jetzt von allen denjenigen, denen die Gelegenheit günstig erscheint, geschürt und gehetzt wird, um die Arbeiterschaft mmz Berkins in einen politischen Generalstreik hmemzu- treiben. Schon mußte der Vorsitzende des Deutschen Ei se n bahn er v e r ban d e s vor der Eenerotstreikhetze öffentlich warnen, die in den Eifenbahnbetrst'ien umgeht. Unter den anderen 2trbeiterfategorien b" •* sit übrigens keine allzu große Neigung, den Kampf auf der ganzen Cime entbrennen zu lasten. In sämtlichen Berliner Gas- und Wasserwerken find die Beleoichafton auch am Sonntag in voller Stärke erschienen und haben die Arbeiten in gewohnter Weise durchgesührt. .
In den Verhandlungen mit den streikenden Ekeftrt- zitätsckrbeitern am Samstag abend war fest gelegt worden, daß die Arbeiterschaft einen N o t b et r i e b entrichten und die Krankenhäuser und andere wichtige Betriebe mit Strom versorgen sollte Diese Vereinbarung wurde ,edoch nicht gehalten und so wmde in der Nacht die Tech- nW Nothilfe in den Kraftwerken Moabit. Rurmnelsburg und Stealitz eingesetzt. In dem großen Moabiter Werk urti) 'm Rummelsburg, das deshalb für Berlin so wichtig ist, weil hier die Ueberlandleitmwen von Golpa münden, wurden zirka 150 Nothelser eingesetzt. Durch die Der- Handlunsen mH den Streikenden war kostbare Seit verloren gegartem. Der vastlosen Arbeit aller DeteiKrtten gelang es aber, big 6 Uhr morgens m Moabit sechs Kessel, in Rrmirnttsburg vier Kessel betriebsfähig zu machen. Eine Stinte später lief bereits eine große Sttrnnerzeugungs- nürschine. tmb im Laufe des Vormittags konnte noch eine wehere in Gang gesetzt werden. Am Sonntag vor» mittag fo->den reue Verhandlungen zwischen den Eleftri- xHätsarbeitem, der Direktion der städtischen Werke und Vertretern des Magistrats statt. Sie hatten zunächst das Ergebnis, daß die Arbeiter erklärten, selbst in den Werken Notstandsarbeiten ausfi-hren zu wollen und außerdem einen Notbetrieb emzur'.cht-en, der die lebens- wichtigen Vst riebe mit Strom r-rforae. Daraufhin erhielt die Technische Rothilfe am den Auftrag, die rwn ihr bssetzten Kraftwerke zu raunen.
Steuerung bonVl für ihre Verträge keine Rechts» Verpflichtung mir dem Artikel 18 des Völkerbunds ur sich zugcftcht. Der Artikel 18 sieht vor, daß jeder Vertrag, oder internationale Abmachung, bte ein Brm- desmitgltÄ künftig abschl eßt, unverzüglich beim Schrift- amt einzutragen rmd sobald rote möglich von ihm zu orr- Ssfentlichen ist. Dir deutsche Regierung wollte mit der Dereitwilligkeit, alle ihre Abkommen dem Völkerbund zu unterbreiten, nur die Tatsache bekunden, daß sie nichts zu verheimlichen habe.
In einem eigenartigen Gegensatz zu diesem Entgegen» l'ommei Deutschlands gegenüber dem Völkerbund steht die Tatsache, daß die französische und belgisch- Regierung, die doch Angehörige des Völkerbundes sind, ruf) nicht veranlaßt fühlen, ihr Militärabkommen zum Aweck der Veröffentlichung des Völkerbundes zu unterbreiten. Soviel bekannt geworden ist, sind die Regierungen in Paris und Brüssel nur bereit, die Ta!» ache eines solchen Abkommens mitzutrilen, den Inhalt aber weiterhin geheim zu halten.
Der 10. Kongreß der christl. Gewerkschaften Deutschlands
findet vom 20. bis 24. November in Essen statt. Der letzte Kongreß tagte im Oktober 1912 in Dresden. Der Essener Kongreß wird die Auffassung kundgeben, nach denen die christlichen Gewerkschaften, deren im Deutschen Gewerkschaftsbund bereinigte Anhänger 2 Millionen Arbeitnehmer sind, bc.8 wirtschaftliche, soziale und politische Leben Deutschlands in der Neuzeit . eführt wisten wollen und nach denen sie es zu beeinflußen gewillt sind. Der Kongreß wird fo eine besondere Bedeutung für die deutsche Arbeiterbewegung tote für daS deutsche Volksleben haben. Staatsminister Steaer- toalb wird sprechen über „Christliche Arbeiterschaft und Lebensfragen des deutschen Bolte»-. Andere Vorträie behandeln die deutsche Wirtschaft, den Gemeinschafts, gebauten in Staat und Wirt chaft, daS AibeitSverdält- niS nach dem neuen Richt, die Verwertung der ßrnb« ordert und die gewerkschaftliche Lohnpolitik, Christentum und Sozialismus ufto Mit Dem Kongreß ist eine BetriebSrStetagung des Deutschen GewerkschastSbnndeS verbunden.
Aus dem besetzten Gebiet.
Französische Ansbenle der Saarkohle. Die Ausbeute der Sanrfoblengruben dmch die Franzosen steigert sich von Monat zu Monat. Die Saarberrarboiter find infolge der Frankenlöhnung bereit, Ueberscksichten zu fahren. Die französische Regierung hat ehre Verbilligung der Saar- kohle um 10 Prozmt eintreten tasten und große Mengen nach Holland, nach der Schweiz und nerfi Italien verkauft.
Eine franzSfifche Prspagandn-Zeft-chrifl im Rhttnlimd. Sn Mainz geben die französischen Behörden eine neue Propaganda-Zeitschrift betitelt „La Revue Rhenane' heraus, welche auf geschickte Weise den französischen Pufferstaats- und Amrektionsbestrebungen im Rhnntand Vorschub zu leisten versucht. In den rheinischen Stadtrn wird In riesieen Plakaten für die Zeitschrift Provaganda gemacht.
Preffeverbofe. Die int emllsi orte Rheiitiandskomrnif» sion hat bas Erscheinen der demokratischen „Rheinischen Rundschau' mid der „Trierer Zeitung' wegen eines im August veröffentlichten Artikels über die Lage in Oberschlesien aus die Dauer eines Monats verboten. Wegen des gleichen Artikels waren drei Redakteure der genannten Zeitungen früher durch das framöfttoe Militärgericht in Trier zu einer Geldstrafe von je 3000 Mark verurteilt worden.
Die fnwzösische Poslkonlroste, welche drei Wochen lang rn Spener den Ein- tnib Auslauf der Brieffendunoen und Tesemamme kontrollierte, hat jetzt die Stadt rertatien. Der Geschäftswelt von Speyer ist durch die französisch« Zwangsmaßnahme, die große Derzöoerung-n 'm, Verkehr Der*
Sie sah Ihn groß an aus ihren tiefen blauen Augen. „Ich kann das nimmer lo verstehen, Herr, als Frau. Rur ist mir seither ein Fürchten angekommen vor den Maltzanen, weil sie so Hausen im Land. Ihr seid auch ein Lehnsmann von ihnen?'
Aber der andere stapfte schon nebenan durch die Halle, und sie hörte seinen schweren, klirrenden Schritt aus der Stiege verhallen.
„Er wird mir zürnen, daß ich so gegen die Malbane sprach,' dachte sie und bemühte sich, ein Schlücklein Was. fer aus dem schweren Kruge zu trinken.
lieber den Burghof ging Otto Maltzan und suchte den Sogt Uffe rief Ihm bann im Dorübergehen mit barscher Stimme zu:
„Dir Kranke, die in Eurer Kammer liegt, braucht nimmer zu wisten, wer ich bin. Hört Ihr, Bastian? und sagt es auch Eurer Frau.'
Dann pfiff er den Hunden und ging an den See hin- unrer.
«nlenteprotest gegen die
Einwohnerwehren.
Ter Chef der tnteraliierten Heereskonirolllom- «tifiion General Rollet hatte in einer Note vorn 15 September das Entwaffungsgesetz bean- Sanbet- Auf diese Beanstandungen rrtoiberte das urwärtige Ämt mit der Hole vom 28. September. ffne Antwort deS Generals Rollet auf das Schreiben des Au-wärtigen Amtes ist vom 12. Okt. haftete Sie führt aus:
Die Organisationen (Einwohnerwehr usw.), welche miter Bezeichnung der „S el d stsch utz org an Isa- t j o n«n' begriffen werden, hätten schon mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages, mit dessen Bestim- mungen sie in Widerspruch stehen, aufgelöst werden yüjen. Ihre Beseitigung ist übrigens durch die An- ordnung vom 8. April 1920 vorgeschrieben worden. Jrohbem bestehen immer noch gewisse Selbstschutzorga- eifationen. Sie sind sogar neuerdings akttv hrrvorge- treten, in Bayern bei der Gelegenheit eines Wett- «chießens, ebenso in Bremen, wo sie zur Aufrechterhal- tung der Ordnung verwandt worden sind, trotzdem mehr als genug reguläre Kräfte dort vorhanden waren. Die Selbstjchutzorganijationen sollen die Waffen nach den von Deutschland getroffenen Maßnahmen erst in einer tinth nicht festgesetzten Frist abliefern, deren Festsetzung dem Reichskommiskar überlasten ist, desten Dollmachten em 1. April 1921 zu Ende gehen. Das Schreiben vom 28 September gibt zwar an, daß diese Ablieferung vor dem 1. März 1921 durchgesührt werden soll, aber diese Angabe ergibt sich nicht aus dem Wortlaut der Gesetze pnd Verordnungen, die der interalliierten Heereskon- trollkommistion mitgeteilt worden sind. Andererseits ist ein Aufschub In diesem Umfange mit den Bestimmungen des Protokolls von Span ebensowenig vereinbar wie mit der Notwendigkeit, die Selbstschutzorganisationen aufzulösen. Die interalliierte militärische Kontrollkom. Mission ersucht um Mitteilung derjenigen Maßnahmen, die die deutsche Regierung zu treffen gedenkt: 1. um die Entwaffnung der Selbstschutzorganisationen zu be- Feunigen, 2. um die Auslösung und Beseitigung die-
Formationen stcherzustellen. Sie ersucht ferner, ihr bald als möglich mitzuteilen: a) die Gesamtsumme der von Selbstjchutzorganisattonen angemeldeten Waf- £, b) die Gesamtsumme der schweren Waffen, die von fen Organisationen in Ausführung der in Ihrem Brief vom 28. September bekanntgegebenen Anord- pungen des Reichskommistars abgegeben worden find.
General Rollet, der Chef der alliierten Kontroll- tommission für das Heereswcfen, beschwert sich darüber, daß wir in urrferer Entwaffnung hinter den An- sorderunaen von Spaa zurückgeblieben seien. Ihm geht rtirfji allein die Ablieferung der Waffen zu langsam, er verlangt auch die Auflösung der Selbstschutz- Organisationen, insbesondere der Einwohnerwehren in Bayern. Sn Bayern glaubt man ohne sie nicht auskommen zu können und Hal bisher erklärt, die Wehren nicht aufzulösen; das Reich aber ist gebunden durch den Spaa-Vertrag. Bei Nichterfüllung durch einen Teil des Reiches ist Frankreich berechtigt, ins Ruhrgebiet einzumarfchierett. Die Franzosen wünschen das, rote fürchten dies als das größte Unglück, das uns noch geschehen könnte. Wie den Widerspruch lösen zwilchen der bayerischen mid französischen Auffassung, den Wünschen Bayerns und dem Zwange, der auf dem Reiche lastet? Das deutsche Volk hat mit ferner Regierung gewiß vor aller Well gezeigt, daß es ihm mit der Erfüllung der Spaaer Abkommen Ernst ist. Auch in der Abrüstung und Entwaffnung haben wir ungeheure AnstrenMngen gemacht und sehr viel Leistet. Unsere klar erwiesene Willigkeit in allen tiefen Dingen berechtigt uns, Geduld und Nachsicht von der Gegenpartei zu fordern. Nur wer unser verderben will, kann von uns verlangen, daß wir uns selbst überbieten.
Deutschland und der Völkerbund.
Wie cms London gemeldet wird, hat Deutsch and den Völkerbund benachrichtigt, es werde alle s e i n e A bkomm e n denn Schriftamt des Dölkerbunds eintragen lasten. DaM ist zu bemerken, daß die deutsche
ursacht«, riesiger Schaden erwachsen. In der Devofterrmg bezeichnet man die Kontrolle als eine beabsichtige Schi- tane des m Speyr roeitenben französischen Generals de Metz. M _____________
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag behandelte am Samstag zwei 3nter-; pellattonen über die Leiden des besetzten RHeiniandes. Eine von sämtlichen Fraktionen unterschriebene über den Raub' von Eupen-Malmedy und eine demokratische über die Verhältnisse in den Rheinlanden, diß Kosten der Besatzung und die DehaMimg der Bevota ferl2tog. Dr. Dell (Ztr.) begründet die Interpellation über Eupsn-Malmedy. Er weist an Hand der vertraglichen Bestimmungen nach, daß die Zuweisung der Gebiete vor» Eupen und Malmedy an Belgien diesen Seft.mimungea absolut widerspräche. Es handelt sich hier um ein Glied, der Sette eures Systems, das Deutschland für immer do mittigen und zum Absi-rben bringen soll. Er spricht daim. über di« Verhältnisse tat besetzten Rh-sikland und oerlangt genauen Aufschluß über die Kosten der Besetzung. (E* wendet sich gegen die viel zu hohe Zahl der Defatzungs^ truppen, die euren beispiellosen und unerhörten Umfana angenommen habe. Hier verbergen sich Machtgelüste und- Annexionsabsicht. Neuerdings wird immer mehq Gelände ht Anspruch genommen für militärisch^ Zwecke, es werden groß« Flurschäden angerichtet, diq den Wohlstand der Bevölkerung vernichten. Die »camtert werden widerrecht sich behandelt.^. Wir haben das volle Berheuett zur Regierung, daß sie nichts versäumen wird, um unter Derücksichttouna der für uns sehr fchmieriaen Lage Deutschland zum Recht zu verhelfen. Besonders b«. fiagsnsroerte Zustände herrschen in dem von dm A rner t- kauern besetzten Gebiet. Das viele Geld, mit dem die Amerikaner um sich werfen, führt zu einer sittlichen Verwahrlosung ht dem besetzten Gebiet; eine sonst gut religiöse Bevölkerung gerät auf Abwege. Wir richten an bas Auswärtige Amt die btergeirbe Ditte, das Material der amerikanischen Regierung zu unterbreiten* rmd wir haben die fest« Ueberzeugung, daß dann vms Mashmyton aus bald eimtegriffen wird. Diese Zustande schreist ,««dezu nach AMfe. ^Auch (regen die ander» Besetzitm.truppen werden tagtäglich schwere Anklagen^ Dormi"' Beschwerden erhoben, und vor allem gegen die ft»--' tauche, daß noch heute farbige Truppe^ als Besatzung verwandt werden. Die Zustande find derary geworden, daß feine anständige Dame mehr auf den Stea- hen fich sehen lasten kann, ohne den schwersten Belästigungen ausgesetzt zu werden. Wir appellieren ay die ganze ziviltslerte Welt, ob es noch langes geduldet werden soll, daß solche Zustande bestehen bleiben. Die man mit dem Sellsitbestimmimesrecht ins Eupen und Malmedy umgeMMgen ist, haben 6t* Derhcmdlmteen in der Nationalversammlung am 20. April bewiesen. Don 33 000 Stimmberechtigten Haden sich tmv 261 in die Listen etntragen tasten. Durchaus eimvandfreie, zuverlässig« 3euren aus den Kreisen selbst, aber auch zuverlässige Zeugniste holländischer und mgltfcher Befuchei bekunden, daß die Bevölkerung geradezu verhindert wurde, Ihren Willen kmidzugehnt. War der Völkerbunds-i rat nach der Auffassung der IRegtenmg überhaupt zur end- gAtigen Entschesinmg berechtigt? Dir appellieren an di» Vollversammlung des Dölkerbundes tmK fordern gründsiHe Nachprüfung der Abstimmtmo. Wir liegen machtlos am Boden, öfter so sicher, rote das Recht empörtommen muß, werden auch dereinst fommenbe Generationen unseres deutschen Vaterlandes die Wiederaufrich- tnrra erleben. Wir wollen nicht verzweifeln! (Beftall.)
Reichsrnfvister des Aeußeren Dr. Simons: Auf unsere zahlreichen Defchwerden haben ro;r niemals eine etachövfende Antwort bekommen, meist überhattpi fe'ne. Wir wissen nicht, ob unser Material überhaupt geprüft worden ist. Die Entscheidung über Eupen-Ma'medst kann nur durch b’e Sölferbunhscerlammlung aetrofsest werden, um so mehr, als der Dölkerbundsrat selbst nichtz einmal nach den Bestimmungen des Friedensvertra-tes zusammengesetzt stt. Die deutsche Regierung kann da.' her die Entscheidung über Eupen-Malmedy durch den». Dölkerbundsrat nicht als richtig anerkennen.^ Namens der deuffchen Regierung lege ich ferner Verwahrung ein gegen die gofchichtswidrtae Weise, in des die belgische Regierung von einem „Wiedererwerb" der! Kreise E"pen-Malmedv spricht. Euren hat z-i Preußem gehört, ehe überhaupt der belgische Staat bestanden hat. Die beiden westlichen Ercnzkreise sind der wärmsten Anteilnahme des deuffchen Volkes und der (Regierung» stets sicher. Die Reichsregierung wird keine Gelegenheit!
EleNrizftälsstreik In Berlin.
Am Freitag um drei Uhr nachts stt plötzsich twe Stromversorgung Berlins eingestellt worden. Der gesamte Straßenbährwerkehr richt- Die Stabt ist ohne Licht. Die Elektrtzttätsarboiter bezogen seither für die Stunde 4,93 «M. bis 5,41 M. Dazu kommen Kinderzutagen pro Monat und Kind 50 -Ä. Schwerarbeiter erhielten pro Stunde 10 Pfg. Zuschlag, für Nachtarbeit wurden 25 Prozent, für SonntapsarbeÄ 50 Prozent Zuschlag gewährt. Durch die neuen Zugeständnisse sollte der Lohn um 50 Pfg. pro Stunde erhöht werden. Da» bedeutete für die Stadt eine Mehrbelastung von 44 Millionen Mark, die natürlich von Der übrigen Bevölkerung der Stadt getragen werden muß, denn man beabsichtigte, die Stnrßen- bahntarlfe sowie die Tarif« für Gas, Master und (Etat- trijität abermals zu erhöhen, um tiefe neue Ausgabe decken zu können. Der Schiedsspruch war den Arbeitern aber nicht wettgehend genug. Anstatt mm di« tariflichen Instanzen einzuhatten, traten uie Clektrizitötsarbeiter ohne roeticres in den Streik, sie fetzten ihre eigenen Interest en über tie der Allgemettcheit; dadurch, daß fie das ganze Mrstchrrftsgetrieire der Millionenstati erdroffeln, wollen fi« roeitere Zugeständnisse auf Kosten der Allgemeinheit, m erster ßmie also ihrer Klass-mgenosten, die roeitaus die Mehrheit der Groß-Berliner Bevölkerung ausmochen, er» pressen.
Die Bevölkerung ist mit Recht empört über tiefes Vorgehen. Auch in weiten Kreisen der Arbeiterschaft begegnet 6gr vom Zaune gebrochene Streik schärffter Der» urtettun-. In den Detriebsversammlungen kam der Zwiespalt dte Meinungen ebenfalls zum Ausdruck. Insbesondere waren es die Führer, tie entschieden von dem Streik a6rieten. Aber bei der Dorabstirnmung zetate sich, daß die radikalen Elemente die Oberhand hotten. Einer von ihren Führern erklärte: „Wir bekommen unsere Lohnerhöhung, und wenn wir über Leichen gehen sollten." Der unerhörte Gewrtttaki von Arbeitern, dte ferne Spur von Gemeinsinn und nicht einmal ein Gefühl für die Leiden ihrer Standesgenoffen haben, die sie dmch ihr Treiben herauf- befchwören, findet natürlich in der Press« aller Richtungen
Sie sah erschrocken zu ihm auf.
„Wann hab ich bas getan? Und wo habt Ihr es gehört? Ich sah Euer Antlitz hier noch nicht in der Burg." Er nickte.
„Das glaube ich wohl. Ihr wart auch tief im Fieber, als Ihr so bitter tagtet Ich war mit dem Vogt In der Halle nebenan, da habe Ich jedes Wort gehört"
Sie sank auf ihr Linnen zurück und atmete schwer.
„Das war im Fieber, Herr. Darauf dürft Ihr nichts geben. O, laßt mich bald zurück zu den Meinen, dieweil es feinen Aufschub leidet."
Und wie in Mer Bitte legte fie di« Hände inein- ander.
Er nickte.
„Ihr seid doch nimmer meine Gefangene, Frau, mtd könnt tun mb lasftn, was Ihr wallt Nur g-s-rnd müßt Ihr erst sein. Und dazu sende ich meine Schwägerin, die finge Frau Gödel."
Er wandte sich zum Gshen.
Da fiel sein B ck auf das we'ße Bärenfell, bas über ihren Füßen lag, und er wies mit der Hand daraus.
„Das wird Euch gut tun und wärmen in den falten Rächten jetzt. Es war das größte, das bet der Beute war."
Sie hatt- hie Stirn gekraust und stieß da» Fell ein wenig zurück.
„Habs nimmer nehro-n wollen von der Dogtin, die- wrst es von b'm Ra-'l-ritter kam." Er fuhr herum.
von wem, sagt Ihr?"
Don e nem der Maltzan«, we'ß nimmer, von welchem. Bte» klebt daran, weil es dem Herzog Magnus geraubt ist."
In seinem Erficht z ckte es, und er biß sich auf die Lirpm.
.Ihr wißt nicht, roa? Ihr schwätzt, Frau Seit wann flytz die SRalfiont Raubritter?. Weil sie in Fehde liegen mit tarn H-rzog. gingen sie gegen Ihn nff dem Schwert - b*r Hand. Just so, wie es Herzog Magnus getan, al, er ble'en Frühling i-m geringer Ursache rollten den Verend Ma'tzon über' und gefangen tat Auge um [ Auge, Zayn um Zahn/
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