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Fuldaer Zeitung

Llmklicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

fir. 254

Dienstag, 2. November j920

an

wur-

6er

beiden Parteien finden.

Verantwortlich für den .eoainonellen Teil: Karl Schütte, = für öte silnjeigen: I. Parzei ler-Fulda, .- Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendrackeret in Fulda 'ermprecher Nr. 9/ Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

gcmif orten ergebe einen WKerfpruch zu den bestehenden bchördltehm Dorschrfften. Mn Verbot *•<"■ Orgesch auf Grund des vorliegenden MatsviÄs fti r ’ zurecht- fertigen.

kgung des Staatsministeriums, bte Auflösung der Ein. wohnerwchren betreffend, da er als etne Urngchung Me­er Einwohnerwehren anzusehen und demgemäß mit >em Serfmfler Friedens vertrag nicht in Einklang zu bringen fei.

Minister Severing wird wohl nötig hab«, seinen Erlab näher zu begründen, wenn er nicht den Eindruck auskommen lasten will, fein Verbot fei eine rekte Will- künnaßregÄ. Sleichzeittg wird nSmkich em Rechts, gutachten des pntaßifchm Justizministerinms bekannt, in dem erklärt wird, daß die Satzungen der Organisation Eschench nicht im Widerspruch

^egen tzie französische Gewaltpolitik.

Eine scharfe Anklage.

i '«einem offenen Briefe an PoincarS, der I glicht der Enaländer den mächtigsten persönlichen

L*JIu6 m der französischen Politik habe, schreibt Gsrdiner ' " »Daily News:

I ttunj* PoKtck von Parte h« toet die Politik von I L^sf^klton triumphiert. Der Hauptzweck Ihrer Politik k, eTnT«<f|, nämlich die politische and wirtschaft- eJ? e Zerstörung Deutschlands. Auf der einen s Deutschland unter der Drohung einer schran»

i Lv.otwi Entschädigung gehalten, auf der anöearn Seite fe-X ? vmit ber Beraubung der Quellen wirtßhostlichor

I die es ihm ermöglichen würden, die oer-

I $u lotsten. Von fetnett drei

I Knfi. ß^cten W ihm eine» genommen worben. Sn bem I i> erschlesien arbeiten Ihre MMäragenten

ftof ru erreichen, daß Oberschlesien cm Polen

slhlognchmrmgm deutscher MugJouye in Wien und Riga, werden aufgehoben, ebenso wird das den Rumpler-Werken und der Deutschen Luftreederei er­teilte allgemeine Flugoerbot zurückgezogen. Für Flugzeuge, die von der Privatindustrte gebaut tnö, bestehen keinerlei Flugbeschränkungen.

Das Auswärtige Amt ist der Meinung, daß die einmal erteilte Flugerlaubnis nicht hätte wieder zunick» «zogen oder beschränkt werden dürfen. In der Tat jft es eine sehr kleinliche Maßnahme, denn die 149 Kriegsflugzeuge, um die es sich handelt, sind gegen- Über den Tausenden Kriegsflugzeugen der Entente wirklich keine Gefahr. Me weitere Entwicklung der deinschen Flu^seupindustrie, die namentlich in EngKmd bereits mit sehr scheelen Augen angesehen wird, wird dadurch nicht verhindert werden. Das Flugverbot war eine ungerechtfertigte Knebelung der deutsche» Indu- ftrte, die einzig und allein von schmutzigem, englischem Konkurrenzneid diktiert fit, von der geradezu lacher- leben, durch die Erfahrungen der Vorkriegszeit und des Krieges allerdings begründeten Angst der eng- kschen Flugzeugindustrie vor deutscher Tüchtigkeit.

DaS Mugverbot der Entente.

Es vergeht kaum erti Tag, an dem uns die Entente picht ihre eiserne Bedrückerfaust spüren läßt. Immer neue Schikanen tüftelt sie aus, mit denen sie uns drückt ynß quält So war jetzt wieder die deutsche Luftschiff- fahrt von einer schweren Gefahr bedroht. Der Frie- hrnsstelle des Auswärtigen Amtes war bekanntlich röte Note der Entente-Lustfriedenskommission zuge- aangen, die den Rumpier-Werken in Augsburg und her Deutschen Luftreederei in Berlin alle weiteren

mi besetzen unt> es ol» Werkzeug für die politische Zer- stückewng Deutschlands zu gebrauchen. Die deutsche Be- üöiterung des alten Oesterreich wird in Bruchstücke zer­teilt und zur Verarmung und Unierbrürfung venrteilt. Der Kontinent wird mit Schwärmen Ihrer Militärmisiionen Übersät. Französische Politik Hot die Polen zu einem wahnsinnigen Imperialismus ermutigt, fron« zösisthe Politik unterstützte Wrangel und tnachte den Frieden mit Rußland unmöglich. Die großen Waffenfabriken von Skoda sind unter französischer Kon­trolle. Ungarn ist ein Vorposten Ihres Mi'itär- systems und man läßt ihm ein fieer von 350000 Monn, während das österreichische fjser auf 30 000 Mann herab­gesetzt worden ist, und die Streitkräfte des gesamten Deut- sichen Reiches auf 100 000 Mann herabgesetzt werden sol­len. Ihr Verwog mit Belgien macht dieses Land zu etwas, was sich von einem französischen Protektorat we­nig unterscheidet.

Gowmer fährt fort: Ihre Politik führt zu einem un­vermeidlichen Bruch mit Großbritannien und Italien, und zu einer dauernden, aktiven Zu­sammenarbeit der Kenn an en und Slawen. Die Geschäfte können nicht weiter fortgeführt werden, indem einer dem andern den Hals abschneidet, sie können nur fortgesetzt werden wie alle anderen Geschäfte, durch gegenseitige Unterstützung und einen freundschaftlichen Geist.

sicheren Siege Hardings, des republikanischen Stan- didaten, obwohl man keine große Mehrheit erwarten kann. WAson kmMnert bekanntlich nicht wteSer.

an diesen leider so Heinen Rest der beiden Provinzen' Posen und Westpreußen. Seine Ausführungen mürben bei# fällig ausgenommen.

Donnerstag: Weiterberatung.

Preufrlsche Landesversairrmlirnq.

Am Samstag wurde bei mäßsg besetztem Haufe bie Aussprache über den Staatsrat ftn Berfasiunosentwurf fortgesetzt. Für die Sozialdemokraten äußerte der Abg. Heilmmm starke Bedenken gegen den Staatsrat. Der noch ihm folgend« Abg. Dr. Prsnß (Dem.) erklärt«, daß ferne Partei den Bestimmungen über den Staatsrat zustftnmen werde. Während die Deutschnationalen erneut ihre Wünsche nach einem berufsständischen Parlament durch den Abg. Mentzel-Stettin hervorheben Netzen, «Härten die Unab­hängigen durch den Abg. Uboch den Staatsrat überhaupt als ein reaktionäres Gebilde. Eine sehr wichtige Rede hielt der Abg. Dr. Lauscher (Ztr.), der für dm Staatsrat ehrtrot, über dte Loslösungsbestrebimam im Rheinlande. Er «klärte, daß dte Rheinprovinz nicht daran denke, sich vom deutschen Reiche loszulöftn. Die Zusammengehörigkeit des Rheinlandes mit dem deutschen Datertande dürfe nicht «schüftert w«den. Wenn es nicht anders möglich fei den alten preußischen Staat al» mit den Mitteln des Strange» und der Gewalt zusammenzuhasten, dann fei der preußische Staat verloren und fall« tn seine Atome anseinander. Di« Rheinländer fagm nicht: Los vom Reiche, sondern los van Berkin. Der Redner wendet sich schließlich gegen bie Kam- munolpolisik des netten Groß-Berlin, die bie Minderheit unterdrücke.

BÄ ber Abstimmung über den Staatsrat werden dte Ausschußebeschsiifs« im w-sentsichen angemmimm. D« Zen- irumsadg. Schnlte.(Breslau) tritt aufs wärmste dafür «in, daß der Grenzmark Pofen-Wkstprsutzen ein« antwren Landesstellen gegenüber bevorzugte Vertretung im Staats- mt zuteil werden müsse dadurch, daß sie drei Mitglieder in den Dtaasrat zu senden berechtigt werden Er erblickt darin «in Sei*® der Liede mid Anhänglichkeit Preußens

Immer neue polnische Schikanen.

In B r o m b e r g sind in voriger Woche fast sämt- liche Persönlichkeiten, bie als Führer der dortigen Deut- säMN gelten, ohne Angaben irgend eines Grundes ver­haftet und nach Posen verschleppt worden. Sämtliche Büros ber Bereinigung des deutschen Volkstums in Po­len, bie gegenüber der polnische» Regierung sich durchaus loyal verhält, ferner auch das Büro bes Verbandes der Handwerker und der Fürsorgestelle für Beamte sind ge­schlossen worden.

lieber die neuen polnischen Schikanen herrscht in der Bromberger Bevölkerung naturgemäß größte Aufre.

vestsches Reich.

** Berlin, 1. Roo. Der Reichsrat hat das Gesetz über die Autonomie Liberschlesiens dem Ausschuß über­wiesen. — Der Gewerbeausschuß der preußischen Lan- desversammlung lehnte einen Zentrumsantrag auf Einführung eines ha urwirtschaftlichen Pflicht­dienstjahres für Mädchen ab. —Der Premier­minister von Australien, Hughes, erklärt« rm Parla­ment, er sei der Ansicht, daß die Handelsbeziehungen mit Deutschland mindestens »och ein weiteres Jahr eingestellt bleiben sollen.

c Erzberger. Der Reichsausschuß ber deutschen Zentrumspartei tagte am Sonntag und Montag in Berlin. Neben wichtigen Fragen ber inneren und äu­ßerer Politik bildete» Organifationsftagen den Gegen- stand der Verhandlungen. Auch die Angelegenheit Erz- berger wurde erörtert. Erzberger gab aus freiem Ent­schluß bie Erklärung ab, daß er sich bis auf weiteres an den Reichstagsverhandlungen und an den Verhandlungen mit ber Fraktion n ich) be teil i g en werde.

* Die Unredlichkeit. Der Vorgang ber bayerischen Regierung, die Schieber und Wucherer mit Strafen bis zu 15 Jahren Zuchthaus und Vermögens-Beschlag­nahme bedroht, wird nun auch im Reiche einen Gesetz, entrourf auf ähnliche Strafverschärfung veranlassen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch die Strafen für Untreue, Unterschlagung, Einbruch, Diebstahl, Raub höher be- meflen werden.

* Der Deutsche Seamientag zur Desoldungsfraxe.

Auf ber Tagung des Deutschen Beamtenbundes in Berlin, über die wir bereits berichteten, wurde auch folgende Erschließung angenommen:

Der zweite Beamtentag des Deutschen Beamtenbun­des warnt die Regierung, die Volksvertretung und die Oeffentlichkeit in elfter Stunde, die letzte wirtschaMche Widerstandskraft der Beamtenschaft durch kurzsichtige Sparmaßnahmen zu vernichten und dadurch das Rückgrat des Staates tzu zerbrechen. Voraussetzung für den Erfolg der unbedingt nötigen, gerechten Lösung der Besoldungsfrag« ist es. daß alle Wegs be- K«n werden, die geeignet sind, die Kaufkraft des s zu heben. Während Arbeitslohn und werbende» Kapital bis zur Unerträglichkeit durch Steuern Mattet nSu, .ffiitd die Spekulation mühelose Triumphs. Der zweite Beamtentag verlangt, daß hiergegen endlich mit rücksichtsloser Energie vorgegangen wird Insbelondsrt fordert er, daß jeder Mehrwert an Grund und Boden, der aus der Arbeit der Gesamtheit entsteht, der Grund- rente, sowie alle arbeitslosen Gewinne aus Monovolen und der Dalutanot restlos den Zwecken der Allgemein- beit nutzbar gemacht werden. Nur hierdurch ist es mög, lich, die deutsche Volkswirtschaft wieder leistungsfähig zu machen und zu befestigen. Nur dann kann mit den Milliardenaufwendungen für die Beamtenbesoldung eine wirkliche und wirksame Besoldungsreform geschaf­fen werden.

* Löwenstein und Eichhorn nicht bestätigt. De» zmn Stadtschulrat in Berlin gewählte Dr. Löwen- stein und der ehemalige „Polizeipräsident" Eich- Horn habe» die Bestätigung als Mitglieder des Ma- güftrof? von Großbersin nicht e r h al t e n.

* 6»de des Schuistrsiks in Planen. Der Schulstreik der k ' Milchen Eltern in der sächsischen Stabt Plauen ist Nv ■Deimonattoer Dauer abgebrochen wordm. Wie die he Allg. Ztg." berichtet, habe» die katholischen Eiterr le ihre Forderungen burchgesttzt. Sämtliche Wf testete der katholischen Schulen in Plauen behal­te» ihre» konfessionellen Charakter bet.

Die Beschwer de der Helgoländer.

Die Meldung, wonach Vertreter der Helgoländer auf der Berliner britischen Botschaft vorgefproci>en hätten, um dort besondere Beschwerden vorzubringen, wird be- stätigt. Es handelt sich darum, daß, nachdem bereits vor mehreren Monaten eine Abordnung der Helgolän. der bei der preußischen Regierung über Mängel der preußischen Verwaltung in Helgoland Beschwerde ge­führt hatten, sie zuerst über das Londoner Auswärtige Amt bei Lloyd George und dann bei dem Völkerbund und zuletzt bei der britischen Botschaft in Berlin neue Beschwerden erhoben. Die Helgoländer behaupten, daß durch di« Anwendung des preußischen Gemeindewahl­rechts für sie Nachteile entstünden. Es wird mm von amtlicher Seite mitgeteilt, daß seit einiger Zeit zwischen der preußischen Regierung und den Helgoländern Ver­handlungen im Gange sind, die ihnen eine Sonderstel- lung in der Frage bes Gemeindewahlrechts sichern sol­len. Die Helgoländer, die von der Anwesenheit zahl­reicher an den Zerstörungsarbeiten beteiligten Ortsfrem. der eine Benachteiligung bei den Gemeindewahlen befürchten, vertreten den Standpunkt, daß der zwischen Deutschland und England 1890 abgeschlossene Vertrag, soweit er ihnen ihre alten Sonderrechte gewährte, nicht erloschen sei. Die preußische Regierung hat sich nun­mehr zu dem Standpunkt bekehren lassen, daß Helgo­land zu den Gemeindewahlen das Stimmrecht nur durch eine mindestens dreijährige Ansässigkeit auf der Insel gewähren solle. Die Beschwerde der Helgoländer bei unfern Todfeinden bleibt ein tief beschämendes Kapitel, sie zeigt aber anderseits wieder einmal, wohin überstürzte radi­kale Maßnahmen führen können.

Deutscher Reichstaa

Am Samstag schloß die erste Rednerreihe zur gro- ßen politischen Debatte. Zunächst erhält Herr Schiffer von den Demokrkaten das Wort. Er erklärt, wir wüsten immer wieder aufs neue Verwahrung ein­legen gegen den Vertrag von Versailles, die Quelle allen Elends. Es ist ein Rechtsbruch, eine nie gekannte Der- gewalttgung. Er zählt noch einmal die Leiden auf, die wir durch die Entente zu dulden haften von Wilsons Wortbruch an bis zum Raube Eupen-Malmedns und der Zerstörung der Dieselmotoren, und wendet sich dann zur inneren Voliftk. Er verteidigt das deustche Öffizier- korps gegen Scheidemanns Angriffe und polemisiert ge­gen Westarps Ausführungen über vberfchlesien, deste-i Autonomie er für eine Notwendigkeit hält. Er bespricht dann die Soziolisierungsfragen, wobei er zur Ableh­nung der Vorschläge der Sozialisierungskommistion kommt, wohl aber eine weitgehende Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer wünscht. Bei dieser Frag« wie bei der der Achtstundentages käme es in erster Linie dar- auf an, eine Förderung der Produktion zu erreichen. Zum Schluß spricht er der Regierung das Vertra- en and und gibt der Hoffnuna feiner Partei auf die Mitarbeit der Sozialdemokratie Ausdruck. — Rach ihm spricht der Führer der Linksunabhängigen, Säumig, der eine der jetzt bei den Moskauanbängern üblichen kommunisti­schen Brandreden gegen R->gierung, Reaktion, Bürger­tum und Kapitalismus hält. S-ine Partei wolte mit dem »anzen parlamentarischen Plunder aufräumen.

Mit ihm schließt die erste Rednerreihe der großen poliftschen Aussprache, und nun kommt die „zweite Gar- nitur" an die Reihe, um im großen und ganzen das­selbe noch einmal zu sagen. Als ihr erster Redner tritt Hermann Müller-Franken lSoz.), der vorletzte Reichs­kanzler, auf. Er polemisiert in erster Linie gegen die Rede des Grafen Westarp, gegen die Politik des „alten Regimes" und die der jetzigen Deutfchnationalen, gegen Orgesch. gegen die Reichswehr in Ostpreußen, die die Uebertritte nach Litauen dulde, gegen die banerischen Einwohnerwehren. Uns interestieren vornehmlich aus dem letzten Teil feiner Rede feine Erklärungen, die sich auf den Abschnitt der Rede des Lentrumsfüb'-ers Trim, born bezogen, ob die Mehrheitssoz-aldemokratie bei pas­sender Gelegenheit nach dem Sturz de- Regierung trachte und Neuwahlen zu provozieren beabsichftge. M t einem Seitenbieb auf die deutsche Volksvartei. den sich ch-rmann Müller nicht schenken zu können teau'-te, er. ftärte er, daß die Bewithr"N"sfrist d->r Re-iernng nvch nicht ab--elaulen fei. I-n übrigen erklär' MüUer, »eine Urlache zu hoben, um sich über den Eintritt d<n- M-br- h-itstnriasdem"krkgtte in die Regierung zu unterhalten. Er fg'dert die Sozialisierung des Kohtenberg- baues, da die Kable der Grundstock der Wirtlchalt über­haupt fei. Dabei spricht er von einer „vernünftigen Sozialisierung" und meint damit, daß er keine Verstaat­lichung im rustischen Sinne anstrebe und rustifche Wirt- schaftsexperimente ablehne. Die ökonomische Gleich- berechttgung der Bergarbeiter sei aber unbedingt durch, zuführen. Man sieht, daß die Begeisterung in der Frage der Sozialisierung doch Gott fei Dank schon einer er­heblich nüchterneren Betrachtung gewichen ist.

Das Haus brach schließlich nach einer kurzen Erivids. rang des Reichswehrministers Getzler auf einige An- würfe Müllers die Generaldebatte über den Staats- haushaü ab, um sich bis Donnerstag zu vertagen.

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gterimg, bte völlige GlMfberechtioung der jetzt zu Polen geworbenen Deutschen mit be» Nationalposen burchzu- setzen, besonders da Palm durch den Friedens vertrag dazu verpflfthtet ist, die Bewohner ber von Deutschland geraubte» Gebiete als vollberechtigte plantsche Staats­bürger zu behandeln.

Der Raub Minos.

Gegen seine kleine Nachbarn geht Polen noch viel brefter und skrupelloser vor. Das Volk, das es bis jetzt nach bald vierjährigem Bestehen als felbständiger Staat noch nicht zu einer auch nur annähernd ausrei­chend organisierten Verwaltung gebracht hat und vor dem Staatsbankerott steht, ist trotzdem von einem un- ersätüichen Ausdehnungstrieb besessen. Das Gebiet von Wilna, das polnische Truppen unter Bruch des eben abgeschlosiemm Waffenftillstandsvertrages besetzt haben, denkt Polen nicht mehr abzugeben. Zuerst bezeichnete man offiziell den General Sestgvwsky, der Mlna be­setzt hatte, als Meuterer, aber Äs matr merkte, daß die Entente ihren polnischen Lteblmg für feine Ungezogen­heit nicht hart auf die Finger klopfen würbe, ließ man diese Maske fallen. Der polnische Rerchstagsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten HÄ jetzt einstimmig be- schlvsien, Wilna PÄen einzuverleiben. Der Völkerbund HÄ sich für eine Volksabstimmung im Wil- naer Gebiet erklärt, obwohl der Friedensvertrag das Gebiet zweifelsfrei Litauen zuspricht. Hat er also schon soweit nachgegeben, so wird er wohl noch weiter den Polen nachaeben. Unterdeflen morscheren bte Trup­pen Seligowskys, die bedeutend verstärkt sind, immer weiter geaen Stowno vor, das dte Litauer bereits ge­räumt hoben.

Das Schicksals Danzigs ist immer noch n-cht entschieden. Der ftanzöstsch-ena- liiche Kompromißentwurf zu bem Vertrag über Danzig ,st bekanntlich von den Danzigern angenommen, von Polen aber abgelehÄ worden, weil die ihnen zunefpro- chenen, recht erheblichen VorteÄe noch nicht genügen. Dte Botschafterkonserenz scheint auf der von ihr einmal getroffene» Entscheidung zu beharren, denn wie jetzt die Danziger Deleaation beim BotschafterrÄ mitte-st, HÄ tiefer ihr schriftlich Bigt. daß dte wesentlichen Punkte )es der BÄschafterkonserenz für

Polen und nicht mehr Wsftrttert werden bürfen, und daß auch in keinerlei Berändenrngen

Dis Zerstörung der Dieselmotoren.

Die deutsche Protestnote.

Die deutsche Regierung ließ Freitag in Paris tine Note und eine Denkschrift über die Frage der Dieselmotoren überreichen. Es wird darin ausge­führt, daß die deutsche Regierung die Berechti­gung der Forderung der Allnerten Kommission «icht anerkennen könne. Die Artikel 188 des FnedensverlrageS spreche nur davon, daß die U-Boote, jotoeit sie nicht ausgeliefert würden, abzubrechen feien. Artikel 189 setzte andererseits fest, daß die PUS dem Abbruch der deutschen Kriegsschiffe und U-Boote stammenden Materialien zu rein industri- rilen und Handelszwecken Verwendung finden dürfen. Die im Rovember 1919 von der Interalliierten Marinemiffion überreichte Liste deS auszuliefernden *er zu zerstörenden Materials Hobe die Diesel- Avtore mcht entbalten. Erst vier Monate später sei der Nachtrag bekannt geworden, in dem sie auf» Mührt waren.

_ Die Denkschrift führt Wetter auS, daß der schnell« sausende Dieselmotor keine für Kriegszwecke ge- FWfeiw und geeignete Maschine sei.' Leichtigkeit ?ud Raumersparnis seien seine Haupworteile bei Brofjer Leistungsfähigkeit, die die Häufigkeit seiner industriellen Verwendung erklärt. Es wird weiter

Ueberblick über die Art deS Gebrauchs der oren in Deutschland gegeben und an Hand rtnzelnen Beispielen au8 der Industrie bärge« ' daß eine Ersatzschaffung bei Zerstörung dieser aschine sehr häufig nicht möglich sei.

ES wird schließlich darauf hingewiefen, daß die Lelftörung der Dieielmororen der Lahmlegung gan- Industrien gleichkommt und weitere einschnei- pende Einschränkungen der deutichen Produkiions- teaft bedeuten wurde. Zugleich würden Tausende Arbeitern brotlos gemacht und zu untätigem ^™en verurteilt werden, was bte La '.en und ®e« g9teB für Deutschland unerträgltch vermehren

waren zwei Rumpler-Passagier-Flugzeuge, bte einen teoftflug nach Wien unternommen hatten, dort von der Entente beschlagnahmt worben, weit sie angeblich nicht tns Ausland fliegen dürsten. Diese Beschlagnahme Nm um so überraschender. Äs bisher von den ge- Eten Gesellschaften schon zahlreiche Flüge ins Aus- uÄernomrnen worden sind, ohne daß die Entente »welche Einwendungen erhoben hätte. Zudem war den Flugzeugen der genannten Firmen die Flug- erlaubms ausdrücklich erteilt worden, denn sie hÄten hie Mugzeuge, dte s. Zt. hatten ausgeltefert werden muffen, zmückgekauft. Die deutsche Regierung war hcher im Recht, als sie einen Protest gegen dieses peue Flugverbot erhob.

Dte Verhandlungen, dte zwischen dem Auswärtige» filmt und der Lustfriedens-Kommiission stattfanden, haben nun bas Ergebnis gehabt, daß dte Entente auf ihrem Verbot nur bestehen bleibt, sofern es sich um Ausland sflüge mit früheren deutschen Kriegsf kugzeugen hatchelt, die von der Entente

Ein neues Derbaf bet „Orgesch".

Der Minister bes Innen, Severing HÄ einen Erlaß herausgegeben, in dem er die Regierungsstellen ersucht, sämüiche zur Orgamsaticm Escherich gehörigen oder mit ihr verbundenen und auf gteidten Boden stc. senden Verein« gemäß § 2 bes Reichsveremigongsge- etzes aufzulösen, da bie Orgesch einerseits eine immer wachsende Gefahr für bte öffentliche Ruhe und Ordnung erstelle und die Allgemeinheit zmn Unvehorsam gegen dte Staatsregterung tmfforbere, andererseits durch ihre Agitation den Zusammenschluß der auf entgegengefetz-

• Tschechischer Terror in Veuksch-Döhmen. In den deuftch-böbrnischen Städten Teplitz und Reichenberg ha- den an dem Iahresta« der Aufrichtung der tschecho-slo- wakischen Republik große Ausschreitungen tschechstcher Legionäre stattgefunden. In Teplitz verhüllten sie das Kaiser-Ioseph-Denkmal, das sie zu zerstören drohten, wenn es bis zum Sonntag nicht beseitigt sei, sie drangen in bas Stadthaus ein, rissen deutsche Orientierungstafeln herab und bedrohten den Amtsdirektor. Den Bürger­meister warfen sie, als er eingretfen wollte, zum Tore hinaus. In Reichenberg war es noch schlimmer. Dort Überfielen 30 Legionäre das Rathaus und erzwan- C vom Bürgermeister unter Todesdrohungen die His.

g weißcoter tschechischer Fahnen. — Es muß betont werden, daß Teplitz und Reichenberg rein deutsche Städte find, in denen nunmehr eine Reine tschechische Soldateska eine wahre Schreckensherrschaft übt. Sie beleuchtet am besten bas ewige Gerede in ber Prager Rationalversammlmm von der nationalen Gerechftgkeit, oie bie tschechische „Kulturnation" auch den Deutschen zu beweisen nicht müde wird.

* Deuisch-ikalienische Zwischenfälle in Südtirol. Beim Abmarsch eines italienischen Grenadierregiments aus Bozen tarn es zu einem Zwischenfall. Ein Tischler­geselle, der eine Pfeife rauchte und beim Vorbeimarsch des italienischen Militärs lachte, bekam von einem Offi­zier eine Ohrfeige. Auch Bozener Bürger, welche bei dem Wmarsch Bemerkungen machten, wurden von einem italienischen Offizier mit einer Reitpeitsche miß­handelt, sodaß sie bluteten und ärzttiche Hilfe in An- sprach nehmen mußten. Die deutschen Bürger wurden beschuldigt, daß sie der italienffchen Fahne keine Ehren- bezeugungen erwiesen habe».

* Volksabstimmung in ber Schweiz. Durch Volks­abstimmung wurde m der Schweiz ein Gesetz ange­nommen, durch das bte Arbeitszeit auf der Eisenbahn tmfc m den anderen DerkehrsanftÄten auf burchfchrMlich acht bis neun Stunden und bte Vienstfchkht auf durchschnittlich dreizehn bis dreizÄ>n> einhalb Stunden festgesetzt Wird.

Ende des amerikanischen Mchlfeldzuges. Der Wahkfeldzug HÄ Montag abend sein Ende gesunden. Die Wahl bes neuen PräsSvnten findet heute Dienstag