-aß 255»
Mittwoch, 3. November 1920.
Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei ie Fulda
Tas Kohlenabkommen von Spaa und die Etsen- und Stahlwaren-Jndustrie
des sanerländisch - bergischen Landes.
(ton HandklSlammers yndikus Dr F. Wey in ar-Fulda.
durch die neue Stillegung von 12 Hochöfen wird yner denkwürdige Brief Wilhelms I. aus dem Jahre ,876 an Bismarck in Erinnerung gebracht, worin er Ich über die Größe der Gefahr ausspricht, welche der putschen Eisenindustrie dadurch drohe, daß ein S)od>* * ifen nach dem anderen ausgeblasen wird. Damals war ter Grund zu dieser Stillegung in der Zollgesetzgebung ju suche«., welche England die Möglichkeit gab, in ten freien Wettbewerb einzutreten. Heute sind die Ursachen fa anderer Richtung zu suchen. Es sind die Sohlen- ^wangslteferungen an die Entente, welche der Deutschen Eisenindustrie mehr und mehr die Existenz- Möglichkeit rauben und dem Wort Clemenecaus zur Wahrheit verhelfen wollen, daß, wenn die deutschen Hochöfen nicht mehr arbeiten, mindestens 20 Millionen Deutsche zu viel auf der Welt feien.
Ist die Kohlennot auch nicht die einzige Gefahr, welche unserer Eisenindustrie droht, so ist sie doch die größte. 15 Jahre lang werden uns jShrlich 17 Millionen Tonnen, das sind 9 Proz. der Steinkohlensörderung Deutschlands, durch die politische Stellung des Saar- tzebiets gänzlich entzogen und gerade diese Kohle biente vor allem der Roheisenerzeugung. Gefährdet ist Oberschlesien mit fast y4 der deutschen Steinkohlensörderung, verloren sind Elsaß-Lothringen und damit % der deutschen Erz'chätze. Die Auswirkung ze gt sich darin, daß die deutsche Roheisenproduktion von 19 Millionen Tonnen im Jahre 1913 auf 6 Millionen nach dem Krieg gesunken ist lieber 2 Millionen Arbeiter und eine Bevölkerung von ca. 8 Millionen Menschen fanden durch b:e Beschäftigung in der Eisen-Industrie ihr Brot. Sie stellten In der Blütezeit 16 Proz. der gewerblichen Ar- deiterschaft Deutschlands dar.
Allgemein ist es mit Befriedigung ausgenommen worden, daß ro r bisher im großen und ganzen den in Svaa aufcrlegten Verpflichtungen nachgekommen sind und die bleue Masse glaubt, daß das in Zukunft trei. terhin ohne merkliche Folgen weiterginge. Dem ist aber nicht so. Der Eisen- und S'ahlwarenindustriebund in Elberfeld hat in seinem Industriezweig eine Rundfrage über Betriebselnschränkungen und Arbei. terentlassungcn als Folge des Abkomme-s von Spaa erlassen, deren Ergebnisie eine furchtbare Sprache sprechen.
Die Remscheider Industrie hat bereits seit län- gerer Zeit, vor allem aber seit Anfang August d. I., zu Betriebseinschränkungen schreiten müssen. Ganze A'iei- lungen liegen wegen Mangels an Strom und Kohlen- zufuhr still. Wenn man bedenkt, daß bei einer Gesam> belegschoft von 20 000 Arbeitern in Remscheid Anfang August 1500 Arbeiter infolge des gena inten Umstandes zur Entlastung kamen, so fällt dieses sehr erheblich Ins Gewicht. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Lage noch verschärft. Bei den Werken, wo es zur Stillegung ein- zelner Abteilungen nicht gekommen ,ft, sind etwa 2 lis 3000 Arbe ter gezwungen, wöchentlich 1—3 Tage zu feiern. Die hierdurch bedingte Minderrerdienstmögl'ch- keit und die Aussichtslosigkeit einer Besserung für die Zukunft macht sich naturgemäß in einer starken Erre. ging der Arbeiterschaft geltend, welche sich öor allem in den unmöglichsten Forderungen an die Unternehm.ir, wie Zahlung der Feierschichten zu 70 Proz ulw. äußert, deren Erfüllung das Ende der dortigen Industrie besiegeln würde.
Aus der Solinger Industrie lauten die Nachrichten ähnlich. Die info’ge Mangels an Kohlen durchge- führten Betriebseinschränkungen der Solinger Schläge, reibetriebe werden naturgemäß zu wetteren Betnebs- einfehräntingen der non ihr abhängigen Fertigwaren» inb- ftrie führen und so Arbeiterentlassungen bedingen.
In der Hagener Industrie wird zur Zeit mit nicht weniger als 450 003 Streckstuoden in der Woche gerechnet. Durch Aufräumungs- und Notstandsarbenen war eine direkte Entlastung im großen und ganzen noch zu umgehen, doch ist die Lage insofern sehr bedenklich, da gleich ganze Werke, nicht nur Abteilungen von diesen der Notwendigkeit gegenüberstehen, ihren Betrieb vollständig zu schließen, sofern nickst baldigst in der Koh. lenlieferung eine Besserung eintritt. Dasselbe Schicksal trifft die dortigen Gewerkichmteden. wenn ihnen wie bisher zum Betriepe von Schmiedeseuern nur die hier- für gänzl'ch ungeeignete Braun- oder Schlammkohle so- wie Torf zur Verfügung gestellt wird. Eine Stillegung diefer Betriebe ist insofern um'o bedenklicher, a'» sie in großem Umfang für den Bedarf der Eisenbahnen, Berg- werke und die Landwirtschaft arbeiten.
Bei den Werken der (Enn eper Talsperre siegen Me Verhältnisse ähnlich. Sie leiden unter anderem an
Das Schwert von Thnle.
Koman von Leontine von Winterfeld-Platen. 16] _________
Da ward ihr weiter und freier um die Brust, a's sie hoch im Sattel saß und die frische Herbftluft ihr um 6tim und Wangen spielte. Auf der anderen Seite des Wagens ritten Herr Thimoteus Speck und Fridosin Lämmerzahl, in geschäftliche Gespräche vertieft. Heil« wigr Wangen, die die letzten Tage sehr ble-ch aewefen waren, begannen sich zu röten in der herben Morgen- lust. Und beim Anschauen der leuchtenden Farben- Pracht der Buchenwälder und der blaudunstlgen Fernen war es, als höbe sich langsam, langsam ein schwerer Stein von ihrer Seele, der sie die letzten Wochen schier wund gedrückt. In großen, tiefen Zügen weitete sich Ehre Brust und ihr Aime trank von der Schä heft rin"», um wie ein vor Durst Derschmachtender. O, war die Welt wirklich so wunderherr'ich? Wo hatte sie nur ihre Sinne aelalsen die ganze Z'it in der dumnfen S'adt, M) sie solche Schönheit veraesten konnte? Und Son- vengold, soweit das Auge sohl Heber den flimmernden Waldungen und cbgremtrten Feldern, über dem bun- |e”, fröhlichen Hochz-itszug vor ihr und den weißen, stidigen Marienfäden in der blauen Luft. Jetzt batte ker farbensprühende Laubwald ein Ende, und Hellwig ^tte fast ausgeschrieen vor Wonne, a's der Zug ins vreie kam. Denn da breitete sich zur Rechten der Heer- straße in b'ausilbernen, unendlichen Weiten e'n See, Mfen jenseitige Ufer noch unter den verhüllender. Schleiern der Morgennebel träumten. Netze waren an seinem Strande aufgefpannt, und weiße Möven schwam. wen tauchend auf seinen blauen, raunenden W-^en. Durch das hohe Schstf-»ros am Ufer ging l'ife ein Wind» und das Zwitschern der Rohrsperlinge klang wckend herüber.
Herr Timo'heus Speck lenkt» fein behäbiges Rößle'n J” Hellwigs Stile und wies erklärend mit der Rechten sber das Master.
»Das ist der Kummerower <5~e, so Ihr dort seht, vungfer. und jene grauen Schlaf mauern. die in der Berne aus den Nebeln ragen, gehören zur Burg KuM» Dervow, so hart am Se^ ge'egen ist."
Hellwigs Augen leuchteten.
der gänzlich ungenügenden Stromzufuhr des Schmek- mer Ueberlanbroerfcs und genau wie die Hagener In- dustrie an Mangel an geeigneter Kohle. Betriebsein, fchränkungen und zeitweilige gänzliche Stillegung von Betrieben ist die Folge.
Die im vorangehenden behandelte Industriegegend ist als Sitz eines bis aufs feinste verästelten Zweiges der Eisenindustrie wie kein anderer Industriezweig Deutschlands aller Branchen in ihrer Lebensfähigkeit auf die Belieferung mit hochwertiger Kohle angewiesen und gibt infolgedessen einen Maßstab ab für die Gefahrengröße, welche das Abkommen von Spaa für unser ganzes Wirtschaftsleben bedeutet. Der Bezug von Braunkohle kommt für diesen Bezirk aus dem Grunde nicht in Betracht, weil zum Härten bezw. Glühen der in Frage kommenden wichtigen Bestandteile unbedingt Fettkohle erforderlich ist. Ein. mal würde, ganz abgesehen von der Höhe der Köllen, das Umbauen der Oefen nicht allein eine sehr lange Z it in Anspruch nehmen, sondern es würde auch die dadurch bedingte Herstellung von feuerfesten Steinen im Augen- blick eine Riesenmenge von Kohlen erfordertch machen, was für den jetzigen Zeitpunkt den beabsichtigten Zweck in das Gegenteil verwandeln würde.
Das Stubium dieser verhängnisvollen Zustände an einem Industriezweig, der als solcher, der K'einei'en- warenbranche in die verschiedensten Zweige, man kann wohl sagen, beinahe in alle Spalten, des deut'chen W ri- fchaftslcbens hineinragt, g;bt uns die Gewißheit, daß der Friedensvertrag von B'r'ailles und das Spaabkommen darauf abgelegt sind, Deutschlands Wirtfchastsle'e- durch Entziehu-g der Kable blutleer zu fangen, zumal unserer katastrophalen Kohlennot zur Z.it in Frankreich nach dem freimütigen Bekenntnis des französischen Ar- beitsminifters ein aewaltiger Ueber'chuß an Kohlen und Koks gegenübersteht. Dieser Umstand macht es F r a n'- reich zur Möglichkeit, feine Industrie fast wieder auf Friedens st and zu bringen und die große Zahl bet Neugründungen muß uns aufmerksam machen, daß Frankreich auf dem besten Wege ist, im Stirf bafts'cben der Böller sich einen besseren Platz an der Sonne zu pchern.
Wenn es dazu noch z-trifst, daß Frankreich däbe» ist, große Mengen von Kohlen zu exportieren, so müssen unsere trüben Z ikunftsaussicksten auf dem Gebiet der Kohlenversorgung der Reichsregieruna in den fern- mrnb»n Verhandlungen mit der Entente dm Weg zei- nen, der nur dahin gehen darf, eine Abänderung des Kohlenab'omme-s von Spaa durchu''"tzen, wenn das deutsche Wirtschaftsleben richt vollständig z m Er- tagen kommen und an seiner Stelle Frankreich als neuer Pbömx der Asche seines wir'fck>aftl'l'»n Zutom- menbruchs. der ebenso stark war wie der unserige, ent- steigen soll. ____________________
Kus hem Mckbar^eÄiet.
mc. Frankfurt a. Ak. Der Reichsrer'w-d der privaten gemeinnützigen Kranken- und P'leg"a rstal'en Deutschlands, dem ü. a. auch sämtliche evangelischen D a- konievereme und die katholischen Orden, lowell sich dteselben mit Krankenvflege beschäftigen, cn-ebören. hielt in der Senckenbergi'chen Bibliothek ferne Mitgiie- derversan^mlung ob, in der auf die große Not ter vrivaten deutschen Krankenhäuser hinoewiesen wurde. Hier muffe unbedingt eine Hil'saktion einfetzen, ha man die Bflegesätze nicht mehr erhöhen könne. P ofeffor Lanostein Derlin-Cha>''attenburg beleuchtete mit re- radez» fürchterlichen Zahlen bas- körperliche Grenb ber beutfchen Bevölkerung an Hanb einer gang neuen Statistik. Derhä'tr smäßin am besten fei Der Gesunbheitszuftand der Säuglinge. Alle anderen Bevölkerun"sklaflen leiden aber in nie re"tnn‘rm Mg^e. Di» allgemei-e Sterblichkeit ist von 9% Proz. im Jahre 1913 auf 37 Proz. im Jahre 1918 reftie-en, an Kindbettsieber starben im 3abre 1919 50 Proz. Frauen mehr wie 1913. Die Kindersterblichkeit ftieg im -llter von 1—5 Jahre- gegen 1913 um 49.3 Poz., im 5.—15. Lebensjahre gar um 55 Proz.; sie hat sich verdoppelt. Di» Crkrankungsziller für tuberkulös infizierte Kinder ’m Aller von zwei Jahren ftieg um 134 Proz. des Friedensstandes, im 5. Lebensjahre beträgt sie genau 300 Proz. Trotz dieser grauenhaften Zahlen läßt das Reich eine Privatkrankenanstalt nach der anb-ren ein. gehen. 32 Proz. ber privaten Säuglingsheime, 21.3 Proz. der Mütterheime, 12 Bros, der Säugllngskranken- hiufer >mb 7 Proz. der Entbindungsanstalten mußten schon ihre Pforten schließen. Die Versammlung gab der Hoffnung Ausdruck, baß sich bi» Kommunen im Inter- effe her privaten Anstalten zur Hilfe bereit ftnben lassen, soweit bas in ihren Kräften steht.
Hormj^tes.
• Mklionenunkerschla—mg eines Zahlmeisters. Durch Zufall ist erst jetzt ein MMi menbetrng bei ber Abwick- lungsstelle des au» ber ..Eisernen Division" heroorge- gangen en Sturm bataillons 3 in Potsdam aufgebeft
»Ich hätte nimmer geglaubt, baß es auch in Meck- len bürg so schön fein könnte! Gehört bas alle Schloß bem Herzog Magnus?"
Der Ratsherr schüttelte ben Kopf.
»Es ist bem mächtigsten Ritter im Land, Verend Malhan, zu eigen." ,
Jetzt, ging die Heerstraße wieder ein Stücklein ab vorn See und hinein in den tiefen, düsteren Tannen- wald, der sich mellenweit hinzistrecke» schien bis nach Pommern hinein. Es war dem Auge das plötzliche Dämmerlicht hier ganz ungewohnt getren das funfe'nbe Leuchten ber Sonne ba braußen. W e ein schweres Schweigen lag es zwischen den tiefen Schoflen. Manns- hohes ff ar-traut üherwi'cherte hier den Waldboden zu beiden Seiten des Weges.
Und dann geschah das Unfaßllche
von der Spitz» des Zuges, wo ein Fähnlein Dor- reifer der Sicherheit wegen trabte, klang jäher, gellender Horm-if, der wi» ein Notsignal tönte Der Zug geriet ins Stocken Man fah, daß da vorne Schwerter gezogen wurden und Speere büßten. Pferde bärm'en sich hoch auf, die schweren Lastwagen blieben ächzend stehen im ausgefahrenen Gle-s. I'moser Rosina hielt mit zitternden Händen ihr Riechfläschchen an die Nase und schrie um Hilfe.
Die Männer ’a^en sich ernst an und griffen schwel- genb nach den Waffen.
Was war das?
Ein feindllcher Ueberfall?
Mitten am hellen Tage auf friedlicher Hochzeitsfahrt?
Und da war es, als ob plöhsich das Farnkraut rech', und links zu leben begänne. Bärtige Gesichter mit Pickel. Hauben wuchsen aus bem Wolbgrrmb emnor. Immer neue Schoren brannten aus ben zerwühllen und zerstampften Farmen, die erst so regungslos gestanden in ihrem brau-gelben Herbstkleib.
Herzog Magnus halle f-irt Schwert aus ber Scheibe neriffen. Seine Lippen waren weiß vor Zorn unb Grimm.
»Verrat!" schrie er mit hallender Stimme unb reckte sich hoch in den Steigbügeln
»Verrat am eignen Lavdesherrnl Zu mir, wer noch nm jein Leben kämpfen mtlir
worden, der sonst vielleicht noch lange verborgen geblieben wäre. Auf ber Suche nach einem früheren Unterzahlmeister Hermann, der bei einem Einbruch in Wilmersdorf Millionen erbeutet hatte, verhaftete hie Kriminalpolizei in ein»m Berliner Nachtlokal zwei Leute in der Uniform eines Zahlmeisters bezw. eines Feldwebels, die dort regelmäßig verkehrten und lebcsmal Zechen von mehreren Taufenden von Mark machten. Bei dem Verhör stellte es sich dann heraus, daß es sich nicht um den gesuchten Hermann handelte, aber man entdeckte, daß man zufällig zwei nicht minder „schwere Jungens" gefaßt hatte. Es handelte sich um den Zahlmeister Berndt und den Feldwebel Teubner von ter genannten Abmicklunosstelle. T. führte dort die Kalse, und als man habet Verfehlungen merkte, entfernte man ihn nicht etwa, sondern gab ihm zur Kontrolle den B. zur Seite. Da batte man den Vock zum Gärtner gemacht. Denn letzt fingen die Unterschlagungen erst im großen an. T. forderte von ben zuständigen Intendanturen als Cntlosiunasgelder Summen an, die halb eine halbe Million überschritten. Aber von ben entlassenen Mannschaften bekam keiner seine Gebührnisse zu sehen, sondern B und T. verjubellen das Geld in Berliner Nackst'okalen. Settsamerweise sind die Anfordernnaen dcs B. von der Intendantur niema's geprüft worden, fobaß Oie Unterschlagungen bisher nicht bemer't worden waren! Bei ber Untersuchung stellte sich ferner heraus, baß B. ein schon mehrfach vorbestrafter Verbrecher ist, b»r -i» das Znh'mechtereramen aemacht hat. Die aanze ska-balöfs Affäre wird daher nach weite Kre'se ziehen.
* Die russischen Krondiamonlen in D- ulschland. Don bolschewistischen Agenten sind Diamanten in Scrfn verkauft worden, deren Erlös auaenscheinlich zur Betreibung von revolutionärer Agitation bestimmt war. Es handelt sich hier wchl um Schmucksachen aus dem ebemol'acn zaristischen Kronschatz, der überreich cmsol- chen Kostbarkeiten war und der vollständig in die Hände der Sowjetroaierung gefallen ist. Wastrfck'emlich hat sie auch nach Amsterdam, dem HMytsitz des Diamanten« Handels, erhebliche Verkäufe abgeschlossen.
Verzeichnis
von
Neuanschaffungen der Landesbiblißthek zu Fulda aus dem Jahre 1919/20.
(Fortsetzung.)
Staatswissen schäft«
Banmgarfen. 0.: Di« Not d. akad. Berufe nach d. Fii-denssrblnss Tühing. 1919.
R i 8 e1 off. D.: Die Sozialisie nng desGtiste». L 1919.
Branns. K.: Kurlioss. fiewerbepo'itik >. 17. u. 18.
Jh. Ii. V'l I. (S'a-ds- n. »nzlalw. Fo ach. H 156.)
Brepobl. F. W.: Wie r»w"nn»n wir unser Vb'k für gute Li1erat"r? Nassen 1917.
Cal wer, R.: Wirtacbaltslehre a. Wktschaftspo’itik.
B. (1913).
C a r • ei 1 i er i. A.:Grnndzbge der Weltpolitik L. 1919.
Dalb»re, R.; Finanzgesundung aas Währungsnot. R. 1920.
Diederi ehs, E.: Politik des Geldes. Jena 1920.
Drahn, E.: Führ»r dnreh d. Sc hrifttum d. deutsch. Sozialdemokratie. R. [1919],
Eberle. ].: 1) Zeitrhmmert d» Götzen! Wien- Jnnshr.-Mänch. 1918 2) Di» ü<berwindung d. Plutokrat ie. Wien-Innsbr.-Münch. 191S.
Eltzbaoher. P.: Reinfswahl. E.Ratgeber f. kriegs- beseba bgt» Offiziere 3. Aufl. B. (1916).
Freytag-Loringhoven Frhr. v.r Po'itik u. Kriegtührnne. B 1918.
Freyragh-Loringhoven, A. Frhr. Politik. Mfinch. 1919.
Grabowsky, A.: Grundprob'eme d. Völkerbundes. B. 1919.
Haenisch. K.: Die den sehe Sozialdemokratie in u. nach d. Weltkriege. 4 Aufl. R. 1 >19.
Handbuch der Politik. Hrsg. v. P. Laband [u. a.l Bd 1 3 R u L 1914. 4«.
Helfferich. K : Geld n. Banken. 4. Anfl. L. — T. 1. Das Geld 1919.
Amtliche Anzeigen.
vlehseuchenpollzelllche Anordnung.
3um Schuhe geaen b’e Maul - und Klauenseuche wird auf Grund ber §§ 18 uff. bes Biehfeuchenaeletzes vorn 28. Jun! 1909 (R. K. Bl. S. 519) m t Ermächtlaung bes flenn Ministers für Landwirtjchaft, Domänen unb Fmsten folgenbes bestimmt:
1. Allgemeine».
§ 1. Nachbem ber Ausbruch ber Maul» und Klauen- lluche unter bem Rmboiehbeftanbe bes Lanbwir s Iofeph Kramer in Etchenrell amts ieiärzlich feftgeflefli worben ist, wiib für bie Gemeinde Eichenzell folgendes angeordnet:
Dte Abhaltung von Klauenvie Märkten unb ber Handel mit Klauenvteh unb Gellü»el, ber ohne
Da scharten sie sich um ihn, um ihn zu decken mit ihren Schilden.
An der Spitze der Feinde kärnpsten Zweie mit geschlossenem Visier, Schulter an Schulter. Aus ihrem Schilde leuchteten die Hasenköpfe auf blau-gelbem Grunde und die Weintrauben. Herzog Magnus knirschte mit den Zähnen.
„Raubritter Verend Maltzanl" schrie er.
Kämpfend brachen sich die beiden andern Bahn zu ihm.
»Ja, Herzog! Berend und Otto Ma^tzan nehmen Rache heute für erlittene Unbill Aber nicht für uns. Wir stehen hier im Auftrage unh Dienst unseres Lehnsherrn Herzog Dogislaw von Pommern."
Und willenlos ward ber glänz-nbe Hochzeitszug zu- rückgedrängt von ber gewaltigen Uebcrmscht in das alte feste Schloß Kummerow, allwo dte Maltzare den Herzog und die Seinen gefangen hielten unb belagerten wie in einer Festung.
* ’
Heilwig wußte nicht, wie lange sie so ohne Besin- nuna gelegen halle.
Mübe unb erstaunt schlug sie die Auge» auf und sah sich f'tchrnh ringsum.
Wo war sie? Wo war Fridolln Lämmerzahl und Timotheus Speck mit feiner Schwester?
Wo war der ganze stattliche Hochzeitszug mit den stolzen Herzögen an der Spitze?
Mühsam richtete Heilwig sich ein wenig auf unb roanbte ben Kopf. Graue Steinwände umgaben sie. Durch ein schmales, vergittertes Fenster sah man ein Stücklein blauen Himmels. Deutlich hörte sie e» von außen an bie Mau»r klatschen wie schweres, rollendes Tßrüer. Dar bas ber Kummerower See?
Ihre tastende flanb fühlte, daß sie auf einer Strohschütte lag. Neben ihr auf einem Schemel ftanb ein Krug mit Wasser. Sonst kein Gerät ringsum in bem ganzen, engen Raum. Eine schwere Ho'z'ür, die In ein Nebengelaß zu führen schien, staub nur angelehnt. Hellwig wollte sich aufrichien, um hinauszu'licken aus bte- fer Tür, aber mit einem Wehe'aut sank sie roieber auf ihr Strohlager zurück. Da merkte sie. baß ihr auf ber linken Schulter ein schweres, nasses Tuch lag, bas rot war von Blut. War sie denn verwundet worden in
vorgängige Bestellung entweder außerhalb d. Gemeindebezirk« der gewerbl Niederlasiuna des Händlers oder ohneBegründung einer solchen ftattfinbet. Ist verboten Als Handel im Sinne dieser Vorschrist gilt auch bas Auisuchen von Bestellungen burch Händler ohne Mitsübren von Tieren unb da» Aufkäufen von Tieren burch Hänbler.
2. Sperrgebiet
A. Vorschriften für bie Seuchengehöfke.
§ 2. lieber alle Ställe, in benen Klauenvieh steht, wird die Sperre verbängi
§ 3. Die gesperrten Ställe dürfen, obgefef>en_ von Notfällen, nur vom Besitzer der Tiere ober der Ställe, besten Dertreiet, ben mit ber Beauisichtiguno, Wartung und Pfleg« betrauten Personen unb Tierärtten betreten werben
Peflonen, bie in abgesperrten Ställen verkehrt bähen, bürlcn erst nach vorichrijtsmäßiger Desinfektion bas Gehöft verlosten.
§ 4. Das Geflügel (ausgenommen Tauben) Hl fo zu verwahren, baß es bas Gehöft nicht verlosten kann.
§ 5. Zur Wartung bes Klauenv ehs bürten Pettonen nicht ncrroenbei werben, bie mit fremdem Klauenvirh in Berührung kommen. 1
B. Vorschriften für nicht verseuchte Gehöfte d. Sperrbezirk«
§ 6. Sämtliches Kiauenoieh unterlieat der Absonderung im Stalle. Rindvieh, Schate, Ziegen unb Schweine dürfen zu keinem Zweck — auch nicht zum Decken aus den Ställen herausgebracht werden.
Alle Hunde im Dori sind iesizule»en. Der Festlegung ist das Führen an ber Leine unb bei Ziehhunben die feste 2lnschrrung gleich tu erachten. Die Verwendung von Hirtenhunben zur Begleitung ber Herde unb von Jagdhunden bei der Jagd ohne Leine kann gestat'et werde».
§ 7. Schlächtern, viehkallrierern sowie flänbleru und and ren Personen, die < ewerbsmäßin in Ställen verkehren, ferner pertonen, die ein Gewerbe im Umherziehen aus« üben, ist bas Betreten aller Ställe unb fonfligen Standorte von fil-jurnoieb im Sverrbe ir.e, desgleichen bet Elnirttl in bie Seuthenoehöfle nerbofen.
In besonders dringlichen Fällen kann die Ortspolizeibehörde Ausnahmen zulasten.
§ 8. Dünger und Jauche von Klauenvieh, ferner Gerätschaften unb ©egenifänbe aller Art, bie mit solchem Vieh in Berührung gekommen finb, bürten aus bem Sperrbezirk« nur mit ortspolizeilicher Erlaubnis unter bgn polizeilich anzuottnenden tdorsichtsmaßregeln ausgeführt werben.
§ 9. Die Einfuhr von Klauenvieh in ben Sperrbezirk onrie bas Durchireiben von foldjem Vieh burch ben Betirl ist verboten. Dem Durtbtreiben von Klauenvieh ist ba« Duitbiabren mit Öteberläuergefgannen gleichest Den.
Die Einfuhr von Klauenvieh mr sofortigen Abfchlachiung kann vorn ßanbrat gestattet werben.
Die Einfuhr von Klamnvleh zu Nutz» und Zucht« zwecken ist nur im Falle eines beionberen roinldjaftliibe« Bedürfnisses mit Genehmigung des Regierungs»Präsidenten die beim Lonbrat-aml zu beantragen ist, Zulässig.
§ 10. Die Ausfuhr von ichlachlreifem Dieh zur iofortigei Abichlach'ung kann ausnabrnsroeue uno nur in brinaenbe» Fällen erfolgen, wenn bie Schloch.üng innerhalb bes Kreisel erfolgen «oll.
§ 11. Zuwider Handlungen gegen bte vorstehenden Be> ftimmungen werden nach den §§ 74 ff. bes obengenannte« Gesetzes bestraft.
§ 12. Diese Anordnung tritt sosort in Straft Sie wird aufgefioben, wenn
a) lörntliches Klau.nvieh bes Seuchengehösts gefallen, getötet ober entfernt worden ist
oder
b) binnen 3 Wochen nach Beseitigung ber kranken obet seuchenoerbächfigen Tiere oder amistterärzillcher Feststellung b. Abheilung d.Strankhett eineNeuerkrankz. nicht vorgekommen unb
e) in beiden Fällen die Desin'ettion vorschriftsmäßig ausgeMhrt unb durch den beamteten Tierarzt obgenommen ist
Fulba, ben 28 Ott obet 1920
Der Canbral; 3. 23.: Köhler.
viehfeuchenpoilzsitiche Anordnung.
Nachdem bte Abheilung der Maul- anb Slaurnfeuch« in bem verseucht aeweserren Gehörte bes Abam Rödig in Rej amtlich sestgestellt roorö n ist und bie Abnahme ber Dtsmiehion ftattqe un^en hat, bestimme ich im Anschluß an meine Viehseuchen atizeiliche Anordnunz vom 17. September 1920 (Fuldaer Zeitung Nr. 223) folgendes:
§ 1. Die über ben Gemeinbebezirk Rex verhängte Sperre wirb hiermit auigehoben.
§ 2. D e für ben Gemeindebezirk Rex unb bas verseucht gewesene Gel öst im besonderen angeorbneten Bestimmungen werden zurückgezogen.
Fulba, b-n 28 Oktober 1920.
Der Canbral. Frhr. o. Doemberg.
Ausgebrochen:
Die Mauk- unb Klauense che in ben Gemeinden Dietgu und Lahrbach (Kreis Gersfeld), sowie in den Gemeinde» Niederzell unb Sterb ritz (Kreis Schlüchtern).
Fulba. ben 28. Oitober 1920.
Der Canbral. Frhr. v. Doemberg.
Erloschen:
Die Fände unter ben Scha en ber Herbe in Airlenbach Fulba, ben 28. Ohoher 1920.
Der Canbral: Frhr. v. Doemberg.
jenem furchtbaren Stampf neulich? Aber wer hatte ft» hierher gebracht? Und wer hatte ihr das nasse Tuch auf die Wunde gelegt? Da tarn es ihr langsam in bie Erinnerung zurück, baß ein alles, bärtiges Männerantlitz unb ein runzliges Weiblein sich ab unb zu über sie gebeugt unb mit ihr gesprochen hallen. Aber sie wußte nicht mehr was. Unb wo waren sie fetzt geblieben? Sie hätte fo vieles fragen mögen.
Sie versuchte zu rufen. Mer ihre Stimme war so schwach, daß sie kaum wiberhaLe von ben nackten Wän. den.
Endllch hörte sie einen schlürfenden Schrill nebenan, und die Tür tat sich knarrend auf. Der bärtige Alle mit dem Narbengesicht trat über die Schwelle
»Nun muß grat, mein Weib nimmer da sein, ros Ihr aufgewacht seid, Frau. Storni ich Euch etwas bringen?"
De sah ihn groß an. .
»Wer seid Ihr? Und wo bin ich hier?
Der Alle setzt« sich müde auf den Schemel neben ihre Strohschütte und faltete die Hände zwischen den Stnleen.
»3m Schloß Kummerow seid Ihr, Frau, und ich fct» der Bogt hier vom Ritter Maltzan."
Sie fuhr sich über die Stirn, als dächte sie nach.
Wo hatte sie den Namen dach schon einmal gehört)
Aber sie konnte sich nicht mehr darauf besinnen. Di< Gedanken gingen ihr noch so durcheinander im Stopf, und die Glieder brannten wie im Fieber. Sie fah sist wieder suchend um.
»Wo — sind die Meinen geblieben? Die mit mir reiften in dem großen Zug des Herzogs?
Der Alte zuckte die Achseln
»Das weiß ich nicht, Frau Cs hat der HerzvL Bogislaw und unser Ritter alle Gefangenen hierher gebracht in die Burg, wo sie bewacht und umlagert worden sind, bis Herzog Magnus Sippe bas ßöfegeIb zahlen konnte. Da hat man alle wieb-r freigelaffen, bis auf ben Harnischmeister. Dieweil unser Berend Maltzan noch eine Geisel in Händen behalten wollte für all« Fälle. Und dann haben die Unseren all die Festkleider, Turniergeräte und Hochzeitsgeschenke vom Herzog Magnus erbeutet"
- * (Fortfetzmq fotzt;