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Das französische Diktatursystem im Elsaß.

Aus Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben:

Zurzeit der deutschen Regierung ward viel Geschrei über den sogenannten Diktatuiparagrophen, der dem Statthalter bezüglich der Presse und der Vereine ge- Me außerordentliche Gewalten verlieh und der im Ganzen nur ein einziges mal angewandt, Ende der ^unz g«r Jahre aufgehoben wurde. Jetzt haben die Elsässer die von ihren Führern herbeigesehnte fran­zösische Freiheit, sie haben das französische Militär, dem der Straßenpöbel in den Nooemdertagen des Jahres 1918 Triumphe bereitete. Ein Wck in de elsaß-lothringische Presse zeigt aber, daß von dieser Freiheit nichts zu bemerken ist, daß die Elsässer unter hem militärischen Diktatmsystem Frankreichs seufzen und keinerlei Möglichkeit haben, das welsche Joch ab- zuschütteln.

Immer rücksichtsloser und grausamer führen di« Franzosen vor allem den Kampf zm Bergewal- jigung der deutschen Muttersprache. Selbst diejenigen, die zur deutschen Zeit bte Sache der Franzosen im Elsaß führten, und sich zu willenlosen Werkzeugen der Franzosenpropaganda machen ließen, machen jetzt erschreckt Front gegen den Berwelfchungs- toller der französischen Machthaber im Elsaß. Die «lfaß-lothrinoischen Kammerabgeordneten haben eine längere Erklärung verfaßt und der französischen Re­gierung zugehen lassen, worin säe das nationale Jn- teresie an der Erlernung der französischen Sprache an­erkennen, daneben aber die vollständige Kenntnis bei­der Sprachen verlangen. Es heißt da u. a.:Der Un­terricht in der Schule muß die Tatsache berücksichtigen, daß in der großen Mehrzahl der Gemeürden das Französische nicht die Muttersprache ist. Letztere muß nach den pädagogischen Grundsätzen als Ausgangs­punkt des Unterrichts überhaupt und als Vermittlerin der sittlichen Erz'ehung gelten." Diese Erklärung wird in sämtlichen deutschsprachigen Zeitungen des Elsasses mit großem Beifall ausgenommen. Als ob derartige Leisetreterei irgendwelche Bedeutung hätte! Warum haben die sämtlich dem nat'onalen Block angehören, den Abgeordneten nicht von der Tribüne der Kammer herab gegen die französischen Gewaltmaßnahmen auf sprachlichem Gebiete in aller Form protestiert? Die kalh. Volkspartei hat kürzlich in e ner Versamm­lung gegen die französischen Eewaltmaßnahmen auf sprachlichem Gebiete protestiert und die Forderung er­haben, daß die Muttersprache in Zukunft zum Aus­gangspunkt des Unterrichts gemacht werden müsse. Die Franzosen verlangen in ihrem Reglement den Beginn des Unterr'chts in der französischen Sprache in ollen, auch in den reindeulschen Schulen. Am schärfsten nahm von Anfang an der frühere Rcichs- tagsobg. Dr. H ä g y in feinemElsässer Kurier" gegen die Derwelschunasaktion der Franzosen Stellung. Er tut das in den letzten Tagen wieder in seinemEl­sässer Kurier" in einem Rachruf, den er dem van Kalmar nach Oran versetzten Schulrat Dantzer widmet. Mit ihm scheidet ein Monn, der dem Ansehen Frank­reichs im Elsaß noch Ansicht desRufers" unberechen­baren Schaden zufügte, der die besten Stellen ben Franzosen übertrug.Er hat sämtliche Schulinspek- toren seines Bezirks auf die Straße geworfen und auch die Schulvorsteherstellen m allen Größeren Städten mit Franzosen gesetzt, dazu die elsaß-lothringischen Schulen mit religionslosen Lehrern und Lehrerinnen durchsetzt und dadurch dem konfessionellen Charakter der elsaß-lothringischen Volksschule den schwersten Stoß gegeben. Sein deutscher Vorgänger hatte zwei Beamte als Gehilfen, Dantzer hatte einen Stab von 14 Mitarbeitern!"

Soweit das Organ Dr. Hagys! Nicht glücklicher als auf dem Schuleebiete führt sich Frankreich auf mili­tärischem Gebiete ein. Die preuß sche Zucht war s. Zt. im Elsaß verhaßt, aber in der anerken­nendsten Wesse sprach man über das französische Mi- fitär. Auch in dieser Hinsicht erlebten die Elsässer de schwelstc Enttäuschung! Ein Fall von militärischen lieber griffen löst jetzt im Elsaß den anderen ab. Das neueste ruf diefim Gebiete ist in der Stadt Schlett- stadt passiert, dessen Bewohner zur deutschen Zeit aus ihrer, französischen Gesinnung nie ein Hehl machten. An einem Regentag der letzten Wochen verschwanden spurlos sieben Knaben, von denen man nichts weiter wußte, als daß sie in einem Nachen auf der Jll ge­fahren waren. Als die Kinder nachts cmsbl eben, ent«

Südtirol.

Dom Brenner bis hinab nach Saturn urdeutfcher Doden. Soll man alle diese deutschen Orte nennen, non denen jeder ein gutes Stück deutscher Geschichte verkörpert! Brixen, wo Oswald von Wolkenstein, der letzte Minnesänger, von seinemmit toben, roüeten, Achten, fingen mangerlei" durchstürmten Leben im be­nachbarten Neustift ausruht, Klausen, dessen Kapuziner- kloster Joachim Haspinger, einer der Hauptanführer des Tiroler Aufstandes vom Jahre 1809, angehörte, Bozen, auf dessen Hauptplatz das Denkmal Walters von der Dogelweide, der Im Eisacktal geboren fein soll, steht, Meran, in dessen Burggrafenamt sich das Schloß Tirol befindet, von dem das ganze Land feinen Namen er« hielt, das Passeiertal mit der Geburtsstätte des Sand­wirts Andreas Hofer. Das alles gehört jetzt als Mo Adige zum Königreich Italien. Der Nationalitäten­grundsatz und das Selbstbeftimmungsrecht der Böller sind hier fchmähüch mit Füßen getreten worden. Kein Wilson und kein Dölkerbund haben auch nur mit der Wimper gezuckt, als Italien Sudtirol mit 250 000 Deut­schen «insteckte.

Einen besondern Kamps hat die Bezeichnung der Ortschaften mit italienischen Namen hervorgerufen. Schließlich hat man sich darauf geeinigt, daß die Dahn- böse den deutschen und den italienischen Namen tragen. Für manche Orte, so z. D. Sterz ng, haben die Ita­liener überhaupt noch keinen italienischen Namen finden können. Die Anstellung von rein italienischen Bahn- beamten in den annektierten Gebieten hat besonders Aufreizend gewirkt. Jetzt hat man die mit der Oeffent- lichkert in Berührung kommenden Posten meist mit zweisprachigen Welscht'rolern besetzt. Auch sonst kann vran nicht sagen, daß die Italiener immer eine glückliche Hand bei der Auswahl der Beamten für die neuen Gebiete hatten. Es kann nicht beftritten werden, daß wan in Rom von Anfang an eine versöhnliche Politik einzuschlagen sich bemühte. Dadurch aber, daß der Statthalter oder Generalkommissar, wie er amtlich heißt, Ercbaro, sich in Trient niederließ, war er natürlich so- fort dem Einfluß der Irientiner unterworfen. Guter Wille ist ihm nicht abznstreiten. Aber mit Recht wirst wan ihm von deutscher S-ite vor, daß er sich mit einem rein italienischen bezw. trienlinischen Stab von Mi ar- 6eitern umgeben hat. Besonders bitter beklagen es die Deutschen, daß kein deutscher Schul, und Pol zeirese-ent beim C- eralkommissar ist, da gerade in diesen Ser» waltungszweigen die größten RclbungsKüchen zwischen Italienern und Deutschen sind. Als z. B. auf dringende

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Montag, 25. Oktober 1920.

Fuldaer Zeitung -

Druck der Fuldaer Actieudrnckerei iu Fulda

stank» eine große Aufregung itt der Stadt, die Nach» barfchaft wurde alarmiert, Kolonnen hilfsbereiter Männer rückten aus, Flüsse und Wälder wurden ab- gesucht alles war vergebens. Eure taufendköpsiae Menge sammelte sich allmählich vor den Häusern der gcängffgien Eltern. Endlich um 11 Uhr erschien ein Herr und erklärte, die Vermißten seien nicht ertrunken, sondern von einer Ehasseurpütrouille gegen 7 Uhr in die Kaserne transportiert worden. Sofort eilten die Ellern dorthin und bekamen den Bescheid, ihre Kinder seien wegen verbotenen Fischens arretiert worden. Alles Bitten, die Kleinen zu entlassen, war vergebens. Sie mußten bis am anderen Tage in der Kaserne bleiben.

Die gesamte elsässssche Presse ist außer sich über diesemWärische HÄdentctt".Leben wir in einer freien Republik oder in einem Waat, in dem die Mi­litärdiktatur itomtniert?" sagt dazu ein Straßburger Blatt. _______________________________________

Späte (Hinsicht.

Man weiß, daß die Zwangswirtschaft, die sich mit Hilfe der Kriegsgesellfchasten so große Ver­dienste um die Auswucherung des deutschen Volle? erworben hat, noch heule von weiten Kreisen der Sozialdemokratie mit der ihnen eigenen Verbohrt­heit festgehalten wird. Inzwischen sind freilich die regierenden Genossen meift recht gründlich emes an­dern belehrt worden, al o daß letzthin Herr 3 raun, Preußischer Ministerpräsident, sich in Düsseldorf tun- feinen Genossen tote folgt vernehmen ließ:

In Arbeiterkreisen baffe man, daß durch die Zlvan iSwirtshaft oeuü-end auf die Preise em'etoirit werden könnte. Der Minister iprach leine Ansicht, die allerdings, wie et farte, keheris d fein e, dahin au-3, daß die Zwangswirtschaft, so wie sie heute sei, teineS- we S den Abbau herbeiführen werde. Die Zwangs­wirtschaft fei der Schrittmamet für alle wucherische n Preistreibereien Es habe sich gezeigt, dass die Zwan Swirtfchaft auf die Dauer sich nicht halten lasse. Die Dinge lägen so, daß in der Tat Ta usende von Beamten auf den ZtvangS- wirtfchaftSgesellfchaiten dasößen, ohne daß Posi­tives geleistet werde. Unter diesen Gesellschaften leide die Bevötkerun i jetzt am meisten. DaS müsse ein­mal ehrlich ausgesprochen werden. Man habe zum Teil diese Gesellschaften aufgelöst, aber man habe j tzt die Abbau- und AvwicklungSgesellschajtcn Man ver­lange, daß diese Gesellschaften ihre eigene Existenz ab- bauen.

Wir freuen uns, den Genossen Braun auch ein­mal als unseren Gesinnungsgenossen an pichen zu können. Aber Herr Braun sollte aus feinen Em- fichien nun auch eni prechende Folgerungen ziehen und z. B. feinen Genossen klarmachen, welch gemein- gefährlicher Unfug es ist, wenn jetzt von vielen so­zialdemokratischen Blättern noch immer die Zwangs- wirischajt gefordert wird. Auch feinen Fuldaer Genossen könnte er darüber mal eine besondeie Vor­lesung halten.

Die schwarze Schande.

In letzter Zeit ist es stLer geworden von der schwarzen Schande, die Oessenllichkcit war des ewigen Klagens müde uni» fing an, dieses Hebel mit Still­schweigen zu übergehen. Und so fing man langsam an zu vergessen, nichts aber ist schlimmer als das. Immer wieder muß das Dölkergewissen wachgerüttelt werden, daß es der furchtbaren Schmach inne wird, mit der Frankreich nicht nur sich, sondern alle Kulturnatio- nen, die dem tatenlos zufchen, bedeckt. Daß die Zu- stcinde im Rheinland immer noch geradezu furchtbar sind, zeigte erst kürzlich ein Vortrag, den der Redak­teur Distler, der Vertreter des deutschen NoHundes, der sich die Aufgabe gestellt hat, alle Proteste gegen die Besetzung des Rheinlandes durch schwarze Truppen zu sammeln und weiter zu verbreiten, trt Berlin hielt. Er sagte u. a.:

Wurde« die Schwarzen von den Weiften vordem m strengster Zucht gehalten, so erfreuen sie sich heute zügel­losester Freiheit. Sie haben Geld in Ueberfluß und sind dadurch auch eine schwere moralische Gefahr. 50 Frank kostet in Paris eilt Abendessen. 50 Frank sind aber 200 Mark. Ein schwarzer Unteroffizier bekommt aus Deutschlands Taschen monatlich, 5500 Mark, ein schwarzer Soldat 3500 Mark! Ein deutsches Mädel hat im besetzten Gebiet 10 Mark Tagelohn. Was ist die Folge? Mit List werden die deutschen Mädchen aus den Geschäften hinausgedrängt m Not und Elend. Deutsche Beamte werden aüsgewiesen. Innerhalb 24 Stunden haben persönliche Darstellungen der Deutschen in Rom die Verfügung, daß der Unterricht in der italienischen Sprache bereits in der untersten Klasse beginnen müsse, zurückgezcgen wurde, und statt dessen der italienische Unterricht als Pflichtfach erst für das vierte Schuljahr erklärt wurde, kümmerten sich die Trienter Herren mo­natelang nicht um diese Verfügung. Noch immer ist dieser Kampf nicht abgeschlossen.

Bozen, die größte und reichste Stadt Südtirols, sst in seinem äußern Bild noch ganz die alte deutsche Stadt. Sein Straßenschild ist verändert. Kaum ein halbes Dutzend äußerlich erkennbarer Italienischer Ge­schäfte ist zu finden. Die Predigt in den Kirchen wird weiter m deutscher Sprache gehalten. Außer den Uni­formen fällt zunächst nichts Fremdartiges auf. Und och: es schwingt schon ein nicht zu überhörender ita- lienischer Unterton mit in der allgemeinen Melodie. Es liegt unverhältnismäßig viel Militär in Bozen. Die Polizei wird teilweise noch von einheimischen Beamten in der alten österreichischen Uniform ausgeübt. In der Hauptsache aber liegt sie in den Händen der Carabi­nieri, der italienischen Gendarmerie. Die Sarabirtieri sind überaus verhaßt wegen ihres rücksichtslosen Bor- gehens und ihrer häufigen Uebergriffe. Ten meisten Verhafteten und sie sind mit dem Verhaften schnell bei der Hand legen sie Hand-, häufig sogar Fuß- seffeln an. Daß die Carabinieri aber, wenn sie gegen das Deutschtum vorgehen, nicht imnrr Erfolg tja' en, hat der Johannistag dieses Jahres gezeigt, wo trotz strengem Verbot und trotz zahlreichen Verhaftungen eine ganze Woche lang abends von d-n Bergen rin-s um Sojen Hunderte von Sonnenwendfeue-m leuchteten.

Bei längerem Aufenthalt merkt man, daß sich m Bozen langsam eine gewisse Zweisprachigkeit entwickelt. Mit der Derwelschung hat es zwar nach gute Weile, aber die Zweisprachigkeit wird natürlich nicht ohne Fol­gen bleiben Diese Entwicklung, tie sich zunächst auf Bozen als den Hauptmarkt Südtirols beschränkt, Hai vor allem wirtschaftliche Grü 'de. Infolge des sch'ech e? Standes der Sstsrreichftchen Krone zurzeit bekommt man für eine Lira zwölf österreichische Kronen sind für die Südtiroler nördl'ch des Brenners keine ree 'e;t Geschäfte zu machen. Sie sind daher oanz auf I a''cn ^angewiesen. Schon mehr als ein halbes Dutzend ita. lienischer Banken befindet sich in Bozen, die im Kredit- geben auch an Deutsche sehr freigebig sind. Und Gell) kettet fest, besonders in einer Sieb*, die von aliersher vom Handel lebt, und in der der Wechsel, das in ter Weit des Handels fr» wichtig gewordene Papier, erf.-n» den worden ift Auch sind tie Südtiroler, d-e sich

sie dem Ausweisungsbefehl Folge zu leisten. Die Möbel müsfe-n zurückgelassen werden. Damit ri(W man öamt Freudenhäuser ein. Diese sind auf französischen Befehl geschaffen. Sie werden mit deutschem Holz geheizt, mit deulschen Frauen beliefert, mit deutschem Wein und deut­schem Selbe bezahlt. In Ludwigshafen hat man die Be- wohner dreier Häuser auf die Straße gesetzt und chre Wohnungen für diese Zwecke verwandt.

Deutsches Reich.

c Die Hetze gegen ben früheren Rsichssiaanzmfirffker Erzberger wird tn einigen rechtsstehenden Blättern nach wie vor betrieben. So hatte u. a. die RcÄaktion derHamb. Nachr." behauptet, Erzberger zahle in der Schweiz 4 Millionen Franken Steuern. Wie wir er­fahren, hat Erzberger dieHamb. Nachr." zu einer BerlchtlMng aufgefordert, in der er feftftellt:

1. Ihre Behauptung, daß ich ta der Schweiznicht weniger als 4 Millionen Franken Friedensgewumsteuer zahlen" müsse, fit unwahr. Wahr ist, daß ich in der Schweiz keine Krieasgemmnfteuer zu zahlen habe. 2. Ihre Behauptung, daßLuzern steuoramüich meta schweizerisch« Wohnsitz" ift, ist unwahr. Wahr ist, daß ich in der Schwerz überhaupt keinen Wohnsitz habe. 3. Ihre Behauptung, daß ichfür Grundstücke am Dierwaldstätterfee recht an­sehnliche StanloiKrffteuern zu entrichten" habe, ist unwahr. Wahr ist. daß ich in der Schweiz feine Kantoratifteuent z,u entrichten habe, daß ich feine Grundstücke in der Schweiz besitze, daß ich in der Schweiz überhaupt ferne Steuern zu entrichten habe.

* eine geniale Erfindung zur Verbesserung der Einnahmen hat die P o st o e r w a l t u n g gemacht. Bekanntlich will sie Postwagen, Briefkästen ufm. als Reklameflächen vermieten. Gegen den Plan bestehen allerhand Bedenken, aber immerhin, er kann Geld ein« bringen, wenn man die Sache praktisch anfaßt. Wie die Post es aber macht, darüber wird derKöln. Dztg." aus Konstanz geschrieben:

An den Briefkästen werden die Reklomeschilder an» gebracht an den beiden DeffnungsTIappen des Einwurfes (wozu je zwei alatte Bohrlöcher nötig sind), und darunter auf den beiden Seitenteilen (wozu je vier Bohrlöcher nötig sind). Die Emmlleschilder dursten immer die gleichen Maße haben. In jedem Briefkasten Deutschlands müssen also etahÄtllche Löcher gebohrt werden: vier glatte und acht mit Gewinde. Wie die Einheitlichkeit der Lecher jn jedem Postdirektionsbereich zu erreichen gewesen wäre, hätte feder Schlosser verraten können. Aber ta Bersin hatte man eine geniale Idee: die Löcher müssen alle von Berlin ausgebohrt werden! Und so wurde ein Heer von Berliner Bohrer zufammengestellt. Diese erhalten einen AnstellungsLartrag, lautend auf Gehalt, Reisekosten und Tagesspesen (die zurzeit ja kaum nennenswert sind»), einen Handbohrer mit zwei Einsätzen für Gewinde- und glatte Bohrung, rmd schließlich die Ausmaße für die Ent­fernungen b'r Löcher. Darm wurden sie über die deutschen Lande geschickt, olle Sri elften anzubohren mit vier glat­ten Löchern und acht mit Gewinden. Selbst nach Kon­stanz, der Si'dwesttatae, kamen vier Berliner Bohrer. Und mm bohren sie in alle Briefkasten ihre zwölf Löcher _ vier flotte und acht mit Gewinde well so etwas süd­deutsche Handwerksmeister nicht fertig bringen können! Und von Konstanz-Stadt aus wird daLand aufgesucht, und alle Briefkasten erhalten ihre zwölf Löcher: vier glatte und acht mit Gewinde. Auch nach Hessen, Württemberg, Bayern smd Berliner Bohrer entsandt oder wohl schon mitten in der Arbeit. Mit Hilfe der Berliner Bohrer dürfte die neue Postemnahmequelle ihre Wasser zuerst doch wohl in Richtung nach dem großen deutschen Schuldenmeer senden.

Wir schlagen vor, zur Anbrrngen von Reklamen auf den Postwagen demnächst diese Wagen aus allen Tei­len des Reiches nach Berlin kutschieren zu lassen. Sie werden einige Taae unterwegs fein müssen, und die entstehenden Unkosten bieten wieder eine prachtvolle Gelegenheit, eine Menge von dem Papiergeld, das wir ja so überreichlich haben, aus anständige Art und Weise los zu werden.___

dem Nachhargebiet.

----- Vom Vogelsberg. DieDürer schule" Hoch­wal d h a u | e n ist durch De» füeiung der Schulbehörde wegen der geweideten skandalösen Vorgänge auf­gelöst worden. Der beschuldigte Leiter ift flüchtig. Der Kriegsgefangene Trabandt aus Lauterbach kehrte wohlbehalten aus sibirischer Gefangenschaft zurück, in der er seit 1916 gewesen ton.-.

f Altenmittlau (Freigericht). Im Kriege mußten ttirr von unserem herrlichen Geläute, das aus 6 Mocken bestand, einem der schönsten der ganzen Diözese, vier während des Krieges ihr Land war teils Etappe, teils Kriegsgebiet den Leibriemen recht eng haben schnüren müssen, zu einem großen Teil zurzeit ganz zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Lage, die im Ver­gleich zu der österreichifchen als recht gut bezeichnet werden muß. Die italienische Regierung hat die öster­reichische Papierkrone mit 60 Eentesimi eingelöst, eine Entschädiv'.mg der Kriegsschäden geleistet und den in Südtirol" zuständigen Kriegsteilnehmern die gleichen Rechte gewährt wie den eigenen Soldaten. Ungeklärt ist noch die Frage der Kriegsanleihen. Man plant zwar tn Rom, die Besitzer in irgendeiner Weise zu ent­schädigen, was im Hinblick auf die brutale Einverleibung ben geringsten Akt der Billigkeit darstellen würde, aber man ist bisher noch zu keinem Entschluß gekommen. Das gesamte Bild würde' sich mit einem Sckrlare än­dern, wenn Oesterreich so erstarkte, daß es Italien wirtschaftlich glcichkäme, ober es, wie vor dem Kriege, überträfe. Doch bas sind zurzeit müßige Gedanken. Den wackersten Kampf für das Deutschtum führen die zahlreichen deutschen Zeitungen in Südtirol. 'Sie reden eine herzhafte deutsche Sprache; sie nehmen kein Blatt vor den M nd und nennen die Dinge beim rechten Namen. Das hat ihnen zwar häufige Desch'agna'.me eingebracht, aber sie haben sich wenig darum geküm­mert.

Die deutschen Südtiroler müssen sich mit der Tat­sache abfinbrn, dch sie nunmehr ein Bestandteil des Königreichs Italien sind. Letzt geht ihr Streben, das die sechs in Deut'chöfterreich zu wählenden Abgeordne­ten zu vertreten haben, nach einer Anatomie im Sinne der schweizerischen Kantone oder der österreichischen Länder mit eignem Parlament. Einer Anatomie scheint 'n* italienische Regierung nach den bts'-er gefallenen Aeußerungen nicht abgeneigt zu fein. Jedoch will fte auf Betreiben der Trientiuer eine Autonomie dem gesamten eiroerletbien Gebiet gewähren, und das ist es gerade, was die Deutschen nicht wollen, da sie dann den zahlenmäßig um etwa 100 000 störkern Welschtirolern auf Gnade ttnb Ungnade ausgelieser: wären. Und bei dem erbitterten Gegensatz zwischen ben deutschen und den welchen Sübt'rolern würde eine Unterdrückung alles Deutschtums tüt Folge sein.

Wir Reichsdeutsche dürfen <Eitef rcl r.'cht. im Stich lassen. Dor dem Kriege zogen a"ährlich Tcrficnde und Abertausende über den Brenner, um in jenem herrlichen S-uck Erde Erholung zu suchen. Wer eg kann, muß wieder dorthin gehen, um die Deutschen in ihrem Deutschtum zu st">ten. lieberen wird dort der Deut'che i als Freund in rührender Weise willkommen geheißen.

Glocken zur Rettung des Vaterlandes hei geben. Der Opfersinn der Gemeindeangehörigen hat es ermöglicht, nun einstweilen 2 neue Glocken wieder zu be­schaffen. Die Firma F. Otto in Hemelingen hat fi- gegossen. Der Guß sst wohlgelungen. Das Werk lobt den Meister. Die neuen Glocken haben dieselben Töne, denselben Wohlklang, dasselbe Gewicht wie die alten. Bereits haben sie unter großer Feierlichkeit die kirch­liche Weihe erhalten. Und die Freude und der Jubel unter Groß und Klein war unbeschreiblich, als zum ersten Male vom hohen Turm herab das harmonische Geläute hinaus in die Lande ertönte. , Wir wurden im Geiste zurückversetzt in die Zeit, da wir noch das kost­bare Etat des Friedens hatten, in der sie so manche herrliche Feste eingeläutet. Noch sehll uns die größte und die kleinste Glocke. Für 3 M wurde während des Krieges das Kilogramm Etackenmetall dem Vaterlands ^geliefert, jetzt aber müssen für das Kilogramm der fertigen Glocks 4060 Jl gezahlt werden. Es wäre reckst und billig, daß nun auch feilens des Staates den Kirchengemeinden Glockenmetall zur Verfügung ge­stellt würde zu einem mäßigen Preise, der es ermöglicht, auch größere Geläute wieder zu beschaffen.

0 Hanau. In dem Konflikt zwischen der aus Kommunisten und Mchrheitssozialisten sich zusammen­setzenden Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats ist ein Eingreifen des Ministers zu erwarten. Vorige Woche weilte der Lberprästdent der Provinz Hessen-Nassau, Dr. Schwanker, in Hanau, um durch eigene Feststellungen und Besprechungen an Ort und Stelle zu untersuchen, wie der Konflikt aus der Welt zu schaffen sei. Die Kommunisten hatten einen Vertreter zu den Besprechungen gesandt. Nach der Abreise des Oberpräsidenten haben sich Mitglieder beider städtischen Körperschaften nach Kassel begeben, um über ihre Stellungnahme Dcricht zu crstcstten. Es ist bei der Sache nichts herausgekommen. Die Soozial- demokraten fordern nach wie vor zuerst den Rücktritt des Magistrats, während die bürgerlichen Vertreter der Körperfchasten dieses Ansinnen ablehnen. Da nun eine Einicmng nicht zu erreichen ist, wird der Oberpräsident dem Minister des Innern Bericht erstatten und gutem Vernehmen nach dis Dispensierung des Magistrats von feimn Amte und die Auflösung der Stadtverordneten- veriammlung Vorschlägen. Dis gut, Neuwahl beißet Körperschaften soll nun eine Regierungskom­mission die Eeschäste des Magistrats versehen.

mc. Frankfurt a. M. Ter Frankf,irter 'Magistrat hat das Scbulgeld für das lautende Jahr auf dreihundert bezw. vie,hundert Mark festaesetz', läßt aber keinen Zweifel, daß das Schirlael-» im nächsten Jahre den staa'lichen Säften angegfichen, d. h. auf fünfhundert Mark erhöh! wird. Zwischen dem Frankfurter Polizeipräsident und den Bäckern ist ein harter Kampf entbrannt, da die Bäcker sich über unrechtmäßige Revisionen ihrer .Betriebe beschwe>en. Der Polizeipräsident erklärt aber, mit aller Strenge durchgreifen zu wollen, na« mctttlid) nm die Herstellung von Backwaren aus geschmuggeltem Mehl zu unterbinden.

g Nrederhone. In dem benachbarten Dorfe Frankershausen wurde der bei der Ueberlandzentrale G'öbe im Höllenlal beschäftigte 20jährige Elektrcte Monteur Kail Beineburg aus Lllbungen bei Jn-s standsetzungsarbeiten an einer Starkstromleitung von einer Starkfiromentladung getroffen und ge^ lötet.

(!) Weimar. Her kam der Hauptmann eines ZigcunsritammeS durch einen Unfall umS Leben. Mit einem wahrhaftfürstlichen" Auf­wand wurde die Au bahrung her Leiche des Haupt­manns vorgenommen. Alle, die sich zurKondo- lierung" einfanden, wurden von weißgedeckten Tafeln auS mit Wein und Sekt reichlich bewirtet. Die Beerdigung des Verunglückten wird nicht in Weimar stattfinden, sondern es ist die Usbetführung der Leiche nach Leipzig vorgesehen. Em schwerer eiserner Sarg mit Zmketu'wtz, der einen Kostenaufwand von etwa 8000 Mark ausmachte, war eigens hierzu aus Leipzig herangeholt worden.

Vermischtes.

'üesige SpstNosschiebungen, tie von Holland aus r ' wurden, sind in Berlin aufgedeckt worden. Es ft ihr rund zwei Dutzend Personen beteiligt. Es e t« ..7IWI -»>' III

Meran, dieser märchenhaft schöne Orf, wo man cm allerwenigsten die politische Veränderung merkt, hat seine Pforten wieder den Gästen geöffnet. Sieben Zehntel von denen, die die Einreiseerlaubnis beantragt haben, sind Reichsdeutsche, ein erfreuliches Zeichen. Wenn die Tiroler, deren Haupterwerbsguelle der Frem- denoerkehr ist, sehen, daß wir Deutsche sie nicht verlas- (en, bann werden sie Mut fassen, ihr Deutschtum mit noch größerem und freubigerem Stolze zu betonen als jetzt, wo man cm die Verse des alten Liedes, das wir in der Schule ost gefangen haben, erinnert wird: Ganz Deutschland ach in Gram ta Schmerz, mit ihm sein Land Tirol. ,

GsisteSgut in Der deutschen Familie.

Es verd'ent tn unserer trüben Zett eine ernste Er­innerung daran, was alles die Geistes« und Herzens­bildung des deutschen Volkes einem edlen Fannlieu- lebsn verdankt.

Vor allen andern Bildungseinrichtungen und Du- dungsonstaltsn gewährleistet die Famtie am besten die Erhaltung und Mehrung unteres Besitzstandes an geistigem rmd sittlichem Kulturgut. Hier ist nämlich der stetig fprubdnöe Urquell derallmächtigen Liebe, die alles bfidrt, alles hegt" (Goethe). Her ist der wahre Lebensqttell, hier arbeitet die Natur in ihrer stillen Werkstatt. Am häuslichen Herd, auf dun Schoße ixt Muster und Großmutter, an den Knien des So­lers und Großvaters haben wir unser Herz erschlossen allem Tiefen, Großen, Zarten, Schönen, was uns geftlebenz das Hrrz bewegt, im Paradies- der Kind- hest, dem wir durch das ganze spätere Leben weh­mütig nachsinnen.

Wie wenig will alles, gewiß Notwendiges, doch bedeuten, was uns Schuten, Büch'.rnrn^Lolksbildungs- rztreine, neuerdings Balte Hochschulen zur lebenb'gen Bereichkrung nicht des Wissens und Könnens, sondern des Geistes und der SeÄc bieten können, gegen all das, was der häuslnhe Familienkreis schenken kann. Werin er nämlich den Feierabend und den Feiertag auch verwende zur gemeinsamen Lesung, Be-chauung von Bildern und andern Kunstwerken, zur Pflege der Hausmusik, Mn geistigen Austausch zwischen Eltern und Kindern. Im häuslichen Kreise der Familie hat sich das weifte an Kulturgut vererbt in den geist'g hochstehenden Geschlechtern der Besten unserer Natron. Wer erst später durch persönliche Ardefi an sich selbst das Geistes- rmd Kuktaraut unseres deutschen Volkes und der Menfchheit mühsam erwerben mußte, wetß cm besten, wie wert mehr vom Glück begünstigt, wir