Fuldaer-Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis unedle Stadl Fulda.
nt. 253.
Verantwortlich tüt Den .coautonellen Teil: Karl Schütte, z für öti tingeigen: I. Pacze«ler- Fulda. - Rotationsvrucl n. Verlag der Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda, tacnwiecyet Nr. 9 Tetegr.-Adreift: Fu idaer Zeitung
5am$tag, Z0. Oktober )920*
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47. Zahrg.
igcn Zettverhättniffe auf unsere ifere Herzen legen. Je schwerer
Druck, den die trourii
Schullern und auf uns
-as irdische Leben ist, desto weniger schreckhaft wird der «ZLcnke an den Tod.
Das Fest der Himmelfahrt Christi begehen wir in
Tas Fest des Trostes.
Je schlechter dir Zustände auf der Erde sind, desto .^gemäßer ist der Rus: Empor die Herzen! " Sie beiden ersten Tage des November erleichtern ßns die L-erzerhcbung. Wir pflegen m Verehrung und Fürbitte die Eemeirrschafl, d.e uns über den Tod hinaus mit den Vorausgegangcnen verbindet. Sowohl mü den beseligten Insassen des Himmels, als auch mit den Speien, die noch im Reinigungsorte weilen müssen. Wir nemmt sie arme Seelen, aber wir wollen dabei nicht vergessen, daß sie an Hoffnung nicht arm sind.
Auch für uns, die wir noch auf Erden wallen und ringen, ist die Hoffnung die beste Stütze. Und diese Ge- denktage frischen unser Vertrauen, mtferr Zuversicht auf. Auch der wehmütige Blick auf die zahlreichen Gräber !iec letzten schweren Jahre. Die da ruhen, find ertöst von den irdischen Lasten und Mühen, Sorgen und Le,- 6tn. So werden bald auch wir erlöst werden von dem
heller Freude. Allerheiligen und Allerseelen sind Gedenktage der menschlichen Himmelfahrt. Sie brm- & keine ungemischte Freude, da uns noch die Todes»
■e und das Gericht bevorstehen. Aber tröstend und erhebend sind sie doch, weil uns das Beispiel der Verstorbenen auf den gangbaren Weg der Erlösung und Beseligung verweist.
Die menschliche Natur, die wir von Adam und Eva geerbt haben, will vor der Auflösung in Tod zurück- schaudern. Die Religion aber lehrt uns, diese Auslösung als Erlösung zu betrachten. Der Ungläubige steht vor einem peinlichen Rätsel, da all sein Mühen und Dulden nach ferner Ansicht keinen anderen Endzweck hat, als ihn in das Nichts zurückzuschleudern. Der Gläubige sieht den gerechten Ausgleich vor sich. Er weiß, daß jede Anstrengung belohnt, jeder Schmerz durch Freude ausgeglichen wird. Für ihn ist das un-t glückliche irdische Leben nur em kurzer Uebergang zu* einer ewigen Glückseligkeit. Auch irie Trennung von teuren Angehörigen, die der Tod erzwingt, wird ge- lindert durch die Zuversicht: Auf Wiedersehen in einer besseren Welt.
Ein Christ muß mehr Geduld und Ausdauer, mchr Mut und Kraft haben als ein Ungläubiger. Wenn das nicht der Fall ist, so ist das ein schlechtes Zeichen für ihn. Dann hat ferne' Seele ftchr noch nicht voll durchdringen lassen von den erbaulichen Wahrheiten, die ihm der Glaube vermittelt.
Am Allerseelentag senken wir den Blick in Wehmut auf die Gräber. Aber sie sollen nicht hasten bleiben «us der Scholle, die den körperlichen lleberrest deckt, sondern sich alsbald wieder emporheben zu der Höhe, wohin die Seelen der Verstobenen hinaufgefahren find und Gott ll'bsingen im Chor aller Heiligen. Unsere Seelen werben denselben Höhenflug antreten und dem Rufe dazu können wir mit Zuversicht entgegensehen, wenn wir in dem Rest unseres Lebens getreulich unsere Pflicht tun.
Wir arbeiten nicht vergebens; wir leiden nicht vergebens: wir haben ein lohnendes Ziel vor Augen. Der Tod bringt uns das ersehnte Ziel; darum soll er nicht ein Schreckgespenst sein, sondern uns Trost und Stärke vermitteln.
Noch 83 000 Tonne«.
Ms Entschädigung für die bei Scapa Flow per» fenften deutschen Kriegsschiffe hatte Deutschland an die Entente zu liefern: 120 000 Tonnen Hafenmaterial, so» wie im Laufe von 30 Monaten noch »weiteres Hafen- waterial, desien Umfang später best'mmt werden sollte. Die Wiedergutmachungskommission hat jetzt entschieden,
daß Deutschland noch 83000 Tonnen Ha- f en ma t er i al zu liefern hat.
Diese Lieferung ist für uns glattweg eine Unmöglich- keit. Unsere Häfen, denen infolge der Abgabe der ersten 192 000 Tannen Schiffsraum — in der Hauptsache Bagger, Kräne usw. — andauernd die große Gefahr der Versandung droht, .nnen auf das wenige, was uns unsere Feinde gelassen haben, nicht verzichten, wenn sie nicht' völlig der Vernichtung anheimfallen sollen- Schon in ihrer Note vom 8. Dezember 1919 hat die deutsche Regierung darauf hingewiesen, daß die Durch- führung der in dem ersten feindlichen Protokoll gestell- ten Forderungen dem deutschen Wirtschaftsleben unheii- baren Schaden zufügen. Wünscht man Deutschlands Leistungsfähigkeit wieder herzustellen und der Welt so die Wege zum Wiederaufbau zu weisen, so darf man auf der anderen Seite nicht durch Wegnahme unseres letzten Hafenmaterials dem deutschen Wirtschaftsleben einen neuen schweren Schlag versetzen wollen!
Lin Flugverbot der Lnkente.
Die „Münch. N. Nachr." melden, daß die Internationale Luftüberwachungs-Kommission den Rumplerwerken mitgeteilt habe, daß ihnen und der Luft- reederei in Berlin das Fliegen überhaupt v e r • boten fei, da fie gegen das Verbot, außerhalb Deutschlands zu fliegen, gehandelt hätten. Die Konzession zum Fliegen werde den beiden Gesellschaften entzogen, und die Flugzeuge würden beschlagnahmt.
Die Rumplerwerke haben gegen diesen neuen Willkürakt der Entente beim Reichsluftamt Protest eingelegt, da es sich bei den Flügen nach Wien nicht um die im Friedensvertrag verbotene Ausfuhr von Flugzeugen über die Grenze, sondern um ein Verkehrs- unternehmen mit regelmäßiger Rückkehr der Flugzeuge nach Deutschland gehandelt habe. Jedenfalls beweist der Vorfall von neuem, daß die Entente bestrebt ist, teilen wirtschaftlichen Fortschritt, den Deutschland sich zu erkämpfen sucht, im Keim zu ersticken.
Ein neues Lohnsystem.
Me England Mc Sozialisierung vermeidet.
Don hohem, allgemeinem Interesse sind die Ab- machungen, die die englische Regierung nach langen Verhandlungen mH den Bergarbeiterführern getroffen hat und die, aller Voraussicht nach, das Ende des Streiks bedeuten. Mtt der Bewilligung einer Erhöhung von 2 Schilling soll nimlich eine Umbildungdesgan- zen Lohnwesens im englischen Bergbau verbunden werden. Diese Absicht besteht nicht nur auf selten der Regierung, sondern auch aus seilen der Arbeiterführer.
Es ist nämlich vorgeschlagen worden, daß dte L ö h n e nicht noch der geforderten Menge Kohle berechnet werden sollen, sondern nach den erzielten Gewinnen, und zwar scheinen die Bergarbeiter besonders Werl darauf zu legen, daß diese Derkchmmg auf Grund der Gewinne, die mit der Ausfuhrkohle gemacht werden, zu erfolgen hat. Es liegt auf der Hand, daß die Berg- arbeiterlöhne nach dieser Derechnuttgsgrundlage in eine viel geregeltere Beziehung zu den im Bergbau gemach- ten Gewinnen gesetzt werden können, als wenn lediglich f-fte Prämien aus die erhöhte Förderung gezahlt werden.
Das von den Dergarbeiterführern vorgeschkagene Nationalamt wird wahrscheinlich am 1. Januar nach einem gleitend"'« Schema die Berechnung der Löhne vornehmen. Eine selbständige Folge ist, daß an diese Berechnung auch die Höhe der Unternehmergcwmne ge- bunden sind .
Dieser prakttsche Vorschlag ist geeignet, den Wirt- schaftsstieden außerordentlich zu fördern. Künftige Streiks und Wirtschaftskämpfe w:rden durch ihn verhindert, von Sozialisierung ist gar keine Rede mehr. Dies sind alles Gründe, die den radikalen Teil der
Das Schwert von Thule. Roman von Leontine von Winterfeld-Platen. 15] _________
So wie Doglslaw und ich es abgemacht haben, fo soll es werden. Beim heiligen Hubertus! Unser Daler sst alt und wird bald das Zeitliche segnen. Nachher hab ich nimmer Muße, ans Freien zu denken. Denn Du kennst die unruhigen Köpfe im Lande. Und Mecklenburg braucht Geld."
Albrecht lachte bitter auf.
»Das ist das alte Lied, Magnus, das wohl jeder kennt, Geld, Geld — und immer wieder Geld! Hols der Teufel! Und was hat es genützt, daß Herzog Hein- tiä) unser greiser Vater, versuchte, seine Einnahmen durch neue Zölle zu verbessern? Trotz der Hilfe des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg, der uns rom K" 'er die Erlaubnis erwirk e, zu Ribn'tz und Greves- wühlen von den durchgehenden Kaufmannszüt-rn zur ■eeftteitun-! der Sicherheus osten fortan einen Zoll zu erbeben? Wir beben gegeben, wie Lübeck mit 'Berufuni feine Priri egirn sich darüber beschwerte. Und w e R" imk tmb Wismar nur ständig trn zollsto'en Waffer- e'»1 wäh'ens Ach. wen s nimmer fo ernst wär und an unsere leeren Säckel ginge, wärs zum Lachen!"
Und Herzog Albrecht gab im Zern seinem Rappen die Surren, dab er sich hoch aufbäumte. Herzog Mag. "us strich sich den Bart.
»Du bist ein Schwarzseher, Albrecht und nimmst ^rrs fo schwer Ich meine, wir sollten jetzt n-mm-r an tf 'bben und Aerger denken, sondern uns des schönen herbstes und der baldigen Hochzeit freuen."
Aber Albrecht schüttelte den Kopf. „Wie Du so sicher dift! Als ob nicht kn Dammern drüben jenseits der "renze viel Zündstoff vorhanden wäre. Dogis'aw ist uns noch gram wegen des Hoftages in Prenz'au und unsere Anfvrüche aus den angelobten Draut'chcch all der einstmals schon nach Mecklenburg verheirateten Fürsten- töchter Pommerns. Denn Pommern hat immer nur versprochen, aber nichts gehalten. Es weiß, daß es um grüße Gelder geht zwischen uns." e
Herzog Magnus nickte.
»Und gerade darum habe ich nun darauf bestanden, tun 6. Oktober alle <E*r»Uigteiten beigelegt werden
sollen. Ich habe gewünscht, daß b» zur Hochzeitsfeier alle Verhandlungen verschoben werden."
Albrecht lachte grimmig.
„Das tatest Du. Aber was tat Herzog Dotts'av? Hal er nicht durch die persönliche Zusammenkunft, um die Du ihn vor der Hochzeit gebeten, einfach abgelehnt?"
Herzog Magnus zuckte die Achseln.
„Er ist mit Vorbereitungen zum Fest und anderen Sachen beschäftigt."
„So? Ich habe ein ander Vöglein pfeifen hören. Daß er in Deinem Tun ein ungedürhlich Bedrängen sieht und Dir darob zürnt."
Herzog Magnus schlug seinen Bruder jetzt auf die Schulter, daß es klatschte. Er lachte übermütig.
„Laß mich nur erst in Stettin fein, Bruderherz. Dor Prenz'au hast Du auch gekrächzt, und nachher lief doch alles glatt nach meinem Wun'ch und Willen. Da- m soll *9 r-r nicht abermals im Rausch der Frr.che *e. lingen, Bogislav zu meinen Gu: ften umzustimmen? J.h bin der ‘Heitere. Dem hat er sich zu beugen."
STbrefM Irr ste die S im.
„Er ist jung — freilich — aber s’hr keck, lind dann Hot er einen mäch'taen Sa,«T!«n z r Seite.*
„Du meinst b:n Ritter Dorenb Maltzan?"
Der andere nickte.
„Den meine ich. Und Du weißt, was fein Raine bedeutet im Land."
Herzog Magnus wandte unwillig den Kopf.
„Er ist mein Lehnsmann fo aut wie der feine. Wenn er auch jetzt im Lande Barth sich aufhä't. Lie t doch ein oroßer Teil feiner Güter in Mecklenburg, wie da» stattliche Dentz'in und andere mehr."
„Stärker als Pentzlin ist Burg Wolde", faste Alb. recht unwirsch, „und Du weißt, daß Wolde und Kum. meroro streitig gehalten werden zwischen Mecklenburg und Pommern. Auch soll Verend Maltzan uns noch gram sein um den Pfandschilling, den wir ihm schulden roeaen Schloß, Stadt und Sagtet Pentzlin." x Herzog Magnus lachte.
„Ja. er und seine Brüder Lüdecke kamen immer wie. der und baten um Auszahlung des Rückstandes und Schutz für Ihr Erbe. Der Teufel soll rückständige Gelder auszahlen, wenn er selbst nichts hat. Ich konnte beim heften Willen den Maltzan« ihre Bitten nicht er- füllen."
englischen BergarbeiterzurschärfstenOppofition gege.i tckses Vorhaben treiben. Es bleibt abzuwarten, ob sie damit durchdringen, oder ob die nüchtern denken» den, etnsichtigen Arbeiter, die di« ins Auge springenden praktischen Vorteile des neuen Systems nicht verkeimen, die Ucde- acht bchatten.
Die Waffenablieferung.
Wie der Reichskoinmtffat für Entwaffnung im Reichstag bekannt gab, wurden rund 1 753 000 Gewehre, 800 Geschütze, Flammenwerfer, Minenwerfer und ähnliche Wursoorrtchtungen, 11000 Ma chinen- gewehr, sowie 11 Millionen Schuß Handwaffen- munitwn abgeliefetf, angekauft, beschlagnahmt oder der ge.etziichen Meldepflicht enlfprechend angezeigt.
Die Frist fü die freiwillige Ablieferung endigt Montag, 1. November. ES ist nochmals dringend allen Waffenbesitzern anzuraten, die ab« liefetungSfriftigen Waffen schleunigst zur Abgabe zu bringen. Nach weiteren Erklärungen des ReichS- kommlssarS im Reichsiag toeröen örtliche Durch- tuchungen im Laufe des Novembers überall dort erfolgen, wo der Verdacht besteht, daß Waffen verborgen gehalten werden.
Helgoländer Besuch aus der brMscheu Botschaft.
Der Berliner Korrespondent der Times sendet einem Blatt eine längere Darstellung über die Wünsche und Beschwerden dec Helgoländer, in der sehr merkwürdige Dinge zur Sprache gebracht werden, von denen die deutsche Oessentlichkeit bisher wenig oder gar nichts gewußt hat. So berichtet er, daß eine Abordnung von führenden Helgoländern, die die ganze einheimische Bevölkerung der Insel zu vertreten vorgab, in Berlin gewesen sei, um dem britffchen Botschafter di« „durch di« deutsche und preußische Regierungspoliiik schwer bedrohte Lage" der Insel- bevölkerunq darzuleaen. Die Deputation traf zwar den Botschafter selbst nicht an, wurde jedoch vcm brilischen Geschäftsträger mit großer Sympathie begrüßt, der sich bereit erklärte, di« Wünsche und Beschwerden der Helgoländer an di« Londoner zuständigen Stellen weiterzulAten. Der Times-Kocrespondent berichtet weiter, daß schon am 8. März die Helgoländer an Lloyd George, an das Lus- roartipe Amt m London und an den Völkerbund eine Denkschrift gerichtet haben, m der ste schwere Angriffe besonders gegen die preußische Regien-ngspolitik richteten, die ihrer Auffassung nach dazu angetan sei, die eingeborene Bevölkerung aus Helgoland „auszuraiten" und durch eing-wandert« sr«nde Element« völlig nach dem Vinnenlande zu verdrängen
Auch in unserer cm Ungeheuerlichkeiten wahrlich nicht armen Zett wird dieser Besuch demscher Reichs- angehörtgm auf einer fremden Botschaft, um ihr, unter Umgehung aller deutschen Instanzen, Wünsche und De- schwerden vorzutragen, peinlichste Ueberraschung her- vorrufen. Die deutsche Oessentlichkeit hat Anspruch darauf, zu erfaßen: welche Helgoländer waren bei den Engländern, und steht hinter ihnen ein nennens- werter Teil der Bevölkerung? Insbesondere aber muß sestgestellt werden, wieweit etwa Steuerscheu das treibende Clement war.
Ein Zwischenfall in Hamburg.
In der französischen Presie beschäftigt man sich gegenwärtig sehr erregt mit einem Zwischenfall 'm Hamburg, bei dem der Attachö des ftanzösilchen Konsuls in Hamburg angegriffen sein soll. Die Hamburger Polizei teilt über die Angelegenheit folgendes mit: In der Nacht zum letzten Samstag hielt sich der Attache des ftanzösischen Konsuls im Ballhause „Faun" auf. In seiner Begleitung befanden sich zwei andere Franzosen, ein junger und ein älterer Kaufmann. Als die Franzosen bas Lokal v?r. sießen, sahen sie sich von einigen Herren und Damen, die vorher im Ballhaufe gewesen waren, umringt. Es kam zu «htem heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf man schließlich gegenseitig mit Spazier stecken aufeinander einschlug . Am schlimmsten kam der Attache bantm, der mehrere Verwundungen erhielt. Polizei mach'e dem unliebsamen Streit ein Ende und nahm verschieben« der Be-
A'breckck neigte den Stopf.
„Da wa dte sich Verend und Lüdecke um Hilfe an Rostock, und das hat Dich entrüstet."
Herzog Magnus Augen flammten. Ein helles Rot fprang in fein Gesicht.
„Freilich hat mich da» entrüstet. Sollte mir dies Verfahrrn nicht als ein Bündnis mit jener Stadt und der mächttgsten Familie im Lande erscheinen? Und mußte, mir das nicht verdächtig sein?"
Herzog Albrecht spielte gedankenvoll mit der Mähne seines Reffes.
„Und da hast Du den B’reAb ein Weilchen gefangen gesetzt, weil sein Tun Dich ärgerte. Das war nicht klug, M 'gn'ts."
Herzog Magnus lachte.
„5a, das tat ich. Und als ich ihn wieder freiließ, kündigt er mir den Fri-b’n au‘ und sagt mir Fehde an. Ha, hak Ein uncrM^es Tun fürwahr. der Bo'all tn’^et fetn-n Lehnsherrn! Was kann er irr a-haben? Roch beb» ich nichts von seiner Fehde gespürt."
Albrecht kaute finster an feinem Bart.
„Er w'rd schon nrn sich hören lassen. Der böfe Vererb wartet feine Zeck ab." —
Da-n fchnaizte er mit der Zunge und reckte sich in den Ste'"bü’eln.
Er gelüstet ihn nach ein-m scharfen Trab.
e
Am E-de der flttoes, wo die fchw’-en Lastwagen fuhren. n;nn dor Ge'präch nicht mi der lektta't hin und her. In einem ächzenden, knarrenden Ge'ährt, m't Warenballen bepackt, und wrn ei-er großen Bla-« 'chst. tzend überspannt, saß die ehriame Jungs-r Rosina Snrck, Schw-cker des Raisb-rrn gleich-" manv"5, au, Schwe- rin. Im Schoß hielt sie einen K-rb mit B"ttetwe^en zur Wegz-htunq und ein Riechfläschchen. Sie seufzte und klagte über S^ß-n bes pfta-tt G'fährtes, u-d ob man noch nicht bcttd in Stargard fei. Hellwig batte erst neben chr tmter der B'ane ae'esten, bann a' er ce« beten, rb sie n'cktt auch ein ?o'' frftetam b’lr'e, ro’t die Männer. Und ein a'fer Knecht bett« sie s-rnfältin auf -ine, der bre'*en. rub!’fn Vf*rs« ee'eßt dir le'ckg- lich für den Rotfatt hinter dem Wa’en hectrotteten.
lFortsetzung folgt.)
teifigten fest. Rach Angaben der Deutschen sollen sich die Fianzofen in der Faun-Diele herausfordernd benommen haben. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
Deutscher Reichstag.
Der Sitzung vom Freitag liegt zunächst eine An. zahl kleiner Anfragen vor, die in der geschäftsordnung-mäßig festgelegten Zeit gar nicht alle erledigt werden können. Heroorheden möchten wir die Anfrage über das Schicksal der noch in Sibirien besindlichen deutschen Kriegsgefangenen. Aus der Antwort des StaatSkommiffarS Stuckten war zu entnehmen, daß der Abtransport dieser Aermsten nunmehr in vollem Gange ist. Die Heimat, selbst verarmt, wird dennoch ihre Söhne mit offenem Herzen und Händen aufnehmen und die Not nach Uiö nchkeit zu lindern suchen.
Dann ergreift in der Fortsetzung der großen Etatdebatt« das Wort der
Reschsminifier -es Aeußeren Dr. Simons zu einer ausführlichen Defprechung der schwebenden Fragen der auswärtigen Dolitik. Er wendet sich zunächst gegen die Ausführungen des Grafen Westarp, der den Versailler Vertrag nicht anerkennen will. Die Regierung habe ihn nun einmal unterschrieben und müsse ihn erfüllen soweit wie möglich. Gegen uns spricht die Gewalt. Die Erfüllung der Wiedergutmochungspflicht ist nur möglich, wenn man sich mit uns verständigt. Es handelt sich für ans darum, all« angekündigten Gegenmaßnahmen abzuw-hken. Der Forderung ber 800 000 Milchkühe Hai die Regierung keineswegs zugestimmt, hier sei nur die LeistungLsähigkeit Deutschlands maßgebend. Die (Entente ist auch nicht de- rechtigt, die Zerstörung aller beutfchen Dieselmotoren zu fordern. Der Dieselmotor ist feine reine Kriegsmaschine, da er feine Kohle verbraucht, ist ein Ersatz iür die zu zerstörenden Maschinen schwer zu beschaffen. Die Regierung beantworte diese Zumutung mit einem entschn denen „Nein". Die Botschafterfonserenz besaßt sich zur Zeit mit der deutschen Antwortnote. Die Nachricht, daß sie ihr Verlangen zurückgezogen habe, trifft nicht zu. Der Minister bespricht dann den letzten Schritt der englischen Regierung, aus weitere Beschlagnahme deutsch-n Eiaenttnns zu verzichten, den man nicht überschätzen folie. Italien habe ähnliche Erleichterungen zugestanden. Es ist unser Bemühen, die Unschlbarfeit des deutschen Privateigentums im ganzen bisher feindlichen Ausland wiederherzustellen. Dann geht der Minister aus die Konferenzen von S p a a und Gens ein und betont, daß Deutschland di« in Span versprochene Einladung zur Konferenz in Gens bestimmt erwarte. Er benfe nicht daran, nach Drüfsel zu gehen, wenn diese Zusarnmenfunst «in Ersah für Genf darstellen solle und ste als etwas anderes gedacht sei als eine bloße Dordereitungsfonserenz. Auf Me Wünsche des Abg. Irtmbsrn, den fatholilchen Dolfsteil bei Besetzung der Doifchaster- und Gesindtm. posten in Härterem Maße zu berücksichtigen, hatte der Außenminister zwar einige freundliche Worte des (Ent* gegenfommens, war aber sonst der Meinung, daß wie die Besetzung des so wichtigen Dotschasterpostens in Paris durch einen Katholifen beweise, von einer augensälligei, Benachteiligung eigentlich faum geredet werden könne. Wir sind der Meinung, daß Me Forderung des Abg. Trimborn nach wie vor die Beachtung des Außenminist-ws oertient, da. dieser Wunsch einer gerechten Forderung de» kacholischen Dolksteils entspricht. Dr. Simons streif! auch Me Frage des völkerbundsproblems, das er in feiner jetzigen praktischen Ausgestaltung als in Deutschland höchst unpopulär bezeichnet. Man habe in Deuffchttr.nd nach den bitteren Erfahrungen das B-rtrauen in diese Institution wenigstens für den Augenblick verloren. Dennoch warnt er davor, den DAkerbundsgedanken an sich als eine abgetane Sache anzusehen. Großes Aufsehen machte seine Mitteilung, es sei ihm von verschiedenen Seiten gesagt worden, daß Me Cntentefommission an die oberschlesische Industrie heran getreten sei mit der Forderung ein nehm ber Information darüber, wie sich die oberschlefffche Industtie bei einem Uebcrmmg an Polen verhalten würde. Die Interalliierte Konnnffsion habe keinen anderen Auf- troa. als dafür zu sorgen, daß bis zur Abstimmuna Oberschlesien ordentlich verwaltet wird und daß die Abst'-pmnng absolut impacteiisch vorgenommen werde. Dr. Simons schloß seine Rede, die nahezu alle wichtigen Gebiete der auswärtigen Politik wenigstens gestreift hatte, mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zu der Bolttik des Rechts, non der er die Hoffnung aussprach, daß sie uns in d«r Welt mehr Freunde schaffen werde, Äs wir uns durch Macht und G-watt ft geschafft hätten.
Abg. Streiemann (T>. Bpt.), der nach dem Minister bas Wart ermiff. hält (ich ton einer Erörterung der suß m- pofftffchen Probleme tarn. Er wendet sich orelmehr rot allem der wirffchostlichen Frage zu und kennzeichn'! seine Siellung zur Fnme der Sozialisierung d-s D’tg- baues. Auch er ist der Meinung, daß die Bodenschätze ber Allgemeinheit gehören: sie bürfen der Vripatspekulrtion nicht ausgelftfert werden: das sei Me industrielle Führerschaft. (Er redet das Wort einer Einteilung des Reiches ht große Wirtschaftsgebiete und Wirffchastsprooinzen, die zu gemeinwirtschasiffchen Konzernen zusammengefaßt fein könnten. (Eine KapitaibeftiltMng der Arbeiter an den Be- trieben fei anzustreben. 5m übrigen dürfe dieser Gegenstand nicht in parteipoffffscher Leidenschaftlichkeit bebittiert werden. 3m Schluß seiner Ausführungen berührt er in Kürze die oberschlesische Anaeleoenheff. Er ner- feiMgt den Satz, daß Preußen zwar im Reiche nufrehen könne und müsse, aber dabei sich nicht aufinGsen brrni-che. Eine lieh-rspannuna d-s zentralist'fch’p (f-danken« lehnt er ab. Arbeit und Ordnung seien die Faktoren, die uns hrtfm könnwi.
Abo. Erff'sen krecktt-iwabb \ der bann bas Wort nimmt, HM Me Üchstche Kompfrede o«*«n KanstaNsmus tmb Bstr> rerhrm. Er prophezeit d-n Bankerott dm- famtariWMvn Gefellfchoft. Der Staat ist für ihn nur eine Organisation her h-rrühmbm Klaf’n. «nch die H”ren ^—o^en der Mef,7f,„i>taziasdnnottgffe erhallen oon Er'sp'en eine gtaite Ablage. Seht Kmnvf. ben et dem Büimetckirm nreblM. wird auch mit gleicher Starke eenen die R-h!s- ta,!’pften gericMei sein. UM sie für ihre g-h»iterfemM'che Boffttk zu ftrgfen. Das Lieb-rwerb-nt H»rm Sch'ibe» wanns. bas er am Donnerstag noch tonst ftatarb in, die Ohr-n der Rechksmwhhgnmgen tönen fie!». Hat also feinen Erfolg gebäht. Rock wie vor het’tfitiM b»r ei-e ben ctrbem imd brr sitb*r» ben einen ber Schuld, die Ar- beiferrtgüe zernten zu haben.
*"«, (e*-i-r ’s-hner gns dem Hat'ft spricht der
Abg. Dr. stckm (Bgnrr. Bnt.i Er b-'ante. dah mir et-e w'rffchgf'Nche Ipterrflennemr'nschaft der Bälker nötig haben. Jeder ?**hter G-kreib-. den Dolen mehr haut, fommt uns zu Gute. Dc* kleine (Enfn’-entcm« kamtnen (Fnofanhs sollt- uns f'"fif finden. A-ch ber D-tta’mann hat feinen S‘ofj. lZ-ft'MN''nz.) Bi’ ft« kommen und b-anchep eine ’innnziene H'lfe P’m A--s. faph». ober wir düt'-n a"ch n’At fataienhaft Dienst- oe»ä"inf-lt zei"e" E "e fo'che ist es, menn der (Ent- wa^f-unqsk-mwisigr Ioabhüch'en im Wer'e van Uf Miffinnen Mark beschta-nahmt hat. we'ch« die Amber- aer R-ichsmetke zur Ai'sfnht nach Hamburg geschickt haben, lediglich weil die Hülsen von Maschinengewehren