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» Fuldaer Zeitung -

Druck der Fuldaer Arlieudr ackeret tu Fulda

M 247.

SamStag, 23» Oktober 1920.

schulen in Berlin, Breslau, Senn, Dresden, Frankfurt am Main, Güttingen, Leipzig unt> Mannheim beginne«.

El« katholisches Arbeiterprogramm.

Die .Weftd. Arb.-Zto/ bringt einen Entwurf zu einem katholischen Arbei'eiProgramm, das, ans der katbolis^en S--f>'nsauffaflunq fußend und di? R'ckt. linien L?os XIII. in 'einem Rundschreiben Renina Dovatnm benutzend, die neuzeitliche Arbeiterfragen lösen mitt -

„Ws Grundlage für unsere Bestrebungen gilt nns der G'aube an »’n? -3iel und die Bertmhnnrtum des Menschen im Jense'ts, an einen persönlichen Gott. Als Deutsche bekennen wir uns zur Kultur, und Sch'ck'alsgemein^chaft unseres Volkes und wo"en unsere Kräfte für die innere und äußere Erneuerung unseres Vaterlandes einsetzen. Wir treten für Völker. Versöhnung und gemeinsames 3"fammenmirten a'er Nationen im Dienste höherer Menschheitszwecke ein. Wir stehen auf dem Boden des P r i v a t e i g e n tu ms,

Treitzig Jahre Bolksverei«. .

Um 24. Oktober 1920 »etÖen es 30 Jahre, daß im I gttjän W'mdthorsts zu Köln im allen Hotel »Ernst" die I Hründungssitzung des Dolksvereins für das katholische Deutschland stattfand. Neben Franz Brandts wurde, vom Vertrauen Windlhorsts berufen, Karl Trimbom zum Vor- »«eichen gewählt. Als Brandts Nachfolger im Vorsitz er» liiert Karl Trimbom im neuesten Dolksvereinshest alle I Mitglieder und Freunde daran, daß der Dolksoerein wäh- I jenJ eines Menschenalters den Deutschen als unent* I ^Ehrlich sich erwiesen hat, daß er in der Zukunft es I sod) mehr ist. Und gewiß, wer hätte nach einer so« I «alm Revolution, angesichts der Aufgaben eines wirt- I schaftlichen, gesellschaftlichen, staatsbürgerlich«., religiös- I sittlichen Wiederausbaues den Mut, zur Auflösung oder I jm zur Vernachlässigung des Volksvereins aufzusordem! I

Dar hätten die Führer und Mitarbeiter von ehedem I „ohi nicht erwartet, daß der Dolksoerein eine solche Aus- ' behnung gewinnen, solche Wirksamkeit entfalten werde auf Deutschland und darüber hinaus aus die ganze katholische Welt!

Die hunderttausend Mitglieder der ersten Jahre haben sich um ein vioffaches gesteigert und aus kleinsten An- sängen erwuchs die Riesenarbeit der großen Zentralstelle mit der vielverzweigten Vereinsverwaltung, ihrer gewalti. gen Bibliothek, ihrer Druckerei, ihrem mächtig entwickelten Berlage. 2m Dolksoerein shouse sind heute als Beamte, Angestellte und Arbeiter 180 Personen tätig.

Wie viele Kurse, Konferenzen, Versammlungen Hai der Dolksoerein in diesen 30 Jahren angeregt und durchgeführt, nxe viele Sekretäre und sonstige Kräfte wurden da aus« gebildet, wie viele Persönlichkeiten wurden dort und von dort zur Arbeit im öffentlichen Leben angetrieben. Allein 14 große volkswirtschaftliche Kurse von 4- bis lOwöchieer Dauer wurden veranstaltet, an denen nahezu 2000 Man. je aus dem Volke zur Führerarbeit ausgebildet wurden. Dazu noch die Standeskurfe für Handwerker, Landwirte, Kaufleute, Techniker, Lehrer, Geistliche mit insgesamt eint, gen tausend Teilnehmern. Und dann die Tageskurse drau­ßen im Lande mit ungezählter Schülerschar! Konferenzen bürsten wohl mehr als 3000 und öffentliche Dersamlmungen wohl mehr als 200 000 gehalten worden fein! Die Der- breitem g der Schriften im Laufe dieser 30 Jahre geht in ine Millionen! Die einzigartige Riesenverbreitung des Miigliederhestes: tm ersten Jahre allein etwa 800 000 Exewplare und fetzt im Jahre das Männerheft allem über 3 Millionen. Die Fl-rgblattmasse steigert sich auf über 120 Millionen.

Diese ganze gewaltige Deeinfluffungsarbett gast dem einen hohen Ziele: Schuh und Förderung christ- kicher Grundsätze im ganzen Gesellschaft s- leben, gesunder Fortschritt, für alle Berufsstände, soziale Verständigung und Versöhnlichkeit zwischen allen Gliedern der großen Volkskörpers, Pflichttreue im Staatsbürger, leben, glaubensfreudiges Bewahren der christlichen Wur­zelkrast in Beruf. Familie und Oeffontlichkeft — allen Zeit- Irrtümern zum Trotz!

Bischof Dr. Lödmann nannte auf dem längsten Säch­sischen Katholikentag den Dolksoerein den besten Helfer für die heutige Arbeit im öffentlichen Leben. Erzbischof Dr. Schulte von Köln widmet« ihm bei einem Besuche des Dolksvereinshauses das programmatische Wort: »Der Dolksverein war notwendig in der Vergangenheit und wird es in Zukunft wohl noch mehr fern . . . Ich darf Sie versichern, daß feder im deutschen Epistopat ebenso denkt wie ich "

Mch in der Stadt Fulda und hn Fuldaer Lande hat der Dolksverein nun fast fest seinem Bestehen in wachsendem Maß« segensreich gewirkt. Er war die stets fließende Quelle für staatsbürgerliche Aufklärung, für Kampf und Abwehr im Interesse des christlichen Gedan- kens. Und auch fr-ute steht er achtungsa-biet-md da, vor allem dank der selbstlosen Arbeit feiner Vertrauens- männer, deren Wirksamkeit zwar nicht reich fft an äußeren Ehren, aber, von unschätzbarem Wert für die großen Ziele der Volksvereinsarbeit.

Das zweite Menschenalter des Dolksvereins werden die feine Freunde am besten beginnen mit der Parole: Laboremus! An die Arbest im aßest Geiste — tm christlichen Gsmeinschaftsgeiste!

wie einen Schlag ins Gesicht empsinden. Was Helsen uns die Ferienkolonien, wenn weder die hiergebliebenen, noch die zurückkehrenden Kinder die nötige Milch fro­hen können? Was nützen uns die 2000 Kühe aus Amerika, wenn wir mehr als 800 000 an die Entente abaeben sollen? Ein allgemeiner Schrei der Ent- rüstung müßte sich von Rechts wegen in der ganzen zivilisierten Welt erheben, auch in den früher feind- lichen Ländern, und zwar mit solcher Gewalt, daß die Machthaber dem Sturm der empörten Gefühle nicht trotzen könnten.

So sollte es sein; doch leider ist es noch nicht so. Der Haß und die Lüge haben während der Kriegs^ahre so vergiftend gewirkt, daß auch heutzutage nrch die öffentliche Meinung größtenteils verblendet ist. Wenn man den Deutschen nachsagt, daß sie diese oder jene Grausamkeit begangen hüllen, so wird das überall geglaubt und gescholten; aber vor den viel grd- ßeren und unbestreitbaren Grausamkeiten, die mir zu erleidrn haben, verschließt man die Ohren, die Augen und die Kerzen. Mm fühlt nicht einmal Mitleid, wenn offenbar auch die Vernichtung des deutschen Dolles von 60 Millionen im Gange ist.

Ternickstung! Das ist ein entsetzllches Wort, doch die neunten Ere grosse zielen wirk'ich auf vnset Berber- ben h n. Wenn die Sieger Geld, rech: v'et Geld von uns fcrdern, so ist das allenfalls begreiftcfr aber die Geldforderung hat keinen S:nn und Zweck mehr, wenn sie den Schuldner zahlungsunfähig macht ober gar vom Leben zum Tode befördert. Ersteres tun sie in dem Desehl, daß wir unsere Dieselmotoren vern äffen sollen Davon hätten die Gegner feinen Dorte'l. da wir diese Masch: en für Kriegszwecke gar nicht gebrau. chen könnten, and) wenn wir noch so böswillig wären; di» Folg: der Vernichtung wäre nur ein heilloser Scha­den für alle, da alsdann zah'rciche Betriebe still liegen, die Arbeitslosigkeit sich vermehren, die Warenerzeugung sich vermindern >«-d Deutsch'a-d zahlungsi-nfähi t wer­den würde. Goenio wirkt der Sütbermorö durch Milch-

Vemischtes.

« Heilquellen sind in Brotierodeim Harz entdeckt roorber, deren Untersuchung ergeben hat. daß sie Eisen, manaanfreie Kohlensäure und Radium enthalten.

• wieder e n lkmmuniftnprozeh. Als ,n Berlin bet Generalstreik nach dem Kopp-Putsch von den Ge­werkschaften abrefa t worden war. wollten sich bte aan, Radikalen damit nicht zufrieden geben, so 'dem suchten die Wiederaufnahme ter Arbeit zu verhindern. So wurden mehrfach fahrende Stadtbahnzü e von Sparta­kisten des taffen Hierbei wurde am 23. März der Lokomotivführer Reickmuth., der einen Nordringzut führte, beim Bahnhof Gesundbrunnen von einet Brücke aus erschaffen. Nach längeren Grmittelun en gelang es, den bereits vielfach vorbestraften Simrider Kornatz, sowie die Arbeiter Sckftcke und Roblcff als die Schutzen zu verhallen. Jetzt stehen sie vor dem Berliner Schwur. deriAt unter Mordanklage. Kornatz war seinerzeit inB Ruhrgebiet geflüchtet, und ist schließ ich in Han- notier verhaftet worden. Et hat em teilwerseS Ge­ständnis abgelegt Schilzke behauptet, das Opfer einer Derwechseluna zu sein, Rohloff spielt den Blödsinnigen, der nicht weiß, was er getan hat Die Geschworenen sprachen den An ellaaien Kornatz des Mordes schuldig, den An'ekla ien Roloff deS Raufhandels und der Transport'efährdun.i mit Todesetfola sckmld'o, den An- ceilroton Schilzke nicht schuldit Der Gerichtshof war jedoch nach kurzer Beratung bezüglich des Angeklagten Kornatz einstimmig der Meinun r, daß sich die Ge­schworenen zu deffen Un unften geirrt haben und ver­wies die Sache zu erneuter Verhandlung an bi: nächste Sc! w -r ericktsperiove. Schilzke wurde frei ie,prod)en, Roloff ?u 10 Jahren Zuchthaus unter Anrechnung tion 5 Mo ot n Itnt'rfu' un sha i " r "t" li.

» ein Mlllouei'.schieber. Die Millisnen-Detrügereien des Gcrichtsaffeffors o. D. Böhmer in Beilin, von dem dieser Tage gemeldet wurde, übersteigen schon jetzt den Delrag von 55 Millionen, und es ist anzunehmen, daß noch weitere betrügerische Machenschaften an das Tages­licht kommen werden.

* SludettkLAfpeiiunges. Die Quäker werden am 1. No­vember mit der Einrichtung von Speisungen für die Studentenschaft an den Universitäten und Technischen Hock)-

Literarisches.

Sandiszucker und VMernmrz sowie allerlei Heil, trauter und Hausmittel für fromme und unfromm« Leute, von Dr. Eisenbart. 243 S. W.esdad«l (1920V Verlag von H. Rauch.

Ein zeitgemäßes Buch! Nicht etwa well der Der- f aff er spricht von zunehmenden Zuckerportionen und an» nehmenden „Ditterwurz"-Mahlzeiten. Die Regelung die. fer Dinge überläßt Dr. Eisenbart dem ehrenw^tev Kommunalvetband. Nein! Unter dem köstlichen Titel bietet uns Dr. Eisenbart ein Rezept heilbringender Arz. neien für unsere verschrurnpfte und verwachsene Seele. Dr. Eisenbart will uns zeigen, wie wir selbst glücklich werden und andere glücklich machen. Wahroaft.g.^ dar beste Rezept für unsere kranken Zeiten! Man konnte das Büchlein beinahe einen Beitrag, und zwar nicht den schlechtesten, zur Hebung des sozialen Elendes nennen. Freude, Einfachheit und wahrer Sozialismus der L-eb; sprechen aus feder Zeile. Der Jierr Doktor gibt aber feine Verordnungen nicht a's trockener Stubengelehrter, sondern als fröhlicher Geschichtenerzähler. Scstalchaller Humor wechsest ab mit gemütvollem Ernste. Der D e. bermeierton und die kleinstädtllche Stimmung lasten keine Langweile aufkommen. Die schelm.sche, ab uns zu „brummige und knorrige" Sprache, wie sie ,a ..alten Doktoren" gut a'steht. erinnert an die grobkörnigen Laute des Dolksschriststellers fiansjefob. Dos ga'ze Viichllin teilt sich b einzelne kurze Cr-ahluiwen. So ein K Pllclhen am F'.irabmd g-lefen bringt Sonntazs- f rieben in die Derktagssorgen. Unter dem N-men Dr. Eisenbart verbirgt sich der bekannte Schnftste.le-.Fr. Donatus Pfannmüller, O. F. dl-, der Bucher- schrciber aus dem „Lande der Toren . Schon das Bild auf der Einbantdecke, das uns den Dt. Cft■ enbart mitten in feiner ländl ch'i Doktorstube vorführt, ist ein far- benprächtiger W d'rschein aus dem ganzen Inhalt tes ! Buches und ruft uns zu- „Hier wird euch wieder em. I mal Hausmacherware geboten!" ®-

In aller Kürze wird von dem gleichen beliebten Er. zäh'er auch im Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei em Büchlein erlebet-en mit prächtigen Märchen und zwar unter dem Titel Hans Hipp'dipp, der Dre-elbud. Wer feine Kinder lieb hat und ihnen etwas schenken will, was sie erfreut und sie zugleich zum Guten anleitet, d« sei schon setzst darauf aufmerksam gemacht.

in blinder Gier zu Papier gebracht haben und den wir unterschreiben mußten, well sie uns den Revolver vor die Stirn hielten.

Sie bestehen auf diesem „Schein", wie der Jude Shylock in dem berühmten Schauspiel „Kaufmann von Venedig". Shylock hatte sich für den Fall, daß ihm sein Darlehen nicht rechtzeitig zurückbezahst würde, das Recht verschreiben lasten, feinem Schuldner ein Pf und Fleisch aus dem Leide zu schneiden. Als de Feist Der. strichen war, wollte Shylock sich nicht mit der nachträg­lichen Geldzahlung begnügen, sondern verlangte aus Rachgier bas verschriebene Pfund Fei'ch. Er kam nicht zum Ziel, weil der kluge Richter erklärte: das Pfund Fleisch kann sich der Jude herausschne den; ober er ist selbst dem Tode verfallen, wenn er dabei einen Tro- pfen Ehr stenblut vergießt; denn der Schuldschein ver­schreibt ihm nur das Fleisch und nicht das Blut.

Wird fo ein weiser Daniel auf dem Richterstuhle auch uns retten aus der Not, ist die wir durch den er- preßten Schuldschein von Versailles geraten sind? W rd er den modernen Shrlocks sagen: „Ihr habt euch frei- llch Kühe verschreiben lassen, ab-r Mill'onen von Men­schen zu morden, seid ihr nicht berechtigt!" Ach, es gibt keinen Gerichtshof, der das natürliche Recht geltend ma­chen könnte gegen die grausamen Machthaber.

Die einzige Unterstützung, die wir finden könnt'n, wäre der Einspruch der öffentlichen Meinung gegen solche^ Kindermord. Man sollte denken, daß in der ga'zen Welt Mitleid und Entrüstung sich regen müßten. Um lo mehr, a's in weiten Kreisen das Eiend xder deutschen Kinder schon Anerkennung gefunden und Lleleswcrke geweckt hat. Holland, Dänemark und an­dere neutrale Lä' der haben deu sch: K ndrr aus Mit- leid aufgenemn-.en und heilsam gepf egt; die Quäker | hoben unterernährte K uder mit einer S hu'speisung be. glückt; wackere Amerika -er haben 2000 Milchkühe für Deutschland bercitgestellt. All' die Leute, die noch christ. l'-che Nächst:'l ebe oder wenigstens menschliches Erba-. I men im Herzen haben, muffen den geplanten Kuhraub

Unpolitische Zeitkäufe.

Don Fritz Nienkemper.

Perfitt, 19. Oktober 1920.

800 000 Milchkühe wollen sie uns formehmen. Was bedeutet das? Den Massenmord von deut- scheu Kindern.

Das ist keine Uebertreibung, sondern die nackte, schauerliche Wahrheit. Jede Milchkuh, die man uns raubtz, tritt bei ihrem Abzug mehrere deutsche Kinder tot Don ihrer Milch Höllen sich unterernährte Kinder wieder kräftigen können; aus der Milch mit ihrem leicht verdaulichen Gehalt an Fett und Eiweiß hallen sie die Kraft gezogen, um die Skrofulcse und Tuber- kulese zu überwinden, und der Kalk, den ihnen die Milch in brauchbarer Ferm zuführt, hätte das erwe'chte Knochengerüst wieder fest und gerade gemacht. Wenn ihnen die Mich entzogen wird, so stechen sie dahin und sinken ins Grab.

Aerobes, der Schlächter von Bethlehem, steht als ein Ccheu'al am Pranger der Wcltge'chichie, weil er dort alle Kinder bis zwei Jahren totschlagen ließ. Aber dieser Mörder beschränkte sich auf den männ'ichen Nach- wuchs im kleinen Bezirk von Bethlehem und auf zwei Jahrgänge davon. Der neuzeill che Ki.idermord fordert seine Opfer bis zu den sechsjährigen und noch höher hinauf; er stürzt Millionen von dem Nachwuchs eines ga-zei großen Volkes in Siechtum und Tod

Warum und wozu diefe unmenschliche Grau’cm’eit? Ijcben die Franzosen und Belgier wirklich so viele Milch ühe nölig, um selbst am Leben zu b'eiben? Nem. Frankreich ,csttzt mehr Tiere als Dru.sch'and. und wenn die Sieger noch mehr Mich haben wollen, fo können sie m?I sicherer und billiger aus ihren be?reunbe:en Säu­bern sich Dauermi'ch verschaffen. Aber st? fordern von uns armen Deut'chen gerade das. was mir selber nicht entbehren fernen. S e haben nöm'ich einen S''-ld- schein, den sogen. Sße^;y von m^-iauies den sie jeuet

erst dreimal in der Woche erscheint. Di« sich an Besitz der 1 Anhänger des linken Flügels befindlichen Anteilscheine am I „Dolksrccht" wurden gekündigt und das Geld zuruckver» I langt. Ein führendes Mitglied der U- S. P. versichert, I daß es keinen Kampf um Kaffen oder Zeitungen gebe, I da ix den Kassen kein Inhalt fei und die Zel. tungen sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens nicht ren­tieren konnten. „ .. . „

= Del mar. Der letzte Sonntag war für bie katho- I stkche Gemeinde Weimars ein denkwürdiger Tag. I Konnte doch an diesem der katholische Jungmannerver- ein „Unttas" fein 2Sjähriges Stiftungsfest begehen. Zum Festgottesdienst Halle sich die Gemeinde außerordentlich zahlreich einaefunben. Die Fahne des Jubelvereins, mit dem Silberkranz ge- , schmückt und die des hiesigen kalh. Männerveresns hat- ten im Presbyterium Aufstellung genommen. Da­feierliche Livitenamt zelebrierte Domkapitular Letcht. Bamberg unter Assistenz von Pfarrer Breitung und Kaplan Kind. Der Kirchenchor Eacllia brachte die bekannte Preismeffe ..Salve Regina" von Sichle vol- lendet schön zur Aufführung. In der Festprediqt zeigte der Präses des Jubeloereins, Kap'an Kind, die Not­wendigkeit der Vereine, vor allem der Jugendverelne in den Stürmen und Gefahren der Gegenwart, be'rmbers in der Diaspora. Er knüpfte daran den tauten Appell an alle katholischen jungen Männer zum festen Zusam­menschluß, zum mutigen Bekenntnis und zrim treuen Festhalten en den Idealen der „Unttas . Nach dem Festgottesdienst zog der Iubelverein nach brm Ver­einslokal „Mktoriagarten". wo die Begrüßung der aus- wärtigen Gäste und ehemaliger Mitglieder stattfand. Daselbst begann abends 7 Uhr die weltliche In- b elf ei er. In feiner Begrüßungsrede konnte der Vorsitzende, Franz Peter junior, eine sehr zahl­reiche Festversammlung willkommen heißen, darunter Vertreter auswärtiger Vereine, besonders der Bruder­vereine aus Eriuri, der Unttas und des katholychen Ge- jellenvereins. Im Millelpunkt der Feier stand die Fest­rede des Reichstagsabgeordneten Domkapitular L e t ch t. Mit hinreißender Beredtlomkeit feierte der Festredner die „Unitas" als ein Sinnbild der einigenden und stär­kenden Kraft der katholischen Kirche, in der di« Solidari- >äi und der Nnitor'smus im wahrsten und e elften Sinne ausgeprägt sei. Die überzeugenden Aus'uhrun- gen, die immer wieder durch stürmischen Beifall unter« brocken wurden, lösten in der Versammlung große Be- neifterung aus. Mit warmen Worten dankte per Präses dem Redner und brachte die begeisterte to.im- rtung der Versammlung zum Ausdruck in einem Treu- «etöbnis zum Verein und zur Kirch«. Im Namen des Jubeloereins überbrachte er sodann dem Ehrenmitgltsd und Mitbegründer der Fnitas", Weinnroßhän^ler M- fons Lins-Weimar mit Warten des Dankes für ferne vorbildliche Treue ein in Silberkranz gefaßte^ Verei> s- ab-eicken. Hierauf folgten eine Reihe van G'ückwunfch- anfprrdjen im Namen der verschiedenen Brud^- und Schwestervercine. 3m Namen der ehemaligen Mllnsie« ber überbrachte Kaufmann Voge l-Erfurt G'ückw.m ch- und Grüße. Pfarrer Breitung übermittelte die Se- genswünsche der Gemeinde und schloß nv.t einem oe» geisterten Hoch auf den Iubelverein. Die Feier war umrabmt von gentetnfamen Liedern und mehrst mm - neu des Kirchenchors unter der bewährten Leitung ihres rührigen Dirigenten Lehrer Freier.

Kandel und Wirtschaft.

Mrlschoflspolttfsche lüitternnaen der tzandelskamme, in sfulda.

Güterverkehr nach den Niederlanden Nack den ab 1. Oktober geltenden besonderen Destim. munaen für den deuffch-nlederlä'-dischen «utervenehr ist in der Spalle „Routenvorschrill des Frachtor.ejes vom Absender der <3 r engü b er na n g zu be- zeichn e n. über welchen bas Gut befördert werden soll. Frachtbriefe ohne diesen Vermerk worden zurück- S Nachnahmepakete im 5ntanbst> er tebr. Wie inzwischen durch Reichsgesetzblatt Nr. 200 S. 1.04 veröffentlicht worden ist, ist mit W rkuna vom 1 Otto- ber 1920 ab der Höchstbetrng der Noch-ahme für Pakete im Jnlandsverkehr auf 5009 Ml. feftoefeM worden

Don jetzt an sind versuchsweffe gewöhnliche fron« fierte Briefsendungen nach Sowjet-Rußland zuge as­sen. Sie »erben mangels anderer Verbindungen über Dardö lNorwegenf geleitet und von da ein. bis zwei­mal wöchentlich mit russischen Motorschiffen rnb Ar- chancrelsk roeiterbefärbert. Gebühren rote >m Weltpost- rertebr. Eine Gewähr da^ür, daß die Sendungen in bie Hände der EmnfSnger gelangen worden, kann Nicht über-’ommen werden. „ , .

Der Güterverkehr zwischen Deloien Frankreich, ßuremhurn und Dent' chland sowie dem ©aargebiet ist am 1. Oktober 1920 oufie-'pmmen w-rden. Aus der hierfür von der Efeu- bahndirektion Esten gegeben»" Anordnu-q ist hervor» onbeben: Die Beförderung erfolgt auf Grund des im« ternatio-ofen 1’-bere:n?r"-me-s über den Ese-ba;n. "»ochtverkehr. Für den Frachtbrief ist das du-ck das Internationale Uebereintommci vorgefchriebene M n»r i,u verwenden. Duette Frachtsätze sind nicht erstellt. Die Frachten und Gebühren werben natfi d»n Binnen, und Wech'estarifen der beteiligten Verwaltungen berech­net. Die Berechmr.rg der autzerdeutfchen Frachten ist ousfchNeßlich Sache der ouslä"difchen Efse"bahnem Dre Umrechnung der Beförderunas- fonstigen Kosten aus der deutschen in b:e fremde Währung und rm»e. kehrt ist ausschliebsich Socke d»r deutfchen (Soarbahn.) Stationen, der bisherige Frankier'ings- und Uebermet- fim"szwang bis imd ab der d-ut'chen Grenze fcro_» der Ausschluß von Nachnahme". Darvorlchäffen und 3 t er« effe''»ffa’-aticn sind aufo»h»ben. A'lch bedarf »s für | den DrnkeHr mit dem besetzten Dent'ch'and e.ner M.tte.s- telsnerfon im be’eh’en Gebiet rockt mehr.

Handelsverkehr mit Vstvreusten. Der Oberpr'ädeni der Provinz rftnreu'en äußert sick m einem Schreiben an den Deutschen Industr'e. und 5>nn. delstag über die im Reich vorhandene 3frnunx Der- kaufe an oftoreußische Firmen nur unter Bor-" s.e-ah- .ung abzufchlehen, und Käufe von ostv-eußsich-n Fr- men in der Befürchtung der Beschlagnahme de m Bas- fieren des volnifchen Korridors tunlichst einznlchrän en. Der Oberpräsident gibt zu, daß die Provinz Ostpreußen entziehung. Wenn das deutsche Volk sich im nächste« Jahrzehnt um mehrere Mllionen vermindert hat und der Rest zum großen Teil aus schwindsüchtigen, blut- armen und verkrüppelten Menschen besteht, dann kön­nen die Deut'chen unmöglich so viel Güter schaffen, wie notwendig sind, um den fälligen Tribut aufzubringen. Wo keine Arbeitskraft und kein Leben mehr vorhan. den ist, da haben auch die Sieger von heute ihr Recht verloren. Daraus ergibt sich: wer uns die Betriebs- mittet und die Lebensmittel raubt, ber handelt nur dann zweckmäßig, m*nn er es auf die Vernichtung des deutschen Volkes abgesehen hat.

Wird es zu diese: Ausrottung der bcsieten Rallen kommen? Woran soll sich die lctz'e Hoffnung flami mem? Ich rcchne rocht auf bas Erwachen des Mil- leibs, sondern höchstens noch darauf, baß bie anderen Völker einsehen, wie sie sick selber schäbigen, wenn sie ein so großes Glied am Menschheitskörper verfaulen und hinsterben lasten.

Während wir fo an den Rand des Abgrundes ge­drängt werden und mit einem Fuß schon im Grabe stehen, was machen mir selber da? O, unsere Mstbür- ger haben höchst wichtige Dinge zu tun. ®:e halten einen Parteitag nach dorn andern ab, sie halten ge- harnstchte Reden, sie würgen und balgen sich, sie werfen mit Schmutz und Steinen; aber des Toben und Süm­pfen gilt nicht dem gemeinfamen Feind, sondern den eigenen Brüdern und der eigenen Regierung. Wir zer- fleischen uns gegenseitig, als ob wir ben;eni-'en in die Hände arbeiten wollten, die uns bie Vernichtung zuge­schworen haben.

' Unser» Feinde handeln grausam und töricht. Aber gilt nicht von einem großen Teil des Volkes dasselbe Urteil? Sie freveln an ihren eigmen Kindern, an ihrer eigenen Zukunft, und s chm sich gegenseitig tat zu schlagen wie einst die Gladiatoren im alten Rom.

Die Welt ist wunderlich geworden: teils Raubtier- Haus, teils Norrenhous.

Herr der fi;nimels£ hilf der heillosen Menschhestl

das in der Natur des aufstrebenden Menschen und in den Bedürf .issen des Gesellschaftslebens unaustilgbar begründet ist. Bisher ist da, Privateigentum benutzr worden zur Anhäufung von Besitz in den Händen ein. Seiner weniger, die dadurch zu einer ungebührlichen wirtschaftlichen, polttischen und kulturellen Vormachtstel­lung im Volke gelangten. In Zukunft muß durch Em- greifen der Volksgemeinschaft die wirtschastsiche Aus­nutzung des Eigentun-s mehr ht den Dienst des Se- samtwohls gestellt werden." ,,

Die e Grundgedanken werden dann für das prak­tische Leben unuiemünü in den wichtigsten Etvzel- fragen des A> beiterlebenS unter dem Gesichtswinkel: Sittliche und fo iale W>rf chafisordnnn > Arbeit und Lohn, geistiger und sittlicher Aufstieg, Famffte und Heim, Erziehung und Schule, Staa', Stände und Parteien, Glaube, Religion und Kircke. In einem dem Programmen Wurf vorgedtuckten Ausruf heißt es:

„Die Novemberrevolution 1918 hat der alten staat­lichen Ordnung ein Ende gemacht. Nock ist die staatliche Autorität inrftritten, ber nationale Wille verworren, das W-rtschaftsleben unsicher, und die Gegensätze zwt- scheu den einzelnen Klaffen und Gesellschaftsfck'chlen sind noch immer nicht ausgeglichen. Tiefe Sorge, quälende Zweifel, Verbitterung, Maßlosigkeit und Zuchttosigkeit umgeben uns. Dazu bet ungeheure Druck von außen her. Was soll werden?

Die ZeitumstSnbe haben bie Maste der Werktätigen, die Lohnarbeiter, in den Mittelpunkt ber Dinge nerürft. Sbnen unb ihren Organisationen ist ungeahnter Macht- zuwachs zuge'allon. Wir katholischon Arbeiter süh'en gleich unfern andersgesinnten Standcstenossen die ent­scheidende Wendung in den Schick'a'sbedingungen ber breiten Volksschichten, aber wir fühlen mit dopvelter Stärke auch die Wucht der gewaltigen Verantwor- tung gegenüber Gegenwart und Zukunft, die auf die Sch"'tern dieses roer'tätigen Volkes gelegt ift

Wenn aber den Lohnarbeitern unb Gehaltsempfän­gern in der Gestaltung ber neuen Staats, unb Gefell- schaftsorb"ung solch entfdjeibenbcr Einfluß geneben ist, bann bebürfen gerabe sie hochstehender Ideale, einer Weltanschauung, bie Licht unb Kraft zugleich ist, bie ben Verstand entzündet und die Herzen wärmt, an denen die Tagesförderungen orientiert werden können. Wo ist ein solches Ideal zu finden?

I Der Sozialismus der Sozialdemokratie will es fein. Doch was ist er? Seine Lehre zersetzt, seine An- bänger zerrissen und zerivollen, seine Straft z'-m Auf- bau entsetzlich schwach. Und hinter ihm steht schon e'n I anderer, um ihn abzulösen, ein System, bas von sich I sagt, klarer unb folgerichtiger bis zum Ende zu sein, _ der Bolschewismus. Eine erbarmun-'s'ose I Macht, ein Drivotismns ber Gewalt und des Terrors I ist von den rnst schen Arbeiterführern im Namen tie'er I Lehre aufgerichtet worben, wie sie die Weltae'chichte bis- I Her noch nicht gekannt hat. An seinen Früchten des Schreckens, ber Vergewaltigung, des Niederganges ist I der Bolschewismus zu erkennen.

Wer aber dielen gleißnerischen unb falschen Idea'en I entgehen will, ber muß jedes Schwanken, jede Halb- I heft aufgeben, ber muß den Mut haben zum Be'ennt- I nis jener sittlich-religiösen Weltanschau- I ung. aus beren Geist heraus allein bie Forderung ter menschlichen Gesellschaft in Freiheit unb Gerechffgkeft I gelingen kann — bie Weltanschauung des Christen- I tu ms. Zu ihr stehen wir katholischen Arbeiter, von ihr leiten wir mriere Einzelforderungen an bie Geeen- I wart ab, in ihr finden wir uns zur bewußten Einheit I zusammen.

I Ohne tiefsittliche unb soziale Gesinnung, vraktische Nächstenllebe, Verantwortlichkeitsgefühl unb Opferge'st I kann es fein Gemeinwohl geben. Dieser Grundwahr- | heft, eingedenk, erheben bie im Kartellverbanb znsam- m«gesaßten katholischen Arbeitervereine Deutsck'an^s I nicht bloß Forderungen ber Umgestaltung von 6 aat, Wirtschaft unb Politik, sie wollen Erneuerung b es Ganzen, Umbildung ber Menschen. Wir for- bem nicht bloß von andern, sondern auch von ims selbst.

I Wir stellen uns schützend vor die heiligen Güter des I Glaubens unb der Kirche unb wollen uns biefer gott- gegebenen Kräfte bedienen, durchdrungen von her lieber- zenguna, baß sie zur Erneuerung ber Gesellschaft un» 1 entbehrlich sind.

9u$ Kirdte und Sckmle.

• Das Schicksal eines ungarischen Bischofs. Nach

I ungarischer Meldung entrann ber Bischof Blattfelder von I Temesvor nur durch Vermittlung dey englifchen Mis- I sion dem Tode, zu dem chn die Rumänen kurzerhand Der- I nrtrilt hatten. Er wurde aber trotzdem verhaftet und ver- I schleppt. Nach einem Jahre schweren Leidens erlaubten | chm bie rumänischen Behörden nun dock, daß er auf ber I Brücke von Szepedin mit feinen allernächsten Verwandten I unb mit dem bischöflichen Vikar ber Ungarn zugefallenen I Telle feiner Diözese zusammentreffen könne. Der Bischof I fft in ber Gefangenschaft vollständig abgemaaert tmft feine I Stimme aang verschleiert. Er erkundigte sich beim bischöf- I lichen Vikar mit Tränen 'm b?n Augen über b<m Zustand seiner Diözese. Als er zum Abschied ein mioarisches Wort I jagte, h"rrjck!en ihn bie rumänischen Solba'-n an. de ihn mit ausgepflanztem Bajonett aus die Tisza-Drücke be­freitet hätten und befahlen ihm zu schweigen.

aus dem Nachbaryebiet.

(fb) Frankfurt a. 7!l. Hier wird ein neues Organ der Links-U. 6. P. herausgegeben, das jedoch vor-