Amtlicher Anzeiger für den £reis nnd die Skadk Fulda.
Sreitag, 29. Oktober »920
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abgeschlossenen Ueberetnkunst angenommen worden. Sie werden nur roch der Abstimmung der Berg» arbeilec unterbreitet.
Der Friedensschlutz im englische» Bergbau.
Ite Vertreter der ou-'ktändlgen endlichen H r.i» arbeikerschaft hauen unmiitelbar vor Ab chluß der angekündigten V'rrändlgüng plöyl ck in le ter Stunde neue Forder ungen äufnest llt. Sie verlangten nunmenr neuerlich einen größeren Anteil am (Gewinn. Nach einer neuen a -tltd-en Meldung aus London sind jedoch jetzt dre Beotngungeu der
aus Mche und Schule.
-t Eine Larlias-Kirchenkollekle findet am kommenden Sonntag (31. Okt.) in unserer Diözese statt. Dm Kirchl. Amtsblatt weist der Hochw. Herr Bischof bei Anordnung der Kollekte darauf hin, daß die gesteigerte Not der schweren Zeil wachsende Anforderungen an die kathol. Caritasorganisationen stellt, damit nicht nur schreienden materiellen und leiblichen Notständen, sondern auch seelischen mkd religiösen Gefahren Abhilfe geschehe; reli» gionsfeinditche Mächte sind am Werke, um die irdische Not zum Rum der Seelen zu mißbrauchen. Dem über» aus segensreich wirkenden „Caritasverdand für das katholische Deutschland" sind damit gewaltige und schwere Aufgaben zugefallen. Eine immer größere Zahl von opferbereiten, geschulten Caritasjüngern beiderlei Geschlechts ist notwendig, um auf dem so rrichverzwergten Gebiete christlicher Liebesiätigkeit tröstend und hÄfend jeglicher Art von Notleidenden beizuspringen. Der
Die Sozlalisterrmg der Kohle.
. Der gemeinsame Unterausschuß des Reichswlrt- fchaftsrats und des Reichskohlenrats, der eine annehmbare Lösung des Sozialifienmgsproblems finden sollte, tagt schon fest Anfang der Woche, ohne eine rechte Einigung zu erzielen Don der Seite der Arbeitgeber hatten nun Silberberg und Stinnes Kom- Aomißvorschläge gemacht, die eine Gewinnbetei- ltgung der Arbeiter vorsehen, nicht aber eine eigentliche Sozialisierung.
Darauf wollten aber die Arbeitnehmer auf keinen Fall eingehen. Im Namen der Arbeitnehmer gab der Arbeitervertreter Abg. Werner eine Erklärung ab, we die Vorschläge der Arbeitgeber Mehnt, weil sie die Arbeiterschaft nur ablenken sollen. In der Debatte sprachen die Arbeitervertreter Wagner (Soz.) und Umbusch (Christi.) und der Ang>?stelltenvertreter Löffler im Sinne dieser Erklärung. Generaldirektor Bögler und Geheimrat Dulsberg be- ®nten den Willen zur Einiguna und verteidigten die Efinnes-Silberbergschen Vorschläge.
Man kam zu keiner Einigung. Da erklärte der Dorsitzende, Dr. Edler v. Braun, daß man bisher ^nmer aminander vorbeigeredet habe, obwohl man wtb auf beiden Seiten den Willen zur Einigung sehe. Es haben sich eine Reihe gemeinsamer GesiEispunkte Ergeben. Die Stellung des Arbeiters fei heute anders als vor 1914, das müsse berücksichtigt werden. Dem Wunsch des Arbeiters auf Mitbestimmung muffe ent- Svgen-'ekommen werden. Die beiden Soziafificntnos- öorftbläpc laufen aber auf Gründung einer neuen Art Krikgsgefellschaft hinaus. Man solle auf die sachliche
Deutsches Reich.
•* Berlin, 28. Okt. Etwa ein Jahr lang dauert der Kampf zwischen den Städten Dresden, Nürnberg und Stuttgart, um den Sitz der Reichsversiche- rungsanstalt für Angestellte. Die Angelegenheit hat nunmehr ihre Srlebigurtg gefunden, daß die Reichsversicherungsanstalt in B e r l iji bleibt, wo nunmehr auch das neue Verwaltungsgebäude errichtet werden soll. — Der Andrang ausläMscher Studenten zu dm deutschen Hochschulen ist gegenwärtig derart stark, daß in Berlin auf drei deutsche Studenten ein Ausländer kommt.
* time zweite Ehrenerklärung für Hermes. Die Fraktionsvorsitzenden sämtlicher Parteien haben in einer Zusammenkunft einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die persönliche Ehrenhaftigkett des ReickSernährungsministerS HermeS ausdrücklich anerkannt w''d.
* Das Religionsbekenntnis der ReichslagsmNglieder. Auf Grund des Reichstags Handbuches stellt die „Kreuz- Ztg." über das Religionsbekenntnis der Reichstagsab- geordneien folgendes fest: Der Reichstag zählt an evangelischen Mitgliedern (evangelisch, ev.-luth., reformiert, protestantisch) hn ganzen 180. Zwei davon, einer bei den Deutschnatwnalen und ehtpr bei den
Kurland.
* Irland. Aus London wird gemeldet: Der Ml- nister des Innern gestattete auf das Ansuchen der Angehörigen, daß die Leiche des Bürgermeister» Mae Stainer) nach Cork Lbergesührt wird. Vorerst wurde sie nach der Kathedrale von Southwark gebracht, vor der sich eine große Menschenmenge angesammelt halte. Der Sarg fft mit Blumen bedeckt. Eine Ehrenwache junger Irländer hat zu beiden Seiten Aufstellung genommen. Der Freitag, an dem die Leiche in Irland eintrifst, wurde zum Nationalfeiertag erklärt.
* Ser Vorsriede von Riga. Tfchrtscherin hat durch Funkspruch der polnischen Delegation in Riga mitgeteilt, daß das Zentral-Exekunvkomitee 6ei Sowjets jetzt den Vorftredensverrrag ratifiziert hat.
** Zwischen Litauen und polen ist es wiederum yi. einem schweren Kampfe gekommen. Die Polen unter-' nahmen an der Eisenbahnlinie Landwarowo-Oranyl einen heftigen Angriff und zwangen die litamschen Trug-» pen, sich unter großen Verlusten zurückzuziehen. — Dies Kämpfe gehen um dm ZuzMg nach K o w n o, das der. von seinem WAnaer Erfolge berauschte polnische General Sellgowski für Polen geronnen will. Cs wurde ffer«; schiedentlich behauptet, daß zahlreiche d e u t s ch e A b en- tenrer über die ostpreußische Grenze gegangen M>, um den Litauern zu Hllse zu kommen. Es ist leibet? bei der Unmöglichkeit, die lange Grenze Ostpreußens mit ben geringen uns gestatteten Reichswehrbeständen zu bewachen, nicht ausgeschlossen, daß sich solche Fälle ereignet haben. Deutschland tonn dafür nicht verantwort- sich gemacht roerben, denn bei dem Grade unserer Ent- wafstnmg ist eben eine wirkliche Grenzsicherung un- mögüch. _____________________
und linker Richtung g'bt es neben 2 Juden nur Dissidenten. Don ben beiden Al'kommumsrin nennt sich Dr. Lev» konfefsionslos. Fron Zetkin macht keine Angabe.
* Iufammenl-grmg der Dahlen? Der Wahlaus. schuh der preußischen Landesversammlung hat einen Unterausschuß beaunragt, mit einem entsprechenden Slus'chuß des Reichstages in Verbindung zu treten, um gemeinsam mit ihm über die Grundzüge der künftigen Wahlgesetze Fühlung zu nehmen. Wie es beißt, besteht die Absicht, auch zu einer gemeinsamen Festlegung des Wohltermins zu kommen, um auf diese Weise die Preußenwahlen und die Nachwahlen im Reich gleichzeitig durchführen zu können.
• Eine ReichrlagsinlerpeNalion wegen Eupen und Malmedy. Sämtliche Fraktionen mit Ausnahme der Kommunisten haben im Reichstag folgende Interpellation eingebracht:
Der Ra! des Völkerbundes hat am 10. September in Par!» beschlossen, Belgien endgültig die Souveränität über bie Kreise Eup-n und Malmedy zuzusprcchen. Hat die Reichsregirruno von diesem Beschluß amtlich Kenntnis er
vezu.-sprets: ^onaulchl^ ulr. ohne ZuiteUgeoühr. In ou vo I
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1L0 rilk^ u. 10°« Zutchtag. Bet Wiederhol. Rabatt. |
Preußische Landesveriammlunff.
Die preußische Landesversammlung erledigte am Mittwoch eine Reihe kleinerer Borlagen und wandte sich bann bet Beratung des Etats der Handels« und Gewerbeverwat- tung zu. Vom Zentrum nimmt zu diesem Gegenstand der Abg. Lsser das Wort. Der Redner bespricht di« Stellung der Sozialdemokratie zur Sozialisierungssrape und stellt ohne Widerspruch zu finden fest, daß auch im iozial- demokratffchen Laaer der erste Sozialisierungsrausch verflogen sei. Das ZeMrum stehe in dieser Frage aus dem Boden des Ar ikels 156 der Reichsversasiung. , Es komm« aber daraus an, daß nicht nur die Betrübe, sondern auch die Menschen zur Gemeinwirtschaft retf seien. Wenn wir keine arbeitsfreubigen, das Allgemeininteresse über den eigenen Dortetl stellenden Menschen von hoch- entwickeltem Pflicht- und Derantwortlichkeitsgefühl hätten, sei an eine erfolgreiche Sozialisierung nicht zu denken.
Am Donnerstag begann das Haus die Beratung der preußischen Verfassung. Hierzu sind zahlreiche Anträge der Parteien eingegangen All.ein die Deulsch- natwnalen haben 12 Abänderungsanträge eingereicht.
Als erster Redner begann der Abg. Hirsch (Soz.), der ehemalige M Nisterpräsident Preußens, mit einer heftigen Polemik gegen die Rechte. Zu Lärm'zeneu kam es, als der Redner die Behauptung aufstellt, auf dem Parteitag in Hannover sei zu Pogromen gehetzt worden. Der Präsident hatte Mühe, die Ruhe wiederherzustellen. Der Redner richtete bann heftige Angriffe gegen das alte Preußen, besten Geist nie wiederkehren dürfe. Das neue Preußen solle ein Glied des Reiches fein, nicht die Vormacht. Abg. v. Kries (Dnat.) bekannte sich zur Mo. narchie, doch erstrebe feine Partei dieses Ideal nur mit verfassungsmäßigen Mitteln Auf dem Wege der Zertrümmerung Preußens müste Holt gemacht werden. (Segen die allzu große Selbständigkeit der Provinzen sei anzukämpfen. Die Autonomie Oberschlesiens übe leinen Einfluß auf bi« Abstimmung aus. Abg. Dr. Preatz (Dem.) meint, die Monarchie fei eine Utopie, von der die Deutschnationalen lieber ablaffen sollten. Dagegen erklärt« auch Abg. Dr. Ceibig (D. Dpt.): Wir noffen auf ein starkes deutsches Kaisertum, aber wir lehnen politische Demonstrationen ab, da wir uns in den Grenzen der Reichsverfaffung halten müffen. Abg. Bener- Oberschlefien (Ztr.) erklärt: Die Annahme, daß auf dre Abstimmung in Oberschlesien im wesentlichen wirtschaftliche Einflüsse einwirken, trifft doch nicht vollständig zu. Es sind noch manche politische Fehler in Obersch'esien begangen worden. Man sollte Oberschlesien dem Lande nicht noch mehr entfremden und dazu ist es nötig, daß es die Autonomie erhält. Für die Festlegung her preu- ßifchen Landesfarben schwarz-weiß in der Verfassung stimmen auch wir. Abg. Bester! (Reu-Kommunist) legte das Bekenntnis ab: Die Arbeiterschaft pfeift auf das. was Sie hier beschließen. Die wirkliche Derfastung ist lediglich eine Machtfrage.
Freitag: Fortsetzung.
betamwunita# tut oeu .cuauioneUen Teil: Karl edjütte, u iÜGütt unzetgen: I. Parze. lefftulöa - 'jtoiartonaOrud u. Verlag Der Fuldaer Actienbruckerei tn Fulda <-rn .ewer Nr. U reiegr.-Adrelle. Fuldaer Zeitu No
Der zweite Tag.
Wenn die Parteiredner zu Worte kommen, gibt cs «^griffe und Widerspruch, Reibung und Austegung. Dos ist herkömmlich; doch unter den außerordentitchen Verhältnissen der G genwart füllte man die Streitreben ßiber auf das äußerste einfchränken unb alles auf ben Jon der g e m e i n f ch a f 11i ch c n Arbeit stimmen, den ja auch die Negierung am ersten Tage eingefchlagen hat.
Herr Scheibemann, der als Vertreter der Mehrheitssozial sten am Donnerstag ben Reigen eröffnete, war wieder zu sehr Parteimann. Er sollte doch Mt vergessen, daß er schon Staatsmann gewesen ist und zur verantwortlichen Fmsorge für die Gesamchett nieder berufen werden kann. Die scharfe Kritk rings« ftn.her führt zu stürmischen Szenen uno macht die Sitzung „intereffant"; aber was für ein Nutzen kommt bei der parteipolitischen Selbstgefälligkeit unb Rechthaberei heraus?
Es schürt nur die Unzufriedenheit und ermutigt die Ruhestörer, wenn Herr Scheidemann der Negierung oorhäit, baß sie nichts erreicht habe. Als ob man in Än paar Monaten alle Hebel beseitigen könnte, die uns >chs Schickfalsjahre, em grausamer „Vertrag" und die ortdauernde Härte der übermächtigen Sieger auferiegt jaben! Fatsch ist es, wenn Scheibemann der gegenwärtigen Regierung vorwirst, sie habe bei chrem Antritt solche Wunderdinge verheißen. Wir haben doch noch eine frische Erinnerung, unter welchen großen Schwierigkeiten die neue Regierung nach den Wahlen zustande gekommen ist unb wie bescheiden allseitig die Erwartungen zu jener Zeit waren. Die größte Partei des Reichstages, die zur Mstarbett bei der Rettung des Vaterlandes in erster Linie berufen gewesen wäre, nämlich die Partei Scheidemann selbst, stellte sich damals mit den Händen in ben Hosentaschen an den Zaun. Jetzt wirst Schciidemann den Wlännern, die tapfer ht die Bresche gesprungen sind, zu großen Optimismus vor, miö am Schluffe derselben Rede verkündet er mit Stentorstimme, der Sozialismus fei die Partei des Opidmis- jrjue. Was helfen uns die angeblichen Optimisten, wenn sie eine so heillose Scheu vor der oerantworttichen Ar- öest haben!
Auch der Wortführer der Deutfchnat'onaien vom «echten Flügel des Hauses, Graf Westarp, gefiel sich ht Parteipolemik. Als mildernden Umstand maß man freilich gelten taffen, daß diese Partei zur Teilnahme an der Regierung überhaupt nicht berufen worden ist. Aber unter ben gegenwärtigen Verhältnissen hätte Graf Westarp doch bedenken sollen, daß es keinen Nutzen, aber wohl Schaden bringen kamt, wenn er der onge» kündigten Autonomie für Oberschlesien ben grimmigsten Kamps verkündet. Das kann doch nur den Respekt unb das Vertrauen der dortigen Bevölkerung gefährden. Wenn die unentwegten Allpreußen die deutsche Werbekraft schwachen, so schieben sie Oberschlesien den Polen (u, statt es für den preußischen Staat zu retten. Nach ber Abstimmung mag gezankt unb gescholten werden; bis dahin sollten alle besonnenen Deutschen sich hüten eor jeder Störung der Rettungsarboit.
Auf den rechten Ton der Sammlung unb Belebung oer schaffenden Kräfte war die Rede des Zentrumsführers T r i m b o r n gestimmt. Die Teilnahme an der gemischten Regierung unter den schlimmen Zeit- oerhältnifsen ist für das Zentrum eine drückende Last, «ber trotzdem wird nicht versucht, die Verantwortlichkeit abzuschütteln ober durch billige Polemik parteipoMische Effekte zu erzielen. Was Trimborn zur Ergänzung des Programms ausführt, war von wesentlicher Bedeutung, wurde aber in rulyiger und sachlicher Form so oorgebracht, wie es die Erhaltung der Eintracht und bie Slrbeitsfreube erheischt. Wir möchten besonders Hinweisen auf die Hervorhebung des großen Gesichtspunktes der Versöhnung und Vereinigung aller europäischen Dölker, womit Trimborn der verfehlten „Äontmental« Politik", die sich an England den Kopf einrennen will, die natürliche Gemeinschaft der alten WcL gegenüber« stellt, — nicht hn Gegensatz zu Amerika, sondern zur Verständigung mit der eigenartigen neuen Welt. Sehr mn Platze war angesichts mancher tulturkämpferifchen Versuche, die ernste Warnung vor einer Antastung des Weimarer Schulkompromiffes.
Möchte man doch allerseits sowohl bei ben Reden äs bei ben Taten die Sammlung der Kräfte, den Frieden und die Arbeit im Auge behalten!
halten? Ist ihr bekannt, aus welche tatsächlichen Grund- lagen er sich stützt? Welche Stellung nimmt die Reichs- regierung dazu em, unb was sie getan oder gedenkt sie zu tun, um den Nachweis zu erbringen, daß dieser Be- Muß dem Wortlaut und dem Sinne des Artrkets 34 des Versailler Vertrages und dem Selbstbestimmungsrecht der Böller widerspricht?
♦ Die Gesamttosten für die Reichswehr betragen rund 5 Milliarden. Der Soldat kostete vor dem Kriege durchschnittlich 700 JA im Jahr, ber Söldner von heute 12 170 «AL Die Ausgaben für einen Soldaten vmschl. aller Verwallungs kosten find von 1200 JA vor dem Kriege auf 24 600 JA jährlich gestiegen. Bei der Marin, wird hervorgchoben, daß das gesamte Sch.ffsper- anal — Offiziere, Beamte und Mcmn chasten — durchweg Schiffsoerpflegung erhält und daß alle früher gewahrten Hafen- uni) Messegelber sortgesallen sind.
ns Streiter deutscher Beamtentag. In Berlin sand um Montag und Dienstag der 2. deutsche Beamtentag statt. Der erst« Dersammlungstag befaßte sich hauptsächlich mit der Einkommensnot der Beamten. Bundesvorsitzender Flügel führte aus: Wir werden unsere wohl ab- gewogenen, aber unerläßlichen Forderungen nach wie vor m breitester OefienUichkell mit allem Nachdruck vertreten, well wir von ihrer Berechtigung und der Notwendigkeit ihrer Erfüllung gerade im Staatsinteresie unbedingt überzeugt sind. Die Beamtenschaft ist sich der hohen Deranri wortung, die auf ihr lastet, wohl bewußt, möchten auch Regierung und Dolksvertretung von demselben Derant- wortlichkeitsgefW beseelt sein. Am zweiten Derhandlungs- tage wurden drei wissenschaftliche Vorträge über das So- zialffierungsproblem gehalten. Dr. Walter Rath enau erörterte tn mehrstündigen Ausführungen ferne vrgani- fationsplän« für die neue deutsche Wirtschaft. Dr. P i n - kerneil vertrat die Anschauungen des Privatwirtsch.asts- systems, während der Handelsredakteur des „Vorwärts, Dr. Stritmer, in die sozialistische Wirtschastsidee em- zuführen versuchte. , . _.
* Die einheitliche Beamlenbeioldung. Ern neuer. Gesetzentwurf bezweckt die einheitliche Regelung der Beamtenbesoldung. Der Entwurf bestimmt, daß Länder, Gemeinden und sonstige öffentliche Körperschaften die Dienstbezüge der Beamten ntcht günstiger stellen dürfen alS die für Reichsbeamte tn einer gleich zu bewertenden Stelle nach den jeweils geltenden Vorschriften geregelt werden. Eine günstigere Regelung kann nur beim Vorliegen blonderer Verhältnisse gestattet werden und bebar# der ©enebmigunn des 'Fmarnministers.
• Sozialdemokratische Anschulb'gung gegen die Münchener Polizei! Die sozialdemokratische Fraktion des bayerischen Landtages hat folgenden Dringlichkefts- antrag ringebmcht:
Die Unterzeichneten verlangen die Einsetzung eines UMerfuchungsausschusses. Gegen Organe der Polizm- bireftion München wird der Borwurf erhoben, daß sie Organisationen geblldei habe, die sich zur Aufgabe gernachk haben, Menschen gewaltsam zu besertigen. Bmveismaterial und Zeugen stehen zur Verfügung. Da Gefahr im Verzüge ist, beantragen wir, der Landtag wolle beschließen: Der Haushaltsausschuß wird beauftragt, dis Angelegenheit 'm feiner heutigen Sitzung zu unterfuchsn.
Am Schluß ber gestrigen Plenarsitzung wurde vom Vizepräsidenten Auer dieser Antrag zur Verlesung gebracht. Das ganze Haus erklärte sich mit der {ofortigen Behandlung im Ausschuß einverstanden,
Deutsck^wmokraten, gehören fretkirchlichen Gemeinschaf, ten an. Katholisch sind im ganzen 105 Reichs- tagrrmtgllÄwr. Altkatholisch und deuffch-kathollsch ist je einer (bei den Sozialdemokraten). Zur jüdischen Relirion rechnen sich 5 Mitglieder. Dissidenten (Konfessionslose, Freireligiöse) zählt der Reichstag 130. Keine Angabe des Bekenntniffes findet sich bei 44 Abgeordneten. Bei den einzelnen Parteien ist die Dr- tellung ber christlichen Konfessionen wie folgt: Deutsck- nationale Dolksportei: 64 evangelisch, 2 kathol .. Deutsche Volkspartei: 56 evangeklfch, 4 katholi ch; Deutsckchemokratische Partei: 36 evangelisch, 2 katholi ch; Deutsch-Hannoveraner: 5 evangel'sch: Bayr. Bauernbund: 4 kathofifch; Bayr. Dolkspartei: 19 katholisch; 1 evangelisch; Zentrum: 68 katholisch; Sozialdemokraten: 18 evanaelffch, 6 katholisch. 2 alt- bezw. deutsch-katholisch. Die Soz'olbnnokraten zählen außerdem 59 Dissidenten, darunter sämtliche früheren Reichsminister, außer Dr. David, unb 1 Jude. Bei den Unabhängigen rechter
Prüfung der einzelnen Vorschläge erntreben, dann werde man schon zu einer Cimaung kommen.
Darauf fchtug Abg. Paul Müller (Ang.) vor, so- wohl eine Arbeitnehmer- als auch eine Arbeitgeber- kommission sollten positive Vorschläge machen. Auf eine Einwenbung des Generaldirektors Silber berg wurde eine gemischte Einigungskommission gewählt. Sie setzt sich zusammen aus den Herren Winnes, Stlberberc. Bögler (Arbeitgeber), Wagner, Werner, Imbufch (Arbeitnehmer) und Dr. Berthold (Verbraucher). Dieser Unterausschuß soll seine Vorschläge bis zum 10. November machen.
Der erste Schritt.
Die Bedeutung des englischen Verzichts. —Anfregung tn Paris.
Der Verzicht Englands auf das R^cht der Be- fchlaanahme deutschen Priva^eioen'ums in England gewinnt an Beden>ung durch die Aufnahme, die er tn F, and eich findet. Zunächst, alS die Nachrich' bekannt wurde, dnrcktobte natürlich ein Wutaeheul die Portier Hekpreffe. Aber, da man nun einmal vor einer Tat'äche steht, muß man auch die Folgen auf sich nehmen. Hierbei stellt man in Frankreich zunächst fist, daß die .lieben' Verbündeten senseits deS Kanals und noch mehr die jensei's des OzeanS sich bisher jeder mütmriidjen Strafmabnahmi-n, wofür ja Frankreich mit aller Eneroie eintrttt «siehe Frankiurt und Ruhrgebiet) feindlich a- $ iat haben Und nun loffe man auch die wirtschaftlichen Maßnahmen fallen. Ta könne ja Deutschland ganz frischweg seinen Verpflichtungen nicht Nachkommen, ohne daß es einer „Bestrafung" cmSgefetzt sei. Soweit ist eS ja nun noch lange nicht, das wiffen wir Deutsche ja wohl am allerbesten.
Aber vaS schlimmste für Frankreich kommt bot noch: Wenn eS nicht wirtschaftlich an die Wand gedrückt werden will, muß Frank eich denselben Schritt tun. Denn sonst zieht England den ganzen deutschen Handel auf sich und Frankreich hat doS Nachseven. Zunächst hat man sich deschwerdefüdrend an den Botschafterrat gewandt, der aber wird schwerlich sein Gutachten gegen den mächtigstm Staat Europas wenden.
Somit ist durch dieses Vorgehen eine erhebliche Bresche in die Mauer, mit der un8 der FriedenS- oertrag umgeben hat, geschlagen. Aber, wohlgemerkt erst, nachdem unS England wirtschaftlich vollkommen vernichtet und von ihm abhängig gemacht hat, nachdem eS unS im Kriege restlos alles, womit wir England Konkurrenz machten, geraubt hat, Kolonien, Sch'ffahrt, Außenhandel, kurz alle«. Und davon bekommen wir nicht» wieder. Jetzt, nachdem dieses AerstörungSwerk durch den Versailler Vertrag erledigt ist, kann er um Englands willen lang am Stück für Stück fallen. Aber die Frecheit, die wir gewinnen, ist nur sche n- bar, in Wirklichkeit geraten wir durch alle diese Bestimmungen immer mehr in die Abhängigkeit Englands.
Repressalie« gegen Pole«.
Die andauernden polnischen Uebergriffe haben schließlich auch den so unendlich langen Geduldsfaden der ReichSregierung zum Reißen gebracht, und sie hat zu Maßnahmen gegriffen, die den übermüd- gen Polen deutlich zeigen, daß sie Deutschland denn doch noch nicht alles ungestraft bieten können.
Drn unmittelbaren Anlaß zu dem Eingreifen Deutschlands hat die Beschlagnahme von 200 deutschen Frachtschiffen und Dampfern durch die Posener Regierung gegeben. Diese Schiffe, die im Netze-Dtstrikt seit AuSbruch der Revolutwn fest- gehalten und die trotz veS wiederholten Verlangens der ReichSregierung nicht zurück egeben sind, wurden enteignet und zu Kriegszwecken gegen Rußland benutzt.
Da durch die mit der polnischen Regierung etn« geleiteten Verhandlungen eine baldige Freigabe der deutschen Fahrzeuge nicht erzielt wurde, im Gegen- teil noch weitere 10 Ech'ffe in Graudenz beschlagnahmt tpuiben, hat die deutsche Regierung, um einen Druck auf Polen auSüben zu können, zunächst die für Polen bestimmten Transporte von Super« Phosphat aus Schweden in Stettin angehalten.
Da^ schwedische Superphosphat wird von den Polen dringend benötigt, die zivilen polnischen Behörden in Bromberg haben deshalb erklärt, daß sie ihrerseits alles tun würden, tun von den Mtli- tärstellen eine Aufhebung der Schiffrequisition zu erlangen. Dagegen zeigen sich die Polen nach tote vor nicht geneigt, die Netze-Sperre auszuheben, so daß der He im trän Sport der deutschen Schiffe, lelbft toetn die Freigabe erfolgen sollte, nicht möglich wäre.
Hcffenilich bleibt die ReichSregierung bet dieser energischen Haltung, sie wird bann bald sehen, waS sie damit für fabelhafte Erfol.e erreichen wird. Jeder Kenner des polnischen Volkes totrb zugeben, daß die;eS der einzige Weg ist. um mit den Polen in ein annehmbares, nachbarliches und frtedlichrS Verhältnis zu lammen.
Abermals ein denlsches Flugzeug beschlagnahmt.
Das Flugzeug „D. 43“, das den Probcflug Kömosberg- Riga erfolgreich durchgeführt hat und gestern nach Warne- münöe weiterfliegen follle, ist van einem englischen Offizier der Enlentekommifsion im Königsberger Flughafen beschlagnahmt worden, da rs sich angeblich um ein Kriegs- flugzeua handele, das unberechtigterweise das Abzeichen eines Dertehrsfiugzeuges trage. Di« Deutsche Luftreederei hat sich sofort an die Regierung gewandt, um die Freigabe des Flugzeuges zu erwirken.