Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadk Fulda.
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Nr. 247.
4>eiuntwouuüj iui Den .toautoneilen Teil: Karl «chütie, u IM Oll Anzeigen: I. Parzei ler-Fulda. n Siotationaorud u. 23erlag Der Fuldaer ActienDruckerei in Fulda, erncuedjer Nr. 9 Teiegr.-Ülbreffe: j jiDaer Zeitung
Samstag, 23. Oktober 1920.
öejugspteis; MonaiUch 3,00 2iü. ohne ju|teUgeoul)i. jn ju.Ou bet unsahgetjoli 3,15 tilL Ülujeigenpreis . Die K । e tn je ile aoioneimab) 6u p,g„ u. 10°/e ^u|d)lag, die Neil amez eile (Teil oi nie > 1.80 Mit., u. 10u'o Zulchteg. Bei Wiederhol Naban.
47. Zahrg.
Ein halbes Jahrhundert Zentrum.
In diesem Herbst vollenden sich fünfzig Lahre fett dem die deutsche Zentrumspariei auf Grund eines jest- gefüglen Programms ihre Tätigkeit im deutschen politischen und Parlamenten।dien lieben ausgenommen hat. Es ist an der Zeit, schon jetzt wenigstens in aller Kürze die Gedenktage zu berühren, deren fünfzigste Wie- derkchr demnächst bevorsteht. Es wirkt kein Mittel besser gegen Ichsucht und Kleinmut als die Erinnerung an glaubensstarke Zeiten und ideal gerichtete Sttömun« gen des politischen Lebens.
Der erste Anstoß zur Bstdung der Zentrumspartei war bereits im Sommer des Jahres 1870 gegeben war- den. Am 11. Juni veröffentlichte Peter Reichens» perger, einer der hervorragendsten Führer des kath. Lebens der damaligen Zeit, in der „Köln. Dolksztg." einen berühmt gewordenen Artikel, der als die erste öffentliche Anregung zur Gründung der heutigen Zen» trumspartei angesehen wird. Dieser Artikel enthielt die Forderung der Aufstellung bestimmter Wahlprogramme für die politischen Parteien und die wichtigsten Punkte, die für die Zentrumspartei in einem solchen Programm aufgestellt werden müßten. Da finden wir in aller Kürze dasjenige wieder, was später in das eigentliche Programm der Partei übernommen worden ist: Freiheit -er Kirche und der kirchlichen Genossenschaften, Schutz der christlichen Familie und des konfessionellen Volks» fchulunterrichts, Erhaltung des bundesstaatlichen Charakters des Reiches und Verwirklichung der Sclbstver- woliung des Volkes in Gemeinde, Kreis und Provinz.
Am 29. Juni tagten darauf in Essen die kathol U-^eine von Rheinland und Westfalen zur Beratung des Aufrufs Reichenspergers. Sie nahmen ihn grundsätzlich an und erweiterten ihn durch die Forderung einer neuen gerechten Verteilung der Steuern „namentlich in Hinsicht auf die Ueberbürdung des Arbeiters" und der Beseitigung der sozialen Mißstände in der Förderung der Interessen des Arbeiterstandes. Vier Monate später kam es nach einer Vorbesprechung in Münster am 28. Oktober 1870 zu der bedeutungsvollen Versammlung von Westfalen in Soest, in der das für die künftige Parteiarbeit grundlegende Soester Programm geschaffen wurde, das die Esiener Forderung übernahm und die sozialpolitischen Anregungen der Esiener Versammlung entfaltete und erweiterte. Der 28. Oktober kann daher als der eigentliche Geburtstag der deutschen Zentrumspartei betrachtet werden. Im November erfolgten die ersten Wahlen auf Grund dieses Progamms für den preußischen Landtag. Am 13. Dezember 1870 abends versammelten sich die Mehrzahl der auf das Programm gewählten Abgeordneten unb noch am selben Abend wurde die Fraktion mit 48 Mitgliedern gegründet. Sie nannte sich „Zentrum kV e r f a s - fungs partei"). Die Wahlen zum Reichstag, die am 3. Mürz 1871 folgten, hatten auch im Reichstag die Bildung einer Zentrumsfraktion im Gefolge, die sich am 21. März 67 Abgeordnete stark zusammenschloß.
Ein halbes Jahrhundert ist fett jenen ereignisreichen Tagen verflosien. Zwei Generationen haben mft Freud« und Begeisterung für die Grundsätze, die damals festgelegt worden sind, gekämpft. Der Sturm der Revo» lution hat nach dem verlorenen Weltkriege das Deutsche Reich auf eine andere Grundlage gestellt. Gewiße Voraussetzungen, die früher unter monarchischem System galten, sind jetzt, da wir eine republikanische Staatsform haben, in Wegfall gekommen. All das hat für das Schaffen und Wirken der Zentrumspartei keine grundlegende Aenderung erforderlich gemacht. Das Zentrum ist heute immer noch das, was es früher war: Sie wahre christliche Dolkspartei, deren vornehmstes Ziel die Förderung des „moralischen und materiellen Wohles aller Volksklassen" und die Sicherung der bürgerlichen und der religiösen Freiheit aller Reichsange- hörigenist.
. Ihre Grundsätze sind nicht Utopien, sondern unab- andeiliche Wahrheiten. Gerade in unseren Tagen ist sie zeftgemäß wie nie. Die wahrhaft christlichen Ideen von Wahrheit, Freiheft und Recht sind stärker, als manche Kleingläubige meinen. Wenn heute wieder höhnisch die Frage gestellt wird: Was ist Wahrheit?, wenn das Recht verhöhnt und die Freiheit mit Füßen getreten wird, so ist das gerade ein Beweis dafür, daß sich geschlosien alles zusammenfinden muß, was an die Rotwendigkeft der Wirksamkest solcher Ideen im Staats» Organismus glaubt.'
Deutschland und der englische Riesenstreik.
Die wirlfchastUchen Wirkungen.
ww Sett Beginn der Woche steht die gesamte eng- mche Bergarbeiterschast im Streik und die Generalstreite aller anderen Arbeiterverbände drohen nachzufolgen. Ein Kroßer Streik ist heute weniger als je Privatsache des betreffenden Landes. Die englischen Kohlengruben oer» sorgten ja nicht nur Großbritannien, sondern auch fast ganz Westeuropa. Um wenigstens für einige Zeit den inneren Bedarf des Landes sicherzustellen, hat die britische Regierung ein Ausfuhrverbot für Koh» len erlösten. Seit einigen Tagen ruht also die Beliefe» rungFrankreichs, Spaniens, Italiens und der Schweiz mit englischen Kohlen. Die Folge hiervon ist, daß die mideren kohlenerzeugenden Länder Europas verstärkt in Anspruch genommen werden. Nun könnte ein in seiner Selbstbestimmung unbehindertes Land jede erhöhte Inanspruchnahme seiner Bodenschätze durch andere ab- lehnen. Deutschland hat diese Möolichkeit nicht. Die brutsche Wirtschaft 'ft aus eine Ermäßigung der in Spaa festgesetzten Kohlenlieferungspflicht anaeroiefen, um teimeren Erschütterungen zu entgehen. Nun hat zwar Frankreich erhebliche Kohlenreserven angesammelt, wird aber kaum bereit sein, diese Reserven anzugreifen, um 6,e deutsch^ Kohlenversorgung zu verbessern, ebensowenig werden die Franzosen und die anderen Kohlengläubiger Deutschlands auf einen Test der ihnen zustehenden Koh- ten verzichten.
Bekanntlich hat u. a. auch Italien einen An- lpruch auf die Kohlenförderung in Oberschlesien. Arnn nun die Kohlenzufuhr aus England stockt, wird Italien bestrebt (ein, seinen Anteil an obcrschlesischer
Kohle zu erhöhen, lieber die Bodenschätze Oderschleflens verfügt die interalliierte Abstimmungskommtzsion. Sie hat die Reihenfolge festgesetzt, in der die verschiedenen Interessenten oberschlesischer Kohle (Polen, Oesterreich, Italien, Tschechoslowakei usw.) zu beliefern sind. Das von Deutschland auf der Spaaer Konferenz gestellte Ersuchen, dem Reich eine gewisse Menge oberschlesischer Kohle fest zuzusprechen, ist bisher nicht berücksichtigt worden. Es ist zu befürchten, daß die Abstimmungskommission im Hinblick aus den Ausfall Großbritanniens die Verteilung der oberschlesischen Kohle zugunsten Italiens und vielleicht auch Polens, aber zu u n - gunsten Deutschlands revidieren wird.
Die aus dem Kohlenarbeiterstreik hervorgegangene Wirtschaftskrise in England bedroht also in erster Linie den Unterlegenen im Weltkrieg, das deutsche Reich. Die wirtschaftlichen Sorgen der ganzen Welt treffen Deutschland mit und dabei viel schwerer, als die anderen nickt unmittelbar beteiligten Länder. Wir sind näm- sich mft unzerreißbaren Ketten an den Wagen der Weltwirtschaft geschmiedet. Jeder Stoß und jede Schwankung schneidet uns tief ins Fleisch. Ob in Argentinien die Weizenernte mißrät, in Äustrasien eine «Seuche unter den Schafherden ober in Großbritannien ein Streik unter den Bergarbeitern ausbricht, immer trägt Deutschland den Hauptschaden. Dies wird sich erst bann än- dem, wenn mir uns von den Fesseln der Weltwirtschaft planmäßig utifc unverdrossen zu befreien beginnen. Das Ziel unserer Wirtschaftspolitik muß fein, in der Versorgung mit Lebensmitteln und mft Kohlen auf eigene n Füßen zu stehen. Dann wirb der Anschluß an die Weltwirtschaft nicht mehr eine verderbliche Verkettung, sondern ein segenbringender Verkehr fein.
Die politischen Wirkungen.
Der MassenauL stand droht Lloyd George, der bis» her durch sein persönliches Ansehen und seine Geschick- lichkeit in der Behandlung der Arbeiterschaft die Ausbrüche des Streikfiebers zu hemmen verstanden hat, doch über den Kops zu gehen. Die Bewegung ist Io groß und stark, daß man schon mit einer Erschütterung der ganzen Regierung, mit Neuwahlen zum Parlament und Umstellung des politischen Kurses zu rechnen beginnt. In diesem Falle würde der englische Streik auch eine gewaltige weltpolitische Nachwirkung haben. Denn die bevorstehenden Verhandlungen über die Ausführung des Versailler Vertrags sind wesentlich abhängig von der Person des Staatslenkers in London.
Was Lloyd George gegenüber der französischen Dernichtungspolitik will und vermag, ist freilich noch nicht vollständig klargestellt: aber wir haben doch gesehen, daß er vielfach im Sinne der Mäßigung gewirkt Hai. Insbesondere hat er in San Remo durchgesetzt, daß die deutschen Minister zur unmittelbaren Aussprache mit den Machthabern der Entente an den Konferenztisch berufen wurden, und hat den Bersuchen Millerands, die Fortsetzung dieses Verkehrs in Genf zu verhindern, bisher Widerstand geleistet. Wenn nun in England ein Regierungswechsel eintreten sollte, so wäre alles wieder in Dunkel und Unsicherheft geraten. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen wäre ein Rücktritt von Lloyd George sicherlich den französischen Gewaltpolitikern erwünscht, da sie hoffen könnten, jeden Nachfolger eher wie den zähen Walliser für ihre Zwecke einzuwickeln.
So können die Streikforderungen der englischen Grubenarbeiter sich zu einer weltgeschichtlichen Bedeutung ausgewachsen. Worum es sich Im Anfang handelte, ist ja nur die Erhöhung des Lohnes der dortigen Bergarbeiter um zwei Schilling und etwas mehr Einfluß auf den Betrieb, also Dinge, die wir in Deutsch- tertö auch schon zu regeln hatten und ohne allgemeinen Umsturz geordnet haben. Das Gefährliche am englischen Streik ist der große Umfang und die unerhörte Ausdehnungskraft. Die Zahl der streikenden Bergarbeiter stieg sehr bald auf fast zwei Millionen, was zur Schließung von über 1000 Industriebetrieben führte und die ohnehin beängstigende Arbeitslosigkeft erschreckend vermehrte. Wenn mm die Eisenbahner und die übrigen Transportarbeiter in ben angedrohten Sympathiestreik treten, so würden 31/» Millionen Menschen arbeitslos werden, der ganze Verkehr wäre lahmgelegt, auch der Verkehr mit dem Fest- [anbe, und die gesamte Industrie mit dem Handel käme ins Stocken. Wie gefährlich die Neigung zu Sympachiestreiks ist, wissen wir ja schon aus Ersah- rungen am eigenen Wirtschaftskörper: aber bei uns ist diese Ausdehnung des Streikbrattdes immer noch in mäßigen Grenzen geblieben unb ziemlich schnell wieder eingedämyft worden. In England jedoch droht ein oer- blüffender „Rekord" in dem Sport der Sympathiestreiks erreicht zu werden. So erklärt es sich, daß der Lohnkampf das ganze Staatswesen und sogar die weltpolitische Entwicklung in eine schwere Krisis bringt
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Die Generalstreikandrohung der englischen Gewerkschaften. der ein bis Sonntag befristetes Ultimatum der Eisenbahner getötet ist, hat die Lage erheblich erschwert. Dennoch ist eine Annäherung der beiden Parteien insofern fefhufteOen, als die Regierung sich bereit zeiat, die zwei Schillinoe zu bewilligen, wenn der Lohn tn Beüehungg zur Förderung gebracht wird, während die Bergleute bereit sind, auf gewissen Grundlagen die erhöhte Förderung zu garantieren, wenn die Bergwerksbesitzer sich zu einer Vereinbarung entschließen.
Die Dieselmotoren.
Die „Deutsche Allg. Zig." schreibt: Hinsichtsich der Auslieferung der Dieselmotoren an die Entente macht sich eine auffallende Verschiedenheit in der Beurteilung dieser Sache zwischen der französischen und englischen Regierung bemerkbar. Daß die französische Reaierung sich nicht sehr mit bet Sacke befaßt hat, beweisen die Aeußerungen der Pariser Blätter, die von den Dieselmotoren als von Flugzeugmaschinen sprechen. Wie jetzt feststeht, ist England die treibende K r a f t in der ganzen Auslieferungsangeleoenheft, und zwar ist der. 21 dmiraI Corlton als Vorsitzender des interalliierten Marine-Ueberwachunosausfckusses, der Verfasser des Schreibens, in dem unter ben schärfsten Drohungen die Zerstörung verlangt wird. Der
englische Admiral vertritt nämsich die P r i v a t i n - teressen einer englischen Industrie» gruppe. Die Dieselmaschinen waren überhaupt nicht für den U-Bootbau konstruiert, sondern für gewerbliche Zwecke vorgesehen, und zwar als Betriebsmotoren für kleine Elektrizitätswerke und als Ersatz für Dampfmaschinen auf Lokomotiven. Die „Deutsche Allg. Ztg." führt weiter aus, daß die U - Bootfurcht mit Hilfe des Admirals Carlton dazu benutzt werden soll, die gegenwärsige deutsche Produktion zu hemmen und sich fehlende technische Kenntnisse bequem und kostenlos anzueignen. Denn wenn die Dieselmotoren als Kriegsmaterial gekennzeichnet werden, bann steht ber Entente auch bas Recht der Auslieferung der Fabrikationszeichnungen und die Ueberlassung der deutschen Patente zu.
Die Vorschläge für die oberschlesische Abstimmung.
Das polnische Abstimmungskommissariat hat im September der Alliiertenkommission den Entwurf einer Regelung für die Slbftimmung in Oberschlefien vorgelegt. Herzu liegen nunmehr die Aeußerungen des Ab- ftimmungskommissariats für Deutschland vor, die gleich- zettig auch Degenvorschläge enthalten Das deutsche Ab» stimmungskommissanai betrachtet als Grundlage die Ordnung der Abstimmungen in Schleswig, sowie in Ost- und Westpreußen. Es hält ssch streng an die betreffenden Bestimmungen des Friedensvertrages, während die polnischen Vorschläge in mehreren Punkten mit dem Geist sowohl als auch mit dem Wortlaut des Friedensvertrages in Widerspruch stehen und überdies die Tendenz zeigen, die Vornahme einer unbeeinflußten und gerechten Abltimmuno zu hintertreiben. So fallen diesenigen die zwar im Abstimmungsgebiet geboren lind, ihren Wohnsitz aber inzwilchen verlegt haben, nicht abstimmungsberechtigt fein. Eventuell sollen nur die abstimmungsberechtigt lein, die zu einem festzufetzenden Zeitvunkt, der aber wcht nach dem 1. 1 1900 liegen solle, ihren Wohnsitz in der Zone haben. Die deutsche Kommission ist der Meinung, daß diejenigen, die bis gegen Ende des Weltkrieges zugezoaen sind, der Meinung fein durften, daß sie hier Heimatrecht genössen und daher auch berufen feien, über das Schicksal ihres Landes rnitzu- beftimmen. Sie schlägt als entscheidenden Zeitpunkt den 1. Oktober 1918 vor Um den außerhalb wohnenden Ter» fönen die Abstimmung zu erschweren, schlagen die Polen vor, daß sie eine notarielle Bescheinigung der persönlich-n Identität mft Photographie beibringen. Jede Denochrich. tigung über Nichteintragmig in die Listen soll verboten sen. Die außerhalb des AbstimmunesGezirks wohnenden Personen sollen auch nicht vor der Abstimmung der übrigen Stimmberechtigten einrcisen dürfen: zu diesem Zwecke soll der Eisenbahnverkehr auf sechs Wochen vollständig eingestellt werden.
Die Relchsrealerung wird sicherlich in Erkenntnis der drohenden Gefahr, die tn diesem polnischen „Reglement" liegt sofort alles daran letzen, um dessen Annahme durch die Entente zu verhindern. Es wird sich fraget zeigen, ob der Friedensvertrag der über die Alsstim- mung in Oberschlesien bereits das Nötige.verkltet hat, tatsächlich zu einem „Fetzen Papier" geworden ist.
Gewisse Anzeichen in Oberschlesien deuten darauf hin, daß mit einer Volksabstimmung in diesem Jahre nicht mehr zu rechnen ist. Man glaubt viel- mehr, daß der frühest« Termin März oder April sein wenden.
Die Danziaer Araae.
Ms polnische Friedensdelegation in Paris weigert sich, den zwischen Polen und Dansig abmscksie- ßmden Vertrag, der van französischen und englischen Sachverständigen ausgearbeitet und von dem Botsckaf- ferrat gebilligt wurde, zu unter* et tfm en. Aus diesem Grunde wird die für heute festgesetzte Unterzeichnung nicht stattfinden können.
Der Aufwand der Reicksaetreidestelle.
Irn Verlaufe der Sitzung des Wirtschaftsausschusses der bayerischen Landesversammluna machte Landwirtschaftsminister Wutzelboser Mitteilungen, aus denen hervorgeht, daß die Reichsgetreide st eile im ganzen 4902 Personen, darunter 4 Geschäftsführer mit je 6000 Monatsgehalt, 5 stellvertretende Geschäftsführer mit je 4000 oll Monatsgehalt usw. beschäftigt mit einem Gesamtaufwand von 72% Millionen Mark. Die Derwaltungsabteilung beschäftigt 14 hohe Beamte, 40 mittlere Beamte, 120 Angestellte im Bürodienst, 44 Angestellte ftn Kanzleidienst und 60 untere Beamte mit einem Gesamtkostenaufwand von über 21 Millionen Mark Im Wirtschaftsjahre 1919/20 wurden von der Reicksoetreidestelle erfaßt an inländischem Getreide 51314 000 Ztr., an ausländischem Getreide annähernd 10 Millionen Zentner. A u f jeden Zentner des erfaßten Getreides entfallen von den der Gefchästsabteilung der Reichsae- treidestelle erwachsenden Unkosten 1,35 M. Der Minister bemerkte noch dazu, der Reick-wirtschafts- mimfter habe ihm persönlich erklärt, daß Vorsorge getroffen sei, daß 12OOPersonen aus der Reichs- getreidestelle, Geschäftsabteilung, herauskommen und daß er mit den K r i e g s g e s e I ls ch a ft e n ausräumen werde. In Bayern koste die Unterbringung des Brotgetreides überhaupt nichts.
Preußische Landesverfammfung.
Die Landesversammlung besprach, ehe sie in die Fortsetzung der (Etatsberatung eintrat, am Freitag zunächst das
Landwirtschaftskammergesetz.
Durch das Gesetz wird die Wählbarkeit auf alle An» gehörigen des landwirtschaftlichen Berufsstandes, atfo auf alle tn der Landwirtschaft im Hauptberuf tätigen Personen, ausgedehnt Das aktive Wahlrecht zur Land- wirtschaftskammer wird neu geregelt. Der Entwurf schlägt bas unmittelbare Wahlrecht unb ein gleiches Stimmrecht der Berufsangehörigen mit der Maßgabe vor, daß die Wähler nach der Art der Büeiligung in ber Lanbwirtfchaft in brei Gruppen eingeteilt werden. Besondere Fachkammern werden für die Fischerei, die Forstwirtschaft und die Gärtnerei eingerichtet Durch eine Hauptlandwirtschaftskammer wird ein oberer Auf- bau geschaffen werden.
Bei der Beratung standen sich die Rechtsparteien und das Zentrum auf der einen Seite, die übrioen Parteien auf ber anderen Seite gegenüber bezüglich
ihrer Meinung über die Beschleunigung des Gesetzes. Wähle, o Rechtsparteien unb Zentrum dafür emtra.en, mit dieiem Ge'ev lolange zu warten, bis das Reichs» rahmengesetz geschayen *e> Oriteaen die übrigen Parteien auf möglichst beschleunigte ^ueb.gung. Der Z.n- trumsrebner Er. Reinecke erklärte im Namen (einer Freunbe, daß'sie den Entwurf in ber oorliegenben Fas. fung nicht annehmen würden, sondern sich die S.ellung einer ganzen Reihe von Abänderungsanträgen narbe» hielten.
Die Vorlage geht an den Lanbwirtlchasisauslchuß. Zum Etat der Handels- unb Gewerbevex- wo 11ung sprach bisher nur ber mehrheitssozialbemor kratifche Abg. ftaberlanb.
Mittwoch, 27. Oktober: Weiterberatung.
Der Reichshaushaltsplan.
Dem Reichstage ist der Reichshaushaltsvlan füi 1920 zugegangen. Er ficht im ordentlichen Haushalt 39 891 Mssionen Mark an 6tnnahn*»n inte 85 343 Millionen Mark an- fortdauernden und 4 547 Millib- nen Mark an einmaligen Ausgaben und im außerordentlichen Haushalt 52 579 Missionen Mark an Einnahmen und Ausgaben vor. Das Gesetz ermächtigt den Reichssinanzminister, zur Stefteeitunn einmaliger ordentlicher Ausgaben 32 841 Millionen Mark durch Anleihen flüssig zu machen und ?ur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauotkasse Schatzanweisungen bis zu 6000 Missionen Mark aimiuneben. die ebenso wie Schuldverschreibungen und Reichswechsel auch auf ausländische oder ote'ckneilte auf in-, und ausländische Währung sowie im Au-ftonde mblbor "-»stellt werden können. Haushaltungsüberschreitungen und außerplanmäßige Ausgaben sind an die vorherige Zustimmung des Reicksfinanzm'nisters gebunden, die nur in besonders begründeten Ausnobmesiillen erteilt werden darf, und mackt Beamte, die Haushglsimas- überschreitunaen planmäßig ober fabrläifte -"»mrsachen, der Reichskasse g-genüber haftbar. T^r Ten-»-'ngs- rufchlag gemäß § 17 des Desolbunasgesetzes wird auf 50 v. f). fefte-setzt. Den Altnensteiären und Althinterbliebenen, deren Dezitee noch nickt auf Estund des genannten Gesetzes umoerecknet sind, wird ei. n Anschlag von der halben Höhe ihrer gesetzlichen Bezüge als Vorschuß auf die gesetzliche Regelung ihrer Gesamte bezüge zuvefprochen.
Deutsches Reich.
** Bersin, 22. Oft. Der Reickßrot erledigte in seiner gestrigen öffentlichen Sitzung ,den Entwurf einer Veiordnung über die Wahl des Ne ich s- präsidenten. Weiter winde der Gesetzentwurf über die Errichtung des StaatsgerichtshofZ angenommen. — Auf eine Anfrage bat Neichssinanz- minifter Wirth geantwortet, die Regierung fei in E> Wägungen darüber eingetreten, in Weicker Weise eine steuerliche Entlastung der imter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen stark belasteten kleineren Einkommen herbeigeführt werden könne.
* Minister Dr. Hermes. Bekanntlich hatte auf Beschluß bes Reichskabinetts ber Reichskanzler ben Reichs- justizminister unb ben Reichssinanzminister beauftragt, bie Rechtslage hinsichtlich ber gegen bie Person bes Reichsernährungsministers unb feine Geschäftsführung erhobenen Vorwürfe festzustellen Wie jetzt amtlich mit- geteilt wirb, haben bie Minister gestern ihre Prüfungen abgeschlossen unb auf Grund ihres Berichtes kam bas Kabinett einstimmig zu bem Ergebnis, baß bie persönliche Ehrenhaftigkeit bes Ministers außerallem Zweifel steht.
<• Zur Förderung des Keinwohnunsstbaues haben verschiedene Zentrumsabgeordnete im Reichstage folgende Anfrage eingebracht:
„Auf Grund ber Bestimmungen bes Reichsrats über bie Gewährung oon Darlehen aus Reichsmit - teln zur Schaffung neuer Wohnungen vom 10. Januar 1920 haben zahlreiche gemeinnützige Bauvereine bie Herstellung von Kleinwohnungen begonnen. Die Bauten sind zum Teil vollendet ober fast vollendet. Eine nachträgliche Einschränkung der Bauten ist m diesen Fällen nicht m-hr möglich gewesen. Die auf Grund der/ vorgenannten Bestimmungen von Reich und Gemeinden gewährten Dar» lehen sind durch die unvorhergesehene Verteuerung völlig unzureichend geworden. Die gemeinnützigen Bauvereine sind hierdurch in eine schwere Notlage gekommen und nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen namentlich gegenüber Bauhandwerkern gerecht zu werden. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um den genannten Vereinen die Fertigstellung der Dautn und die Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu ermöglichen, wie dies bei den auf Grund der Bestimmtmgen des Bundesrats vom Oktober 1918 unterstützten Bauten geschehen ist?"
ihislanö.
* 3n Schweden ist das Kabinett B r a n 1i n 3 zurückgetreten. Der König hat den Landeshauptmann Freiherr de Geer mit der Bildung des Kabinetts beauftragt. Der Kabinettswechsel ist eine Folge des Wahlausfalls.
* Griechenland. Die Meldung vorn Tode bes Königs von Griechenland hat sich nicht bestätigt, im Gegenteil, er befindet sich auf dem Wege der Besserung.
Ans dem Nachvargediet.
— Kerzell. Sonntag findet in der Gastwirtschaft Karl Die^elmann die Kaninchen.A ussteltung beS KreiSverbandes Fulda statt. Die Ausstellung ist be- schickt mit ungefähr 200 Nummern Kaninchen aller Nassen. In welch reicher Fülle die Pelze und das aus Fellen her estellte Leder Verwendung findet, zeigt die Abteilun' Produkte.
(!) Hünfeld. Es wird vor einem Manne gewarnt, dec im Auftrage der Firma Georg Schirmer zu Kassel den Mctotenbesitzern hiesigen Kreises Benzol zu fabelhaft billigen Preisen anbietet und sich auf Grund der von ihm versprochenen Li"erung eine Zahlung erschwindelt. Die genannte Firma läßt m Benzol überhaupt nicht reisen. 3m benachbarten ist 0 ß- bach zerstörte ein Schadenfeuer zwei Scheunen mft sämtlichen Futtermitteln.