47. Zahrg
nr. 245
des Völkerbundes zur Freien Stadt
unter dem
erhoben werden soll, unterzeichnet werden.
Aus -em besetzten Gebiet.
.-er Schrecken von IDitsäa' tn*. DaZ Kriegsbericht, der franzöfiichen Rheinarmee verurteilte die beiden Zoldaten der BesatzunzSarmee Trombmr und Soin, die während fed-S Monaten den Schrecken von Wiesbaden und Umgebung bildeten, zur Degradation und lebens, länglicher Zwangrarbeit. Die beiden Soldaten hatten in der Dunkelheit eine ganze Reihe von Ueberfällen auf Passanten verübt, die tte mit vorgehaltenen Re» volvcrn und den Seitengewehren bedrohten.
®ne Warnung an Poleru
Die aus Paris gemeldet wird, sst der dortige polnische Gesandte Paderewski nach Warschau abgereist, um der polnischen Regierung Bericht zu erstatten über die schweren Bedenken, W die Besetzung Wilnas durch Polm in Frankreich und England hervorgerufen hat. Paderewski ist beattftragt, seiner
Aeramworutch rüt Otu ..uuuionellen Teil: Karl Schütte, - tüt öt» t-nzeigen: 3. Parzener-tzulda. - iRotattonsorud u. Siet lag der Kuldaet Slctienbrurferei in Fulda, ■erniritdiet Rr. H. Ietegt.»2lbreüe: Fuldaer Zeitung
Regierung zu eröffnen, daß die Entente die sofortige ZurücknahmederBesetzung aus Wilna fordert. Eine in diesem Sinne gehaltene Note wurde gleichzeitig von England und Frankreich an Pole» überreicht.
htlsegefnch des deutschen Plebiszllkommlssars.
Der deutsche Absttmmungskommissar in Kattowttz, Dr. Urbaneck, Hot an die interalliierte Kommission in Oppeln ein Telegramm gerichtet, in dem er um Schutz für die deutschen Obertchlesier gegen die Drohungen Korfantys nachsucht. Rorfanttj hat nämlich in der .Ober- schlesischen Grenzzeitung" begonnen, die Namen derjenigen Deutschen onzugebenDwelche die an den AtssstandS» verbrechen beteiligten Polen angezeigt haben. Bei den unruhigen und unsicheren Verhältnissen kann diese Denunziation dieselbe Wirkung wie eine Kopfprämie h» den. -
Wie notwendig »ein nachdrücklicher Schutz unserer Volksgenossen vor dem polnischen Terror ist, zeigt deutlich die Tatsache, daß der darch Aufstand gestörte Schulbetrieb in einer großen Anzahl oberlch'est« scher Schulen bisher noch nicht wieder ausgenommen werden konnte, da die geflüchteten Lehrer infolge von Todesdrohungen nicht zurückzukchren wagten. General Martini sollte auch endlich Maßnahmen gegen da, Bandenunwesen ergreifen, das immer mehr, wie die Mordtaten in Gleiwitz bemessen, um sich greift Dienstag abend wurde ein schweres Verbrechen verübt. Banditen drangen in Drzczink in die Wirsschaft des Wirtes Kunopke ein, erschossen die Frauen und oer- fetzten den Mann tödlich. Ententesoldaten verhafteten in Hindenburg mehrere Personen wegen Waffenbesitzes. Bei Haussuchungen wurden zwei Maschinengewehre, 10 Karabiner und 5000 Patronen beschlagt nahmt. Die Massen sollen von Neustadt nach der» Borsigwerk geschafft worden sein.
auto, mit dem er sogar die re etmähisen Fahrten nach Moskau — achthundert Kilometer hm und achthundert zurück — er eürgt, während er in Rußland sonst an Benzin natürlich fast völlig fehlt Stuf |einen Fahrten hat er einen Koch, einen Kammerdiener und einen Sekretär bei sich. Sem Koch scheint vorzüglich zu lochen, denn Sinowjew, der in der Schweiz nicht gerade durch Körperfülle au,fiel, ist in dem verhungerten Rußland so dick und fett geworden, daß er wie da» Reckame- bild eines Schlemmerrestaurants erscheint. ES war für alle, die nicht biössinntz und durch ihren Parleihaß vertiert sind, ein besonders packendes Bild, als diesem runden Reoolutionsgewinnler, _ diesem umjnbelten .Proietarierführer", der abgehärmte, kranke, auSge- mergelte Martow, der Führer der Menschewiki, entgegnete. ES ist noch zu erwähnen, daß Linowjew der Universität in Petersburg seinen Namen verliehen hat. Diese wissenschaftliche Anstalt, jetzt.Universität Sinoio- jero* *, ist auf diese Weise sehr geehrt worden. In Halle wohnte Sinowjew mit seinem Gefolge im Hotel .Hohen- zollern". Er hatte dort vierzehn Zimmer belegt, hatte fortwährend AutoS zu seiner Verfügung, die vor der LLe aus ihn warteten, und ließ sich, wie wenigstens oerfidiert wird, nachts von zwei zuverlässigen Türhütern bewachen. ________________
Das Schicksal Danzigs.
In diesen Tagen fällt der Botschafterrat in Paris die endgültige Entscheidung über das Schicksal der Stadt Danzig. Ganz Danzig eiwaiter sie mit großer Spannung. (Eine Deputation der Stadl Danzig sowie eine polnische Deputation befinden sich in PaiiS, die dort ihre Vorschläge und Anträge unterbreitet haben. England und Frankreich haben einen gemeinsamen Vermitllungsvotschlag feittgge- stellt, aus dem der,East Expreß' folgende Haupt- punke wiedergibt:
»Die Führung der auswärtigen Avgelegenhei- ten der Freien Stadt Danzig ist Polen zugestanden. Danzig erhält aber das Recht, seine eigene Flagge zu fuhren. ’ Außerdem bestimmt der Entwurs, daß in Danzig die Hafenoerwaltung zu belassen ist Dieser werden nicht nur der Hafen mit seinen gesamten Anlagen, sondern auch die Eisenbahnen unterstehen. Die Danziger Hafenverwaltung erhält den ge- samten ehemaligen Besitz des Deutschen Reiches und des preußischen Staates. Die Zollverwaltung wird in den Händen der sreistaatlichen Behörden belassen."
Daß die Führung der cmswärtigen Angelegenheiten der freien Stadt Danzig den Polen zugestanden werden soll, findet schwerste Bedenken bei der deutschen Bevölkerung Danzigs. Die Danziger Delegation hat ihre Antwort zu dem Entwurf der Botschafterkonferenz rechtzeitig ferttssgrstellt. Wie verlautet, soll die Enttäuschung der polnischen Delegation über die Bestimmun- gen des französisch-englischen Entwurfs so groß sein, daß sie di« Bedingungen als unannehmbar' für Polen erklärten, — was ja immerhin ein 'gutes Zeichen wäre. So wie die Danziger Delegation hat auch di« polnische ihre AbäiÄerungsvorschläge eingereicht und droht mit Verweigerung der Unterschrift, falls die polnischen Borschläge nicht berücksichtigt werden.
Unterzeichnung Samstag.
Nach einer Havasmeldung hat der Dotschasterrat Dienstag nachmsttag das Abkommen, das zwischen Polen und Danzig getroffen werden soll, in der oben mit- geteilten Form genehmigt. Wahrscheinlich wird am nächsten Samstag die Uebereinkunst gleichzeitig mit dem Beschluss« ber Möchte, wonach die Stadt Danzig
ihn erwarten würde, wenn er setzt nach Nutzland zurückkehrte, nachdem er hier es gewagt habe, gegen Sinowjew auzfutreten. Wörtlich sagt er: Nicht, Hai mir den Tiefstand der russ. Revolution mehr zum Bewußtsein gebracht, als die Frage mancher dem- scher Genossen, wie es mir wohl ergehen würde, wenn ich nach Rußland zurückkehren würde, da ich gegen Sinowjew gesprochen habe. Ich muß schon heute fürchten. daß für jedes Wort, das ich hier offen gefagi habe, gegen meine Parteigenossen in grausamster Weise vorgangen wird, von denen Hunderte im Gelängnis schmachten." Während dieser Ausführungen ereignen sich Szenen von solcher Gewalt, datz man sie auch mit den glühendsten Worten nicht zu schildern oer- möchte. Ein hundertstimmiges rasendesPfui der in furcht- barer Erregung aufspringenden Vertreter der Rechts, richtung schallt Sinowsew entgegen. Es enssteht ein ungeheurer Lärm. Man schreit: heraus mit dem Bluthund! Mörderzentrale! 3hr Hunde! 3hr Marder! Sinowjew lacht dazu nur! Zu feinen Gunsten aber er. hebt sich ein Getobe wütendster Art bei den Linksradi- taten. Man ruft den Vertretern der Rechten die un- flätigsten Schimpfworte zu. Wenn man es nicht selbst erlebt hätte und mitten in dem Sturm gestanden wäre, würde man es nicht glauben wollen, daß tatsächlich deussche Arbeiter es fertig bringen würden, solche Schandtaten der Russen gegen ihre eigenen Kameraden in Schutz zu nehmen! Das Unglaublich« ist aber dennoch geschehen!
Diese Szenen dauern fast eine Viertelstunde lang. Dem Vorsitzenden Droh gelingt es trotz andauerndem Schwingen der Glocke nicht, Ruhe zu schassen. Cs scheint manchmal, als wenn die Vertreter der beiden Richtungen mit einander handgreiflich werden wollen. Martow fährt fort, er habe von seiner Partei den Auftrag be- kommen, diese Dinge unbekümmert um alle Folgen und allem Terror gegen die eigenen Parteigenossen offen auszusprechen. Dan keiner Drohung lasse er sich ein« schüchtern. Einmal werde doch der Tag der Rache kommen! Es müsse jetzt die Wahrheit ausgesprochen werden gegen die heutigen Machthaber von Rußland! Nach jedem dieser Sähe erhebt sich gewaltiger elementarer Beifall auf der Rechten, pariert von unbeschreiblichem Toben der Linken. Als die Rede zu Ende ist, komm, es zu erneuten Szenen von unerhörter Dramatik. Die Rechte schreit, nein, sie brüllt Beifall! Das Händeklatschen und das Futztrampeln Netz den Saal erzittern. Ave die Zurufe von vorhin, wie .Bluthunde', „Mör- ber" ufw. wiederholen sich. Auf der Linken wie auf der gesamten Tribüne wird dem gegenüber ein mehrere Minuten lang dauerndes indianerhastes .huhu" ange- stimmt, kurz ein furchtbarer Radau. .....
Selbstverständlich werden jene unreif« Kopfe, denen das Waten in Menschenblut eine Wollust ist, durch die wahrheitsgemäßen Schilderungen Martows nicht bekehrt werden. Sie haben Sinowjew Viertelstunden- lang begeistert »ugejnbelt, als er zu Mord und Brand aufpri'fchte, als er die russischen Methoden zur Noch- ahmung empfahl, die Deutschland in denselben Abgrund von Blut und Elend stürzen würden, in dem Rußland sich befindet. Man müßte aber an der Menschheit verzweifeln, wenn die Rede MartowS auf die große Masse nicht wie ein Flammenzeichen wirkt und den betörten deutschen Arbeitern, die noch immer dem Phantom von Moskau nachjaaen, endlich einmal die Augen öffnet über die Hölle, die sie erwartet, wenn der russische Schrecken auch in Deutjch- land Wirklichkeit werden sollte.
Sinowjew.
Ueber die Persönlichkeit SinowjewS-Apselbaum werden dem .Derl. Tagebl- einige Mitteilungen gemacht, die wir gewissermaßen aI8 Beitrag zur Kultur- geschickte Sorojetrußland» wiedergeben möchten. Als Sinowjew mit Lenin in der Schweiz lebte, war er offenbar nur mit geringen Mitteln versehen, und seine Lebensführung mußte sich diesem bescheidenen Kassen» bestand« anpassen. Aber während Lenin auch nach dem Siege des Bolschewismus auf äußeren Glanz verzichtet, genießt Sinowjew die Vorteile und Freuden der Nacht in vollen Zügen. Sinowjew ist Oberbürgermeister von Petersburg. Er bewoont einen der schönsten Paläste und umgibt sich mit all dem Luxus, ber e nen Empor- kömmling befriedigen kann. Sinowjew benutzt auf Reisen sehr umern die Eisenbahn. Er besitzt ein Reise-
FuldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda. ____
Die russische Hölle.
Noch haben die Bolschewisten Sinowjew und § o s o w s f i Deutschland nicht verlassen. Man mag über den Einlaß der ungebetenen Herrschaften und die Verzögerung ihres Abschubs verschiedener Meinung sein: jedenfalls entbehren di« beiden Grossen jetzt des Märtyrerheiligenscheines, der ihnen angeklebt worben wäre, ®enn man sie nicht nach Halle hätte gehen lassen. Sie haben die Gelegenheit genützt, bas System des Bolschewismus in einer Weife bloßzustellen, wie es keinem anderen je hätte gelingen können. Wenn etwas zur Sprengung der Unabhängigen in Halle beigetra- «n hat, bann sind es die beiden Sendling« aus dem Osten gewesen, und ohne die beiden Bolschewiken wäre auch ber greife und verhärmte Martow nicht zu Wort gekommen, der den Scheinwerfer seiner furchlba- jen persönlichen Erfahrungen auf die Moskauer Wür- ger richtete.
1 Martow Ist der Führer der Menschewiki, derjenigen russischen sozialdemokratischen Partei, die im wesent- llchen das revolutionäre Programm der U. S. P. vertrat. Unter dem Zarenreiche hat er wegen seiner re- «»lutionären Betätigung 15 Jahre in Sibirien geschmach- tet. Umso erschütternder und umso wahrheitsgetreuer müssen die Schilderungen wirken, die dieser alte Revolutionär 'm ber Freitagsitzung der Haller Tagung von .der Schmach Rußlands und des russischen Proletariats in scharfem Gegensatz zu der Rede Sinowjew am Tage zuvor entwarf. Seine ganze Rede, bk von ehren, Deutschen verlesen wurde, war nichts weiter, als eine ifurchtbare Anklage gegen die Tyrannei der Dolsche- iwisten, als eine Bestätigung aller Schreckensnachrichten, fdk aus Rußland, wenn auch nur spärlich, nach West- jlkuropa gelangten. Don einem Besucher des Partei- ■toges in Halle wird uns hierüber noch folgendes ge- 'schrieben:
Martow bezeichnete es als seinen Auftrag, hf« fürchterliche Herrffchaft ber Bolschewisten vor ber Welt oukzudecken. Mitbestimmunasrech, des Volkes ist für die Sowjets ein unbekannter Begriff. Nie und ntrgenbs wird bas gequälte russische Volk auch nur gehört Selbst in seinen Lebensfragen wirb ohne sein Dissen und ohne seinen Willen entschieden. Alles be- schließt und alles ordnet nur lediglich die Regierung. Bei der letzten Tagung unserer Partei, bei der 58 unse. rer Mitglieder dem Terror zum Opfer fielen (furchtbarer Tumult und erregte Pfuirufe rechts, höh» nisches Lachen links) wurden sogar die Abzüge der Weben b'er deutschen Unabhängigen beschlagnahmt, f(gewaltiger Lärm, der minutenlang onhä't. Auf den Bänken ber Rechten geht es ungemein stürmisch zu. Dort ertönt ein bunbertftimmiges Pfui. Die Fäuste ballen sich gegen Sinowjew und die Linke, die diese Mitteilungen mit Lachen entgegennimmt.) Martow bezeichne, Sinowjews Darstellung, die Bolschewisten wollten die Deusschen nicht zu einem Krieg mit ber Entente bringen, als eine Unwahrheit Trotzki habe ausdrück, lich erklärt, daß die Bolschewisten ber Entente am Rhein die Entscheidungsschlacht liefern würben. Markow geißelt ferner das Bündnis der russ. Bolschewisten mit Enver Pascha, diesem Mann, ber die Ermordung einer Million von Armeniern auf dem Gewissen hat.
3m übrigen geht ber russische Delegierte der Men- schewiki auf alle Einzelheiten der Stnowjew'schen Rede ein. Es ist eine furchtbare Anklaaerede gegen die Bolschewisten, gegen bas bolschewistische Snstem. die Boi- schewistenführer. unh den ungeheuerlichen Terror der Sowsetntachtbatzer Man hort da aus berufenem Münde geradezu enssetzliche Tatsachen. Der Russe schildert die Geitzelerschietzungen, die massenhaften Hin- richtungen. — Achthundert Menschen hin- gerichtet in einer einzigen Nacht aus reiner Rachsucht, darunter eine ganze Anzahl von Eozialisten. Tausende schmachten in b en Kerkern, und Martow bestätigt, daß Frauen und Kinder als Geiseln für ihr« Männer und Sätet dienen müssen. Erschießungen, Verurteilung zur Zwangsarbeit, Zwangsak-lchiebungen an die Front sind an der Tagesordnung. Markow erklärt, daß er sich aar keinem Zweifel darüber Hingabe, welches Schicksal
Dom Bergarbeiierstreik in England.
Im Unterhaus« hat am Dienstag eine Aus» fpradje übet den Bergarbeiterstreik stattgefunden, bte von ausgesprochen versöhnlichem Geiste getragen war und bas Ergebnis hatte, daß Lloyd George den Dor» schlag der Arbeiterführer annahm, eine Konferenz beet Kohlenarbeiter und der Grubenbesitzer abzuhalten unter dem Vorsitz« des Ministerpräsidenten. Diese Konferenz soll den Dermittlungsvorschlag Brace prüfen, der eine sofortige provisorische Lohnerhöhung vorsteht, sowie die Einsetzung einer Kommission von Bergwerksbesitzern» Arbeitern und Regierung zur Erhöhung ber Fördern« gf imb Ausarbeitung eines neuen DerteilungsmaßstabS. für bie Lohn- unb Gewinnanteile. Eisenbahner und Transport arbeitet halten sich sehr zurück, um die parlamentarische Aktion nicht zu stören. Noch dem „Manchester Guardian" entspricht dies auch dem Wunsch bei Bergleute.
Die Streiklagr selbst ist unoeränbert. Die Folgen, des Ausstandes machten sich bereits sehr empfinblich bemerkbar. 3n Schottland stehen alle Eisen- und Stahlfabriken still. 30 000 Metallarbeiter in Durham sind arbeitslos. In Mrksire wurde mit dem Löschens der Hochöfen begonnen. 3n Stafford sind 20 000 Metallarbeiter arbeitslos geworden. Die Arbeitszeit von 10 000 Arbeitcrn in den Schuhfabriken von Leicester wurde eingeschränkt, damit der Betrieb oufrerftf erhalten werben kann. Die Forderungen von Lohnerhöhungen von 180 000 englischen Fuhrleuten und Motortransportarbeitern brohen ebenfalls zu einem Streik zu führen.
I Bezugspreis: Monaiuch Z.vo Mt. ohne Zusteügevuhl. jnytl üu bet unsubgeljolt 3,15 Alt. Anzeigenpreis : DieKleinzeile (doioneimaB) 60 p,g„ u. 10». Zuschlag, die R-tiamezeile (Tenbreite, 1.83 Bit, u. 10% Zuschlag. Lei Wiederhol. Rabatt.
Das Schwert von Thule.
Roman von Leontine von Winterfelb-Platen. Ul -----
„Was hast Du, Heilwig? Du siehst so weiß aus wie der Tod, und in Deinen Augen ist ein großer Schmerz. £), vertraue mir doch und sage mir, was Dir tft!"
Eie hatte die Atm« schlaff sinken kaffen, unb sah ihn mübe en aus großen, tiefumschatteten Augen.
„Nicht hier, Veit, auf der Diele — mcht hier —, Wo jedermann uns Horen kann."
Auf seinen Wangen brannten wieder die beiden roten Flecken, so erregt war er. Er packte fie fest am Handgelenk.
„Sa komm mit mir in bi« große Wohnstube. Da ist niemand zu biefer Stunde. 3ch muß es wissen, was man Dir getan hat."
Und er zog die Willenlose mit sich fort — bi-1 ^revpe hinauf, ins leere Wohngemach. Zum großen 1' %'tuhl feines Vaters führte <r sie und hieß sie dort ftnieder- letzen.
Sie tot es schweigend, wie «in müdes Kind. Und merkte bebet nicht, rote weich seine Hand die ihre ftreifte, und rote er mit zitternden Fingern beruhigend Und ltebkoienb über ihr blandes Haar strich.
„Nun faoe mir alles, Heilwig, hörst Du? Alles mußt Du mir sagen."
Do war es, als ob sie langsam aus ihr-- atoßen Starrheit erwachte. Als ob das Eis, das die Wort« b«r Ratsherrin io fest um ihre Seele gelegt, jäh zu fchmelzen beginne.
Unb ihre Lippen zitierten, als sie jetzt mit (eifer, »eher Stimme sagte:
„Es kommt alles fo auf einmal über mich. Veit Das hat mich so g-packt. Das große Leid Deiner Schwester, die krank vor Grom auf ihrem Bett« liegt. Und dann bie Nachricht, daß mein Ahne starb. So einsam starb ba oben im hohen Norden."
Und was sie |o lange zurückgekämpft hatte mit trotz!- ger Kraft, brach sich nun jäh und gewa'tsom Bahn Sie schlug die Hände vor bas Gesicht unb fing bitterlich an tzu »einen. -
Beit stand erschüttert und in großer Ratlosigkeit vor ihr. Alles in ihm schrie danach, ihr zu helfen, ihr ein liebes, tröstendes Wort zu jagen. Aber sie weinte so heftig, daß sie nichts verstehen konnte von seinem leisen Stamnzeln.
So kniete er nieder vor ihr unb streichelte nur Immer ihre Hände — unablässig.
tt-d dann, als ihr Weinen leiser, ruhiger wurde, perf. djte er weich, ihr die Hände vom Antlitz zu ziehen.
„Sieh, Heilwig, Du darfst nicht so weinen — o, es schneidet mir ins Herz. Denn Du bist da« Schönste und Hehrste, das ich kenne. Froh möchte ich Dich sehen, weiß Gott — allweil nur froh und lachend. Denn sieh, Heilwig, ich habe Dich doch so unsäglich lieb! Sieber als alles in der Wett. Du bist In meinen Träumen und Gedanken Tag und Nacht."
Sie hatte jetzt die Hände vom Gesicht genommen und starrte ihn an aus weit offenen, tränennassen Augen. Er sah nicht die Angst und das Entsetzen in ihrem Gesicht. Er war wie trunken von ihrer süßen Nähe. Aber noch ehe er beide Arme um sie schlingen konnte, war sie aufgesprungen. Zurück war sie getaumelt und wäre fast gefallen, wenn sie sich nicht mit beiden Händen an der schweren Rückenlehne des Sessels genommen hielt. 3n ihrem weißen Gesicht war eine große Not unb Dual.
„0 Veit — was tust Du? Was tust Du? Mutz ich nun auch meinen einzigen Freund hier verlieren im Hasielbachhaus? Muß ich mir alle zu Feinden machen? D Beit, und ich habe Dir fo sehr vertraut! Gern ge- mach! habe ich Dich wie einen Bruder. Aber nie mehr — nie mehr! Ach, womit habe ich bas verdient um Euch?"
Er hatte sich von den Änieen erhoben unb stand fetzt vor ihr. Wie Feuer brannten die roten F'ecke auf 'feinen Wangen, und feine .Hände zitterten. Er rang nach Worten.
Unb bann fie! eine jähe Mässe Über fein fflefi/ unb er trat schrittweise zurück.
„Heilwig. bet Gott im Himmel! Du fr'ft mir hetlq. und ich habe Dich nicht verletzen roo’fen. W e ein F e- ber ist es Ober mich gekommen. Vergib mir. Nun mutz ich fort aus diesem Haus tn die weite Welt, denn
ich kann fürder nicht mehr leben mit Dir unter einem Dach. Weil ich mich so vergaß. Und weil es geschehen könnte, Heilwig, daß ich mich noch einmal so vergäße, wenn Du mir nahe bist. Denn ich liebe Dich, Hellwig. Und so war ich nimmermehr Herr über mich selbst. Vergib mir."
Er sah sie noch einmal an. Mit einem langen, verzehrenden Blick. Dann ging er aus der Stube. Draußen aus der Treppe hörte sie seinen Schritt verhallen.
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Um bas Hossekbachhaus am Marktp'ah zu Rostock geht der Nachtwind Die engen Gassen kommt er her» ausgcsegt mit wildem Geheul und rüttelt an Türen und Fensterläden, an den verschnörkelten Giebeln unb rußigen Schornsteinen.
3m Hasselbachhauk« scheint alle« zii schlafen Nur oben in dem kleinen Schlofgemach der beiden Mädchen brennt noch Licht. Heilwig hat es entzündet, weil E'i'a- beth fo trostlos stöhnte auf ihrem Lager. Nun sitzt sie im langen, weißen Nachtkleid mit den gelöftm, blonden Haaren am Bett der anderen und lauscht ängstlich aus bie kurzen, unregelmäßigen Atemzüge. Hin und her wirst sich bie Kranke und nosse Tücher hat ihr Heilwig auf die weiße, brennende Stirn gelegt. Unruhig flackert der Ricnfpan Im Essenring und wirft ein zuckendes, gelbrotes Licht durch die klerne Stube. Heilwig hat beide Hände um die Knie geschlagen uns» starrt in die knisternd« Flamme. Bus den Nordwind lauscht sie, der um den Giebel streicht.
Don der S?e kommt er ja her — von ber großen, gewaltigen! Ob er ihr Grüße bringen will von da? Oder von dem toten Ahnen, der den Nordwind fo sehr geliebt?
Regunas'os sitzt Heilwig. Es ist etwas Starres In ihrem Gesicht Sie weiß, daß nun etwas anderes wer- den wird in ihrem Leben. Ganz, ganz anders! Denn sie kann nicht mehr im Hasselbachhause bleiben, fett Veit ihr leine Liebe gestanden. Denn er darf nicht fort in die weite Welt um ihretwillen. Was würden die alten Hasselbcchs dazu sagen? Und sie selber würde stck ' immer Vorwürfe machen. Ach aber wo sollte sie hin? Do nur? Sie stützte den Kops in die Hände und iann unb sann (Sortierung folgt)
Deutscher Reichstag.
Die Scheidung in der unabhängigen sozialdemokratischen Fraktion ist jetzt auch äußerlich im Reichstag ix bie Erscheinung getreten; bie Fraktion Eichhorn oder rote sie ber Parlamentswitz getauft hat, „die Eichhörnchen", sitzen jetzt geschlossen bei einander und zwar aus dein äußersten linken Flügel im hinteren Teil, an ihrer Spitze der bisherige einzige kommunistische Abq. Dr. Levi. Gegenstand der Verhandlungen des Reichstags rosr am Mittwoch ein schleuniger Antrag der Rechts-Unabhängigpil, Richtung Ledebom, der die Aufhebung der
Ausweisung der Sowjet-Führer Sinowjew und Loloroki
derlangt. Es tarnt eigenartig anmuten, daß dieselben Leute, die Sinowjew in Halle mit Hohn und Schimpf übergossen hat. sich heute bemüßigt fühlen, diesen selben Herren gegen eine nur zu gerechtfertigte Maßnahme der Reichsregierung m Schutz nehmen. Offenbar aber ist es bas Bestreben, bet Ledebourschen Richtung zu zeigen, daß fie gleichwohl für die .Freiheit" zu kämpfen getarnten sind.
Der jegrünber des Antrags Abo. Rosenfeld spielt« eine wei q glückliche Rolle, namentlich als er pathetisch forderte, daß der Kampf der Meinung nur mit — geistigen Wassen geführt werden dürfe. Das ist ein eigenartiges Derlaneen des Vertreters einer Partei, die sich nicht ge» scheut hat. keine Gelegenheit unbenutzt Darübergeben zu las- fett, um dem überwiegenden Teil des deutschen Volkes das Diktat einer Minderheit mit Gewalt «mszuzwingen. Die Aeußerung hatte denn auch einen stürmischen Heiierkeits» erfolq. Es kann kein Zweifel sein, daß dos Verhalte» der Retchsregierung im Falle Sinowjew durchaus gerechtfertigt gewesen ist. Dem Außenminister Dr. Slmons^var es bann auch cm Leichtes, den Nachweis zu führen, datz die Reichsreqierung sich nicht mir korrekt oerhaiten. sondern darüber hinaus noch ein großes Maß von Entgegenkommen bewiesen hat, welcher aber von den Sowiet- Bcrtretern damit beantwortet worden ist. daß sie sich Über die emgegangenen Derpllichtungen einfach hinweg, gefetzt haben und die ihnen gewährte Gakttreundichaft auf das schwerste verletzt haben. Es ist auch bemerkenswert, von dem Außemnmifter zu hören, daß die Russen in einer Stärke gekommen sind, di« bei den Vorverhandlungen ab- gelehnt worden war, so daß eine Anzahl dieser Vertonen wieder adgefchoben werden mußte. Sie hätten aber unterdessen ihre mrhrtämge Anwesenheit in Hamburg dazu be- nutzt, um dort geheim« Wühlereien yi betreiben. Simon»