Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.
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Donnerstag, 4. Hoo. $920
Nr. 256
Verantwortlich für Den ceüarrwnellen Teil: Karl Schütte, ~ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefje: Fuldaer Zeitung.
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47. Zahrg.
Um das Geld der Steuerzahler!
Wir haben schon öfter darauf Hingewiesen7^velch" Riesensummen aus dem Gelds der Steuerzahler für nicht nutzbringende Zwecke auch heute noch ausgegeben werden. Ein Kapitel, das anscheinend überhaupt nicht tot zu kriegen ist, wird auch setzt noch von den Krieg s- aesellschaften gestellt. In dieser Beziehung kommen wir anscheinend vom Regen in die Traufe; denn die Krtegsgesellschaften formen sich immer mehr in sogenannte „Abwickelungsstellen" um, die sich auf r,n überaus zähes Leben einrichten. Hier find Dinge im Werk, die der größten Aufmerksamkeit der Oeffent- lichkeit und vor allem der berufenen Organe der Reichs. Verwaltung bedürfen. Als ein Beitrag zu diesem Kapitel sei für heute eine Zusammenstellung der „Verl. Morgenpost" mitgeteilt, in welcher eine Reihe von Feststellungen enthalten sind, die zeigen, wie trotz aller amtlichen Sparsamkeitsmahnungen auch heute noch mit dem Geld der Steuerzahler gewirtschaftet wird. Cs heißt da u. a.: „Das dem Wirtschaftsministerium angeschlofsene Reichskommiffariat für Aus- und Einfuhrbewilligung erfordert für 1920 fast acht Millionen mehr als im Vorfahre. Es kostet über neun Millionen! Das Kommissariat umfaßt 131 Beamte und 479 Angestellte. Sie „verbrauchen" für 90 000 Mark Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren, für 250 000 Mark Miete (!), für 150 000 Mark Heizung (!!). für 40 000 Mark Befeuchtung, 210 000 Mark für Büromöbel, 280 000 Mark für Schreibmaterialien und Drucksachen und nach verschiedenen kleineren Poften kommen noch 43 000 Mark „sonstige Kosten" hinzu.
Noch kostspieliger arbeitet das Reichskommissariat für die Kohlenverteilung. Es beschäftigt 13 höhere Beamte, 15 mittlere Beamte, 17 Direktoren, 1-52 Referenten und Revisoren, 125 Korrespondenten, 173 mittlere kaufmännische Angestellte. 1115 Reaistra- turangestellte, 51 Bürogehilfen, 2 Unterabteilungslei- terinnen, 6 Korrespondentinnen, 211 perfekte Stenotypistinnen, 274 Stenotypistinnen und Kontoristinnen, 91 Bürogehilfinnen und 107 gewerbliche Angestellte, Boten und Reinemachefrauen. Diese Kräfte erfordern jährlich rund 21 Millionen für Besoldungen. Dazu kommt eine weiters Million für Reiseqebübrniffe, 1,8 Millionen für Post-, Telegraphen, und Fernfprechge- bühren und fast 3 Millionen für Gefchäf^sbedür^nstfe und vermischte Ausgaben. Diefe vermischten Ausgaben aber setzen sich folgendermaßen zusammen: Miete 480 000 M2'. (!), Unterhaltung, Reinigung, Heiumg und Beleuchtung 850 000 Mk. (!!), Schreibmaterialien, Drucksachen und Büramöbel 1 280 000 Mk.. Zeitungen und Bücher 80 000 Mk., Fahrgelder 40 000 Mark und sonstige Kosten 150 000 Mark.
Beim Wirtschastsministerium besteht weiter eine Gutachterkommission für Schubwaren- preise, die zwar am 31. Juli 1920 aufgelöst ist. aber für 19’0 noch immer 70 000 Mark kostet, denn sie beschäftigt noch zwei höhere Angestellte, zwei Anneste'ste im Biirodienst. einen Boten und eine Re-nemachef-au. Bis z'w 31. März 1921 erfreuen wir uns ferner eines Reichskammiffariats für die Bewirtschaftung eiserner Flasche", das die Kleinigkeit von 160 000 Mk. kostet, 50 000 Mk. mehr als 1919. In den Crlä'cke- eungen heißt es. daß fast sämtliche noch ausstehenden Gebühren im Zwangsweqe beiaetrieben werden müssen. Es stehen noch etwa 1200 000 Mk aus. Sie einzutreiben müßte ein Gerichtsvollzieher genügen. Aber in diesem Reichskommissariat für die Bewirtschaftung eiserner Flaschen sind damit beschäftigt: ein höherer Angestellter, 15 Büroangest-Nte und. eine .Reinemachefrau. Allein die Schreibmaterialien erfordern 14 200 Mark.
Die Wahl Kardfnqs zum Präsidenten von Amerika.
Die vorsieyenden Nachrichten über die amerikanische Präsidentenwahl besagen, daß von den 531 Wahlmännern, die den Präsidenten zu wählen haben, im ganzen 294 für Harding bisher gesichert sind. Für Cor sind 117 Wahlmänner gesichert. Es wird
Das Schwert von Thnle.
Roman von Seontfne von Wintersel d-P laten 171 ---------
Schmunzelnd rieb sich der Alte die Hände.
„Ja, da, der böse Verend verstehts! Aber ist nimmer böse, unser fierr, und sein Bruder Lüdecke und Otto auch nicht. Wer ihn kennt, der weiß das auch. Nur seine Feinde nennen ihn so, weil sie ihm seine Klugheit und Kühnheit neiden."
„Wie lange denn ist das alles schon her, Alter? Und wie lange denn liege ich hier wund aus dem Stroh?"
Der Alte dachte nach und zählte leise an seinen Ungern.
„Gewiß kann ich's nimmer sagen, Frau. Aber ich lvein schier, es werden so etliche Wochen schon her sein. Ihr wart arg krank, und das Fieber hat gar uicht weichen wollen. Wie wird meine Alte sich freuen, ttenn sie heim kommt, daß Ihr wieder redet."
Da bat Hellwig leise um einen Trunk Wasser und schloß die Augen vor großer Schwäche.
Der Alte schlurrte langsam hinaus und machte sich un Nebengelaß zu schassen.
Es war jetzt dämmerig geworden, und er entzündete oen großen Kienspan im Eisenständer.
Aus dem Burghof hörte man den Huffchlag eines Fosses, und dann kam ein harter Schritt die Stiege hinauf. In rauhem Iägerwams und wetterzerbeultem llilz trat ein Mann in das tiefe, wohnliche Gemach, in dem der Vogt hantierte. Es stand dort in der Mitte 'm schwerer, eichener Tisch mit Bänken ringsum. Und 'm großer, rußiger Kamin, der tief in die Steinwand 'ingemauert war, strömte behagliche Wärme aus.
Der Bogt war ehrerbiestg aufqestgnden und neigte "'n grauen Kopf zum Gruß. Fest schüttelte ihm der °°dere die Hand und setzte sich dann an den Eichentisch, Bcn Filz neben sich auf die Bank werfend.
»Nun, alter Saffian, wie steht's? War ein sauberer "an9r was, den mein Bruder und ich getan haben? jfcau Gödel wird sich freuen über die reiche Beute, Ha, da, ha, wie eine Maus in der Mausefalle saß der ^'rzog Magnus hier in Summerom! Und hatte fchon G schön von Hochzeit und süßer Minne geträumt. Ein Jei( der Wagen mit der Beute soll morgen unter De- ®Un9 nach Wolde weitergeben. Herr Verend muß sie
angenommen, daß Harding im ganzen 3 80 Wahl- stirn m e n erhält. Da die absolute Mehrheit 266 beträgt, wird er also zweifellos mit einer sehr großen Mehrheit als Präsident der Bereinigten Staaten gewählt werden. In den einzelnen Staaten fielen auf Harding ungeheure Mehrheiten. Die Niederlage Cox und der Demokraten ist eine noch nie dagewesene.
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Der neue Präsident von Amerika, der Senator Warren G. Harding ist ein aus der Presse her- vorgegangener Politiker mit vielseitigen Beziehungen zu kommerziellen und industriellen Interessen. Er ist geboren am 2. November 1865 in Cornika (Ohio) als Sohn eines noch heute in der jetzigen Heimatstadt Holdings, in Marion, praktizierenden Arztes. Bereits auf der Universität ist er Redakteur einer Stu- dentenzeituug, ist dann kurze Zeit als Schullehrer tätig, sehr populäres Mitglied einer lokalen Musikkapelle, Schriftsetzer, Manager, und später unter finanzieller Beihilfe seines Vaters bezw. durch Ueber- nahme der Schulden der Zeitung Star Eigentümer dieses Blastes. Harding ist heute Direktor einer Bank, im Aufsichtsrat mehrerer Fabriken und Ael- tester der Baptistenkirche. Seine größte Popularität hat er in den letzten Jahren als Redner auf den ver- jchledensten Kongressen, Tagungen und Banketten erworben. In den letzten Jahren ist Harding dreimal in Europa gewesen, sodaß er als Sachverständiger in den europäischen Fragen gilt. Im Verlauf des Krieges vor Eintritt der Vereinigten Staaten war Harding einer der populärsten Verfechter der Roosevelt- schen Kampagne. Roosevelt bezeichnete Harding als dm kommenden Mann von 1920.
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Der Ausgang der amerikanischen Wahl ha diesmal eine große Bedeutung, auch für uns. Seit dem Zusammenbruch Wilsons in Paris war die weltpolitische Tätigkeit der Vereinigten Staaten lahmge» [egt. Der Senat mit seiner republikanischen Mehrheit wollte den schlechten Friedensvertrag nicht ratifizieren. Infolgedessen waren die amerikanischen Ber- treter aus dem Obersten Rat so gut rote ausgeschlossen. Das haben mir mehrfach schmerzlich vermißt, da man von den Amerikanern wohl eine Unterstützung der versöhnlicheren Richtung in der Entente gegenüber den französischen Haß- und Dernichtuno-tenden- zen ermattete. Die Unsicherheit der amerikanischen Verhältnisse wirkte auch hemmend ein auf die Wiedrr- mrfnüpfung der wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Nordamerika und Deutschland.
Auf jeden Fall ist es für uns und für die gesamte weltpolitische Entwicklung bester, wenn endfich Klarheit und Sicherheit geschaffen rotrb über die künftige Haltung von Nordamerika. Die Ratifizierung des Friedens wird freilich wohl noch Schwierigkeiten machen, aber man darf doch auf ein doppeltes hoffen: einerseits, daß die neue Regierung entschieden Anstrengungen macht, um sich auf eigene Hand mit Deutschland in einen Verkehr zu fetzen, der für beibe Teile vorteilhaft ist, und andererseits, daß von Amerika her auf eine vernünftige Umgestaltung des Völkerbundes hingearbestet rotrb. Der bisherige Widerstand der nordamerikansichen Republikaner gegen den „Völkerbund" im Friedensver- traae hatte ja feinen gewichtigen Grund in der Tatsache, daß dieser sogen. Friedensbund nichts anderes ist, als die Fortsetzung der Diktatur der Entente. Nielleicht verhelfen uns die Amerikaner zu einer wirklichen Gewähr für den Frieden durch Fortbildung des Haager Instfiuts im Sinne einer ehrlichen Frie- densgerichtsbarkest. Man muß allerdings berücksich-
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doch Frau Gödel zeigen. Aber nun ist das Nest hier wieder leer, was, Alter?"
Der Bogt nickte Er hatte sich zu dem andern an den Tisch gefetzt und eine Kanne Wein mit zwei Bechern auf die Platte gestellt.
„Alles teer, Herr. Bis auf die Frau, die so schwer im Fieber tag, daß wir sie nimmer mit den andern riehen lassen konnten."
„Eine Frau? Davon weiß ich nichts, Basttan. Seit wann kämpfen denn die Malhane gegen Frauen?"
Der Alle zuckte die Ach'eln.
„Sie muß sich wohl in des Herzogs Zug mitbefim- den haben, dieweil Leute von uns sie jenen Tag im Walde fanden und wund hierher brachten."
Der im Iagdwams runzelte unwillig die Stirn.
„Das höre ich nicht gern, Bastian. Denn das klingt ja beinah, als ob wir Räuber und Mörder wären und wehrlose Frauen überfielen."
Der Alte wiegte den Kopf.
„Es ist so, wie ich sage, Herr. Ein Speerstich muß sie getroffen haben an der Schulter. Sie war sehr krank."
Der andere schob den Wein von sich, als schmeckte er ihm nicht mehr.
„Wo habt Ihr sie hingebracht?" sagte er finster.
Bastian wies mit der Hand nach der angelegten Tür.
„In der Kammer dort hat meine Akte sie gebettet. Heute ist sie wieder zu sich gekommen und sprach mit mir."
Der im Iagdwams stand auf und nahm den Kienspan aus dem Eisenständer.
„Ich will sie sehen", sagte er kurz, stieß die Tür auf und hielt die Fackel hoch.
Als er an Hellwigs Lager trat, öffnete sie weit die Augen. Die waren groß und blank wie im Fieber- Im Schein der zuckenden Fackel schien ihr Gesicht wie mit Rosenglut überhaucht. In schweren Zöpfen tagen die blenden Haare über den Schultern und weit über die härene Decke hin. Ihre Lippen waren halb geöffnet und trocken und baten jetzt mühsam um Wasser. Da blickte sich der Vogt nach dem Krug und hielt ihn ihr an den Mund.
„Es ryird wieder schlimmer zur Nacht", flüsterte er.
Der andere hielt die Fackel immer noch hoch in der Hand und starrte wie abwesend nieder auf die Wunde. Dann fuhr er sich über die Stirn.
tigcn, daß das „lOOprozentige Amerikancrtum", dessen sich die republikanischen Amerikaner rühmen, die Politik Amerikas künftig beherrschen roird. Man wird zu den alten Ueberlieferungen der Wahrung des Momoe-Dvcirine (Amerika den Amerikanern) und der absoluten Abneigung gegen die Beteiligung an europäischen Angelegenheiten zurückkehren und man roird vor allem dem von Wilson fast völlig ausgeschalteten Senat wieder eine größere Rolle in der Bestimmung der auswärtigen Politik Amerikas zuwet- fen. Der Republikaner Harding hat sich im Wahlkampfe noch mehr als der Demokrat Cox gegen den Borwurf verwahrt, daß er sich von besonderen Rücksichten gegenüber Deutschland leiten lasse, von Rücksichten, die in die Interessen der amerikanischen Politik eingriffen. Diese amerikanischen Interessen werden in erster Linie richtunggebend für die Polifik Hardings sein, wenn er am 4. März nächsten Jahres das Amt des amerikanischen Präsidenten antritt.
Polen.
Neue Verhaftungen in Vromberg.
In Bromberg ist neuerdings von den Polen eine große Anzahl hervorragender deutscher Persönlichkeiten verhaftet worden. Die Deutsche Volksbank und der Deutsch-Polnische Preffedienst sind ge» . schlossen worden.
In einem Gasthaus zu Whfioka in Ober^chlesien wurde ein Landjäger aus Rosenberg und ein Lehrer aus Wyszoka am Biertisch hinterrücks erschössen. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden. Der Landjäger hatte am selben Tage in Wyszoka einige Verhaftungen vorgenommen.
Polen soll die deutschen Wagen zurückliefern.
Seitens der interalliierten Kommission sind end' lich bei der Warschauer Regierung dringende Vor' stellungen auf die sofortige Rücklieferung der deutschen Güterwagen aus Oberschlesien erhoben worden, die Polen in Verbindung. mit den Kohlen- und anderen Transporten erhalten hat, aber bisher für seine eigenen und wgar für mili- tärüdje Zwecke benutzte. Die interalliterte Kommission verlieh d esen Vorstellungen dadurch Nachdruck, daß sie im Weigeruncfts die Einstellung der Kockenlieferungen in Äu .;t stellte. Die jetzige zeitweilige Einstellung des Personenverkehrs in Bol-it wird in Zwammenhang gebrachr mit der Freimachung, von Maschinen für den Rücktransport der deut chen Güterwagen.
Korfaniy's Prügelgarde.
Korfanty, der polnffche Haupthetzer in Oberschlesicn. hat sich jetzt seine eigenen Leute, die Angestellten des Beuthener polnischen Abstimmungskommissariats, zu bitteren Feinden gemacht. Diese haben sich gänzlich von ihm losgesagt und veröffentlichen Flugblätter, in denen sie, die doch in alles eingeweiht waren, die ganze niederträchtige Hetz« der Polen öffentlich brandmarken. So rotrb "ht einem der neuesten Flugblätter mitgeteilt, daß unter Führung eines galizischen Hauptmanns geheime militärische Organisationen in großem Stil vorgenommen werden, um in den allernächsten Wochen einen neuen Bürgerkrieg entfesseln zu können. Weiter heißt es: „Bei dem diesjährigen Ausstand wur den von dem polnischen Plebiszitkommissariat mehrere 100 000 Mark bewilligt, von denen die verführten Oberschlesier, die ihre Haut zu Markte trugen, keinen Pfennig erhalten haben." Die Schlachta steckte das Geld ein und verwendete es zu Gelagen. Für den Streik habe man den Arbeitern ein Almosen von 10 Mark täglich gezahlt, die ihnen aber dann mit allerlei Be-
Wo hatte er diese Frau doch schon einmal gesehen? Wo nur? Aber er konnte nicht darauf kommen. Dann wandte er sich kurz um und ging wieder zurück in den Nebenraum.
„Daß Du und Dein Weib mir die Fremde gut pflegst, Bastian, hörst Du? Bei (Sott, es soll nimmer heißen im Land, daß die Maltzane Krieg führen gegen schwache Frauen. Wir suchen uns unser gutes Recht, und wo man uns das verweigert, erzwingen wir's mit dem Schwert."
Er setzte sich wieder an den Tisch und stützte den Kopf in beide Hände.
Immer wieder mußte er darüber sinnen, wo er diese blonde Frau schon einmal gesehen hatte. Er goß einen Becher Wein hinunter und dann noch einen.
Beim heiligen Hubert, da roars gewesen!
Er schlug mit der Faust auf den Tisch und nickte vor sich hin.
Im Sturm und Regen waren sie zusammen im Kahn die Warnow heraufgefahren. Jenen Tag, als er sein bestes Roß verlor. Hoch und stolz hatte sie am Mast gestanden und das Schiff gelenkt. Und der Nordsturm hatte ihr das Tuch vom Haupt gerisien und mit ihrem blonden Haar gespielt. Aber wer mar sie? Und wie kam sie in des Herzogs Zug?
Er grübelte vor sich hin, indes der Alte die Glut im Kamin schürte und neue Holzscheite hineinwarf. Da hoben sie beide zu gleicher Zeit den Kopf.
Es hatte die Fiebernde nebenan laut und deullich gesprochen.
Und jetzt wieder!
Durch die offene Tür konnten sie jedes Wort verstehen.
„Ja, Ahne, ja, ich will wohl alles tun, was Ihr sagt. Aber nach Demmin kann ich nimmer gehen. Bei Gott und allen Heiligen! O, sagt es dem Fridolin Lamm erzähl, daß ich sein Weib nicht werden kann! Um Got- tes Barmherzigkeit willen, sagt es ihm!"
Es war ein irres, wehes Klagen, das den andern in die Seele schnitt. Der Vogt nickte vor sich hin.
„So schwätzt sie schon allweil die ganze Zeit. Wann das Fieber steigt, kommt allweil eine große Angst über sie"
Der im Iagdwams atmete schwer.
„Kann man ihr denn nimmer Helsen, Bastian?"
Da ging die Stiegentür, und ein altes Weiblein, des Bastians Frau, humpelte herein.
Mündungen wieder abgenommen worden feien. Dis Oberschlesier sollten zu Sklaven der Schlachta gemach! werden. Das Flugblatt schließt: „Weg mit den Frü' densstörern, weg mit Korfanty und seiner Prügel schlachta!" _______
Die deutschen Milchkühe.
Im englischen Unterhaus erklärte auf eine Anfrage ein Regierungsvertreter, daß die Aufstellung der Wie- bergutmachungskommission über die Nachforderung von Milchvieh noch nicht den Befehl zur Ablieferung bedeute, sondern lediglich eine Berechnung gemäß dem hier in Frage kommenden Paragraphen des Friedensvertrages tmd eine Anfrage, wann die Tiere abgeliefert werden könnten. Jedenfalls müßten bst der endgültigen Entscheidung auch die Bedürfnisse des sozialen uni) wirtschaftlichen Lebens berücksichtigt werden.
Daraus geht hervor, daß in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen worden ist und daß bie irrsinnigen Forderungen, die von Frankreich erhoben worden sind, auf englischer Seite gebremst werden.
Deutscher Keich.
Die Auspressung Deulschlands.
Der Hauptausschuß des Reichstags begann am gestrigen Mittwoch die Besprechung der Ausführung des Vertrages von Versailles. Die Ausführungen des Reichsschatzministers Raumer waren zum Teil vertraulich. Der Minister gab zunächst einen allgemeinen Ueberblick über die Verhältnisse im besetzten rheinischen Gebiete und sagte, es sei zu hoffen, daß e>ne Milderung der Besatzungskosten zu erwarten stehe. Um dies zu erreichen, sei es erforderlich, auf eine Herabsetzung der Besatzungsstärke hinzuwirken und ferner die Garnisonen endgültig festzulegen. Der Reichsschatzminister gab weiter bekannt, daß trotz der erst kürzlich erfolgten Erhöhung auf 15 Milliarden eine weitere H eraufsetzung des Etats leider erfor- derlich fei. Neue Forderungen der Besatzungsmächte und das Abschlußergebnis des ersten halben Jahres verlangten diese Erhöhung. Dr. Helfferich (6ntl.) führte aus, wenn die Angabe des Reichsfchcchminifters richtig sei, daß Amerika die Kosten seiner 172 000 Mann starken Okkupationstruppen täglich mit 1 220 000 Dollar beziffere, so seien das rund
90 Millionen Papiermark pro Tag oder rund 32 Milliarden Mark im Jahre für 172 000 Amerikaner. Das sei doch eine vollendete Unmöglichkeit. Staatssekretär Walter sprach über die Requisitionen, die eine besondere Härte darstellten und teilte mit, daß die Kaserne in Ludwigshafen nicht 8 Millionen, wie im Haushalt veranschlagt fei, sondern 42 Millionen koste. In den letzten Tagen seien neue große Forderungen erfolgt, so u. a. für einen neuen Flugplatz bei Mainz chen man mit über 15 Millionen veranschlage. Die Belgier haben bei Aachen Infanterie-, Kavallerie- und Artillerieläger verlanat, die auf 56%; Millionen Mark kommen werden. Abg. Fleischer (Ztr.) erwähnte, daß manche Familien im besetzten Gebiet durch die Ansiedlung der Franzosen wohnungs- los gemacht worden seien. Abg. Dr. B r e i t s ch e i d (U. S. P. rechts) wies darauf hin, daß wir mit den 15 Millionen Mark einen großen Teil der französischen Heereslasten tragen müßten. Abg. Dr. H e l s f e r i ch (Dnat.) betonte, daß nach dem heutigen Kurs 500 Mil- 1 arben Francs an Frankreich zu zahlen seien. Es handle sich hier nicht nm finanzielle, sondern um astronomische Zahlen. Der Redner stellte weiter fest, in einer offiziellen Veröffentlichung der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs fei feftaeteqt, daß die Kosten für Deutschland 12 Mill. Pfund Sterling nicht überschreiten sollen; das seien 240 Millionen Goldmark, also 3, nicht 15 Milliarden Papiermark. Reichsrchatzminist-r v. Raumer erwiderte, dieses Limit gelte erst für die Zeit nach vollendeter Abrüstung. Ein Antrag B u r l a g e
Sie hatte ein Tuch um den Kopf und einen Korb am Arm.
„Bin spät heute, Bastian, wie? Wollte Eier holen aus dem Vorwerk unten, aber bas haben die Maltzan- schen rein ausgeplündert. Verzeiht, Herr, aber es ist soch so, Eure Mannen haben schlimm gehaust hier herum."
Der am Tisch nickte schwer vor sich hin.
„Krieg ist Krieg, Alte, Gott seis geklagt. Da fragt man nicht mehr nach mein und dein. Aber dies sind wir nicht gemefen. Des Pommernherzogs Leute waren es. Nun sind sie weiter gezogen durch die Länder Sta- venhagen, Stargard und Pentzlin. Die Dörfer sollen in Schutt und Asche liegen."
Der Alte schlug ein Kreuz und trat an den Tisch.
„Und Herr Verend ist auch dabei," murmelte ste scheu. Die andern schienen nicht mehr auf sie zu hören. Wie ein Wimmern klang die Stimme der Kranken von nebenan durch die Stille.
„Nein, nein, bei allen Heiligen! Nimmer zurück kann ich in die dumpfe, enge Stadt! O, laßt mich hier! daß niemand mich sieht!"
Da schlurrte die Alte kopffchüttelnd über die Schwelle, um die Fiebernde zu betreuen. Mit weichen, gütigen Worten sprach sie ihr zu und stützte ste. Da wurde sie ruhiger. Der am Tisch trank seinen Wein aus und stand langsam auf.
„Ist meine Kammer gerüstet, Bastian? Ich will nun zur Ruhe gehen."
Da nickte der Alte und leuchtete ihm mit dem Kien, span die steinerne Wendeltreppe hinauf.
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Es war an einem der nächsten Tage. Sie luden im Burghof zu Kummerow die Beutestücke aus dem Hochzeitszuge des Herzogs Magnus auf große schwere Wagen. Sie sollten nach Wolde gebracht werden, wo Verend Maltzan zu jener Zeit mit feiner Familie wohnte.
Es war ein ftischer, kalter Herbstmorgen, und auf den spitzen Schindeldächern und dem schweren Wachtturm lag noch hier un dda der Rauhreif, wo die Morgensonne den Schatten noch nicht hatte vertreiben können. Wähend die Knechte emsig hantierten und die schweren Gäule aus den Ställen zogen, standen der Bogt und der Fremde im Iagdwams in eifrigem Ge. spräch nebeneinander vor dem Tor.
(Fottsetzung folgt.)